Presseschau 11.03.: Techno auf dem Klavier

11.03.2011 von  

Gestern Abend war Francesco Tristano in der Hamburger Laeiszhalle zusammen mit Carl Craig, Moritz von Oswald und den Hamburger Symphonikern auf der BĂĽhne. Bereits vor ein paar Tagen berichtete Ulrich Stock auf Zeit Online von einer Zugfahrt, die er mit dem Pianisten unternommen hat. Es ging mit dem Regionalexpress von Berlin nach Halberstadt, drei Stunden hin und drei wieder zurĂĽck. Auf der Reise erzählte Tristano von seiner Arbeit. Er ist kein gewöhnlicher klassischer Musiker, es geht ihm um die Ă–ffnung schlechthin. Vor vier Jahren veröffentlichte er das Album „Not For Piano“, auf dem er Techno auf dem Klavier spielt. Aktuell spielt der von Detroit und Minimal Techno beeinflusste Musiker Johann Sebastian Bach und John Cage so, als ob sie eins wären. Die Fahrt ging nach Halberstadt, weil Tristano dort das längste Konzert der Welt besuchen wollte – „Organ²/ASLSP“ von John Cage, welches 639 Jahre dauern soll.

Sven Regener ist nicht nur Musiker bei Element Of Crime und Buchautor („Herr Lehmann“), sondern auch Blogger. FĂĽnf Jahre lang hat er im Internet LogbĂĽcher zu den verschiedensten Themen verfasst. Er lieferte Einblicke in das Tourleben mit seiner Band, erklärte, wie der Autor Deutschland und Ă–sterreich miteinander versöhnt und nahm die Leser mit auf die Suche nach dem richtigen Stand auf der Frankfurter Buchmesse. Nun ist daraus ein „Hybrid zwischen Tagebuch und Roman“ mit dem Titel „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ entsanden, wie 3sat berichtet. Das Deutschlandradio Kultur traf Regener zudem, um sich mit ihm ĂĽber das Buch zu unterhalten.

Die Band Hercules And Love Affair ist derzeit immer noch in Europa auf Tour. Deutschland haben sie inzwischen aber verlassen. Es ist also Zeit fĂĽr einen kleinen TourrĂĽckblick. Vera Hummel hat das Konzert in Berlin besucht und vergangene Woche in unserem Magazin davon berichtet. Ein ecken- und kantenloses, nicht langweiliges, nicht anspruchsloses, sondern den eigenen AnsprĂĽchen gerecht werdendes Konzert hat sie im Berghain gesehen. Der oft wiederholte Ausruf „Berlin, du geile Sau!“ fiel ihr besonders auf. Genauso erging es der taz, die aber auch fand, dem Kollektiv fehle Dynamik und Improvisation. Ebenso wenig wie alle anderen auch, vermisste Stefan Michalzik Antony Hegarty, den Sänger von Antony & The Johnsons, der 2008 noch fĂĽr Hercules And Love Affair sang, inzwischen jedoch nicht mehr dabei ist. Michalzik besuchte das Konzert im Offenbacher Hafen 2 und schreibt fĂĽr die Frankfurter Rundschau darĂĽber.

Andres Veiels aktueller Film „Wer wenn nicht wir“ erhielt auf der Berlinale den Alfred-Bauer-Preis fĂĽr die Eröffnung „neuer Perspektiven der Filmkunst“. Der Freitag stellt die Frage, ob er diese Perspektiven wirklich eröffnet. Dem Film wird eine Mutlosigkeit bescheinigt, nicht nach Abstraktion oder Fiktionalisierung zu suchen. Es wird resĂĽmiert, dass der dem Schnitt zum Opfer gefallene Teil des Filmes womöglich der interessantere Film gewesen wäre.

Zum Abschluss wieder mal ein bisschen neue Musik: Es gibt ein neues Video der Band Here We Go Magic. Bei Spinner war „Casual“ gestern Video of the Day. Und Pitchfork weist darauf hin, dass es das neue Album von The Pains Of Being Pure At Heart auf deren Website im Stream zu hören gibt.

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  1. [...] Eine andere Größe der deutschen Popkultur, Sven Regener, hat sich mit Thomas Winkler von der tageszeitung zum Interview getroffen. Regener erzählt in dem Gespräch, warum er trotz Sorgen, peinlich zu wirken, bloggt. KĂĽrzlich sind Sven Regeners verschiedene Internet-TagebĂĽcher in gesammelter, nicht nachbearbeiteter Form als Buch (“Meine Jahre mit Hamburg-Heiner. LogbĂĽcher”) erschienen. (Wir berichteten.) [...]