Dokufilm ĂĽber US-Rapper Tyler, The Creator geleakt

26.11.2014 von  

Foto von Tyler, The CreatorTyler, The Creator

„YEAH THIS MOST LIKELY WONT END UP ON THE INTERNET SO YEAH“, proklamierte der US-Rapper Tyler, The Creator vor einer Woche ĂĽber seinen Instagram-Account. Mit „This“ meinte er die 30-minĂĽtige Dokumentation ĂĽber das Making-of seines Albums „Wolf“, die er in einer Kleinauflage von 100 Exemplaren veröffentlichte. Kurz darauf landete sie dann doch auf YouTube und Tausende von Fans konnten den Rapper beim lauten Denken und bei der angestrengten Diskussion mit dem Produzenten beobachten. Womöglich war es die entmystifizierende Darstellung des Rappers, die dazu fĂĽhrte, dass das Video schnell wieder gelöscht wurde.

Tyler, The Creator und seine anarchistische HipHop-Crew Odd Future Wolf Gang Kill Them All wurden vor rund drei Jahren schlagartig mit dem Video zur Single „Yonkers“ bekannt, in der Tyler eine Kakerlake isst, sie erbricht, um sich schlieĂźlich in ein zombieskes Monster zu verwandeln. Der „ultimative Anti-Establishment-Act“, schrieb der britische NME, während die deutschen Medien aus der ĂĽblichen Verzweiflung ĂĽber den Begriff der Kunstfreiheit verbrauchte Begriffe wie „Skandalrapper“ heranzogen, um eine längst vergangene Zeit aufzurufen, in der Songs ĂĽber exzessiven Drogenkonsum, vorehelichen Sex und explizite Gewalt noch nicht als genialer Marketingcoup enttarnt worden wären. Zuletzt erregte Tyler mit F-Wort-schwangeren Tweets ĂĽber das neue Album von U2 die Aufmerksamkeit. Ăśber ein neues Album ist bisher noch nichts bekannt.

Tickets fĂĽr Boiler Room in Hamburg

26.11.2014 von  

Foto von Carl CraigCarl Craig, der im Rahmen des Boiler Rooms in Hamburg auftreten wird

Angefangen hat alles als Livestream von DJ-Sets in einem Lagerhaus im Osten Londons – mittlerweile ist Boiler Room eines der bekanntesten Musikformate im Internet. Die Kombination aus privaten Veranstaltungen und einer besonders fein kuratierten Auswahl an KĂĽnstlern, deren Auftritte weltweit live gestreamt werden, macht das Event so einzigartig.

Am 11. Dezember findet der erste Boiler Room in Hamburg statt, der sich musikalisch zwischen Elektronik und Klassik bewegt. Bestätigt sind: Carl Craig, Francesco Tristano, Gregor Schwellenbach und Brandt Brauer Frick.

ByteFM verlost 5Ă—2 Gästelistenplätze fĂĽr Ballantine’s Boiler Room in Hamburg. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns bis zum 2. Dezember mit dem Betreff „Room“ und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinnerinnen und Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per E-Mail.

Der Termin:

11.12.14 Hamburg

Tina Turner wird 75

26.11.2014 von  

Tina Turner
Tina Turner (Foto: Peter Lindbergh)

Tina Turner, heute ein Superstar, hat ein Leben voller Höhen und Tiefen hinter sich. Zusammen mit Ike Turner wurde sie in den 60er-Jahren einer breiten Ă–ffentlichkeit bekannt. Nach der Trennung musste sie sich wieder nach oben kämpfen. Mit der Single „What’s Love Got To Do With It“ wurde sie 1984 wieder zum internationalen Star und hat seitdem nicht an Popularität verloren.

Geboren wurde Tina Turner als Anna Mae Bullock am 26. November 1939 auf einer Farm in Tennessee. Ihre Mutter verlieĂź die Familie frĂĽh, woraufhin Turner bei ihren GroĂźeltern aufwuchs. Nach dem Tod ihrer GroĂźmutter zog sie dann gemeinsam mit ihrer Schwester nach St. Louis, wo ihre Mutter lebte. Turner, mittlerweile 17, erkundete mit ihrer Schwester das Nachtleben und die Musikszene der Stadt. So lernten sie Ike Turner und seine Band Kings Of Rhythm kennen.

Als der Musiker Art Lassiter einer Aufnahmesession mit Ike Turner fernblieb, nutzte Tina die Chance und sang einen Part fĂĽr „A Fool In Love“ ein. Der Song wurde im Sommer 1960 ein Hit. Ike gab der Musikerin ihren KĂĽnstlernamen und sie begannen eine langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit. Mit der „Ike and Tina Turner Revue“ waren sie unablässig auf Tour, traten manchmal 90 Tage am StĂĽck auf, und wurden in den ganzen Staaten bekannt. Sie spielten unter anderem im Vorprogramm der Rolling Stones, die damals schon groĂźen Erfolg in den USA genossen.

Ike und Tina Turner waren auch privat ein Paar, jedoch wurde die Beziehung zur Belastung für Tina. Ike wollte sie stets unter seiner Kontrolle haben und wurde ihr gegenüber gewalttätig. Nach einem besonders schlimmen Vorfall reichte Tina Turner 1976 die Scheidung ein. Um die rechtlichen Verhandlungen dazu schnell abzuschließen verzichtete sie auf jedwede Rechte an den gemeinsamen Aufnahmen, sie behielt nur ihren Künstlernamen.

In den Jahren darauf arbeitete Turner an ihrem Comeback. Mit Erfolg – ihr Album „Private Dancer“, mehrere Singleauskopplungen davon, unter anderem das gleichnamige Lied, wurden 1984 zu internationalen Hits. Es folgten Singles wie „We Don’t Need Another Hero“ und „The Best“. Im Laufe ihrer Karriere erhielt Tina Turner sieben Grammys und viele weitere Auszeichnungen. Sie ist eine der erfolgreichsten Musikerinnen der letzten Jahrzehnte. Heute lebt Tina Turner in der Schweiz.

Nick Drake starb vor 40 Jahren

25.11.2014 von  

Nick Drake
Nick Drake (Foto vom Cover seines DebĂĽts „Five Leaves Left“)

Der Regen, der Morgen, der Mond, die Blätter – die Natur ist sehr präsent in den Liedern von Nick Drake. Und entsprechend sanft und behutsam klingen seine Folksongs, die beinahe nur von einer Akustikgitarre und seiner Stimme getragen werden. Beim Hören seiner Musik fällt es nicht sofort auf, dass ĂĽber dem Leben von Nick Drake ein dunkler Schatten lag.

Der Musiker, der am 19. Juni 1948 in Burma geboren wurde und in der Nähe von Birmingham aufwuchs, trat ungern live auf. Ein Konzert in Cambridge, wo er studierte, fĂĽhrt jedoch zu seinem Plattenvertrag. Dort sah ihn Joe Boyd, der schon The Incredible Stringband und Fairport Convention produziert hatte. Boyd sollte zu einem Mentor fĂĽr Nick Drake werden. Gemeinsam nahmen sie sein DebĂĽt „Five Leaves Left“ und den Nachfolger „Bryter Layter“ auf. Beide Platten bekamen positive Kritiken, doch der groĂźe Erfolg blieb aus.

Das zog Drake, der anfällig fĂĽr Depressionen war, runter. Er hatte zuvor sein Studium abgebrochen und war nach London gezogen, wo er sich zusehends isolierte. Zu allem UnglĂĽck hatte Joe Boyd London verlassen und war nach Los Angeles gegangen. 1971 gab es aber einen Lichtblick. An zwei kalten Oktobernächten ging Nick Drake ins Studio, um das Album aufzunehmen, was Jahrzehnte später Kult wurde – „Pink Moon“. Diese Entwicklung konnte er damals nicht erahnen. Und er machte seinem Label die Vermarktung schwer – zu Interviews und Live-Auftritten lieĂź sich der Musiker nicht bewegen.

Nach der Veröffentlichung von „Pink Moon“ im Februar 1972 zog Nick Drake zu seinen Eltern zurĂĽck und wurde immer mehr zum Einzelgänger. Seine Schwester Gabrielle sagte später, dass damals eine bedrĂĽckende Stimmung im Haus herrschte. Am Morgen des 25. November 1974 fand seine Mutter Nick Drake leblos in seinem Bett. Er war an einer Ăśberdosis Antidepressiva gestorben.

Bis heute ist unklar, ob sein Tod ein Unfall oder der Wunsch von Drake war. Seine Musik, im Besonderen das Album „Pink Moon“, erfuhr ab den 80er-Jahren eine Renaissance. Viele Bands und Musiker, darunter The Cure und R.E.M., nannten ihn als Einfluss. Heute gilt Nick Drake als einer der talentiertesten Folkmusiker seiner Zeit.

Charts KW 48

25.11.2014 von  

Die meist gespielten Alben der vergangenen 14 Tage bei ByteFM.

An der Charts-Spitze wird es pink – um genau zu sein: Ariel Pink! „Der König der Pop-Perversion“, wie es so schön im Pressetext formuliert wird, fĂĽhrt diese Woche mit seinem neuen Album „pom pom“ die ByteFM Hitparade an. Die Besetzung von Platz 2 und 3 bleibt die gleiche wie in der Vorwoche: Sam Amidon hält sich mit seiner Neuinterpretation von Folk auf „Lily-O“ noch immer auf dem zweiten Rang. Drittplatziert ist nach wie vor die Kölsche Formation Von Spar mit ihrem grandiosen neuen Album „Streetlife“.

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Ariel Pink – pom pom (5)
2. Sam Amidon – Lily-O (2)
3. Von Spar – Streetlife (3)
4. Baxter Dury – It’s A Pleasure (4)
5. Dean Blunt – Black Metal (1)
6. Robert Wyatt – Different Every Time (neu)
7. Der Mann – Wir Sind Der Mann (neu)
8. Caribou – Our Love (10)
9. She Keeps Bees – Eight Houses (-)
10. Neil Young – Storytone (13)
11. Recondite – Iffy (-)
12. EinstĂĽrzende Neubauten – Lament (neu)
13. Mouse On Mars – 21 Again (11)
14. Deerhoof – La Isla Bonita (15)
15. Mutter – Text Und Musik (7)

Downloads der Alben findet Ihr bei unserem Partner artistxite.

artistxite Charts vom 17.11. bis 23.11.2014

24.11.2014 von  

artistxite Charts

Einmal in der Woche stellen wir die Charts unseres Partners artistxite vor, einem Musik-Download-Shop mit redaktioneller Begleitung. Alle in den Charts vertretenen Veröffentlichungen können im Shop von artistxite gekauft werden.

1. TV On The RadioSeeds
2. Run The JewelsRun The Jewels 2
3. Foo FightersSonic Highways
4. Dream PoliceHypnotized
5. ArcaXen
6. Deptford GothSongs
7. Mouse On Mars21 Again Collaborations (Part 2)
8. ClarkClark
9. iamamiwhoamiBlue
10. Bob Dylan & The BandThe Basement Tapes Complete: The Bootleg Series, Vol. 11
11. No JawsYoung Blood
12. Damien RiceMy Favourite Faded Fantasy
13. HookwormsThe Hum
14. The Flaming LipsWith A Little Help From My Fwends
15. Pink FloydThe Endless River
16. Antony And The JohnsonsTurning
17. Black MilkIf There’s A Hell Below
18. MedicineHome Everywhere
19. DJ KozeReincarnations, Pt. 2 – The Remix Chapter 2009 – 2014
20. Ex HexRips

Tickets fĂĽr Emptyset in Hamburg

24.11.2014 von  

Foto von EmptysetEmptyset (Foto: Heather Schofner)

Die beiden KĂĽnstler James Ginzburg und Paul Purgas arbeiten seit 2005 als Emptyset zusammen und erproben seitdem die GrenzĂĽberschreitung zwischen Musik, Literatur, Visual Arts, Film und Kunstgeschichte.

Ihre Musik ist ein Produkt aus der Auseinandersetzung mit Raum, Architektur und Zeit. Das Duo begibt sich an ungewöhnliche Orte wie zum Beispiel eine verlassene Mine, eine unterirdische Halle oder ein stillgelegtes Atomkraftwerk und fängt dort charakteristische Klänge dieser Gebäude beziehungsweise Orte ein. Im Studio wird daraus ihr einzigartiger Sound.

Emptyset sind am 4. Dezember mit ihren ungewöhnlichen Klang- und Bildcollagen im Rahmen der Reihe „ePhil“ live in Hamburg zu sehen, unterstĂĽtzt werden sie mit Visualisierungen von Clayton Welham.

ByteFM präsentiert das Konzert und verlost 2Ă—2 Gästelistenplätze. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns bis zum 1. Dezember mit dem Betreff „Emptyset“ und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinnerinnen und Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per E-Mail.

Der Termin:

04.12.14 Hamburg – KörberForum (im Rahmen der Reihe „ePhil“)

Album der Woche: The Smiths – „Hatful Of Hollow“

24.11.2014 von  

The Smiths - Hatful Of HollowVĂ–: November 1984
Web: officialsmiths.co.uk
Label: Rough Trade
Kaufen: artistxite-Shop

„In my life, why do I give time to people who don’t care if I live or die? In my life, why do I smile at people who I’d much rather kick in the eye?“

Ironie. Sarkasmus. Zynismus. Die Bandbreite der literarischen Stilmittel in den Songtexten von The Smiths ist groĂź. Mit Songs wie „Heaven Knows I’m Miserable Now“ treffen sie den Nerv einer Generation, die genug hat vom aufgesetzten Synthie-Pop der Jahre zuvor. Der schrammelige, dennoch melodische Gitarrensound und die melancholischen Songtexte von The Smiths kommen da gerade richtig. Nicht umsonst werden die Briten deshalb als erste Indie-Band ĂĽberhaupt bezeichnet.

1982 gründen Gitarrist Johnny Marr und Sänger Morrissey in Manchester eine Band. Zusammen mit dem Bassisten Andy Rourke und Mike Joyce am Schlagzeug nennen sich die vier Musiker The Smiths. Was damals noch keiner ahnt: Nur fünf Jahre wird diese Formation bestehen, bevor Johnny Marr als erster die Truppe verlässt. Doch diese fünf Jahre reichen aus, um The Smiths unsterblich zu machen und die britische Musikszene umzukrempeln. In dieser kurzen Zeit werden vier Studioalben produziert sowie mehrere Compilations und Singles veröffentlicht. The Smiths sehen Singles stets als eigene Einheit und nicht unmittelbar zur Bewerbung eines Albums. So werden auch zahlreiche Stücke herausgebracht, die auf keinem der vier Studioalben vertreten sind.

Anfang 1983 unterschreiben die Musiker einen Vertrag mit Rough Trade Records, im Mai desselben Jahres folgt die DebĂĽtsingle: „Hand in glove, we can go wherever we please. And everything depends upon how near you stand to me. And if the people stare, then the people stare. Oh, I really don’t know, and I really don’t care.“ Texte wie diese und ein nackter Mann auf dem Singlecover fĂĽhren unweigerlich zu Diskussionen ĂĽber die sexuelle Orientierung des exzentrischen Songtexters Morrissey. Und das ist erst der Anfang: Die Texte polarisieren und provozieren. „Suffer Little Children“, das auf dem selbstbetitelten DebĂĽtalbum von 1984 enthalten ist, handelt beispielsweise von den britischen „Moor-Morden“, die in den 60er-Jahren das Land erschĂĽtterten. Das dritte Studioalbum „Meat Is Murder“ bewegt hingegen viele Hörer, den eigenen Fleischkonsum zu ĂĽberdenken.

Vor 30 Jahren, im November 1984, erschien die erste Compilation „Hatful Of Hollow“. Sie beinhaltet drei Singles inklusive ihrer B-Seiten sowie Songs, die während BBC-Sessions mit der Band aufgezeichnet wurden. An vier Terminen zwischen Mai und September 1983 war die Band zu Gast bei den legendären Moderatoren John Peel beziehungsweise David Jensen. Diese aufgenommenen Versionen unterscheiden sich teils enorm von ihren später arrangierten Studiofassungen. Die BBC-Varianten sind sehr viel bassbetonter, rauer und „improvisierter“. Dies heiĂźt bei Weitem nicht, dass die einen Versionen den anderen ĂĽberlegen sind. Vielmehr soll betont werden, dass es sich bei den Songs auf „Hatful Of Hollow“ um die frĂĽhesten Zeugnisse dieser auĂźergewöhnlichen Band handelt. Grund genug, um den Geburtstag eines der bedeutsamsten Alben der jĂĽngeren Vergangenheit zu feiern. Deshalb machen wir „Hatful Of Hollow“, 30 Jahre nach dem Erscheinen, zu unserem Album der Woche.

Neue Platten: Black Rain, Cut Hands und Killing Sound

Cover des Albums Festival Of The Dead von Cut HandsCut Hands – „Festival Of The Dead“ (Blackest Ever Black)

9,2

Schon nach Sekunden öffnet sich das Tor zu einer anderen Welt. Eine Welt, in der keine Stille herrscht und ein ständiges Rauschen existiert, in das sich immer wieder schreiartige Töne drängen, die so klingen wie die elektronisch verzerrten Vogellaute in Hitchcocks „Die Vögel“ und sich schon bald in klirrend hohe Sounds verwandeln. Als dann die unnatĂĽrlich verhallte Frauenstimme das Wort ergreift und emotionslos von „altered brain document systems“ spricht, steht fest: Das neue Album des enigmatischen Post-Industrial-Duos Black Rain ist eine Mischung aus dĂĽsterem Science-Fiction-Soundtrack und musikgewordenem Film Noir: vertrackt-nervöse Rhythmen („Endourban“ und „Data River“), eine zwischen Unbehagen und Melancholie liegende Grundstimmung und zähflĂĽssige Klangtexturen, die sich durch eine menschenleere Landschaft ziehen („Watering Hole“) – wie die Schatten in den alten Noir-Streifen, die stets dunkler und größer sind, als sie es sein dĂĽrften.

Das Cinematische und Narrative an „Dark Pool“ ist Konzept. Nicht nur der Name des aus dem New Yorker Stuart Argabright und dem japanischen Musiker Shinichi Shimokawa bestehenden Projekts ist dem gleichnamigen Film von Ridley Scott von 1989 entlehnt. Die GrĂĽndung von Black Rain 1995 geht auf die Produktion des Soundtracks von „Johnny Mnemoni“ zurĂĽck, einem trashigen Cyberpunk-Film mit Keanu Reeves.

Auch das 18 Jahre später erschienene DebĂĽtalbum ist maĂźgeblich von Science-Fiction wie etwa Paolo Bacigalupis 2009 erschienenen Roman „The Windup Girl“ inspiriert, einer Dystopie ĂĽber ein 23. Jahrhundert, in dem die Menschheit von biotechnologischen Konzernen beherrscht und terrorisiert wird.

Nur selten tauchen humane Elemente auf, wie etwa in „Profusion I“, in dem eine ätherische Frauenstimme opernhafte Melodien singt. Dass diese Stimme wirkt wie der letzte Rest einer Menschlichkeit, verweist auf eines der zentralen Themen des Albums: Entfremdung. Ein Leitmotiv, das auch der Science-Fiction-Autor William Gibson verwendet, um seine apokalyptischen Zukunftsszenarien plausibler zu machen.

Das Besondere an „Dark Pool“ ist die stilistische Spaltung aus kruder 80er-Industrial-Ă„sthetik und zeitgenössischen Formen apokalyptischer Clubmusik wie etwa Sandwell District oder dem entschleunigten Drone-Dub der britischen Labelkollegen Raime.

Apropos, dass Black Rain 18 Jahre nach dem Soundtrack des gefloppten Kinofilms ĂĽberhaupt noch Musik machen, liegt wohl auch an der Ăśberzeugungsarbeit von Kiran Sande, dem Macher des Londoner Labels Blackest Ever Black, das 2010 als Output fĂĽr weirde Clubmusik an der Schnittstelle von Doom Metal, Dub, Industrial und Postpunk gegrĂĽndet wurde. Und das innerhalb von nur vier Jahren mit seiner eigenwilligen Ă„sthetik weltweit bekannt geworden ist.

Neben Black Rains DebĂĽt erschienen dort vor Kurzem die DebĂĽt-EP des Bristoler Dub-Kollektivs Killing Sound oder das Album „Festival Of The Dead“ von Cut Hands, dem Nebenprojekt des Noise/Industrial-KĂĽnstlers William Bennett. Während die an dekonstruiertem Dubstep, Jungle und Drone geschulten Tracks von Killing Sound zeitweise hymnenartigen Charakter haben, ist das Ende Oktober erschienene Cut-Hands-Album eine radikal unterkĂĽhlte Spielart zeitgenössischer Clubmusik. Der ausschlieĂźlich aus metallischen Percussions und einem gnadenlos hämmernden Bass bestehende Track „The Claw“ kommt dem wohl am nächsten, wofĂĽr das britische Label, neben all den entschleunigten DronekĂĽnstlern, allen voran Dalhous, Nina oder Bremen, steht: kompromisslose, nihilistische Ritualmusik, die stets ĂĽberrascht und aufweckt, wenn nicht sogar verstört.

Der Name des Labels ist Programm, jetzt mal abgesehen von der Ambivalenz zwischen ironischem Seitenhieb und musikästhetischer Exaktheit. Es geht nicht einfach um ein Schwarz, es geht um den schwärzesten aller möglichen Schwarztöne. Eine Musik, die sich in ihrer Verweigerung von Konventionen, ihrer Atonalität und Lust am Exzess bestens zur Katharsis eignet.

Sowohl Black Rains „Dark Pool“ und die jĂĽngste EP von Killing Sound als auch „Festival Of The Dead“ transportieren den Hörer in eine andere Welt, seien es Science-Fiction-Dystopien, paranoide Innenwelten oder verschwommene Tagträume aus der eigenen Jugend. Diese Musik ist neben allem Eskapismus immer auch eine Huldigung an das Chaos der Gegenwart. Musik, bei der alles ein wenig erträglicher erscheint.

Label: Blackest Ever Black
Kaufen: Black Rain – „Dark Pool“ im artistxite-Shop | Cut Hands – „Festival Of The Dead“ im artistxite-Shop

Dean Blunt veröffentlicht Text zum neuen Album

Foto von Dean BluntDean Blunt

Der Musiker und KĂĽnstler Dean Blunt ist einer der verwandlungsfreudigsten Berufsweirdos unserer Zeit. Bevor er mit seinem Soloprojekt den Laufsteg des Pop betrat, machte er als Hälfte des enigmatischen Lo-Fi-Pop-Duos Hype Williams den perfekten Soundtrack fĂĽr kunstaffine Kiffer mit Hang zur urbanen Melancholie. Letztere prägt auch die Grundstimmung seines neuen, am 31. Oktober erschienenen Albums „Black Metal“. Sie ist zwar stets gebrochen, wird dabei aber stets ergänzt von kryptischen Texten und den unterschiedlichen StilversatzstĂĽcken zwischen verdrehtem Blues, skelettiertem HipHop und jamaikanischer Dub-Poesie.

Die Perspektiven und Themen des Albums, dessen Artwork komplett geschwärzt ist, reichen von Fluchtfantasien ĂĽber introvertierte Reflektionen bis zu Sozialkritik, wie etwa in „Trident Pt 2.“ (nicht auf dem Album enthalten), in dem es um einen Konflikt zwischen Gangs und der Polizei geht.

Ă„hnlich ambivalent ist die neueste „Internet-Aktion“ des Exzentrikers und „groĂźen Abwesenden des zeitgenössischen Pop“, wie Julian Weber ihn vor Kurzem in der taz nannte. Auf archive.org veröffentlichte er einen mehrseitigen Text zum Album. Neben zynischen, an Raptexten geschulten Gedichtzeilen („You old black intellectuals are all the same, comfort is to blame, truthfully some of you niggas need to get some sleep, your dreams aren’t manifesting correctly“) enthält das Dokument mögliche Entschuldigungen fĂĽr den Fall, dass ein Album floppt:

„My album was under shipped.“
„My album leaked.“
„I made this album for myself.“
„My label failed to properly promote my album to an urban demographic.“
„My fans don’t want to hear me grow musically.“
„My album will gradually sell more over time.“
„My album was only sold by select retailers.“
„My album wasn’t as good as the last one.“
„My fans aren’t supporting me at SoundScan.“
„I don’t care about record sales.“

Der Text schlieĂźt mit einem Zitat und Bild der Boxerlegende Mike Tyson, auf dem er mit einem Trikot der englischen FuĂźballnationalmannschaft zu sehen ist.

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