Vierkanttretlager

30.03.2012 von  

Vierkanttretlager aus Husum waren zu Gast im ByteFM Magazin. Mit Siri Keil haben sie ĂĽber Inspiration und ĂĽbers Songschreiben gesprochen, aber auch ĂĽber vorpubertäre Sauhaufen im Ruderraum, ĂĽber die Kraft des Unterbewussten und ĂĽber Musik in der frĂĽhen Jugend. Einen Song haben sie bei ihrem Besuch live zum Besten gegeben, „Fotoalbum“ aus ihrem neuen Album. Hier könnt Ihr ihn nachhören.

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Vierkanttretlager – Fotoalbum (Live bei ByteFM)

Neue Platten: La Sera – „Sees The Light“

30.03.2012 von  

(Hardly Art)(Hardly Art)

8,3

Nach dem selbst betitelten DebĂĽt vom letzten Jahr sieht der Abend nun das Licht auf dem neuen Album von La Sera, dem Nebenprojekt der Vivian-Girls-Bassistin Katy Goodman. Wird auch Zeit! Denn „Sees The Light“ kommt gerade recht nach der Zeitumstellung. Da nun die Abende länger werden und die Tage wärmer, können wir alle so einen in Albumform gepressten, warmen Wirbelwind gebrauchen, auch um die Wartezeit auf das hoffentlich nicht enttäuschende zweite Best-Coast-Album zu verkĂĽrzen.

Gleich beim ersten Track schmeichelt sich die Stimme von „Kickball“ Katy (die so dermaĂźen samtig ist, da sind diese roten Absperrdinger im Eingangsbereich richtig teurer Hotels nichts dagegen) in unsere Ohrmuscheln, wo sie das Trommelfell ĂĽber die nächste halbe Stunde massieren wird. „U-hu-huuuuuss“ und „Ah-hah-hahahaaaaaaaasss“ im Falsett an jeder Ecke. Doch gerade als ich denke, das hier ist ein Sure Shot, aufbauend auf den Blaupausen der ersten Platte (die in erster Linie perfekt zum sommerlichen Dösen in der Hängematte war), kommt „Please Be My Third Eye“ – locker der beste neue Song, den ich dieses Jahr gehört habe. Mit polterndem E-Bass, bei dem man fast Angst bekommt, dass gleich die Saiten von der BrĂĽcke springen, schleift uns Frau Goodman durch diesen ZweieinhalbminĂĽter, der mehr Endorphine freisetzt als es eine Tafel Milkaschokolade je könnte.

Es stört mich gar nicht, dass sich „Sees The Light“, wie zu erwarten war, sowohl den Sound als auch die Texte betreffend auf dem durch Katys Hauptband, Best Coast und Konsorten abgesteckten Terrain bewegt (im Klartext: Fuzzy-buzzy-wahzy-Gitarren, 60s-Surf-Anklänge, die bereits erwähnten Sha-la-las und Lyrics, die stellenweise wie direkt aus dem Tagebuch einer 15-Jährigen entnommen sein könnten), denn erstens finde ich das eh alles toll und zweitens gibt es auf dieser Platte neben „Please Be My Third Eye“ genug andere Perlen (z. B. die FrĂĽhe-90er-Indie-Rock-Nummer „Break My Heart“ oder „Real Boy“, das klingt, als wäre es am Strande Honululus aufgenommen worden) – diesmal auch ein paar mehr, auf denen „Kickball“ Katy ihrem Spitznamen Ehre macht, wodurch „Sees The Light“ insgesamt weniger dösig wirkt als sein Vorgänger. Keine Sorge, das hier ist dennoch kein Parforceritt, auch auf Entschleunigung versteht sich Frau Goodman immer noch sehr gut.

Bei „Sees The Light“ ist wie schon beim DebĂĽt von La Sera zwar nicht jeder Schuss ein absoluter Volltreffer, doch ein fluffiger Soundtrack zum Eisschlecken in den nächsten Monaten ist dieses Album allemal. Dann halt dich mal ran, Bethany.

Label: Hardly Art | Kaufen

MC Hammer wird 50

(http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hammerpants.jpg)
Wikimedia Commons

Stop – Hammer time! Ein Musikphänomen der 90er wird heute ein halbes Jahrhundert alt. Stanley Kirk Burell wurde am 30. März 1962 in Oakland geboren und verdingte sich als Ballträger des Baseballteams Oakland Athletics, wo er in den Halbzeitpausen die Fans mit seinen tänzerischen Fähigkeiten unterhielt. Aufgrund seiner Ă„hnlichkeit mit der Baseballlegende „Hammerin‘“ Hank Aaron verpasste ihm das Team den Spitznamen „Hammer“.

Fasziniert von der neuen Subkultur HipHop begann der Soul- und Funk-Fan Burell Mitte der 80er in kleinen Clubs als MC Hammer aufzutreten. Mehr Tänzer und exzentrischer Showman als begabter Rapper erspielte er sich in seiner Heimat eine Fangemeinde und nahm 1987 sein erstes Album auf. Mit dem Erfolg seines zweiten Albums „Please Hammer Don’t Hurt ‚Em“ 1990 hätte Burell aber wohl nicht einmal in seinen kĂĽhnsten Träumen gerechnet: Es wurde das erste Rap-Album der Geschichte, das sich ĂĽber zehn Millionen Mal verkaufte. Die Single „U Can’t Touch This“ dominierte MTV und die Mainstreamradiosender wie keine Rap-Single zuvor und gewann zwei Grammys. MC-Hammer-Actionpuppen und eine wöchentliche MC-Hammer-Zeichentrickserie waren die Folgen des Hypes, der jedoch schneller vorbei war, als Stanley Kirk Burell lieb sein konnte. Die nachfolgenden Alben floppten und wegen seines extrem ausschweifenden Lebensstils musste der Musiker 1996 Privantinsolvenz anmelden. Seitdem versuchte sich Burell mehrmals an einem Comeback, bislang allerdings erfolglos.

Rusconi

29.03.2012 von  

Stefan Rusconi, Fabian Gisler und Claudio Strüby sind alle drei studierte Jazzmusiker. Sie haben sich zusammen getan, um unter dem Namen Rusconi ziemlich aufregenden Jazz mit Einschlägen der ferneren Pop- und Rockmusik zu machen.
Mit Keyboard, Trommel, Tamburin und einem Kontrabass kamen die drei Schweizer ins ByteFM Studio. Das haben die sonst eher Akustikgitarren-lastigen Byte Sessions auch noch nicht gesehen.

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Rusconi – Tempelhof (Live bei ByteFM)

Neue Platten: Bear In Heaven – „I Love You, It’s Cool“

(Dead Oceans)(Dead Oceans)

9,0

Na, das ist doch mal ein Service. Vor etwa dreieinhalb Monaten kĂĽndigten Bear In Heaven das Erscheinen ihres mittlerweile dritten Albums „I Love You, It’s Cool“ an, und seither kann es – bis zur US-Veröffentlichung am 3. April 2012 – auf ihrer Website als Stream komplett angehört werden. Allerdings hat die Sache einen nicht ganz unwesentlichen Haken: Dieser Stream entpuppt sich als wahrer Longplayer und umfasst lediglich einen einzigen Durchlauf der insgesamt zehn Songs. Die Gesamtdauer des Albums von etwa 44 Minuten wird hier auf ĂĽber 2.700 Stunden ausgewalzt. Jede einzelne Sekunde dauert somit jeweils etwas mehr als eine Stunde.

So ganz mag das Trio aus Brooklyn also nicht aufs Experimentieren verzichten, und es möchte den mehrmonatigen Stream dabei durchaus auch als kritischen Kommentar zu Marketingstrategien, die im Vorfeld einer Veröffentlichung unterschiedlichste Teaser erfordern, verstanden wissen. Daneben taugt er natĂĽrlich auch als hĂĽbscher Medien-Gimmick, um tatsächlich fĂĽr etwas mehr Aufmerksamkeit zu sorgen. Und die hat „I Love You, It’s Cool“ absolut verdient.

In Normalgeschwindigkeit stellt das neue Album nämlich das genaue Gegenteil zu der extremen Entschleunigung dar. Mit dem poppig-treibenden „Idle Heart“ markieren Jon Philpot (Gesang, Keyboards), Adam Wills (Bass, Gitarre) und Joe Stickney (Schlagzeug) gleich zu Beginn das musikalische Terrain, auf dem sie sich fortan – mit Ausnahme des letzten Songs „Sweetness & Sickness“ – bewegen. Nach dem recht experimentellen DebĂĽt „Red Bloom Of The Boom“ (2007) war zwar bereits mit „Beast, Rest, Forth, Mouth“ (2009) die Hinwendung zum Pop zu erkennen, aber auf „I Love You, It’s Cool“ denken Bear In Heaven diesen Ansatz nun konsequent und zudem ziemlich kompromisslos zu Ende. Dabei fasziniert vor allem die wunderbare Leichtigkeit, mit der dies geschieht. Nichts wirkt verkrampft oder erzwungen, und dies gilt ausnahmslos fĂĽr alle zehn Songs.

Beim ersten Hören wird das Album von Jon Philpots geradezu mächtigen Synthesizer-Klängen dominiert. Diese erscheinen zwar vergleichsweise altmodisch, werden hier aber mĂĽhelos in die Gegenwart gefĂĽhrt. Mit zunehmender Hördauer und -häufigkeit verlieren die wabernden elektronischen Sounds ihre vermeintliche Schwere, und es öffnet sich der Raum fĂĽr schöne Bassläufe und fĂĽr die – gelegentlich mit einem Hang zu Stammestrommeln gespielten – Drums. Letztere bilden ähnlich wie bei „Beast, Rest, Forth, Mouth“ das eigentlich Fundament der Songs, sodass Joe Stickney wiederum einen sehr hohen Anteil an deren Gelingen hat.

„I Love You, It’s Cool“ schwelgt durchgängig in unglaublich ansteckenden Melodien, unterstrichen von Jon Philpots heller Stimme, die angenehm zurĂĽckhaltend und unaufdringlich in die zum Teil voluminösen Klangwelten eingebettet ist. Der Band ist sicher bewusst, welche wunderbaren Pop-Perlen ihr hier gelungen sind, aber zu keinem Zeitpunkt kommt Selbstzufriedenheit oder gar Selbstgefälligkeit auf. Jeder Song dieses Albums unternimmt jeweils eine dezente, aber spĂĽrbare Entwicklung. Die darf dann ruhig auch mal ein wenig Unbehagen erzeugen, beispielsweise wenn zum Ende von „Sinful Nature“ die Synthesizer das lautstarke Kommando ĂĽbernehmen, oder wenn zum Schluss von „Warm Water“ beinahe der Eindruck von Stadion-Tauglichkeit entsteht. All dies ist nämlich kein bisschen nervig oder peinlich, sondern geschieht mit einer lässigen Selbstverständlichkeit. Daneben gibt es aber auch kleine eingestreute Elemente, die wiederum an die Verspieltheit von „Red Bloom Of The Boom“ erinnern. Die EindrĂĽcke sind vielfältig, aber die eigentlich bemerkenswerte Erkenntnis lautet: Hier passt jeder Ton! Und dies gilt auch fĂĽr das dumpfer und dumpfer werdende Outro von „Cool Light“, wobei die Beats nicht mehr nur auf die Gehörgänge, sondern auch auf die Magengegend zielen.

Mit dem letzten Song gibt es dann doch noch einen Stilbruch. Irgendwie hippie-esque vor sich hin wabernd ist „Sweetness & Sickness“ für sich genommen durchaus interessant, mag sich jedoch auch nach mehrmaligem Hören nicht so richtg in den Gesamtkontext einfügen.

Ungeachtet dessen ist „I Love You, It’s Cool“ aber das spannende Ergebnis einer bestechend klaren musikalischen Vision. In einer gerechten Welt mĂĽsste der charmante Pop-Appeal der Songs eigentlich fĂĽr Dauer-Airplay sorgen, denn nach zwei bereits ausgesprochen guten – wenn auch eben völlig unterschiedlichen – Longplayern sind Bear In Heaven auf ihrem dritten Album nun besser als je zuvor, und das ist wirklich cool!

Label: Dead Oceans | Kaufen

Tickets fĂĽr Mouse On Mars

29.03.2012 von  

(wisdoms | Flickr | cc-by-sa 2.0)

Sie programmieren auch schonmal eine eigene Musiksoftware, um ihre Klangexperimente perfekt umsetzen zu können: Mouse On Mars gehören zum Besten, was die deutsche Elektro-Szene zu bieten hat. Seit der BandgrĂĽndung 1993 haben sich Andi Toma und Jan St. Werner mehrfach neu erfunden und Grenzen ausgetestet. Krautrock, Ambient, Techno, Drum‘n'Bass, House, Disco, irgendwie Pop, irgendwie Noise – das Duo aus Köln und DĂĽsseldorf hat sich seine eigene Schublade gebastelt, die sogar dem hauptberuflichen Nörgler und Exzentriker Mark E. Smith so gut gefiel, dass er mit den beiden die „Supergroup“ Von SĂĽdenfed gegrĂĽndet hat.

ByteFM präsentiert die Tour von Mouse On Mars und verlost exklusiv unter Mitgliedern des Fördervereins „Freunde von ByteFM“ fĂĽr jedes Konzert 2×2 Karten. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns einfach bis zum 04.04. eine Mail mit dem Betreff „Mars“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.
Ihr seid noch kein Mitglied in unserem Förderverein? Hier erfahrt Ihr, wie Ihr ByteFM unterstützen und die Vorteile einer Mitgliedschaft genießen könnt.

06.04.2012 ZĂĽrich (CH) – Exil
12.04.2012 MĂĽnchen – Backstage
19.04.2012 Wien (A) – Flex
27.04.2012 Hamburg – Uebel&Gefährlich
28.04.2012 Köln – Luxor
29.04.2012 Schorndorf – Manufaktur

Ravens & Chimes

28.03.2012 von  

Die New Yorker Band Ravens & Chimes hat uns am Morgen nach ihrem Hamburger Konzert im Studio besucht und die intime Atmospäre des Vorabends gleich mitgebracht. Frontmann Asher Lack und seine Keyboaderin und Co-Sängerin Rebecca Rossi spielten exklusiv zwei StĂĽcke des Anfang März erschienenen Albums „Holiday Life“. Das ist voller schöner Indie-Pop-Songs getragen von Keyboard, treibenden Beats und dem Gesang ihres Frontmanns. Hier hört Ihr ihr Können im akustischen Bereich.


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Raven & Chimes – Carousel (Live bei ByteFM)

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Raven & Chimes – Arrows (Live bei ByteFM)

Ist das Kunst oder kann das weg?

28.03.2012 von  

Hier alle Links zu den Liedern der neuesten Ausgabe von der Initiative ‚Herz Statt Kommerz‘.
Und wie immer gilt: Falls die Links nicht funktionieren, weil die Künstler/Labels die MP3s von ihrer Seite genommen haben, bitte nicht böse sein. Wir selektieren und verlinken lediglich, weisen also nur auf die Downloads hin.

Balam Acab – Come True

Dive – Geist

Au – Get Alive

Stickers – Old Nirvana

Local Natives – Wide Eyes (Teen Daze RMX)

Frankie Rose And The Outs – Know Me

Honeydrum – Stranger Calls

Bear In Heaven – Sinful Natures

Haunted Horses – Pariahs

Mister Lies – I Walk

Sinkane – Runnin

Digits – So Cold

Paula – Even It’s True

Bon Chat, Bon Rat – Dust Proud (Feat. Pepepiano)

Tone From Denmark – Skip The Worst

Heute vor 30 Jahren: David Crosby wird verhaftet

(dgans | Flickr | cc-by-sa 2.0)

Warum er eine Pistole bei sich trägt, wollten die Polizisten am 28. März 1982 von David Crosby wissen, und der Musiker antwortete schlicht: „John Lennon“. Eine plausible Antwort, nur fand die Polizei in Crosbys Auto, mit dem er gerade auf dem San Diego Highway einen Unfall verursacht hatte, neben der Waffe auch noch eine größere Menge Kokain.

Mit Bands wie den Byrds und Crosby, Stills & Nash wurde David Crosby zu einem der einflussreichsten Musiker des Folk-Rock und prägte jahrzehntelang den Sound der amerikanischen WestkĂĽste. Politische Songs wie „Ohio“ oder „Wooden Ships“ machten Crosby Ende der 60er zu einer Ikone des Protests gegen den Vietnamkrieg, doch Anfang der 80er war in der Berichterstattung ĂĽber ihn die Musik längst nicht mehr das beherrschende Thema. Durch seinen exzessiven Drogenkonsum bekam David Crosby stimmliche Probleme und verbrachte Mitte der 80er wegen eines Rauschgiftvergehens ein Jahr im Gefängnis.
Nach einem Entzug nahm er nach siebenjähriger Pause 1989 wieder ein Album auf und der Erfolg kam langsam zurück. In den 90ern wurde ihm sogar eine besondere Ehre zuteil: Er wurde sowohl mit den Byrds (1991) als auch mit Crosby, Stills & Nash (1997) gleich zweimal in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Neue Platten: Giana Factory – „Save The Youth“

(Questions & Answers)(Questions & Answers)

6,5

Giana Factory – das ist eine dieser vielversprechenden Bands aus dem „neuen Schweden“ formerly known as Dänemark. Sie mögen den einen oder anderen noch aus dem Vorprogramm von The Asteroids Galaxy Tour bekannt sein. In ihrer Heimatstadt Kopenhagen finden sich Giana Factory in einem Tonstudio wieder, das in einer alten Fabrik untergebracht ist und wohl Auswirkungen auf die Namensgebung gehabt haben muss. Auswirkungen hatte auch die weibliche Hauptfigur eines relativ unbekannten Videospiels von 1987, das den Erfolg von Super Mario auf dem PC nachahmen sollte. Von diesen „Great Giana Sisters“ inspiriert also, gründeten sich Giana Factory in ihrer aktuellen Besetzung: die drei Damen Loui Foo (Gesang und Schlagzeug bzw. Drum-Pads), Sofie Johanne (Bass, Synthesizer) und Lisbet Fritze (Gitarre).

2009 veröffentlichte die Band ihre Debüt-EP mit dem Titel „Bloody Game“, nun folgt das Debüt-Album „Save The Youth“, eine durch und durch synthig-elektronische Indie-Pop-Platte. Sie ist einerseits sehr von konsonanten Melodien getragen, andererseits mit tanzbaren, treibenden Beats unterlegt, wie zum Beispiel in der Single-Auskopplung „Rainbow Girl“. Dazu stellt die Band ein Video vor, das die Musik mit Blue-Screen-Bildern und anderen optischen Verwirrungen unterlegt. Wie schon in früheren Bebilderungen greifen Giana Factory auch hier auf bemalte Gesichter und schnelle Halbnah-Umschnitte zurück, diesmal ergänzt durch Tiermasken und Licht- und Farbverwirrung. Zu ihren Alter Egos in spacigen Tierkostümen siehe auch das Cover.

Aber was gibt es noch auf „Save The Youth“ zu hören? Da ist zuerst der etwas sphärische, oft gedoppelte Gesang von Louie Foo, der Giana Factorys Musik enorm prägt und einigermaßen abwechslungsreich ist. Dazu eine ziemlich sphärische Stimmung, in einigen Stücken fast Ambient-artig mit Störgeräuschen aus Synthesizer und Percussion-Schlägen vieler Formen. Einige Stücken werden dann im Verlauf stärker verzerrt und man kann nach einem natürlicheren Anfang ein abstrakteres Ergebnis erwarten. In „Dive“ etwa tauchen wir nach dem ersten Viertel des Stückes aus einem treibenden Becken elektronischen Pops in eine relativ alleingestellte Gesangslinie auf. Darunter begleitet uns ein sehr technoider Viervierteltakt, der allerdings für die Gesangsparts gerne pausiert und offensichtlich von einem bleependen U-Boot gesteuert wird. Der Text hält sich dazu an die Zeile „Dive in the middle of emotion“, wobei das erste Wort viel mehr nach „Die“ klingt.

Dieses Album ist nun „Save The Youth“ betitelt. Der Titel taucht als Textzeile auf und wird auf „Pixelated Truth“ gereimt; inhaltlich und thematisch greifen Giana Factory immer wieder auf digitale Lebensformen („I’m just a character in your computer game“) und die Unabhängigkeit oder Freiheit zurĂĽck, sei es die der Frau oder die der Jugend eben. Das weibliche Superheldentum wird hier ausgelebt, irgendwann fallen die Worte „Riot Grrrls“, die im Musikjournalismus irgendwie immer öfter fallen; und gerne werden auch die drei Däninnen zu dieser Punk-Bewegung hinzugerechnet.

Zu den zehn Songs des Albums gibt es noch eine Bonus-CD. Darauf sind die „Bloody-Game“-EP und vier aktuelle Remixe zu finden, unter anderem von Trentemøller und Glasvegas, dessen Vorprogramm Giana Factory bespielten. Weiterhin gibt es zwei „Original-Demo“-Versionen, die nur den von einer akustischen Gitarre begleiteten Gesang zeigen und die Ohren nach so viel elektronischer, bleepender, bassiger Power doch sehr überraschen.

Letztlich ist das Album tatsächlich ganz gut und eine ordentliche Elektropop-Platte. Hauptsächlich Synthesizer und E-Gitarren, ohne Post-Punk zu sein, die Beats oft treibend und nicht uninteressant, genauso wenig wie der Gesang.

Label: Questions & Answers | Kaufen

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