Neue Platten: Hans Nieswandt – „Hans Is Playing House“

02.08.2011 von  

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Ein Mann mit einer beachtlichen und abwechslungsreichen Geschichte bislang, das ist Hans Nieswandt. 1964 in Mannheim geboren, fand er bereits als Jugendlicher zum DJing, widmete sich nach seinem Umzug aus SĂĽddeutschland nach Hamburg aber lieber dem Journalismus, wofĂĽr er gar sein zunächst begonnenes Studium aufgab. Auch seinen Traumjob, den er sich erarbeitet hatte – Redakteur beim Popkulturmagazin Spex – schmiss er nach drei Jahren wieder hin, um sich stattdessen wieder vermehrt auf Musikproduktion und das Auflegen zu fokussieren. Erfolg hatte er dann vor allem mit seinem Projekt Whirlpool Productions, zu dem auch Eric D. Clark und Justus Köhncke gehören. 1997 schafften sie es mit „From: Disco To: Disco“ auf den ersten Platz der italienischen Charts. Trotzdem ist Nieswandt nebenher dem Schreiben treu geblieben: Seit 2002 sind neben gelegentlichen Zeitschriftenartikeln drei BĂĽcher von ihm erschienen. Mit Beginn der Nuller Jahre widmete sich Nieswandt verstärkt seiner Solomusik und der Tätigkeit als Remixer. Ein Album voller solcher Remixe erscheint aktuell auf Bureau B.

Was? In Anlehnung an Knarf Rellöm Trinitys „LCD Is Playing At My House“ (welches wiederum LCD Soundsystems „Daft Punk Is Playing At My House“ zum Vorbild hat) hat Hans Nieswandt sein neues Werk „Hans Is Playing House“ genannt. Genau so beginnt das Album auch – mit ebenjenem StĂĽck von Knarf Rellöm, aus dem Nieswandt Textfragmente herauspflĂĽckt, welche er zu seinem eigenen Titel neu zusammenpuzzelt, unterlegt mit einem soliden Beat, passend zum Namen des Werkes. AnschlieĂźend sorgt er mit einer Reggae-Interpretation des StĂĽcks „The DJ Song“ seines Whirlpool-Productions-Kollegen Eric D. Clark fĂĽr entspannte Stimmung. Die weiteren Remixe tragen Zusätze wie Boogiemix oder Discoversion. Was die Stilrichtungen betrifft, wird es also nicht langweilig. Auch sonst stellt sich so schnell keine Fadheit ein. Beim ersten Hören wird jedes Lied mit Spannung erwartet, um zu sehen, wie Nieswandt es interpretiert.

Warum? Da ist es dann auch sehr erfreulich, dass Nieswandt etwas von seinem Handwerk versteht. Denn was wären schon Remixe, die gegenĂĽber dem Original ĂĽberflĂĽssig wirken? Von sich selbst sagt er, auĂźer House und Disco (wobei das fĂĽr ihn das Gleiche ist) könne er nichts. Deshalb sei es sein Auftrag als Remixer, aus StĂĽcken, die er in die Finger bekommt, die entsprechenden Discoversionen zu erstellen. NatĂĽrlich ist das bei Liedern, die eigentlich aus einer völlig anderen Stilrichtung kommen, besonders reizvoll. Auf dieses Feld wagt er sich auf „Hans Is Playing House“: Er nimmt sich Lieder von Jens Friebe, Die Zukunft, Werle & Stankowski oder Barbara Morgenstern und wandelt sie in seine Versionen um. Heraus kommen zwar keine virtuosen, dafĂĽr aber mehr als solide Interpretationen, die durch ihre Texte besonders wirken. Genau das ist es, was die Qualität von Hans Nieswandts Remixen darstellt: Hier wird sich nicht auf die instrumentalen Bereiche beschränkt, die Texte spielen eine ebenso wichtige Rolle. Ein Aspekt, der bei Disco- bzw. House-StĂĽcken nicht immer von Bedeutung ist. Bei Hans Nieswandt erfreulicherweise schon. Gepaart mit Nieswandts handwerklichem Können ergibt sich so ein gutes Remixalbum.

Label: Bureau B | Kaufen