Konzertbericht: Beady Eye

Als ich in der U-Bahn sitze und mich mit meinem Mp3-Player auf das Konzert für den heutigen Abend einstimme, betreten zwei Männer den Wagon. Ich habe sie schon ein paar Mal gesehen: Der eine hat eine Gitarre in der Hand, der andere einen Beutel für Münzen. Erster spielt heute ausgerechnet den Beatles-Song „All You Need Is Love“. Ich muss schmunzeln. Auf meinem iPod läuft der Song „Beatles And Stones“ von Beady Eye – und zu diesem ausverkauften Konzert bin ich unterwegs.

Beady Eye, für alle Unwissenden: Das sind die Überbleibsel von Oasis, jener Band, die wie kaum eine andere für das Genre Britpop steht und Großbritannien in der Mitte der Neunziger aus der musikalischen Lethargie verhalf. Oasis schaffte das mit eingängigen Songs, Texten, die eine ganze Generation berührten und einem Beatles liebenden Brüder-Paar, das sowohl für Schlagzeilen in der Boulevard-Presse gut war als auch ein unglaubliches Charisma vorweisen konnte. Die Rede ist von den Gallagher-Brüdern; Liam, der etwas dumpf-prollige Frontmann, und Noel, der mit seiner Bauern-Schläue unglaubliche Songs wie „Cigarettes And Alcohol“, „Supersonic“ oder „Champagne Supernova“ schrieb. Doch 2009 stieg der ältere Bruder Noel nach einem Streit mit Liam aus der Band aus. Der jüngere Bruder machte kurzen Prozess: „The name was shite anyway“ sagte er über Oasis, und formte mit den letzten verbliebenen Mitgliedern eine neue Band; Beady Eye. Im Frühjahr 2011 erschien ihr erstes Album „Different Gear, Still Speeding“, seitdem sind sie auf Tour.

An der Haltestelle St. Pauli steige ich aus und gehe die letzten Meter, vorbei am Hamburger Beatles-Platz. Vereinzelte GrĂĽppchen von jungen Leuten sitzen dort, trinken Bier, recht viele haben T-Shirts von Oasis an.
Knapp 160 Meter weiter mache ich halt vor der Großen Freiheit 36. Auch hier sind viele Leute in Oasis-Shirts. Manche haben Klamotten von Liams Mode-Label „Pretty Green“ an, vereinzelte machen sich sogar die Mühe und schwitzen bei 28°C in dicken Parkas. Sowas muss man als leidenschaftlicher Britpop-Fan wohl machen.

Ich bin hier mit einem Kumpel verabredet, der genau wie ich ein bekennender Oasis-Fan ist. Endlich kommt er vorbei; dem guten Wetter ist es verschuldet, dass wir von dem Vor-Act nichts mitbekommen. Wir machen es wie viele andere auch und trinken noch schnell ein Bier, diskutieren ein mögliches Datum für eine Oasis-Reunion (wir tippen auf 2014) und sind gespannt darauf, wie es gleich werden wird, ohne Noel und ohne Oasis-Songs.

In der Großen Freiheit ist es voll, der Durchschnittsbesucher ist Anfang/Mitte 30, männlich und hat ein bis zwei Getränke in der Hand. Zur Einstimmung laufen Songs von den Stones, Iggy Pop und den Stone Roses – dessen Frontmann Ian Brown soll einst Anregung für den jungen Liam gewesen sein, nicht mehr Rasenmäher zu klauen, sondern sich doch mal als Rockstar zu probieren.
Noch herrscht auf der Bühne ein reges Treiben; stolze sieben Roadies prüfen Kabel und stimmen hektisch Instrumente. Da merkt man schon, dass die Musiker ,die gleich spielen werden, jahrelange Stadion-Rock-Erfahrung haben – da muss eben alles stimmen, auch wenn der Auftritt in einem relativ kleinen Club stattfinden wird.

Um 21:25 Uhr ist es dann soweit: Die Band, die besser sein soll als alles andere was je da war, kommt auf die Bühne. Das Publikum jubelt; Liam Gallagher trägt einen lila Parka, noch bevor er überhaupt einen Ton gesungen hat, gibt er direkt Anweisungen an die Roadies, „sein Sound stimmt nicht“.
Der erste Song des Sets ist „Four Letter Word“: Während die Fans ihrem Zampano zujubeln und sich fragen, was dieses Wort mit vier Buchstaben ist (Love? Beer? Noel?), glänzt die Band mit einem ohrenbetäubenden Sound. Okay, bis auf ihren Frontmann, da stimmt tatsächlich was mit den Monitorboxen nicht. Auch bei „Beatles And Stones“ hat er (beziehungsweise seine Roadies) das Problem noch nicht im Griff. Beim dritten Song „Millionaire“ klappt’s dann aber besser: Das typische, vertraute Raunen à la John Lennon ist da, die Fans trinken beruhigt ihr Bier weiter.

Während des Konzerts wagt es niemand auch nur im Entferntesten „Oasis“ zu rufen. Natürlich, Sprechchöre die „Liam, Liam“ propagieren, die gibt es. Es wird auch brav applaudiert und gejubelt. Die Band selbst spielt fehlerfrei ihr Set herunter, Kommunikation mit den Zuschauern gibt es kaum. Gelegentlich nuschelt der Frontmann zwischen den Songs etwas in sein Mikrophon, leider alles unverständlich. Aber so was ist man tatsächlich von Liam gewöhnt. Ansonsten benimmt sich Monsignore Gallagher gut, es gibt keine Krawalle oder Schlägereien. Wie gewohnt steht er beinahe regungslos vor dem Mikrophon, die Hände hinter seinem Rücken verschränkt, dabei ignorierend, dass er seinen Parka mittlerweile komplett durchgeschwitzt hat. Die letzten Songs des Abends sind die stärksten: „The Morning Son“, „Wigwam“, „Sons Of The Stage“.

Nach 65 Minuten ist das Konzert vorbei. Beady Eye gehen von der Bühne, die Leute strömen aus der Großen Freiheit. Mein Kumpel und ich, wir tun es den anderen gleich. Eine Zeit lang schweigen wir uns an, dann brechen wir das Schweigen. Wir beide, Musikliebhaber, -kritiker und eben auch leidenschaftliche Oasis-Fans, unterhalten uns, erklären uns gegenseitig, wie wir es fanden, dieses Konzert. Unser Fazit: Tolle Band – aber keine Hymnen. Bei Beady Eye haben sich wirklich großartige Musiker und einer der besten Frontmänner der Welt versammelt; nur leider fehlt dieser Band der Dichter, das Herz.

Sollten Beady Eye nach dieser Tour tatsächlich weitermachen, wer weiß, vielleicht schaffen sie es ja irgendwann doch noch Hymnen zu schreiben. Allerdings werden die Vergleiche mit Oasis immer da sein. Das die Fans kommen werden ist klar, eben weil diese Band der Rest von Oasis ist; finanziell wäre die Zukunft auf jeden Fall gesichert.

Dennoch: Wir sind uns einig, der Liam, der ist schon der Größte. Hach. Vielleicht wird das ja doch noch mal was mit der Oasis-Reunion. Abende wie heute machen definitiv Appetit darauf.

Neue Platten: Arctic Monkeys – „Suck It And See“

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Die Arctic Monkeys lösten Anfang/Mitte des letzten Jahrzehnts nicht nur in GroĂźbritannien BegeisterungsstĂĽrme aus: Von „Britpunk“ war die Rede, es hagelte Auszeichnungen, die Plattenverkäufe vom DebĂĽt „Whatever People Say I Am, I’m Not“ brachen sogar Rekorde von Oasis. Zusammengefasst: Die Arctic Monkeys galten schnell als die aktuelle (Hype-)Band der Stunde. Geschafft hat die Band aus Sheffield das mit eigentlich klassischem Indie-Rock, der sich deutlich auf die britische Musik seit den Sechziger Jahren bezog; Punk, Post-Punk, Britpop. Seit dem Start der Arctic Monkeys war ihr Gitarrist und Sänger Alex Turner im Prinzip ununterbrochen beschäftigt; ob als Teil der Last Shadow Puppets, als Verantwortlicher fĂĽr den Soundtrack des Richard-Ayoades-Film „Submarine“ – oder eben bei der Hauptbeschäftigungsquelle, jenen Arctic Monkeys.

Was? FĂĽr ihr letztes Album taten die Arctic Monkeys etwas, das fĂĽr eine britische Band mit Sixties-Anleihen etwas verwunderlich wirkte: Sie setzten sich mit Josh Homme (Kyuss, Queens Of The Stone Age, seines Zeichens Vorzeige-Stoner-Rocker) zusammen und lieĂźen ihn ihr drittes Album „Humbug“ produzieren. Das Ergebnis wirkte ein wenig verwunderlich: Ein Prog-Rock-Sound, der irgendwie nach „WĂĽste“ klang und auch nach Great Britain. Wie passt das zusammen? Das wussten zum einen die Fans, zum anderen die Bandmitglieder nicht. Noch nicht – denn jetzt ist ihr neues Album „Suck It And See“ drauĂźen.

Warum? Bisher hatte jedes Album der Arctic Monkeys einen etwas anarchischen Touch: Dass die meisten der Songs aus Jam-Sessions entsprungen waren, hörte man ihnen auch an. Vielleicht tat es der Band gut, dass sie sich auf „Humbug“ ausgetobt und ausprobiert haben. Bei „Suck It And See“ kommen die Songs nun wie aus einem Guss und klingen harmonischer: das Album ist sehr gut in einem Rutsch zu hören, alles ist an seinem Platz. Im Jahr 2011 sind die Arctic Monkeys längst keine Newcomer mehr: sie sind erwachsen geworden. Auf „Suck It And See“ versammeln sie ihre wildesten, aber auch gleichzeitig ihre eingängigsten Songs der Bandkarriere. Bei dieser Platte kann man von ihrer bislang besten sprechen.

Label: Domino Records | Kaufen

Tribute to Gil Scott-Heron

31.05.2011 von  

„Salute Mr. Gil Scott-Heron for his wisdom and poetry! May he Rest in Paradise.“ Das schreibt Wu Tang-Clan-Mitglied Ghostface Killah ĂĽber den am Freitag verstorbenen US-amerikanischen Musiker und Poeten Gil Scott-Heron (wir berichteten). Auch viele andere namenhafte KĂĽnstler zollen Scott-Heron in diesen Tagen Respekt fĂĽr sein Lebenswerk, berichtet der NME. US-Rapper Eminem betont den Einfluss des Musikers auf den HipHop. Der Frontmann von Radiohead, Thom Yorke, veröffentlichte eine Liste von neun Songs, an denen Scott-Heron in irgendeiner Form mitgewirkt hat. Snoop Dogg bezeichnete Scott-Heron als „1 of tha greats“.

Mehr zu diesem Thema weiĂź Klaus Walter in der heutigen Ausgabe des ByteFM Magazins ab 15 Uhr zu berichten.

Außerdem beschäftigen sich diese Woche noch weitere ByteFM Moderatoren in ihren Sendungen mit Gil Scott-Heron. Ab dem Tag nach der Ausstrahlung findet man diese auch zum Nachhören in unserem Archiv. Hier der Überblick:

Dienstag, 31. Mai, 22 bis 23 Uhr, Me Myself & Why mit Frank Witzel

Freitag, 03. Juni, 20 bis 21 Uhr, Out of Spectrum mit Oliver Korthals

Sonntag, 05. Juni, 20 bis 22 Uhr, Was ist Musik mit Klaus Walter

Presseschau 31.05.: Fame and Fortune

31.05.2011 von  

In Hamburg ist es ja so: Wenn die Queen Mary, das Schiff, ein- oder ausläuft, dann rennen alle wie bekloppt zum Hafen, winken noch bekloppter, und dann hupt die Queen mit etwas Glück zurück. Bei Roger Daltrey von The Who war es in letzter Zeit eher so: Wenn er Konzerte ankündigte, kam kaum jemand, nicht mal zum Winken. Zuletzt verkaufte er so wenig Tickets, dass er drei Konzerttermine in Großbritannien absagen musste. Warum also nicht auf das fahrende Schiff aufspringen, quasi auf der Erfolgswelle mitschwimmen, und Kabarett machen? So etwas muss sich Daltrey gedacht haben, denn ohne Witz, er hat ein Engagement als Kabarettist auf der Queen Mary 2. Der NME berichtet.

Da hatte die Lady einfach zu viele Ideen im Kopf, als sie 2010 das Video zur BeyoncĂ©-Zusammenarbeit „Telephone“ drehte. So viele, dass sie es mittlerweile selbst nicht mehr ertragen kann. „All I see in that video is my brain throbbing with ideas – and I wish I had edited myself a little bit more“, sagt Lady Gaga und weiĂź der NME. Wir fragen uns, ob die geplante Veröffentlichung eines Weihnachtsalbums nicht auch eine Idee zu viel ist. Doch Gagas Erfolg scheint ungebrochen. Man erwartet, dass ihr aktuelles Album „Born This Way“ noch in dieser Woche auf Platz 1 der britischen Charts klettert und damit Adele vom Thron schmeiĂźt. Das hatte nicht mal Kate Bush hinbekommen (wir berichteten).

Auf den Hund gekommen, so könnte das Motto der Tagung zum 50-jährigen Bestehen des documenta-Archivs lauten, die in diesem Jahr der US-Performance-Künstlerin und Musikerin Laurie Anderson gewidmet ist. Ihre besondere Zuneigung zum Vierbeiner dokumentiert die Künstlerin in einem Video, in dem sie, oh Wunder der Technik, einen Hund, nämlich ihren eigenen namens „Lolabelle“, zur Welt bringt. Filme wie diese haben Laurie Anderson zu einer „Pionierin“ der Performance-und Video Kunst werden lassen, als welche sie auf dem 50-jährigen Jubiläum des documenta-Archivs gewürdigt wird, wie die taz berichtet.

„Salute Mr. Gil Scott-Heron for his wisdom and poetry! May he Rest in Paradise.“ Das schreibt Wu Tang-Clan-Mitglied Ghostface Killah ĂĽber den am Freitag verstorbenen US- amerikanischen Musiker und Poeten Gil Scott-Heron (wir berichteten). Auch viele andere namenhafte KĂĽnstler zollen Scott-Heron in diesen Tagen Respekt fĂĽr sein Lebenswerk, berichtet der NME. US-Rapper Eminem betont den Einfluss des Musikers auf den Hiphop. Der Frontmann von Radiohead, Thom Yorke, veröffentlichte eine Liste von neun Songs, an denen Scott-Heron in irgendeiner Form mitgewirkt hat. Snoop Dogg bezeichnete Scott-Heron als „1 of tha greats“.
Mehr zu diesem Thema weiĂź Klaus Walter in der heutigen Ausgabe des ByteFM Magazins ab 15 Uhr zu berichten.

Die ByteFM Charts KW 22

30.05.2011 von  

Einen Neueinsteiger, der es wissen will, und gleich aus dem Nichts auf den ersten Platz springt, gibt es diese Woche in den Albumcharts: Thurston Moore! Er ist aber dann auch der einzige Neueinsteiger in der Album-Kategorie. DafĂĽr sind es wieder umso mehr in den Trackcharts. Gang Gang Dance sind beispielsweise darunter oder auch das HipHop-Wunder Tyler, The Creator.

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Thurston Moore – Demolished Thoughts (neu)
2. Planningtorock – W (10)
3. The Sea And Cake – The Moonlight Butterfly (2)
4. Bodi Bill – What? (5)
5. Gang Gang Dance – Eye Contact (12)
6. 13 & God – Own Your Ghost (3)
7. Robag Wruhme – Thora Vukk (9)
8. Austra – Feel It Break (6)
9. Pollyester – Earthly Powers (15)
10. Tyler, The Creator – Goblin (neu)
11. Wild Beasts – Smother (7)
12. Kurt Vile – Smoke Ring For My Halo (8)
13. Toro Y Moi – Underneath The Pine (11)
14. Bill Callahan – Apocalypse (4)
15. Jamie Woon – Mirrorwriting (1)

Die Trackcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. The Sea And Cake – Up On The North Shore (2)
2. Robag Wruhme – Tulpa Ovi (5)
3. 13 & God – Oldage (neu)
4. Planningtorock – Living It Out (neu)
5. Thurston Moore – Benediction (neu)
6. Cat’s Eyes – Not A Friend (neu)
7. Jamie Woon – Night Air (3)
8. Gang Gang Dance – Glass Jar (neu)
9. Tyler, The Creator – Yonkers (neu)
10. Wild Beasts – Reach A Bit Further (7)
11. Bon Iver – Calgary (neu)
12. Barbara Panther – Empire (neu)
13. Pollyester – Voices (neu)
14. Thurston Moore – Illuminine (neu)
15. Gang Gang Dance – Adult Goth (6)

Was Ihr Wollt: Ice Ice Baby !

30.05.2011 von  

Unser Album der Woche kommt von FM Belfast aus Island.
Island heiĂźt nicht nur deshalb Island, weil es eine Insel ist (an island, sozusagen), sondern vor allem weil hoch im Norden und bitterkalt (Iceland).

Am Dienstag, den 31. Mai, in „Was Ihr Wollt“: Ice Ice Baby.
Eure liebsten Songs aus Island oder Iceland, Musik aus Eis, ĂĽber kalte Herzen und Songs ĂĽber die Eisdiele.
Sucht es Euch aus und zieht Euch warm an.

Eure Song-Vorschläge könnt Ihr live während der Sendung über unsere Facebook-Seite posten.
Und wie immer gilt:
You Say, We Play (alle Songs, die wir auftreiben können)

Was Ihr Wollt – am Dienstag, dem 31.05. um 17 Uhr

Freequency Downloadlinks

30.05.2011 von  

FreeQuency: aktuelle Netz-Tracks und Klangfetzen aus dem digitalen Ether

In der bunten Netzmusikwelt passiert viel dieser Tage. Da wäre zum Beispiel das vom Namen her japanisch anmutende Projekt Fuji Kureta, hinter dem sich – entgegen der ersten Erwartung – ein tĂĽrkisches Elektronika/Triphop-Projekt verbirgt. Bei FreeQuency gibt’s gleich mehrere Songs aus dem aktuellen Download-Album „See Through“. Ebenfalls mehrmals vertreten ist das aktuelle Bandprojekt von Amanda Palmer. Die Ex-Dresden Doll und mitterweile gestandene SocialMedia-SolokĂĽnstlerin hat mit ihrem Partner Neil Gaiman, Musiker Ben Folds und OK Go-Sänger Damian Kulash ein Minialbum aufgenommen, das unter dem Namen „Nighty Night“ fĂĽr Begeisterung im Netz sorgt. Nicht weniger begeisternd ist die „Youarelisten.to“-Serie: Ein Browser-Kunst-Projekt, das urbanen Polizeifunk mit verträumten Ambient-Sounds vermischt. Musik im Webbrowser macht auch AndrĂ© Michelle: Er baut virtuelle Klangkörper, die sich im Browser per Klick anstimmen lassen. AuĂźerdem im Programm: Dänischer Unterhöschen-Folk, Soundcloud-Hits und die digitale Mumifizierung der musikalischen Antiquariate des groĂźen Robert Johnson.

Playlist:

BalĹ“n – El Medio Contenido
DOWNLOAD | CC | ARTISTBEKO-DSL
These Animals – Side By Side
DOWNLOAD | CC | ARTIST
The Very Most – Alien Girl
DOWNLOAD | CC | ARTIST | EARDRUMSPOP
The Very Most – Congrizzle 4evzzz
DOWNLOAD | CC | ARTIST | EARDRUMSPOP
Fuji Kureta – Dive
DOWNLOAD | CC | ARTIST | 23SECONDS
Fuji Kureta – Diaphonous
DOWNLOAD | CC | ARTIST | 23SECONDS
San Jaya Prime – Kandela De Esperanza
DOWNLOAD | CC | ARTIST | YOUARELISTENING.TO
DCTurner – Musik via Audiotool.com
DOWNLOAD | CC | AUDIOTOOL
AndrĂ© Michelle – 8 Bits But A Byte
DOWNLOAD | CC | AUDIOTOOL
Amanda Palmer/8in8 – Nicola Tesla
DOWNLOAD | CC | BANDCAMP
Amanda Palmer/8in8 – Twelve Line Song
DOWNLOAD | CC | BANDCAMP
Amanda Palmer/8in8 – Because The Origami
DOWNLOAD | CC | BANDCAMP
My Bubba & Mi – Gone
DOWNLOAD | CC | ARTIST | BEEPBEEP | TOUR CAR FUNDRAISING
My Bubba & Mi – Hwaii Blus
DOWNLOAD | CC | ARTIST | BEEPBEEP | TOUR CAR FUNDRAISING
Dressed Like Wolves – Anniversary
DOWNLOAD | CC | ARTIST
Robert Johnson – Me And The Devil Blues
DOWNLOAD | CC | INTERNET ARCHIVE | WIKIPEDIA
Robert Johnson – Stop Breakin Down Blues
DOWNLOAD | CC | INTERNET ARCHIVE | WIKIPEDIA

Unplugged, Baby! Atlantic/Pacific im Kölner Underground

30.05.2011 von  

Ein beschaulicher Sonntag, dieser 29.05.2011. Es ist ganz ruhig in der Domstadt, die Leute sind gut drauf, hängen in Parks ab oder gehen vielleicht noch auf ein Konzert, wenn sie gestern nicht zu ausgiebig gefeiert haben. So wie ich. Haha. Beim Betreten des Innenhofs des Undergrounds erwarten mich schätzungsweise 30 Leute, die lässig auf den Bierbänken sitzen und sich gegen ihren Durst kühle Drinks zu Gemüte führen. Unter ihnen auch die Masterminds Garrett Klahn und John Herguth von Atlantic/Pacific.

Die beiden sind schon seit geraumer Zeit befreundet und durch verschiedene Band-Projekte bekannt. Garrett gehört zu Texas Is The Reason sowie Solea und John könnte von House And Parish ein Begriff sein. 2008 beschließen sie im Wohnzimmer von Garrett, unter dem Projektnamen Atlantic/Pacific gemeinsam Musik zu machen.

Den Abend eröffnet ein Trio namens Bedrooms aus Düsseldorf. Ein junge Formation, die komplett unplugged ihre Show zum Besten gibt. Hätte mich Alex, der Mann an der Kasse, nicht darauf hingewiesen, dass die schon loslegen, hätte ich vom Konzert keine Notiz genommen. Also geht’s rein ins U2, dem kleineren Konzertsaal des Undergrounds. Keine Mikrofonie, einmal Gesang, drei Akustikgitarren, mal ab und an ein Xylophon und eine Melodica. Mit diesen Mitteln wollen Bedrooms die rund 15 Leute in die passende Stimmung bringen. Es gelingt ihnen nur teilweise, zu berechenbar sind die Songs arrangiert und die drei Herren auf Barhockern sitzend, reißen mich mit ihren Beinüberschlag nicht wirklich mit. Das Publikum dankt es ihnen trotzdem. Zum Schluss gibt’s noch das Cover von Soft Cell’s “Tainted Love“, bevor sich wieder alle in den Biergarten begeben.

In der Hoffnung, dass noch ein paar Leute mehr kommen, lassen sich Atlantic/Pacific ausreichend Zeit, bevor sie einen Schritt Richtung Bühne wagen Aber auch davon nimmt keiner Notiz. Da holt sich der Drummer erstmal noch ein Weizenbier, bevor sich die Band entschließt, ihren Opener in Unplugged-Manier und Open Air im Biergarten zu spielen. Mit zwei Gitarren, einer selbstgebauten Rassel und einem Weizenbier bewaffnet schaffen sie es, das Publikum ins U2 zu locken. Und dort soll endlich der Strom in die Bratgitarren gestöpselt werden. Nach dem zweiten Track “Patterns“ dankt John dem zahlenmäßig schwächelnden Publikum mit einem schlichten “Thank you for coming“, fügt aber noch ein “We know it’s Sunday. Alles geschlossen.“ hinzu. Als Quartett sind Atlantic/Pacific recht breit instrumentiert. Am Roland Juno-G Keyboard steht John, der im Wechsel mit seiner halbakustischen Gretsch psychedelische Flächen spielt, wobei sein Kompagnon Garrett an der Akustikklampfe mit dem Fuß den auf den Boden liegenden Schellenreif kickt. Obendrauf gibt’s noch einen Drummer und Bassisten.

Jedem, dem die Fleet Foxes, Wilco oder The Smiths gefallen, sei diese Band wärmstens ans Herz gelegt. Ich durfte die Herren aus Brooklyn bereits am 08. Juli 2009 im Kölner Stereo Wonderland sehen. Damals hatten sie Portugal. The Man als Support dabei (!), die ein reines Akustikset ihres “The Satanic Satanist“ gespielt haben. Auch von diesem Abend sollte ich noch lange nähren.

Nach einer guten Halbzeit performen die beiden Frontmänner ihr Stück „The Inquisition“ als Duett. Ich kann nur sagen: Gänsehaut vorprogrammiert. Atlantic/Pacific schaffen es ihre Mischung aus vielschichtigem Gitarrenspiel und nachdenklichen Melodien live zu transportieren. Aber auch waschechte Rockfanatiker kommen an diesem Abend nicht zu kurz und so gelingt es ihnen, sowohl Freunde der ruhigeren Gangart als auch Hartgesottene zu überzeugen. Nach gefühlten 60 Minuten beenden Atlantic/Pacific ihre wunderbare Show mit dem Titeltrack ihres im Oktober 2010 erschienenen Debütalbums “Meet Your New Love“. Ja, vielleicht haben ein paar Menschen an diesem Abend eine neue Liebe gefunden. Ich bin mir ziemlich sicher.

Atlantic/Pacific sind auf Tour – präsentiert von ByteFM:

30.05.2011 Dresden – Groove Station
31.05.2011 Berlin – Monarch

So war das Immergut Festival

30.05.2011 von  

Keine Ahnung, warum ich persönlich es noch nie zum Immergut Festival geschafft hatte, aber dieses Jahr sollte dann doch mein erstes Mal werden. Wir fahren nach Neustrelitz. Nur einen Tag. Samstag. Hier ein persönlicher Erlebnisbericht.

Meine Begleitung und ich trafen uns am Samstagvormittag mit unserer Mitfahrgelegenheit, die sich am Tag zuvor noch im Netz auftat. Während wir eine Stunde durch Hamburg irrten um den vierten Mann einzusammeln und die Auffahrt zur A24 zu finden, begann das wahrscheinlich typische Frage-Antwort-Spiel im Passagierraum. Neben Auflisten von Festivalerlebnissen und Abstimmen über Ranglisten verschwand unser Proviant nebenbei in unseren Mägen und Hirnen. Leicht angeduselt (nur die Beifahrer) staunten wir über die Seenplatten und östliche Architektur der kleinen verlassenen Ortschaften. In der vorderen Reihe wurde lauthals Philipp Poisel unterstützt und sich darüber beschwert, dass Gisbert zu Knyphausen schon am Vortag spielte. Dann in Neustrelitz kurz in der Pension eingecheckt und innerhalb des Ortes nach Hinweisen zum Festival gesucht.

Schon auf dem Weg vorbei an den Park und Zeltplätzen wird die doch recht übersichtliche, wahrscheinlich dadurch angenehm und vielleicht familiäre, Menge der Besucher sowie deren Stimmung klar. Auch das Festivalgelände selbst ist eine schnell einstudierte und leicht einzuprägende Fläche mit den üblichen Anlaufstellen wie Nahrungsmittelwagen, Merchandise-Zelt, Tabakspiellandschaft, einem Kunstbasar, Infoständen, Flüssigkeitsgefülltengenussmittelpilzen, sanitären Rückzugsorten, sowie natürlich den drei Austragungsorten, die sich unterteilen in Hauptbühne (groß), Zeltbühne (mittel) und Walbühne (klein).
Auf Letzterer liest bei unserer Ankunft gerade der mittlerweile in Berlin lebende, ehemals bei der Gruppe Muff Potter singende Autor Nagel aus seinem aktuellen Buch „Was kostet die Welt“. Vor ihm sitzen einige hundert noch vom Abend zuvor leicht verstrahlte Besucher auf Decken oder ihren Jacken im staubigen Gras und versuchen, den vom Wind verwaschenen Worten zu lauschen.

Beim ersten Kontakt mit vom Vortag und von der Quelle Eingeweihten gibt es zwei wiederkehrende Informationen. Bester Auftritt am Freitag war der der Gruppe Station 17. Leider etwas zu kurz geraten (vom Veranstalter Team wurde nur eine halbe Stunde zur Verfügung gestellt), aber schnell ansteckend und stimmungsgeladen. Die zweite Auskunft darüber, wie denn Mogwai gewesen seien, stellte sich als weniger homogen heraus. Antworten zwischen zu laut, zu lang, zu spät, zu betrunken fliegen uns entgegen. Mehr ist nicht rauszuholen aus den verschlafenen Klangkörpern. Lieber trinken wir Bier und liegen in der Sonne.

Der erste Künstler, der uns dann doch interessiert, soll angeblich den Weg vom Bahnhof zum Gelände nicht finden und wird deshalb nach hinten verschoben. Ob er es wirklich schafft, steht noch in den grauen dicken Wolken, die sich dann doch immer wieder am Himmel verirren und einen leicht ängstlichen Schatten vor dem großen Guss über alles ziehen. Dann erhascht man zwischen den vielen kleinen Sichtnehmern einen großen Bart auf der Waldbühne und sieht einen Touchy Mob beim Aufbauen. Irgendwie verliert sich leider auch dieser Auftritt im Klumpatsch aus Stimmen, Blätterrascheln und Sonnenstrahlen. Ich sollte ihn lieber im Club anschauen, wenn er das nächste Mal in Hamburg gastiert. Ein spannender Künstler. Dieser Ort und sicherlich noch mehr der Zeitpunkt: ein umgespannter Rahmen, der ihm nicht passt.

Irgendwann schaffen wir es hinter die Bühne in einen bauwagenplatzähnlichen Be­reich, der sich Backstage schimpft. Endlich gibt es Mückenspray! Die Biester kennen keine Gnade dieser Tage und beißen jeden, der sich nur auf das Gelände wagt, auch hier hinten. Dieser Ort ist eine Oase der Ruhe und alle sitzen vor ihren eingeteilten Holzwohnungen auf Rädern. Da wären am Ende der Wagenstraße die Herren von Deus. Ein Jason Collett, der nochmal seine Setliste auf der Gitarre durchgeht. Das Herrenmagazin, dasss sich auf den Hackbraten mit Gnochis und Gemüse stürzt. Ein Nagel, der sich von den Heuschrecken des neuen ZDF Kultursenders filmen lässt. Eine leicht verirrt wirkende Sarah Kuttner an einem mit Magnetangelspielen ausgestattetem Planschbassin. Eine Gruppe junger Isländer, die ihren Bandnamen wie eine Fußballmannschaft mit Flockbuchstaben auf ihren Rücken trägt. Ein zurückhaltender Hans Unstern. Der wieder einmal fantastisch gekleidete Carsten Meyer alias Erobique. Die drei Mitglieder der Gruppe Bodi Bill, die sich später als der Überraschungsact entpuppen werden. Und eine verlassene, große Schüssel Gurkensalat. Irgendwie schön.

Die nächste Gruppe, zu der wir es schaffen, ist das Herrenmagazin. Diese spielen im bis zum Anschlag gefüllten Zelt und werden mit riesig verschwitztoffenen Armen aufgenommen. Die Besucher haben ihre Energie zurückerlangt und scheinen völlig ausgehungert zu sein. Sie lassen sich jede Hymne der Hamburger schmecken und geben eine Soße aus Anerkennung, Textsicherheit, Hysterie und Liebe zurück in Richtung Bühne. Der Band macht es sichtlich riesigen Spaß. Sie spielen ein schnelles und überzeugendes Set. Irgendwie toll.

Immer mehr bekannte Gesichter tun sich auf und stehen am BĂĽhnenrand. Der Pegel steigt langsam, dabei ist es erst halb neun. Aber, das hier ein Festival.

Nach guter solider Bratwurst und einigen Getränken später schauen wir uns Bodi Bill an. Im Vorfeld angekündigt als Jane Fonda Trio, gab es im Netz so einige Mutmaßungen und Diskussionen, um wen es sich dabei handelt könnte. Deshalb begrüßt der Sänger das Publikum mit den Worten „Hallo, wir sind die Ärzte“. Etwas mehr Kreativität hätte ich den Forenbesuchern zugetraut, sind doch die Ärzte nicht das einzige Trio in der Musiklandschaft. Naja. Bodi Bill sind meiner Meinung nach eine fantastische Live-Band und das stellten sie auch heute wieder unter Beweis. Alles stimmt, die Lichtshow, die Setliste und die damit einhergehende Abwechslung, die Kostüme, die Requisiten (z.B. ein menschengroßer Styroporstein, in den sich der Sänger zwängt), das gegenseitige Abklatschen am Bühnenrand und vieles mehr. Hier stimmt einfach alles. Einzig als Vorwurf zu äußern ist die zu sehr gewollte internationale Bühnentauglichkeit, die sich so äußert, dass Ansagen und Anheizer ans Publikums lieber auf Englisch erledigt werden. Aber der Rest überlädt dieses leichte Peinlichkeitsgefühl.

Dann verirren wir uns wieder ins Zelt und trauen dort unseren Augen und Ohren nicht. Das Zelt scheint sich aufzulösen und die Bretter am Boden zu brechen, der gesamte Inhalt hüpft und schreit. Auch wir werden sofort angesteckt und können nicht anders als mit offenen Mündern kreischend zu tanzen. Auf der Bühne, eine Schulklasse? Die Gruppe mit den Flockbuchstaben. Isländer. Grade mal volljährig, der Name Retro Stefson. Und sie beherrschen nicht nur ihre Instrumente, sondern auch die Herzen aller Anwesenden. Retro ist ein gutes Stichwort, denn die Band spielt sich durch alle Haltestellen der Musikgeschichte und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Sie sind sich nicht zu schade, komplette Läufe zu adaptieren, nein sie bauen sie sogar ein, und geben dem Ganzen eine frische jugendliche Note. Sie springen, lachen, tanzen, manchmal einstudiert oder einfach aus dem Bauch herraus. Sie bedienen jetzt schon die großen Gesten und nicht einen Moment kommen sie dabei peinlich rüber, nein, man denkt, das gesamte Zelt sei die Telefonzelle aus Bill und Ted und es würde sich hierbei um ein Konzert aus den 70ern handeln. Diese Spielfreude dringt wie die feuchte Luft unter jedes T-Shirt und diese Zeit soll niemals enden. Tut sie dann aber nach zwei Zugaben doch.

Was soll jetzt noch kommen? Es regnet mittlerweile und auf der großen Bühne stehen bereits Deus. Irgendwie ist bei uns der Ofen aus. So verzichten wir auf die Rockhauptband, auf einen Hans Unstern und Erobique. Die Betten rufen und am nächsten Morgen sind unsere Körper darüber dankbar, der meiner Begleitung aber leider mit einigen Stechseen ausgestattet. Dafür hatten wir einen schönen Wochenendausflug und vielleicht machen wir es nächsten Jahr nochmal.

(K.Hamann)

Alle Infos zu dem Festival und den Bands gibt es unter www.immergutrocken.de/

Neue Platten: No Joy – „Ghost Blonde“

30.05.2011 von  

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Laura Lloyd und Jasmine White-Gluz sind No Joy. Die beiden kennen sich bereits seit zehn Jahren und spielten zuvor in der Band Flirt. Die Grundlage ihrer musikalischen Beziehung bildete die räumliche Distanz. Was schon bei The Postal Service bestens funktionierte, klappte auch hier: So schickten sich die beiden ihre Songs zwischen Los Angeles, wo Jasmine White-Gluz wohnt, und Montreal, dem Wohnort von Laura Lloyd, hin und her. Das New Yorker Label Mexican Summer wurde durch ihre Myspace-Seite auf sie aufmerksam und nahm sie unter Vertrag. Dort sind sie in bester Gesellschaft von Kurt Vile, The Tallest Man On Earth oder Best Coast. Deren Sängerin Bethany Cosentino bezeichnete No Joy als „The best band ever“. Mittlerweile sind sie zu viert. Ihr DebĂĽt „Ghost Blonde“, welches in den USA bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, haben No Joy alleine aufgenommen und produziert. Ihr geringes Budget investierten sie lieber ins Mischen – das ĂĽbernahm Sune Rose Wagner, die eine Hälfte des dänischen Duos The Raveonettes. Zuletzt waren No Joy mit The Wavves und Best Coast auf Tour.

Was? Ein Rauschen, ein Quietschen und ein Wummern, dann Gesang: „This Time We’re Starting Over“ heiĂźt es da sehnsuchtsvoll und mantra-mäßig. Dann setzt das Schlagzeug ein und trägt den Song bis zu seiner finalen Ăśbersteuerung. So beginnt „Ghost Blonde“ mit dem Song „Mediumship“. Sofort denkt man an Shoegaze und automatisch an My Bloody Valentine, Lush oder Jesus and Mary Chain. Aber obwohl sich diese Vorbilder nicht leugnen lassen, schaffen No Joy doch auch etwas Eigenes. Beispielsweise mit dem Song „You Girls Smoke Cigarrettes“, der von einem dominanten Bass vorangetrieben wird, der nuschelige Gesang ist kaum zu verstehen. Doch dann wird all das von einem harmonischen Refrain aufgebrochen, um gleich weiter zu rauschen und am Ende in sich zusammen zu fallen. DafĂĽr brauchen No Joy etwas mehr als zwei Minuten. „Pacific Pride“ beginnt zurĂĽckhaltender. Ein Klavier tastet sich fast träumerisch voran und wird dann von Gitarre, Schlagzeug und Bass eingefangen, die dann aber auch ähnlich vorsichtig mit dem Gesang von Lloyd und White-Gluz zusammen spielen. Das hat etwas mädchenhaftes Verspieltes, wenn sie singen „Waiting For A New Love“. Dieses Zusammenspiel wird dann aber doch auch ĂĽberraschend beendet und endet wieder in der shoegaze-typischen Ăśbersteuerung.

Warum? Obwohl No Joy mit ihrem Album „Ghost Blonde“ das Shoegaze-Genre nicht neu erfinden, leisten sie doch einen schönen und eigensinnigen neuen Beitrag dazu. Ihre zehn Songs sind solide durchkomponiert und –strukturiert und tragen den Hörer auf einer wunderbaren Noise-Welle, die mal melancholisch, mal euphorisch, mal psychedelisch ist.

Label: Cooperative Music | Kaufen

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