25.03.: Bushido goes Black-Metal

25.03.2010 von  

Der amerikanische Rolling Stone berichtet, Jim Marshall ist im Alter von 74 Jahren verstorben. Der legendäre Rock-Fotograf fing in den 60er und 70er Jahren einige der bedeutendsten Bilder der Rockgeschichte ein.

Die Zeit fasst die Ergebnisse des neuen Jahreswirtschaftsberichts vom Bundesverband der Musikindustrie zusammen. Im internationalen Vergleich scheint es Deutschland gut zu gehen. Während die Nachbarn England und Frankreich mit 23 und 9 Prozent Umsatzrückgang zu kämpfen haben, bleibt Deutschland mit 3,3 Prozent Rückgang relativ stabil.

Einen Umsatzrückgang wird wohl auch Rapper Bushido hinnehmen müssen. Dieser wurde gerade wegen Urheberrechtsverletzung zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 63 000 Euro verurteilt. Darüber hinaus müssen alle betroffenen Alben aus dem Verkehr gezogen worden. Bushido bediente sich immer mal wieder gerne bei Songs der französischen Gothic-Band Dark Sanctuary. Schon 2007 gab es rechtliche Auseinandersetzung mit der norwegischen Black Metal Band Dimmu Borgir. Man fragt sich, was der Rapper so privat hört. Es berichten die taz und die Zeit.

Thema in der Spex ist der Kinofilm Precious, ein Geheimtipp, der zwei Oscars fĂĽr das beste adaptierte Drehbuch und die beste Nebenrolle bekam.
„In der Figur der 16-jährigen Claireece ›Precious‹ Jones kommen Probleme zusammen, die schon beim Erscheinen des Romans 1996 vielen Kritikern »zu viel« waren. Precious ist nicht ›nur‹ übergewichtig, schwarz und vom eigenen Vater schwanger, sie wird auch von der eigenen Mutter gedemütigt, geschlagen und missbraucht, kann weder lesen noch schreiben, hat bereits mit zwölf Jahren ein Kind mit Downsyndrom zur Welt gebracht, ebenfalls gezeugt vom drogensüchtigen Vater, der sie zudem, fast ahnt man es schon, mit HIV infiziert hat.“ Schreibt Barbara Schweizerhof.

LFSM – Tickets fĂĽr Freunde

24.03.2010 von  

ByteFM präsentiert das Les Femmes S‘ent MĂŞlent Festival in Berlin.

Seit 1997 bietet Les Femmes S’en Mêlent Musikerinnen eine Plattform und feiert die Weiblichkeit.
In Paris gegründet, findet das Festival mittlerweile in mehreren europäischen Städten statt, darunter auch vom 02.-20.04 in Berlin. Dort ist das Festival mit LoneLady, MEN, Tender Forever und vielen anderen hervorragend besetzt.
LoneLady aus Manchester veröffentlichte vor kurzem ihr gefeiertes Debut „Nerve Up“, das mit düsterem und von Joy Division und The Fall beeinflusstem Post-Punk zu den spannendsten Alben des Jahres zählt.
MEN ist das neue Kunst-Musik-Projekt von Le Tigres JD Samson und Joanna Fateman, deren radikale Tanzmusik und groĂźartige BĂĽhnenshow man nicht verpassen sollte.

Freunde von ByteFM können bei uns jeweils 2×2 Karten fĂĽr das Konzert von LoneLady am 02.04. im Bang Bang Club und fĂĽr MEN am 20.04. im Festsaal Kreuzberg gewinnen.
Schreibt einfach eine Mail mit dem Betreff „Ich will zu“ und dem jeweiligen Künstler an radio@byte.fm. Einsendeschluss ist der 31.03. und die Gewinner benachrichtigen wir per Mail.
Schreibt auch bitte Euren Vor- und Zunamen in die Mail, damit wir sie für die Gästeliste angeben können.

Vincent Mason (Mase) feiert seinen 40. Geburtstag

24.03.2010 von  

Intelligenter Hippie-Rap gegen Macho-Attitüde und Goldketten war Ende der 80er Jahre das Motto der HipHop-Revolutionäre De La Soul, bestehend aus Kelvin Mercer, David J. Jolicœur und Geburtstagskind Vincent Mason, genannt Pasemaster Mase.

Als De La Soul ihr erstes Album “Three Feet High and Rising” veröffentlichten, waren die damaligen Themen der Szene geprägt von Gewalt und Gangstertum. Die ausgekoppelte Single des Albums „Me, Myself and I“ verhalf der Gruppe zu weltweitem Erfolg. Mit der „Native Tongue Family“ bildete De La Soul eine Bewegung, welche sich mit sozialen Themen beschäftigte und auf ein freundlicheres Image setzte.
DafĂĽr wurde die Gruppe oft von Seiten der Gangsterrap-Szene kritisiert. Ihrer Musik wurde vorgeworfen, zu poppig zu sein und die Wurzeln des HipHop zu missachten. Fest steht, De La Soul brachten einen frischen Wind in ein stagnierendes Genre und bereiteten den Weg fĂĽr eine Vielzahl neuer Gruppen.

2006 bekamen De La Soul einen Grammy für ihre Kollaboration mit den Gorillaz für die Single „Feel Good Inc.“. Mehr zum Thema De La Soul könnt Ihr heute ab 15 Uhr im ByteFM Magazin mit Klaus Walter erfahren.

24.03.: Relax!

24.03.2010 von  

Die EMI und der Kampf ums Überleben, Kapitel xy: Nachdem der Verkauf der Abbey Road Studios durch massiven Protest widerrufen wurde (wir berichteten), plant die hochverschuldete Plattenfirma nun, die Rechte verschiedener Beatles-Songs zu verpfänden. Dies berichten der musikexpress und die Welt.

Apropo EMI: in der letzten Woche verloren die ja bekanntlich den Prozess mit Pink Floyd, was fĂĽr manch absurden Gesprächsstoff a la „KĂĽnstlerrechte oder Geldmacherei?“ sorgte. Im Guardian äuĂźerte sich Elbow-Sänger Guy Garvey ebenfalls zu diesem Thema und bringt es auf den Punkt: „They want to preserve the integrity of their music, and shouldn’t every artist have that right?“ Absolut.

Mit Rechten hat auch Rapper Bushido so seine Probleme. Gestern verurteilte das Hamburger Landgericht ihn und seine Plattenfirma Universal des Plagiats. Demnach soll Bushido bei der französischen Gothic-Band Dark Sanctuary derart abgekupfert haben, dass veröffentlichte CDs mit Plagiatstiteln aus dem Handel genommen werden müssen. Außerdem erwartet Bushido eine saftige Geldstrafe, berichtet die FAZ.

Das französische Trio Aufgang steht heute im Berghain, genauer gesagt im Elektroakustischen Salon, auf der Bühne. Die Spex präsentiert das Konzert und schreibt über eine Entwicklung der letzten Jahre: Die Verschmelzung von Techno und Klassik.

Ebenfalls eine Art der Verschmelzung meint Jan Freitag in der Zeit, wenn er ĂĽber das neue Album der Essener Band festland schreibt. Diese „fĂĽgen aus Minimalhouse und Rock wunderbar entspannte Musik zusammen“. Wenn ich den Beitrag richtig verstanden habe, kann man sich nach Anhören der Platte den Gang zum Physiotherapeuten sparen. Das Album von festland heiĂźt „Welt Verbrennt“ und ist am 19. März erschienen.

Ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderte Julian Casablancas in einem Interview mit ABC News: Angeblich finden die Aufnahmen zum neuen Album der Strokes ohne ihn statt. Weitere interessante Statements hat der deutsche Rolling Stone rausgesucht.

Blog&Roll: Barb Nerdy – Sharing Means Caring

24.03.2010 von  

Heute Gast in unserer Mixtape-Reihe Blog&Roll: Barb Nerdy, eine bajuwarische Berlinerin.

Nach dem Motto „Sharing Means Caring“ propagiert die Musik-Aktivistin auf ihrem Blog neue Tools, neue Musik und nebenbei noch FundstĂĽcke der Berliner Street Art. Barb war mal Teil der herkömmlichen Musikindstrie und pfadfindert jetzt auf den neuen Wegen der Musikwelt. Bei Veranstaltungen wie der A2N / All2gethernow Konferenz oder der Social Media Week tritt sie als Organisatorin und Gastgeberin fĂĽr Panels und Diskusssionsrunden auf, bei iTunes Deutschland war sie lange Zeit „Editorial Chief“. Daneben sorgt sie als DJ und „Musik Kurator“ auf diversen Veranstaltungen fĂĽr den guten Ton und jetzt bei ByteFMs Blog&Roll fĂĽr eine spannende Selektion zwischen weirdem Pop und dickem Bass.

Was ist das, „Sharing Means Caring“?
Sharing Means Caring hab ich geklaut. Von Gerd Leonhard, einem ziemlich cleveren und interessanten „Media Futuristen“ (Music like Water) denn: Knowledge is growing, when its shared. Dabei geht es um die Weitergabe von Wissen, Infos oder auch Musik. NatĂĽrlich meine ich damit nicht das Festplatten-Sharing, sondern Musik Tipps, in Form von Mixtapes.

Seit wann blogst du?
In meinem nicht enden wollenden BedĂĽrfnis alles Neue auszuprobieren, wollte ich vor ca. 2 Jahren auch mal wissen, wie es geht, einen Blog zu machen. Die Themen reichen von MusicStrategie, Internet, Musik bis zu StreetArt. Eigentlich ist es sowas wie ein Archiv, das zusammen mit meinen Bookmarks bei Delicious und den Twittermeldungen einen ganz guten Ăśberblick gibt.
(http://barbnerdy.soup.io/)
Mittlerweile hab ich auch schon 2 andere WP Blogs aufgesetzt, einmal den fĂĽr das Slices Mag und im Dezember hab ich damit die Party „Warmtanzen – Benefiz fĂĽr die Berliner Kältehilfe“ begleitet. Ein Teil der Strategie dabei war neben dem Posten von fast täglichen News, Free Tracks oder DJ Mixes auch den Hauptorganisatoren den Spass am Bloggen zu vermitteln.

Was charakterisiert die Mixtape Serie „Sharing Means Caring“?

Auf’s Mixtape kommen nur Songs, die man immer und immer wieder anhören kann. Also solche, die eine lange Halbwertszeit haben. Bis so ein Mixtape wirklich fertig ist, kann es schon mal ein Weilchen dauern. Manchmal ändert sich das Tracklisting auch komplett innerhalb der Ausprobierphase. UrsprĂĽnglich stammt die Idee aus der Serie „Music for Shops“, dort muss jeder Titel einzeln fĂĽr sich stehen und auch ohne den vorherigen funktionieren, die Mitarbeiter im Shop dĂĽrfen sich nicht so schnell „satt“ hören, im Gegenteil, die Musik soll sowohl Kunden als auch Verkäufer zum unbewussten Mitswingen animieren und im Besten Fall ein Grinsen aufs Gesicht zaubern.

Dein Motto?
„Research & Destroy“. Ich bin eher so die Entdeckerin und wenn ich was gut finde, dann bleib ich
solange dabei, bis es in den Mainstream gelangt ist. Ab dann kĂĽmmer ich mich wieder um was
Neues, was noch kaum jemand kennt. Musikalisches Beispiel: Im Techno Club (Ultraschall MĂĽnchen) hab ich wohl die 1. Drum & Bass Platte in mein Techno/House Set geschmuggelt.
Momentan geht es mir u.a. darum, zu vermitteln, dass das Internet als Chance zu sehen ist und dass es weiterhin gute Musik geben wird.

Deine all-time favourites?
Auweija. Diese Frage habe ich schon kommen sehen. Ich glaube, das wird ein längerer Nachdenkprozess, vielleicht mach ich darüber noch einen Blog Post. Für mich ist Musik immer
mit Emotionen verbunden. Und je nach dem fällt auch die Musik aus, die ich mir anhöre.
Bei BĂĽchern, Filmen wird es wohl ähnlich sein. Wie gesagt, ich denke mal drĂĽber nach….

Vinyl, CD oder MP3 und warum?
15.000 Vinyls, kaum CD’s und 130GB MP3’s.
Kaufverhalten:
Vinyl: wenn’s ‚n gutes Packaging ist (WARP Box, Massive Attack Album), den Rest in MP3s. Ich glaub, ich hab mir in meinem ganzen Leben vielleicht 10 CD’s gekauft. MP3’s sind halt praktisch.

Welche Blogs liest du?
Ich hab die RSS Zeit ausgelassen und meine Tipps kommen meistens aus meinem Twitter – Tweet Deck. Also die Leute, die ich mir ausgesucht habe, um mich mit Infos zu versorgen. Musikalisch interessant sind auf jeden Fall XLR8R und Pitchfork. Ansonsten schau ich fast jeden Tag bei Seth Godin und Gerd Leonhard’s Podcasts hab ich im Abo.

Welche Radiosender (lokal oder Internet) hörst du?
Eine ganz lange Zeit hatte ich viel Radio Fritz gehört. Mittlerweile wird dort leider viel PopQuatsch gespielt. Radio Eins würde mir musikalisch wohl eher zusagen, aber ich dreh einfach ab, wenn ich diesen total bescheuerten Slogan: Musik NUR für Erwachsene höre… Ich höre mittlerweile fast nur noch Podcasts oder manchmal Radio One oder Rinse.FM (allerdings haben die eine extrem schlechte Soundqualität).

Wo kaufst du Musik?

Tracks am liebsten bei Juno oder Boomkat, Alben bei iTunes oder Amazon, das schware Gold im OYE Records Store in B.

Wo guckst du Konzerte?
Da wo sie sind…

Wo gehst du tanzen?
Am liebsten da, wo die Killasan Anlage steht. Manchmal auch ins Berghain, aber nur, wenn dort Dubstep läuft.

Der oder das Blog?
Der

Letzte Worte?
Sharing means caring – Knowledge is growing when its shared!

Nena wird 50

24.03.2010 von  

Die zweifache Oma und Ikone der „Neuen Deutschen Welle“ wird heute 50 Jahre alt, und das sieht man ihr wirklich nicht an. Mit dem Ă„lterwerden bekomme man viel mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten, gab sie einst zu Protokoll.

Ihre internationale Bekanntheit verdankt Nena dem Hit „99 Luftballons“. Ein Exemplar der Single wurde von einer Deutschen Autorin zusammen mit anderen deutschsprachigen Liedern auf eine USA-Reise mitgenommen. Dadurch fiel die Single durch Zufall DJs in Kalifornien auf und verbreitete sich ĂĽber die Radiosender der US-WestkĂĽste auf ganz Nordamerika. Der Song avancierte schlieĂźlich in den USA zum Millionenseller und war danach auch weltweit erfolgreich.
Der eingängige Song verhalf den Plattenfirmen die einstmalige Untergrundbewegung „Neue Deutsche Welle“, welche ihre UrsprĂĽnge in der britischen Punk- und New-Wave-Musik hatte, zu kommerzialisieren.

Im April kann man Nena auf ihrer „Made in Germany Tour“ zu ihrem aktuellen, gleichnamigen Album erleben. „Ich möchte meinen Geburtstag mindestens 50 Mal feiern. Wir machen aus jeder Show eine schöne Party und alle sind herzlich eingeladen“ verrät sie in einem Interview.

23.03.: Noch ein Biopic?

23.03.2010 von  

Wahrscheinlich haben es einige unter Euch schon mitbekommen: Seit gestern kann man sich das komplette neue MGMT-Album im Stream anhören. Als Andrew van Wyngarden und Ben Goldwasser ihr Album vorab im Netz illegal als Download fanden, entschieden sie sich kurzerhand es ebenfalls auf ihrer Homepage zur VerfĂĽgung zu stellen, wenn auch „nur“ als Stream.

Das Pastemagazine berichtet ĂĽber ein geplantes Biopic ĂĽber Singer/Songwriter-Legende Daniel Johnston. “It’s going to be an epic super hero story and it’s going to be a narrative biopic“ zitiert das Magazin den Produzenten David Miller. Demnach soll Gabriel Sunday Johnston in seinen jungen Jahren spielen. AuĂźerdem u.a. im Gespräch: Oskarpreisträger Phillip Seymour Hoffman fĂĽr die Rolle des in die Jahre gekommenen Daniel und Johnny Depp als älterer Bruder.

Nicht mehr lange warten mĂĽssen wir auf eine Adaption des Musicals „Jesus Christ Superstar“ durch die beiden Multitalente Peaches und Gonzales. Die Show trägt den Titel „Peaches Christ Superstar feat. Chilly Gonzales“ und startet am Donnerstag in Berlin. Mehr weiĂź die Spex.

Dass Bloc Party sich auf weiteres eine kĂĽnstlerische Auszeit auferlegt haben, ist schon seit einiger Zeit publik; nun gab Kele Okereke einige Solo-Livetermine bekannt. Dies berichtet der deutsche Rolling Stone. AuĂźerdem soll es eigenes Album von Kele geben: Dabei haben ihm angeblich Hudson Mohawke und Spank Rock geholfen.

Zwei traurige Todesmeldungen zum Schluss: In London verstarb letzte Woche ĂĽberraschend Bassist Sean Stewart der Avantgarde Band HTRK (Hate Rock). Er wurde 29 Jahre alt. Die Todesursache sei noch unklar, berichtet der Quietus, vermutet wird allerdings Selbstmord.
Außerdem letzte Woche verstorben: Charlie Gillett. Der Radiomacher gehört in die gleiche Reihe wie John Peel, meint nicht nur der Quietus. Auch Klaus Walter wird morgen im ByteFM Magazin an ihn erinnern.

SXSW – It’s all over now!

Bands ohne Ende. Karnevalsstimmung auf der Kneipenmeile. Wenig Schlaf. Viel Tex-Mex-Food. Businesshotels, die zu Clubs werden. Super-Konzerte vor fünf Zuschauern. „Wo bist Du?“ Und wo bin eigentlich ich?

Ein paar Momentaufnahmen von der SXSW. Vier Buchstaben, hinter denen sich ein riesiges, und eines der wichtigsten Musikfestivals plus Messe plus Konferenz verbirgt: South By Southwest Music in Austin, Texas. Nicht zu verwechseln mit der SXSW Interactive und SXSW Film, die nämlich sind gerade zu Ende gegangen, wenn es mit der South By Music losgeht.

Es war mein erstes Mal (das erste Mal SXSW und das erste Mal Music Conference überhaupt): fünf Tage in einer Stadt im Ausnahmezustand: Fast 2000 Bands auf 80 offiziellen und etlichen inoffiziellen Bühnen. Spontane Konzerte auf dem Bürgersteig, Diskussionen und Business-Talks – na ja, eben Festival und Messe und Konferenz.

Weil mir das nicht ganz klar war, ich es aber spannend finde, hier eine kurze Erklärung, wie das alles so vor sich geht. Das wichtigste: The Badge, der Ausweis, der einen, theoretisch zumindest, in alle Konzerte, zu allen Diskussionen, Reden und Vorträgen und in Plattenbörse, Gitarrenausstellung und so weiter hineinbringt. The Badge kostet 750 Dollar, Journalisten können unter Umständen einen für umsonst abstauben.

2000 Bands und Dutzende Diskussionen in fünf Tagen bedeuten zwangsläufig: Niemand kann alles sehen. Ich auch nicht, dazu kam auch noch, dass ich für verschiedene Zeitungen und Radiostationen Beiträge von der SXSW machen konnte. In einer mathematischen Gleichung heißt das: Musik plus Arbeit plus verlorenes Gepäck plus technische Schwierigkeiten gleich wenig Schlaf plus nicht so viele Bands.

Was die Bands angeht: Weil die Initiative Musik (eine Einrichtung der Bundesregierung, die Popmusik aus Deutschland fördert) sich dieses Jahr ziemlich engagiert hat, konnten vierzehn Bands aus Deutschland bei der SXSW auftreten. Man fährt hier nämlich nicht so einfach hin: Man muss angemeldet werden, selbst bei nur einem einzigen Auftritt werden vor der Einreise 2000 Dollar Auftrittsteuer fällig, man muss wohnen, herfliegen, die Instrumente rüberschaffen. Und Austin ist noch mal eine ganze Ecke weiter weg von Deutschland als New York.

Ich habe vier deutsche Bands live in Austin gesehen: Nneka, die Kilians, Matias Aguayo und Räuberhöhle. Außerdem kurze DJ-Sets von Heidi und Tobias Thomas mitbekommen. Räuberhöhle ist ein Electro-Punk-Projekt aus Berlin, sehr Casio-mäßig, aber extrem schräg. Zwischen den Songs nämlich spielt Räuberhöhle-Mastermind Krawalla (blonde lange Zöpfe, bunte gepunktete Strümpfe, pinkfarbenen T-Shirts und lustige Hopse-Tänzerin) Puppentheater. Der Laden, in dem Frau Krawalla alias Räuberhöhle auftrat, war eher eine Art Bar mit Bühne, der Soundmensch nicht besonders interessiert – und trotzdem fand ich es super, weil super-schräg.

Ziemlich professionell: Nneka, in Hamburg wohnende Hip-Hop-/Pop-/Soulsängerin mit deutschen und nigerianischen Wurzeln. Die Amis (und der Rest der Musikwelt) standen Schlange, um sie live bei einem ihrer fünf Auftritte in Austin zu sehen – sieht so aus, als würde da eine größere Karriere losgehen. Nur komisch, dass sie keine Interviews auf Deutsch geben wollte. Hängt wahrscheinlich auch mit der angepeilten großen internationalen Karriere zusammen.

Die Kilians: Tja, kann ich gar nicht so viel zu sagen. Nur soviel: Der Soundcheck dieser jungen Indie-Band dauerte gefĂĽhlte 400 Stunden zu lang. So gewinnt man hier keine Freunde.

Matias Aguayo: Was fĂĽr ne coole Sau! Legt Cds mit Beats auf uns singt dazu, irgendwie die perfekte Symbiose aus deutschem TechnogefĂĽhl und lateinamerikanischer Lockerheit.

Tobias Thomas: Musste zuerst ohne Plattenspieler auskommen. In den USA bringt man angeblich seine eigenen Systeme mit. Vielleicht ist so zu erklären, warum er zunächst eher alte Sachen von vor vier, fünf Jahren gespielt hat. Dann wurde es sehr viel besser.

Heidi: Amerikanischer DJ, die in Berlin wohnt. Und nicht umsonst so einen guten Namen hat. Die letzten drei haben übrigens auf einer echt gelungenen Veranstaltung in Austin gespielt: Der „Wunderbar – Lunch with the Germans“. Eigentlich ein Treffen für Musikbusinessleute, die mit ihren deutschen Kollegen in Kontakt treten wollten. Aber eben mit guter elektronischer Tanzmusik, Alkohol, einer Terrasse, Sonne und Essen, das zwei eingeflogene Köche der legendären Berliner Bar 25 gekocht hatten (Gurkensuppe, Buletten, Schweinebraten, Knödel, Kalbsbraten, Kartoffelpuffer und Rote Grütze). Erinnerte irgendwie an relaxte Sonntagnachmittage am Love-Parade-Wochenende im sonnigen Berlin und war vielleicht die coolste Veranstaltung der ganzen SXSW (aber, wie gesagt, ich habe ja nur einen Bruchteil gesehen).

Ansonsten: Tolle Punkband gesehen und gehört, aber ihren Namen nicht erfahren. Werde ich wohl nie wieder sehen. Ein Duo erlebt, das seinem Namen alle Ehre gemacht hat: Ferocious Few. Und eine extrem sympathische und gute Band namens Surfer Blood entdeckt und mich ein bisschen in die verliebt.

Ich sehe schon, das wird hier ganz schön lang. Also noch ganz kurz, was amerikanische Music-Business-People deutschen Bands raten, um es in den USA zu schaffen. Eigentlich ganz einfach: LANGE VOR einer Tour versuchen, über das Netz ganz gezielt Musikinteressierte aus den jeweiligen Regionen finden und von sich überzeugen. Mit Albumpromotion lange vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin anfangen. Und dann: Touren, touren, touren – nur so besteht die Chance, es zumindest ein bisschen zu schaffen. Oder so ähnlich.

Und noch eins: Wer jemals zu einer Music Conference wie der SXSW fahren sollte: Auf jeden Fall an einer der öffentlichen Demo-Sessions teilnehmen: Bands werfen vor einer solchen Veranstaltung ihre Demo-CDs in eine Kiste, wenn sie Glück (oder, je nach Perspektive, auch Pech) haben, wird ihre CD gezogen, ein Song angespielt und dann von Musikprofis aus der Branche kommentiert und analysiert. Ging sehr gesittet zur Sache, die zehn Songs, die da in einer Stunde geschafft wurden (von Techno-Pop, Folk, Hip Hop bis hin zu Metal), waren technisch ganz schön gut, aber von der Art her eher nach dem Motto „schon tausend Mal woanders so oder fast genauso gehört).

Fazit: Nächstes Mal weniger arbeiten, mehr Bands sehen, mehr Diskussionen zu Themen wie „Wie hören wir Musik im Jahr 2020?“ und „Social Media for Musicians“ mitnehmen – und das Gepäck nicht verlieren. Yeah!

Dieser unter weitere Artikel findet Ihr auf Martin Böttchers Homepage www.technoarm.de.

22.03.-28.03.

22.03.2010 von  


Holly Golightly and The Brokeoffs – „Medicine County“
VĂ–: 26.03.2010
Web: myspace
Label: Damaged Goods
Kaufen:

„High in Medicine County – how we get here?“ singen Holly Golightly und ihr Begleiter Lawyer Dave im TitelstĂĽck des Albums, und unvermittelt huscht einem ein Lächeln ĂĽbers Gesicht. Die ehemalige Sängerin der Headcoatees gehört zu der Art von KĂĽnstlern, bei denen man ĂĽber sowas wie „Stagnation“ froh ist. So bringt auch ihr drittes Album der zwar keine Ăśberraschungen, dafĂĽr aber jede Menge gutgelaunte Folkmelodien und rumpelnden Blues, wie immer stilsicher und charmant dargeboten!

Tunng – „And Then We Saw Land“
VĂ–: 26.03.2010
Web: myspace
Label: Full Time Hobby
Kaufen: ”iTunes"

Das ursprĂĽnglich Duo Tunng ist nach gut sieben Jahren zu einer fĂĽnfköpfigen Band herangewachsen; GrĂĽndungsmitglied Sam Genders allerdings hat die Band im letzten Jahr verlassen. Musikalisch ist „And Then We Saw Land“ weniger elektronisch ausgefallen, dafĂĽr aber immer noch sehr verspielt und oft reich instrumentiert. Viele der akustischen Songs erinnern nicht zuletzt durch das Duett von Sängerin Becky und dem verbliebenen GrĂĽndungsmitglied Mike an die traditionellen Folkbands der 70er Jahre.

Das sagen die anderen: BBC

Maximilian Hecker – „I Am Nothing But Emotion, No Human Being, Never Again Son“
VĂ–: 26.03.2010
Web: myspace
Label: Blue Soldier Records
Kaufen:

Man liest viel von „Unschuld“ und „kĂĽnstlerischer Wiedergeburt“ bezĂĽglich des neuen Albums von Maximilian Hecker. Tatsächlich hat er die Songs, hauptsächlich langsame und getragene PianostĂĽcke, allein in seiner Wohnung aufgenommen, spontan und oft improvisiert. Herausgekommen ist ein sehr intimes und unmittelbares Album, dem man Zeit geben muss – und sollte.

Das sagen die anderen: Plattentests

Cobblestone Jazz – „The Modern Deep Left Quartet“
VĂ–: 26.03.2010
Web: myspace
Label: !K7
Kaufen: ”iTunes"

FĂĽr ihr zweites Album ist das eigentliche Trio Cobblestone Jazz zu einem Quartett gewachsen: Zu Mathew Jonson, Tyger Dhula und Danuel Tate ist Colin de la Planta aka The Mole gestoĂźen. Ihre vom Jazz beeinlusste Herangehensweise an elektronische Musik behalten sie aber bei, benutzen sowohl analoge als auch digitale Instrumente bzw. Computer und spielen die Tracks nach Möglichkeit live ein. „The Modern Deep Left Quartett“ ist ein detailreiches, aber unaufdringliches Album geworden.

To Rococo Rot – „Speculation“
VĂ–: 26.03.2010
Web: myspace
Label: Domino
Kaufen:

Eine ähnliche Herangehensweise wie Cobblestone Jazz pflegen To Rococo Rot schon seit fast 15 Jahren. Mit „Speculation“ veröffentlichen To Rococo Rot ihr mittlerweile siebtes Album, gleichzeitig aber ihr erstes Album bei Domino. Stefan Schneider und die BrĂĽder Robert und Ronald Lippok begannen mit dem Aufnahmen bereits 2008 in den Studio von Hans Joachim Irmler, ehemals Keyboarder der Krautrock-Band Faust. Irmler ist auch bei einigen der teils treibenden, teils chilligen Tracks auf Speculation als Gastmusiker vertreten.

Rootdown Presseclub

22.03.2010 von  

Ruben Jonas Schnell diskutiert ĂĽber die Zukunft des Radios

Datum: Mo, 22.03.
Uhrzeit: 20 Uhr
Veranstaltungsort: FPC, Saalgasse 30, Frankfurt
Weblinks: Frankfurter Presseclub

Wo geht es hin mit dem Rundfunk? Bleiben Formatradios erhalten? Brauchen wir noch Frequenzen oder gar Programmleiter? Welche Nischen tun sich im Internet auf? Diese und mehr Fragen beantworten Ruben Jonas Schnell, GrĂĽnder des Internetradiosenders ByteFM, und Jan Weyrauch, Programmchef von YOU FM, der Jugendwelle des Hessischen Rundfunks.

Michael RĂĽtten dreht die Platten

Datum: Sa, 27.03.
Uhrzeit: 22 Uhr
Veranstaltungsort: FPC, Saalgasse 30, Frankfurt
Weblinks: Root Down Homepage

root down ist legendär. Seit elf Jahren rockt Rainer Trüby mit internationalen DJ Partnern an der Seite das Waldsee. Schön am See gelegen, groovt es sich besonders gut, bei Mucke mit Soul, Jazz und House. Jeden letzten Samstag im Monat vormerken, denn es besteht Anwesenheitspflicht für alle hippen Partygänger.

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