Neue Platten: Orcas – „Yearling“

Orcas - Yearling (Morr Music)Orcas – „Yearling“ (Morr Music)

6,2

Die erste Orcas-Veröffentlichung war eine Cover-Version des Broadcast-Songs „Until Then“ und erschien zu Ehren der SĂ€ngerin Trish Keenan nur eine Woche nach deren Tod im Januar 2011. Es ist eine grandiose Interpretation eines ohnehin tollen StĂŒcks, das selbst die Hartherzigsten zum Erweichen bringt. Es verpasst dem experimentellen Sound der Briten eine gehörige Pop-Abrundung, die dem Song unglaublich gut bekommt. Etwas mehr als ein Jahr spĂ€ter erschien das DebĂŒtalbum der Zusammenarbeit der bis dahin nur als SolokĂŒnstler in Erscheinung getretenen beiden US-Amerikaner BenoĂźt Pioulard und Rafael Anton Irisarri als Orcas. Und damit war das Problem markiert: Obwohl die gesamte Platte eine Ă€hnlich schwermĂŒtige, getragene, schöne AtmosphĂ€re verströmt, erreicht doch keines der anderen acht StĂŒcke auch nur im Ansatz das Format von „Until Then“ und fiel auch gegenĂŒber den bisherigen Soloveröffentlichungen deutlich ab. Es war gerade so, als hĂ€tten die beiden mit ihrer ersten Kollaboration bereits ihren Höhepunkt erreicht und dann auch gleich ĂŒberschritten, als hĂ€tte der Anlass den entscheidenden Impuls gesetzt. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass sie einen bereits perfekten Song mit einer perfekten Bearbeitung kombiniert haben. Besser ging’s offensichtlich nicht.

„Yearling“ ist jetzt der zweite Versuch einer fruchtbaren Zusammenarbeit. Und er ist der bessere. Das kann zum einen daran liegen, dass sich Orcas mit Martyn Heyne von Efterklang (Gitarre und Klavier) und Michael Lerner von Telekinesis (Schlagzeug) verstĂ€rkt haben. Der analoge Sound der Instrumente bekommt dem Gesamteindruck der Platte sehr gut. Es sind nicht mehr nur die Field Recordings und verlorenen GitarrenklĂ€nge Pioulards, die zusammen mit den minimalistischen Elektronik-EinsprĂ€ngseln Irisarris die dunklen, mehr gehaucht als gesungenen Texte Pioulards umspielen. Plötzlich sind die Songs ausgereift, greifbar, erinnerbar. Sie schweben nicht so haltlos umher wie auf dem DebĂŒt. Zwar wabern auch hier einige Passagen oder einzelne StĂŒcke sehr ambientig umher, aber sie machen doch einen geerdeteren Eindruck. Alles wirkt durchdachter, konstruierter. Da macht es auch nichts, dass man hier oder da mal denkt, dass ein Intro auch von Boards Of Canada stammen könnte, weil das Quartett anschließend noch die Kurve hin zu etwas Eigenem bekommen. Das kann zum anderen aber auch daran liegen, dass dem Songwriting diesmal wohl ein anderer Prozess zugrunde gelegen hat. Sei es durch die Abstimmung mit anderen Musikern, sei es durch eine andere Herangehensweise. Alles, aber wirklich alles wirkt wesentlich organischer, natĂŒrlicher in den Harmonien und Abstimmungen untereinander. Selbst wenn manche StĂŒcke zuerst klingen, als hĂ€tte Pioulard sie fĂŒr seine eigenen Veröffentlichungen geschrieben, merkt man doch nach kurzer Zeit die Abweichungen davon, merkt man, welchen Anteil die anderen Musiker daran hatten. Die Elemente der Soloplatten kommen nach wie vor auch auf „Yearling“ deutlich vor, sind aber eingebunden in ein großes Ganzes, was sie erst zu richtigen, schönen Songs macht.

„Until Then“ ĂŒberstrahlt aber auch diese Orcas-Platte trotzdem.

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Album der Woche: Ratking – „So It Goes“

31.03.2014 von  

Ratking - So It GoesVÖ: 4. April 2014
Web: ratkingnyc.com
Label: Hot Charity/XL

Das HipHop-Trio Ratking war bisher eher einer kleinen eingeschworenen Fangemeinde bekannt – mit der Veröffentlichung seines DebĂŒtalbums „So It Goes“ dĂŒrfte sich dies nun schlagartig Ă€ndern. Aufgewachsen sind die drei Musiker zu Zeiten der goldenen Ära des HipHop, was sich hörbar in den elf Songs des Albums niederschlĂ€gt.

Zwei Jahre ist es her, dass das Kollektiv um Patrick „Wiki“ Morales mit seinen energiegeladenen Live-Shows die HipHop-Szene von New York City in Aufregung versetzte. Und es dauerte nicht lange, bis Wiki zusammen mit Hakeem Lewis und Produzent Eric Adiele alias „Sporting Life“ beim Label Hot Charity unter Vertrag genommen wurde. Im November 2012 wurde schließlich die DebĂŒt-EP „Wiki93″ veröffentlicht.

Nun folgt die erste LP – und fĂŒhrt den Weg fort, den die Post-HipHop-Crew schon auf ihrer EP einschlug: ungewohnter Avantgarde-HipHop mit einer nicht enden wollenden Flut an experimentellen Sounds und KĂŒnstlern: Auf dem DebĂŒtalbum finden sich Kollaborationen mit dem britischen Wunderknaben King Krule, der puerto-ricanischen HipHop-KĂŒnstlerin Wavy Spice und Salomon Faye. ZusĂ€tzlich kommt es einem Ritterschlag gleich, dass „So It Goes“ mit der UnterstĂŒtzung von Young Guru entstand, der schon mit Legenden wie Jay Z und The Notorious B.I.G. arbeitete. Aber Ratking hĂ€tten so viel prominente UnterstĂŒtzung gar nicht nötig – das Zeug zu wegweisenden HipHop-KĂŒnstlern haben sie allemal.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Ratking“ und seiner/ihrer vollstĂ€ndigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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Neue Platten: Dillon – „The Unknown“

26.03.2014 von  

Dillon - The Unknown (BPitch Control)Dillon – „The Unknown“ (BPitch Control)

7,5

„The Unknown“, das Unbekannte, der erste Song auf Dillons neuem Album gleichen Namens, beginnt mit vier dunklen, bassigen Tönen, die den Tiefen eines Basses entronnen sein könnten, stammten sie nicht aus Dillons Computer. Parallel erklingt eine Art weißes Rauschen, an- und abschwellend im Wechsel. Begleitet von den ruhigen Akkorden des nach den ersten Takten bald von Dillon angeschlagenen Klaviers, setzt auch ihre Stimme ein. Sie erzĂ€hlt von der Sehnsucht nach Geborgenheit und von der verheißungsvollen Erkenntnis des anderen. Die aber zerschlĂ€gt sich, denn: Waschen wir doch das Bekannte desto stĂ€rker aus, je tiefer wir graben. Meint Dillon. DafĂŒr – und das singelsagt sie fast aufmĂŒpfig – finden wir Hoffnung.

Schluss. Dumpf grummelnder Bass dreht auf (Erinnerungsblitz: Björks „Army Of Me“), elektronischer Beat kĂ€mpft sich frei, angefĂŒhrt von einem geloopten Jauler (eine Wehklage?) Dillons, die bald daraufhin auch diese Episode wieder auflöst. Das Klavier erhĂ€lt seine Stimme zurĂŒck. Ein metronomartiger Clap rattert parallel mit wie eine Schreibmaschine – eine Schreibmaschine, die das junge Leben dieser aus Brasilien stammenden, mit vier Jahren nach Köln immigrierten und nach dem Abitur nach Neukölln umgesiedelte KĂŒnstlerin zu schreiben scheint.

Mit ihrer Musik verhÀlt es sich wie mit ihrem vollstÀndigen Namen. Der lautet Dominique Dillon de Byington und ist irgendwie schön, gleichwohl unaussprechlich und verwirrend.

Das Unbekannte.

Das Lied könnte jetzt zu Ende sein. Ist es aber nicht. Dillon, die einerseits rauchig klingt und andererseits merkwĂŒrdig gebrochen – manchmal erscheint das fast gespielt –, fĂ€hrt die MassivitĂ€t der Melodie der ersten SonghĂ€lfte kurz herunter, nur, um sie im zweiten Teil erneut aufbranden zu lassen.
Das ist, wie auch die anderen StĂŒcke des Albums, schön anzuhören. Ruhig und melodiös, elektronisch und bisweilen geradezu melancholisch anachronistisch. Dillons Stimme ist definitiv ein Highlight, und sie selbst kann sich im Spiegel beglĂŒckwĂŒnschen, bisher von keiner popkulturellen Verwertungsindustrie kaputtproduziert worden zu sein.

Das ist die eine Sicht auf die Dinge: eine junge KĂŒnstlerin, die alles mitbringt, was unterhaltsame und schöne Musik benötigt. KreativitĂ€t, eine tolle Stimme, ein gewisses Moment an AttraktivitĂ€t als ProjektionsflĂ€che, sanft zurĂŒckgehaltene Rebellion 
 Und sie vermittelt ein GefĂŒhl zart anklingender Gebrochenheit, das wir selbst aus so manchem Moment unserer gelegentlich ja gar nicht mehr so kurzen Leben kennen.

Andererseits ist Dillon noch ziemlich jung. DafĂŒr kommt sie auf „The Unknown“ textlich etwas arg weltschmerzig daher. Rilke ließ einst seinen Malte Laurids Brigge schreiben: „Ach, aber mit Versen ist so wenig getan, wenn man sie frĂŒh schreibt. Man sollte warten damit und Sinn und SĂŒĂŸigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind.“

Nun besteht die „Komposition Dillon“ aus dreierlei Zutaten: ihren Instrumenten und der Melodie, ihrer Stimme und ihren Texten. Lassen Bestandteile eins und zwei das Album bereits zu einem vollumfĂ€nglichen Genuss werden, lĂ€sst sich Bestandteil drei gegebenenfalls hinnehmen, ĂŒberhören oder dient – je nach Alter – dem einen oder der anderen doch als sinnvolles Identifikationsmoment.

Dillon hören heißt, auf dem sommerlichen Tempelhofer Feld zu liegen, Kindern durch eine Pusteblume beim Drachensteigen zuzusehen und dabei eine TrĂ€ne ĂŒber die Schönheit des Lebens aus dem Äuglein zu pressen: Manchmal geht so was. Manchmal ist man aber auch einfach nicht in der Stimmung.

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Album der Woche: Timber Timbre – „Hot Dreams“

24.03.2014 von  

Timber Timbre - Hot DreamsVÖ: 4. April 2014
Web: timbertimbre.com
Label: Full Time Hobby

Die Lichter im Saal werden gedimmt, der Vorhang öffnet sich, das Rattern des Projektors wird hörbar – willkommen zu „Hot Dreams“, dem fĂŒnften Studioalbum der kanadischen Band Timber Timbre. Leise beginnt der erste Song namens „Beat The Drum Slowly“ und stimmt auf die folgenden neun StĂŒcke ein. Ein cineastisches Werk ist „Hot Dreams“ geworden, voller Reminiszenzen an die opulente Filmmusik der 60er- und 70er-Jahre. Somit zahlt sich auch das einstige Filmstudium von Bandchef Taylor Kirk aus, der zusammen mit Simon Trottier und Mika Posen 2005 Timber Timbre ins Leben ruft. Der Name des Trios wird bei anfĂ€nglichen Aufnahmen in einem FachwerkhĂ€uschen gefunden. Und so scheint auch beim aktuellen Werk die Aufnahmeumgebung prĂ€gend: Ein Studio nahe der kanadischen Rocky Mountains ist angesichts der nach Western-Epos klingenden Musik bestimmt kein Zufall.

Im Vergleich zu den VorgĂ€ngeralben beteiligt Kirk seinen Bandkollegen Simon Trottier maßgeblich am Kompositionsprozess. Das Resultat ist ein Album, dessen musikalische Raffinesse schon beim ersten Hören in ihren Bann zieht – Ă€hnlich wie Filmmusik geht auch „Hot Dreams“ von Timber Timbre sofort ins Herz und versetzt den Hörer in TagtrĂ€ume voll idyllischer PrĂ€rien, roter SonnenuntergĂ€nge, turbulenter Salon-SchlĂ€gereien und dem Leben als „lonesome cowboy“. Und das liegt nicht allein an Kirks tiefer Stimme mit ihrem wunderschön rauchigen Timbre. Schrille Retro-Streicher, zurĂŒckhaltende Drums, Gitarren und wuchtiger Bass sind die essenziellen Begleitungen, die hier und da mit wirkungsvollen Soundeffekten und Instrumenten ergĂ€nzt werden. Das im Dreivierteltakt dahingleitende TitelstĂŒck wird von einem obligatorischen Saxofon-Solo begleitet. „Resurrection Drive Part II“ verzichtet auf stimmliche Begleitung und stellt ein instrumentales Intermezzo dar, bevor „Grand Canyon“ mit Tamburin und Rassel ausgeschmĂŒckt wird. Das bitter-sĂŒĂŸe „Run From Me“ beginnt als Klavierballade, bevor es mit durchdringendem Chor, Streichern und polterndem Schlagzeug ein wĂŒrdiges Finale findet. The End: Die Lichter gehen an, und unter den KlĂ€ngen des instrumentalen letzten Songs „The Three Sisters“ mit Begleitung von Cembalo, Saxofon und Totenglocke geht es mitsamt Abspann wieder zurĂŒck in die RealitĂ€t. Ganz großes Kino.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Timber Timbre“ und seiner/ihrer vollstĂ€ndigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Full Time Hobby | Kaufen

Neue Platten: Kreisky – „Blick Auf Die Alpen“

21.03.2014 von  

Kreisky - Blick Auf Die Alpen (Buback)Kreisky – „Blick Auf Die Alpen“ (Buback)

8,5

Melodische Dissonanzen und schrammelige Gitarrenriffs in Kombination mit Texten, die richtig auf die Eier gehen. Kreisky haben mit „Blick Auf Die Alpen“ ein Album hingerotzt, das mit seiner negativen Grundhaltung gegenĂŒber einer Kultur der Ahnungslosigkeit besticht, nervt und nervend (be)sticht.

Die Texte Kreiskys leben von einer verschleierten SubtilitĂ€t, dem Unaussprechbaren in der ausgesprochenen BanalitĂ€t des Alltags. Franz Adrian Wenzl, Martin Max Offenhuber, Gregor Tischberger und Klaus Mitter, die Namen hinter Kreisky, biedern sich nie an. Sie sind die ĂŒbelgelaunte Generation der gescheiterten Kinder Adornos. Es gibt kein richiges Leben im falschen. Aber man kann Musik drĂŒber machen.

Dreckige Gitarrenriffs betonen die Ekelhaftigkeit des AlltĂ€glichen, mit dem wir uns alle abgeben mĂŒssen – nicht nur in Alpenregionen. Im feinsten (weil derben) Wienersprech regen sich Kreisky auf. Über „Medienpunks“, die das Elend des Menschen filmen, ohne Reue, ohne Moral. Und sie zitieren diese Arschgesichter: „Ja, es ist vielleicht kein Leben, aber es ist gutes Material.“

In „Selbe Stadt, Anderer Planet“ dreht sich alles um den alltĂ€glichen Wahnsinn unserer kapitalistischen Konsumgesellschaft, die die Menschen zu dem zwingt, was sie am meisten verabscheuen: Aufstehen, arbeiten, arbeiten, aufstehen. Bilder von Chaplins „Moderne Zeiten“ poppen auf. Und was bleibt denen, die arbeiten? Der Hass: „Alle mĂŒssen raus. Alle mĂŒssen zur Arbeit, nur die Studenten nicht.“

EntrĂŒstet ist man beim Hören. Und fassungslos. Über ein Leben, das einfach nicht verschwinden will. Nicht mit einer Million Euro und nicht mit einer Milliarde. Am Ende steht die Frage, was von den Suchenden einer Gesellschaft gefunden wird oder gefunden werden darf. Die Antwort ist so grausam, wie banal: „RinderhĂ€lften zu Discounterpreisen. RinderhĂ€lften zu Discounterpreisen. RinderhĂ€lften zu Discounterpreisen. RinderhĂ€lften zu Discounterpreisen. DAS finden sie.“

„Blick Auf Die Alpen“ ist ein geschrammeltes Sammelsurium an Momentaufnahmen unser aller Leben. Von Momenten wie Rasierklingen: Frage: „Habt ihr etwa mein Tagebuch gelesen?“, Antwort: „Ja, wir haben Dein Tagebuch gelesen. DAS IST UNSER GUTES RECHT!! (Wir machen uns Sorgen um Dich)“ oder „Mein Vater ist so peinlich. Meine Mutter ist so peinlich. Mein Bruder ist so peinlich. Alle sind so peinlich.“ Am peinlichsten fĂŒr Kreisky indes ist wohl der arrivierte Heimatheld, Typ Schwarzenegger, der sich im dem Album dem Namen gebenden Lied selbst feiert: „Es heißt, Du warst einer von uns, hast Dir alles hier selbst aufgebaut. Das ist eine schöne Terrasse. Ein herrlicher Blick auf die Alpen.“ „Oh, Du hast ein großes Glied. Das darfst Du aber nicht in den Mund nehmen. Nimm das nicht in den Mund! Das ist ekelhaft!“

Nach einer Stunde Kreisky am StĂŒck ist das Gehirn gemartert. Nach einer Stunde Kreisky am StĂŒck ist die Frage, was eigentlich das verdammte Problem ist, so dringlich wie nie zuvor. Die Antwort liefern Kreisky im letzten StĂŒck ihres Albums: „Die Erde ist ein Todesstern und wer auf ihr lebt, muss sterben. Die Erde ist ein Hassplanet, der sich um sich selber dreht.“

Fazit: Ein großartiges Album fĂŒr jeden, der nicht gerade an Depressionen leidet.

Label: Buback | Kaufen

Neue Platten: Future Islands – „Singles“

19.03.2014 von  

Future Islands - Singles (4AD)Future Islands – „Singles“ (4AD)

9,0

Beim Hören von „Singles“, Future Islands’ neuem Album, dem ersten seit nunmehr fast drei Jahren, sind wir quasi auktorial dabei. Ihre ausgedehnten Synthiesounds, sie klingen ein wenig nach langer, verregneter Waldstraße im FrĂŒhling – saftig, freundlich und so beschĂŒtzend wie einsam.

Im Ohrensessel lauschend spĂŒren wir von ganz weit oben den warmen Regen, der in Zeitlupe von großen, sattgrĂŒnen BlĂ€ttern auf unsere Stirn transzendiert, wĂ€hrend wir unten eine KTM-Motocross ĂŒber den löchrigen Asphalt der Waldstraße preschen sehen: Die knarzige, merkwĂŒrdig zurĂŒckhaltend herrische Stimme Samuel T. Herrings klingt wie ein gelegentlich fehlzĂŒndender Zweitakter. Ein Joe Cocker des Pop, im GehĂ€use eines Minimoog eingesperrt, stimmt zappelnd, wĂŒtend und fauchend eine leise Arie der Flucht an. In der Erkenntnis des permanent GegenwĂ€rtigen unseres Daseins scheint fĂŒr Herring ein Moment gespannter Entspannung oder entspannter Anspannung zu liegen.

Und wohin flĂŒchten? Das Cover liefert uns eine Antwort. Eine junge Frau im sommerlichen Kleid schwebt ĂŒber dem Meer. Sie blickt gen Horizont, dem Betrachter den RĂŒcken zugewandt. Dort, wo ihr Kopf sĂ€ĂŸe, ist nichts als Wolken. Ist er abgetaucht und in den Wolken verschwunden? Am fernen Horizont erblicken wir die KĂŒste einer Inselgruppe. Das sind sie, die zukĂŒnftigen Inseln, auf die wir uns wohl flĂŒchten könnten, sollten, (wollen?), um dem Hier und Jetzt zu entfliehen. Und der Kopf der Unbekannten? Möglicherweise ist er bereits auf die Insel gelangt, durch das Hören von „Singles“ natĂŒrlich.

Ist das ein Quatsch? Nein, das ist kein Quatsch. Die Herren von Future Islands haben mit ihrem Album ein veritables Kunstwerk geschaffen, das unsere Köpfe in fantastische SchĂ€fchenwölkchen bettet. Wohler als beim Hören von „Singles“ fĂŒhlten wir uns nur damals, im sonntĂ€glichen Bett der Eltern mit heißer Schokolade und Himbeermarmeladenbrötchen von Mama. Und schon damals konnten wir in diesen kleinen Momenten der GlĂŒckseligkeit die Sekunden der Einsamkeit vergessen, die sich bisweilen wie bitterkalte FiebertrĂ€ume ĂŒber uns senken.

Nur einzelne Songs dieses Albums herauszugreifen, um sie zu loben, mutet fast blasphemisch an. So erklĂ€rt sich möglicherweise auch der Name des Albums: Jedes StĂŒck dieser Platte steht fĂŒr sich, in sich geschlossen, rund und gut. Jedes Lied spricht eine eindeutige Sprache und teilt uns mit: William Cashion (Bass / Akustik- und Elektrikgitarre), Gerrit Welmers (Keyboard / Programming) und Samuel T. Herring verstehen sich wunderbar. Ihr komplexes Zusammenspiel, das die stets ungeplant erscheinenden emotionalen AusbrĂŒche Herrings ermöglicht, lĂ€sst sich nur in einer konzertierten Konstellation des perfekten Miteinanders realisieren. Hier ist es so.

Welch geballte Energie purer Menschlichkeit in Future Islands kanalisiert, zeigt ihr Auftritt bei David Letterman. Die Band, mit „Singles“ nun bei 4AD unter Vertrag, wartet hier bei der PrĂ€sentation des ersten Titels ihres Albums, „Seasons (Waiting On You)“, mit einer Zartheit auf, die nahezu an GewalttĂ€tigkeit grenzt. GĂ€nsehaut.

Label: 4AD | Kaufen

Album der Woche: Liars – „Mess“

17.03.2014 von  

Liars - MessVÖ: 21. MĂ€rz 2014
Web: liarsliarsliars.com
Label: Mute

Zugegeben, das siebte Album des amerikanischen Trios Liars beginnt alles andere als prĂŒde: „Take my pants off 
 smell my socks“, fordert eine transponierte und verzerrte Stimme ĂŒber einer aufgeregten Synthie-Bassline. Doch wer sich von Fetischismus und pulsierenden Retro-Synthies nicht abschrecken lĂ€sst, bekommt im weiteren Verlauf eine knappe Stunde experimentellen, wĂŒtenden und ekstatischen Elektro-Noise-Pop auf die Ohren.

Liars – das sind Angus Andrew, Aaron Hemphill und Julian Gross, die in dieser Besetzung seit 2002 bestehen. TatsĂ€chlich ist aber das Jahr 2000 die Geburtsstunde der Band, damals noch ohne Julian Gross, dafĂŒr mit Pat Noecker und Ron Albertson. Mit Ausnahme des DebĂŒtalbums veröffentlichen die Jungs alle LPs bei Mute, so auch das neueste Werk mit dem Titel „Mess“. Erste Tracks daraus wurden schon Ende 2013 im Metropolitan Museum Of Art in New York City und auf den Primavera und Sonar Festivals in Barcelona uraufgefĂŒhrt. Aber wie klingt das neue Album von Liars, deren vergangene Veröffentlichungen von der Presse zum Teil als „sadistisch“ und „unhörbar“ eingestuft wurden?

Angesichts des Albumtitels „Mess“ eine berechtigte Frage. Doch Angus Andrew klĂ€rt in einem Interview mit dem Magazin Under The Radar auf: „I think what I like is the idea of a mess is often in the eye of the beholder. I think there are situations or things that are created, an artwork for example, where one viewer could look at it and say ‚Well, that’s just a mess of stuff.‘ But another viewer could look at it and see it as a piece of fine art, and that could generate a conversation. I think what is appealing about that is the duality of a mess and it not being a definitive idea.“

DualitĂ€t scheint auf Liars eine besondere Anziehungskraft auszuĂŒben: Das Trio bezeichnet sich selbst als eine schizophrene Band, deren letztes Album von Zweifel und Paranoia geprĂ€gt war. Das neue Werk hingegen fungiert als exaktes Gegenteil: Beim Entstehungsprozess von „Mess“ wurde viel instinktiver, selbstsicherer und mit Spaß gearbeitet. Das Resultat sind dĂŒstere, psychedelische und minimalistische Elektro-Tracks, die wieder einmal zeigen, wie wandelbar das Trio tatsĂ€chlich ist.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Liars“ und seiner/ihrer vollstĂ€ndigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Mute | Kaufen

Neue Platten: Gallon Drunk – „The Soul Of The Hour“

13.03.2014 von  

Gallon Drunk - The Soul Of The Hour (Clouds Hill)Gallon Drunk – „The Soul Of The Hour“ (Clouds Hill)

8,0

Gut sehen James, Terry, Leo und Ian auf dem Foto aus. Ihr freundliches LĂ€cheln wirft zarte KrĂ€henfĂŒsse unter ihre Augen. Terry und Ian wirken, als hĂ€tten sie gerade einen alten Scherz aufgewĂ€rmt. Neu-Bassist Leo senkt den Kopf. James ist auf die Kamera konzentriert und im Moment des Auslösens drĂŒckt sein Gesicht entspannte Konzentration aus. Klick.

Die englische Kultband Gallon Drunk bringt mit „The Soul Of the Hour“ ihr achtes Album heraus. Seit der ersten Veröffentlichung 1992 ist Blues die Basis ihres Sounds. Die zwölf verinnerlichten Takte werden seit jeher mit Punk, Jazz und wahnsinnigem Rock zu einem krĂ€ftigen Noise-Blues vermischt. Wo andere Bands mit lautem Gezerre die VerstĂ€rker kapitulieren lassen, bringen Terry Edwards und James Johnston jazzige Elemente mit Saxofon und Orgel in den Sound von Gallon Drunk ein. Das Quartett ist bekannt fĂŒr seine virtuosen, dramatischen Songs. Texte ĂŒber Liebe, Angst und Trauer kann nur James Johnston so rĂŒberbringen wie er es mit seinem Gesang tut. Als lĂ€ngstes Bandmitglied und mit entsprechendem Lebenslauf veröffentlichte er Soloplatten und arbeitete mit Nick Cave und Lydia Lunch zusammen.

Ein Konzert von Gallon Drunk ist laut, schwitzig und verraucht. Als sich die Freunde damals in den 80ern zusammenfanden und eine Wohnung teilten, waren The Gun Club oder Suicide ihre Vorbilder. Dass ihr Stil aber so durch die Decke geht, hĂ€tten sie selbst nicht gedacht. Seitdem landet jedes neue Album in den Independent Charts, wird von Radiosendern in die Playlists aufgenommen und auch in Zukunft keinen Plattenkritiker langweilen. Diese hatten zuletzt 2012 „The Road Gets Darker From Here“ als bisher bestes Album der Band gefeiert und in die HĂ€nde geklatscht. Das wird jetzt bei „The Soul Of The Hour“ nicht anders werden, wirft man einen Blick hinein.

Das Album beginnt mit „Before The Fire“. Ein StĂŒck, wie soll man es sonst hervorheben, das die schönste und stĂ€rkste Einleitung seit vielen gehörten Alben ist. Jede „First-track-on-album“-Sendung kann ab sofort damit beginnen. Und wer sich einen Gefallen tun will, hört „Before The Fire“ zunĂ€chst nur an und schiebt das Video nach. Es beginnt mit einem jammigen Intro aus perkussiven Elementen und sustainigen Tönen, fĂŒhrt beim Hörer zu ausschweifendem Storytelling und einem Imaginationsfeuerwerk im Kopf, bis dann ab der sechsten Minute der Gesang von James Johnston den straffen Spannungsbogen zerreißt. Das Video zu „Before The Fire“ wurde von Joachim Zunke produziert und ist die gelungene bildliche Überlieferung des Songs. Der Produzent des Albums, Johann Scheerer, sagt ĂŒber diesen Song: „Es ist eins der besten MusikstĂŒcke, an dem ich die Ehre hatte zu arbeiten.“

In „The Dumb Room“, der zweiten Singleauskopplung, crashen die Becken in einem endlos fetten Schlagzeugsolo, noisy und krawallig. „So glad that we are back in the dumb room again“, schreit James Johnston mehr als er singt und heißt alte Fans mit seinen, ja, nihilistischen Texten willkommen. In „The Exit Sign“ fĂŒhrt uns seine verhallte Stimme auf treibendem, nervösem Rhythmus dem Untergang entgegen. AuffĂ€llig richtet sich der Sound nach den Titeln des Albums aus. So kann man den Staub in „Dust In The Light“ quasi sehen. Er umgibt Johnston, der wie durch einen Filter alle Höhen im Sound abgesĂ€gt, seinen Text haucht. Deutlich noch einmal im letzten StĂŒck „The Speed Of Fear“, das die Hörer wieder verabschiedet und ausgeblutet zurĂŒcklĂ€sst in ihrer kollektiven Hoffnungslosigkeit.

Der Kreis auf dem Album-Cover aus krĂ€ftigen, spontanen Pinselstrichen Ă€hnelt einer Iris. Verschiedene dicke Schichten und FĂŒhrungen greifen verschwommen ineinander und sind farblich so ausgewogen, dass sie böse Anmutungen entkrĂ€ften. Besonders schön wirkt dies auf dem Cover der Vinyl-Ausgabe von „The Soul Of The Hour“.

Die Band ist ihrem Ruf treu geblieben, sich mit jedem Album zu verbessern bzw. zu verĂ€ndern. In „The Soul Of The Hour“ sind es die langen instrumentalen Passagen und teilweise hypnotisierenden Momente, das Übereinanderlegen verschiedenster musikalischer EinflĂŒsse und ĂŒber allem die Angst vor dem Rennen der Zeit. Sie können stolz auf ihre nun zwei Jahrzehnte andauernde Bandgemeinschaft sein (Bassist Leo Kurunis noch ausgenommen) und genau diesen Moment gibt das Foto vom Anfang dieser Rezension wieder. Klick.

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Album der Woche: Hundreds – „Aftermath“

10.03.2014 von  

Hundreds - AftermathVÖ: 14. MĂ€rz 2014
Web: hundredsmusic.com
Label: Sinnbus

Mit sanften Tönen beginnt das zweite Album „Aftermath“ vom Hamburger Geschwister-Duo Hundreds. Vier Jahre sind vergangen, seit Eva und Philipp Milner ihr DebĂŒtalbum veröffentlichten und damit regelrecht von heute auf morgen berĂŒhmt wurden. Entdeckt wurden die Geschwister bei einem Live-Auftritt und kommen daraufhin beim Wunschlabel Sinnbus in Berlin unter Vertrag. Der Erfolg wird begleitet von zahlreichen Konzerten und Festivals im In- und Ausland.

Nach dieser Phase des scheinbar endlosen Tourens zieht Philipp 2012 in ein 40-Seelen-Dorf auf dem Land und baut zusammen mit Schwester Eva ein Studio in seinen eigenen vier WĂ€nden. Diese Abgeschiedenheit und lĂ€ndliche Idylle scheint den Geschwistern gut zu tun, 18 Monate lang wird der Nachfolger vom selbstbetitelten DebĂŒtalbum geschrieben und komponiert. Trotz keiner strikten Aufgabenverteilung kĂŒmmert sich Philipp dabei eher um die musikalischen Aspekte, wĂ€hrend Eva ihr lyrisches Talent ausschöpft und mit weicher Stimme zu Gehör bringt.

Schließlich gibt es kurz vor der Albumveröffentlichung einen ersten Vorgeschmack: Als erste Single wird „Circus“ auserkoren, das Video dazu erregt viel Aufmerksamkeit, ĂŒbernimmt doch Arne Feldhusen („Stromberg“) die Rolle als Regisseur. Und musikalisch wird da schon deutlich: Die Milners sind nach wie vor wahre Meister ihres Fachs. Das Album ĂŒberrascht mit klugen, unerwarteten Arrangements, Melodiefolgen und Tonartwechseln. Hymnisch und pathetisch, solch hochtrabende Adjektive verwendet man selten fĂŒr die Beschreibung einer LP, und doch klingt „Aftermath“ in vielen Momenten genau so. BlĂ€ser, Pauken und Streicher wie beim dritten StĂŒck „Ten Headed Beast“ verstĂ€rken diesen Effekt, ohne jedoch in kitschige AbgrĂŒnde zu rutschen. Angesichts der zwölf exzellenten Kompositionen auf „Aftermath“ hat sich die Wartezeit von vier Jahren mehr als gelohnt.

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Neue Platten: We Are Scientists – „TV en Français“

We Are Scientists - TV en Français (100%)We Are Scientists – „TV en Français“ (100%)

7,2

Voll hÀngen geblieben, diese Band. Also nicht nur so ein bisschen nostalgisch und 2005-besessen. Nee, so richtig versackt. Beinahe schon gestrig. Ob Keith Murray und Chris Cain aka We Are Scientists das stört, wagt man ob ihrer offensichtlichen Freude am Sound des beginnenden 21. Jahrhunderts allerdings zu bezweifeln.

Die Herren aus New York machen seit ihrer GrĂŒndung 1997 guten, alten, klassischen Indie. Ohne Elektro, ohne Bumm-Zack-Offbeat, ohne fancy Hipster-Stuff. DafĂŒr mit omniprĂ€senter Gitarre, wenig innovativem Schlagzeug und stets mehrstimmigem Gesang. Das war schon immer so bei denen. Da gab’s nie große Überraschungen. Schließlich sind das Kinder der Nullerjahre-Indie-Alternative-eigentlich-British-Music-geprĂ€gten Generation. Okay, sie selbst nennen es manchmal Rock, was sie da spielen, den kann man dann auch hören, wenn man ihn gezielt sucht. Aber eigentlich ist die Musik des Duos indiegster Indie, wie ihn die 2000er-Jugend noch kennt. So richtig fetzig halt.

Nun liegt 2005, das Durchbruchsjahr von We Are Scientists, schon ein bisschen zurĂŒck. Die Band wurde Ă€lter, aus dem Trio wurde ein Duo. GĂ€be es ein Handbuch fĂŒr erfolgreiche Musiker, wĂ€re dies wohl die ideale Voraussetzung fĂŒr: Man hat sich weiterentwickelt. Man ist erwachsener geworden. Persönlich. Beruflich. Musikalisch 
 Pustekuchen.

We Are Scientists mögen Ă€lter geworden sein, das ein oder andere graue Haar hat sich eingeschlichen, Lebenserfahrungen wurden gesammelt – so what? Kein Grund, den Sound zu Ă€ndern. Das nunmehr fĂŒnfte Album „TV en Français“ klingt wie von vor neun Jahren. Da gibt’s keine Neuerungen, keine Weiterentwicklung, kein Stilmixen oder Genregrenzen-Sprengen. Stattdessen straighter Indie, wie man ihn inzwischen nur noch selten hört. Noch immer omniprĂ€sente Gitarren, noch immer wenig innovatives Schlagzeug, noch immer stets mehrstimmiger Gesang. Hier und da hört man Adaptionen der Großen der Indie-Szene raus: Von Death Cab For Cutie in „Return The Favor“ bis hin zu (dann doch mal) Rock Ă  la Wolfmother in der Vorab-Single „Dumb Luck“ verwursten We Are Scientists die Helden ihrer Generation. Sie frönen eben den guten alten Zeiten. Das ist nicht voranbringend, das tut aber auch nicht weh. Im Gegenteil: Es macht richtig Spaß.

Insgesamt darf man beruhigt sagen: „TV en Français“ ist das, was die Musik von We Are Scientists schon vor neun Jahren war – richtig guter, alter, ursprĂŒnglicher Indie. Klar ist der vorhersehbar. Klar ist der fĂŒr die elektroverwöhnte Jugend zu langweilig. Klar ist der was fĂŒr Liebhaber der 2000er. Aber klar war hĂ€ngen bleiben nie so fetzig wie mit dieser Platte.

Label: 100% | Kaufen

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