Neue Platten: Trans Am – „Volume X“

Cover des Albums Volume X von Trans AmTrans Am – „Volume X“ (Thrill Jockey)

5,5

Sie waren einst Miterfinder von Postrock, diesem in den 90er-Jahren entstandenen Projekt, die alten, konservativen Strukturen von Rockmusik zu zerstören und sie mithilfe neuer Sounds zu revolutionieren. Als sie sich 1990 grĂĽndete, verschreckte die amerikanische Band Trans Am mit ihrer Mischung aus Synth Pop, New Wave und Heavy Metal womöglich noch einige Rockpuristen. Heute ĂĽberrascht der Einsatz von elektronischen Samples, Synthesizern und synthetischen Drums im Kontext von Rock niemanden mehr. Und da beginnt auch die Schwierigkeit, ihrem neuen Album „Volume X“ etwas Interessantes abzugewinnen. Denn insgesamt klingen die zehn Songs wie ein zum zweiten Mal aufgebrĂĽhter Tee: leicht fad, aber zumindest mit Restgeschmack. Das volle Aroma jedoch ist nur eine Erinnerung an bessere Zeiten. Okay, ganz so schlimm ist es auch nicht.

Denn die Band bleibt ihrer Linie treu und bedient ĂĽber die zehn Songs ganz unterschiedliche Stile. So wird der Powerrock von „Anthropocene“, dem ersten StĂĽck des Albums, mit dem elektronisch-funkigen „Reevaluations“ konterkariert, auf dem ein treibender Wobblebass von funkigen Gitarren ergänzt wird. Das darauffolgende „Night Shift“ klingt dann aber wie der Soundtrack eines 80er-Jahre-Road-Movies, den zu drehen sich nicht lohnen wĂĽrde. Wesentlich stärker klingt die Band, sobald sie ihre akustischen Instrumente hervorholt wie etwa auf „Failure“ mit dem knackigen Schlagzeugintro, das an Helmet erinnert. Dass das letzte StĂĽck „Insufficiently Breathless“ mit der schönen Gitarrenmelodie, die ganz langsam von einem Synthesizerpattern erobert wird, dann der beste Song ist, lässt hoffen. Auf das nächste Album.

artistxite Album der Woche:
FaltyDL – „In The Wild“

14.08.2014 von  

Cover des Albums In The Wild von FaltyDLFaltyDL – In The Wild (Ninja Tune)

„In The Wild“ von FaltyDL ist Album der Woche bei unserem Partner artistxite.

Freunden elektronischen Fast-Foods wird hier der Appetit vergehen. Denn FaltyDL serviert nicht, er bereitet in der offenen KĂĽche zu. „In The Wild“ schöpft seinen Reiz aus dem Unangepassten, dem Unvereinbaren, dem – denkt man in klassischen Albumstrukturen – Unfertigen.

Drew Lustman lebt auf seinem neuen Werk seine Leidenschaft fĂĽr das Experimentieren aus. „In The Wild“ kommt ohne erkennbare Hits aus, selbst in sich geschlossene Songs sind schwer zu identifizieren. Einzelne Tracks tragen teilweise zwei und mehr Gesichter. Im Geiste des Jazz erscheint hier vieles wie spontan arrangiert, eher einem GefĂĽhl folgend als einem fixen Plan. Die verschiedensten Stile schichten sich neben- und in manchen Fällen auch ĂĽbereinander. Mal flieĂźt alles in feinen Ambient-Strukturen dahin („Grief“), mal kommt die plötzliche Breakbeat-Keule („DĂĄnger“). Und das ist längst nicht alles. Hier haben die Interludes schon mal mehr Raum als die Songs selbst.

Dass der Produzent aus Brooklyn weiĂź, wie man den Dancefloor bedient, hat zuletzt sein Album „Hardcourage“ gezeigt. Auf „In The Wild“ lädt er nun zur elektronischen Bastelstunde. Das ist definitiv keine leichte Kost fĂĽr entspannte Unterhaltung. Aber wer willens ist, Falty DL durch seinen bunten Soundkosmos zu folgen, wird definitiv mit exquisiten Klangerlebnissen belohnt.

Das Album könnt Ihr im artistxite-Shop vorhören und kaufen.

Weitere Neuerscheinungen besprechen wir in unserem neuen wöchentlichen Podcast. Alle vorgestellten Veröffentlichungen findet Ihr auch im Download-Shop unseres Partners artistxite. Weitere Album-Empfehlungen von artistxite findet ihr im artistxite-Blog.

artistxite Album der Woche:
Spoon – „They Want My Soul“

08.08.2014 von  

Cover des Albums They Want My Soul von SpoonSpoon – „They Want My Soul“ (ANTI-)

„They Want My Soul“ von Spoon ist Album der Woche bei unserem Partner artistxite.

Das erste stumpfe Hämmern der Drums, die sich reinsägende Gitarre und der rausgespuckte Gesang von Britt Daniel – nach nicht mal einer Minute des neuen Spoon-Werks „They Want My Soul“ hat man die Lederjacke aus dem Schrank gekramt und sich eine Fluppe in den Mundwinkel gesteckt. Die Welt ist im Wandel, Spoon bleiben Spoon.

Aus dieser Perspektive könnte man auch den Albumtitel „They Want My Soul“ lesen. Die schnellste Mark macht der KĂĽnstler, der am besten den neusten Trend adaptiert. Das brauchen Spoon nicht, haben sie in guten 20 Jahren auf acht Alben nicht gebraucht. Wenn die Band aus Austin sich wandelt, und das ist erneut der Fall, dann aus eigenem Antrieb. So dröhnend und stellenweise auch so soft gaben sie sich bislang nie. Den letzten Schliff gaben die unterschiedlichen Produzenten Joe Chiccarelli und Dave Fridmann, die schon fĂĽr viele geniale Köpfe von Zappa bis The Flaming Lips arbeiteten und ihre groĂźe Kunst der Allgemeinheit zugänglich aufarbeiteten.

Spoon klingen noch immer wie Spoon. ReferenzgerĂĽste wie bei vielen anderen Gitarrenbands braucht man erst gar nicht aufzubauen. Wenn man denn schon nach einer Einordnung sucht, sollte man sich an Elvis Costello oder den Namenspaten Can orientieren. So in etwa und doch ganz anders. Ein wenig retro und dabei nicht ansatzweise gestrig. Klassisch instrumentiert und doch mit spielerischem Witz. Raue Songs, die trotzdem unheimlich nah gehen. Das Quintett liefert mit „They Want My Soul“ eine neue Version von Spoon ab, die wir wie alle vorherigen sofort ins Herz schlieĂźen.

Das Album könnt Ihr im artistxite-Shop vorhören und kaufen.

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Neue Platten: Shabazz Palaces – „Lese Majesty“

Shabazz Palaces - Lese Majesty (Sub Pop)Shabazz Palaces – „Lese Majesty“ (Sub Pop)

9,1

Man muss nur wenige Töne von „Lese Majesty“ hören, um zu wissen, dass sich hier ein ganzer Kosmos öffnet: Es umschwirren einen die Sounds wie bei Sun Ra, Herbie Hancock und Miles Davis, die Theorien wie bei Kodwo Eshun und Nelson George, der Afrofuturismus und die Alienation, die Vergangenheit und die Zukunft gleichermaĂźen vereint in einem gegenwärtigen Moment, der ĂĽber sich selbst hinausweist. Denn gleichzeitig weiĂź man, dass da immer noch mehr ist, mit jedem Sound gibt es weitere Referenzen zu entdecken. Und dann sind da noch die Texte, bei denen man häufig nur eine Ahnung hat, worum es eigentlich gerade geht, wie z. B. in „Dawn In Luxor“, dem EröffnungsstĂĽck: „Meet us there / We throwing cocktails at the FĂĽhrer / Blackness is abstracted and protracted by the purest / Moderns Cubists or Surrealists / To sleep they couldn’t lull us so we synthesise our realest one.“ Puh.

Also erst einmal die Fakten: Shabazz Palaces stammen aus Seattle und sind ein Projekt von Palaceer Lazaro, der mit bĂĽrgerlichem Namen Ishmael Butler heiĂźt und als Butterfly zum wegweisenden HipHop-Trio Digable Planets gehörte, und Fly Guy Dai, bei dem es sich um den Multiinstrumentalisten Tendai „Baba“ Maraire handelt, der Sohn des simbabwischen Musikers und Komponisten Dumisani Abraham „Dumi“ Maraire ist und zusammen mit Hussein Kalonji noch im März eine Platte als Chimurenga Renaissance veröffentlicht hat. Das DebĂĽt von Shabazz Palaces, „Black Up“, erschien im Jahr 2011 auf Seattles Label Sub Pop. Pitchfork beschrieb die Musik als „some of the most exploratory hip-hop of the year“: fragmentierte Raps und verwirrende Beats, die am ehesten noch an Clouddead und den Jazz-Rap der frĂĽhen 90er erinnerten. Womit wir zurĂĽck bei den Digable Planets sind, die diese Stilart beherrschten wie sonst niemand und deren „Blowout Comb“ auch 20 Jahre nach der Veröffentlichung zurecht noch hoch gehandelt wird.

FĂĽr „Lese Majesty“ hilft einem das aber auch alles nicht so richtig weiter. Beats gibt es in den auf sieben Suiten aufgeteilten 18 StĂĽcken weniger dick als vielmehr ziseliert. Hooks, erkennbare Samples, Referenzen? Fehlanzeige. Wenn es so was gibt, dann ist „Lese Majesty“ wohl die erste experimentelle Ambient-HipHop-Platte. Die Rhythmen sind kaputter als bei Actress, flieĂźen frei daher und kommen einem höchstens von Warp-KĂĽnstlern und Artverwandten vertraut vor. Vom leicht durchgeknallten „#CAKE“ geht es mit Tribal-Beats hinĂĽber zu „MindGlitch Keytar TM Theme“ mit Irgendwie-Miami-Bass und 190-BPM-House-Tönen, bis es in das dope Geschlurfe von „Motion Sickness“ hinĂĽbergleitet. Es piept hier, es knarzt da, es holpert, es stolpert. Es sind schräge Science-Fiction-Geschichten, seltsame Assoziationsketten, die in vielen Momenten aber durch einfache Raps geerdet werden, in denen es aber wie selbstverständlich auch ganz schnöde mal um Skillz geht und darum, einfach nur ein paar Wörter aneinanderzureihen („I set the tone like Al Capone / I’m very nice like Jerry Rice“). Das sind die anschlussfähigen Momente auf „Lese Majesty“, die dafĂĽr sorgen, die Platte als das wahrzunehmen, was sie ist: ein glitzerndes Beispiel dafĂĽr, welche vielfältigen Möglichkeiten dem HipHop immer noch innewohnen, wenn es nicht nur um dicke Hosen, Autos und den ganzen anderen materialistischen Krempel geht, sondern einfach mal um Musik.

Label: Sub Pop | Kaufen

artistxite Album der Woche:
Jenny Lewis – „The Voyager“

31.07.2014 von  

Jenny Lewis - The Voyager (Warner)Jenny Lewis – „The Voyager“ (Warner)

„The Voyager“ von Jenny Lewis ist Album der Woche bei unserem Partner artistxite.

Man muss schon genau hinhören, um „The Voyager“ als den Verarbeitungsprozess diverser Traumata zu erkennen, als den Jenny Lewis die Entstehung ihres dritten Albums bezeichnet. Denn der mĂĽhelose Indie-Pop dieser Platte spricht eine andere Sprache. Die der unbeschwerten 60er-Girlgroups, des lässigen 70er-Softrocks und der selbstbewussten 90er-Poptunes. Textzeilen wie „I’ve been wearing all black since the day it started“ oder „I’ve been losing sleep and I cannot sit still“ konterkarieren diesen Eindruck. Jenny Lewis durchlitt fĂĽr „The Voyager“ sowohl den Tod ihres Vaters als auch die Auflösung ihrer Band Rilo Kiley. Die immerhin dĂĽrften das SoundgerĂĽst der US-Amerikanerin maĂźgeblich beeinflusst haben. Immer wieder schimmern jene Folk- und Americana-Fragmente durch, die auch den Sound Rilo Kileys bestimmten. Americana-Erneuerer Ryan Adams wird als maĂźgeblicher Produzent ebenfalls seinen Teil dazu beigetragen haben. So setzt vor allem das letzte Drittel von „The Voyager“ auf Middle-West-Twang und Rock-Country.

Zuvor regiert die West Coast. Jenny Lewis’ liebreizender Gesang cruist zu aufgekratzten Soundflächen aus dumpfen Gitarren, blubberndem Bass und straighten Drums. Ein zuckriges Glockenspiel veredelt das von Beck (!) produzierte „Just One Of The Guys“, ein Schellenkranz das Stevie-Nicks-inspirierte „Late Bloomer“. Damit die Lebensfreude nicht ĂĽberschäumt, sorgen verwaschen-verzerrte Sounds fĂĽr die Vertiefung des vermeintlich Oberflächlichen. „Slippery Slopes“ rockt mit seinen knarzenden Gitarren eher in Surf-Manier, das bereits erwähnte „Just One Of The Guys“ setzt den Motown-Girlgroups die rotzige Garage-AttitĂĽde von Bands wie Vivian Girls oder Best Coast entgegen.

Manche KĂĽnstler entwickeln sich durch Neuerfindung. Jenny Lewis dagegen ist das gelungen, was Kunst eigentlich ausmacht: dem ureigenen Stil durch innere Häutung auf die Spur zu kommen. „The Voyager“ ist das bemerkenswerte Ergebnis dieses Prozesses.

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artistxite Album der Woche:
Alvvays – „Alvvays“

24.07.2014 von  

Alvvays - Alvvays (Transgressive)Alvvays – „Alvvays“ (Transgressive)

„Alvvays“ von Alvvays ist Album der Woche bei unserem Partner artistxite.

Mit seinem Debütalbum gelingt dem kanadischen Quartett Alvvays der perfekte Soundtrack für den Spätsommer. Mit den letzten Sonnenstrahlen auf der Haut macht man sich klar, dass die Tage unweigerlich ungemütlicher werden. Noch wehen liebliche Surfgitarren vom Meer her, doch kündet Sängerin Molly Rankin bereits von den kommenden Regentagen.

Alvvays pflegen offenkundig eine Wahlverwandschaft zu Dreampop-Bands wie Best Coast oder Dum Dum Girls. Es flirren die Gitarren, die Stimmen hallen und es knarzt hin und wieder heimelig, dass es eine wahre Freude ist. Nicht nur dass Chad VanGaalen als Produzent half, abgemischt wurde das DebĂĽt „Alvvays“ von Graham Walsh von Holy Fuck und John Agnello, der schon mit Sonic Youth, Dinosaur Jr. und Kurt Vile an ihren unverkennbaren Sounds arbeitete.

Auch Alvvays profitieren merklich von dieser Erfahrung. Doch der Löwenanteil des zart dahinschmelzenden Albums entstammt dem Talent des Vierers. Die gut abgeschmeckte Mischung aus fuzzigen Sounds, irrlichterndem Gesang und harschen Texten ist bei weitem kein Alleinstellungsmerkmal, doch so gut umgesetzt wird sie nicht oft. Vielleicht sind Alvvays sogar noch etwas frĂĽh dran, doch spätestens wenn die Fotos des Sommers 2014 sehnsĂĽchtig durchgeschaut werden, darf „Alvvays“ als Soundtrack nicht fehlen.

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Neue Platten: Cloud Boat – „Model Of You“

Cloud Boat - Model Of You (Apollo)Cloud Boat – „Model Of You“ (Apollo)

6,8

„Model Of You“ ist das zweite Album des Londoner Duos Cloud Boat, das mit „Lions On The Beach“ 2011 im elektronisch-verspielten Fahrwasser des Londoner Dubstep-Phänomens hochgespĂĽlt wurde. Nicht ganz in die Maske gepasst haben Tom Clarke und Sam Ricketts, die hinter dem Pseudonym Cloud Boat stecken. Mit ihrem prägenden Gesang auf Loops und Effekten, dazu eine Ă„sthetik, die sich von vielen der urbanen Motive und abstrakten Formen unterschied, haben sie sich dennoch in einige Playlists gespielt. Zwei Jahre später tauchten sie wieder auf mit „Wanderlust“ und dem ersten Album „Book Of Hours“, schon mehr als Singer-Songwriter angekommen als in der Tanzmusik verwurzelt.

Es wundert also nicht, dass auch das zweite Album der beiden Produzenten sicher auch einige ihrer ersten Hörer und Hörerinnen vor den Kopf stoßen wird. Ein Jahr Zeit haben sich die beiden Londoner für das neue Album genommen und an dem getüftelt, was nun ihr Sound sein soll. Größer, reicher und epischer sollte es werden, das, was vorher bloß Fahrwasser war, tiefer, mitreißender und abenteuerlicher.

Das Ergebnis ist Pathos. Es liegt in den schweren, oftmals schwermĂĽtigen Produktionen des britischen Duos. Es wabert mit in bösen Gitarren, in dunklen Synths, in pluckernden Bässen, in den In- und Outros der StĂĽcke, die sich langsam aufbauen oder sphärisch verlaufen, sogar im pulsierenden Beat der schon fast positiven StĂĽcke „The Glow“ und „Aurelia“. Ganz besonders steckt es aber im Gesang von Tom Clarke – mal zerbrechlich, mal energetisch, aber immer dramatisch.

Die bereits Ende März veröffentliche Single „Carmine“ versprach schon diese Mischung aus elektronischer Instrumentierung und folkiger Dramaturgie, was das Album einhält. Die größte Stärke hat es dennoch entweder in ebendiesem Song „Carmine“ und seiner mitnehmenden Melodie, oder aber in „Golden Lights“, keine zwei Minuten lang und instrumental, wo nicht nur auf den Gesang, sondern auch auf eine konkrete Richtung verzichtet wird. Wahrscheinlich wieder einmal ein Zeichen dafĂĽr, dass es auch bei Pathos und Drama auf die richtige Dosierung ankommt.

Label: Apollo | Kaufen

artistxite Album der Woche:
Slow Club – „Complete Surrender“

17.07.2014 von  

Slow Club - Complete Surrender (Caroline)Slow Club – „Complete Surrender“ (Caroline)

„Complete Surrender“ von Slow Club ist Album der Woche bei unserem Partner artistxite.

Zwei wie ihr, die dĂĽrfen sich nie verlieren. Charles Watson und Rebecca Taylor haben zusammen als Slow Club schon einige musikalische Phasen durchlaufen. Vom poppigen Folk ihres DebĂĽts „Yeah So“ ĂĽber das beherztere „Passion“ haben sie sich zum neuen „Complete Surrender“ in soulige Gefilde vorgewagt. Doch eines zieht sich wie ein roter Faden durch ihre musikalische Reise: die perfekte musikalische Harmonie, die sie verbindet. Und genau diese Trumpfkarte spielen sie erneut geschickt aus.

Ihre Hinwendung zum Soul tut dem Duo gut, setzt noch einmal ganz neue Qualitäten frei. Besonders bei Rebecca Taylor, die bereits auf den ersten Alben ihre stimmlichen Qualitäten angedeutet hatte und sich nun in ganz neue Höhen aufschwingt. „The Queen’s Nose“ ist ein eindrucksvoller Beweis, was fĂĽr eine Power in ihr steckt. Slow Club verweben ihre eigene Folk-Vergangenheit mit musikalischen Liebesbekundungen an Marvin Gaye und den Motown-Sound. Und das immer mit dem guten GespĂĽr fĂĽr die richtige Abmischung.

Vor allem lebt „Complete Surrender“ aber vom tiefen Einverständnis zweier Musiker ĂĽber ihren gemeinsamen musikalischen Weg, dem ergreifenden Miteinander ihres Gesangs, der sich durch fast jeden Song zieht. Im Einklang lassen sie Herzen behutsam schmelzen oder tĂĽrmen sich gegenseitig in fragile Höhen auf wie beim gemeinsamen „Jenga“-Spielen. Ăśberhaupt lassen Slow Club, wie der Name schon andeutet, ihre Songs mit Vorliebe bedächtig starten und erst spät in ihrer ganzen FĂĽlle erblĂĽhen. Hier kommt noch ein Streicher dazu, da ein paar Bläser. Alles zu seiner Zeit, alles in der richtigen Dosis. Ungeduldige Geister bestraft das Leben. Geduldige belohnen Slow Club.

Das Album könnt Ihr im artistxite-Shop vorhören und kaufen.

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Neue Platten: Julius Steinhoff – „Flocking Behaviour“

10.07.2014 von  

Julius Steinhoff - Flocking Behaviour (Smallville)Julius Steinhoff – „Flocking Behaviour“ (Smallville)

„Flocking Behaviour“ von Julius Steinhoff ist Album der Woche bei unserem Partner artistxite.

Nach diversen EPs und Singles folgt endlich das erste Album. Ein Format, das seit einigen Jahren auch in der elektronischen Musik als Krönung der KĂĽnstlerlaufbahn gilt. Dass es dem MitgrĂĽnder von Smallville kaum an Inspiration mangeln dĂĽrfte, ist offensichtlich. Das Hamburger Label ist längst eine zentrale Kultadresse fĂĽr subtilen, unaufdringlichen House. „Flocking Behaviour“ ist dann auch nichts weniger als eine Huldigung an den Stil: Bassdrums, genauso unaufdringlich wie wirkungsvoll, gelegentlich aufblitzende Gesangsamples und ein gutes GespĂĽr fĂĽr die richtige Track-Dramaturgie. Das zeigt sich besonders in „Hey You“, in dem ein vom Synthesizer eingefĂĽhrtes Rhythmusmotiv von metallischen Percussions abgelöst wird, bevor eine elegische Streichermelodie alles in einen warmen Schleier hĂĽllt. Auch die anderen Tracks kleiden sich in ein angenehmes Pathos. Denn wo sonst, wenn nicht im Club, so weiĂź womöglich auch der routinierte DJ Julius Steinhoff, liegen Melancholie und Euphorie so nahe beieinander.

Auf unserer SoundCloud-Seite findet Ihr unseren neuen wöchentlichen Podcast, in dem wir auch das Album von Julius Steinhoff besprechen. Alle vorgestellten Veröffentlichungen findet Ihr auch im Download-Shop unseres Partners artistxite. Weitere Album-Empfehlungen von artistxite findet ihr im artistxite-Blog.

Label: Smallville | Kaufen

Neue Platten: Driftmachine – „Nocturnes“

Driftmachine - Nocturnes (Umor Rex)Driftmachine – „Nocturnes“ (Umor Rex)

8,0

„Nocturnes“ – so viel verrät bereits der Titel – ist ein Album voller Nachtmusik. Sechs elektronische Instrumentals fĂĽr eine Welt im Dämmerzustand. Repetitive, nebulöse Dub-Tracks, die langsam und monoton dahingleiten, voll dunkel schillernder Synthsounds sind und dabei die erhabenen Tiefen im Bassbereiche auszufĂĽllen verstehen.

Bereits im Namen des gemeinsamen Projekts der beiden Berliner Andreas Gerth (Tied & Tickled Trio) und Florian Zimmer (Saroos), Driftmachine, treffen die wesentlichen Momente der Musik aufeinander. Auf der einen Seite steht mechanische Präzision und eine auf Minimalismus und Reduktion bedachte Maschinenästhetik, auf der anderen Seite das Hypnotische, Abschweifende und schlafwandlerische Geheimnis von zeitlupenhaftem Ambient-Dub.

Ihrem Ursprung nach sind die sechs Tracks der stark limitierten Vinyl-Veröffentlichung (der digitale Download beinhaltet den zusätzlichen Bonus-Track „Call Mr. Moriba“) jedoch erst mal Studien in Sachen Selbstkontrolle. Laut Aussage der beiden Musiker liegt den Strukturen der StĂĽcke eine intensive Beschäftigung mit modularen Systemen und Synthezisern zugrunde und nicht irgendeine Quelle romantischer Inspiration, wie dies bei klassischen NachtstĂĽcken der Fall ist. Trotz der nĂĽchternen Ausgangssituation fĂĽhrt die Musik den Zuhörer jedoch bald in eine monochrome Halbwelt zwischen Schlafen und Wachen, in schattenhafte Räume, deren Faszination aus der Verwendung warmer Basslinien, ausgedehnter Halleffekte und matt schimmernder Synthesizer-Sounds heraus entsteht.

Gleich beim Eröffnungstrack „Claire Obscure“ ticken metallische Percussionklänge wie ein mysteriöses Uhrwerk zur Geisterstunde, während sich monotone Bässe und nebulös-verwaschene Soundschwaden in minimaler Variation ĂĽber das siebenminĂĽtige StĂĽck erstrecken. Auch beim folgenden „Drift“ bleibt die Stimmung trotz eines stärker treibenden Rhythmus recht dunkel. Stein trifft auf Stein. Es klingt nach groĂźen, leeren Fabrikhallen oder verlassenen Industriebrachen bei Mondschein. Geistermusik eben. Beim zweigeteilten „To Nowhere“ schnalzen und schmatzen fremdartige Splittergeräusche zu einem majestätisch schleppenden Groove, der im zweiten Teil des StĂĽckes deutlich an Fahrt aufnimmt. Gleichförmig und mit wenig Bewegung an der Oberfläche, dafĂĽr aber enorm detailreich und voll flirrender Energie in den darunter liegenden Klangschichten.

Nach dem ebenfalls dicht gefĂĽgten „Sternenmeer“ bildet „RĂ©veil Des Oiseaux“, das anfänglich von präparierten Pianosounds durchzogen wird, einen fast schon flotten, luftigen Abschluss der Vinyl-Version des Albums. In der Digital-Version sorgt der Bonustrack „Call Mr. Moriba“ mit leicht angezerrten Synths, einem strafferen Arrangement, kurzen Melodiefragmenten und einer leicht nervösen Spannung dann sogar fĂĽr eine Stimmung, die etwas ĂĽber den Nacht-Kontext des ĂĽbrigen Albums hinausgeht.

Label: Umor Rex | Kaufen

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