Neue Platten: Sinkane – „Mean Love“

Cover des Albums Mean Love von SinkaneSinkane – „Mean Love“ (City Slang)

„My moon, je t’aime“. Den Mond zu lieben, ist gar keine so schlechte Idee. Denn im Gegensatz zu einem Menschen ist er in der Lage, allen erdenklichen Projektionen, mit denen wir geliebte Personen unwillkĂŒrlich ĂŒberfrachten, standzuhalten. Jeden Tag und jede Nacht schwebt er am selben Ort im Himmel, ĂŒber alle Zweifel erhaben und abhĂ€ngig höchstens vom Sonnensytem.

Kann man also nur hoffen, dass der „moon“, den Ahmed Gallab aka Sinkane auf seinem neuen Album „Mean Love“ im traumwandlerischen „Moonstruck“ besingt, auch wirklich der echte Mond ist.

Um die Ambivalenzen und schmerzhaften Wahrheiten von Liebe, vielleicht um die böse, die unerwiderte Liebe, drehen sich viele Songs auf dem neuen Werk des aus dem Sudan stammenden New Yorkers – so auch der Titeltrack „Mean Love“, in dem Gallab seine Kopfstimme, die von sarkastischen Country-Gitarren beantwortet wird, wohl am stĂ€rksten beansprucht.

WĂ€hrend sich viele Songs stilistisch unterscheiden, von „New Name“, ein AfrobeatstĂŒck inklusive bombastischen Fanfarenarrangements, ĂŒber den Retrofunk in „Yacha“ bis zu dem angerockten Soul in „How We Be“, werden alle Songs von Gallabs Falsettstimme zusammengehalten. Doch im Gegensatz zu seinen unĂŒberhörbaren Vorbildern wie Curtis Mayfield, bei dem diese Technik noch ein Zeichen dafĂŒr war, dass die SouverĂ€nitĂ€t verbaler Kommunikation sich in einem Übermaß von Euphorie entlĂ€dt, ist sie hier eher ein „Signet von Melancholie“ (Ueli Bernays).

Eine Melancholie allerdings, die von der weitgehend hoffnungsvollen AtmosphĂ€re der Musik gebrochen wird. In „Omdurman“, dem nach Gallabs Heimatstadt im Sudan benannten Song, versteckt sich der allgegenwĂ€rtige Weltschmerz unter schlagerartig-fröhlichen Melodien. Mit den Zeilen des Schlußrefrains: „Where, if I should settle down, will I finally settle?“ findet Sinkane dann auch die richtigen Worte fĂŒr eine frustrierte Generation junger Menschen, denen ihre Wurzeln abhandengekommen sind. „Mean Love“ ist eines dieser Alben, die mit dem mehrmaligen Hören immer besser werden. Bis man alle Zwischentöne unter der vermeintlich glatten OberflĂ€che entdeckt hat. Und auch wenn Sinkane es anders meinte, sich den Mond als Liebespartner zu wĂ€hlen, das ist nach wie vor eine tolle Idee.

Label: City Slang | Kaufen

Neue Platten: Trans Am – „Volume X“

Cover des Albums Volume X von Trans AmTrans Am – „Volume X“ (Thrill Jockey)

5,5

Sie waren einst Miterfinder von Postrock, diesem in den 90er-Jahren entstandenen Projekt, die alten, konservativen Strukturen von Rockmusik zu zerstören und sie mithilfe neuer Sounds zu revolutionieren. Als sie sich 1990 grĂŒndete, verschreckte die amerikanische Band Trans Am mit ihrer Mischung aus Synth Pop, New Wave und Heavy Metal womöglich noch einige Rockpuristen. Heute ĂŒberrascht der Einsatz von elektronischen Samples, Synthesizern und synthetischen Drums im Kontext von Rock niemanden mehr. Und da beginnt auch die Schwierigkeit, ihrem neuen Album „Volume X“ etwas Interessantes abzugewinnen. Denn insgesamt klingen die zehn Songs wie ein zum zweiten Mal aufgebrĂŒhter Tee: leicht fad, aber zumindest mit Restgeschmack. Das volle Aroma jedoch ist nur eine Erinnerung an bessere Zeiten. Okay, ganz so schlimm ist es auch nicht.

Denn die Band bleibt ihrer Linie treu und bedient ĂŒber die zehn Songs ganz unterschiedliche Stile. So wird der Powerrock von „Anthropocene“, dem ersten StĂŒck des Albums, mit dem elektronisch-funkigen „Reevaluations“ konterkariert, auf dem ein treibender Wobblebass von funkigen Gitarren ergĂ€nzt wird. Das darauffolgende „Night Shift“ klingt dann aber wie der Soundtrack eines 80er-Jahre-Road-Movies, den zu drehen sich nicht lohnen wĂŒrde. Wesentlich stĂ€rker klingt die Band, sobald sie ihre akustischen Instrumente hervorholt wie etwa auf „Failure“ mit dem knackigen Schlagzeugintro, das an Helmet erinnert. Dass das letzte StĂŒck „Insufficiently Breathless“ mit der schönen Gitarrenmelodie, die ganz langsam von einem Synthesizerpattern erobert wird, dann der beste Song ist, lĂ€sst hoffen. Auf das nĂ€chste Album.

Neue Platten: Shabazz Palaces – „Lese Majesty“

Shabazz Palaces - Lese Majesty (Sub Pop)Shabazz Palaces – „Lese Majesty“ (Sub Pop)

9,1

Man muss nur wenige Töne von „Lese Majesty“ hören, um zu wissen, dass sich hier ein ganzer Kosmos öffnet: Es umschwirren einen die Sounds wie bei Sun Ra, Herbie Hancock und Miles Davis, die Theorien wie bei Kodwo Eshun und Nelson George, der Afrofuturismus und die Alienation, die Vergangenheit und die Zukunft gleichermaßen vereint in einem gegenwĂ€rtigen Moment, der ĂŒber sich selbst hinausweist. Denn gleichzeitig weiß man, dass da immer noch mehr ist, mit jedem Sound gibt es weitere Referenzen zu entdecken. Und dann sind da noch die Texte, bei denen man hĂ€ufig nur eine Ahnung hat, worum es eigentlich gerade geht, wie z. B. in „Dawn In Luxor“, dem EröffnungsstĂŒck: „Meet us there / We throwing cocktails at the FĂŒhrer / Blackness is abstracted and protracted by the purest / Moderns Cubists or Surrealists / To sleep they couldn’t lull us so we synthesise our realest one.“ Puh.

Also erst einmal die Fakten: Shabazz Palaces stammen aus Seattle und sind ein Projekt von Palaceer Lazaro, der mit bĂŒrgerlichem Namen Ishmael Butler heißt und als Butterfly zum wegweisenden HipHop-Trio Digable Planets gehörte, und Fly Guy Dai, bei dem es sich um den Multiinstrumentalisten Tendai „Baba“ Maraire handelt, der Sohn des simbabwischen Musikers und Komponisten Dumisani Abraham „Dumi“ Maraire ist und zusammen mit Hussein Kalonji noch im MĂ€rz eine Platte als Chimurenga Renaissance veröffentlicht hat. Das DebĂŒt von Shabazz Palaces, „Black Up“, erschien im Jahr 2011 auf Seattles Label Sub Pop. Pitchfork beschrieb die Musik als „some of the most exploratory hip-hop of the year“: fragmentierte Raps und verwirrende Beats, die am ehesten noch an Clouddead und den Jazz-Rap der frĂŒhen 90er erinnerten. Womit wir zurĂŒck bei den Digable Planets sind, die diese Stilart beherrschten wie sonst niemand und deren „Blowout Comb“ auch 20 Jahre nach der Veröffentlichung zurecht noch hoch gehandelt wird.

FĂŒr „Lese Majesty“ hilft einem das aber auch alles nicht so richtig weiter. Beats gibt es in den auf sieben Suiten aufgeteilten 18 StĂŒcken weniger dick als vielmehr ziseliert. Hooks, erkennbare Samples, Referenzen? Fehlanzeige. Wenn es so was gibt, dann ist „Lese Majesty“ wohl die erste experimentelle Ambient-HipHop-Platte. Die Rhythmen sind kaputter als bei Actress, fließen frei daher und kommen einem höchstens von Warp-KĂŒnstlern und Artverwandten vertraut vor. Vom leicht durchgeknallten „#CAKE“ geht es mit Tribal-Beats hinĂŒber zu „MindGlitch Keytar TM Theme“ mit Irgendwie-Miami-Bass und 190-BPM-House-Tönen, bis es in das dope Geschlurfe von „Motion Sickness“ hinĂŒbergleitet. Es piept hier, es knarzt da, es holpert, es stolpert. Es sind schrĂ€ge Science-Fiction-Geschichten, seltsame Assoziationsketten, die in vielen Momenten aber durch einfache Raps geerdet werden, in denen es aber wie selbstverstĂ€ndlich auch ganz schnöde mal um Skillz geht und darum, einfach nur ein paar Wörter aneinanderzureihen („I set the tone like Al Capone / I’m very nice like Jerry Rice“). Das sind die anschlussfĂ€higen Momente auf „Lese Majesty“, die dafĂŒr sorgen, die Platte als das wahrzunehmen, was sie ist: ein glitzerndes Beispiel dafĂŒr, welche vielfĂ€ltigen Möglichkeiten dem HipHop immer noch innewohnen, wenn es nicht nur um dicke Hosen, Autos und den ganzen anderen materialistischen Krempel geht, sondern einfach mal um Musik.

Label: Sub Pop | Kaufen

Neue Platten: Cloud Boat – „Model Of You“

Cloud Boat - Model Of You (Apollo)Cloud Boat – „Model Of You“ (Apollo)

6,8

„Model Of You“ ist das zweite Album des Londoner Duos Cloud Boat, das mit „Lions On The Beach“ 2011 im elektronisch-verspielten Fahrwasser des Londoner Dubstep-PhĂ€nomens hochgespĂŒlt wurde. Nicht ganz in die Maske gepasst haben Tom Clarke und Sam Ricketts, die hinter dem Pseudonym Cloud Boat stecken. Mit ihrem prĂ€genden Gesang auf Loops und Effekten, dazu eine Ästhetik, die sich von vielen der urbanen Motive und abstrakten Formen unterschied, haben sie sich dennoch in einige Playlists gespielt. Zwei Jahre spĂ€ter tauchten sie wieder auf mit „Wanderlust“ und dem ersten Album „Book Of Hours“, schon mehr als Singer-Songwriter angekommen als in der Tanzmusik verwurzelt.

Es wundert also nicht, dass auch das zweite Album der beiden Produzenten sicher auch einige ihrer ersten Hörer und Hörerinnen vor den Kopf stoßen wird. Ein Jahr Zeit haben sich die beiden Londoner fĂŒr das neue Album genommen und an dem getĂŒftelt, was nun ihr Sound sein soll. GrĂ¶ĂŸer, reicher und epischer sollte es werden, das, was vorher bloß Fahrwasser war, tiefer, mitreißender und abenteuerlicher.

Das Ergebnis ist Pathos. Es liegt in den schweren, oftmals schwermĂŒtigen Produktionen des britischen Duos. Es wabert mit in bösen Gitarren, in dunklen Synths, in pluckernden BĂ€ssen, in den In- und Outros der StĂŒcke, die sich langsam aufbauen oder sphĂ€risch verlaufen, sogar im pulsierenden Beat der schon fast positiven StĂŒcke „The Glow“ und „Aurelia“. Ganz besonders steckt es aber im Gesang von Tom Clarke – mal zerbrechlich, mal energetisch, aber immer dramatisch.

Die bereits Ende MĂ€rz veröffentliche Single „Carmine“ versprach schon diese Mischung aus elektronischer Instrumentierung und folkiger Dramaturgie, was das Album einhĂ€lt. Die grĂ¶ĂŸte StĂ€rke hat es dennoch entweder in ebendiesem Song „Carmine“ und seiner mitnehmenden Melodie, oder aber in „Golden Lights“, keine zwei Minuten lang und instrumental, wo nicht nur auf den Gesang, sondern auch auf eine konkrete Richtung verzichtet wird. Wahrscheinlich wieder einmal ein Zeichen dafĂŒr, dass es auch bei Pathos und Drama auf die richtige Dosierung ankommt.

Label: Apollo | Kaufen

Neue Platten: Julius Steinhoff – „Flocking Behaviour“

10.07.2014 von  

Julius Steinhoff - Flocking Behaviour (Smallville)Julius Steinhoff – „Flocking Behaviour“ (Smallville)

„Flocking Behaviour“ von Julius Steinhoff ist Album der Woche bei unserem Partner artistxite.

Nach diversen EPs und Singles folgt endlich das erste Album. Ein Format, das seit einigen Jahren auch in der elektronischen Musik als Krönung der KĂŒnstlerlaufbahn gilt. Dass es dem MitgrĂŒnder von Smallville kaum an Inspiration mangeln dĂŒrfte, ist offensichtlich. Das Hamburger Label ist lĂ€ngst eine zentrale Kultadresse fĂŒr subtilen, unaufdringlichen House. „Flocking Behaviour“ ist dann auch nichts weniger als eine Huldigung an den Stil: Bassdrums, genauso unaufdringlich wie wirkungsvoll, gelegentlich aufblitzende Gesangsamples und ein gutes GespĂŒr fĂŒr die richtige Track-Dramaturgie. Das zeigt sich besonders in „Hey You“, in dem ein vom Synthesizer eingefĂŒhrtes Rhythmusmotiv von metallischen Percussions abgelöst wird, bevor eine elegische Streichermelodie alles in einen warmen Schleier hĂŒllt. Auch die anderen Tracks kleiden sich in ein angenehmes Pathos. Denn wo sonst, wenn nicht im Club, so weiß womöglich auch der routinierte DJ Julius Steinhoff, liegen Melancholie und Euphorie so nahe beieinander.

Auf unserer SoundCloud-Seite findet Ihr unseren neuen wöchentlichen Podcast, in dem wir auch das Album von Julius Steinhoff besprechen. Alle vorgestellten Veröffentlichungen findet Ihr auch im Download-Shop unseres Partners artistxite. Weitere Album-Empfehlungen von artistxite findet ihr im artistxite-Blog.

Label: Smallville | Kaufen

Neue Platten: Driftmachine – „Nocturnes“

Driftmachine - Nocturnes (Umor Rex)Driftmachine – „Nocturnes“ (Umor Rex)

8,0

„Nocturnes“ – so viel verrĂ€t bereits der Titel – ist ein Album voller Nachtmusik. Sechs elektronische Instrumentals fĂŒr eine Welt im DĂ€mmerzustand. Repetitive, nebulöse Dub-Tracks, die langsam und monoton dahingleiten, voll dunkel schillernder Synthsounds sind und dabei die erhabenen Tiefen im Bassbereiche auszufĂŒllen verstehen.

Bereits im Namen des gemeinsamen Projekts der beiden Berliner Andreas Gerth (Tied & Tickled Trio) und Florian Zimmer (Saroos), Driftmachine, treffen die wesentlichen Momente der Musik aufeinander. Auf der einen Seite steht mechanische PrÀzision und eine auf Minimalismus und Reduktion bedachte MaschinenÀsthetik, auf der anderen Seite das Hypnotische, Abschweifende und schlafwandlerische Geheimnis von zeitlupenhaftem Ambient-Dub.

Ihrem Ursprung nach sind die sechs Tracks der stark limitierten Vinyl-Veröffentlichung (der digitale Download beinhaltet den zusĂ€tzlichen Bonus-Track „Call Mr. Moriba“) jedoch erst mal Studien in Sachen Selbstkontrolle. Laut Aussage der beiden Musiker liegt den Strukturen der StĂŒcke eine intensive BeschĂ€ftigung mit modularen Systemen und Synthezisern zugrunde und nicht irgendeine Quelle romantischer Inspiration, wie dies bei klassischen NachtstĂŒcken der Fall ist. Trotz der nĂŒchternen Ausgangssituation fĂŒhrt die Musik den Zuhörer jedoch bald in eine monochrome Halbwelt zwischen Schlafen und Wachen, in schattenhafte RĂ€ume, deren Faszination aus der Verwendung warmer Basslinien, ausgedehnter Halleffekte und matt schimmernder Synthesizer-Sounds heraus entsteht.

Gleich beim Eröffnungstrack „Claire Obscure“ ticken metallische PercussionklĂ€nge wie ein mysteriöses Uhrwerk zur Geisterstunde, wĂ€hrend sich monotone BĂ€sse und nebulös-verwaschene Soundschwaden in minimaler Variation ĂŒber das siebenminĂŒtige StĂŒck erstrecken. Auch beim folgenden „Drift“ bleibt die Stimmung trotz eines stĂ€rker treibenden Rhythmus recht dunkel. Stein trifft auf Stein. Es klingt nach großen, leeren Fabrikhallen oder verlassenen Industriebrachen bei Mondschein. Geistermusik eben. Beim zweigeteilten „To Nowhere“ schnalzen und schmatzen fremdartige SplittergerĂ€usche zu einem majestĂ€tisch schleppenden Groove, der im zweiten Teil des StĂŒckes deutlich an Fahrt aufnimmt. Gleichförmig und mit wenig Bewegung an der OberflĂ€che, dafĂŒr aber enorm detailreich und voll flirrender Energie in den darunter liegenden Klangschichten.

Nach dem ebenfalls dicht gefĂŒgten „Sternenmeer“ bildet „RĂ©veil Des Oiseaux“, das anfĂ€nglich von prĂ€parierten Pianosounds durchzogen wird, einen fast schon flotten, luftigen Abschluss der Vinyl-Version des Albums. In der Digital-Version sorgt der Bonustrack „Call Mr. Moriba“ mit leicht angezerrten Synths, einem strafferen Arrangement, kurzen Melodiefragmenten und einer leicht nervösen Spannung dann sogar fĂŒr eine Stimmung, die etwas ĂŒber den Nacht-Kontext des ĂŒbrigen Albums hinausgeht.

Label: Umor Rex | Kaufen

Neue Platten: The Antlers – „Familiars“

18.06.2014 von  

The Antlers - Familiars (Transgressive)The Antlers – „Familiars“ (Transgressive)

8,2

„Well this is my house. So fuck your doubts and your cute battalion.“ (The Antlers – „Intruders“)

2003 veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller Matt Ruff ein Buch ĂŒber einen jungen Mann, der aufgrund von traumatischen Kindheitserlebnissen eine multiple Persönlichkeitsstörung entwickelt hat. Eine Vielzahl an Seelen lebt in dem Körper von Andrew Gage, sowohl weibliche als auch mĂ€nnliche, die alle die Kontrolle ĂŒber ihn erlangen wollen. Durch eine langjĂ€hrige Therapiearbeit schafft es Gage allerdings, ein Haus fĂŒr diese Seelen in seinem eigenen Verstand zu bauen. Und er bestimmt im permanenten Dialog mit ihnen, wann sie das Haus verlassen und seine Persönlichkeit fĂŒr kurze Zeit ĂŒbernehmen können.

Ob Peter Silberman, Mastermind und Texter der aus Brooklyn stammenden Formation The Antlers, Ruff gelesen hat, weiß man nicht. Fakt ist allerdings, dass das neue Album der Antlers, „Familiars“, die Thematik von „Ich und die anderen“ so treffend vertont, als sei es als Teil des Romans konzipiert worden. „Familiars“ handelt von HĂ€usern, die der Protagonist erbaut, von sterilen Hotels, als emotional unbefleckte Orte zur persönlichen Reflexion, von einem Palast als finalen RĂŒckzugsort, von „Intruders“, also Eindringlingen, gegen die es sich zu verteidigen gilt, von einem „Director“, einem Regisseur, der alles zusammenhalten soll.

Aber nichts davon spielt sich in einer RealitĂ€t ab, die sich außerhalb eines Kopfes befindet. Die Eindringlinge sind Teil der Persönlichkeit, der Ruf nach einem „Director“ ist die Hoffnung auf einen klaren Überblick ĂŒber den eigenen Verstand, das „Hotel“ kann nicht emotional unbefleckt sein, es ist ja im eigenen Geist gebaut. Die zwei auf dem Cover von „Familiars“ in starrer Umarmung verharrenden Zwillings-Statuen visualisieren die Zwiesprache der verschiedenen Persönlichkeiten.

The Antlers hauen damit einmal mehr eine tiefsinnige, feinst gesponnene lyrische Meisterleistung raus. Anders als bei ihrem Durchbruchs-Album „Hospice“ aus dem Jahr 2009 wird das höchst dramatische, einen emotional attackierende Thema dieses mal jedoch nicht eins zu eins musikalisch umgesetzt. WĂ€hrend Silberman 2009 noch mit lauten Shoegaze-Gitarren, dem molligsten Moll aller Molls und einer musikalischer Klimax nach der anderen einen seelischen Trip mit Unhappy End fĂŒr den Hörer garantierte, gehen es The Antlers auf „Familiars“ sanfter, teilweise fast loungig an. Silbermans Stimme klingt so „schön“ wie nie, das heißt auch, dass sie ihm in den hohen Falsett-Lagen nicht mehr so (gewollt) entgleitet wie noch auf „Hospice“ und dem 2011 erschienenen „Burst Apart“. Stattdessen beeindrucken Sicherheit und Facettenreichtum seines Organs. Silberman singt teilweise so tief wie noch nie, vor allem in „DoppelgĂ€nger“ muss man sich kurz am Kopf kratzen: Hat Silberman hier gerade böse geklungen?

Aber das ist die Ausnahme. Zumeist könnte man „Familiars“ auch einfach nebenbei hören. Aber dann erwischt es einen doch immer wieder, diese eine gewisse Wendung, die ihre Krallen ins Herz schlĂ€gt. Wie nach der HĂ€lfte von „Parade“ oder beim Einsatz des Schlagzeugs im Opener „Palace“. Auch hier lĂ€sst sich dann wieder eine BrĂŒcke zu „Ich und die anderen“ schlagen. Traurigkeit und Dramatik des Themas schwimmen nicht an der OberflĂ€che, aber sie sind definitiv da. Und gibt man diesem Album Zeit, gerne auch mal eine Woche und zehn DurchlĂ€ufe, dann hat es einen. Dann klopft das Herz.

„We have to make our history less commanding“, singt Silberman in „Surrender“. Wir wĂŒnschen viel GlĂŒck, sind aber bei der weiteren Aufarbeitung gerne noch lange dabei!

Label: Transgressive | Kaufen

Neue Platten: Lee Fields & The Expressions – „Emma Jean“

03.06.2014 von  

Lee Fields & The Expressions - Emma Jean (Truth & Soul)Lee Fields & The Expressions – „Emma Jean“ (Truth & Soul)

6,0

Fangen wir mit einem Zitat aus einer Rezension zu „Emma Jean“ von zumic.com an: „Fields has a story to tell and you’ve gotta respect that.“ In dieser Rezension ist das durch und durch positiv gemeint. Allerdings offenbart dieser Satz auch eine Wahrheit, die sich fĂŒr mich als Rezensenten wĂ€hrend des Hörens offenbart hat: You’ve gotta respect that. Man hat es zu respektieren. Das tue ich. Lee Fields prĂ€sentiert astreinen Retro-Soul-Sound ohne viele Ecken und Kanten, zum Reinlegen, Mitleiden, Berieseln-Lassen. Und „Emma Jean“ startet auch sehr respektabel. „Just Can’t Win“ groovt mit einer funky Bass-Glockenspiel-Orgel-Line vor sich hin, Fields erzĂ€hlt mit seiner beeindruckenden, raspelig-souligen Stimme davon, dass man einfach nicht gewinnen kann. Dann ein Fade-out und man kann zufrieden sein; so hat sich das anzuhören, so geht Soul. So kann das Album weitergehen, und so geht es auch weiter. Wie man es sich in seiner Soul-WohlfĂŒhlzone wĂŒnschen kann. Um noch mal auf das Eingangszitat zurĂŒckzukommen: Das respektiere ich, aber das reißt mich musikalisch nicht vom Hocker.

Musikalisch am auffĂ€lligsten, sollte man sich nicht mit dem Hashtag „Retro-Soul“ zufriedengeben, sind dann dementsprechend auch die beiden Cover-Versionen auf dem Album, quasi „not his story“: „Magnolia“, im Original von J. J. Cale und „In The Woods“, das unter dem Namen „Out In The Woods“ einst von Leon Russell veröffentlicht wurde. „Magnolia“ wird vom Arrangement her deutlich aufgepeppt. WĂ€hrend die Instrumente im Original dezent akzentuierend agieren, lassen The Expressions ihrer Spielfreude an dem schönen Akkordschema ihren freien Lauf. Zudem bekommt der von J. J. Cale im Original eher gehauchte Text einen ordentlich souligen Anstrich – was allerdings hervorragend funktioniert. Aus der IntimitĂ€t des Originals wird dadurch aber auch etwas deutlich Offensiveres. Man hat hier nicht so viel Teil am Leid des SĂ€ngers ĂŒber die verlorene Liebe, als dass dieses einem viel mehr von einem GegenĂŒber prĂ€sentiert wird. Trotzdem eine starke Nummer.

Symptomatisch hingegen ist dieses Umgehen der eigentlich sehr stillen Nummer Cales fĂŒr einen Schwachpunkt des Albums – das Ausbleiben einer ausdifferenzierteren Dynamik im Sound. The Expressions als Begleitband sind fĂŒr dieses Album sicherlich hervorragend gewĂ€hlt, sie wissen genau, wo ein kleines Gitarrenfill, ein paar „Ouuuhs“, gut gelaunte BlĂ€ser und eine funky Bassline sitzen mĂŒssen. Kein klassisches VersatzstĂŒck eines Soul-Songs fehlt. Aber die AusbrĂŒche aus diesem Modell erfolgen zu selten. Das Album wirkt dadurch soundtechnisch auf Dauer eher trĂ€ge. Kaum ein Song ist zu finden, in dem nicht mindestens einmal ein Unisono-Einsatz der Instrumente zu hören ist. Aber könnte nicht auch hier ein gelegentliches Weniger mal mehr sein? Der Überraschungsfaktor ist damit eher gering. Aber: Das ist von einem alten Recken im GeschĂ€ft auch so zu erwarten gewesen. Der Soul-Hörer bekommt mit „Emma Jean“ das, was ihm gefĂ€llt und was dem Genre schicklich ist. Gewagt wird hier allerdings nicht viel. Der Schuster bleibt bei seinen Leisten, aber das macht er durchweg solide, mit einigen Höhepunkten wie dem schön-melancholischen „Still Gets Me Down“ oder „Stand By Your Side“, die allerdings auch nicht aus ihren Schuhen herauswachsen.

Man kann auf AlbumlĂ€nge den Retro-Soul hochhalten, die Produktion hochschrauben und klassische Höhepunkte des Souls, den melismatischen Gesang, das Aufschwingen zu Leid-Tönen, aufarbeiten. Aber man muss es nicht. Einen Vergleich darf man daher vielleicht noch anstellen: Ein Bobby Womack, Ă€hnliches Baujahr wie Fields, hat anno 2012 mit „The Bravest Man In The Universe“ seinen Stiefel, um bei den Schuhmetaphern zu bleiben, ganz schön neu geschnĂŒrt. Allerdings haben an diesem Album dann die Fans eines Lee Fields vielleicht nicht so viel Spaß.

Label: Truth & Soul | Kaufen

Sharon Van Etten im Interview

23.05.2014 von  

Sharon Van Etten - Are We There (Jagjaguwar)Sharon Van Etten – „Are We There“ (Jagjaguwar)

Mit freundlicher UnterstĂŒtzung von NAD.

Heute, am 23. Mai 2014, erscheint das neue, vierte Album der in New York lebenden Musikerin Sharon Van Etten. Es heißt „Are We There“. Oliver Stangl hat Sharon Van Etten zum Interview getroffen und mit ihr ĂŒber Lebenswege, Beziehungen und Freundschaften gesprochen, und natĂŒrlich auch ĂŒber ihr neues Album. Es sei das persönlichste Album, das sie bisher aufgenommen hat, und vielleicht auch das schwerste, sagt Van Etten im Interview. Gleichzeitig ist es aber auch sehr soulig und hat viele R‘n'B-EinflĂŒsse. „Are We There“ ist kein Rock-Album, aber ein Album, das mit der Zeit beim Hören wĂ€chst.

In der Tat – es sind keine leichten, geschweige denn unbeschwerte Songs, die Sharon Van Etten fĂŒr ihr neues Album geschrieben hat. Zum ersten Mal hielt sie bei der Entstehung das Heft komplett selbst in der Hand. Nach ihrem letzten Album „Tramp“, das Aaron Dessner von The National produziert hat, war das ein ganz wichtiger Schritt, wie Sharon Van Etten sagt.

„In Interviews wollten die Leute mit mir sehr oft vor allem ĂŒber die ganzen berĂŒhmten Musiker reden, die auf „Tramp“ mit dabei waren. Das Selbstvertrauen in mein Songwriting geriet dadurch ins Wanken. Ich denke, das war vor allem meine eigene Unsicherheit. Aber trotzdem – mir war klar: das nĂ€chste Mal musst Du es alleine versuchen. Um zu zeigen: Das Herz eines Albums sind vor allem meine Songs, und keine berĂŒhmten Namen. Das wollte ich beweisen, allen voran mir selbst.

Nicht nur ihr Songwriting wollte Sharon Van Etten mit dem neuen Album auf den PrĂŒfstand stellen, auch ihr eigenes Leben. Das spiegelt sich auch im Albumtitel wider: „Are We There“ ist fĂŒr Sharon Van Etten vor allem auch die Frage „Wo bin ich eigentlich gerade?“.

„Ich frage mich das sehr oft: bin ich auf dem richtigen Weg? Bin ich wirklich ich selbst? Zum einen ging es um meine Beziehung, und die Frage, wo wir beide zu diesem Zeitpunkt waren. Aber auch um meine Arbeit als Musikerin: Ob ich wirklich das tat, was ich wollte. Ob ich wirklich ehrlich mit mir selbst war.

Was sich als roter Faden durch dieses Album zieht, ist die Frage, wie man Karriere und Beziehungen miteinander in Einklang bringt. Zu lernen, eine gute Partnerin, eine gute Tochter oder eine gute Freundin zu sein – auch wenn man neun Monate im Jahr auf Tour ist. WĂ€hrend man weg ist leben die Leute ihr leben weiter. Das ist manchmal hart. Auf Tour sein und zurĂŒckkommen fĂŒhlt sich an wie Zeitreisen. All diese Dinge auszubalancieren, sich zu fragen ‚Wo bin ich heute, was mache ich eigentlich?‘ – das ist sehr wichtig.“

Wo steht man im Leben, wie geht man durchs Leben, mit wem und auf welchen Wegen. Das alles steckt gewissermaßen auch im Albumcover: es zeigt das Schwarzweissfoto einer Frau, die ihren Kopf aus dem Autofenster hinaus in den Fahrtwind steckt. Ein Foto, das Sharon Van Etten vor vielen Jahren selbst gemacht hat. Ein Foto mit einer Geschichte:

„Die junge Frau auf dem Cover ist Rebecca, eine meiner besten Freundinnen. Sie hat auch das Artwork fĂŒr meine ersten beiden Alben gemacht. Direkt nach der High School zog ich von zu Hause aus und lebte ein paar Jahre in Tennessee. Dort haben wir uns kennengelernt.
Wir hatten dieses Ritual: nach der Arbeit eine Packung Zigaretten und zwei DiĂ€t-Colas kaufen, und dann mit dem Auto rumfahren und laut Musik hören, so lange bis die Zigaretten alle sind. Das Foto entstand auf unserer letzten gemeinsam Fahrt, kurz bevor sich unsere beiden Leben fĂŒr immer verĂ€ndert haben. Rebecca ging nach Indiana, lebt dort mit ihrem Mann und hat mittlerweile zwei Kinder. Ich bin nach New York gegangen um es mit meiner Musik zu versuchen. Trotz der Entfernung sind wir uns immer noch sehr nah.“

Unterschiedliche Lebenswege, und wieder die Frage: „Are We There“, sind wir dort wo wir sein wollen? Damit aber noch nicht genug – mit dem Coverfoto ist noch eine weitere Geschichte verbunden, wie Sharon Van Etten erzĂ€hlt:

„Das Bild ist außerdem das erste Foto, das ich meinem Freund geschenkt habe, als wir uns vor zehn Jahren kennengelernt haben. Wir waren zwischenzeitlich getrennt, und ich dachte, er hĂ€tte es irgendwann weggeschmissen. Als ich letzten Sommer bei ihm einzog, da rĂ€umte er auf um Platz fĂŒr mich zu machen. Plötzlich zog der diesen Stapel mit Sachen unter seinem Bett hervor – alles was er jemals von mir bekommen hatte. Darunter war dieses Foto. Da stehe ich also, halte dieses Bild in den HĂ€nden … ich wusste bereits, dass das Album „Are We There“ heißen sollte. Aber in dem Moment war mir klar: das wird das Cover.“

Als Musikerin habe sie sehr viele Erfahrungen gemacht ĂŒber die letzten Jahre, sagt Sharon Van Etten. Die Begleitmusiker seien zu ihrer ersten festen Band gewachsen. Menschen, die sie sehr unterstĂŒtzen, denen sie vertraut, und fĂŒr die sie sich verantwortlich fĂŒhlt. Mit ihrem Songwriting sei sie selbstbewusster, auch ĂŒber sehr persönliche Dinge zu schreiben. Und auch was Produktion und Aufnahmen angeht, sei sie versierter geworden. Dennoch, so Sharon Van Etten weiter, es gĂ€be noch viel zu lernen, sie hoffe, dass sie weiterhin jede Menge Erfahrungen sammeln können wird. Und diese Erfahrungen mĂŒssen auch nicht unbedingt immer mit ihrer eigenen Musik zu tun haben.

„Ich wĂŒrde gern weiterhin mit anderen KĂŒnstlern zusammenarbeiten, und dabei muss es nicht immer um meine Songs gehen. Im Gegenteil: fĂŒr eine Weile mal Bandmusikerin fĂŒr jemand anders zu sein, das wĂ€re sehr spannend. Zu sehen, wie andere arbeiten und mit ihrer Band kommunizieren, eine Zeit lang eine andere Musik spielen als meine eigene. Ich denke letztlich wĂŒrde diese Erfahrung mich selbst und mein Songwriting weiter bringen.“

Ein Audiobeitrag ĂŒber Sharon Van Etten und ihr neues Album „Are We There“ von Oliver Stangl ist heute im ByteFM Magazin am Morgen und im ByteFM Magazin am Nachmittag zu hören.

Mit freundlicher UnterstĂŒtzung von NAD.

Neue Platten: Douglas Dare – „Whelm“

Douglas Dare - Douglas Dare – „Whelm“ (Erased Tapes)

6,7

Noch ein Klavier. Noch ein wenig Elektronik. Noch eine junge Stimme. Noch ein dramatischer Gesang. Wer möchte, kann aus „Whelm“, dem DebĂŒt des 23-jĂ€hrigen Briten Douglas Dare, ganz viele Referenzen heraushören: Rufus Wainwright, Patrick Wolf, James Blake, Thom Yorke und vielleicht sogar Tom Odell. Möglicherweise auch Nils Frahm und Ólafur Arnalds, die immerhin beim selben Label veröffentlicht haben. Aber all das trifft es eh nicht ganz. Dare ist nicht so elektronisch wie Blake, nicht so minimalimusinfiziert wie Frahm und nicht so reduziert-verspielt wie Arnalds, nicht ganz so pompös wie Wainwright und nicht halb so dramatisch wie Wolf, nicht so rockig wie Yorke und nicht annĂ€hernd so massenkompatibel wie Odell.

Dare ist aber zumindest das: ein junger, talentierter Pianist, der offensichtlich sein ganzes Engagement in sein DebĂŒtalbum gelegt hat. Und das ist zugleich der grĂ¶ĂŸte, aber auch der einzige Fehler dieser Platte: ihre Überambitioniertheit. Alles ist permanent „in your face“. Selbst wenn Dare seinen Gesang einzig mit dem Klavier begleitet, kommt es einem so vor, als wenn die feinen Nuancen des Tastenspiels seine Sache nicht sind. Gleiches gilt fĂŒr seine Stimme. Sie ist durchaus in der Lage, die Songs zu tragen, und sie ist facettenreicher als viele andere MĂ€nnerstimmen (Blake eingeschlossen). Aber leider macht Dare mit ihr manchmal einfach zu viel. Das mag bei einem Konzert der Musik eine angemessene Lebendigkeit verleihen, im Studio wirkt es etwas zu gewollt und zur Schau stellend. Wie der Rest seiner Musik ist sie zu laut und zu aufdringlich. Und lenkt damit von den wirklich tollen Kompositionen ab, von der es auf „Whelm“ so einige gibt.

Denn wenn Dare sich auf das Wesentliche konzentriert, kommen wirklich ganz wunderbare Songs heraus, wie der neben dem instrumentalen TitelstĂŒck reduzierteste Song der Platte eindrucksvoll beweist. „Caroline“ besteht aus einer simplen Klaviermelodie, die den Gesang wirklich nur begleitet und nicht mit ihr konkurriert. Wenn nach etwa zwei Dritteln einige elektronische KlĂ€nge einfallen, wirken sie fast schon ĂŒberflĂŒssig. Ähnliches gilt fĂŒr „Lungful“: HĂ€tte Dare die Piano-Figur von Beginn bis Ende des Songs einfach durchgespielt und sie nicht mit Effekten torpediert und editiert, wĂ€re es eines der schönsten Lieder dieses Sommers geworden.

Douglas Dare kann man nach dem Hören dieser Platte vieles Gute wĂŒnschen: den Minimalismus Nils Frahms, die reduzierte Verspieltheit Ólafur Arnalds, die nuancierte Elektronik James Blakes. Alle anderen Referenzen sind sowieso zu viel fĂŒr diese im Grunde genommen fragile Musik, die leider grĂ¶ĂŸer sein möchte (oder zumindest so produziert wurde) als sie eigentlich ist.

Label: Erased Tapes | Kaufen

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