Album der Woche: Wye Oak – „Shriek“

21.04.2014 von  

Wye Oak - ShriekVÖ: 25. April 2014
Web: wyeoakmusic.com
Label: City Slang

Lang leben die Synthies. In den letzten Jahren hat dieses musikalische Stilmittel eine echte Renaissance erlebt, vor allem in der alternativen Musikszene. Das Duo Wye Oak aus Baltimore legt nun ebenfalls eine neue Platte vor, die statt Gitarren vor wobbelnden Synthie-KlÀngen nur so strotzt. Kann diese Wendung gut gehen, vor allem bei einer Band, welche sich bisher erfolgreich dem handgemachten Indie-Folk-Rock verschrieben hat?

Zeit- und Ortswechsel. Seit 2006 existiert das Duo Wye Oak, bestehend aus LeadsĂ€ngerin und Gitarristin Jenn Wasner und dem Drummer und Keyboarder Andy Stack. Auf eigene Faust wird 2007 das DebĂŒtalbum „If Children“ aufgenommen und veröffentlicht. Merge Records wird auf die beiden Musiker aufmerksam, nimmt sie unter Vertrag und veröffentlicht das DebĂŒtalbum ein zweites Mal im Jahr darauf. 2009 folgt „The Knot“. Der endgĂŒltige Durchbruch gelingt Wye Oak aber mit dem dritten und letzten Album „Civilian“, welches 2011 erscheint. Viel Zeit ist seitdem vergangen. Die beiden gönnen sich eine kreative Pause und gewinnen auch an rĂ€umlicher Distanz: Wasner zieht an die WestkĂŒste nach Portland, Stack bleibt im heimischen Baltimore. Trotz dieser immensen Entfernung fliegen bald die ersten Sound- und SongentwĂŒrfe von KĂŒste zu KĂŒste. Wasner experimentiert mehr denn je mit anderen Instrumenten als ihrer gewohnten Gitarre und bleibt am Bass hĂ€ngen. Und diese neuerlangte FĂ€higkeit wirkt sich maßgeblich auf den Klang des neuen Albums „Shriek“ aus, fĂŒr welches die Studioaufnahmen im September 2013 begannen. Auf das Ergebnis sind die beiden sichtlich stolz, so twittert Jenn Wasner Ende Januar 2014: „[
] I truly believe it consists of some of the best songs we’ve ever made. April can’t get here soon enough!“

Das Warten hat nun ein Ende. Und wie klingt das inzwischen vierte Album von Wye Oak? Schon der Opener macht deutlich: Jenn Wasners neue Muse, der Bass, dominiert zwischen einem grooven Beat und sphĂ€rischen Synthies. Und dieser musikalischen Konzeption bleibt das Duo im Verlauf der zehn Songs auf „Shriek“ treu. Da Bass und Drums bekanntlich Hand in Hand gehen, sind auch diese dominanter und tanzbarer als auf frĂŒheren Produktionen. Vor allem das hypnotische „Sick Talk“ spielt großartig mit Synkopen und Kunstpausen. Trotz anfĂ€nglicher AnkĂŒndigungen, völlig auf Gitarren verzichten zu wollen, finden sich hier und da einzelne Reminiszenzen an das verstoßene Instrument, wie beim hektischen „Paradise“.

„Shriek“ muss sich hinter seinem hochgelobten VorgĂ€nger keinesfalls verstecken. Im Gegenteil: Der frische und fĂŒr Wye Oak ungewöhnliche Sound, er wird sich auszahlen.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Wye Oak“ und seiner/ihrer vollstĂ€ndigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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Album der Woche: Mac DeMarco – „Salad Days“

14.04.2014 von  

Mac DeMarco - Salad DaysVÖ: 11. April 2014
Web: Mac DeMarco bei Facebook
Label: Captured Tracks

Wuschelkopf, eine große ZahnlĂŒcke, des Öfteren nackt und betrunken auf der BĂŒhne, einmal sogar mit Drumstick im Hintern. Es gibt viel, womit Mac DeMarco Aufsehen erregt. Dabei könnte er auch schlicht seine Musik sprechen lassen. Denn mit seinem jetzt erschienenen zweiten Studioalbum hat der aus Kanada stammende Musiker ein bezauberndes Werk kreiert, welches wie der SĂ€nger selbst herrlich entspannt und locker daherkommt.

Vor 2012 veröffentlichte Mac DeMarco, der als Vernor Winfield McBriare Smith IV im Jahr 1990 das Licht der Welt erblickte, mehrere EPs und Alben unter dem Namen Makeout Videotape. Dann die Wendung: Als Interpret der EP „Rock And Roll Night Club“ wird Mac DeMarco genannt. Das Label Captured Tracks hĂ€lt große StĂŒcke auf den quirligen Musiker, und so erscheint im selben Jahr auch das DebĂŒtalbum „2″. Nicht nur die Verantwortlichen bei Captured Tracks sind begeistert. Das Album wird ein mĂ€chtiger Erfolg, gefolgt von einer anderthalbjĂ€hrigen Tournee.

Von den Strapazen auf Tour und den Schattenseiten der neuerlangten PopularitĂ€t singt Mac DeMarco im Titeltrack des neuen Albums „Salad Days“: „Always feeling tired, smiling when required, write another year off and kindly resign“. Aufgenommen und produziert wurde das Album in DeMarcos Apartment in Brooklyn, das er zusammen mit seiner Freundin Kiera McNally bewohnt. Ihr hat der Musiker drei Songs des Album gewidmet („the Kiera songs“). Einer davon ist das trĂ€umerisch dahingleitende „Let My Baby Stay“, da sich seine Freundin, ebenfalls aus Kanada, im Grunde illegal in den USA aufhĂ€lt. Seinem Vorsatz, keine Songs mehr ĂŒber „absolut nichts“ zu schreiben, ist Mac also treu geblieben.

Das hypnotische „Chamber Of Reflection“ trieft regelrecht vor zĂ€hen, schlingernden Synthies und beweist, dass DeMarco auch ohne Gitarren exzellente Songs produzieren kann. Diese musikalische Vielfalt zeigt sich auch in der aktuellen Zusammenarbeit mit Tylor, The Creator vom HipHop-Kollektiv Odd Future, der „Chamber Of Reflection“ als seinen persönlichen Favorit der Platte nennt. Die LP findet einen Abschluss in Form des instrumentalen „Jonny’s Odyssey“ und einer persönlichen Verabschiedung des KĂŒnstlers an die Zuhörer: „Hi Guys, this is Mac. Thank you for joining me. See you again soon. Bye Bye.“

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Album der Woche: The Afghan Whigs – „Do To The Beast“

07.04.2014 von  

The Afghan Whigs - Do To The BeastVÖ: 11. April 2014
Web: theafghanwhigs.com
Label: Sub Pop

„If they’ve seen it all, show ’em something new.“ The Afghan Whigs sind zurĂŒck. 16 Jahre nach ihrem letzten Studioalbum „1965″ veröffentlichen die Musiker um LeadsĂ€nger Greg Dulli das neue Werk „Do To The Beast“. In den frĂŒhen 90ern waren The Afghan Whigs eine der meist geschĂ€tzten und angesehenen Alternative-Rock-Bands, nicht zuletzt dank ihrer ungewöhnlichen Genre-Mischung aus Hard Rock, Post-Punk und Soul.

1986 treffen Dulli, Leadgitarrist Rick McCollum, Bassist John Curley und der Schlagzeuger Steve Earle zum ersten Mal in Cincinnati, Ohio, aufeinander und nennen sich fortan The Afghan Whigs. Zwei Jahre spĂ€ter erscheint das DebĂŒtalbum „Big Top Halloween“ auf dem eigens gegrĂŒndeten Label Ultrasuede. Im Jahr darauf kommen die vier Jungs bei Sub Pop unter Vertrag. Das hochgelobte „Gentlemen“ wird 1993 veröffentlicht, Album Nummer fĂŒnf, „Black Love“, erscheint 1996. Drei Jahre nach Erscheinen ihrer LP „1965″ ĂŒber Columbia Records geben The Afghan Whigs 2001 ihre Trennung bekannt: Grund dafĂŒr sei die rĂ€umliche Distanz sowie die familiĂ€ren Verpflichtungen der einzelnen Mitglieder, die eine Weiterarbeit unmöglich machten.

Und trotz wiederholter Aussagen von Greg Dulli, dass eine Wiedervereinigung ausgeschlossen sei, kommen The Afghan Whigs 2006 nochmals im Studio zusammen, um zwei neue Songs fĂŒr eine Best-of-Compilation aufzunehmen. Auch 2012 werden Hoffnungen geweckt, als die Band eine Reunion-Tour absolviert. Doch der eigentliche Auslöser fĂŒr neue Studio-Sessions und somit auch das erste Album seit 16 Jahren ist ein Auftritt mit Usher beim SXSW-Festival 2013, nachdem die Reunion-Tour schon lĂ€ngst einen Abschluss gefunden hat. In einem Interview mit dem Rolling Stone schwĂ€rmt Dulli von der aufsehenerregenden Zusammenarbeit: „Usher, along with Mark Lanegan and Björk, is one of the three best singers I’ve ever seen sing up close. He can do things with his voice that are just effortless. I’ve listened to Michael Jackson my whole life, and Usher has that Michael thing. It was thrilling.“

Nach diesem Wendepunkt beginnen die Aufnahmen zum siebten Album „Do To The Beast“. Dieses ist gleichzeitig das erste Werk ohne Gitarrist Rick McCollum. Stattdessen gibt es viele Gastmusiker, die dem Album eine Menge Abwechslung und Vielfalt einhauchen: Soul-Musiker Van Hunt, Mark McGuire vom Electro-Trio Emeralds, Johnny „Natural“ Najera – der musikalische Leiter von Usher – sowie viele weitere talentierte KĂŒnstler.

Der Opener des Albums, „Parked Outside“, ist einer der hĂ€rtesten Rock-Songs, der jemals von The Afghan Whigs geschrieben wurde und Dulli laut eigener Aussage an einen „Stripper-Song“ erinnert. Eine Spaghetti-Western-AtmosphĂ€re schwingt bei der ersten Single „Algiers“ mit, die sich ebenfalls in Form des Musikvideos widerspiegelt. „Lost In The Woods“ ist Dullis persönlicher Favorit der Platte: Der Song sei wie eine fĂŒnfminĂŒtige Reise durch die Nachbarsviertel seines Verstandes. Dasselbe Tempo und dieselben Akkorde, aber völlig verschiedene Stimmungen – diese musikalische Raffinesse erschaffen die Musiker mit den aufeinanderfolgenden Tracks „Royal Cream“ und „I Am Fire“.

„If they’ve seen it all, show ’em something new.“ The Afghan Whigs halten Wort. Sie sind nicht unbedingt besser denn je, aber eines auf jeden Fall: zurĂŒck mit einem frischen, zeitgemĂ€ĂŸen und trotzdem klassischen Sound.

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Album der Woche: Ratking – „So It Goes“

31.03.2014 von  

Ratking - So It GoesVÖ: 4. April 2014
Web: ratkingnyc.com
Label: Hot Charity/XL

Das HipHop-Trio Ratking war bisher eher einer kleinen eingeschworenen Fangemeinde bekannt – mit der Veröffentlichung seines DebĂŒtalbums „So It Goes“ dĂŒrfte sich dies nun schlagartig Ă€ndern. Aufgewachsen sind die drei Musiker zu Zeiten der goldenen Ära des HipHop, was sich hörbar in den elf Songs des Albums niederschlĂ€gt.

Zwei Jahre ist es her, dass das Kollektiv um Patrick „Wiki“ Morales mit seinen energiegeladenen Live-Shows die HipHop-Szene von New York City in Aufregung versetzte. Und es dauerte nicht lange, bis Wiki zusammen mit Hakeem Lewis und Produzent Eric Adiele alias „Sporting Life“ beim Label Hot Charity unter Vertrag genommen wurde. Im November 2012 wurde schließlich die DebĂŒt-EP „Wiki93″ veröffentlicht.

Nun folgt die erste LP – und fĂŒhrt den Weg fort, den die Post-HipHop-Crew schon auf ihrer EP einschlug: ungewohnter Avantgarde-HipHop mit einer nicht enden wollenden Flut an experimentellen Sounds und KĂŒnstlern: Auf dem DebĂŒtalbum finden sich Kollaborationen mit dem britischen Wunderknaben King Krule, der puerto-ricanischen HipHop-KĂŒnstlerin Wavy Spice und Salomon Faye. ZusĂ€tzlich kommt es einem Ritterschlag gleich, dass „So It Goes“ mit der UnterstĂŒtzung von Young Guru entstand, der schon mit Legenden wie Jay Z und The Notorious B.I.G. arbeitete. Aber Ratking hĂ€tten so viel prominente UnterstĂŒtzung gar nicht nötig – das Zeug zu wegweisenden HipHop-KĂŒnstlern haben sie allemal.

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Album der Woche: Timber Timbre – „Hot Dreams“

24.03.2014 von  

Timber Timbre - Hot DreamsVÖ: 4. April 2014
Web: timbertimbre.com
Label: Full Time Hobby

Die Lichter im Saal werden gedimmt, der Vorhang öffnet sich, das Rattern des Projektors wird hörbar – willkommen zu „Hot Dreams“, dem fĂŒnften Studioalbum der kanadischen Band Timber Timbre. Leise beginnt der erste Song namens „Beat The Drum Slowly“ und stimmt auf die folgenden neun StĂŒcke ein. Ein cineastisches Werk ist „Hot Dreams“ geworden, voller Reminiszenzen an die opulente Filmmusik der 60er- und 70er-Jahre. Somit zahlt sich auch das einstige Filmstudium von Bandchef Taylor Kirk aus, der zusammen mit Simon Trottier und Mika Posen 2005 Timber Timbre ins Leben ruft. Der Name des Trios wird bei anfĂ€nglichen Aufnahmen in einem FachwerkhĂ€uschen gefunden. Und so scheint auch beim aktuellen Werk die Aufnahmeumgebung prĂ€gend: Ein Studio nahe der kanadischen Rocky Mountains ist angesichts der nach Western-Epos klingenden Musik bestimmt kein Zufall.

Im Vergleich zu den VorgĂ€ngeralben beteiligt Kirk seinen Bandkollegen Simon Trottier maßgeblich am Kompositionsprozess. Das Resultat ist ein Album, dessen musikalische Raffinesse schon beim ersten Hören in ihren Bann zieht – Ă€hnlich wie Filmmusik geht auch „Hot Dreams“ von Timber Timbre sofort ins Herz und versetzt den Hörer in TagtrĂ€ume voll idyllischer PrĂ€rien, roter SonnenuntergĂ€nge, turbulenter Salon-SchlĂ€gereien und dem Leben als „lonesome cowboy“. Und das liegt nicht allein an Kirks tiefer Stimme mit ihrem wunderschön rauchigen Timbre. Schrille Retro-Streicher, zurĂŒckhaltende Drums, Gitarren und wuchtiger Bass sind die essenziellen Begleitungen, die hier und da mit wirkungsvollen Soundeffekten und Instrumenten ergĂ€nzt werden. Das im Dreivierteltakt dahingleitende TitelstĂŒck wird von einem obligatorischen Saxofon-Solo begleitet. „Resurrection Drive Part II“ verzichtet auf stimmliche Begleitung und stellt ein instrumentales Intermezzo dar, bevor „Grand Canyon“ mit Tamburin und Rassel ausgeschmĂŒckt wird. Das bitter-sĂŒĂŸe „Run From Me“ beginnt als Klavierballade, bevor es mit durchdringendem Chor, Streichern und polterndem Schlagzeug ein wĂŒrdiges Finale findet. The End: Die Lichter gehen an, und unter den KlĂ€ngen des instrumentalen letzten Songs „The Three Sisters“ mit Begleitung von Cembalo, Saxofon und Totenglocke geht es mitsamt Abspann wieder zurĂŒck in die RealitĂ€t. Ganz großes Kino.

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Album der Woche: Liars – „Mess“

17.03.2014 von  

Liars - MessVÖ: 21. MĂ€rz 2014
Web: liarsliarsliars.com
Label: Mute

Zugegeben, das siebte Album des amerikanischen Trios Liars beginnt alles andere als prĂŒde: „Take my pants off 
 smell my socks“, fordert eine transponierte und verzerrte Stimme ĂŒber einer aufgeregten Synthie-Bassline. Doch wer sich von Fetischismus und pulsierenden Retro-Synthies nicht abschrecken lĂ€sst, bekommt im weiteren Verlauf eine knappe Stunde experimentellen, wĂŒtenden und ekstatischen Elektro-Noise-Pop auf die Ohren.

Liars – das sind Angus Andrew, Aaron Hemphill und Julian Gross, die in dieser Besetzung seit 2002 bestehen. TatsĂ€chlich ist aber das Jahr 2000 die Geburtsstunde der Band, damals noch ohne Julian Gross, dafĂŒr mit Pat Noecker und Ron Albertson. Mit Ausnahme des DebĂŒtalbums veröffentlichen die Jungs alle LPs bei Mute, so auch das neueste Werk mit dem Titel „Mess“. Erste Tracks daraus wurden schon Ende 2013 im Metropolitan Museum Of Art in New York City und auf den Primavera und Sonar Festivals in Barcelona uraufgefĂŒhrt. Aber wie klingt das neue Album von Liars, deren vergangene Veröffentlichungen von der Presse zum Teil als „sadistisch“ und „unhörbar“ eingestuft wurden?

Angesichts des Albumtitels „Mess“ eine berechtigte Frage. Doch Angus Andrew klĂ€rt in einem Interview mit dem Magazin Under The Radar auf: „I think what I like is the idea of a mess is often in the eye of the beholder. I think there are situations or things that are created, an artwork for example, where one viewer could look at it and say ‚Well, that’s just a mess of stuff.‘ But another viewer could look at it and see it as a piece of fine art, and that could generate a conversation. I think what is appealing about that is the duality of a mess and it not being a definitive idea.“

DualitĂ€t scheint auf Liars eine besondere Anziehungskraft auszuĂŒben: Das Trio bezeichnet sich selbst als eine schizophrene Band, deren letztes Album von Zweifel und Paranoia geprĂ€gt war. Das neue Werk hingegen fungiert als exaktes Gegenteil: Beim Entstehungsprozess von „Mess“ wurde viel instinktiver, selbstsicherer und mit Spaß gearbeitet. Das Resultat sind dĂŒstere, psychedelische und minimalistische Elektro-Tracks, die wieder einmal zeigen, wie wandelbar das Trio tatsĂ€chlich ist.

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Album der Woche: Hundreds – „Aftermath“

10.03.2014 von  

Hundreds - AftermathVÖ: 14. MĂ€rz 2014
Web: hundredsmusic.com
Label: Sinnbus

Mit sanften Tönen beginnt das zweite Album „Aftermath“ vom Hamburger Geschwister-Duo Hundreds. Vier Jahre sind vergangen, seit Eva und Philipp Milner ihr DebĂŒtalbum veröffentlichten und damit regelrecht von heute auf morgen berĂŒhmt wurden. Entdeckt wurden die Geschwister bei einem Live-Auftritt und kommen daraufhin beim Wunschlabel Sinnbus in Berlin unter Vertrag. Der Erfolg wird begleitet von zahlreichen Konzerten und Festivals im In- und Ausland.

Nach dieser Phase des scheinbar endlosen Tourens zieht Philipp 2012 in ein 40-Seelen-Dorf auf dem Land und baut zusammen mit Schwester Eva ein Studio in seinen eigenen vier WĂ€nden. Diese Abgeschiedenheit und lĂ€ndliche Idylle scheint den Geschwistern gut zu tun, 18 Monate lang wird der Nachfolger vom selbstbetitelten DebĂŒtalbum geschrieben und komponiert. Trotz keiner strikten Aufgabenverteilung kĂŒmmert sich Philipp dabei eher um die musikalischen Aspekte, wĂ€hrend Eva ihr lyrisches Talent ausschöpft und mit weicher Stimme zu Gehör bringt.

Schließlich gibt es kurz vor der Albumveröffentlichung einen ersten Vorgeschmack: Als erste Single wird „Circus“ auserkoren, das Video dazu erregt viel Aufmerksamkeit, ĂŒbernimmt doch Arne Feldhusen („Stromberg“) die Rolle als Regisseur. Und musikalisch wird da schon deutlich: Die Milners sind nach wie vor wahre Meister ihres Fachs. Das Album ĂŒberrascht mit klugen, unerwarteten Arrangements, Melodiefolgen und Tonartwechseln. Hymnisch und pathetisch, solch hochtrabende Adjektive verwendet man selten fĂŒr die Beschreibung einer LP, und doch klingt „Aftermath“ in vielen Momenten genau so. BlĂ€ser, Pauken und Streicher wie beim dritten StĂŒck „Ten Headed Beast“ verstĂ€rken diesen Effekt, ohne jedoch in kitschige AbgrĂŒnde zu rutschen. Angesichts der zwölf exzellenten Kompositionen auf „Aftermath“ hat sich die Wartezeit von vier Jahren mehr als gelohnt.

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Album der Woche: Fenster – „The Pink Caves“

03.03.2014 von  

Fenster - The Pink CavesVÖ: 7. MĂ€rz 2014
Web: fensterbones.com
Label: Morr Music

Fenster – die noch junge Band aus Berlin – klingt, als sei sie das Kind von Mutter Melancholie und Vater VertrĂ€umtheit. GegrĂŒndet wurde die Indie-Formation vor vier Jahren von der aus New York stammenden SĂ€ngerin JJ Weihl und dem Berliner Jonathan Jarzyna. Noch vor ersten Live-Auftritten starten die Aufnahmen zu ihrem DebĂŒtalbum, die genau acht Tage andauern und in deren Verlauf auch der Bandname gefunden wird: Ein Fenster des Studios fĂ€llt auf die SĂ€ngerin JJ und zerbricht. Fortan agieren die Musiker unter dem Namen Fenster und veröffentlichen schließlich im MĂ€rz 2012 das Erstlingswerk „Bones“.

Knapp ein Jahr spĂ€ter verschanzen sich die Musiker erneut im Studio und beginnen mit dem Aufnahmeprozess zu „The Pink Caves“. Eigens fĂŒr die Band wird eine HĂŒtte in Ostdeutschland so verkabelt, dass in jedem Raum die Möglichkeit zur Aufnahme besteht – GerĂ€usche des Hauses wie das Ticken einer Uhr oder das Schließen von TĂŒren eingeschlossen. So wurde die StudiohĂŒtte an sich zu einem autonomen Instrument.

Zwölf Tracks umfasst die Reise durch die pinken Höhlen: In einem durchschnittlich moderaten Tempo geht es vorbei an „Better Days“, „Sunday Owls“ und „The Light“ – trĂ€umerische Melodien sowie geisterhaft klingende Gitarren und Retro-Synthies inklusive. Zusammen mit dem Freund und Produzenten Tadklimp entsteht ein facettenreicher Nachfolger zum DebĂŒt, nicht zuletzt durch den stimmlichen Kontrast von abwechselnd weiblichen und mĂ€nnlichen Vocals: Denn neben SĂ€ngerin JJ Weihl greift auch Jonathan Jarzyna zum Mikrofon. Der Titel des Albums macht seinem Namen alle Ehre: Opulente Soundwolken ziehen sich durch die Musik, vergleichbar mit einer zĂ€hen, pinken, und dennoch köstlich-zuckersĂŒĂŸen Kaugummimasse, von der man nicht genug bekommt. Kurzum: Dream Pop vom Feinsten.

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Album der Woche: Neneh Cherry – „Blank Project“

24.02.2014 von  

Neneh Cherry - Blank ProjectVÖ: 28. Februar 2014
Web: Neneh Cherry bei Facebook
Label: Smalltown Supersound

Mit Neneh Cherrys viertem und neuem Soloalbum „Blank Project“ beginnt ein neues Kapitel in der Karriere der 49-jĂ€hrigen SĂ€ngerin aus Schweden. TripHop, HipHop, Pop, Funk, Soul und R ’n’ B waren die dominierenden Musikstile auf ihren letzten drei Soloveröffentlichungen. Umso erstaunlicher, dass sich Neneh Mariann Cherry, so der vollstĂ€ndige Name der Musikerin, nach fast 18 Jahren entschlossen hat, ein avantgardistisches Electronica-Album aufzunehmen.

1989 erscheint ihr DebĂŒtalbum „Raw Like Sushi“, was ihr eine Grammy-Nominierung in der Kategorie „Best New Artist“ beschert. Zwei weitere Alben folgen: „Homebrew“ im Jahr 1992 und „Man“ vier Jahre spĂ€ter. Letzteres ist geprĂ€gt vom Tod ihres Stiefvaters, dem legendĂ€ren Jazzmusiker Don Cherry. Auf „Man“ ist auch ihr wohl grĂ¶ĂŸter Hit „7 Seconds“ zusammen mit dem senegalesischen SĂ€nger Youssou N’Dour zu hören. Trotz der gelegentlichen BerĂŒhrung mit Mainstream-Erfolgen bleibt Cherry doch immer eine KĂŒnstlerin, der die eigene kreative Entwicklung deutlich wichtiger war als Chartplatzierungen. Nach „Man“ zieht sie sich vorerst aus dem Musikbusiness zurĂŒck. Erst zehn Jahre spĂ€ter wagt sie eine RĂŒckkehr mit der Band CirKus. 2012 nimmt sie zusammen mit der skandinavischen Jazz-Truppe The Thing ein Jazz-Album in Gedenken an ihren verstorbenen Stiefvater auf. Und schließlich ist Neneh Cherry bereit fĂŒr ein neues, eigenes Album.

„Blank Project“ entstand zusammen mit dem Electro-Duo RocketNumberNine aus London und wurde von Kieran Hebden alias Four Tet produziert. Damit ging auch ein langjĂ€hriger Traum der SĂ€ngerin in ErfĂŒllung: „I originally thought ‚Oh, maybe he’ll do a track or two‘. Then there was this amazing place in time where Kieran could do the whole album, and he wanted to do the whole album. I was super honored and excited and thrilled.“ – so die SĂ€ngerin in einem Interview mit Pitchfork.

Im Mittelpunkt der Platte steht Neneh Cherrys charakteristisch raue Stimme. Darum arrangieren RocketNumberNine einzelne Instrumentspuren, oft spĂ€rlich dosiert: Der Albumopener „Across The Water“ besteht nur aus einem einzigen kontinuierlichen Drumbeat und den Stimme der SĂ€ngerin. Songs wie „Blank Project“ und „Spit Three Times“ ziehen mit verzerrten elektronischen Synthesizer-KlĂ€ngen in ihren Bann. Ein Duett mit ihrer musikalischen Kollegin Robyn, die ebenfalls aus Schweden stammt, findet sich in Form des Tracks „Out Of The Black“ und klingt ĂŒberraschend ruhig. „It was all about the rawness and capturing stuff in the moment. We were doing two tracks a day – 10 songs in five days – and we rehearsed quite a lot.“ So beschreibt die SĂ€ngerin den Aufnahmeprozess des Albums in den Dreamland Recording Studios nahe Woodstock im US-Bundesstaat New York. Das Album ist in der Tat eine Abkehr von allem, was man bisher von der Musikerin erwartet bzw. gehört hat. Und dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist Neneh Cherry mit „Blank Project“ etwas Außergewöhnliches gelungen: ein wuchtiges Comeback mit der intensivsten und persönlichsten Platte ihrer Karriere.

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Album der Woche: The Notwist – „Close To The Glass“

17.02.2014 von  

The Notwist - Close To The GlassVÖ: 21. Februar 2014
Web: notwist.com
Label: City Slang

The Notwist. Kaum vergleichbar mit einer anderen aus Deutschland stammenden Band. Seit nunmehr einem Vierteljahrhundert existiert die Kult-Truppe aus dem beschaulichen Weilheim in Oberbayern. Erfolgreiche Touren im In- und Ausland, unzÀhlige veröffentlichte Alben und EPs, zahlreiche komponierte Soundtracks und viele musikalische Nebenprojekte: Die Karriere von The Notwist kann sich sehen lassen.

Alles begann mit den BrĂŒdern Markus und Micha(el) Acher, und Martin (Mecki) Messerschmidt. Ersterer spielt Gitarre und leiht der Band seine Stimme, Micha ist am Bass tĂ€tig und Mecki lieferte feinste Drum-Parts. Die musikalische Ausrichtung zu Beginn und auf den ersten beiden Alben: Post-Hardcore und Punk. Mit dem 1995 erschienenen dritten Album „12″ kommt die Wendung: Erste elektronische EinflĂŒsse sind hörbar, verantwortlich dafĂŒr ist Martin Gretschmann, der ab 1997 offiziell zur Bandbesetzung gehört. „Neon Golden“ wird 2002 veröffentlicht und stellt das bis dato erfolgreichste Album von The Notwist dar: von der Null auf Platz zehn der deutschen Albumcharts. Auch im Ausland wird das Indie-Electronica-Album bejubelt und heimst hervorragende Kritiken ein. Trotz Weltruhm sind die Musiker stets auf dem Boden und sich selbst treu geblieben, noch immer finden die Aufnahmen im Uphon-Studio in Wilzhofen nahe ihrer Heimatstadt statt.

Eile scheint den Bandmitgliedern fremd: Nach sechs Jahren veröffentlichen die Bayern nun ihr inzwischen siebtes Studioalbum „Close To The Glass“. Und die Promotionabteilung von City Slang bringt das Album perfekt auf den Punkt: „It is a catchy and unpredictable marriage of playing your heart out on an instrument and the magnetic pulse of precise programming.“ Wandelbarkeit beweisen The Notwist schon seit Jahren, und „Close To The Glass“ verdeutlicht diese Eigenschaft: Mal akustisch-wehmĂŒtig mit Gitarre und Streicheruntermalung („Steppin’ In“), dann plötzlich wieder energiegeladener Indie-Pop („Kong“). Die obligatorischen Elektro-EinflĂŒsse dĂŒrfen natĂŒrlich nicht fehlen und tauchen an vielen Stellen auf: Das fast neunminĂŒtige „Lineri“ gleicht einem instrumentalen Elektro-Fluss, der gemĂ€chlich seine Bahnen zieht.

The Notwist beweisen, dass sie zu Recht als eine der besten Bands Deutschlands bezeichnet werden. Dabei mĂŒsste die Band nach solch einer Karriere niemandem mehr etwas beweisen. The Notwist sind einfach legendĂ€r.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „The Notwist“ und seiner/ihrer vollstĂ€ndigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: City Slang | Kaufen

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