Album der Woche: Die Sterne – „Flucht In Die Flucht“

01.09.2014 von  

Die Sterne - Flucht In Die FluchtVÖ: 29. August 2014
Web: diesterne.de
Label: Staatsakt

Welche Beschreibungen könnten dieser Band nur gerecht werden? Sie ist legendĂ€r ohne eingebildet zu wirken, innovativ ohne die eigenen UrsprĂŒnge zu vergessen und bestĂ€ndig ohne monoton zu sein. Die Sterne wirbeln seit 1992 auf den nationalen und internationalen BĂŒhnen umher, prĂ€gen maßgeblich den Begriff der Hamburger Schule und veröffentlichten jĂŒngst ihr zehntes Album. Und fĂŒr dieses JubilĂ€um kehrt das Trio wieder zurĂŒck zu einem gitarrenbetonten Sound, nachdem es beim 2010er Werk „24/7″ den Schwerpunkt auf Diskorhythmen und Synthies legte.

Produziert wurde „Flucht In Die Flucht“ von Olaf Opal, aufgenommen wurde in Bremen und Hamburg. Wer den Werdegang der Sterne kontinuierlich mitverfolgt, dĂŒrfte wissen, dass die Band auch ab und zu mit Keyboardern – Frank Will und Richard von der Schulenburg – als Quartett agierte. Aber wie schon beim VorgĂ€ngeralbum glĂ€nzen die Sterne auch beim aktuellen Werk zu dritt: Zum einen ist da SĂ€nger und Gitarrist Frank Spilker, der nebenbei auch seine eigene Sendung Frank-A-Delic (alle vier Wochen, donnerstags von 14 bis 15 Uhr) bei ByteFM moderiert. Des Weiteren sind da Schlagzeuger Christoph Leich und Bassist Thomas Wenzel, der seines Zeichens auch tĂ€tig ist bei den Goldenen Zitronen.

Psychedelische Klangwelten, Anleihen an die 60er und 70er und eine Menge funkiger Rhythmen und BasslĂ€ufe schlagen dem Hörer entgegen. „Es tönen die rĂŒckkoppelnden Gitarren in Ehrerweisung an Jimi Hendrix, AC/DC, Dinosaur Jr. bis zu den Butthole Surfers, man ist bewegt von der Funk- & Soul-Historie von Motown ĂŒber Funkadelic bis Sly & The Family Stone, pfeift eingĂ€ngige Folk- und Popmelodien von ‚Lola‘ bis ‚Bakerman‘, findet Gefallen am Swamp-Blues und schrĂ€gen Folk-Moritaten und schichtet alles auf- und durcheinander wie zu besten ‚Easter Everywhere‘-Zeiten.“ Und doch ist das zehnte Album des Hamburger Trios mehr als Reminiszenzen an andere KĂŒnstler, wie im Falle des vorangegangen Pressetextausschnittes. Die Sterne sind schlichtweg einzigartig. Und das zeigen sie auch noch – oder erst recht – mit Album Nummer zehn.

„Wie lange muss das Leben warten? Worauf soll man es verschieben? Wenn man es nur aus der Ferne kennt, wie soll man es dann leben?“, fragt Spilker im Opener „Wo Soll Ich Hingehen?“. Ein weiteres Highlight ist das grandios betitelte „Menschenverachtendverliebt“. Wie so oft ist auch hier ein Backgroundchor zu hören, bestehend aus jungen Hamburger Bands wie Zucker, Der BĂŒrgermeister Der Nacht und Schnipo Schranke. Generationen-VerstĂ€ndigung hat nie schöner geklungen. „Ihr Wollt Mich Töten“, ein Duett mit Alexander Hacke, Bassist der EinstĂŒrzenden Neubauten, erinnert an eine bittere Ballade aus Zeiten des Wilden Westens. Den „Innenstadt Illusionen“ erliegen die Sterne in einer Art sechsminĂŒtigem Mantra, ĂŒber dem eintönige Phrasen ĂŒber die Folgen von Gentrifizierung rezitiert werden: „Bezahlbare Wohnung in den gĂ€ngigen Vierteln gesucht. Nach der Renovierung werden die Preise kaum merklich steigen.“ Das zehnte Album der Sterne ist Vielfalt in jeglicher Hinsicht, angefangen bei der SonglĂ€nge (das kĂŒrzeste StĂŒck hat eine Spieldauer von 1:46 Minuten, das lĂ€ngste wie bereits erwĂ€hnt knapp sechs Minuten) ĂŒber die besungenen Themen bis hin zur Instrumentierung. „Hier kommt das Ende, wir haben alles versucht. Hier kommt die Wende, hier kommt die Flucht in die Flucht.“

Vor wenigen Tagen waren die Sterne bei uns zu Gast im Studio und haben zwei Songs aus ihrem neuen Album gespielt. Diese könnt Ihr hier nochmals anhören.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Die Sterne“ und seiner/ihrer vollstĂ€ndigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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Album der Woche: Niels Frevert – „Paradies Der GefĂ€lschten Dinge“

25.08.2014 von  

Niels Frevert - Paradies Der GefĂ€lschten DingeVÖ: 22. August 2014
Web: nielsfrevert.net
Label: Grönland

Niels Frevert ist einer dieser Musiker, denen man endlos zuhören könnte. Sobald der letzte Song der Platte verklungen ist, zuckt die Hand automatisch zum Play-Button und erneut taucht man in den schillernden Klangkosmos ein. Die Stimme des Hamburgers zieht sofort in ihren Bann, es ist die perfekte Mischung aus rauen und zarten Nuancen. Obgleich der Zuschreibung „lĂ€ssig“ durch exzessiven Gebrauch inzwischen ein fader Beigeschmack innewohnt, passt sie zu Niels Frevert wie die Faust aufs Auge.

Als kreativer Kopf und SĂ€nger der 1991 gegrĂŒndeten Hamburger Band Nationalgalerie macht Niels Frevert erstmals auf sich aufmerksam. FĂŒnf Jahre und vier Alben spĂ€ter löst sich die Gruppe auf und Frevert startet seine Solokarriere mit dem 1997 erscheinenden, selbstbetitelten DebĂŒtalbum. „Paradies Der GefĂ€lschten Dinge“ ist sein inzwischen fĂŒnftes Album und im Vergleich zum VorgĂ€nger „Zettel Auf Dem Boden“ von 2011 hat sich einiges geĂ€ndert. So wechselt der Musiker zu Grönland Records, dem Label von Herbert Grönemeyer. Als Produzent wird Olsen Involtini angeheuert, dem sich in der Vergangenheit auch schon KĂŒnstler wie Peter Fox, Miss Platnum oder Casper anvertrauten. Wie das klingt? Orchestraler Pop ist wohl die beste Bezeichnung fĂŒr das, was Frevert und Involtini da im Studio erschaffen. Ruhige, zurĂŒckgenommene Klavierparts, opulente Streicherarrangements, detaillierte BlĂ€ser und erdige Akustikgitarren sind die Quintessenz des Albums: „Gehobener Mainstream“, wie Niels Frevert selbst seinen Sound klassifiziert.

Was die Songtexte angeht, ist Niels Frevert ein regelrechter GeschichtenerzĂ€hler: Er selektiert kleine Begebenheiten aus dem Leben, gibt sie wieder in seiner nĂŒchtern-puristischen ErzĂ€hlweise und verleiht ihnen dadurch zum Teil einen paradox-fantastischen Anstrich. So schwebt z. B. ein Ufo ĂŒber dem Kirchentag in Hamburg. In „Schwör“ versichert der SĂ€nger einem Freund in der Psychiatrie, dass dieser lebend herauskommt. Und die trockene Antwort auf einen Heiratsantrag kommt mit: „Das Mit Dem GlĂŒcklichsein Ist Relativ“. Der 46-jĂ€hrige SĂ€nger verpackt ernste Themen in wunderschöne Instrumentierungen. Die Jazz-Ballade „Die Abbiegung“ ist das Trennungs-Manifest eines verletzten Mannes, ein Liebeslied in Zeiten der Krise: „Ich werd immer auf deiner Seite sein. Egal was war, egal was kommt. Aber als dein Feind werd ich dir nich’ mehr zur VerfĂŒgung stehn, weil ich nich’ mehr kann, weil ich nich’ mehr will.“ Die wohl schönste Bridge des Albums hĂ€lt das Bossa-Nova-StĂŒck „Morgen Ist Egal“ parat: „Ich hab so lang auf dich gewartet. Ich war traurig ohne Grund, auf den ich sinken konnt’. Ohne dich is’ mir einsam und kalt. Und morgen is’ egal.“ Morgen ist egal – Niels Frevert macht großartige Musik fĂŒr den Moment, ĂŒber die verrĂŒckten, traurigen, glĂŒcklichen und absurden Geschichten, die so nur das Leben schreiben kann.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Niels Frevert“ und seiner/ihrer vollstĂ€ndigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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Album der Woche: TrĂŒmmer – „TrĂŒmmer“

18.08.2014 von  

TrĂŒmmer - TrĂŒmmerVÖ: 22. August 2014
Web: truemmer.tv
Label: [PIAS]

„Wir verlassen die gemĂ€ĂŸigten Zonen, es ist vorbei, niemand darf sich mehr schonen. Unsere LĂŒgen sind wahrer als das, was ihr uns auftischt. Wir sind wie Geisterfahrer, alles ist so wie es ist. In all diesen NĂ€chten sind wir nicht brav, sondern schlimmer. Und wir werden niemals alt, nein, wir bleiben so fĂŒr immer.“

Gitarrist und SĂ€nger Paul Pötsch, Bassist Tammo Kasper und Drummer Maximilian Fenski bilden das Trio TrĂŒmmer, um das in den letzten Monaten ein regelrechter Hype entsteht. Ihr erstes Konzert geben die drei Jungs im April 2012 im Hamburger Molotow. Seitdem ist so einiges geschehen: TrĂŒmmer blicken zurĂŒck auf zwei Deutschlandtourneen, zahlreiche Gigs auf Festivals wie dem Haldern Pop, Deichbrand, Melt! und MS Dockville. Nebenbei agieren sie als Support fĂŒr hochkarĂ€tige Acts wie Dinosaur Jr., Casper und The 1975. Kein Wunder, dass TrĂŒmmer schnell beim populĂ€ren Label [PIAS] unterschreiben, bei dem jetzt auch das selbstbetitelte DebĂŒtalbum erscheint.

Dieses wird nicht umsonst schon vor der Veröffentlichung als Meisterwerk gefeiert. Ein Grund dafĂŒr sind die exzellenten Texte. So heißt es im Song „1000. Zigarette“ selbstreflexiv: „Das Leben ist ein Klischee, wie in einem Songtext, den ich erst jetzt versteh’.“ Die gesellschaftskritische Antwort auf die Frage nach dem Befinden liefern TrĂŒmmer mit dem Song „Scheinbar“: „Scheinbar geht es allen gut, ja okay man spuckt schon manchmal Blut, aber niemand hat hier ein Problem, denn wirklich jeder hat ein schönes Leben.“ Mal fragend, mal augenzwinkernd, mal wĂŒtend: Die Texte von TrĂŒmmer sind herrlich ungekĂŒnstelt und klingen in erster Linie authentisch. So auch die Musik. FĂŒr diese kramen die drei Wahl-Hamburger tief in der Indie-Rock-’n’-Roll-Kiste. Oft sind da mitreißende, melodiöse Gitarren-Riffs, eingĂ€ngige BasslĂ€ufe und schnelle Rhythmen. Musikalische Nuancen bringen Abwechslung, von Pop- bis Punkgeschrammel ist alles dabei. Und ein bisschen Pathos darf auch nicht fehlen, sei es nun das Intro zu „Wo Ist Die Euphorie“ oder das beinah hymnenhaft klingende „In All Diesen NĂ€chten“, das zeitgleich mit „Der Saboteur“ als Doppelsingle bereits im November 2013 erschien. TrĂŒmmer erschaffen eine positive Aufbruchsstimmung, setzen ein Statement gegen Egoismus, Ungerechtigkeit und GleichgĂŒltigkeit. Sie rĂŒtteln auf, aber auf eine stets reflektiert-subtile Art und Weise, getreu dem in „1000. Kippe“ besungenen Motto: „If you want to fight the system, you have to fight yourself.“

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Album der Woche: The/Das – „Freezer“

11.08.2014 von  

The/Das - FreezerVÖ: 15. August 2014
Web: the-das.com
Label: Sinnbus

Freunde von SOHN, Matthew Dear und Jon Hopkins aufgepasst: Das Berliner Duo The/Das veröffentlicht dieser Tage sein erstes Album namens „Freezer“. Kennern der Berliner Musikszene dĂŒrfte bekannt sein, dass Fabian Fenk und Anton Feist nicht zum ersten Mal miteinander Musik machen. 2005 grĂŒnden die beiden zusammen mit Alex Stolze ein Musikerkollektiv mit dem Namen Bodi Bill und kreieren sanften Elektropop, stets versetzt mit einer Spur Soul dank dem vielschichtigen Gesang von Fabian Fenk. 2011 wird das Projekt vorerst stillgelegt und die drei Mitglieder splitten sich: Alex Stolze ist MitbegrĂŒnder der Gruppe UNMAP, Fenk und Feist wagen als Duo erste Gehversuche. Wie schon zuvor harmonieren die beiden Jungs sowohl im Studio wie auch live: Je nach Kontext agieren sie mehr als Band oder befriedigen die Tanzwut mit packenden DJ-Sets. Letztes Jahr erscheint „Speak Your Mind Speak“, ein gefeiertes Minialbum, das die Erwartungen an ein DebĂŒtalbum nach oben schraubt.

„Zwischen Zufall und Experiment einerseits sowie Erfahrung und SouverĂ€nitĂ€t auf der anderen Seite sind die hier vorliegenden acht StĂŒcke entstanden.“ So bringt die Pressemitteilung den Entstehungsprozess von „Freezer“ auf den Punkt. Diese Kombination lĂ€sst einen Sound entstehen, der unglaublich weit klingt, ein bisschen nach ruhigen Urlaubstagen am Meer. Und parallel schwingt da immer diese gewisse Melancholie mit, die der Musik eine dramatisch angehauchte Aura verleiht. Einer der besten Songs auf dem Album ist das lethargisch-sĂŒĂŸe „Receiver“, das mit dumpfen Drums, zitternden OrgelklĂ€ngen und einer sanften Frauenstimme verfĂŒhrt. Das tanzbarste StĂŒck ist ohne Zweifel „This Place“, das elektrisierende Drums mit wabernden Synthies verbindet. Der neunminĂŒtige Titeltrack gleicht einer hypnotisierenden Reise durch helle, harmonische Gitarren-KlĂ€nge auf der einen Seite und verschiedenen, oftmals disharmonischen Effekten und Tönen auf der anderen. Der organische Elektro-Sound von The/Das zeigt sich auf „Freezer“ in seinen diversen Formen und verlockt den Zuhörer zu TagtrĂ€umen. Fabian Fenk und Anton Feist haben fĂŒr diese Art von Musik ein eigenes Genre erschaffen, dessen Bezeichnung nicht treffender sein könnte. Sie nennen es schlicht „Techno Tenderness“.

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Album der Woche: FKA twigs – „LP1″

04.08.2014 von  

FKA twigs - LP1VÖ: 8. August 2014
Web: fkatwi.gs
Label: Young Turks

Es ist die Ruhe vor dem Sturm: Ein paar hohe Töne werden zum Einsingen angeschlagen, bevor sich „Preface“ der „LP1″ zu einem polyphonen Sci-Fi-ChoralgesangsstĂŒck entwickelt. Kurze Stille. Und plötzlich ist da dumpfes Trommelfeuer, das wie ein Startschuss wirkt: „Lights On“. FKA twigs haucht sich mit ihrer fesselnden und verlockenden Stimme durch die ersten Verse und gibt zu verstehen: „When I trust you we can do it with the lights on.“

Tahliah Barnett heißt die 25-jĂ€hrige Britin mit jamaikanisch-spanischen Wurzeln. FrĂŒh zieht es sie ins lebhafte London. Dort tanzt sie in mehreren Musikvideos von KĂŒnstlern wie Ed Sheeran, Kylie Minogue oder Jessie J. Erfahrungen, die sie auch in Form eines Songs namens „Video Girl“ verarbeitet: „All eyes on you now, what you gonna do? The camera loves you, ain’t that enough?“ Es genĂŒgt Barnett bei weitem nicht. Ende 2012 veröffentlicht sie eine vier Songs umfassende EP. Zu den Songs der schlicht betitelten „EP1″ gibt es zugehörige Videos. Diese sind vielmehr eigenstĂ€ndige Kunstwerke, als lediglich visuelle Musikbegleitung. In „Weak Spot“ inkarniert die menschliche KĂŒnstlerin aus einem Avatar in einem laserdurchfluteten Universum. „Breath“ offenbart eine aggressive und zerstörerische Seite. „Hide“ spielt in gewisser Weise auf den biblischen SĂŒndenfall an, statt eines Feigenblattes wird jedoch die rote BlĂŒte einer Flamingoblume zur Schau gestellt, was großen Spielraum fĂŒr Deutungsfantasien lĂ€sst. Mit Erscheinen von „EP2″ im September 2013 gibt Barnett das Tanzen auf, unterschreibt einen Vertrag bei Young Turks und hĂ€ngt vor ihren bisherigen KĂŒnstlernamen Twigs ein FKA („formerly known as“), da sich ein anderer KĂŒnstler mit demselben Namen angegriffen fĂŒhlt. Die erste offizielle Single ist „Water Me“ samt zugehörigem Video mit einer außerweltlich scheinenden FKA twigs, deren enorm vergrĂ¶ĂŸerte Augen lebende TrĂ€nen weinen und sie selbst von unerwiderter Liebe singt: „He told me I was so small, I told him water me. I promise I can grow tall, when making love is free.“

Angesichts von „EP1″ und „EP2″ erscheint es geradezu zwingend, das DebĂŒtalbum „LP1″ zu nennen. Musikalisch fĂŒhrt die KĂŒnstlerin den experimentellen Sound der beiden EPs fort und hebt diesen auf eine neue Ebene. FKA twigs erfindet den R&B nicht völlig neu, doch sie interpretiert ihn in ihrem ganz eigenen Sinne. Die Songs auf „LP1″ gleichen einem betörenden und betĂ€ubenden Strudel, der nicht von dieser Welt zu stammen scheint. Klangteppich ĂŒber Klangteppich legt FKA twigs die Grundlage fĂŒr Musik, die zeitgleich greifbar und doch flĂŒchtig, nah und fern, luftig und schwer, anmutig und verzweifelt, konfus und geordnet klingt. Und auch die Reihe der innovativen Musikvideos fĂŒhrt sie mit der ersten Single „Two Weeks“ fort. Als nymphomanische Göttin, die mit minimalistischer Gestik und Mimik Anmut und VerfĂŒhrung darzustellen vermag, herrscht sie ĂŒber ihren tanzenden Hofstaat, der wiederum aus den Klonen ihrer selbst besteht. Zudem kommt das Video ohne einen einzigen Schnitt aus: Es gibt nur einen raffinierten Take in Form einer langen, rĂŒckwĂ€rtsgerichteten Kamerafahrt. Entgegen der sinnlichen KlĂ€nge von „Two Weeks“ klingt „Numbers“ wie eine paranoisch-getriebene, (alb)traumhafte Verfolgungsjagd, wĂ€hrend der sich die Interpretin der Erkenntnis stellen muss: „Was I just a number to you?“. Laut eigener Aussage ist „Pendulum“ einer der Lieblingssongs der SĂ€ngerin: Ein warmer Schauer an harmonischen Klavier-, Synthesizer- und GitarrenklĂ€ngen ergießt sich in die Ohren des Hörers. MĂ€chtige Bass-SchlĂ€ge gehen mit der zarten Falsett-Stimme eine euphonische Verbindung ein. Über rĂŒckwĂ€rts abgespielte Stimm-Samples sinniert FKA twigs beim letzten Song „Kicks“ ĂŒber autonome, selbstbestimmte SexualitĂ€t: „When I’m alone, I don’t need you. I love my touch, know just what to do. So I tell myself, it’s cool, to get my kicks like you.“

Avantgardistischer R&B, dem sich auch andere KĂŒnstlerinnen wie Kelela, Banks oder SZA verschreiben, bekommt durch FKA twigs eine neue, beachtenswerte Facette. „LP1″ ist ein ekstatisches Erlebnis, eine musikalische Urgewalt, die entfesselt kein Halten mehr kennt.

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Album der Woche: Portishead – „Dummy“

28.07.2014 von  

Portishead - DummyVÖ: Oktober 1994
Web: portishead.co.uk
Label: Go! Beat

„Who am I, what and why?
Cause all I have left is my memories of yesterday
Oh these sour times

Cause nobody loves me
It’s true
Not like you do.“

Angesichts von Songzeilen wie dieser lĂ€sst sich das DebĂŒtalbum von Portishead durchaus als schwermĂŒtig bezeichnen. Schmerz, Wut, unerwiderte Liebe – mit Themen wie diesen sind schon einige zeitlose Werke entstanden. „Dummy“ von Portishead gehört zweifelsohne dazu.

Alles beginnt 1991 in Bristol. Der Studioassistent Geoff Barrow, der auch schon bei den Aufnahmen zu Massive Attacks’ „Blue Line“ anwesend ist, trifft auf die SĂ€ngerin Beth Gibbons. Zusammen mit dem Gitarristen Adrian Utley starten sie erste Jam-Sessions und veröffentlichen 1993 ein Demo-Tape, welches drei Songs enthĂ€lt. Als Bandnamen wĂ€hlen sie das KĂŒstenstĂ€dtchen Portishead, in dem Barrow aufwuchs. Kurz darauf kommen die Musiker bei Go! Beat Records unter Vertrag und veröffentlichen im Oktober 1994 ihr DebĂŒtalbum.

Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten: Zahlreiche Musikkritiker und Fans sind begeistert von dem dunklen, dumpfen und dĂŒsteren Sound. DafĂŒr wird in vielen Rezensionen erstmals der Genre-Begriff des Trip-Hop eingefĂŒhrt und einer breiteren Masse bekannt. Die Mischung aus HipHop-Elementen, Electronica und Jazz verzaubert eine ganze Generation und katapultiert Portishead bis auf den zweiten Platz der britischen Album-Charts. Die LP scheint wie aus einem Guss, und dennoch besticht jeder einzelne Song durch ein besonderes Detail, sei es nun das Scratching bei „Wandering Star“, die hoffnungsvollen Orgel-Akkorde in „It’s A Fire“ oder die harmonisch-herzzerreißenden Streicher bei „Roads“. Über allem steht die extrem zerbrechliche Stimme von Gibbons, die auch mal rappt, heult, haucht und presst.

Bis zum heutigen Tage sind neben „Dummy“ nur zwei weitere Alben von Portishead veröffentlicht: 1997 kommt der selbstbetitelte Nachfolger zum DebĂŒt in die PlattenlĂ€den, 2008 das dritte Album mit dem puristischen Titel „Third“. Und obwohl auch die spĂ€ter erschienenen Platten musikalische Feinarbeit und unbĂ€ndige KreativitĂ€t offenbaren, zĂ€hlt doch nicht umsonst das DebĂŒtalbum „Dummy“ als Meilenstein der britischen Musikgeschichte und schafft es auf zahlreiche Bestenlisten. Deshalb machen wir das Album rund 20 Jahre nach seinem Erscheinen bei ByteFM zu unserem Album der Woche.

Label: Go! Beat | Kaufen

Album der Woche: The Raveonettes – „Pe‘ahi“

21.07.2014 von  

The Raveonettes - Pe'ahiVÖ: 25. Juli 2014
Web: theraveonettes.com
Label: Beat Dies

„Achtung, Geheim-Release!“ So beginnt der spĂ€rliche Pressetext zum neuen Album der Raveonettes. Und in der Tat sind die Informationen zum siebten Werk des dĂ€nischen Noise-Rock-Duos spĂ€rlich. „Pe’ahi“ soll es heißen, genauso wie ein berĂŒhmt-berĂŒchtigter Surfabschnitt der hawaiianischen Insel Maui. Weißer Sandstrand, Palmen, azurblaue Wellen – klingt ziemlich idyllisch. Genauso wie die Musik von Sune Rose Wagner und Sharin Foo?

TatsĂ€chlich sprĂŒhen die Songs auf „Pe’ahi“ im Vergleich zum letzten Album „Observator“ geradezu vor Energie und unbeschwerten Melodien. Das VorgĂ€ngeralbum entstand nach einer dunklen Lebensphase Wagners, die von Drogenmissbrauch und Depressionen geprĂ€gt war. Dementsprechend niederschlagend und oftmals melancholisch klang die Musik auf dem 2012 erschienenen Werk. Keine Frage, The Raveonettes haben sich auch auf „Pe’ahi“ nicht im Entferntesten dem unbeschwerten Zuckerpop hingegeben. Eine gewisse „nachdenkliche“ Grundstimmung muss man als Hörer wohl auch einnehmen, wenn das Albumcover ein Klappmesser auf grĂŒnem Grund zeigt. Der Opener „Endless Sleeper“ steigt direkt mit einem ansteckenden Rhythmus und verzerrten Gitarren ein und setzt so ein erstes Zeichen, welche Richtung die Skandinavier fĂŒr die nĂ€chsten 36 Minuten einschlagen werden. Der charakteristische, zweistimmige Gesang ist ebenso vorhanden wie die Abwechslung von ruhigen, melodiösen Parts und ĂŒbersteuerten GitarrenstĂŒrmen. „Sisters“ lĂ€sst sich am besten in drei Worten beschreiben: Noise, Harfen und noch mehr Noise. Zugegeben eine ungewohnte Konstruktion, die im Endeffekt den Song jedoch zu einem der besten des gesamten Albums macht. Vertraut-vertrĂ€umt beginnt das wundervolle „Z-Boys“, welches nach einem rauschenden Intermezzo einen Tonart- und Tempowechsel vollzieht und so mit einer Art instrumentalen Zugabe ein Ende findet. „Wake Me Up“ erschafft sich seine ganze eigene, filmisch-pittoreske AtmosphĂ€re mit Klavier, Streichern und Glockenspiel. Deutlich experimenteller und vor allem elektronischer wird es gegen Ende der LP: „Kill!“ spielt mit einem harten Beat und kratzigem Synth-Bass. Fast ohne rhythmische Begleitung, dafĂŒr mit einer nicht minder rauschenden Synthie-Mauer und zweistimmigem Gesang gibt sich „When Night Is Almost Done“. Post-Punk, Post-Grunge, vielleicht sogar Post-Raveonettes: „Pe’ahi“ zeigt eine neue, experimentellere Facette der beiden DĂ€nen und wird trotz Geheim-Release sicherlich nicht lang unentdeckt bleiben.

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Auf der offiziellen Website gibt es den Track „Sisters“ gratis zum Download.

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Album der Woche: Jungle – „Jungle“

14.07.2014 von  

Jungle - JungleVÖ: 11. Juli 2014
Web: junglejunglejungle.com
Label: XL

Wenn man die bisher von Jungle veröffentlichten Musikvideos betrachtet, fallen zwei Dinge ganz besonders auf: Zum einen ist da die offensichtliche Vorliebe fĂŒr eine bekannte Sportartikelmarke. Zum anderen wird getanzt. Und wie! Ekstatisch. Lebensfroh. Hemmungslos. Noch nie wurde auf Rollschuhen so beeindruckend zu einem Song getanzt wie im Video zu „The Heat“. Noch nie hat eine sechsjĂ€hrige Breakdancerin so ĂŒberzeugend Head Spins, Windmills und dergleichen abgeliefert wie bei „Platoon“. Noch nie war der Wunsch grĂ¶ĂŸer, den Bildschirm zu durchbrechen, um mit zwei Ă€lteren Herren das Tanzbein zu schwingen – so wie im Musikvideo zur aktuellen Single „Time“. Kurzum: Die Musikvideos von Jungle machen einfach Spaß. Doch dies ist nur ein Aspekt, warum Jungle als eine der interessantesten Newcomer-Konstellationen gilt.

Beim Erscheinen der ersten Songs Ende 2013 hĂŒllen sich die Musiker und das Label in Schweigen bezĂŒglich Hintergrundinfos. Eine siebenköpfige Live-Besetzung sowie zahlreiche TĂ€nzer vervollstĂ€ndigen die Verwirrung und lassen offen, ob Jungle nun ein Duo, Trio, Quartett oder etwas ganz anderes ist. Mit der Zeit kommen spĂ€rliche Infos ans Tageslicht, etwa dass es sich tatsĂ€chlich um ein Duo handelt und dieses aus Josh Lloyd-Watson und Tom McFarland besteht. Die beiden sind bereits seit dem zehnten Lebensjahr beste Freunde. Nicht die schlechteste Ausgangsituation, um zusammen Musik zu machen. Gemeinsam kommen sie beim renommierten Label XL Recordings unter Vertrag und starten mit den Aufnahmen zu ihrem DebĂŒtalbum. Zur einen HĂ€lfte entsteht dieses im heimischen Studio, zur anderen HĂ€lfte im Londoner XL Studio.

Das Resultat ist erschreckend ĂŒberzeugend. Was da aus dem Kopfhörer dringt, klingt nicht wie eine Band, die noch in den Startlöchern sitzt und versucht, einen eigenen Sound zu finden. Jungle ist bereits mit dem DebĂŒtalbum unverwechselbar. Wie Anfangs erwĂ€hnt, gibt es (bisher) kein Musikvideo, in welchem die Beine stillstehen. Das Herz in der Musik von Jungle ist der Rhythmus – und die Seele der Groove. Die stets tanzbare Mischung aus HipHop, Rock, Elektro, Soul, Reggae, Disko, Funk und Soul mit 70er-Jahre-Reminiszenz ist trotz dieser Vielfalt nie ĂŒberladen oder gekĂŒnstelt. Josh und Tom sind stets gleichberechtigte Gesangspartner und geben den Songs mit ihren Falsett-Stimmen eine regelrechte Glanzpolitur. FĂŒr eine Überraschung sorgt der letzte Song der Platte mit dem malerischen Titel „Lemonade Lake“. Dieser beinhaltet einen Hidden Track, der eine gĂ€nzlich unerwartete Facette zeigt: Über schleppenden, tremolierenden OrgelklĂ€ngen und E-Gitarren-Gezupfe jault eine verzerrte Stimme. Ganz ohne Beat und im Vergleich zu den restlichen Songs auf dem Album keineswegs tanzbar. Doch gerade hier zeigt sich eine willkommene Abwechslung, und man darf gespannt sein, ob das Duo fĂŒr den Nachfolger mehr dieser ruhigen Passagen einbaut. FĂŒr Tom und Josh zĂ€hlt im Moment wohl aber erst mal der Genuss und Stolz, eines der besten DebĂŒtalben diesen Jahres zu veröffentlichen: „Jungle brought us closer together. It made us realize why we’re best friends, and why we wanted to make music that’s fun and honest and true to itself.“

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Jungle – Platoon from Jungle on Vimeo.

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Album der Woche: Fink – „Hard Believer“

07.07.2014 von  

Fink - Hard BelieverVÖ: 11. Juli 2014
Web: finkworld.co.uk
Label: R‘COUP‘D / Ninja Tune

Es gibt wohl wenig KĂŒnstler, die eine Ă€hnlich bedeutende 180°-Wendung hingelegt haben: Grob zwanzig Jahre sind vergangen, seit Fin Greenall sein erstes Musikprojekt startete. Sein Herz schlĂ€gt damals noch ausschließlich fĂŒr britische elektronische Musik. Als DJ und Produzent wird er Mitte der 90er-Jahre zu einem der angesagtesten Acts der Insel. 2006 dann der Wandel: Das Album „Biscuits For Breakfast“ erscheint, und Fink ist nicht mehr nur Fink allein, sondern ein Trio: Zusammen mit seinen langjĂ€hrigen Freunden Tim Thornton und Guy Whittaker nimmt Fin Greenall das Album auf, welches erstmalig eine erdige Singer-Songwriter-Seite zum Ausdruck bringt. Nicht nur, dass Fink damit der erste Singer-Songwriter ist, der beim traditionsreichen, elektronisch orientierten Label Ninja Tune unter Vertrag ist – auch der Eintausch von Plattenspieler gegen Akustikgitarre macht Greenall zu einem beeindruckend Beispiel, wie lebendig die Musikszene ist und wie sehr sich die Durchbrechung musikalischer Grenzen und Erwartungen auszahlt: Von Kritikern gelobt, von den Fans damals vereinzelt kritisch betrachtet, arbeitet sich Fink ĂŒber die Jahre zu einem Indie-Blues-Act, der viele neue Fans begeistert, darunter zahlreiche Musikerkollegen: So kollaboriert er mit Amy Winehouse, John Legend und Bonobo.

Das neueste Album „Hard Believer“ ist in vielerlei Hinsicht eine AnknĂŒpfung an das 2011 erschienene „Perfect Darkness“. Beide entstanden zusammen mit dem populĂ€ren Produzenten Billy Bush und enthalten jeweils zehn Songs. Der VorgĂ€nger wurde in 20 Tagen entwickelt und aufgenommen, „Hard Believer“ sogar nur in 17. Die Musiker setzen sich bewusst einen straffen zeitlichen Rahmen aus Angst vor Überproduktion und zu vielen Ideen, welche die AuthentizitĂ€t des Werks zerstören könnten. Die zehn Songs der aktuellen LP klingen folglich sehr rau, intuitiv und ehrlich. Fink geben den Songs genĂŒgend Raum und Zeit zum Atmen und Entfalten. Lange Intros und Outros sind die Folge, die aus „Hard Believer“ ein fast meditatives Werk machen. Der Titeltrack klingt da mit seinem stampfenden Beat und den repetitiven Gesangs- und Gitarrenparts gar wie eine Beschwörung, mit der Fin Greenall das Objekt seiner Begierde fĂŒr sich gewinnen will: „We were made for each other, won’t you believe me now?“ Verschwommene konzentrische Kreise auf dem Albumcover sowie in den beiden bisher veröffentlichten Musikvideos unterstreichen die teils hypnotische Wirkung dieser Musik.

Nachdenkliche Lyrics fĂŒhren nicht zwangslĂ€ufig zu melancholischer Musik, im Falle von „Hard Believer“ ĂŒberwiegt aber doch die Kombination aus beidem, wie auch bei „Looking Too Closely“: „You don’t wanna hurt yourself, by looking too closely“ singt Greenall und ĂŒbt damit Kritik an der Gesellschaft und dem Individuum, die Welt nicht so zu sehen, wie sie ist. Stattdessen erkennt man eigene Fehler nicht an und versteckt sich vor der Wahrheit. Die Musik transportiert die nötige Emotion in Form von klugen Gitarrenriffs und traurig-schön klingenden Pianoakkord-Folgen. Der Song beginnt, wie auch der Großteil der restlichen StĂŒcke, ruhig und verhalten, bevor er sich zu einer Welle von heftigen Gitarrenmauern und treibenden Drums zusammenbraut, um dann schlussendlich in sich zusammenfallend den Hörer vom gerade erlebten Alternative-Blues-Rock-Sturm ĂŒberrascht zurĂŒckzulassen. Mit genĂŒgend Aufopferung, Talent und Hingabe entstehen große Alben, und mit „Hard Believer“ zeigt Fin Greenall ein weiteres Mal, dass seine Entscheidung genau richtig war.

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Album der Woche: The Acid – „Liminal“

30.06.2014 von  

The Acid - LiminalVÖ: 4. Juli 2014
Web: wearetheacid.com
Label: Infectious Music

Als im vergangenen Jahr ganz unscheinbar eine EP von einer Band namens The Acid auftaucht, ahnt noch niemand, wer hinter den vier atmosphĂ€rischen Song-Schöpfungen steckt. Trotzdem verbreitet sich die EP in rasanter Geschwindigkeit und die Frage nach den Urhebern scheint unentbehrlich. Wer verbirgt sich hinter The Acid? Es taucht ein Pressefoto auf, welches augenscheinlich drei Personen zeigt, die Gesichter liegen im Schatten von mĂŒllsackĂ€hnlichen Kopfbedeckungen. Das RĂ€tselraten geht zwangslĂ€ufig in eine zweite Runde. Erst Anfang 2014 dann die Er- bzw. Auflösung: Das Trio besteht zum einen aus dem australischen Singer-Songwriter RY X mit seiner unverwechselbaren Stimme, der schon mit seiner „Berlin“-EP einige Ohren verzĂŒckt haben dĂŒrfte. Zum anderen sind da die Produzenten Steve Nalepa aus Los Angeles und Adam Freeland aus Großbritannien.

In nur neun Tagen erschaffen die drei Musiker das DebĂŒtalbum, den Opener „Animal“ gar in unglaublichen 24 Stunden. „It’s like painting before you know what you are painting. You’re stuck in the process before you’ve got an idea of what you’re making. The beauty of that is complete freedom.“ So beschreibt RY X den Aufnahmeprozess. Dass auf „Liminal“ drei regelrechte TonkĂŒnstler zusammenarbeiten, hat erhebliche Auswirkungen: Der Begriff des Genres scheint bei The Acid abgeschafft, es gibt keine Grenzen, keine Limits. Vibrierend-wimmernde Synthesizer; Soundsamples von StraßengerĂ€uschen, Vögeln, Heuschrecken, FahrrĂ€dern und stöhnenden Frauen; verzerrte Bassdröhnungen und die ĂŒber allem segelnde Stimme von RY X – all dies macht „Liminal“ zu einem unvergleichlichen, neuartigen Meilenstein. Die pulsierenden Soundschichten scheinen ein Eigenleben zu entwickeln und sich ĂŒber jegliche Konventionen und Erwartungen hinwegzusetzen. Es gibt wenig Alben, die zugleich Herz, Ohren und Verstand fesseln. Doch wenn man das GlĂŒck hat eines zu entdecken, gibt es kein Entkommen.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „The Acid“ und seiner/ihrer vollstĂ€ndigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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