Album der Woche: Portishead – „Dummy“

28.07.2014 von  

Portishead - DummyVĂ–: Oktober 1994
Web: portishead.co.uk
Label: Go! Beat

„Who am I, what and why?
Cause all I have left is my memories of yesterday
Oh these sour times

Cause nobody loves me
It’s true
Not like you do.“

Angesichts von Songzeilen wie dieser lässt sich das DebĂĽtalbum von Portishead durchaus als schwermĂĽtig bezeichnen. Schmerz, Wut, unerwiderte Liebe – mit Themen wie diesen sind schon einige zeitlose Werke entstanden. „Dummy“ von Portishead gehört zweifelsohne dazu.

Alles beginnt 1991 in Bristol. Der Studioassistent Geoff Barrow, der auch schon bei den Aufnahmen zu Massive Attacks’ „Blue Line“ anwesend ist, trifft auf die Sängerin Beth Gibbons. Zusammen mit dem Gitarristen Adrian Utley starten sie erste Jam-Sessions und veröffentlichen 1993 ein Demo-Tape, welches drei Songs enthält. Als Bandnamen wählen sie das KĂĽstenstädtchen Portishead, in dem Barrow aufwuchs. Kurz darauf kommen die Musiker bei Go! Beat Records unter Vertrag und veröffentlichen im Oktober 1994 ihr DebĂĽtalbum.

Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten: Zahlreiche Musikkritiker und Fans sind begeistert von dem dunklen, dumpfen und dĂĽsteren Sound. DafĂĽr wird in vielen Rezensionen erstmals der Genre-Begriff des Trip-Hop eingefĂĽhrt und einer breiteren Masse bekannt. Die Mischung aus HipHop-Elementen, Electronica und Jazz verzaubert eine ganze Generation und katapultiert Portishead bis auf den zweiten Platz der britischen Album-Charts. Die LP scheint wie aus einem Guss, und dennoch besticht jeder einzelne Song durch ein besonderes Detail, sei es nun das Scratching bei „Wandering Star“, die hoffnungsvollen Orgel-Akkorde in „It’s A Fire“ oder die harmonisch-herzzerreiĂźenden Streicher bei „Roads“. Ăśber allem steht die extrem zerbrechliche Stimme von Gibbons, die auch mal rappt, heult, haucht und presst.

Bis zum heutigen Tage sind neben „Dummy“ nur zwei weitere Alben von Portishead veröffentlicht: 1997 kommt der selbstbetitelte Nachfolger zum DebĂĽt in die Plattenläden, 2008 das dritte Album mit dem puristischen Titel „Third“. Und obwohl auch die später erschienenen Platten musikalische Feinarbeit und unbändige Kreativität offenbaren, zählt doch nicht umsonst das DebĂĽtalbum „Dummy“ als Meilenstein der britischen Musikgeschichte und schafft es auf zahlreiche Bestenlisten. Deshalb machen wir das Album rund 20 Jahre nach seinem Erscheinen bei ByteFM zu unserem Album der Woche.

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Album der Woche: The Raveonettes – „Pe‘ahi“

21.07.2014 von  

The Raveonettes - Pe'ahiVĂ–: 25. Juli 2014
Web: theraveonettes.com
Label: Beat Dies

„Achtung, Geheim-Release!“ So beginnt der spärliche Pressetext zum neuen Album der Raveonettes. Und in der Tat sind die Informationen zum siebten Werk des dänischen Noise-Rock-Duos spärlich. „Pe’ahi“ soll es heiĂźen, genauso wie ein berĂĽhmt-berĂĽchtigter Surfabschnitt der hawaiianischen Insel Maui. WeiĂźer Sandstrand, Palmen, azurblaue Wellen – klingt ziemlich idyllisch. Genauso wie die Musik von Sune Rose Wagner und Sharin Foo?

Tatsächlich sprĂĽhen die Songs auf „Pe’ahi“ im Vergleich zum letzten Album „Observator“ geradezu vor Energie und unbeschwerten Melodien. Das Vorgängeralbum entstand nach einer dunklen Lebensphase Wagners, die von Drogenmissbrauch und Depressionen geprägt war. Dementsprechend niederschlagend und oftmals melancholisch klang die Musik auf dem 2012 erschienenen Werk. Keine Frage, The Raveonettes haben sich auch auf „Pe’ahi“ nicht im Entferntesten dem unbeschwerten Zuckerpop hingegeben. Eine gewisse „nachdenkliche“ Grundstimmung muss man als Hörer wohl auch einnehmen, wenn das Albumcover ein Klappmesser auf grĂĽnem Grund zeigt. Der Opener „Endless Sleeper“ steigt direkt mit einem ansteckenden Rhythmus und verzerrten Gitarren ein und setzt so ein erstes Zeichen, welche Richtung die Skandinavier fĂĽr die nächsten 36 Minuten einschlagen werden. Der charakteristische, zweistimmige Gesang ist ebenso vorhanden wie die Abwechslung von ruhigen, melodiösen Parts und ĂĽbersteuerten GitarrenstĂĽrmen. „Sisters“ lässt sich am besten in drei Worten beschreiben: Noise, Harfen und noch mehr Noise. Zugegeben eine ungewohnte Konstruktion, die im Endeffekt den Song jedoch zu einem der besten des gesamten Albums macht. Vertraut-verträumt beginnt das wundervolle „Z-Boys“, welches nach einem rauschenden Intermezzo einen Tonart- und Tempowechsel vollzieht und so mit einer Art instrumentalen Zugabe ein Ende findet. „Wake Me Up“ erschafft sich seine ganze eigene, filmisch-pittoreske Atmosphäre mit Klavier, Streichern und Glockenspiel. Deutlich experimenteller und vor allem elektronischer wird es gegen Ende der LP: „Kill!“ spielt mit einem harten Beat und kratzigem Synth-Bass. Fast ohne rhythmische Begleitung, dafĂĽr mit einer nicht minder rauschenden Synthie-Mauer und zweistimmigem Gesang gibt sich „When Night Is Almost Done“. Post-Punk, Post-Grunge, vielleicht sogar Post-Raveonettes: „Pe’ahi“ zeigt eine neue, experimentellere Facette der beiden Dänen und wird trotz Geheim-Release sicherlich nicht lang unentdeckt bleiben.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „The Raveonettes“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Auf der offiziellen Website gibt es den Track „Sisters“ gratis zum Download.

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Album der Woche: Jungle – „Jungle“

14.07.2014 von  

Jungle - JungleVĂ–: 11. Juli 2014
Web: junglejunglejungle.com
Label: XL

Wenn man die bisher von Jungle veröffentlichten Musikvideos betrachtet, fallen zwei Dinge ganz besonders auf: Zum einen ist da die offensichtliche Vorliebe fĂĽr eine bekannte Sportartikelmarke. Zum anderen wird getanzt. Und wie! Ekstatisch. Lebensfroh. Hemmungslos. Noch nie wurde auf Rollschuhen so beeindruckend zu einem Song getanzt wie im Video zu „The Heat“. Noch nie hat eine sechsjährige Breakdancerin so ĂĽberzeugend Head Spins, Windmills und dergleichen abgeliefert wie bei „Platoon“. Noch nie war der Wunsch größer, den Bildschirm zu durchbrechen, um mit zwei älteren Herren das Tanzbein zu schwingen – so wie im Musikvideo zur aktuellen Single „Time“. Kurzum: Die Musikvideos von Jungle machen einfach SpaĂź. Doch dies ist nur ein Aspekt, warum Jungle als eine der interessantesten Newcomer-Konstellationen gilt.

Beim Erscheinen der ersten Songs Ende 2013 hüllen sich die Musiker und das Label in Schweigen bezüglich Hintergrundinfos. Eine siebenköpfige Live-Besetzung sowie zahlreiche Tänzer vervollständigen die Verwirrung und lassen offen, ob Jungle nun ein Duo, Trio, Quartett oder etwas ganz anderes ist. Mit der Zeit kommen spärliche Infos ans Tageslicht, etwa dass es sich tatsächlich um ein Duo handelt und dieses aus Josh Lloyd-Watson und Tom McFarland besteht. Die beiden sind bereits seit dem zehnten Lebensjahr beste Freunde. Nicht die schlechteste Ausgangsituation, um zusammen Musik zu machen. Gemeinsam kommen sie beim renommierten Label XL Recordings unter Vertrag und starten mit den Aufnahmen zu ihrem Debütalbum. Zur einen Hälfte entsteht dieses im heimischen Studio, zur anderen Hälfte im Londoner XL Studio.

Das Resultat ist erschreckend ĂĽberzeugend. Was da aus dem Kopfhörer dringt, klingt nicht wie eine Band, die noch in den Startlöchern sitzt und versucht, einen eigenen Sound zu finden. Jungle ist bereits mit dem DebĂĽtalbum unverwechselbar. Wie Anfangs erwähnt, gibt es (bisher) kein Musikvideo, in welchem die Beine stillstehen. Das Herz in der Musik von Jungle ist der Rhythmus – und die Seele der Groove. Die stets tanzbare Mischung aus HipHop, Rock, Elektro, Soul, Reggae, Disko, Funk und Soul mit 70er-Jahre-Reminiszenz ist trotz dieser Vielfalt nie ĂĽberladen oder gekĂĽnstelt. Josh und Tom sind stets gleichberechtigte Gesangspartner und geben den Songs mit ihren Falsett-Stimmen eine regelrechte Glanzpolitur. FĂĽr eine Ăśberraschung sorgt der letzte Song der Platte mit dem malerischen Titel „Lemonade Lake“. Dieser beinhaltet einen Hidden Track, der eine gänzlich unerwartete Facette zeigt: Ăśber schleppenden, tremolierenden Orgelklängen und E-Gitarren-Gezupfe jault eine verzerrte Stimme. Ganz ohne Beat und im Vergleich zu den restlichen Songs auf dem Album keineswegs tanzbar. Doch gerade hier zeigt sich eine willkommene Abwechslung, und man darf gespannt sein, ob das Duo fĂĽr den Nachfolger mehr dieser ruhigen Passagen einbaut. FĂĽr Tom und Josh zählt im Moment wohl aber erst mal der Genuss und Stolz, eines der besten DebĂĽtalben diesen Jahres zu veröffentlichen: „Jungle brought us closer together. It made us realize why we’re best friends, and why we wanted to make music that’s fun and honest and true to itself.“

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Jungle“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Jungle – Platoon from Jungle on Vimeo.

Label: XL | Kaufen

Album der Woche: Fink – „Hard Believer“

07.07.2014 von  

Fink - Hard BelieverVĂ–: 11. Juli 2014
Web: finkworld.co.uk
Label: R‘COUP‘D / Ninja Tune

Es gibt wohl wenig Künstler, die eine ähnlich bedeutende 180°-Wendung hingelegt haben: Grob zwanzig Jahre sind vergangen, seit Fin Greenall sein erstes Musikprojekt startete. Sein Herz schlägt damals noch ausschließlich für britische elektronische Musik. Als DJ und Produzent wird er Mitte der 90er-Jahre zu einem der angesagtesten Acts der Insel. 2006 dann der Wandel: Das Album „Biscuits For Breakfast“ erscheint, und Fink ist nicht mehr nur Fink allein, sondern ein Trio: Zusammen mit seinen langjährigen Freunden Tim Thornton und Guy Whittaker nimmt Fin Greenall das Album auf, welches erstmalig eine erdige Singer-Songwriter-Seite zum Ausdruck bringt. Nicht nur, dass Fink damit der erste Singer-Songwriter ist, der beim traditionsreichen, elektronisch orientierten Label Ninja Tune unter Vertrag ist – auch der Eintausch von Plattenspieler gegen Akustikgitarre macht Greenall zu einem beeindruckend Beispiel, wie lebendig die Musikszene ist und wie sehr sich die Durchbrechung musikalischer Grenzen und Erwartungen auszahlt: Von Kritikern gelobt, von den Fans damals vereinzelt kritisch betrachtet, arbeitet sich Fink über die Jahre zu einem Indie-Blues-Act, der viele neue Fans begeistert, darunter zahlreiche Musikerkollegen: So kollaboriert er mit Amy Winehouse, John Legend und Bonobo.

Das neueste Album „Hard Believer“ ist in vielerlei Hinsicht eine Anknüpfung an das 2011 erschienene „Perfect Darkness“. Beide entstanden zusammen mit dem populären Produzenten Billy Bush und enthalten jeweils zehn Songs. Der Vorgänger wurde in 20 Tagen entwickelt und aufgenommen, „Hard Believer“ sogar nur in 17. Die Musiker setzen sich bewusst einen straffen zeitlichen Rahmen aus Angst vor Überproduktion und zu vielen Ideen, welche die Authentizität des Werks zerstören könnten. Die zehn Songs der aktuellen LP klingen folglich sehr rau, intuitiv und ehrlich. Fink geben den Songs genügend Raum und Zeit zum Atmen und Entfalten. Lange Intros und Outros sind die Folge, die aus „Hard Believer“ ein fast meditatives Werk machen. Der Titeltrack klingt da mit seinem stampfenden Beat und den repetitiven Gesangs- und Gitarrenparts gar wie eine Beschwörung, mit der Fin Greenall das Objekt seiner Begierde für sich gewinnen will: „We were made for each other, won’t you believe me now?“ Verschwommene konzentrische Kreise auf dem Albumcover sowie in den beiden bisher veröffentlichten Musikvideos unterstreichen die teils hypnotische Wirkung dieser Musik.

Nachdenkliche Lyrics führen nicht zwangsläufig zu melancholischer Musik, im Falle von „Hard Believer“ überwiegt aber doch die Kombination aus beidem, wie auch bei „Looking Too Closely“: „You don’t wanna hurt yourself, by looking too closely“ singt Greenall und übt damit Kritik an der Gesellschaft und dem Individuum, die Welt nicht so zu sehen, wie sie ist. Stattdessen erkennt man eigene Fehler nicht an und versteckt sich vor der Wahrheit. Die Musik transportiert die nötige Emotion in Form von klugen Gitarrenriffs und traurig-schön klingenden Pianoakkord-Folgen. Der Song beginnt, wie auch der Großteil der restlichen Stücke, ruhig und verhalten, bevor er sich zu einer Welle von heftigen Gitarrenmauern und treibenden Drums zusammenbraut, um dann schlussendlich in sich zusammenfallend den Hörer vom gerade erlebten Alternative-Blues-Rock-Sturm überrascht zurückzulassen. Mit genügend Aufopferung, Talent und Hingabe entstehen große Alben, und mit „Hard Believer“ zeigt Fin Greenall ein weiteres Mal, dass seine Entscheidung genau richtig war.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Fink“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Album der Woche: The Acid – „Liminal“

30.06.2014 von  

The Acid - LiminalVĂ–: 4. Juli 2014
Web: wearetheacid.com
Label: Infectious Music

Als im vergangenen Jahr ganz unscheinbar eine EP von einer Band namens The Acid auftaucht, ahnt noch niemand, wer hinter den vier atmosphärischen Song-Schöpfungen steckt. Trotzdem verbreitet sich die EP in rasanter Geschwindigkeit und die Frage nach den Urhebern scheint unentbehrlich. Wer verbirgt sich hinter The Acid? Es taucht ein Pressefoto auf, welches augenscheinlich drei Personen zeigt, die Gesichter liegen im Schatten von mĂĽllsackähnlichen Kopfbedeckungen. Das Rätselraten geht zwangsläufig in eine zweite Runde. Erst Anfang 2014 dann die Er- bzw. Auflösung: Das Trio besteht zum einen aus dem australischen Singer-Songwriter RY X mit seiner unverwechselbaren Stimme, der schon mit seiner „Berlin“-EP einige Ohren verzĂĽckt haben dĂĽrfte. Zum anderen sind da die Produzenten Steve Nalepa aus Los Angeles und Adam Freeland aus GroĂźbritannien.

In nur neun Tagen erschaffen die drei Musiker das DebĂĽtalbum, den Opener „Animal“ gar in unglaublichen 24 Stunden. „It’s like painting before you know what you are painting. You’re stuck in the process before you’ve got an idea of what you’re making. The beauty of that is complete freedom.“ So beschreibt RY X den Aufnahmeprozess. Dass auf „Liminal“ drei regelrechte TonkĂĽnstler zusammenarbeiten, hat erhebliche Auswirkungen: Der Begriff des Genres scheint bei The Acid abgeschafft, es gibt keine Grenzen, keine Limits. Vibrierend-wimmernde Synthesizer; Soundsamples von StraĂźengeräuschen, Vögeln, Heuschrecken, Fahrrädern und stöhnenden Frauen; verzerrte Bassdröhnungen und die ĂĽber allem segelnde Stimme von RY X – all dies macht „Liminal“ zu einem unvergleichlichen, neuartigen Meilenstein. Die pulsierenden Soundschichten scheinen ein Eigenleben zu entwickeln und sich ĂĽber jegliche Konventionen und Erwartungen hinwegzusetzen. Es gibt wenig Alben, die zugleich Herz, Ohren und Verstand fesseln. Doch wenn man das GlĂĽck hat eines zu entdecken, gibt es kein Entkommen.

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Album der Woche: The National Jazz Trio Of Scotland – „Standards Vol. III“

23.06.2014 von  

The National Jazz Trio Of Scotland - Standards Vol. IIIVĂ–: 27. Juni 2014
Web: TNJTOS bei Facebook
Label: Karaoke Kalk

Um eventueller Verwirrung vorzubeugen: The National Jazz Trio Of Scotland ist weder ein Trio noch besonders dem Jazz verpflichtet. Doch diese „Enttäuschung“ hält sich in Grenzen angesichts „Standards Vol. III“, dem dritten Album der schottischen Truppe, das Ende Juni erscheint.

Seit drei Jahrzehnten mischt der Multiinstrumentalist Bill Wells die schottische Musikszene gehörig auf und spielt in den unterschiedlichsten Formationen. 2007 grĂĽndet er The National Jazz Trio Of Scotland, ein Projekt, womit Wells etwas sehr persönliches realisiert: „And for me these National Jazz Trio Of Scotland records are probably the closest I’ve got to doing something as I intended.“ 2012 gab es eine wahrlich stimmungsvolle Bescherung: Nicht viele Bands erwählen als Erstveröffentlichung ein Weihnachtsalbum. Und tatsächlich ist der Start von The National Jazz Trio Of Scotland schon zu Beginn weit von traditionellem Jazz entfernt. Es sind die Stimmen von Aby Vulliamy, Kate Sugden und Lorna Gilfedder, die dem DebĂĽt den nötigen, schwerelos-harmonischen Anstrich geben. „Standards Vol. II“ erscheint im Jahr darauf, der erste Teil der Reihe ist und bleibt wohl unveröffentlicht.

Der GroĂźteil der Songs auf „Standards Vol. III“ wird von Wells in seinem eigenen Apartment in Glasgow geschrieben, aufgenommen und produziert. Dabei bleibt er wie der Titel vermuten lässt seinem eingeschlagenen Weg treu: Der Kreativkopf legt den Fokus auf weiche Melodien und die Stimmen der drei Sängerinnen. Rhythmische Begleitung spielt eine untergeordnete Rolle. Dies wird beim chorischen Cover „With Me Tonight“ von den Beach Boys besonders deutlich. „Unguarded Moment“ beginnt mit einer tapsigen, filmmusikartigen ersten Hälfte, bevor der 6/8-Takt dem Song eine unerwartete Wendung bringt. Den Abschluss des Albums bildet das sechsminĂĽtige „Trying To Escape You“, welches sich gekonnt durch Tonartwechsel schlängelt und wohl das Paradebeispiel fĂĽr Wells’ Wunsch nach „light and airy“ Songs ist. Dies ist ihm gelungen, in jeglicher Hinsicht. „Standards Vol. III“ lebt von der puristischen Instrumentation und dem sanften, mehrstimmigen Gesang. Die Messlatte fĂĽr „Standards Vol. IV“ liegt hoch …

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Album der Woche: DJ Vadim – „Dubcatcher“

16.06.2014 von  

DJ Vadim - DubcatcherVĂ–: 13. Juni 2014
Web: djvadim.com
Label: BBE

„Get summer started right and for those in the southern hempisphere, warm the coccles of ya heart up!“

Mit dieser Aufforderung kĂĽndigt DJ Vadim auf Facebook das Erscheinen seines neuen Albums „Dubcatcher“ an. Dass sich in diesem einen Satz gleich zwei Rechtschreibfehler finden, macht zwei Aspekte besonders deutlich: DJ Vadim ist kein Meister groĂźer Worte und lässt stattdessen lieber die Musik fĂĽr sich sprechen. Zum anderen ist der Musiker, Produzent und DJ wohl einer der am härtesten arbeitenden Menschen im Musikgeschäft und hetzt von einem Projekt ins nächste. Zeit ist rar im Universum von Vadim Peare. Und das nun schon seit 20 Jahren. Schätzungsweise absolvierte DJ Vadim in dieser Zeit rund 2500 Auftritte in mehr als 68 Ländern.

Diese Rastlosigkeit und der Drang zum Reisen wird DJ Vadim in die Wiege gelegt. Geboren ist er im damaligen Leningrad, aufgewachsen in London und inzwischen wohnhaft in Berlin und dem Schmelztiegel New York City. „Well travelling opens your mind to possibilities and ideas. I think everyone should have to travel. In fact I think the world would be a better place if we did, because then we could all have a better understanding of our own life and our own society“, so DJ Vadim in einem Interview mit dem Online-Magazin Vibe Rated. Durch sein unermĂĽdliches Reisen trifft er auf kreative Kollegen und arbeitet in der Folge mit KĂĽnstlern wie Stevie Wonder, Prince, The Roots und Kraftwerk. Analog zur Bandbreite der verschiedenen Kulturen und Persönlichkeiten, mit denen Vadim in Kontakt kommt, ist die Vielfalt an unterschiedlichen Genres in seiner Musik: HipHop, TripHop, Soul, Dub, Jungle, Electronica und Reggae – der vielseitige „Daddy Vad“ kennt offensichtlich keine musikalischen Schranken. Umso bemerkenswerter die Tatsache, dass er sich auf „Dubcatcher“ hauptsächlich dem Dancehall-Reggae hingibt. Im Vergleich zu seinem letzten Album „Don’t Be Scared“ von 2012 ist „Dubcatcher“ weniger Mischmasch und Experiment, dafĂĽr mehr Lebensfreude und der vielleicht stimmungsvollste Soundtrack fĂĽr diesen Sommer.

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Album der Woche: Jack White – „Lazaretto“

09.06.2014 von  

Jack White - LazarettoVĂ–: 6. Juni 2014
Web: jackwhiteiii.com
Label: XL Recordings

1975: Als John Anthony Gillis in Detroit das Licht der Welt erblickt, ahnen wohl weder seine streng katholischen Eltern, noch eines seiner neun Geschwister, dass der kleine Junge eines Tages als einer der kreativsten und wichtigsten amerikanischen Musiker gelten wird. 2014: Inzwischen kann der 38-Jährige ein eigenes Label sowie zahlreich gewonnene Grammys und diverse Bestenlistenplätze in namhaften Musikmagazinen vorweisen. Darüber hinaus komponiert er zusammen mit Alicia Keys das erste Duett für einen James Bond Streifen in der Geschichte der populären Filmreihe. Ohne Frage, John Anthony Gillis hat erreicht, wovon abertausend angehende Musiker nur träumen. Doch auch er erarbeitet sich den Erfolg in kleinen Schritten. 1997 lernt er Meg White kennen, nimmt ihren Namen an und gründet die Zwei-Personen-Band „The White Stripes“. In ihrem 14-jährigen Bestehen avancieren die beiden Musiker zu einer Garage-Rock-Kultband. Der Dauerbrenner „Seven Nation Army“ aus dem Jahr 2003 markiert zweifelsohne den endgültigen Aufstieg Jack Whites zur Legende. Noch während seiner Zeit als Mitglied von „The White Stripes“ initiiert White die Gründung zwei weiterer Bands: „The Raconteurs“ kommen erstmals 2005 zusammen und „The Dead Weather“ im Jahr 2009. Erst 2012 erscheint das erste Soloalbum „Blunderbuss“, welches überragende Kritiken erhält und an die Spitze der Charts in den USA und Großbritannien klettert.

Nun veröffentlicht Jack White den Nachfolger zu seinem gefeierten SolodebĂĽt. Dieser trägt den elegant-klingenden Titel „Lazaretto“ und ist streng genommen eine Kollaboration zwischen Jack White und seinem 19-jährigen Alter Ego. Auslöser dazu waren alte Gedichte und Aufzeichnungen, die White zufällig wiederentdeckt. In einem Interview sagt er dazu: „That’s how I‘ll do these vocals on these songs: I‘m going to collaborate with a 19-year-old version of me, which is half my age. I have experience now. What would I be telling myself how to do?”. Gitarren, Honky-Tonk-Piano, Rock-Orgel und Fiddle bilden die dominierenden Instrumente der elf Songs auf Lazaretto. Es ist eine Regression zu unbeschwerter Country-Musik und gleichzeitig wehmĂĽtig-wimmernden Bluesrock vergangener Tage. Obwohl Jack White kein Blatt vor den Mund nimmt und jĂĽngst Musikerkollegen wie „The Black Keys“ oder Meg White diskreditiert, bleibt sein musikalisches Vermächtnis unbestreitbar. Mit „Lazaretto“ katapultiert White sein KĂĽnstlertum auf eine neue, exorbitante Stufe.

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Album der Woche: King Buzzo – „This Machine Kills Artists“

02.06.2014 von  

King Buzzo - This Machine Kills ArtistsVĂ–: 6. Juni 2014
Web: themelvins.net
Label: Ipecac

„I have no interest in sounding like a crappy version of James Taylor or a half-assed version of Woody Guthrie, which is what happens when almost every rock and roller straps on an acoustic guitar.“

Deutlichere Worte hätte Buzz Osborne, auch bekannt unter dem Pseudonym King Buzzo, nicht finden können, um das erste Soloalbum seiner Karriere anzukündigen. Buzz Osborne und ein Akustik-Album – diese Kombination scheint auf den ersten Blick wie Baldrian-Tropfen mit Energy-Drinks: absolut widersprüchlich, wenn man den Werdegang des 50-jährigen Musikers Revue passieren lässt. Anfang der 80er gründet er zusammen mit seinen High-School-Freunden Matt Lukin und Mike Dillard The Melvins, eine Band, die maßgeblichen Einfluss auf Musikgrößen wie Nirvana haben sollte und bis heute existiert. Das Genre? Eine nicht einzugrenzende Mischung aus Noise-Rock, Grunge und Punk. Alles nicht gerade sanfte Musikstile, von denen man Akustik-Versionen erwarten könnte.

Und doch ist die Vision von einer Akustikplatte nicht so abwegig, entstehen die Songs von The Melvins doch zuerst im intimen Rahmen mit Osbornes rot-weiĂź-blauer Buck-Owen-Akustik-Gitarre. Mit dieser entstehen auch die 17 Tracks auf „This Machine Kills Artists“. Die Songs sind auffällig kurz, was jedoch keineswegs störend ins Gewicht fällt: So wirkt das Album kurzweilig und abwechslungsreich, woran andere Musiker gerade bei einem Akustikwerk oftmals scheitern. Nach 31 Jahren im Musikgeschäft und mindestens ebenso vielen Live- und Studioalben mit „The Melvins“, von seinen Nebenprojekten FantĂ´mas und Venomous Concept einmal ganz abgesehen, liefert der Mann mit dem grauen Locken-Wuschelkopf ein akustisches DebĂĽt mit energischen Riffs und ungeheurer Wucht.

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Album der Woche: The Roots – „…And Then You Shoot Your Cousin“

26.05.2014 von  

The Roots - ...And Then You Shoot Your CousinVĂ–: 16. Mai 2014
Web: theroots.com
Label: Def Jam

Knapp 34 Minuten. So lang beziehungsweise so kurz ist die Spieldauer des neuen Albums der amerikanischen HipHop-Crew The Roots. Es ist das kĂĽrzeste Werk in ihrem fast 30-jährigen Bestehen. So weit zu den Kritikpunkten; es gibt schlichtweg nicht mehr. The Roots zeigen mit „…And Then You Shoot Your Cousin“, warum sie zurecht als eine der besten und innovativsten HipHop-Bands der Welt gelten.

Alles beginnt 1987 in Philadelphia. Tariq Trotter und Ahmir Thompson alias Black Thought und Questlove grĂĽnden eine Band, und weil sie sich kein teures Equipment leisten können, werden ausrangierte Instrumente zum Spielen benutzt. Diesem resultierenden organischen Sound bleiben die Musiker treu: Auch auf ihrem ersten Major-Label-Album „Do You Want More?!!!??!“ sucht man vergeblich nach Samples. Im Laufe der Jahrzehnte wechselt fortwährend die Besetzung von The Roots: Insgesamt sind 19 Musiker frĂĽher oder später Bestandteil der Band. Aktuell zählt die Formation sieben Mitglieder, darunter auch die GrĂĽnder MC Black Thought und Schlagzeuger Questlove.

„…And Then You Shoot Your Cousin“ ist wie sein Vorgänger „Undun“ ein Konzeptalbum. The Roots werfen darauf einen satirischen Blick auf Gewalt im HipHop und der amerikanischen Gesellschaft im Allgemeinen. Die drei MCs Black Thought, Greg Porn und Dice Raw nehmen dabei unterschiedliche Charaktere und Blickwinkel ein, der Klang des Albums ist wie auch das Thema: dunkel, bedrohlich, kalt. Nichtsdestotrotz bietet die LP eine Vielzahl an Facetten und Nuancen, die sich selbst nach exzessivem Hören nicht alle vollständig erfassen lassen. FĂĽr Abwechslung sorgen zusätzlich ausgewählte Features wie R’n’B-Sänger Raheem DeVaughn oder Mercedes Martinez.

The Roots eröffnen ihr Album nicht selbst, sondern ĂĽberlassen dies einer anderen Legende – keiner geringeren als Nina Simone. Nach diesem stimmungsvollen Auftakt ertönen zwei Snare-Schläge und gespenstische Chorgesänge, bevor die nasal-quietschende Stimme von Patty Crash diese durchschneidet. Und schlieĂźlich die ersten Verse von Black Thought, welcher die Ausweglosigkeit und Verzweiflung in nur wenigen Worten zu vermitteln wissen: „I was born faceless in an oasis, people disappear here and leave no traces.“ Um dieser bedrĂĽckenden Thematik auch musikalisch gerecht zu werden, setzen The Roots den harmonischen Parts auf dem Album bewusst dissonante Kontrastabschnitte entgegen. „Dies Irae“ stellt wohl jeden Hörer auf eine harte Probe: Zuerst wird ein Teil vom Requiem des französischen Komponisten Michael Chion gesampelt, anschlieĂźend ertönen aggressive Rufe und ohrenbetäubende Synthies. Man atmet in Erleichterung auf, wenn die ersten Takte vom nachfolgenden Track „The Coming“ erklingen.

Der Kreis schlieĂźt sich mit dem letzten StĂĽck „Tomorrow“: Wie zu Beginn ĂĽberlassen The Roots den Gesangpart einem Gastsänger. Der Song kĂĽndigt mit einem Pfeifen und seiner Dur-Tonart die optimistische Grundstimmung an, DeVaughn singt die vergleichsweise kitschigen Lyrics „’Cause everybody needs an angel, and everybody needs a smile, and everybody has an angle, and everybody wants tomorrow right now.“ Gibt es am Ende also doch noch ein Happy End? Ein dunkles Piano-Grollen beschlieĂźt das Album und bringt die ErnĂĽchterung: Die letzten Töne von „…And Then You Shoot Your Cousin“ enden also doch im Chaos. 34 Minuten sind wahrlich keine lange Zeit, aber das neue Album von The Roots ist jede einzelne davon wert.

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Label: Def Jam | Kaufen

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