1000 Robota – “Ufo”

30.08.2010 von Redaktion  

VÖ: 03.09.2010
Web: http://www.myspace.com/1000robota
Label: Buback

Vor Kurzem prĂ€sentierten 1000 Robota ihr „Ufo“ auf Kampnagel, Hamburgs Theater-Musik-Konglomerat fĂŒr den arrivierten Kulturbetrieb. Drei junge MĂ€nner Anfang 20, Schlagzeuger und SĂ€nger Jonas Hinnerkort, Bassist Sebastian Muxfeldt und beiden voran SĂ€nger und Gitarrist Anton Spielmann, gekleidet im feinen Zwirn und begleitet von einem erweiterten Kammerorchester. Wie vermessen, schon das zweite Album mit solch einem Aufgebot darbieten zu wollen. Zum Scheitern verurteilt. Und gerade deshalb so ungemein imponierend. Es wurde nicht ganz klar, was 1000 Robota an diesem Abend sein wollten: eine durchgestylte Inszenierung, die man betrachtet wie ein GemĂ€lde im Museum, oder eine Post-Punk-Band, die das Haus rockt? Auch das Publikum war sich uneinig. Auf der einen Seite setzten sich die Leute auf den Boden, auf der anderen standen sie und wippten im Takt der Musik.

Aber es passt. Denn es ist nie ganz klar, was 1000 Robota sein möchten, was sie wollen und wofĂŒr sie tatsĂ€chlich einstehen. In Interviews reden sie zwar viel, lassen sich aber selten auf konkrete Aussagen ein. Zu oft wiedersprechen sie sich schon im nĂ€chsten Halbsatz. Das hat Übung und man muss ihnen den Widerspruch zubilligen. „Ihr seid keine Jugend und kein PhĂ€nomen“, provoziert Spielmann auf der neuen Platte. 1000 Robota kann man beim Erwachsenwerden zusehen, vielleicht sind sie’s auf dem nĂ€chsten Album.

Noch auf dem VorgĂ€nger „Du Nicht Er Nicht Sie Nicht“ war die Musik unkontrollierter, harnĂ€ckiger und lauter. Jetzt, zwei Jahre spĂ€ter, lĂ€sst sich beinahe so etwas wie ZĂ€rtlichkeit in den Liedern verorten, in den Songs als auch in den Texten. 1000 Robota haben die CD zusammen mit Mense Reents und Ted Gaier von den Goldenen Zitronen produziert. Ein Ritterschlag fĂŒr die diffuse Botschaft.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.

Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Außerdem verlosen wir in jeder Magazinsendung unter allen Freunden von ByteFM ein Exemplar der CD. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland – der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr wiederholt.

Andreya Triana – “Lost Where I Belong”

23.08.2010 von Redaktion  

VÖ: 27.07.2010
Web: http://www.myspace.com/andreyatriana
Label: Ninja Tune

FĂŒr die SĂ€ngerin Andreya Triana ist ihr DebĂŒt eine sehr persönliche Angelegenheit. Es gehe um den Kampf, den man auch dann noch mit sich selbst auszutragen habe, wenn die Entscheidung doch lĂ€ngst getroffen ist. Triana entschied sich fĂŒr die Musik, ein romantisches Unterfangen, schließlich ist das Musikerleben ein höchst prekĂ€res. TagsĂŒber jobbte sie in einer Sushi Bar oder fuhr mit einem Eiswagen durch die Gegend, abends stand sie bei semi-professionellen Open Mic Nights auf der BĂŒhne. Wenn es zum Mittagsessen nur zu Popcorn reicht, kann man schon mal ins Hadern kommen. Der Albumtitel fasst es ganz gut zusammen: „Lost Where I Belong“.

Aber es ging ja doch alles gut aus fĂŒr die Frau aus East London. SpĂ€testens mit Bonobos Bitte, auf seinem Album „Black Sands“ zu singen, wendete sich das Blatt. Nun fungiert der in Brighton ansĂ€ssige Bonobo, bĂŒrgerlich Simon Green, als Produzent hinter Andreya Trianas DebĂŒt.

Brighton und London heißen die Orte, welche Triana geprĂ€gt haben. Brighton und London sind auch die Orte, die neben Bristol in den Neunzigern den entspannten TripHop hervorgebracht haben. Und ein wenig erinnert Trianas sanfte, soulige Stimme an Skye Edwards, die nun, nach sieben Jahre Abstinenz, wieder fĂŒr Morcheeba singt. Doch es bleibt bei dieser wagen Assonanz, denn dort, wo Morcheeba in den ĂŒberproduzierten Easy Listening abdriften, verstehen Triana und Bonobo auf das Nötigste zu reduzieren.
Trianas Songs sind einfache Soulnummern, spĂ€rlich und beinahe akustisch instrumentiert. Downbeat mit Jazz-Akkorden, im Vordergrund immer der samtige Klang von Trianas Stimme. Damit passt es ganz gut, dass „Lost Where I Beling“ auf dem Label Ninja Tune erscheint. Denn nicht nur Labelkollege Mr. Scruff hat einen Remix produziert, auch Flying Lotus (Warp Records) und selbst Mount Kimbie (Hotflush Recordings) haben Trianas Songs gemixt.

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!!! – “Strange Weather, Isn’t It?”

16.08.2010 von Hermann Nanno Becker  

VÖ: 20.07.2010
Web: http://www.myspace.com/chkchkchk
Label: Warp

War nicht schon in der letzten Albumrezension die Rede davon, dass das Musikjahr 2010 erstaunliche Parallelen zum Super-Musikjahr 2007 aufweist? Und ging es dabei nicht auch schon um coole Album-Opener? Hieran schließen !!! nahtlos an.

Knapp dreieinhalb Jahre sind seit dem Erscheinen des hervorragenden Albums „Myth Takes“ vergangen. Und wenn man es nicht besser wĂŒsste, könnte man denken, !!! hĂ€tten dessen etwas poppigere Seite („Must Be The Moon“, „Heart Of Hearts“) aufgegriffen und auf ihrem vierten Album „Strange Weather, Isn’t It?“ konsequent zu Ende gedacht. Dabei hat die Band in den letzten drei Jahren tatsĂ€chlich einen enormen VerĂ€nderungsprozess erlebt. Co-SĂ€nger John Pugh verließ !!! bereits in 2007, und inzwischen sind auch Tyler Pope und Justin Van Der Volgen, die zum Teil noch an der Entstehung von „Strange Weather, Isn’t It“ beteiligt waren, von Bord gegangen. Zu allem Überfluss ist dann auch noch !!!s ehemaliger Drummer Gerhardt „Jerry“ Fuchs im November 2009 tödlich verunglĂŒckt.

All das merkt man „Strange Weather, Isn’t It?“ nicht an. Vom betont coolen Opener und Sommerhit „AM/FM“ bis zum letzten CD-Track „The Hammer“, an dessen Aufnahme Jerry Fuchs noch mitgewirkt hat, ist das Album unverschĂ€mt funky und catchy. Eindrucksvoll, mit welcher LĂ€ssigkeit und SelbstverstĂ€ndlichkeit hier ein wunderbarer Groove nach dem anderen erzeugt wird. Was auf den ersten beiden Alben “!!!“ (2001) und „Louden Up Now“ (2004) noch rau klang, war auf „Myth Takes“ (2007) schon erheblich glatter und ist auf „Strange Weather, Isn’t It?“ nun hochglanzpoliert. Dieses Album zielt konsequent auf die TanzflĂ€che. Sei es der unterstĂŒtzende Gesang von Shannon Funchess, sei es das gelegentlich eingesetzte Saxophon, sei es der Sound der Gitarren – die VersatzstĂŒcke mögen innerhalb des musikalischen Genres bekannt erscheinen, aber nur selten wurden sie in den letzten Jahren derart gut und konzentriert auf einem Album dargebracht. Dabei lassen sich !!! auch hin und wieder zu Spielereien hinreißen; so erfĂ€hrt „The Most Certain Sure“ in der zweiten HĂ€lfte des Songs quasi seinen eigenen Remix, oder man beachte beispielsweise den Übergang von „Jump Back“ zu „Even Judas Gave Jesus A Kiss“. Dieser Song ist mit seiner echoartigen Gitarre ohnehin eines der Highlights, und gegen dessen Ende glaubt man sogar, eine musikalische Referenz an „Bend Over Beethoven“ zu erkennen.

Eines so ausdrĂŒcklichen Songtitels wie „Jamie, My Intentions Are Bass“ hĂ€tte es allerdings nicht bedurft, denn daran lassen !!! mit ihren fetten Bassbeats ohnehin keinen Zweifel. In „AM/FM“ singt Nic Offer: „You can turn on the radio but you can’t drown out the wind“ Am liebsten möchte man den Gegenbeweis antreten, ins Cabrio steigen und den Fahrtwind von !!!s wummerndem Bass ĂŒbertönen lassen.

„Strange Weather, Isn’t It?“ ist ein einziger großer Spaß, quasi Tanz ohne Redundanz, denn trotz widriger UmstĂ€nde, die sich seit der Veröffentlichung von „Myth Takes“ aufgetan haben mögen, gelingt !!! mit „Strange Weather, Isn’t It?“ ihr bislang konsequentestes und bestes, weil schlĂŒssigstes Album.

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Matthew Dear – “Black City”

VÖ: 13.07.2010
Web: http://www.myspace.com/matthewdear
Label: Ghostly International

Es gibt sie, diese Konsens-Alben, auf die sich Menschen mit zum Teil völlig unterschiedlichen Musik-Interessen plötzlich einigen können. Im Jahr 2007 gab es mindestens zwei dieser Konsens-Alben – zum einen das selbstbetitelte DebĂŒt von Little Dragon, zum anderen „Asa Breed“ von Matthew Dear, das auf dem von ihm mitbegrĂŒndeten Label Ghostly International erschien. Die KonsensfĂ€higkeit von „Asa Breed“ ist vielleicht damit zu erklĂ€ren, dass dieses Album gegenĂŒber den eher techno- oder ambientartigen VorgĂ€ngern „Leave Luck To Heaven“ (2003) und „Backstroke“ (2004) ein ordentlicher Schritt in Richtung Pop war.

Diesen Weg geht der inzwischen 31-jĂ€hrige Dear, der einzelne musikalische Arbeiten auch unter den Pseudonymen False, Audion und Jabberjaw veröffentlicht, nun mit „Black City“ konsequent weiter. FĂŒr sein neues Album hat er sich zwar drei Jahre Zeit gelassen, aber der Zeitpunkt des Erscheinens geht schon in Ordnung. War nĂ€mlich das Jahr 2007 ein ausgesprochen gutes und vielseitiges Musikjahr, zu dem Matthew Dear einen entscheidenden Beitrag leistete, entwickelt sich 2010 Ă€hnlich spannend und aufregend, und es ist sicherlich kein Zufall, dass daran wiederum einige Bands und KĂŒnstler beteiligt sind, die schon das Jahr 2007 wesentlich mitgeprĂ€gt haben.

Auch wenn der in Texas geborene Matthew Dear als Teenager in Michigan seine musikalische Sozialisation in Form von Detroit-Techno erlebt hat, macht er mit einem unglaublichen Eröffnungs-Trio auf seinem neuen Album schnell klar, dass sein Pop auf verschiedenen Ebenen funktioniert. Bereits die ersten Töne auf „Black City“ nehmen die Ohren gefangen. Stimmungsvoll und zurĂŒckhaltend liefert Dear mit „Honey“ und dessen unterschwelliger DĂŒsternis mal eben neben „It Is Not Meant To Be“ von Tame Impala den bislang coolsten Album-Opener des Jahres, wenn auch natĂŒrlich musikalisch völlig anders geartet. Der von einem (mit-)schleppenden Rhythmus getragene und mit einer herrlichen SchrĂ€gheit ausgestattete Funk von „I Can’t Feel“ erhöht das Tempo, welches schließlich im TitelstĂŒck „Little People (Black City)“ kulminiert. Matthew Dear sorgt mit geschickten Wendungen und den damit einhergehenden leichten Stimmungswechseln innerhalb ein und desselben Songs fĂŒr eine Art Dreiteilung, sodass trotz ziemlich gerader Disco-Beats ĂŒber die Dauer von neun Minuten keine Langeweile aufkommt. Der dritte und beste Teil hĂ€tte dabei mit seinen sich im Hintergrund befindlichen Tribal-Drums und den markanten GitarrenklĂ€ngen durchaus Stoff fĂŒr einen eigenen Song geboten. Wer bei der Sechseinhalb-Minuten-Marke und dem Übergang zum dritten Teil des Songs keine GĂ€nsehaut bekommt, ist selber schuld. Jedenfalls wird „Little People (Black City)“ in den nĂ€chsten Wochen gemeinsam mit „Even Judas Gave Jesus A Kiss“ von !!! um die TanzflĂ€chen dieser Welt buhlen.

Trotz eines ziemlich klaren, im Wesentlichen elektronisch geprĂ€gten Konzepts unterwirft sich Matthew Dear keinen musikalischen Dogmen. Dies fĂŒhrt innerhalb des Konzepts zu einer großen Vielfalt, kann aber auch schon mal bedeuten, dass ein Schuss daneben geht – was natĂŒrlich auch immer eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Vielleicht ist das ein wenig eierig wirkende „Slowdance“ unmittelbar nach dem furiosen Dreigestirn aus „Honey“, „I Can’t Feel“ und „Little People (Black City)“ einfach nur etwas ungĂŒnstig platziert, weshalb der Eindruck einer kleinen Delle entstehen mag. Ansonsten gibt es aber nix zu meckern. Matthew Dears markante tiefe Stimme fungiert als verbindendes Element der Songs, egal ob diese funky („Soil To Seed“), Beat-lastig („You Put A Smell On Me“), geisterhaft („More Surgery“) oder gar beinahe lieblich sind, wie es bei „Gem“ der Fall ist, das völlig ohne Beats auskommt, dafĂŒr aber mit einem wunderbaren Piano den wĂŒrdigen Abschluss fĂŒr dieses Album bildet.

Ob „Black City“ wie sein VorgĂ€nger „Asa Breed“ auch das Zeug zum Konsens-Album hat, wird sich erst am Ende dieses Musik-Jahres erweisen. Die Chancen dafĂŒr stehen jedenfalls nicht schlecht.

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Arcade Fire – “The Suburbs”

02.08.2010 von Redaktion  

VÖ: 30.07.2010
Web: http://www.myspace.com/arcadefireofficial
Label: http://www.cityslang.com/

Zum dritten Mal steht nun ein neues Album der Kanadier von Arcade Fire in den LĂ€den. Es fasst eine Stunde Musik, aufgeteilt in 16 Songs. Gemein haben alle Lieder den direkten musikalischen Aufbau. Arcade Fire mĂŒssen nicht probieren, sondern wissen, wie sie ihre Instrumente und Stimmen ausdrucksstark einsetzen, ohne zu ĂŒberfordern. Entschlackt, fast schon simpel ist das Resultat, weit weniger ĂŒberbordend als das VorgĂ€ngeralbum „Neon Bible“, dafĂŒr aber auch weniger „hittig“. „The Suburbs“ ist subtil und wĂ€chst bei jedem Hören; man muss Zeit in die CD investieren, um sie genießen zu können.

Gemein ist den Liedern auch ein wiederkehrendes lyrisches Motiv: Im streicherlastigen „Rococo“ (nach feinster Owen-Pallett-Manier) tauchen sie auf, in der Uptempo-Nummer „Ready To Start“ ebenfalls: the kids. Arcade Fire erinnern sich der Kindheit in der Vorstadt, glĂŒcklicherweise ohne in Nostalgie-Kitsch zu versinken. Der textliche Leitfaden fungiert als Kit zwischen den doch recht unterschiedlichen Songs, die erst dann ihre StĂ€rke entfalten, wenn sie nebeneinander stehen. Ein jedes ist Teil des Konzepts hinter „The Suburbs“, alleine sind sie feine Popsongs, aber eben keine Oberkracher. Arcade Fire klingen jetzt weniger dramatisch, weniger kunstvoll und weniger bemĂŒht, dafĂŒr unaufgeregter, entspannter und irgendwie, im positiven Sinn, arriviert.

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Wavves – “King Of The Beach”

26.07.2010 von Redaktion  

VÖ: 30.07.2010
Web: http://www.myspace.com/wavves
Label: Fat Possum

Mountain Dew ist ein Softdrink. So Ă€hnlich wie Sprite, nur sĂŒĂŸer. Und Mountain Dew betreibt seit Kurzem auch ein Label namens Green Label Sound. Zuckerwasser und Zuckersound? Vielleicht sollte man den Label-Ambitionen eines Brauseherstellers grundsĂ€tzlich skeptisch gegenĂŒberstehen.

Eines muss man der fragwĂŒrdigen Combo zu Gute halten: Mit Bands wie The Cool Kids, Theophilus London oder Neon Indian hat sich Green Label Sound in der Vergangenheit zu einem Label entwickelt, das gemeinhin als „hip“ bezeichnet wird. Schlecht fĂŒr die Reputation des GetrĂ€nks ist das sicher nicht. Und durch die neueste Veröffentlichung „King Of The Beach“ von Wavves wird sich das auch nicht Ă€ndern.

Wavves ist das Ein-Mann-Projekt von Nathan Williams, der seine ersten beiden Alben „Wavves“ und „Wavvves“ in der Garage seiner Eltern in San Diego, Kalifornien, aufgenommen hat. Schnell wurde er zum neuen Hype auserkoren und durch die Themen seiner Songs wie Außenseitertum, Grasrauchen, Musikmachen und Surfen (womit sich gelangweilte EinzelgĂ€nger Anfang 20 in Kalifornien eben herumschlagen) zum modernen Slacker und ein wenig vorschnell zum Kurt Cobain seiner Generation ausgerufen. Dazu passt es, dass Williams selbst „King Of The Beach“ als „sein ‚Nevermind‘“ bezeichnet.

Ob es zu diesem Album ĂŒberhaupt kommen wĂŒrde, war allerdings lange fraglich. Mit Ausrastern auf der BĂŒhne, FaustkĂ€mpfen mit anderen Bands und Tourabsagen erarbeitete sich Williams langsam aber sicher einen Britney Spears‘schen Ruf. Nathan wurde ebenso schnell wieder abgeschrieben, wie er zuvor zum Next Big Thing gemacht wurde.

Der Produzent Dennis Harring (u.a. Modest Mouse) und die Bandmitglieder des im Januar gestorbenen Jay Reatard glaubten aber nach wie vor an das Songwriter-Talent von Nathan Williams und griffen ihm bei seiner neuen Platte stĂŒtzend unter die Arme. Diese Hilfe und die professionelle Produktion taten den Songs sehr gut. Melodiöser und facettenreicher klingen sie im Gegensatz zu den VorgĂ€ngeralben, von ihrer Energie haben sie dabei nichts verloren. Denn nach Garage klingt das alles immer noch, wenn auch weniger lĂ€rmig als noch auf „Wavvves“. Und auch Williams’ Herkunft ist nach wie vor unĂŒberhörbar, sei es wegen des Skate-Punks oder der Beach-Boys-Harmonien.

Man fĂŒhlt sich sehr an die 90er erinnert, an die frĂŒhen Blink 182, Green Day oder Weezer; Spaß machen Williams‘ Songs. Da verzeiht man es auch, dass der Refrain des Songs „Post-Acid“ aus der banalen Wiederholung der Worte „with you“ besteht, weil es „with you“ nun mal am meisten Spaß mache. Aber mit lyrischen Glanzleistungen konnte man bei einer neuen Wavves-Platte sowieso nicht rechnen, die eingĂ€ngigen Melodien genĂŒgen. Mit musikalischem SpĂŒrsinn rechnet auch bei einem amerikanischen Softdrink-Hersteller niemand. Kann aber auch gutgehen, zeigt „King Of The Beach“.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.

Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland – der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr wiederholt.

Mount Kimbie – “Crooks & Lovers”

19.07.2010 von Redaktion  

VÖ: 23.07.2010
Web: http://www.myspace.com/mountkimbie
Label: Hotflush

Als Klaus Walter vor einer Weile Musik ohne Höhepunkte pries, hat er Mount Kimbie vergessen. Das Dubstep-Duo bestehend aus Domenic Marker und Kai Campos schert sich wenig um herkömmliche Pattern westlicher Songschreiber-Kunst. Vielmehr kreieren die beiden Wahl-Londoner mit ihrer Mischung akustischer und genuin elektronischer Sounds und Samples gemĂ€ĂŸigt farbliche Schattierungen einer FlĂ€che. Die Mathematik, die das Genre vorgibt, rhythmisiert in ĂŒberlagernden Rastern das klangliche Material.

Nicht das Ende der einzelnen Tracks, das HinfĂŒhren auf ein tonales Zentrum oder die emotionale Auflösung sind Ziel der elf Soundkompositionen, das DJ-Duo bricht scheinbar willkĂŒrlich mit dem aktuellen Track und startet dann den nĂ€chsten. Einzig SongqualitĂ€ten im traditionellen Sinn hat auf dem 33 Minuten kurzen Album die Vokalnummer „Mayor“. Und das liegt insbesondere an der Orientierungshilfe, welche die zugegeben spĂ€rlichen Lyrics bieten.

Campos zieht seine Inspiration vor allem aus den Sounds seiner Umgebung und weit weniger aus der Musik anderer Leute. In einer Art Feldforschung zogen die beiden Musiker in der Vergangenheit durch die Straßen Londons, um den urbanen Klang der Stadt aufzuzeichnen. Auf „Crooks & Lovers“ sind sie nun selbst Schöpfer neuer, stĂ€ndig wechselnder Klangfelder.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.

Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland – der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr wiederholt.

Zuvor aber hört Jumoke Olusanmi genauer rein in „Crooks & Lovers“, in der Sendung Silent Fireworks, am Montag ab 19 Uhr.

I Am Kloot – “Sky At Night”

12.07.2010 von Redaktion  

VÖ: 16.07.2010
Web: http://www.myspace.com/iamklootmusic
Label: PIAS

Wenn Kritikerlob auch Erfolg bedeuten wĂŒrde, gehörten I Am Kloot wahrscheinlich zu den erfolgreichsten englischen Bands der letzten zehn Jahre. Der Durchbruch blieb dem Trio aus Manchester allerdings bis heute verwehrt, sogar in Deutschland sind sie bekannter als in ihrer Heimat.

Das muss sich Ă€ndern, dachte sich wohl die ebenfalls aus Manchester stammende Band Elbow, die sich wie I Am Kloot bestens mit dem Status als Geheimtipp auskennt. Elbows SĂ€nger Guy Garvey hatte schon das 2001er DebĂŒt von der Band um Frontmann John Bramwell produziert und bot zusammen mit seinem Bandkollegen Craig Potter auch dieses Mal wieder seine Dienste an, was I Am Kloot dankend annahmen.

So kommt es, dass „Sky At Night“ wie ein guter alter Bekannter klingt. Die StĂ€rken der Band sind auch auf dem mittlerweile fĂŒnften Album die gleichen wie auf seinen VorgĂ€ngern: zurĂŒckhaltende, elegante Instrumentierung und bittersĂŒĂŸe Texte. Und natĂŒrlich Balladen wie das großartige „To The Brink“. Nur wenige Male brechen I Am Kloot aus ihrem gemĂ€ĂŸigten Tempo aus. Wenn sie dies aber tun, dann virtuos, wie zum Beispiel in „Radiation“, wenn zum Glockenspiel plötzlich die sehr bestimmten BlĂ€ser einsetzen und dem Song eine ganz andere und unerwartete Richtung geben.

Zur Guter-alter-Bekannter-Thematik passt auch der Song „Proof“, der schon auf I Am Kloots selbstbetiteltem Album von 2003 vertreten war. „Proof“ ist nach wie vor ein wunderschöner Song, der auch auf „Sky At Night“ zu den Highlights zĂ€hlt, aber eine Frage aufwirft. Zwar wurde er neu aufgenommen (was beim Hören allerdings nicht wirklich auffĂ€llt), aber warum musste der Song nach sieben Jahren ĂŒberhaupt erneut veröffentlicht werden?

Einem guten alten Bekannten nimmt man es allerdings auch nicht ĂŒbel, wenn er eine Geschichte von damals erzĂ€hlt. Das hat auch etwas von anheimelnder Nostalgie.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.

Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Den Anfang macht am Montag Oliver Stangl. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag von 16 bis 18 Uhr wiederholt.

M.I.A. – “Maya”

05.07.2010 von Redaktion  

VÖ: 09.07.2010
Web: http://www.myspace.com/mia
Label: Xl/Beggars

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung von M.I.As drittem Album, das nach ihrem Rufnamen „Maya“ benannt ist, sorgte die britisch-tamilische KĂŒnstlerin mehrfach fĂŒr medialen Wirbel. Erst kĂŒrzlich mit ihren Verschwörungstheorien zu Social Networks wie Facebook und Myspace. Und natĂŒrlich mit dem Schockervideo zur Single „Born Free“, das von Youtube entfernt wurde und genau dadurch noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zog. Als hĂ€tte sie dies genauso geplant, verdecken auf dem Albumcover die Balken von Youtube Playern M.I.A.s Gesicht. Alles Teil einer großangelegten Promokampagne? Der erste Track des neuen Albums schließt thematisch jedenfalls gleich daran an. „iPhone connected to the internet connected to the government“ heißt es darin.

Die Kritik an der Überwachung im Netz wird auf dem restlichen Album aber nicht konsequent weitergefĂŒhrt. KĂ€mpferisch prĂ€sentiert sich M.I.A nach wie vor.

Insgesamt hat sich an ihrem Sprech-Sing-Sang wenig verÀndert. Einfache Melodien, die an KinderabzÀhlreime erinnern, leicht verstÀndliche Texte mit eindeutigen Statements. Einzig, dass ihre Gesangsparts mittels Vocoder verzerrt wurden ist neu.

Viel interessanter als M.I.As Stimme ist aber deren musikalische Untermalung. Zahlreiche Samples lassen Bilder im Kopf des Zuhörers entstehen. Da gibt es MotorsĂ€gengerĂ€usche und unheimliche Kinderstimmen („Steppin Up“), klirrende EiswĂŒrfel(„Teqkilla“), Flugzeuge und verfremdete indische GesĂ€nge („Story To Be Told“), Gospel-Loops („Tell Me Why“) sowie heulende Sirenen („Space“).

Dazu wummern fette Beats, die sich Synthesizer Sounds verzahnen. „Maya“ ist weniger HipHop-lastig als die VorgĂ€ngeralben „Arular“ und „Kala“. Eine Unmenge an Stilen wird hier bunt zusammengemischt, sogar einen Reggae-Track findet man auf dem Album:
„It Takes A Muscle”, nach der Vorlage des hollĂ€ndischen One-Hit-Wonder namens Spectral Display.

Die Stromgitarren von „Born Free“ hat Iggor Cavalera von Sepultura beigesteuert, zitiert aus dem Song „Ghost Rider“ von der Synthpunk-Band Suicide von 1977. Bei all den starken Nummern verwundert nur, warum ausgerechnet „XXXO“ als nĂ€chste Singleauskopplung auswĂ€hlt wurde. Einer der schwĂ€chsten Songs des Albums, aber vermutlich auch einer der massenkompatibelsten. Mit getunter Stimme singt M.I.A. „You want me to be somebody who I‘m really not“. Vielleicht darf man das als Kommentar fĂŒr diese kommerzielle Anbiederung verstehen.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.

Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Den Anfang macht am Montag Oliver Stangl. Die ausfĂŒrhliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag von 16 bis 18 Uhr wiederholt.

The Roots – “How I Got Over”

28.06.2010 von Redaktion  

VÖ: 02.07.2010
Web: http://www.myspace.com/theroots
Label: Def Jam

In den vergangenen Monaten wurde immer wieder der Tod vom HipHop beschrien. 2009 sei der HipHop vollends gestorben, schrieb der renommierte Musikkritiker Sasha Frere-Jones im New Yorker. Im britischen Guardian traf die These auf Zustimmung von Simon Reynolds, nur dass dieser schon seit 2006, als Nas das Album „HipHop Is Dead“ veröffentlichte, oder gar 2004, nachdem Producer-Guru Timbaland das Ende des Genres beklagte, kaum mehr Vitalzeichen des einstmals so lebhaften Musikstils vernehmen konnte.

Man darf gespannt sein, ob „How I Got Over“ die apperzeptive Reanimation gelingt. The Roots sind Dinosaurier ihrer Zunft, 1987 grĂŒndeten Black Thought und ?uestlove das HipHop-Kollektiv, welches nunmehr sieben Mitglieder zĂ€hlt. Mittlerweile sind sie die Hausband eine Late Night Show, ?uestlove ist als Produzent umtriebig. Überraschend, wie frisch die 14 Nummern auf dem neuen Album klingen. Die erste Single „How I Got Over“ war schon vor einem halben Jahr im Netz zu finden – und machte ein großes Versprechen. Eine raffinierte Hook zu einem ausgeklĂŒgelten Orgelriff, das Schlagzeug tight: der Groove einer Liveaufnahme versierter Musiker.

Der Veröffentlichungstermin des Albums wurde wiederholt nach hinten verschoben, man wollte nichts Halbgares abliefern. Und ein Versprechen einhalten. „Radio Daze“ ist neben dem Titelsong „How I Got Over“ ein weiterer Hit, ebenso „Right On“, in dem ein geschicktes Joanna-Newsom-Sample dem Genre neues Leben einhaucht.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.

Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Am Freitag ab 13 Uhr folgt die ausfĂŒhrliche Hörprobe in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird wiederholt am Sonntag ab 16 Uhr.

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