Prinzhorn Dance School – „Clay Class“
30.01.2012 von Thomas Frisch
VĂ–: 03.02.2012
Web: http://www.prinzhorn-dance-school.com/prinzhorn
Label: DFA Records
„Woke up, woke up! You won’t cheat the seasons!“ Kontrolliert schreien Tobin Prinz und Suzi Horn mehrmals hintereinander auf dem Track „Seed, Crop, Harvest“ im Duett ins Mikrofon und sind sich bewusst, dass alles seine Zeit braucht. Tatsächlich sind seit ihrem selbstbetitelten DebĂĽtalbum beinahe fĂĽnf Jahre vergangen. In der Zwischenzeit haben The XX mit einem ganz ähnlichen Hang zu dĂĽster-reduzierter Monotonie dem Post-Punk Gegenwärtigkeit eingehaucht. FĂĽr Prinzhorn Dance School ist jetzt auch die Zeit gekommen, die Ernte einzufahren – um an die abgewetzte Metapher von vorhin anzuschlieĂźen – und die fällt ĂĽppig aus.
„Clay Class“ begeistert vielleicht nicht beim ersten, aber beim zweiten Hinhören, weil es um die Details geht. Auch wenn die Reduktion und das ständige Wiederholen derselben Tonabfolgen zum Leitspruch ernannt werden und dadurch der Eindruck von Langeweile erweckt werden könnte: Die brĂĽchige Schönheit der ansatzweise vorhandenen Melodien und die Bedeutungsvielfalt der assoziativen Texte entfalten sich, wenn man sich auf die Platte einlässt.
Stilistisch schlieĂźen Prinzhorn Dance School an ihr DebĂĽt an. Das Prinzip ist denkbar einfach: Loopartiges Wiederholen einer Bassline, darĂĽber tobt sich eine leicht verstimmte Gitarre aus, Call-and-Response Gesang und präzise formulierte kurze Phrasen vollgepackt mit Alliteration. Dazwischen immer wieder Pausen, wodurch die manchmal willkĂĽrlich aneinandergereihten, einzelnen Wörter gerade richtig zur Geltung kommen. Nicht alles ergibt Sinn, aber es entstehen Bilder, die fĂĽr einen Moment vor dem inneren Auge aufblitzen. Manche davon bleiben hängen, wie das absurde „a tin of mixed fruit on a special occasion“, oder „skinny trees, naked in winter, britain in bloom“.
Die Tonart ist vielleicht nicht mehr ganz so dĂĽster wie beim DebĂĽt und wechselt von direkt anklagend („Usurper“), ĂĽber lakonisch-ironisch („Flora And Fauna…“, „Crisis Team“) zu einem fast schon fröhlichen „Happy In Bits“. Prinz und Horn sagten selbst, sie wollten auf „Clay Class“ etwas mehr „Colour“ und „Tenderness“ in ihre Songs bringen. Am besten gelungen ist ihnen das beim herzzerreiĂźenden, bittersĂĽĂźen „I Want You“, dem absoluten Highlight der Platte.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.
Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag von Montag bis Samstag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend, montags bis freitags ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.
Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Prinzhorn“ und seiner vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm
Label: DFA Records | Kaufen
The Soft Hills – „The Bird Is Coming Down To Earth“
23.01.2012 von Felix Dabbert
VĂ–: 20.01.2012
Web: http://thesofthills.com/
Label: Tapete Records
Hab ich da die falsche CD im Player? „Phoenix“, der Albumopener von „The Bird Is Coming Down To Earth“ klingt doch sehr nach den immens populären Fleet Foxes. Es ist daher berechtigt, wenn sich der geneigte Konsument fragt, ob er diese Platte noch im Schrank braucht, wenn da schon genannte FĂĽchse, Laura Gibson oder andere Musiker der neuen amerikanischen Folk-Welle stehen. Denn auch die Soft Hills brauen hier mit den gleichen Zutaten: Reverb en masse, Akustikgitarrengeklimpere, stampfend-galoppierende Drums und sehnsĂĽchtige Harmoniechöre, gesungen von vier Männern mit Bärten.
Doch warum nicht, es muss es ja auch nicht immer musikalisch avantgardemäßig inspiriert sein. Dem Boss hält ja auch keiner mehr vor, dass er nur die 70er Variante von Dylan war, genauso wie Beck, Noel Gallagher oder die Beta Band ja auch nichts anderes taten, als von möglichst vielen anderen zu klauen. So nehmen The Soft Hills halt ihre BĂĽhnenoutfits von Animal Collective und Synthieanklänge, z.B. im Lied „Midnight Owls“, könnten auch von OK Computer stammen, na und? Wenigstens treten sie im Gegensatz zum oben genannten Hauptreferenzpunkt Fleet Foxes (die sich mit den Hills ĂĽbrigens auch ĂĽberraschenderweise die Heimatstadt Seattle teilen) hin und wieder mal auf die Fuzz Box. Ihr Anbandeln mit Psychedelica-Elementen ist nämlich genau das, was dem Folk hier den Staub von der MĂĽtze bläst. Und sowieso werden The Soft Hills einfach gebraucht, weil Potheads immer Bands und Alben brauchen, in die sie komplett abtauchen können.
Die Hillys haben also aufgepasst: Alle Komponenten sind vorhanden, um Buzz in der Indieblogosphere zu generieren und, wie gesagt, warum sollte sie dies auch nicht. Denn in den einschlägigen Szene-Etablissements der Welt rotierten auch schon schlechtere Platten als „The Bird Is Coming Down To Earth“. Negativ auffallen werden die Soft Hills neben den anderen jedenfalls weder hier noch in den Bildstrecken von Musikexpress und Co.
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Label: Tapete Records | Kaufen
Wiley – „Evolve Or Be Extinct“
16.01.2012 von Thomas Frisch
VĂ–: 19.01.2012
Web: „http://wileymusic.co.uk/“
Label: Big Dada
An Selbstvertrauen mangelt es Richard Kylea Cowie, besser bekannt als Wiley, wohl kaum. Das vermittelt schon der Titel seines neuen Albums, „Evolve Or Be Extinct“, womit er sich selbst höchste AnsprĂĽche auferlegt, diese aber auch weitgehend erfĂĽllt. Gleich zu Beginn gibt er sich im TitelstĂĽck keine Blöße und verkĂĽndet: „My music can live forever“. Und auch in weiterer Folge wird er nicht mĂĽde, seinen kĂĽnstlerischen Ausnahmestatus zu betonen. Immerhin gilt er als BegrĂĽnder des Grime, oder dem von Wiley bevorzugten Begriff Eskibeat, einem Genre, das um das Millenium in East London seine Anfänge nahm und vor allem auch durch Dizzee Rascal den Weg aus dem Underground gefunden hat.
Nachdem Wiley in den letzten Jahren die Plattenfirma beinahe so häufig gewechselt hat wie seine Unterhosen, ist er 2011 wieder bei Big Dada gelandet, auf dem bereits sein drittes Album „Playtime Is Over“ erschienen ist. Seit seinen kommerziellen Erfolgen hat er immer wieder versucht, Kritikern, die ihm das ĂĽbel nahmen, zu beweisen, dass er es noch drauf hat. Mit „Evolve Or Be Extinct“ hat er ihnen nun etwas vorgelegt, woran sie sich erstmal die Zähne ausbeiĂźen dĂĽrften.
Auch wenn es nicht an allen Stellen komplett ĂĽberzeugt, ist Wiley ein facettenreiches, humorvolles und nicht zuletzt persönliches Album gelungen, das auch an seinem Geburtstag veröffentlicht wird. Musikalisch vereint er darauf gekonnt die verschiedenen EinflĂĽsse, die er im Laufe der letzten zehn Jahre aufgesogen hat. Da finden sich mit „Link Up“ oder „Boom Blast“ hypnotische Beats, die sich dauerhaft in den Gehörgang einnisten, oder „Scar“, ein Track, der an den Sound von Computerspielen aus den frĂĽhen 90ern erinnert. Daneben ist noch Platz fĂĽr einen Dialog mit einem Zollbeamten in „Customs (Skit)“, der ihn zu einem Urintest auffordert und mit ihm eine gewisse Leidenschaft fĂĽr Rihanna teilt, oder fĂĽr mehrere Versuche, in verschiedenen Vierteln von London ein Taxi zu bestellen, was letztlich in einem einwandfreien Streitgespräch endet.
Die mit Ăśberheblichkeit voll gepackten 13 Tracks kommen mitunter recht groĂźkotzig daher. AbschlieĂźend bilanziert Wiley im letzten StĂĽck aber nicht ohne Selbstironie: „This is just an album“. Ein Album mit dem programmatischen Titel „Evolve Or Be Extinct“, das – was seine Qualität anbelangt – ganz eindeutig zu ersterem tendiert.
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Label: Big Dada | Kaufen
Laura Gibson – „La Grande“
09.01.2012 von Felix Dabbert
VĂ–: 13.01.2012
Web: „http://www.lauragibsonmusic.com/“
Label: City Slang
Trägt Laura Gibson etwas unter dieser Decke, die sie da auf dem Cover ihres neuen Albums „La Grande“ um sich schlingt? Das ist meiner Meinung nach eine durchaus berechtigte Frage (ich sage mit Absicht „berechtigt“, da ich mir selbst nicht ganz sicher bin, ob „angebracht“ hier … nun ja, angebracht wäre), da das zurzeit grassierende New Folk Movement (Fleet Foxes seien hier nur kurz als bekannteste Vertreter genannt), zu der man Frau Gibson gut und gerne zählen kann, doch teils starke Assoziationen zu ihren Hippievorläufern weckt – und die waren ja auch oft, mit Verlaub, nackig.
Sowieso scheint die Musikerin sehr naturverbunden zu sein: Das Album (ihr mittlerweile fĂĽnftes) wurde nach einem 13.000-Seelen-Kaff ungefähr fĂĽnf Autostunden entfernt von Frau Gibsons Homebase, Amerikas Hipster- und Hippie-Hochburg Portland, umgeben von Wäldern und Seen aufgenommen – ihr Arbeitsplatz war dabei ein alter Wohnwagen, den sie selbst zum Studio hergerichtet hat. Gibson selbst beschreibt „La Grande“ als einen Ort, durch den man normalerweise auf dem Weg irgendwo anders hin durchfährt, der dabei aber eine gewisse Anziehungskraft und Energie besitzt, eine Anziehungskraft, der sie selbst dann offenbar erlag.
Aus „La Grande“ ist dabei auch ein Album geworden, das an gewissen Stellen zum Bleiben und Verweilen fernab vom hektischen Stress des Alltags einlädt. Doch scheinbar paradoxerweise tut gerade das der Titeltrack nicht: Der Song „La Grande“ galoppiert nach vorne, bis er nach der Hälfte stolpert und der Beat Platz macht fĂĽr einen Chor, der an die eingangs bereits erwähnten Fleet Foxes erinnert. Doch bevor man verschnaufen kann, geht’s auch schon weiter. Ein bisschen später hört man dann Bossa-Nova-Rhythmen, Highway-61-Revisited-Orgeln und wehleidige Slidegitarren. Ist nicht gerade progressiv heutzutage, aber durchaus nett anzuhören und man muss der Platte zugutehalten, dass nicht ein Filler zu finden ist; jeder Song hat seine Momente – ob „The Rushing Dark“ mit seiner Bei-Regen-zu-Hause-sitzen-Atmosphäre oder „Milk-Heavy, Pollen-Eyed“, in dem sie die Schönheit der Schwere langer Beziehungen besingt, in denen man einfach nicht anders kann, als immer wieder zum Partner zu finden.
AbschlieĂźend möchte ich dann hier eine klare Kaufempfehlung fĂĽr „La Grande“ aussprechen – vor allem fĂĽr die Menschen, die die Musik von Joanna Newsom mögen, aber mit ihrer Mausstimme nicht klarkommen.
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Laura Gibson – La Grande by cityslang
Label: City Slang | Kaufen
Ein neues Album der Woche ….: im Januar
13.12.2011 von Ruben Jonas Schnell
(Nils P. | Flickr | (CC BY-SA 2.0)
Zum Jahresende gibt es wie gewohnt wenig neue Veröffentlichungen. Bei ByteFM anstelle eines Albums der Woche daher im Moment täglich im ByteFM Magazin: die Lieblingsplatten des Jahres 2011 unserer Moderatorinnen und Moderatoren.
Neue Alben der Woche dann im Januar.
Led Zeppelin – „Led Zeppelin IV“
05.12.2011 von Thomas Frisch
VĂ–: 08.11.1971
Web: „http://www.ledzeppelin.com/“
Label: Atlantic
Die Wochen vor Weihnachten sind traditionell eine Zeit, in der – abgesehen von den unvermeidlichen Weihnachts-Compilations – nur wenige Neuerscheinungen auf den Markt kommen. Deshalb haben wir uns als Album der Woche dieses Mal ein Werk ausgesucht, das vor etwas mehr als 40 Jahren erschienen ist.
Unsere Wahl fiel auf kein geringeres als das vierte Studioalbum von Led Zeppelin. Von dem eigentlich bewusst unbetitelten Album wird meist als „IV“ gesprochen, auch wegen der vier Symbole, die das Cover zieren. Wenn Led Zeppelin mit ihrem zweiten Album fĂĽr viele den Beginn des Heavy Metal verkĂĽndet hatten, so erklommen sie mit „IV“ endgĂĽltig den viel zitierten Rock-Olymp. Das Werk zählt zu den weltweit meistverkauften Alben ĂĽberhaupt und fehlt in keiner der Listen, die sich in irgendeiner Form mit der Rockgeschichte befassen.
Musikalisch gestaltet sich „IV“ abwechslungsreicher als die Alben davor. Tatsächlich unterscheiden sich die acht Tracks deutlich voneinander, ohne aber eine bloĂźe Aneinanderreihung von Songs zu sein. SchlieĂźlich legten Robert Plant, Jimmy Page, John Paul Jones und John Bonham stets groĂźen Wert darauf, dem Konzept Album treu zu bleiben.
Schwanzwedelnd begrĂĽĂźt uns gleich zu Beginn der „Black Dog“, bevor Robert Plant unverkennbar ins Mikrofon kreischt: „Gonna make you sweat, gonna make you groove!“. Ein Versprechen, das eingelöst wird. Es folgen u.a. ein sehr direktes „Rock And Roll“, das an die englische Folk-Tradition anschlieĂźende „Battle Of Evermore“ und natĂĽrlich auch die Nonsense-Ballade schlechthin: „Stairway To Heaven“, dem anscheinend meist gewĂĽnschten Song im Radio. Wenn beim finalen Kopfnicken am Ende alle Dämme brechen, bleibt einem nichts anderes ĂĽbrig, als Lenny Kaye zuzustimmen, der damals in seiner Rezension fĂĽr den Rolling Stone schrieb: „Basing themselves around one honey of a chord progression, the group constructs an air of tunnel-long depth, full of stunning resolves and a majesty that sets up as a perfect climax.“ Und schon könnten die Finger zur Repeat-Taste wandern …
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Label: Atlantic | Kaufen
Me Succeeds – „Rongorongo“
28.11.2011 von Thomas Frisch
VĂ–: 01.12.2011
Web: „http://www.mesucceeds.de/“
Label: I Saw Music
„Is it good or is it crap?“, fragen sich die drei ursprĂĽnglich aus MĂĽnchen stammenden Hamburger von Me Succeeds auf „Rongorongo“, das am 1. Dezember erscheinen wird. Auch wenn das vermutlich nicht auf die Qualität ihres vierten Albums bezogen ist, können wir die Frage getrost mit „good“ beantworten. Das wird gleich beim Anspielen des Eröffnungstracks deutlich. Bei „Seventeen“ bricht die hypnotisch eingesetzte Gitarre einmal kurz ab. Es scheint, um noch mal Luft zu holen, bevor ein durch und durch groĂźartiges Gesamtwerk auf die Ohren losgelassen wird.
„Rongorongo“ besticht durch seine detailreichen Arrangements, die zwar einfach und repetitiv gehalten sind, ĂĽbereinander gelegt aber ein vielschichtiges und harmonisches Mosaik ergeben, dem man sich schwer entziehen kann. Das GrundgerĂĽst bilden natĂĽrlich die klassischen Elektropop-Ingredienzien Gitarre und Bass, sowie ein technoider, treibender, warmer Beat, der so ganz und gar nicht nach Konserve klingt. Nach und nach entwickeln sich die zehn Songs langsam, aber fortwährend und stellen wechselweise die jeweiligen Elemente bzw. Instrumente in den Vordergrund – wie um jedem von ihnen eine gebĂĽhrende Solo-Rolle zuzusprechen.
Worum es sich dann letztlich genau handelt, lässt sich nicht immer sagen. Mal klingt es nach einer zu Unrecht unterschätzten Triangel, oder aber einem Glockenspiel, mal ist es eindeutig eine Geige und bei „Faxekondi“ könnten es tatsächlich leere Bierflaschen sein, die zu einer zweiten Ehre kommen. Der Gesang ist folglich auch nur ein Teil in diesem umfangreichen Klangsammelsurium, das aber gerade dann mit Höhepunkten aufwarten kann, wenn die zarte, uneindeutige Stimme von Mona Steinwidder auf den eindringlichen Sprechgesang von Lorin Strohm trifft. Das passiert beispielsweise bei „Beneath“ oder „The Screws“.
Thematisch dreht sich „Rongorongo“ um die Schwierigkeiten des Ausdrucks und des (Un-)Verständnisses allgemein und vor allem dem Selbst gegenĂĽber. Das drĂĽckt sich auch im Albumtitel aus, der eine bis heute nicht entschlĂĽsselte Schrift der Osterinsel bezeichnet. Die Sprache ist aufgrund der abgeschiedenen, isolierten Lage, an der sie entstanden ist, in ihrem Gebrauch verschwunden. Da ist es nur gut, dass das gleichnamige Album von Me Succeeds im heutigen Hamburg erscheint, um diesem Schicksal hoffentlich zu entgehen.
„Rongorongo“ von Me Succeeds erscheint ĂĽbrigens nur auf Vinyl bzw. als Gratis-Download beim eigenen Label I Saw Music. Bei uns könnt Ihr das Album bereits jetzt vollständig im Stream hören.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Abend, montags bis freitags ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.
Me Succeeds – Our Charm from Max Moertl on Vimeo.
Label: I Saw Music | Kaufen/Download
Raleigh Moncrief – „Watered Lawn“
21.11.2011 von Monique Schmiedl
VĂ–: 25.11.2011
Web: „http://raleighmoncrief.net/“
Label: Anticon
Wenn man Raleigh Moncrief hört, muss man an alles denken, außer an Simplizität. Weder der Name des Künstlers, noch seine Platte lassen Begriffe wie Einfachheit oder Schlichtheit aufkommen. Und doch scheint der Musiker mit genau jenen Elementen zu spielen. Fangen wir beim schier unaussprechlichen Namen an. Zerlegt man diesen in einzelne Silben und reiht diese wie ein Erstklässler, der gerade Lesen lernt, aneinander, so spricht man einen Namen aus, der eigentlich nicht so schwer ist. Doch trotz dieser simplen Methode klingt der Name Raleigh Moncrief einfach unfassbar kompliziert und extravagant.
Ă„hnlich verhält es sich mit der Musik des Amerikaners. „Watered Lawn“ ist das DebĂĽt des Elektro-TĂĽftlers und mutet unendlich vertrackt, verzwickt und genial an. Moncrief reiht einzelne Fragmente aneinander, setzt BruchstĂĽcke seperater Töne zusammen und schafft so Musikwerke, die schlicht nicht von Menschenhand (dazu zählt an dieser Stelle auch das Betätigen der Regler und Knöpfe am Computer) geschaffen sein können. Eine meterhohe Mauer aus Komplexität baut sich bedrohlich auf. Ihre AusmaĂźe wirken gigantisch, respekteinflößend, wenn nicht gar beängstigend. Doch beim genauen Betrachten kann schnell festgestellt werden, dass diese Mauer aus vielen kleinen simplen Einzelteilen zusammengesetzt ist. Lediglich die Perfektion, quasi der Mörtel zwischen den Mauerteilen, muss man neidlos als ĂĽbermenschliches Element verbuchen.
„Watered Lawn“ ist ein Album, das getrost als ein gigantisches Zusammenspiel aus Simplizität und perfektionistischer Akribie bezeichnet werden kann. Raleigh Moncrief greift hier zu den einfachsten und gleichzeitig verwirrendsten Mitteln. Dissonanz und vermeintliches Nicht-im-Takt-sein lassen die Aufmerksamkeit steigen und schaffen es kurrioserweise, den Fokus auf das Gesamtwerk zu lenken. Nicht die simplen Einzelteile werden wahrgenommen, sondern ihr glanzvolles Zusammenspiel.
Herausragend bleibt die immer wieder eingesetzte Konzertgitarre, die so gar nicht zur elektronischen Musik passen mag. Die gezupften Saiten wollen immer wieder den Kampf um die Vorherschaft im Song kämpfen und prallen an der Lässigkeit der Elektronika ab. Die lässt den Gitarrenklängen einfach den Raum, den die benötigen. Durch genau diese Lässigkeit, diese bewusst eingesetzte Dissonanz, diese in Perfektion abgestimmten Unstimmigkeiten schafft Raleigh Moncrief ein Album, das als Gesamtwerk genauso genial ist, wie in all seinen einzelnen Fragmenten.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Abend, montags bis freitags ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.
I Just Saw by raleigh moncrief
Label: Anticon | Kaufen
Dillon – „This Silence Kills“
14.11.2011 von click
VĂ–: 18.11.2011
Web: „http://dillon-music.com/“
Label: BPitch Control
Im Jahre 2007 wurde die gebürtige Brasilianerin Dominique Dillon de Byington wegen ein paar Klimper- und Gesangsskizzen auf ihrer Myspace-Seite nicht nur von anderen namenhaften Musikern, sondern auch im Feuilleton hoch gelobt und gehypt. Eine Einladung zum Melt! Festival sowie die Supportfunktion auf z.B. der „Schall & Wahn“-Tour von Tocotronic folgten.
Jeder, der sich auch nur ein wenig mit dem Thema Internet-Hysterien beschäftigt, weiß, dass dieses heutige Phänomen oft ein Schnellschuss und in den meisten Fällen nur von kurzer Dauer ist. Vielleicht nicht so im Falle von Dillon.
Die mittlerweile in Berlin lebende Künstlerin veröffentlicht nun, Jahre nach dem ersten Entdecktwerden, einige der damals noch unfertigen und auch neue Stücke in Form ihres ersten Albums „This Silence Kills“ auf dem Berliner Label BPitch Control. Das Werk wurde produziert von Thies Mynther (Phantom/Ghost) und Tamer Fahri Özgönenc (MIT)
Rein akustisch und minimal in der Produktion ist das Album dann doch nicht geworden. Hier und da sind auch elektronische Mittel eingeflossen, zu hören gleich im ersten, dem Titelstück, mit einer housigen Bassdrum und Time-Stretching auf den digitalen Schütteleiern. Darauf folgen Stücke, die Dillon entweder, nur von den Klaviertasten begleitet, mit ihrer leicht gepressten Stimme, welche am ehesten an eine Joanna Newsom erinnert, vorträgt oder aber mit Blas- und Streichinstrumenten ausschmückt. Immer leise, sich nicht aufdrängen wollend, als würde sie die Lieder für sich alleine spielen. Nur selten bewegt sie sich an der Grenze zum Kitsch, wo man denkt, Musik für die Werbung geschrieben zu hören.
Die Aufnahmen Dillons bestechen durch die Intimität des Vortrags, das Klappern der kleinen Hämmerchen und die zu hörenden Atemgeräusche in den instrumentalen Passagen. Die Unkenntnis von Noten verleiht den Stücken offene Bilder und Raum zum Atmen; die leichte Unfertigkeit gibt dem Ganzen zudem einen unvergleichlichen Charme, dem man sich nicht entziehen kann.
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Label: BPitch Control | Kaufen
David Lynch – „Crazy Clown Time“
07.11.2011 von Monique Schmiedl
VĂ–: 04.11.2011
Web: „http://davidlynch.com/“
Label: Sunday Best Records
Ist es sinnvoll, ein Album zu rezensieren, wenn man als Autorin Angst vor dieser Platte hat? Und wie, bitte sehr, kann man ĂĽberhaupt Angst vor einer Platte haben?
Nun, beide Fragen lassen sich mit einem Namen beantworten: David Lynch. Die erste Frage kann man getreu Lynchs Philosophie direkt mit einem Zitat aus dem Song „Good Day Today“ von seinem neuen Album „Crazy Clown Time“ beantworten. „So tired of fearing, so tired of dark“. Stell dich der Angst, scheint der Musiker/Filmregisseur/KĂĽnstler zu entgegnen.
Die Antwort zur zweiten Frage liegt auf der Hand (besser, auf dem Ohr): David Lynch. Der grandiose Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent ist bekannt für schwere Kunst. Seine Filme sind angsteinflößend, ekelerregend, abartig und gleichzeitig faszinierend, zauberhaft, erhellend. Mit diesem Vorwissen ist bei der Betrachtung Lynchs Albums plötzlich ein Gefühl da, das Gefühl der Angst. Denn: Was David Lynch auf visueller Ebene kann, kann er auf auditiver Ebene erst recht, oder?
Und ob er das kann! David Lynch hat mit seinem DebĂĽt eine Platte vorgelegt, die all das kann, was seine Filme auch können, nur intensiver. Geben uns Filme noch Bilder mit an die Hand, so sind wir beim Hören unserer Fantasie ausgesetzt. Und die wird ordentlich beflĂĽgelt. „Crazy Clown Time“ ist ein Spiel aus gesanglichen Experimenten und musikalischen Sphären. Lynch setzt einen Kontrapunkt nach dem anderen, bricht akustische Regeln und ĂĽberschreitet ästhetische Grenzen. Sein Mut zur Verunstaltung der eigenen Stimme ist bewundernswert. Kein StĂĽck ist gesanglich wie das andere. David Lynch flĂĽstert, singt, spricht, verzerrt seine Stimme elektronisch, nutzt Hall und Verfremdungseffekte. Ă„hnlich wie in seinen Filmen scheint Verfremdung ĂĽberhaupt das Wort zum Album zu sein. Die unendliche Vielfalt, die in „Crazy Clown Time“ anklingt, scheint lediglich Hilfsmittel jener Verfremdung zu sein. Der Musiker tritt auf seinem eigenen Album in den Hintergrund, nimmt sich als Person komplett raus, verweigert sich der gesanglichen Zuordnung. Er verfremdet nicht die Musik, nicht den Ton, nicht den Takt. David Lynch verfremdet sich. Und erzeugt dadurch eine Aura, die den Blick auf die eigene Hörer-Seele lenkt, die zum Reflektieren und Nachdenken anregt und die vor allem eines schafft: eine Mischung aus Angst und Faszination, aus Ekel und EntzĂĽckung, aus Abwehr und Neugierde hervorzurufen.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Abend, montags bis freitags ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.
Label: Sundy Best Records | Kaufen







