Reeperbahn Festival 2014

27.08.2014 von  

Der Hamburger Spielbudenplatz während des Reeperbahn Festivals (Foto: Lena Meyer)Der Hamburger Spielbudenplatz während des Reeperbahn Festivals (Foto: Lena Meyer)

Was wäre Hamburg ohne die Reeperbahn – und was wäre die Reeperbahn ohne das Reeperbahn Festival? Das „deutsche SXSW“ ist nicht mehr wegzudenken aus der Hamburger Kulturszene, die es 2006 geentert hat und in der es seitdem fest verankert ist. Die diesjährige Ausgabe des Festivals findet vom 17. bis 20. September statt.

Als Deutschlands größtes Clubfestival zählt das Reeperbahn Festival auch zu den den drei wichtigsten Treffpunkten der Musik- und Digitalwirtschaft in Europa. Etwa 600 Veranstaltungen finden an den den vier Festivaltagen auf der und um die Reeperbahn herum statt. Die mehr als 70 Spielstätten umfassen Szene-Locations wie die Hasenschaukel oder das Uebel & Gefährlich, aber auch eher unkonventionelle Orte für solche Veranstaltungen wie die St. Pauli Kirche oder das Clubheim des FC St. Pauli.

Was das Reeperbahn Festival zu einem so auĂźergewöhnlichen Erlebnis macht, ist vor allem die groĂźe Bandbreite an Themen, die es zu entdecken gibt. Es wird nicht nur zu spannenden Newcomern und Geheimtipps aus der weiten Welt der Popmusik abgefeiert, es finden auch Veranstaltungen aus dem Bereich Literatur, Performance, Kunst und Film statt. AuĂźerdem werden Workshops angeboten, zum Beispiel „Die Digitale Musikdatei“, „Why And How To Pitch“ oder „Musikmanagement – eine EinfĂĽhrung“.

Spannend zu beobachten ist auch, welche von den vielen noch unbekannten Namen im Line-up schon nächstes Jahr die Musikwelt erobern, es werden sicherlich einige sein. Das Booking-Team des Reeperbahn Festivals hat seit jeher ein ausgezeichnetes Händchen fĂĽr „The Next Big Thing“, Weltstars wie Bon Iver, Jake Bugg oder Gotye waren alle noch vor ihrem Durchbruch in Hamburg zu Gast.

Sich ein Bild von der Szene machen, aber auch sich bilden und ganz, ganz viel Musik hören, Leute kennenlernen und feiern – vier Tage lang verhilft das Reeperbahn Festival Hamburg zu einem kurzzeitigen Status als europäisches Pop-Mekka.

ByteFM kooperiert mit artistxite

27.08.2014 von  

Logos von ByteFM und artistxite

Ein Team aus Musikern, Enthusiasten, Journalisten und Szenekennern. Industrieunabhängig, werbefrei, mit einem Ohr für Qualität und einem Gespür für Newcomer – das trifft nicht nur auf ByteFM, sondern auch auf artistxite zu, einem Musik-Download-Shop mit großem Augenmerk auf die redaktionelle Aufarbeitung musikalischer Themen. Ihr findet dort einen eigenen Blog mit Interviews, Features, Porträts, Rezensionen und Kolumnen.

Weil ByteFM und artistxite so auf einer Wellenlänge liegen, arbeiten wir seit Kurzem eng mit dem digitalen Plattenladen zusammen: Im wöchentlichen ByteFM Podcast stellen wir die spannendsten aktuellen Neuerscheinungen vor, außerdem sind auch von uns geschriebene Blogartikel mit Hintergründen zu Künstlern und Alben sowie News rund um das Thema Musik bei artistxite abrufbar. In unserem Blog präsentieren wir jede Woche das artistxite Album der Woche und die artistxite Charts.

Gefallen Euch die vorgestellten Künstler, könnt Ihr bei artistxite aus über 26 Millionen Tracks und 2 Millionen Alben gezielt die richtige Musik für Euch finden. Die Website bietet einen sicheren Kaufprozess und ist gewissenhaft beim Thema Datenschutz.

Wir freuen uns ĂĽber die Kooperation und sind gespannt auf die weitere Zusammenarbeit.

Tickets fĂĽr Chad VanGaalen

26.08.2014 von  

Foto von Chad VanGaalenChad VanGaalen

Oft reicht ein Blick auf das Label, um einen Künstler einordnen zu können. Dass der Kanadier Chad VanGaalen seine Songs auf dem legendären Label Sub Pop aus Seattle, der früheren Heimat von Bands wie Nirvana oder Soundgarden, veröffentlicht, ist da keine Ausnahme.

Auf „Shrink Dust“, dem aktuellen Album von Chad VanGaalen, verarbeitet der Musiker sein ambivalentes Verhältnis zu Schönheit. Gerade die Texte setzen nicht selten dissonante Kontrapunkte zur ansonsten leichtfĂĽĂźig erscheinenden Musik zwischen Country, Rock und Folk. „Cut off both my hands and threw them in the sand / watch them swim away from me like a pair of bloody crabs“, klagesingt er etwa in „Cut Off My Hands“, der ansonsten wie ein harmloser Countrysong anmutet.

ByteFM präsentiert die Tour von Chad VanGaalen und verlost 1Ă—2 Karten pro Spielort. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns bis zum 2. September mit dem Betreff „Chad“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinnerinnen und Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per E-Mail.

07.09.14 Hamburg – Aalhaus (Jever Kneipenkonzert)
08.09.14 Berlin – Kantine am Berghain
13.09.14 Köln – King Georg

Die ByteFM Charts KW 35

26.08.2014 von  

Die am meisten gespielten Alben der vergangenen zwei Wochen bei ByteFM. Viel hat sich in den vordersten Rängen nicht getan: Nach wie vor an der Spitze der Charts ist das DebĂĽtalbum der Britin FKA twigs „LP1″. Auch auf Platz 2 gibt es keine Veränderung; wie schon in der Vorwoche ist Shabazz Palaces’ „Lese Majesty“ das zweitliebste Album unserer Sendungsmacher. Der dritte Platz ist aber neu belegt: Jungle wurden nach zahlreichen Wochen in den Top 3 auf den undankbaren vierten Rang verdrängt – und zwar von The/Das mit ihrem DebĂĽtalbum „Freezer“. Die gesamten Top 15 findet Ihr weiter unten.

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. FKA twigs – LP1 (1)
2. Shabazz Palaces – Lese Majesty (2)
3. The/Das – Freezer (13)
4. Jungle – Jungle (3)
5. Alvvays – Alvvays (6)
6. TrĂĽmmer – TrĂĽmmer (neu)
7. Spoon – They Want My Soul (7)
8. JosĂ© James – While You Were Sleeping (5)
9. White Fence – For The Recently Found Innocent (4)
10. The Acid – Liminal (11)
11. Eugene McGuinness – Chroma (10)
12. James Yorkston – The Cellardyke Recording And Wassailing Society (neu)
13. Morrissey – World Peace Is None Of Your Business (15)
14. Mirel Wagner – When The Cellar Children See The Light Of Day (neu)
15. Martyn – The Air Between Words (15)

Downloads der Alben findet Ihr bei unserem Partner artistxite.

Maureen „Moe“ Tucker wird 70

26.08.2014 von  

Moe TuckerMoe Tucker

Als sich Maureen „Moe“ Tucker Anfang der 1960er Jahre das erste Album der Rolling Stones kauft, hat sie irgendwann genug vom „nur“ zuhören. Gitarre spielen kann sie nicht, außerdem sind Gitarren teuer, also kauft sie sich eine einzelne Snare-Drum und trommelt in ihrem Schlafzimmer zu der Musik der Stones. Moe Tucker handelt pragmatisch und minimalistisch, Charaktereigenschaften, die ihr Schlagzeugspiel von da an immer prägen sollten – und damit auch ganz bedeutend den Sound von The Velvet Underground (VU), deren Drummerin Tucker nur wenige Jahre nach ihren Schlafzimmerkonzerten werden sollte.

Als The Velvet Underground nach einem Drummer für ihre Projekt suchen, erinnert sich Sterling Morrison an die Schwester eines College-Freundes, die immer vor sich hingetrommelt hatte. Kurze Zeit später wird Moe Tucker aus ihrem Schlafzimmer heraus für eine der bedeutendsten Bands der Musikgeschichte angeheurt.

Moe Tucker tritt ihre Rolle als Schlagezugerin von VU 1965 an, allerdings von Beginn an so, wie sie es sich vorstellt und nicht so, wie ein traditionelles Drumset aufgestellt ist: Sie spielt lieber im Stehen als im Sitzen, dreht die Basedrum mit dem Fell nach oben und bearbeitet sie mit Fellschlegeln anstatt einer Fußmaschine – einfach, weil sie dann besser hinkommt – und: Sie missachtet Becken. Die Aufgabe eines Drummers sei es, das Tempo vorzugeben, Becken würden das nur übertönen.

Ihr Stil ist sehr untypisch fĂĽr die Zeit (eigentlich auch noch fĂĽr heute) und oft minimalistisch gehalten. Trotzdem hat sie einen erheblichen Einfluss auf die Songstrukturen der Band. Bestes Beispiel dafĂĽr ist wohl „Heroin“, das, als Tucker zur Band stieĂź, noch eher in eine folkige Richtung ging. Tuckers unraste Interpretation des Songs und der Lyrics auf ihrem Instrument machte „Heroin“ zu dem Trip, als der er in die Geschichte eingehen sollte.

Ganz ohne musikalische Einflüsse agiert Moe Tucker trotzdem nicht. Vor allem der afrikanische Drummer Babatunde Olatunki, der mit „Drums Of Passion“ 1959 eines der von der Instrumentierung her ersten reinen Perkussionsalben überhaupt aufgenommen hatte, beeinflusst ihr Spiel. Ihre oft trance-artigen, an traditionelle afrikanische Musik erinnernden Rhythmen sind dadurch sicherlich mitgeprägt worden.

Nach dem Aus von VU Anfang der 70er zieht sich Moe Tucker aus dem Musikleben zuerst nach Phoenix und später nach Douglas in Georgia zurĂĽck, wo sie als alleinerziehende Mutter eine Stelle als Kassiererin bei Wal-Mart antritt. Anfang der 80er beginnt Tucker wieder Musik zu machen, sie lernt Gitarre und wird unterstĂĽtzt von Bewunderen und Freunden wie Daniel Johnston, Sonic Youth oder Lou Reed. Ihre Musik handelt von ihrer Frustration, angepisst vom Rock‘n'Roll-Zirkus, vom Dasein als alleinerziehende Mutter und von ihrer harten Arbeit fĂĽr nur wenig Geld. Von 1981 bis 1994 veröffenticht Tucker vier Alben.

1989 bekommt sie die Möglichkeit, ihren Job zu kündigen und mit der Noise-Band Half Japanese aus Austin als Drummerin auf Tour zu gehen. 1993 dann die VU-Reunion, Tucker ist wieder im Musikgeschäft angekommen. Im Folgenden ist sie vor allem als Kooperationspartnerin für einzelne Projekte gefragt, allerdings tritt sie immer sporadischer in Erscheinung. Ihr letzter musikalischer Beitrag ist auf dem Album „Pretty in Black“ der Raveonettes von 2005 zu hören. Auf „Red Tan“ spielt sie die Drums – natürlich wieder ohne auch nur ein Becken zu berühren.

Tickets fĂĽr das The Sound Of Bronkow Music Festival

25.08.2014 von  

The Sound Of Bronkow Music FestivalThe Sound Of Bronkow Music Festival

The Sound Of Bronkow ist ein dreitägiges Musikfestival für Folk-, Indie- und Singer-Songwriter-Musik rund um das Dresdner Societaetstheater, präsentiert von dem lokalen Plattenlabel K&F Records und dem Societaetstheater, in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Vom 5. bis zum 7. September findet das The Sound Of Bronkow Music Festival zum fünften Mal statt. Wie wunderschön es in und um das Societaetstheater herum so zugeht, könnt Ihr im unten stehenden Rückblickvideo von 2013 sehen. Sehr fein ausgewählt ist auch das Line-up. 2014 sind unter anderem dabei: The Felice Brothers, Beaty Heart, Vin Blanc / White Wine, Talking To Turtles, Die Höchste Eisenbahn, Aloa Input und Swearing At Motorists.

ByteFM präsentiert das The Sound Of Bronkow Music Festival in Dresden und verlost 2Ă—2 Karten fĂĽr das komplette Wochenende. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns einfach bis zum 1. September mit dem Betreff „Bronkow“ und unter Angabe Eures Vor- und Zunamens an verlosungen@byte.fm. Die Gewinnerinnen und Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per E-Mail.

05. bis 07.09.14 Dresden – Societaetstheater

artistxite Charts vom 18.08. bis 24.08.2014

25.08.2014 von  

artistxite Charts

Einmal in der Woche stellen wir die Charts unseres Partners artistxite vor, einem Musik-Download-Shop mit redaktioneller Begleitung. Alle in den Charts vertretenen Veröffentlichungen können im Shop von artistxite gekauft werden.

1. Benjamin BookerBenjamin Booker
2. FKA twigsLP1
3. PallbearerFoundations Of Burden
4. TrĂĽmmerTrĂĽmmer
5. Adult JazzGist Is
6. The/DasFreezer
7. SpoonThey Want My Soul
8. JJV
9. Various Artists – A Tribute to Nils Koppruch + FINK
10. ChildhoodLacuna
11. Niels FrevertParadies Der Gefälschten Dinge
12. FaltyDLIn The Wild
13. The BugAngels & Devils
14. Bishop AllenLights Out
15. Shabazz PalacesLese Majesty
16. Hyde & BeastKeep Moving
17. MoiréShelter
18. Die SonneDie Sonne
19. Angus & Julia StoneAngus & Julia Stone
20. BeatsteaksBeatsteaks

Elvis Costello wird 60

25.08.2014 von  

Elvis CostelloElvis Costello, © James O‘Mara

Happy Birthday Elvis Costello! Zum 60. Geburtstag des „most […] innovative, and gifted songwriter since Bob Dylan“ spendieren wir eine Liste und stellen fest:

Elvis Costello:

…hat in 35 Jahren 37 Alben veröffentlicht
…ist mit seiner Musik auf ĂĽber 150 unterschiedlichen Tonträgern vertreten
…heiĂźt eigentlich Declan McManus, was im Grunde auch kein so schlechter Name ist
…ist der Sohn des erfolgreichen englischen Sängers und Trompeters Ross McManus
…hat sich den Namen „Costello“ von seiner Ur-GroĂźmutter väterlicherseits und das „Elvis“ von Mr. Presley angeeignet
…hatte nach dem von punkigen Klängen geprägten Beginn seiner Karriere ausgerechnet mit einer Reggae-Nummer seinen ersten Hit („Watching The Detectives“)
…hat aber auch Hip-Hop, grundehrlichen Rock, ĂĽppigen Pop, Country-Folk und Americana, Film- und Balletmusik sowie Soul und Bossa Nova in seinem Gemischtwarenladen anzubieten. Meistens dann gleich ganze Alben zu einem Thema
…hat sich zusammen mit dem Ensemble Brodsky Quartet auch in die Welt der klassischen Musik gewagt
…und sich von einem 52-köpfigen Jazz-Orchester gleich mal ein ganzes Album einspielen lassen (Das Live-Album „My Flame Burns Blue“)
…hat mit den Musik-Schwergewichten Paul McCartney, T-Bone Burnett, The Roots, Burt Bacharach, Allen Tossaint, Chet Baker und Billie Joe Armstrong zusammengearbeitet
…hat Songs fĂĽr Johnny Cash, Dusty Springfield, Aimee Mann und Roger McGuinn geschrieben
…hat als Produzent am DebĂĽt-Album von The Specials und an Alben von The Pogues gearbeitet
…hat eine Zeit lang seine Konzerte a capella und ohne Mikrofon mit dem Song „Couldn’t Call It Unexpected, No. 4“ beendet. Das Publikum schwieg brav
…ist mit „This Year’s Model“ von 1978 und „Imperial Bedroom“ von 1982 in der Liste der 500 besten Alben aller Zeiten des Rolling Stone vertreten
…lässt durch Aussagen wie „Congratulations! You‘ve just purchased our worst album“ (ĂĽber „Goodbye Cruel World“) auch mal die im Pop oft so schmerzlich vermisste Selbstironie aufblitzen
…hatte Cameo-Auftritte in „Austin Powers 2“ und „Spiceworld – Der Film“ (von den Spice Girls ĂĽber die Spice Girls)
…wurde 2004 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen
…hat ein eigenes Gibson-Modell spendiert bekommen, die „Elvis Costello Limited-Signature-Guitar“
…lässt uns bei Betrachtung seines Veröffentlichungsrhythmus‘ auf noch mindestens 30 weitere, wundervolle Alben hoffen!

Bis zum 120., dann mit 80 Platten.

Alles Gute wĂĽnscht ByteFM!

Album der Woche: Niels Frevert – „Paradies Der Gefälschten Dinge“

25.08.2014 von  

Niels Frevert - Paradies Der Gefälschten DingeVÖ: 22. August 2014
Web: nielsfrevert.net
Label: Grönland

Niels Frevert ist einer dieser Musiker, denen man endlos zuhören könnte. Sobald der letzte Song der Platte verklungen ist, zuckt die Hand automatisch zum Play-Button und erneut taucht man in den schillernden Klangkosmos ein. Die Stimme des Hamburgers zieht sofort in ihren Bann, es ist die perfekte Mischung aus rauen und zarten Nuancen. Obgleich der Zuschreibung „lässig“ durch exzessiven Gebrauch inzwischen ein fader Beigeschmack innewohnt, passt sie zu Niels Frevert wie die Faust aufs Auge.

Als kreativer Kopf und Sänger der 1991 gegrĂĽndeten Hamburger Band Nationalgalerie macht Niels Frevert erstmals auf sich aufmerksam. FĂĽnf Jahre und vier Alben später löst sich die Gruppe auf und Frevert startet seine Solokarriere mit dem 1997 erscheinenden, selbstbetitelten DebĂĽtalbum. „Paradies Der Gefälschten Dinge“ ist sein inzwischen fĂĽnftes Album und im Vergleich zum Vorgänger „Zettel Auf Dem Boden“ von 2011 hat sich einiges geändert. So wechselt der Musiker zu Grönland Records, dem Label von Herbert Grönemeyer. Als Produzent wird Olsen Involtini angeheuert, dem sich in der Vergangenheit auch schon KĂĽnstler wie Peter Fox, Miss Platnum oder Casper anvertrauten. Wie das klingt? Orchestraler Pop ist wohl die beste Bezeichnung fĂĽr das, was Frevert und Involtini da im Studio erschaffen. Ruhige, zurĂĽckgenommene Klavierparts, opulente Streicherarrangements, detaillierte Bläser und erdige Akustikgitarren sind die Quintessenz des Albums: „Gehobener Mainstream“, wie Niels Frevert selbst seinen Sound klassifiziert.

Was die Songtexte angeht, ist Niels Frevert ein regelrechter Geschichtenerzähler: Er selektiert kleine Begebenheiten aus dem Leben, gibt sie wieder in seiner nĂĽchtern-puristischen Erzählweise und verleiht ihnen dadurch zum Teil einen paradox-fantastischen Anstrich. So schwebt z. B. ein Ufo ĂĽber dem Kirchentag in Hamburg. In „Schwör“ versichert der Sänger einem Freund in der Psychiatrie, dass dieser lebend herauskommt. Und die trockene Antwort auf einen Heiratsantrag kommt mit: „Das Mit Dem GlĂĽcklichsein Ist Relativ“. Der 46-jährige Sänger verpackt ernste Themen in wunderschöne Instrumentierungen. Die Jazz-Ballade „Die Abbiegung“ ist das Trennungs-Manifest eines verletzten Mannes, ein Liebeslied in Zeiten der Krise: „Ich werd immer auf deiner Seite sein. Egal was war, egal was kommt. Aber als dein Feind werd ich dir nich’ mehr zur VerfĂĽgung stehn, weil ich nich’ mehr kann, weil ich nich’ mehr will.“ Die wohl schönste Bridge des Albums hält das Bossa-Nova-StĂĽck „Morgen Ist Egal“ parat: „Ich hab so lang auf dich gewartet. Ich war traurig ohne Grund, auf den ich sinken konnt’. Ohne dich is’ mir einsam und kalt. Und morgen is’ egal.“ Morgen ist egal – Niels Frevert macht groĂźartige Musik fĂĽr den Moment, ĂĽber die verrĂĽckten, traurigen, glĂĽcklichen und absurden Geschichten, die so nur das Leben schreiben kann.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Niels Frevert“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Grönland | Kaufen

Edwyn Collins wird 55

23.08.2014 von  

Edwyn CollinsEdwyn Collins (Quelle: alterna2 profile at Flickr website – Flickr original image. Lizensiert unter Creative Commons Attribution 2.0 via Wikimedia Commons)

Der Mann mit den drei Karrieren, Edwyn Collins, wird heute 55 Jahre alt. Er hat im großen Pop-Buisness dreimal Außergewöhnliches geschaffen: Die Postpunk-Truppe Orange Juice, eine Solokarriere mit dem absoluten Welthit „A Girl Like You“ und das Comeback nach einem Schlaganfall in den 2000ern. Wir blicken an Edwyn Collins Geburtstag zurück auf sein bisheriges Leben.

Edwyn Collins war mit seiner Band Orange Juice wichtiger Wegbereiter für den Adel der britischen Popmusik der 80er (zum Beispiel The Smiths), ist jedoch keine Engländer, sondern Schotte.
Am 23. August 1959 wurde Collins in Edinburgh geboren. Schon im Teenageralter stellte er selbst die Weichen für seine spätere Karriere: 1976 gründete er als Sänger, Songschreiber und Gitarrist mit seinen drei Freunden David McClymont, Steven Daly und James Kirk die Band The Nu-Sonics. 1979 unterschrieb die Band bei dem neu gegründeten Glasgower Label Postcard, benannte sich in Orange Juice um und wurde postwendend zum Flagschiff des jungen Labels und der schottischen Musikszene. Die erste Single der Band, Falling And Laughing, wurde ein von den Kritikern hoch gelobter Erfolg. Orange Juice hauchten dem düsteren Sound des Postpunk, geprägt von Bands wie Joy Division oder Echo And The Bunnymen, durch ihre leichtere, melodiöse und verspieltere Herangehensweise an die Musik eine neue Vitalität ein.

Die Aufnahmen fĂĽr ein DebĂĽt-Album begannen, 1982 erschien „You Can’t Hide Your Love Forever“. Schon während des Aufnahmeprozesses hatte man sich von Postcard getrennt und einen Vertrag beim Major-Label Polydor unterschrieben. Das Album kam bei der Presse wieder durchwegs gut an, der erste richtige Hit folgt jedoch erst mit dem zweiten Orange Juice Album: „Rip It Up“ lautete sowohl der Titel der zweiten Single als auch des Albums. Die Single stieg in die Top 40 der britischen Charts ein.

Es blieb allerdings ihr einziger Charterfolg. Aufgrund von kĂĽnstlerischen Differenzen zerfiel die Band. Von den GrĂĽndungsmitgliedern war auf Album Nr. 3 („Orange Juice“) nur noch Collins dabei. Aufgrund schlechter Verkaufszahlen wurde er 1984 von Polydor gefeuert, das Ende von Orange Juice war besiegelt. Collins startete daraufhin seine Solokarriere, die ĂĽber Jahre hinweg nur mäßig erfolgreich verlief. Er war wohl zu sturköpfig und wollte sich nicht in seine Kunst hineinreden lassen, weswegen kein Label ihn unter Vertrag nahm. SchlieĂźlich, quasi aus dem nichts, dann doch noch der ganz groĂźe Erfolg: „A Girl Like You“ von 1994 wurde zu einem absoluten Welthit, der selbst heute wohl noch jedem ein Begriff ist.

Anfang des neuen Jahrtausends gab es dann erneuten, unerwarteten Rückenwind von schottischen Bands wie Franz Ferdinand oder Belle & Sebastian, die Orange Juice als eine ihrer größten Inspirationsquellen nannten, diese sogar musikalisch zitierten und somit auch Collins im Gespräch hielten.

2005 erlitt Collins unerwartet zwei schwere Schlaganfälle, es musste eine Notoperation an seinem Gehirn vorgenommen werden. In der Folge musste der Musiker erst wieder gehen und sprechen lernen. Unterstützt wurde er dabei von seiner Frau und langjährigen Managerin Grace Maxwell sowie Alex Kapranos von Franz Ferdinand. Kapranos begleitete Collins zusammen mit BBC6 und dokumentierte seinen langsamen, aber kontinuierlichen Erholungsprozess. Collins schaffte es, sich zurück ins Leben und Musikgeschäft zu kämpfen. 2010 erschien sein Album „Loosing Sleep“, unterstützt wurde er dabei von seinen Fans und mittlerweile auch Freunden Alex Kapranos von Franz Ferdinand, Johnny Marr von The Smiths und der jungen Surf-Rock-Formation The Drums.

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