artistxite Charts vom 25.08. bis 31.08.2014

01.09.2014 von  

artistxite Charts

Einmal in der Woche stellen wir die Charts unseres Partners artistxite vor, einem Musik-Download-Shop mit redaktioneller Begleitung. Alle in den Charts vertretenen Veröffentlichungen können im Shop von artistxite gekauft werden.

1 TrĂŒmmerTrĂŒmmer
2 Benjamin BookerBenjamin Booker
3 Basement JaxxJunto
4 The/DasFreezer
5 FKA twigsLP1
6 PallbearerFoundations Of Burden
7 Various Artists – A Tribute To Nils Koppruch + FINK
8 Cold SpecksNeuroplasticity
9 The RentalsLost In Alphaville
10 Niels FrevertParadies Der GefÀlschten Dinge
11 ChildhoodLacuna
12 RustieGreen Language
13 The BugAngels & Devils
14 FaltyDLIn The Wild
15 Royal BloodRoyal Blood
16 SpoonThey Want My Soul
17 MoiréShelter
18 Y‘akotoMoody Blues
19 Shabazz PalacesLese Majesty
20 JJV

Tickets fĂŒr Dan Sartain

01.09.2014 von  

Foto des Musikers Dan SartainDan Sartain

Mit „Pass This On“, dem Cover eines Songs der schwedischen Elektro-Pop-Band The Knife, hatte Dan Sartain dieses Jahr einen veritablen Sommerhit bei ByteFM. Kaum ein anderes Lied wurde bei uns im FrĂŒhjahr und Sommer so oft durch den digitalen Äther gejagt wie die vollends stimmige Neuinterpretation von „Pass This On“ durch den Amerikaner. Obwohl sowohl Original als auch Cover eher ruhigere Nummern sind, lĂ€sst Dan Sartain gerne auch mal die angepunkte Blues-Sau raus, nachzuhören auf seinem aktuellen Album „Dudesblood“ und im September nun auch live.

ByteFM prĂ€sentiert die Tour von Chad VanGaalen und verlost 1×2 Karten pro Spielort. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns bis zum 7. September mit dem Betreff „Sartain“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinnerinnen und Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per E-Mail.

Die Termine:

11.09.2014 Köln – GebĂ€ude 9
12.09.2014 Hamburg – Molotow (Exil)
13.09.2014 Berlin – Privatclub
16.09.2014 MĂŒnchen – The Atomic CafĂ©

Steve Reichs „Drumming“ und „Music for 18 Musicians“ im Rahmen von Berlin Atonal

Musiker, die Steve Reichs Music for 18 Musicians live interpretieren„Drumming“ und „Music for 18 Musicians“ wurden beim Eröffnungskonzert von Berlin Atonal interpretiert (Foto: Camille Blake)

Diese TrommelschlĂ€ge, jeder einzelne wie eine Symphonie, in der stillgelegten Heizkraftwerkhalle mit ihren 20 Meter hohen WĂ€nden aus Beton, die selbst den Klang eines Staubkorns ins Unermessliche ausdehnen wĂŒrden. SpĂ€ter dann noch mehr TrommelschlĂ€ge, die sich polyrhythmisch ĂŒberlagern und in einem diffusen Klangrausch mĂŒnden, bis nichts mehr Sinn ergibt, nein, bis eigentlich alles Sinn ergibt. Es ist diese psychoakustische Verwirrung zwischen Hypnose und Musikanalyse, die die Musik des US-amerikanischen Komponisten Steve Reich so faszinierend macht. Das von vier Schlagzeugern performte „Drumming“, bei dem die Musiker zunĂ€chst unisono eine rhythmische Abfolge spielen, bevor sie ihre SchlĂ€ge immer mehr gegeneinander verschieben, ist das erste von zwei StĂŒcken des Eröffnungskonzerts des Berlin Atonal Festivals. Komponiert wurde das Meisterwerk der Minimal Music zu einer Zeit, in der die Phasenverschiebungen, ein zentraler Bestandteil des StĂŒcks, noch nicht elektronisch erzeugt werden konnten. Umso interessanter, dass das Festival neben diesem Klassiker der Minimal Music vor allem KĂŒnstler aus dem Bereich experimenteller elektronischer Musik, Techno und Bassmusic vereint.

„Drumming“ war an diesem Abend nur das Intro. Die meisten der rund 1200 Besucher sind wegen „Music for 18 Musicians“ gekommen, das vom Frankfurter Neue-Musik-Orchester Ensemble Modern und dem Londoner Vokalensemble Synergy Vocals aufgefĂŒhrt wird. Es ist das wohl berĂŒhmteste OrchesterstĂŒck des New Yorker Komponisten. Vermutlich auch, weil hier die VirtuositĂ€t Reichs am deutlichsten wird. Sie besteht vor allem darin, KomplexitĂ€t und KomplexitĂ€tsreduktion gleichzeitig zu erzeugen. Die Hörer werden zum selektiven Hören herausgefordert, stĂ€ndig zwischen erhöhter Konzentration und Trance changierend, immer der nĂ€chsten subtilen TonverĂ€nderung hinterherjagend. Vibraphone, die minutenlang ein kurzes melodisches Motiv wiederholen, Violinen, die es aufgreifen, ergĂ€nzen und anschließend an die beiden Klaviere zurĂŒckbeamen, bis das ursprĂŒngliche Motiv nur noch eine abstrakte Erinnerung ist, bevor die Vibraphone es wieder adaptieren. Musik, die ein- und ausatmet, wie ein lebendiger Organismus, der weiß, dass ihn nur wiederholte AtemzĂŒge am Leben erhalten können.

Die aus der Repetition entstehende Trance passt zur kommunistischen AtmosphĂ€re des Abends, an dem unterschiedliche musikalische Epochen, aber auch Lebensstile aufeinandertreffen. BildungsbĂŒrger im fortgeschrittenen Alter sitzen rotweintrinkend auf StĂŒhlen, daneben ein paar Technonerds, und niemand stört sich trotz strengen Rauchverbots an den hinter ihnen auf dem Boden sitzenden MĂ€nnern, die genĂŒsslich einen Joint nach dem anderen qualmen.

Dass das Festival mit einem der Pioniere der Minimal Music beginnt, entspricht der Logik von Berlin Atonal, das 2013 unter der Leitung Dimitri Hegemanns reaktiviert wurde, nachdem es von 1982 bis 1990 zu einem der wichtigsten Festivals Berlins avancierte. Schon damals baute das Line-up, das die EinstĂŒrzenden Neubauten mit dem Techno-KĂŒnstler Jeff Mills zusammenbrachte, eine BrĂŒcke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, aber auch zwischen Clubkultur, Pop und Kunst. Auch heute, im Zeitalter der lĂ€ngst ĂŒberwundenen Postmoderne, lohnt es, sich die musikalischen Parallelen zwischen Steve Reich und aktueller Clubmusik zu vergegenwĂ€rtigen. Immerhin war er zusammen mit seinen GefĂ€hrten Terry Riley und Philip Glass zu Beginn der 60er-Jahre einer der ersten, die Repetition und minimalistische Kompositionsverfahren fĂŒr die Orchestermusik etablierten – und damit den Weg fĂŒr Krautrock und den Prototechno von Kraftwerk ebneten.

Miminal Music wurde Ende der 60er neben ein paar Kennern höchstens von vereinzelten Hippies auf der Suche nach der musikalischen Erleuchtung gehört. Wie dieser Abend zeigt, wird sie heute vor allem von ClubmusikanhĂ€ngern geschĂ€tzt, die in einer Welt aufgewachsen sind, in der die Repetition von Tönen und rhythmischen Mustern lĂ€ngst NormalitĂ€t ist. „I had a religious experience, man“, erzĂ€hlt mir ein Dubstep-DJ nach dem Konzert. So wie ihm ging es vermutlich vielen. Und so gelingt es Berlin Atonal, aus den vielen losen Verbindungen einen Bedeutungsteppich zu knĂŒpfen, der die Musik vom Bristoler Bassmusic-Kollektiv Young Echo, den traumwandlerischen Ambient von Biosphere, den rauen Industrial von Cabaret Voltaire und den zĂ€hflĂŒssigen Techno von Sigha zusammenhĂ€lt. Zum Schluss von „Music for 18 Musicians“ gibt es tosenden Applaus mit Endloshall. Das perfekte Intro fĂŒr die DJ-Sets im „Tresor“, etwa 25 Meter weiter unter uns.

Archie Bell wird 70

01.09.2014 von  

Archie Bell & The DrellsArchie Bell (Mitte) mit The Drells

Archie Bell wurde am 1. September 1944 in Henderson, Texas in eine große Familie geboren. Er und seine sechs BrĂŒder wurden von seiner Mutter jedes Wochenende in die Kirche gebracht. Hier schloss sich Archie dem Chor an. Archie Bell & The Drells grĂŒndete er als Teenager, zusammen mit seinen Freunden Billy Butler, James Wise und Willie Parnell.

Sie traten bei vielen Talentwettbewerben in und rund um Houston auf und gewannen die meisten. Skipper Lee Frazier, ein Radio-DJ und Manager, entdeckte die vier und nahm sie unter seine Fittiche. Er machte die Drells mit der TSU Tornadoes Band bekannt. Gemeinsam nahmen sie „Tighten Up“ auf. Das StĂŒck wurde ein Hit, der grĂ¶ĂŸte Hit fĂŒr Archie Bell & The Drells. „Tighten Up“ fĂŒhrte 1968 sowohl die Pop- als auch die R‘n'B-Charts an und verkaufte sich mehrere Millionen mal.

Archie Bell jedoch war gar nicht in den Staaten um den Erfolg zu genießen. Der SĂ€nger wurde kurz vor Release der Single als Soldat eingezogen und in Deutschland stationiert. Die Drells traten derweil mit anderen FrontmĂ€nnern auf. Doch Bell konnte bald wieder zurĂŒck. Es folgten beliebte R‘n'B-Platten wie „I Can’t Stop Dancing“ und „There’s Gonna Be A Showdown“. In den 70ern wendeten sich Archie Bell & The Drells Funk und Disco zu.

Die Gruppe löste sich 1980 auf, daraufhin brachte Bell eine Soloplatte heraus. Seit den 80ern steht er mit The Drells in unterschiedlichen Besetzungen auf der BĂŒhne.

Album der Woche: Die Sterne – „Flucht In Die Flucht“

01.09.2014 von  

Die Sterne - Flucht In Die FluchtVÖ: 29. August 2014
Web: diesterne.de
Label: Staatsakt

Welche Beschreibungen könnten dieser Band nur gerecht werden? Sie ist legendĂ€r ohne eingebildet zu wirken, innovativ ohne die eigenen UrsprĂŒnge zu vergessen und bestĂ€ndig ohne monoton zu sein. Die Sterne wirbeln seit 1992 auf den nationalen und internationalen BĂŒhnen umher, prĂ€gen maßgeblich den Begriff der Hamburger Schule und veröffentlichten jĂŒngst ihr zehntes Album. Und fĂŒr dieses JubilĂ€um kehrt das Trio wieder zurĂŒck zu einem gitarrenbetonten Sound, nachdem es beim 2010er Werk „24/7″ den Schwerpunkt auf Diskorhythmen und Synthies legte.

Produziert wurde „Flucht In Die Flucht“ von Olaf Opal, aufgenommen wurde in Bremen und Hamburg. Wer den Werdegang der Sterne kontinuierlich mitverfolgt, dĂŒrfte wissen, dass die Band auch ab und zu mit Keyboardern – Frank Will und Richard von der Schulenburg – als Quartett agierte. Aber wie schon beim VorgĂ€ngeralbum glĂ€nzen die Sterne auch beim aktuellen Werk zu dritt: Zum einen ist da SĂ€nger und Gitarrist Frank Spilker, der nebenbei auch seine eigene Sendung Frank-A-Delic (alle vier Wochen, donnerstags von 14 bis 15 Uhr) bei ByteFM moderiert. Des Weiteren sind da Schlagzeuger Christoph Leich und Bassist Thomas Wenzel, der seines Zeichens auch tĂ€tig ist bei den Goldenen Zitronen.

Psychedelische Klangwelten, Anleihen an die 60er und 70er und eine Menge funkiger Rhythmen und BasslĂ€ufe schlagen dem Hörer entgegen. „Es tönen die rĂŒckkoppelnden Gitarren in Ehrerweisung an Jimi Hendrix, AC/DC, Dinosaur Jr. bis zu den Butthole Surfers, man ist bewegt von der Funk- & Soul-Historie von Motown ĂŒber Funkadelic bis Sly & The Family Stone, pfeift eingĂ€ngige Folk- und Popmelodien von ‚Lola‘ bis ‚Bakerman‘, findet Gefallen am Swamp-Blues und schrĂ€gen Folk-Moritaten und schichtet alles auf- und durcheinander wie zu besten ‚Easter Everywhere‘-Zeiten.“ Und doch ist das zehnte Album des Hamburger Trios mehr als Reminiszenzen an andere KĂŒnstler, wie im Falle des vorangegangen Pressetextausschnittes. Die Sterne sind schlichtweg einzigartig. Und das zeigen sie auch noch – oder erst recht – mit Album Nummer zehn.

„Wie lange muss das Leben warten? Worauf soll man es verschieben? Wenn man es nur aus der Ferne kennt, wie soll man es dann leben?“, fragt Spilker im Opener „Wo Soll Ich Hingehen?“. Ein weiteres Highlight ist das grandios betitelte „Menschenverachtendverliebt“. Wie so oft ist auch hier ein Backgroundchor zu hören, bestehend aus jungen Hamburger Bands wie Zucker, Der BĂŒrgermeister Der Nacht und Schnipo Schranke. Generationen-VerstĂ€ndigung hat nie schöner geklungen. „Ihr Wollt Mich Töten“, ein Duett mit Alexander Hacke, Bassist der EinstĂŒrzenden Neubauten, erinnert an eine bittere Ballade aus Zeiten des Wilden Westens. Den „Innenstadt Illusionen“ erliegen die Sterne in einer Art sechsminĂŒtigem Mantra, ĂŒber dem eintönige Phrasen ĂŒber die Folgen von Gentrifizierung rezitiert werden: „Bezahlbare Wohnung in den gĂ€ngigen Vierteln gesucht. Nach der Renovierung werden die Preise kaum merklich steigen.“ Das zehnte Album der Sterne ist Vielfalt in jeglicher Hinsicht, angefangen bei der SonglĂ€nge (das kĂŒrzeste StĂŒck hat eine Spieldauer von 1:46 Minuten, das lĂ€ngste wie bereits erwĂ€hnt knapp sechs Minuten) ĂŒber die besungenen Themen bis hin zur Instrumentierung. „Hier kommt das Ende, wir haben alles versucht. Hier kommt die Wende, hier kommt die Flucht in die Flucht.“

Vor wenigen Tagen waren die Sterne bei uns zu Gast im Studio und haben zwei Songs aus ihrem neuen Album gespielt. Diese könnt Ihr hier nochmals anhören.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Die Sterne“ und seiner/ihrer vollstĂ€ndigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Staatsakt | Kaufen

Vor 20 Jahren erschien „Definitely Maybe“

30.08.2014 von  

(Foto: Jill Furmanovksy)
Foto: Jill Furmanovksy | Copyright: Jill Furmanovksy / Sony Music

„I live my life for the stars to shine
People say it’s just a waste of time
When they say I should feed my head
That to me was just a day in bed
I‘ll take my car and drive real far
They‘re not concerned about the way we are
In my mind my dreams are real
Now you concerned about the way I feel
Tonight – I‘m a rock‘n'roll star.“

Das bis dato am schnellsten verkaufte DebĂŒtalbum in England, sofort von der Null auf Platz Eins der Albumcharts und kaum eine Alben-Bestenliste, die es nicht enthĂ€lt: „Definitely Maybe“ von Oasis ist zweifelsohne ein Meilenstein in der Geschichte der Britband, sowie auch der Musikgeschichte generell. Heute vor 20 Jahren erschien das erste Album der jungen Band Oasis aus Manchester.

1991 willigte Noel Gallagher ein, in der Band seines kleines Bruders Liam mitzumischen – unter der Bedingung, ohne Beteiligung der anderen Musiker als Songwriter tĂ€tig zu sein. Der herrische Plan ging auf: Oasis bekamen 1993 dank unnachgiebiger Methoden (z.B. der Besetzung eines Pubs mit der VerkĂŒndung, erst nach einem Gig wieder zu verschwinden) einen Plattenvertrag bei Creation Records, dem Independent-Plattenlabel, das zehn Jahre zuvor von Alan McGee gegrĂŒndet wurde. Die Kosten der Studiosessions beliefen sich im Endeffekt auf rund 85.000 Pfund (158.000$) – eine stolze Summe, die aber, wie sich zeigen sollte, klug investiert war. Im April erschien die erste Single „Supersonic“, die angeblich innerhalb 30 Minuten komponiert war, und schaffte es auf Platz 31 der britischen Singlecharts. Nach Veröffentlichung der dritten Single „Live Forever“, die in die Top10 einsteigt, wurde das DebĂŒtalbum schließlich Ende August 1994 auf den Markt geworfen. Hochtrabend singt Noel Gallagher auf dem Album-Opener „Tonight – I‘m a rock‘n'roll star!“ und hat damit auch nicht unrecht. Gitarrenlastige Musik wurde selbstbewusst wiederbelebt – und das kommt an.

Bereits zwei Tage nach der Veröffentlichung wurde das Album mit dem paradoxen Titel „Definitely Maybe“ mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Viele weitere Auszeichnungen sollten im Laufe der Monate und Jahre folgen, im Verlauf ihrer Karriere veröffentlichte die fĂŒnfköpfige Band sieben Alben. GeprĂ€gt waren die 18 Jahre von Oasis dagegen auch von andauernden Streitigkeiten zwischen den Gallagher-BrĂŒdern. Diese fĂŒhrten letztendlich zur Auflösung der Band: Im August 2009 stritten sich Noel und Liam vor einem Festival-Gig in Frankreich so sehr, dass der Auftritt in letzter Minute abgesagt wurde und kurz darauf das Ende von Oasis verkĂŒndet wurde. Bis zum heutigen Tage hoffen Fans auf eine Wiedervereinigung der einflussreichen Musiktruppe.

Neue Platten: Sinkane – „Mean Love“

Cover des Albums Mean Love von SinkaneSinkane – „Mean Love“ (City Slang)

„My moon, je t’aime“. Den Mond zu lieben, ist gar keine so schlechte Idee. Denn im Gegensatz zu einem Menschen ist er in der Lage, allen erdenklichen Projektionen, mit denen wir geliebte Personen unwillkĂŒrlich ĂŒberfrachten, standzuhalten. Jeden Tag und jede Nacht schwebt er am selben Ort im Himmel, ĂŒber alle Zweifel erhaben und abhĂ€ngig höchstens vom Sonnensytem.

Kann man also nur hoffen, dass der „moon“, den Ahmed Gallab aka Sinkane auf seinem neuen Album „Mean Love“ im traumwandlerischen „Moonstruck“ besingt, auch wirklich der echte Mond ist.

Um die Ambivalenzen und schmerzhaften Wahrheiten von Liebe, vielleicht um die böse, die unerwiderte Liebe, drehen sich viele Songs auf dem neuen Werk des aus dem Sudan stammenden New Yorkers – so auch der Titeltrack „Mean Love“, in dem Gallab seine Kopfstimme, die von sarkastischen Country-Gitarren beantwortet wird, wohl am stĂ€rksten beansprucht.

WĂ€hrend sich viele Songs stilistisch unterscheiden, von „New Name“, ein AfrobeatstĂŒck inklusive bombastischen Fanfarenarrangements, ĂŒber den Retrofunk in „Yacha“ bis zu dem angerockten Soul in „How We Be“, werden alle Songs von Gallabs Falsettstimme zusammengehalten. Doch im Gegensatz zu seinen unĂŒberhörbaren Vorbildern wie Curtis Mayfield, bei dem diese Technik noch ein Zeichen dafĂŒr war, dass die SouverĂ€nitĂ€t verbaler Kommunikation sich in einem Übermaß von Euphorie entlĂ€dt, ist sie hier eher ein „Signet von Melancholie“ (Ueli Bernays).

Eine Melancholie allerdings, die von der weitgehend hoffnungsvollen AtmosphĂ€re der Musik gebrochen wird. In „Omdurman“, dem nach Gallabs Heimatstadt im Sudan benannten Song, versteckt sich der allgegenwĂ€rtige Weltschmerz unter schlagerartig-fröhlichen Melodien. Mit den Zeilen des Schlußrefrains: „Where, if I should settle down, will I finally settle?“ findet Sinkane dann auch die richtigen Worte fĂŒr eine frustrierte Generation junger Menschen, denen ihre Wurzeln abhandengekommen sind. „Mean Love“ ist eines dieser Alben, die mit dem mehrmaligen Hören immer besser werden. Bis man alle Zwischentöne unter der vermeintlich glatten OberflĂ€che entdeckt hat. Und auch wenn Sinkane es anders meinte, sich den Mond als Liebespartner zu wĂ€hlen, das ist nach wie vor eine tolle Idee.

Label: City Slang | Kaufen

Video: Blank Realm live und im Interview

29.08.2014 von  

Foto von der Band Blank RealmBlank Realm

Mit ihrem aktuellen Album „Grassed In“ ist es der Rockband Blank Realm gelungen, ihre unterschiedlichen EinflĂŒsse perfekt wie nie zu verbinden: epischer Krautrock, psychedelische Gitarren und subtil dĂŒsteres Songwriting, das in kompakte Popsongformen gegossen wurde.

Fast zwei Monate ist es her, als die Australier im Hamburger Aalhaus im Rahmen des von uns prĂ€sentierten Jever Kneipenkonzerts live gespielt haben. Daraus ist ein kurzes Video entstanden, in dem die Band nicht nur live, sondern auch im Interview zu sehen ist. Darin sprechen die vier u. a. ĂŒber ihre Lust an neurotischen Songtexten und die fĂŒr sie lebenswichtige Bedeutung von Musik.

The Smashing Pumpkins: Monumentale Neuauflage von „Adore“

Foto von Billy Corgan von den Smashing PumpkinsThe Smashing Pumpkins

Als The Smashing Pumpkins 1998 ihr Album „Adore“ veröffentlichten, war das BandgefĂŒge bereits porös – es war der Anfang vom Ende einer der prĂ€gendsten Rockbands der 90er-Jahre. Jetzt erscheint eine monumentale Neuauflage des Albums. Auf dem sechsteiligen CD/DVD-Paket befinden sich nicht weniger als 107 Tracks, darunter Demos, Outtakes und Liveversionen.

„Adore“ erzĂ€hlt vor allem vom Wendepunkt in der Bandgeschichte. Ein Jahr vor den Aufnahmen trennte sich die Band von ihrem Drummer Jimmy Chamberlin, nachdem er in einem Hotelzimmer nach einer Überdosis Heroin fast gestorben wĂ€re. Doch wie so oft sind Trennungen ein Befreiungsschlag. So war der Rausschmiss zwar schmerzhaft, aber gleichzeitig ein zentraler kreativer Wendepunkt der Band. Anstatt einen neuen Schlagzeuger zu suchen, beschlossen die Pumpkins, zu dritt weiterzumachen und nahmen mit „Adore“ ihr bisher experimentellstes Album auf. Das Schlagzeug wurde durch den Drumcomputer ersetzt, die Gitarren wurden auf ein Mindestmaß reduziert und der Rest wurde mit Synthesizern ergĂ€nzt.

Dass „Adore“ ungewöhnlich dĂŒster und melancholisch klingt, hat seine Ursache in den individuellen Befindlichkeiten des SĂ€ngers Billy Corgan. So erzĂ€hlen fast alle Songs vom Verlust und Trennungsschmerz. Corgan thematisierte nicht nur den Tod seiner Mutter, sondern auch die Trennung von seiner langjĂ€hrigen Ehefrau.

„Adore“ war das vorletzte Album vor der Auflösung der Band im Jahr 2000. Seitdem scheinen die ehemaligen Bandmitglieder ihre diversen Soloprojekte vor allem mit Greatest-Hits-Alben und Neuauflagen zu finanzieren. Ein Konzept, das aufgeht, denn ihre Musik zwischen Aufbruch, Verzweiflung und Melancholie könnte heute kaum besser passen.

Die Sterne live bei ByteFM

29.08.2014 von  

Foto von zwei Mitgliedern der Band Die SterneDie Sterne bei ByteFM

Mit „Flucht In Die Flucht“ erscheint heute, am 29. August, das zehnte Studioalbum der Hamburger Band Die Sterne. Seit 1992 gibt es die Formation nun schon und bis heute ist sie ihrem ehrlichen Stil treu geblieben. Bei einem Besuch in unserem Hamburger Studio haben Die Sterne von Ihrem Werdegang erzĂ€hlt und die Songs „Flucht In Die Flucht“ und „Mach Mich Vom Acker“ live gespielt. Sowohl das Interview als auch die Songs könnt ihr hier nochmal nachhören.

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