Charts KW 48

25.11.2014 von  

Die meist gespielten Alben der vergangenen 14 Tage bei ByteFM.

An der Charts-Spitze wird es pink – um genau zu sein: Ariel Pink! „Der K√∂nig der Pop-Perversion“, wie es so sch√∂n im Pressetext formuliert wird, f√ľhrt diese Woche mit seinem neuen Album „Pom Pom“ die ByteFM Hitparade an. Die Besetzung von Platz 2 und 3 bleibt die Gleiche wie in der Vorwoche: Sam Amidon h√§lt sich mit seiner Neuinterpretation von Folk auf „Lily-O“ noch immer auf dem zweiten Rang. Drittplatziert ist nach wie vor die K√∂lsche Formation Von Spar mit ihrem grandiosen neuen Album „Streetlife“.

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Ariel Pink – Pom Pom (5)
2. Sam Amidon – Lily-O (2)
3. Von Spar – Streetlife (3)
4. Baxter Dury – It’s A Pleasure (4)
5. Dean Blunt – Black Metal (1)
6. Robert Wyatt – Different Every Time (neu)
7. Der Mann – Wir Sind Der Mann (neu)
8. Caribou – Our Love (10)
9. She Keeps Bees – Eight Houses (-)
10. Neil Young – Storytone (13)
11. Recondite – Iffy (-)
12. Einst√ľrzende Neubauten – Lament (neu)
13. Mouse On Mars – 21 Again (11)
14. Deerhoof – La Isla Bonita (15)
15. Mutter – Text Und Musik (7)

Downloads der Alben findet Ihr bei unserem Partner artistxite.

Tickets f√ľr Emptyset in Hamburg

24.11.2014 von  

Foto von EmptysetEmptyset (Foto: Heather Schofner)

Die beiden K√ľnstler James Ginzburg und Paul Purgas arbeiten seit 2005 als Emptyset zusammen und erproben seitdem die Grenz√ľberschreitung zwischen Musik, Literatur, Visual Arts, Film und Kunstgeschichte.

Ihre Musik ist ein Produkt aus der Auseinandersetzung mit Raum, Architektur und Zeit. Das Duo begibt sich an ungewöhnliche Orte wie zum Beispiel eine verlassene Mine, eine unterirdische Halle oder ein stillgelegtes Atomkraftwerk und fängt dort charakteristische Klänge dieser Gebäude beziehungsweise Orte ein. Im Studio wird daraus ihr einzigartiger Sound.

Emptyset sind am 4. Dezember mit ihren ungew√∂hnlichen Klang- und Bildcollagen im Rahmen der Reihe „ePhil“ live in Hamburg zu sehen, unterst√ľtzt werden sie mit Visualisierungen von Clayton Welham.

ByteFM pr√§sentiert das Konzert und verlost 2√ó2 G√§stelistenpl√§tze. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns bis zum 1. Dezember mit dem Betreff „Emptyset“ und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinnerinnen und Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per E-Mail.

Der Termin:

04.12.14 Hamburg – K√∂rberForum (im Rahmen der Reihe „ePhil“)

Album der Woche: The Smiths – „Hatful Of Hollow“

24.11.2014 von  

The Smiths - Hatful Of HollowV√Ė: November 1984
Web: officialsmiths.co.uk
Label: Rough Trade
Kaufen: artistxite-Shop

„In my life, why do I give time to people who don‚Äôt care if I live or die? In my life, why do I smile at people who I‚Äôd much rather kick in the eye?“

Ironie. Sarkasmus. Zynismus. Die Bandbreite der literarischen Stilmittel in den Songtexten von The Smiths ist gro√ü. Mit Songs wie „Heaven Knows I‚Äôm Miserable Now“ treffen sie den Nerv einer Generation, die genug hat vom aufgesetzten Synthie-Pop der Jahre zuvor. Der schrammelige, dennoch melodische Gitarrensound und die melancholischen Songtexte von The Smiths kommen da gerade richtig. Nicht umsonst werden die Briten deshalb als erste Indie-Band √ľberhaupt bezeichnet.

1982 gr√ľnden Gitarrist Johnny Marr und S√§nger Morrissey in Manchester eine Band. Zusammen mit dem Bassisten Andy Rourke und Mike Joyce am Schlagzeug nennen sich die vier Musiker The Smiths. Was damals noch keiner ahnt: Nur f√ľnf Jahre wird diese Formation bestehen, bevor Johnny Marr als erster die Truppe verl√§sst. Doch diese f√ľnf Jahre reichen aus, um The Smiths unsterblich zu machen und die britische Musikszene umzukrempeln. In dieser kurzen Zeit werden vier Studioalben produziert sowie mehrere Compilations und Singles ver√∂ffentlicht. The Smiths sehen Singles stets als eigene Einheit und nicht unmittelbar zur Bewerbung eines Albums. So werden auch zahlreiche St√ľcke herausgebracht, die auf keinem der vier Studioalben vertreten sind.

Anfang 1983 unterschreiben die Musiker einen Vertrag mit Rough Trade Records, im Mai desselben Jahres folgt die Deb√ľtsingle: „Hand in glove, we can go wherever we please. And everything depends upon how near you stand to me. And if the people stare, then the people stare. Oh, I really don‚Äôt know, and I really don‚Äôt care.“ Texte wie diese und ein nackter Mann auf dem Singlecover f√ľhren unweigerlich zu Diskussionen √ľber die sexuelle Orientierung des exzentrischen Songtexters Morrissey. Und das ist erst der Anfang: Die Texte polarisieren und provozieren. „Suffer Little Children“, das auf dem selbstbetitelten Deb√ľtalbum von 1984 enthalten ist, handelt beispielsweise von den britischen „Moor-Morden“, die in den 60er-Jahren das Land ersch√ľtterten. Das dritte Studioalbum „Meat Is Murder“ bewegt hingegen viele H√∂rer, den eigenen Fleischkonsum zu √ľberdenken.

Vor 30 Jahren, im November 1984, erschien die erste Compilation „Hatful Of Hollow“. Sie beinhaltet drei Singles inklusive ihrer B-Seiten sowie Songs, die w√§hrend BBC-Sessions mit der Band aufgezeichnet wurden. An vier Terminen zwischen Mai und September 1983 war die Band zu Gast bei den legend√§ren Moderatoren John Peel beziehungsweise David Jensen. Diese aufgenommenen Versionen unterscheiden sich teils enorm von ihren sp√§ter arrangierten Studiofassungen. Die BBC-Varianten sind sehr viel bassbetonter, rauer und „improvisierter“. Dies hei√üt bei Weitem nicht, dass die einen Versionen den anderen √ľberlegen sind. Vielmehr soll betont werden, dass es sich bei den Songs auf „Hatful Of Hollow“ um die fr√ľhesten Zeugnisse dieser au√üergew√∂hnlichen Band handelt. Grund genug, um den Geburtstag eines der bedeutsamsten Alben der j√ľngeren Vergangenheit zu feiern. Deshalb machen wir „Hatful Of Hollow“, 30 Jahre nach dem Erscheinen, zu unserem Album der Woche.

Neue Platten: Black Rain, Cut Hands und Killing Sound

Cover des Albums Festival Of The Dead von Cut HandsCut Hands – „Festival Of The Dead“ (Blackest Ever Black)

9,2

Schon nach Sekunden √∂ffnet sich das Tor zu einer anderen Welt. Eine Welt, in der keine Stille herrscht und ein st√§ndiges Rauschen existiert, in das sich immer wieder schreiartige T√∂ne dr√§ngen, die so klingen wie die elektronisch verzerrten Vogellaute in Hitchcocks „Die V√∂gel“ und sich schon bald in klirrend hohe Sounds verwandeln. Als dann die unnat√ľrlich verhallte Frauenstimme das Wort ergreift und emotionslos von „altered brain document systems“ spricht, steht fest: Das neue Album des enigmatischen Post-Industrial-Duos Black Rain ist eine Mischung aus d√ľsterem Science-Fiction-Soundtrack und musikgewordenem Film Noir: vertrackt-nerv√∂se Rhythmen („Endourban“ und „Data River“), eine zwischen Unbehagen und Melancholie liegende Grundstimmung und z√§hfl√ľssige Klangtexturen, die sich durch eine menschenleere Landschaft ziehen („Watering Hole“) – wie die Schatten in den alten Noir-Streifen, die stets dunkler und gr√∂√üer sind, als sie es sein d√ľrften.

Das Cinematische und Narrative an „Dark Pool“ ist Konzept. Nicht nur der Name des aus dem New Yorker Stuart Argabright und dem japanischen Musiker Shinichi Shimokawa bestehenden Projekts ist dem gleichnamigen Film von Ridley Scott von 1989 entlehnt. Die Gr√ľndung von Black Rain 1995 geht auf die Produktion des Soundtracks von „Johnny Mnemoni“ zur√ľck, einem trashigen Cyberpunk-Film mit Keanu Reeves.

Auch das 18 Jahre sp√§ter erschienene Deb√ľtalbum ist ma√ügeblich von Science-Fiction wie etwa Paolo Bacigalupis 2009 erschienenen Roman „The Windup Girl“ inspiriert, einer Dystopie √ľber ein 23. Jahrhundert, in dem die Menschheit von biotechnologischen Konzernen beherrscht und terrorisiert wird.

Nur selten tauchen humane Elemente auf, wie etwa in „Profusion I“, in dem eine √§therische Frauenstimme opernhafte Melodien singt. Dass diese Stimme wirkt wie der letzte Rest einer Menschlichkeit, verweist auf eines der zentralen Themen des Albums: Entfremdung. Ein Leitmotiv, das auch der Science-Fiction-Autor William Gibson verwendet, um seine apokalyptischen Zukunftsszenarien plausibler zu machen.

Das Besondere an „Dark Pool“ ist die stilistische Spaltung aus kruder 80er-Industrial-√Ąsthetik und zeitgen√∂ssischen Formen apokalyptischer Clubmusik wie etwa Sandwell District oder dem entschleunigten Drone-Dub der britischen Labelkollegen Raime.

Apropos, dass Black Rain 18 Jahre nach dem Soundtrack des gefloppten Kinofilms √ľberhaupt noch Musik machen, liegt wohl auch an der √úberzeugungsarbeit von Kiran Sande, dem Macher des Londoner Labels Blackest Ever Black, das 2010 als Output f√ľr weirde Clubmusik an der Schnittstelle von Doom Metal, Dub, Industrial und Postpunk gegr√ľndet wurde. Und das innerhalb von nur vier Jahren mit seiner eigenwilligen √Ąsthetik weltweit bekannt geworden ist.

Neben Black Rains Deb√ľt erschienen dort vor Kurzem die Deb√ľt-EP des Bristoler Dub-Kollektivs Killing Sound oder das Album „Festival Of The Dead“ von Cut Hands, dem Nebenprojekt des Noise/Industrial-K√ľnstlers William Bennett. W√§hrend die an dekonstruiertem Dubstep, Jungle und Drone geschulten Tracks von Killing Sound zeitweise hymnenartigen Charakter haben, ist das Ende Oktober erschienene Cut-Hands-Album eine radikal unterk√ľhlte Spielart zeitgen√∂ssischer Clubmusik. Der ausschlie√ülich aus metallischen Percussions und einem gnadenlos h√§mmernden Bass bestehende Track „The Claw“ kommt dem wohl am n√§chsten, wof√ľr das britische Label, neben all den entschleunigten Dronek√ľnstlern, allen voran Dalhous, Nina oder Bremen, steht: kompromisslose, nihilistische Ritualmusik, die stets √ľberrascht und aufweckt, wenn nicht sogar verst√∂rt.

Der Name des Labels ist Programm, jetzt mal abgesehen von der Ambivalenz zwischen ironischem Seitenhieb und musikästhetischer Exaktheit. Es geht nicht einfach um ein Schwarz, es geht um den schwärzesten aller möglichen Schwarztöne. Eine Musik, die sich in ihrer Verweigerung von Konventionen, ihrer Atonalität und Lust am Exzess bestens zur Katharsis eignet.

Sowohl Black Rains „Dark Pool“ und die j√ľngste EP von Killing Sound als auch „Festival Of The Dead“ transportieren den H√∂rer in eine andere Welt, seien es Science-Fiction-Dystopien, paranoide Innenwelten oder verschwommene Tagtr√§ume aus der eigenen Jugend. Diese Musik ist neben allem Eskapismus immer auch eine Huldigung an das Chaos der Gegenwart. Musik, bei der alles ein wenig ertr√§glicher erscheint.

Label: Blackest Ever Black
Kaufen: Black Rain – „Dark Pool“ im artistxite-Shop | Cut Hands – „Festival Of The Dead“ im artistxite-Shop

Dean Blunt veröffentlicht Text zum neuen Album

Foto von Dean BluntDean Blunt

Der Musiker und K√ľnstler Dean Blunt ist einer der verwandlungsfreudigsten Berufsweirdos unserer Zeit. Bevor er mit seinem Soloprojekt den Laufsteg des Pop betrat, machte er als H√§lfte des enigmatischen Lo-Fi-Pop-Duos Hype Williams den perfekten Soundtrack f√ľr kunstaffine Kiffer mit Hang zur urbanen Melancholie. Letztere pr√§gt auch die Grundstimmung seines neuen, am 31. Oktober erschienenen Albums „Black Metal“. Sie ist zwar stets gebrochen, wird dabei aber stets erg√§nzt von kryptischen Texten und den unterschiedlichen Stilversatzst√ľcken zwischen verdrehtem Blues, skelettiertem HipHop und jamaikanischer Dub-Poesie.

Die Perspektiven und Themen des Albums, dessen Artwork komplett geschw√§rzt ist, reichen von Fluchtfantasien √ľber introvertierte Reflektionen bis zu Sozialkritik, wie etwa in „Trident Pt 2.“ (nicht auf dem Album enthalten), in dem es um einen Konflikt zwischen Gangs und der Polizei geht.

√Ąhnlich ambivalent ist die neueste „Internet-Aktion“ des Exzentrikers und „gro√üen Abwesenden des zeitgen√∂ssischen Pop“, wie Julian Weber ihn vor Kurzem in der taz nannte. Auf archive.org ver√∂ffentlichte er einen mehrseitigen Text zum Album. Neben zynischen, an Raptexten geschulten Gedichtzeilen („You old black intellectuals are all the same, comfort is to blame, truthfully some of you niggas need to get some sleep, your dreams aren‚Äôt manifesting correctly“) enth√§lt das Dokument m√∂gliche Entschuldigungen f√ľr den Fall, dass ein Album floppt:

„My album was under shipped.“
„My album leaked.“
„I made this album for myself.“
„My label failed to properly promote my album to an urban demographic.“
„My fans don‚Äôt want to hear me grow musically.“
„My album will gradually sell more over time.“
„My album was only sold by select retailers.“
„My album wasn‚Äôt as good as the last one.“
„My fans aren‚Äôt supporting me at SoundScan.“
„I don‚Äôt care about record sales.“

Der Text schließt mit einem Zitat und Bild der Boxerlegende Mike Tyson, auf dem er mit einem Trikot der englischen Fußballnationalmannschaft zu sehen ist.

artistxite Album der Woche:
TV On The Radio – „Seeds“

20.11.2014 von  

Cover des Albums Seeds von TV On The RadioTV On The Radio – „Seeds“ (Universal)

„Seeds“ von TV On The Radio ist Album der Woche bei unserem Partner artistxite.

Das Jahr 2011 war ein tiefschwarzes f√ľr TV On The Radio. Gerade frisch aus einer Bandpause mit dem Album „Nine Types Of Light“ zur√ľckgekehrt, verstarb Bassist Gerard Smith √ľberraschend an Lungenkrebs. Ein enormer Schock f√ľr eine Band mit einem derma√üen engen Zusammenhalt. Bis dahin war ihnen von der Stunde null an – ihrem spannenden Demo „OK Calculator“ – bis zu den eindrucksvollen Soloprojekten der Mitglieder so ziemlich alles gelungen.

Die Zukunft der Band, die mit Meisterwerken wie „Return To Cookie Mountain“ und „Dear Science“ mehrfach ihre Brillanz bewiesen hat, war lange ungewiss. Doch nun folgt nach dreieinhalb Jahren mit „Seeds“ endlich ihr Comeback. Die Band aus Brooklyn hat ihren Sound ver√§ndert, ohne ihn zu entkernen. Alles wirkt opulenter und zug√§nglicher. Unver√§ndert bleibt jedoch die Handschrift, die Dave Sitek und Tunde Adebimpe auch auf „Seeds“ hinterlassen.

Es gibt einfach wenige Stimmen wie die von Adebimpe. Schon wenn sie im Opener „Quartz“ das erste Mal erklingt, ist man unweigerlich mittendrin im Soundkosmos von TV On The Radio. Und dann ist da dieses andauernde Grollen, diese st√§ndige Spannung, die Songs der Band umweht. Die neuen St√ľcke lehnen sich eher an popkompatible Strukturen an und scheinen auf eine gr√∂√üere √Ėffentlichkeit abzuzielen als bisher. Ein Kurs, den bereits die erste Single „Happy Idiot“ andeutete und der sich jetzt auf Albuml√§nge best√§tigt. Dabei spielen TV On The Radio ihre F√§higkeit, enorm atmosph√§rische Hymnen zu liefern, gekonnt aus.

Noch immer z√§hlt das Quartett aus Brooklyn zu den spannendsten Bands dieses Planeten. Noch immer k√∂nnen TV On The Radio Tracks eine Kraft und Stimmung verleihen, wie wenige andere. „Seeds“ muss sich an den gro√üen Werken messen lassen, die diesen Ruf begr√ľndet haben. Es ist nicht das innovativste Album, das die New Yorker bisher abgeliefert haben, aber dennoch ein durchweg gelungenes Werk.

Weitere Neuerscheinungen besprechen wir in unserem wöchentlichen Podcast. Alle vorgestellten Veröffentlichungen findet Ihr auch im Download-Shop unseres Partners artistxite. Weitere Album-Empfehlungen von artistxite findet ihr im artistxite-Blog.

Neue Platten: Umherschweifende Produzenten – „Elektronische Musik“

20.11.2014 von  

Cover des Albums Elektronische Musik von Umherschweifende ProduzentenUmherschweifende Produzenten – „Elektronische Musik“ (From Lo-Fi to Disco!)

7,2

Wir schreiben das Jahr 2014. Ein Gespenst geht um auf der Welt, das Gespenst der Au√üerirdischen. Eine Gruppe dieser Au√üerirdischen – genauer gesagt der sexualdemokratische Fl√ľgel der Au√üerplanetarischen Opposition – tritt an mit einem dezidierten „Masterplan“ (so auch der Titel des Er√∂ffnungstracks auf „Elektronische Musik“), der es vorsieht, den Kapitalismus zu √ľberwinden und eine klassenlose Gesellschaft jenseits dieses Systems, kurz: den sogenannten Future-Kommunismus anzustreben. So sollen ihre Ideen und poppolitischen Ziele auf der Erde verbreitet und deren Bewohner – auch bekannt als Menschen – inspiriert werden. Demzufolge erfuhren im Laufe der Jahrtausende alle wichtigen Vertreter – sei es aus Philosophie, Kunst, Film oder eben Musik – Inspiration von diesem so mysteri√∂sen Kollektiv. Gegenw√§rtig hat jene Au√üerplanetarische Opposition zwei Auserw√§hlte zu uns gesandt, die wir vormals unter King Fehler alias Knarf Rell√∂m (Huah!, Knarf Rell√∂m Trinity, Die Zukunft et al.) und Manuel Scuzzo (Misses Next Match) kannten, und hat jene mit einem Konzeptalbum beauftragt. Demzufolge pr√§sentiert uns dieses extraterrestrische Duo ein Album auf diversen vermittelnden Elementen, deren Cover ihre Entstehungsgeschichte erz√§hlen. Bereits im letzten Jahr gegr√ľndet, benennen sich die Umherschweifenden Produzenten nach dem gleichnamigen Werk (Untertitel: „Immaterielle Arbeit und Subversion“) des italienischen Marxisten Antonio Negri und werden beauftragt, „repetitive Musik und repetitive Texte, Texte ohne Meinung und Gef√ľhl“ zu erschaffen. Die beiden sehen sich klar in der Tradition Sun Ras und manifestieren dessen afro-futuristische Philosophie des „Space Is The Place“ hier als Credo: Wenn dieser Planet, das Diesseits nur noch von Dummheit regiert wird, hilft lediglich noch die Flucht ins All. Ein transzendentales Heilsversprechen, das die futuristische Sehnsucht als elementaren Bestandteil der Popgeschichte heraufbeschw√∂rt.

K√ľrzlich zu Gast im ByteFM-Interview mit der Frankfurter Radiogr√∂√üe – dem ehemaligen (Weltraum-)Taxifahrer – Klaus Walter wurde eine entschlossene Z√§sur manifestiert: „Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei. [‚Ķ] Niemand kann mehr behaupten, er h√§tte von nichts gewusst. [‚Ķ] Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus, nie wieder Authentizit√§t!“, so ein Abgeordneter der Au√üerplanetarischen Opposition. Hier wird authentischem Blues- und Country-Rock in vielerlei Hinsicht eine klare Absage erteilt. Das maschinelle Geplucker des Sequenzers l√§uft entgegengesetzt zum menschlichen Bed√ľrfnis einer musikalischen Seele. Zudem verfremden die √ľbermenschlich anmutenden Vocoder- bzw. Kaospad-Eins√§tze die Stimmen derart, sodass Walters These untermauert wird, der kluge Einsatz dessen k√∂nne Geschlechtergrenzen √ľberwinden bzw. die dichotome Geschlechtereinteilung unterlaufen.

In „Migration“ wird die realpolitische Situation der Armutsflucht und Verteilung von Informationen dahingehend aufgegriffen, dass auf andere Planeten migriert wird und die Prophezeiung des Schicksals von einigen Wenigen eines Tages alle haben werden. Ein Modell, dass uns aus Sci-Fi-Romanen bereits bekannt sein d√ľrfte, wird hier modifiziert: Das Privileg auf andere Planeten auszuwandern wird nicht l√§nger ausschlie√ülich Eliten vorbehalten, sondern ganzheitlich verf√ľgbar sein, sodass die Menschheit einen Konsens finden muss, gemeinsam zu emigrieren.

„Alternative Energie“ setzt dort an, wo Kraftwerk mit „Radio-Aktivit√§t“ aufh√∂rten und denkt dies thematisch weiter. Doch auch musikalisch gibt es eine Fortschreibung dessen: vision√§rer Synth-Pop im Sinne der vier D√ľsseldorfer Mensch-Maschinen, der den kosmischen Dada-Pop Felix Kubins auf der einen und den LSD-getr√§nkten Wahnsinn Walter Wegm√ľllers auf der anderen Seite des Orbits tangiert. Im Titeltrack wird das Medium zur Massage und schlie√ülich liefern die Produzierenden gleicherma√üen Problem sowie L√∂sung, sodass sich ein Leitsatz im Geiste Devos aufdr√§ngt: Are We Men? We Are Umherschweifende Produzenten!

Kam Fred 1981 in Andreas Doraus Klassiker noch vom Jupiter, so zirkuliert er einige Lichtjahre später in einer mindestens genauso fernen Galaxie. Was allesamt gemein haben: Sie wurden inspiriert von der Außerplanetarischen Opposition.

Der in der Vorgeschichte erw√§hnte Auftrag, „einfach nur Beschreibungen der Situation“ anzufertigen, ist auf einen weiteren Inspirierten zur√ľckzuf√ľhren, n√§mlich auf Rainer Werner Fassbinder und dessen Einsicht: „Wenn du die Dinge nicht ver√§ndern kannst, musst du sie beschreiben.“ Auch wenn dieses Vorhaben einer Dokumentation des Zustandes der modernen Welt mit der Abwesenheit von Individualit√§t und pers√∂nlichen Befindlichkeiten als schier unm√∂gliches Unterfangen erscheint, so verhilft der Ansatz der Mensch-Maschine hier zu einem utopischen Seinszustand.

Tune In ‚Äď Turn On ‚Äď Drop Out.

Label: From Lo-Fi to Disco!
Kaufen: artistxite-Shop

Terry Melcher starb vor 10 Jahren

19.11.2014 von  

Terry Melcher
Terry Melcher auf dem Cover seines selbstbetitelten Deb√ľts

Terry Melcher war in den 60er-Jahren ein Dreh- und Angelpunkt in der Musikszene der Westk√ľste. Als Produzent, Songwriter und S√§nger beeinflusste er den kalifornischen Sunshine-Pop der Zeit. Am 8. Februar 1942 kam der Sohn von Doris Day und dem Musiker Al Jorden zur Welt. Er wurde von Days drittem Ehemann Martin Melcher adoptiert.

Mit Anfang 20 stieg Melcher bei der Band The Ripchords ein. Sie hatten einen Top-10-Hit mit der Surfpop-Nummer „Hey, Little Cobra“. Bruce Johnston, sein Bandkollege, schloss sich bald darauf den Beach Boys an. Terry Melcher begann, bei Columbia Records als Produzent zu arbeiten. Bedeutend waren seine Produktionen f√ľr die Byrds, zum Beispiel „Mr. Tambourine Man“ und „Turn! Turn! Turn!“. Melcher arbeitete au√üerdem mit The Mamas & The Papas und Pat Boone zusammen.

Ein tragischer Vorfall f√ľhrte dazu, dass er sich Ende der 60er f√ľr l√§ngere Zeit aus dem Musikgesch√§ft herauszog. Melcher hatte √ľber Dennis Wilson von den Beach Boys Charles Manson kennengelernt, war angetan von dessen Musik, lud ihn √∂fter zu sich nach Hause ein und machte Aufnahmen mit ihm. Melcher k√ľndigte die Kollaboration jedoch auf, als er merkte, welche dunklen Seiten Manson hatte. Nachdem er aus seinem Haus mit der Adresse 10050 Cielo Drive ausgezogen war, lie√üen sich dort Roman Polanski und seine Freundin Sharon Tate nieder. Tate und vier ihrer G√§ste wurden dort am 9. August 1969 von der Manson Family ermordet. Melcher lud die Schuld daf√ľr auf sich, obwohl sp√§ter herauskam, dass Manson von seinem Auszug wusste.

Zu seiner Mutter pflegte Terry Melcher zeitlebens eine enge Beziehung. Er produzierte in den 70er-Jahren einige Fernsehsendungen mit ihr und fungierte als Gesch√§ftsf√ľhrer und Vizepr√§sident der Doris Day Tierstiftung. 1988 landete er als Produzent nochmal einen Hit – der Beach-Boys-Song „Kokomo“ brachte ihm eine Golden-Globe-Nominierung ein.

Terry Melcher starb im Alter von 62 Jahren am 19. November 2014 an Hautkrebs.

Tickets f√ľr das Week-End Fest 2014

18.11.2014 von  

Foto von Owen PallettOwen Pallett, der beim diesjährigen Week-End Fest auftreten wird

Das vierte Week-End Fest ist auch eine Premiere. Zum ersten Mal findet das Festival an zwei aufeinanderfolgenden Jahren in derselben K√∂lner Location statt. Nach dem Deb√ľt im gro√üen Saal des ehemaligen Ufa-Palast-Kinos und dem Abstecher nach Ehrenfeld ist das Festival in der M√ľlheimer Stadthalle angekommen. Im Sinne von: zu Hause angekommen.

Viele der K√ľnstler, die im Rahmen des Festivals auftreten werden, spielen exklusiv f√ľr das Week-End #4 ihre einzigen Deutschland- oder sogar Europashows in diesem Jahr. U.¬†a. stehen ESG, A Certain Ratio, Teenage Fanclub, Owen Pallett, Sinkane, Kate Tempest, Von Spar & Marker Starling, Nite Jewel, Jaakko Eino Kalevi und Nicholas Krgovich im diesj√§hrgen Line-up.

ByteFM pr√§sentiert das Week-End Fest in K√∂ln und verlost 3√ó2 Tagestickets pro Festival-Tag. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns bis zum 23. November mit dem Betreff „Week-End“, Eurem Vor- und Zunamen und der Info, an welchem Tag Ihr das Festival gerne besuchen w√ľrdet, an verlosungen@byte.fm. Die Gewinnerinnen und Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per E-Mail.

Der Termin:

27.11.14 K√∂ln – Stadthalle K√∂ln-M√ľlheim
28.11.14 K√∂ln – Stadthalle K√∂ln-M√ľlheim
29.11.14 K√∂ln – Stadthalle K√∂ln-M√ľlheim

The xx im New Yorker Guggenheim Museum

Foto von The xxThe xx (Foto: Jamie-James Medina)

Kunst und Popmusik. Ein Dialog, der sp√§testens seit der legend√§ren Zusammenarbeit zwischen Andy Warhol und Velvet Underground besteht, aber bis heute immer noch unterbelichtet ist. Das scheint sich gegenw√§rtig zu √§ndern. W√§hrend Lady Gaga auf ihren Konzerten Jeff Koons und Botticelli zitiert, dr√§ngen viele Popk√ľnstler, siehe David Bowie oder Kraftwerk, in Form von Retrospektiven selbst in die Museen.

Die britische Synth-Pop-Band The xx gab vorletzte Woche ein exklusives Konzert im New Yorker Guggenheim Museum, einem der renommiertesten Tempel f√ľr zeitgen√∂ssische Kunst. Auf einer runden B√ľhne in der Mitte der gro√üen Ausstellungshalle spielte das Trio direkt unter einem illuminierten Globus des deutschen Licht-K√ľnstlers Otto Piene.

The xx k√ľndigten au√üerdem ihr drittes Album an, das sie eigenen Aussagen zufolge in Texas, Island und London aufgenommen haben. Auf YouTube sind drei Videos von der Liveshow zu sehen, darunter die Hits „Islands“, „Angels“ und „Crystalised“.

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