Wavves – “King Of The Beach”
26.07.2010 von Redaktion
VĂ: 30.07.2010
Web: http://www.myspace.com/wavves
Label: Fat Possum
Mountain Dew ist ein Softdrink. So Ă€hnlich wie Sprite, nur sĂŒĂer. Und Mountain Dew betreibt seit Kurzem auch ein Label namens Green Label Sound. Zuckerwasser und Zuckersound? Vielleicht sollte man den Label-Ambitionen eines Brauseherstellers grundsĂ€tzlich skeptisch gegenĂŒberstehen.
Eines muss man der fragwĂŒrdigen Combo zu Gute halten: Mit Bands wie The Cool Kids, Theophilus London oder Neon Indian hat sich Green Label Sound in der Vergangenheit zu einem Label entwickelt, das gemeinhin als âhipâ bezeichnet wird. Schlecht fĂŒr die Reputation des GetrĂ€nks ist das sicher nicht. Und durch die neueste Veröffentlichung âKing Of The Beachâ von Wavves wird sich das auch nicht Ă€ndern.
Wavves ist das Ein-Mann-Projekt von Nathan Williams, der seine ersten beiden Alben âWavvesâ und âWavvvesâ in der Garage seiner Eltern in San Diego, Kalifornien, aufgenommen hat. Schnell wurde er zum neuen Hype auserkoren und durch die Themen seiner Songs wie AuĂenseitertum, Grasrauchen, Musikmachen und Surfen (womit sich gelangweilte EinzelgĂ€nger Anfang 20 in Kalifornien eben herumschlagen) zum modernen Slacker und ein wenig vorschnell zum Kurt Cobain seiner Generation ausgerufen. Dazu passt es, dass Williams selbst âKing Of The Beachâ als âsein âNevermindââ bezeichnet.
Ob es zu diesem Album ĂŒberhaupt kommen wĂŒrde, war allerdings lange fraglich. Mit Ausrastern auf der BĂŒhne, FaustkĂ€mpfen mit anderen Bands und Tourabsagen erarbeitete sich Williams langsam aber sicher einen Britney Spearsâschen Ruf. Nathan wurde ebenso schnell wieder abgeschrieben, wie er zuvor zum Next Big Thing gemacht wurde.
Der Produzent Dennis Harring (u.a. Modest Mouse) und die Bandmitglieder des im Januar gestorbenen Jay Reatard glaubten aber nach wie vor an das Songwriter-Talent von Nathan Williams und griffen ihm bei seiner neuen Platte stĂŒtzend unter die Arme. Diese Hilfe und die professionelle Produktion taten den Songs sehr gut. Melodiöser und facettenreicher klingen sie im Gegensatz zu den VorgĂ€ngeralben, von ihrer Energie haben sie dabei nichts verloren. Denn nach Garage klingt das alles immer noch, wenn auch weniger lĂ€rmig als noch auf âWavvvesâ. Und auch Williamsâ Herkunft ist nach wie vor unĂŒberhörbar, sei es wegen des Skate-Punks oder der Beach-Boys-Harmonien.
Man fĂŒhlt sich sehr an die 90er erinnert, an die frĂŒhen Blink 182, Green Day oder Weezer; SpaĂ machen Williamsâ Songs. Da verzeiht man es auch, dass der Refrain des Songs âPost-Acidâ aus der banalen Wiederholung der Worte âwith youâ besteht, weil es âwith youâ nun mal am meisten SpaĂ mache. Aber mit lyrischen Glanzleistungen konnte man bei einer neuen Wavves-Platte sowieso nicht rechnen, die eingĂ€ngigen Melodien genĂŒgen. Mit musikalischem SpĂŒrsinn rechnet auch bei einem amerikanischen Softdrink-Hersteller niemand. Kann aber auch gutgehen, zeigt âKing Of The Beachâ.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland â der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr wiederholt.
Mount Kimbie – “Crooks & Lovers”
19.07.2010 von Redaktion
VĂ: 23.07.2010
Web: http://www.myspace.com/mountkimbie
Label: Hotflush
Als Klaus Walter vor einer Weile Musik ohne Höhepunkte pries, hat er Mount Kimbie vergessen. Das Dubstep-Duo bestehend aus Domenic Marker und Kai Campos schert sich wenig um herkömmliche Pattern westlicher Songschreiber-Kunst. Vielmehr kreieren die beiden Wahl-Londoner mit ihrer Mischung akustischer und genuin elektronischer Sounds und Samples gemĂ€Ăigt farbliche Schattierungen einer FlĂ€che. Die Mathematik, die das Genre vorgibt, rhythmisiert in ĂŒberlagernden Rastern das klangliche Material.
Nicht das Ende der einzelnen Tracks, das HinfĂŒhren auf ein tonales Zentrum oder die emotionale Auflösung sind Ziel der elf Soundkompositionen, das DJ-Duo bricht scheinbar willkĂŒrlich mit dem aktuellen Track und startet dann den nĂ€chsten. Einzig SongqualitĂ€ten im traditionellen Sinn hat auf dem 33 Minuten kurzen Album die Vokalnummer âMayorâ. Und das liegt insbesondere an der Orientierungshilfe, welche die zugegeben spĂ€rlichen Lyrics bieten.
Campos zieht seine Inspiration vor allem aus den Sounds seiner Umgebung und weit weniger aus der Musik anderer Leute. In einer Art Feldforschung zogen die beiden Musiker in der Vergangenheit durch die StraĂen Londons, um den urbanen Klang der Stadt aufzuzeichnen. Auf âCrooks & Loversâ sind sie nun selbst Schöpfer neuer, stĂ€ndig wechselnder Klangfelder.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland â der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr wiederholt.
Zuvor aber hört Jumoke Olusanmi genauer rein in âCrooks & Loversâ, in der Sendung Silent Fireworks, am Montag ab 19 Uhr.
I Am Kloot – “Sky At Night”
12.07.2010 von Redaktion
VĂ: 16.07.2010
Web: http://www.myspace.com/iamklootmusic
Label: PIAS
Wenn Kritikerlob auch Erfolg bedeuten wĂŒrde, gehörten I Am Kloot wahrscheinlich zu den erfolgreichsten englischen Bands der letzten zehn Jahre. Der Durchbruch blieb dem Trio aus Manchester allerdings bis heute verwehrt, sogar in Deutschland sind sie bekannter als in ihrer Heimat.
Das muss sich Ă€ndern, dachte sich wohl die ebenfalls aus Manchester stammende Band Elbow, die sich wie I Am Kloot bestens mit dem Status als Geheimtipp auskennt. Elbows SĂ€nger Guy Garvey hatte schon das 2001er DebĂŒt von der Band um Frontmann John Bramwell produziert und bot zusammen mit seinem Bandkollegen Craig Potter auch dieses Mal wieder seine Dienste an, was I Am Kloot dankend annahmen.
So kommt es, dass âSky At Nightâ wie ein guter alter Bekannter klingt. Die StĂ€rken der Band sind auch auf dem mittlerweile fĂŒnften Album die gleichen wie auf seinen VorgĂ€ngern: zurĂŒckhaltende, elegante Instrumentierung und bittersĂŒĂe Texte. Und natĂŒrlich Balladen wie das groĂartige âTo The Brinkâ. Nur wenige Male brechen I Am Kloot aus ihrem gemĂ€Ăigten Tempo aus. Wenn sie dies aber tun, dann virtuos, wie zum Beispiel in âRadiationâ, wenn zum Glockenspiel plötzlich die sehr bestimmten BlĂ€ser einsetzen und dem Song eine ganz andere und unerwartete Richtung geben.
Zur Guter-alter-Bekannter-Thematik passt auch der Song âProofâ, der schon auf I Am Kloots selbstbetiteltem Album von 2003 vertreten war. âProofâ ist nach wie vor ein wunderschöner Song, der auch auf âSky At Nightâ zu den Highlights zĂ€hlt, aber eine Frage aufwirft. Zwar wurde er neu aufgenommen (was beim Hören allerdings nicht wirklich auffĂ€llt), aber warum musste der Song nach sieben Jahren ĂŒberhaupt erneut veröffentlicht werden?
Einem guten alten Bekannten nimmt man es allerdings auch nicht ĂŒbel, wenn er eine Geschichte von damals erzĂ€hlt. Das hat auch etwas von anheimelnder Nostalgie.
Das ByteFM Album der Woche â mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Den Anfang macht am Montag Oliver Stangl. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag von 16 bis 18 Uhr wiederholt.
M.I.A. – “Maya”
05.07.2010 von Redaktion
VĂ: 09.07.2010
Web: http://www.myspace.com/mia
Label: Xl/Beggars
Schon im Vorfeld der Veröffentlichung von M.I.As drittem Album, das nach ihrem Rufnamen âMayaâ benannt ist, sorgte die britisch-tamilische KĂŒnstlerin mehrfach fĂŒr medialen Wirbel. Erst kĂŒrzlich mit ihren Verschwörungstheorien zu Social Networks wie Facebook und Myspace. Und natĂŒrlich mit dem Schockervideo zur Single âBorn Freeâ, das von Youtube entfernt wurde und genau dadurch noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zog. Als hĂ€tte sie dies genauso geplant, verdecken auf dem Albumcover die Balken von Youtube Playern M.I.A.s Gesicht. Alles Teil einer groĂangelegten Promokampagne? Der erste Track des neuen Albums schlieĂt thematisch jedenfalls gleich daran an. âiPhone connected to the internet connected to the governmentâ heiĂt es darin.
Die Kritik an der Ăberwachung im Netz wird auf dem restlichen Album aber nicht konsequent weitergefĂŒhrt. KĂ€mpferisch prĂ€sentiert sich M.I.A nach wie vor.
Insgesamt hat sich an ihrem Sprech-Sing-Sang wenig verÀndert. Einfache Melodien, die an KinderabzÀhlreime erinnern, leicht verstÀndliche Texte mit eindeutigen Statements. Einzig, dass ihre Gesangsparts mittels Vocoder verzerrt wurden ist neu.
Viel interessanter als M.I.As Stimme ist aber deren musikalische Untermalung. Zahlreiche Samples lassen Bilder im Kopf des Zuhörers entstehen. Da gibt es MotorsĂ€gengerĂ€usche und unheimliche Kinderstimmen (âSteppin Upâ), klirrende EiswĂŒrfel(âTeqkillaâ), Flugzeuge und verfremdete indische GesĂ€nge (âStory To Be Toldâ), Gospel-Loops (âTell Me Whyâ) sowie heulende Sirenen (âSpaceâ).
Dazu wummern fette Beats, die sich Synthesizer Sounds verzahnen. âMayaâ ist weniger HipHop-lastig als die VorgĂ€ngeralben âArularâ und âKalaâ. Eine Unmenge an Stilen wird hier bunt zusammengemischt, sogar einen Reggae-Track findet man auf dem Album:
âIt Takes A Muscleâ, nach der Vorlage des hollĂ€ndischen One-Hit-Wonder namens Spectral Display.
Die Stromgitarren von âBorn Freeâ hat Iggor Cavalera von Sepultura beigesteuert, zitiert aus dem Song âGhost Riderâ von der Synthpunk-Band Suicide von 1977. Bei all den starken Nummern verwundert nur, warum ausgerechnet âXXXOâ als nĂ€chste Singleauskopplung auswĂ€hlt wurde. Einer der schwĂ€chsten Songs des Albums, aber vermutlich auch einer der massenkompatibelsten. Mit getunter Stimme singt M.I.A. âYou want me to be somebody who Iâm really notâ. Vielleicht darf man das als Kommentar fĂŒr diese kommerzielle Anbiederung verstehen.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Den Anfang macht am Montag Oliver Stangl. Die ausfĂŒrhliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag von 16 bis 18 Uhr wiederholt.
The Roots – “How I Got Over”
28.06.2010 von Redaktion
VĂ: 02.07.2010
Web: http://www.myspace.com/theroots
Label: Def Jam
In den vergangenen Monaten wurde immer wieder der Tod vom HipHop beschrien. 2009 sei der HipHop vollends gestorben, schrieb der renommierte Musikkritiker Sasha Frere-Jones im New Yorker. Im britischen Guardian traf die These auf Zustimmung von Simon Reynolds, nur dass dieser schon seit 2006, als Nas das Album âHipHop Is Deadâ veröffentlichte, oder gar 2004, nachdem Producer-Guru Timbaland das Ende des Genres beklagte, kaum mehr Vitalzeichen des einstmals so lebhaften Musikstils vernehmen konnte.
Man darf gespannt sein, ob âHow I Got Overâ die apperzeptive Reanimation gelingt. The Roots sind Dinosaurier ihrer Zunft, 1987 grĂŒndeten Black Thought und ?uestlove das HipHop-Kollektiv, welches nunmehr sieben Mitglieder zĂ€hlt. Mittlerweile sind sie die Hausband eine Late Night Show, ?uestlove ist als Produzent umtriebig. Ăberraschend, wie frisch die 14 Nummern auf dem neuen Album klingen. Die erste Single âHow I Got Overâ war schon vor einem halben Jahr im Netz zu finden â und machte ein groĂes Versprechen. Eine raffinierte Hook zu einem ausgeklĂŒgelten Orgelriff, das Schlagzeug tight: der Groove einer Liveaufnahme versierter Musiker.
Der Veröffentlichungstermin des Albums wurde wiederholt nach hinten verschoben, man wollte nichts Halbgares abliefern. Und ein Versprechen einhalten. âRadio Dazeâ ist neben dem Titelsong âHow I Got Overâ ein weiterer Hit, ebenso âRight Onâ, in dem ein geschicktes Joanna-Newsom-Sample dem Genre neues Leben einhaucht.
Das ByteFM Album der Woche â mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Am Freitag ab 13 Uhr folgt die ausfĂŒhrliche Hörprobe in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird wiederholt am Sonntag ab 16 Uhr.
Solvent “Subject To Shift”
21.06.2010 von Redaktion
VĂ: 25.06.2010
Web: http://www.myspace.com/solventcity
Label: Ghostly International
FrĂŒher bezeichnete sich Solvent als Robotermusiker. Das tut er nun nicht mehr, auch wenn auf seiner Homepage noch Gegenteiliges zu lesen ist. Seine analogen Synthesizer liebt er vermutlich aber immer noch, wie man auf seinem neuen Album âSubject To Shiftâ deutlich hören kann.
Solvent ist ein musikalisches Zwitterwesen. Der kanadische Produzent schafft es, Dinge zusammen zu bringen, die eigentlich gegensĂ€tzliche Attribute haben: leichtverdaulichen Elektropop mit intelligenter Dance Music, sphĂ€rischen Trance-Techno mit experimentellem Minimalismus, kĂŒhlen 80er Jahre New Wave mit warm wummernden BĂ€ssen und sanften Melodien.
Er erfindet damit das Rad nicht neu. Rein Ă€uĂerlich klingt das Resultat wie etwas, was schon mal da war. Wie Depeche Mode, nur weniger dĂŒster, wie Cluster, nur ohne Klavier. Die Liste lieĂe sich fortsetzen.
Solvents neues Album hĂ€lt einige Ăberraschungen bereit. Noch relativ harmlos beginnt es mit dem lieb dahinplĂ€tschernden Synthie-Popliedchen âLoss For Wordsâ , das als Airplay-kompatibelste Nummer auch die erste Single-Auskopplung ist.
Nun folgen mehrere Tracks mit verzerrten Roboterstimmen, Elektro- und Technobeats, Videospiel-Melodien und sehr viel Hall.
Aber immer kurz bevor der Sound auf eine kitschige Schlagseite zu kippen droht, stöĂt Solvent ihn in eine andere Richtung. Bei âDonÂŽt Forget To Phoneâ kommt wieder poppiger Gesang ins Spiel, es folgt ein Old School Hip Hop Beat und in âTake Me Homeâ werden die sonst sehr sauber und glatt klingenden Synthie-Sounds richtig dreckig, untermalt von der Stimme eines DĂ€monen.
Das ByteFM Album der Woche â mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr ein Lied aus unserem Album der Woche. Dirk Schneider macht am Montag den Anfang. Am Freitag ab 13 Uhr folgt die ausfĂŒhrliche Hörprobe in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird wiederholt am Sonntag ab 16 Uhr.
Kele – “The Boxer”
14.06.2010 von Redaktion
VĂ: 18.06.2010
Web: http://www.myspace.com/iamkele
Label: Cooperative/Universal
Kele Okereke schĂ€tzt es wenig, sich in Interviews zu offenbaren. Geradezu arrogant verweigert er sich der ĂŒblichen Promomaschinerie, indem er nur Ă€uĂerst wortkarg auf Fragen antwortet, die sein Privatleben betreffen. Als Replik stellen zahlreiche Magazine eben jene Verweigerung zur Schau; sie drucken die Interviews ab, in denen Okereke nicht wirklich gut abschneidet. Und tatsĂ€chlich scheint es ein gesteigertes Interesse an seinem Privatleben zu geben: Googlet man seinen Namen, möchte die Suchmaschine die Anfrage zu allererst um âschwulâ ergĂ€nzen.
âIntimacyâ hieĂ, vor diesem Hintergrund ganz passend, das letzte gemeinsame Projekt mit Okerekes Mitstreitern von Bloc Party aus dem Jahr 2008. Jetzt, ohne die Band im RĂŒcken, wird es mit âThe Boxerâ noch eine ganze Ecke intimer. Musikalisch verfolgt der 28jĂ€hrige Brite einen Ă€hnlichen Weg wie zuvor. Die Songs sind zu weiten Teilen fĂŒr die TanzflĂ€che konzipiert: Bis zum Anschlag komprimiert entfallen alle LautstĂ€rkeunterschiede, die Musik mit ihren bisweilen hymnischen Melodien dröhnt aus den Lautsprechern direkt in den Körper hinein. Neu ist, dass Okereke sich auf âThe Boxerâ auch zaghaftere Töne erlaubt. âNew Rulesâ, eine Beinah-Ballade, ist das beste Beispiel. Durchzogen wird das Album jedoch von Okerekes Rastlosigkeit. Angekommen ist er noch lange nicht.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus dem Album âThe Boxerâ von Kele Okereke. Am Freitag ab 13 Uhr folgt die ausfĂŒhrliche Hörprobe in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird wiederholt am Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr.
Travels – “Robber On The Run”
07.06.2010 von Hermann Nanno Becker
VĂ: 11.06.2010
Web: http://www.myspace.com/travelsband
Label: Own Records
Eigentlich bringt es niemand so gut auf den Punkt wie Mona Elliott und Anar Badalov selbst. âI take comfort in the smallest thingsâ singen sie in ihrem wundervollen Song âSmileâ und liefern damit eine ziemlich gute Beschreibung des wohligen GefĂŒhls, das die Musik von Travels vermittelt. Ihr drittes Album âRobber On The Runâ beginnt denn auch mit genau so einer âkleinen Sacheâ. Das nur einminĂŒtige Instrumental âSwimmingâ setzt gleich am Anfang den richtigen Ton fĂŒr die zehn Songs, die folgen.
FĂŒr die Hörer von ByteFM sind Travels keine Unbekannten. WĂ€hrend ihrer Europa-Tour im MĂ€rz 2008 waren Mona und Anar bei Ruben Jonas Schnell zu Gast im Studio und haben drei Songs gespielt (unter anderem âHaystackâ – einen Song, der bisher auf keinem ihrer Alben veröffentlicht wurde). Zudem haben sie erzĂ€hlt, wie ihr musikalisches Projekt Travels entstanden ist. Mona spielte in der Band Victory At Sea, Anar war Teil von Metal Hearts. Auf einer gemeinsamen Europa-Tour der beiden Bands im Herbst 2006 haben sie sich kennen- und lieben gelernt, und kurz darauf waren Victory At Sea und Metal Hearts Geschichte.
Mona und Anar leben unweit von Boston in Somerville/Massachusetts. Mit Travels verfolgten sie zunĂ€chst eine konsequente DIY-Philosophie. Auf ihrer myspace-Seite prĂ€sentierten sie in unregelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden (ausgesprochen gut produzierte) Demo-Songs und lieĂen ihre Fans an ihrem kreativen Prozess teilhaben. Im Oktober 2007 veröffentlichten Travels in Eigenregie ihr selbstbetiteltes DebĂŒt-Album mit der Besonderheit, dass jede CD ĂŒber ein individuelles, von Mona handgefertigtes Cover verfĂŒgt. Im Februar 2009 folgte âThe Hot Summerâ, und erneut entschied sich das Paar dafĂŒr, die CDs selbst zu verkaufen und zu versenden. Doch Mona und Anar fĂŒhren ein normales Leben, beide haben Jobs, und man kann sich vorstellen, dass diese Art des Vertriebs ausgesprochen zeitaufwendig ist. Dies mag eine Rolle gespielt haben, als Travels sich entschieden, bei ihrem dritten Album mit einem Label zusammenzuarbeiten. âRobber On The Runâ erscheint bei der wunderbaren kleinen luxemburgischen Plattenfirma Own Records, dem musikalischen Zuhause von Uzi & Ari, Firekites, Trouble Books, Talons’ und Jenn Ghetto alias âSâ, um nur einige zu nennen.
Travels ist von Beginn ihres musikalischen Schaffens etwas gelungen, was heutzutage keine SelbstverstĂ€ndlichkeit mehr ist – sie haben einen eigenen Sound. Sie klingen nicht wie irgendjemand anders, sie klingen wie sie selbst. Die Ausgangsbasis ist durchweg minimalistisch – Gitarren und Gesang, hinzu kommen eine Drum Machine und der behutsame Einsatz von Keyboards und Samples. Dennoch hat jedes ihrer drei Alben einen eigenen Charakter, was sogar optisch durch die sehr unterschiedliche Gestaltung der Album-Cover zum Ausdruck kommt. Die Musik auf âRobber On the Runâ erscheint zwar sehr vertraut, aber auch wieder ein wenig anders. Dies mag daran liegen, dass hĂ€ufiger als zuvor PianoklĂ€nge zu hören sind. Die Songs von Mona und Anar sind zwar auch auf âRobber On The Runâ nicht sonderlich lang, aber hier befinden sich dennoch die komplettesten Zweieinhalb-Minuten-Songs, die man sich denken kann. Die Musik atmet immer noch, die Stimmung wirkt jedoch insgesamt dichter. Sie ist wiederum sehr melancholisch, aber nie depressiv, und bisweilen offenbart sich gar ein poppiger Sound, wie beispielsweise in âCity Lightsâ. Mona und Anar singen oft gemeinsam und ihre Stimmen ergĂ€nzen sich dabei wunderbar. Die Symbiose ihrer kreativen Ideen findet gerade in der Art des Gesangs auch hörbaren Ausdruck. Es erscheint geradezu so, als sei es unausweichlich gewesen, dass diese beiden Menschen sich begegnen, um das zu tun, was sie nun tun.
Die Texte von Travels sind sehr persönlich, handeln vom alltĂ€glichen Leben, dessen Wert man zu schĂ€tzen weiĂ, und von den besonderen Momenten, die man nicht missen möchte. Dies wird so charmant dargebracht, dass es absolut nachvollziehbar ist. âI take comfort in the things that I knowâ bringen Mona und Anar es wieder auf den Punkt, und man kann nur kopfnickend zustimmen.
So ist âRobber On The Runâ bis jetzt Travels beste Veröffentlichung, ohne ihren wunderbaren VorgĂ€ngern dabei etwas wegzunehmen.
Jeden Tag spielen wir ein StĂŒck aus unserem Album der Woche. Und zwar im Magazin, von Montag bis Samstag ab 15 Uhr. Am Freitag folgt die ausfĂŒhrliche Hörprobe ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird wiederholt am Sonntag ab 16 Uhr.
Delorean – “Subiza”
27.05.2010 von Redaktion
VĂ: 04.06.2010
Web: http://www.myspace.com/delorean
Label: Matador/Beggars
Der Sommer ist ja hierzulande noch nicht in Hochform. Den musikalischen Sommer lĂ€uten jetzt aber Delorean ein. Auf ihrem jĂŒngsten Werk âSubizaâ findet sich eine Sammlung entspannt-euphorisierender, durchgĂ€ngig tanzbarer Electropop-Songs.
Die vierköpfige Dance-Pop-Band aus Barcelona schaffte es, bereits mit ihrer Amerikatour und Auftritten auf dem SXSW-Festival einen Hype auszulösen. Aufmerksamkeit generierten sie auch mit ihren Remixen fĂŒr Bands wie die Teenagers, Mystery Jets und Franz Ferdinand im Jahr 2008. Ein Jahr spĂ€ter veröffentlichten sie dann die viel versprechende EP âAyrton Sennaâ.
Mit âSubizaâ bringen SĂ€nger und Bassist Ekhi Lopetegi, Gitarrist Tomas Palomo, Keyboarder Unai Lazcano und Schlagzeuger Igor Escudeo nun ihr drittes Studioalbum heraus. Gemixt wurde das Album von Chris Coady, welcher schon fĂŒr Beach House, Grizzly Bear und Telepathe an den Reglern drehte.
Mit ihrem neuen Album liefern Delorean den Soundtrack fĂŒr warme, durchtanzte SommernĂ€chte. Der homogene Klang des Albums erinnert an AuswĂŒchse kitschig-sĂŒdeuropĂ€ischer Popmusik, trotzdem wird eine gewisse Coolness durch zeitgeistige Hooks gewahrt. Als Artverwandte von Delorean könnte man Primal Scream, Charlatans, Caribou, oder Animal Collective nennen.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin von 15 bis 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland â der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird wiederholt am Sonntag ab 16 Uhr.
TrentemĂžller – “Into The Great Wide Yonder”
24.05.2010 von Redaktion
VĂ: 28.05.2010
Web: http://www.myspace.com/trentemoeller
Label: In My Room
Der ein oder andere TrentemĂžller-Fan wird es womöglich etwas schwer haben, sich mit âInto The Great Wide Yonderâ anzufreunden. Auf ein weiteres âThe Last Resortâ hatte der DĂ€ne keine Lust, sein zweites Album sollte zumindest eines nicht sein: typisch elektronisch.
Das mag von einem Mann, der durch seine Techno-und Houseproduktionen berĂŒhmt wurde, ein wenig seltsam klingen. Doch TrentemĂžller sagt selbst, er habe schon immer die Musik gemacht, die man nun auf âInto The Great Wide Yonderâ hören kann. Bislang habe er nur noch nie die Chance gehabt, sie auch zu veröffentlichen, meint Anders TrentemĂžller, der vor seinem Durchbruch in mehreren Rockbands gespielt hat.
Das Elektronische ist natĂŒrlich nicht vollstĂ€ndig aus TrentemĂžllers Musik verschwunden. Tracks wie die Single âSycamore Feelingâ, ââŠEven Though Youâre With Another Girlâ oder âTideâ Ă€hneln jedoch eher konventionellen Popsongs als den assoziationsstarken Tracks, die es noch auf âThe Last Resortâ zu hören gab. TrentemĂžllers Zuwendung hin zu poppigeren Sounds machen auch die Vocals deutlich, die auf seinem zweiten Album hĂ€ufiger zum Einsatz kommen und denen er mit seiner Musik immer genĂŒgend Raum zur Entfaltung gibt.
Tauchte auf âThe Last Resortâ immer wieder elektronisches Klicken und Knacken auf, ist es auf dem neuen Album eine Surfgitarre, die sich wie ein roter Faden durch die zehn Lieder zieht und deren Einsatz seinen Höhepunkt im Song âSilver Surfer, Ghost Rider Go!!!â erreicht, der nicht nur wegen seines Titels an Suicide erinnert.
Um jedoch weniger elektronisch zu klingen, reichte TrentemĂžller eine andere Instrumentierung und die Verwendung von Vocals nicht aus. Um den gewĂŒnschten Sound zu erzeugen, verwendete er fĂŒr seine wie gewohnt am PC zusammengebastelten Songs ausschlieĂlich alte analoge Equalizer und ĂŒberspielte das Ganze schlieĂlich auf VierspurtonbĂ€nder. Das Ergebnis klingt organischer und wĂ€rmer als alles, was man bisher von TrentemĂžller kannte.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. In Neuland, der Sendung mit den neuen und wichtigen Platten, vertiefen wir den Höreindruck. Neuland lÀuft am Freitag von 13 bis 15 Uhr und in der Wiederholung am Sonntag von 16 bis 18 Uhr.









