Ein amerikanisches Original

25.08.2010 von  


„Ich reiste durch’s ganze Land und suchte nach Musikern, die Herz haben und nicht aus purem Egoismus 20-minütige Gitarrensoli spielen.“ Worte eines Mannes, der sein Leben der Suche nach echtem und unverfälschtem Sound verschrieben hatte. Der Sänger Willy De Ville war ein rastloser Vagabund, der immer „etwas machen wollte“.

Früh, mit 17 hatte er geheiratet, mit 21, ein Jahr nach der Geburt seines Sohnes, verdrückte er sich nach London um sich dort nach Musikern umzusehen, die zu ihm passten. Erfolglos. Sein Geld ging zuneige und er kehrte zurück nach New York.
Es trieb ihn weiter nach San Francisco, wo sich seine Band Mink De Ville formierte. Jahrelang lebte er in einer Substandard-Wohnung und bespielte die Bühnen der Stadt. Zufällig stieß er auf eine Annonce, in der Musiker im fernen New York gesucht wurden. Die ganze Truppe fuhr an die Ostküste und spielte über Jahre hinweg als Hausband des legendären Clubs CBGB, von dem es heißt, in ihm sei der Punk erfunden worden. Dem Punk fühlte sich die Band aber nie zugehörig, ihre Wurzeln waren der Rhythm‘n'Blues und der Soul der 30er Jahre. De Villes Frau Toots allerdings war der Archetyp eines Punkrock-Chick, modisch die Urform von Amy Winehouse und, genau wie De Ville und so viele Andere der damaligen Lower Eastside, heroinabhängig.

Durch die Auftritte im CBGB begann 1975 die Zusammenarbeit mit Jack Nitzsche, einem Produzenten, der auch mit Phil Spector, Neil Young und den Rolling Stones gearbeitet hatte. Nitzsche sagte von De Ville, er sei der beste Sänger, mit dem er je gearbeitet hätte. Mit dem Hit „Spanish Stroll“ gelang Mink De Ville 1977 der internationale Durchbruch. Mehrere Alben folgten, doch obwohl die Kritiker jubelten, blieb der Erfolg bei den Massen aus.

Willy De Ville führte einen unsteten Lebenswandel. Er ließ sich scheiden, heiratete seine zweite Frau, ging 1986 bankrott, feuerte seinen Manager, löste Mink De Ville auf und zog nach New Orleans, um eine Solokarriere zu starten. Diese war von Höhen und Tiefen geprägt.

Sein Song „Storybook Love“ zum Film „The Princess Bride“, eine Kollaboration mit Mark Knopfler, wurde für den Academy Award nominiert und verschaffte De Ville sogar einen Auftritt bei der Oscar-Verleihung. Letztendlich gewann dann aber doch „The Time Of My Life“ aus dem Film Dirty Dancing die begehrte Trophäe. Lange Zeit hatte De Ville gar keinen Plattenvertrag in den USA, in Europa dagegen konnte er einige Chartplatzierungen verbuchen, seine Mariachi-Version von „Hey Joe“ wurde ein Hit.

2001 trafen ihn eine Reihe schwerer Schicksalschläge. Die Farm, auf der er Pferde gezüchtet hatte, wurde von der Steuerbehörde konfisziert, seine Ehefrau beging Selbstmord und ein schwerer Autounfall zwang De Ville über Jahre hinweg auf Krücken zu gehen. Trotzdem spielte er weiterhin Konzerte und nahm Alben auf.

In seinem Heimatland, den USA, blieb Willy De Ville ironischerweise relativ unbekannt. Er, der nahezu alle amerikanischen Musiktraditionen in einer Person verkörperte. Seine Musik war eine Mischung aus Rock, Blues, Doo-Wop, Latino-Rhythmen, Cajun, Creole, Mariachi und Country. Er hatte sogar eine Phase, in der er seine indianischen Wurzeln entdeckte und sich in der traditionellen Tracht der Ureinwohner kleidete.

Auch sonst fiel De Ville durch sein ausgefallenes Erscheinungsbild auf. Langes schwarzes Haar, Menjou-Bärtchen, tätowierte Arme und ein goldener Schneidezahn, auf dem ein Diamant funkelte. Eine Mischung aus Großstadtcowboy und Ghetto-Don Juan.

Oft sang Willy De Ville von der Liebe, driftete gern in romantische Schwülstigkeit ab, die so gar nicht zu seiner Reibeisen-Stimme passte. Eine Stimme, die geformt wurde durch seine über 20 Jahre andauernde Heroinabhängigkeit und den vielen Zigaretten, die er oft auch auf der Bühne während des Singens rauchte. Willy De Ville starb aber nicht an Lungenkrebs, sondern an einem Tumor in der Bauchspeicheldrüse. Dieser wurde entdeckt, als er seine Hepatitis behandeln lassen wollte. Am 6. August 2009 starb Willy De Ville an der Seite seiner dritten Frau in einem New Yorker Krankenhaus.

Heute wäre Willy De Ville 60 Jahre alt geworden. Mehr über ihn und seine Musik erfahrt Ihr zwischen 15 und 17 Uhr im ByteFM Magazin mit Klaus Walter.

Kommunikationsschwierigkeiten – 1000 Robota auf der Bühne des Kampnagel

23.08.2010 von  


Letzten Samstag standen 1000 Robota beim Kampnagel Sommerfestival in Hamburg auf der Bühne. Begleitet wurden sie vom Kammerensemble Hamburg.

Merklich nervös waren die drei Jungs am Anfang, angesichts der Erwartungshaltung, die ihnen im Vorhinein entgegengebracht wurde. Durch ihre kühle Distanz gelang es zunächst gut, das Lampenfieber zu überspielen. Dann versuchte Sänger Anton Spielmann den Kontakt zum Publikum herzustellen, erzählte ein paar Anekdoten und kommentierte die Bewegungslosigkeit der Zuschauer. Getanzt wurde erst bei der Zugabennummer. Ansonsten saß der Großteil des Publikums – und zwar nicht nur auf den Rängen. Vorne auf der Tanzfläche war die Menge merkwürdig zweigeteilt. Auf der einen Seite setzten sich die Leute am Boden, auf der anderen standen sie und wippten im Takt der Musik. Irgendwie lief die Kommunikation schief.

Es war nicht ganz klar, was 1000 Robota sein wollten. Eine optisch-akustische Inszenierung, die man betrachtet wie ein Gemälde im Museum, oder eine Post-Punk Band, die das Haus rockt. Das Licht erzeugte eine gespenstische Stimmung, die aber wieder relativiert wurde durch das Orchester im Hintergrund, deren Mitglieder sich sichtlich an der Band belustigten und sich zwischendrin auch mal eine Zigarette gönnten.

Musikalisch war das Konzert aber einwandfrei, angesichts dessen ist es schade, dass die Bühnenshow nicht authentisch wirkte und zum theatralischen Schnöselpunk verkam.

Die Musikmaschine – Zum fünften Todestag von Robert Moog

21.08.2010 von  


Riesige Maschinen mit unzähligen Knöpfen und Reglern, die von Männern in weißen Kitteln bedient werden, um ihnen mysteriöse Geräusche zu entlocken. So sahen die ersten Synthesizer aus. In Universitätslaboren entwickelt, wusste zunächst niemand so recht, was mit dieser technischen Spielerei anzufangen war.
Dass dieses Gerät einmal ein Instrument werden könnte, welches die Produktion, den Klang von Musik sowie unsere Hörgewohnheiten radikal verändern würde, konnten sich die Wissenschaftler vermutlich nicht vorstellen.

Erst Robert „Bob“ Moog machte den Synthesizer einer breiten Masse als Musikinstrument zugänglich.
Schon als Kind bastelte der hochbegabte Junge, der wegen seiner Intelligenz von den Mitschülern oft verprügelt wurde, mit seinem Vater in der Garage an elektronischen Geräten. Seine Mutter hingegen gab ihm Klavierunterricht, in der Hoffnung, er würde Konzertpianist werden. Es kam anders. Mit 19 Jahren verkaufte Robert Moog mit seiner eigenen Firma Do-it-yourself-Bausätze für Theremins – jenes merkwürdige Instrument, das durch elektronische Spannung zwischen zwei Antennen Töne erzeugt. Das Geschäft lief gut und ermöglichte Moog, der mittlerweile Elektrophysik studierte, die Arbeit an weiteren Projekten.

Inspiriert von den Vorschlägen des Komponisten Herbert Deutsch, der ihn auf einer Konferenz angesprochen hatte, baute Moog 1964 den ersten spannungsgesteuerten Synthesizer. Dieser war im Gegensatz zu den klobigen Vorgängern kleiner, billiger und vor allem benutzerfreundlicher. Die Bedienung mittels Klavierkeyboard und zwei Rädchen wurde zum Standard. In einem Interview aus dem Jahr 2000 beschrieb Moog den Unterschied folgendermaßen: „Es ist mehr wie das Fahren eines Autos, als das Ziehen eines Wagens.“ Trotzdem interessierten sich nur einige Experimental-Musiker und Wissenschaftler für das Instrument, selbst Hollywood erkannte zunächst nicht das große Potential des Geräts für Toneffekte.

Erst 1967, als Robert Moog den Synthesizer beim Monterey Pop Festival vorstellte, wurden vermehrt Musiker darauf aufmerksam. Im selben Jahr erschien das Album „Switched-On Bach“, auf dem Walter (nach einer Geschlechtsumwandlung Wendy) Carlos, später für den Soundtrack zu Clockwork Orange bekannt, Stücke von Johann Sebastian Bach auf einem Moog System nachspielt. Es wurde das meist verkaufte klassische Album aller Zeiten und gewann drei Grammys.

Auch in die Popularmusik hielten elektronische Klänge Einzug. Zu den ersten Bands, die Moogs Synthesizer verwendeten, gehörten die Doors („Strange Days“), die Rolling Stones („Their Satanic Majesties Request“) und die Beatles („Abbey Road“). Sun Ra führte die neue Technik in den Jazz ein und auch Stevie Wonder ließ sich in den 70ern auf einigen Alben verstärkt von einem Moog Synthesizer begleiten. Die neuartigen elektronischen Töne wurden aber noch sehr vorsichtig eingesetzt, mehr als Ergänzung zum gewohnten Arrangement, denn als eigenständige Klangelemente.

Anders bei einer Reihe von Alben, die in den 60ern und 70ern erschienen und alle irgendwie das Wort Moog im Namen trugen („Country Moog Classics“, „Exotic Moog“, „Music To Moog By“ etc). Inspiriert vom Erfolg von „Switched-On Bach“ stand bei diesen der Moog Synthesizer als alleiniges Instrument im Zentrum. Gespielt wurden damit kitschige Coverversionen von Klassikern des Pop, Rock und Country. Angesichts dieser akustischen Hässlichkeiten schien die Frage, die ein Journalist Robert Moog einmal in einem Interview stellte, fast berechtigt: „Herr Moog, fühlen sie sich nicht schuldig für das, was sie getan haben?“ Er bezog sich jedoch mehr auf die weit verbreitete Meinung, dass Musik, die nicht aus einem Holz-, Messing-, oder Saiteninstrument herauskam, unnatürlich und deshalb falsch, ja sogar schädlich sei. Dieser Vorwurf ärgerte Robert Moog so sehr, dass er auf dem Rückweg von der Konferenz sein Auto prompt gegen den Randstein setzte, wie er in einem Dokumentar-Film von 2004 schmunzelnd erzählte.

Den Durchbruch schaffte Moogs Firma 1970 durch die Entwicklung des „Minimoog“, dem ersten portablen Synthesizer, der zudem auch noch halbwegs erschwinglich war. Quer durch alle Genres wurde der Minimoog verwendet. Neue elektronische Musikrichtungen entstanden, in denen der Synthesizer als vollwertiges, ernstzunehmendes Instrument behandelt wurde. Nu Age, Krautrock, Disco und ab den 80er Jahren HipHop, Synthiepop und die Anfänge des Techno seien hier nur als Beispiele genannt.

Moog war bald nicht mehr der einzige Hersteller von Synthesizern und die digitale die analoge Technik zu verdrängen. Sein Name blieb aber weiterhin ein Synonym für das Instrument. Unzählige Bands, Alben und Songs sind nach dem Moog benannt, so zum Beispiel die „Dark Side Of The Moog“-Serie von Klaus Schulze und Pete Namlock, für die ein riesiges Synthesizer-System gebaut wurde.
Auch die Band Prodigy hat sich nach einem Gerät der Firma Moog benannt, dem „Moog Prodigy“. Dieser wurde 1979 als kostengünstigere Version des „Minimoog“ auf den Markt gebracht. Bob Moog war daran aber nicht mehr beteiligt, denn nach der Übernahme seiner Firma durch Norlin Music verließ er Moog Music aufgrund von persönlichen Differenzen mit dem Managment.
Moog war kein gerissener Geschäftsmann, dafür ein Visionär und Tüftler, der seine Geräte immer in enger Zusammenarbeit mit den Musikern entwickelte und nach ihren Wünschen formte. Er verstand sich selbst dabei als Ingenieur, als Werkzeugbauer und die Musiker als seine Kunden, die diese Werkzeuge benutzten.

Er gründete Big Briar, deren Spezialität die Herstellung von Effektmodulen, neuen elektronischen Instrumenten und Theremins war. Als Moog Music 1993 Konkurs ging, durfte Robert Moog seinen eigenen Namen trotzdem nicht wieder als Trademark benutzen. Erst 2002 gelang es ihm nach einem langen Rechtsstreit, das Label Moog zurückzukaufen. Tragischerweise wurde Robert Moog 2005 ein Gehirntumor diagnostiziert, an dem er wenig später starb. Die letzten Monate seines Lebens dokumentierte er auf der Internet-Plattform CaringBridge. Nach seinem Tod gründete seine Familie die Moog Foundation, deren Ziel es ist, das Erbe des „Vaters des Synthesizers“ zu bewahren und weiter zu tragen. Ein Moog Museum wurde gebaut und verschiedenste Programme fördern Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Musikinstrumenten.

Bis heute schätzen unzählige Musiker den warmen, vollen Sound des Moogs, der vor allem durch die darin eingebauten Filter entsteht. Die Firma Moog Music stellt nach wie vor analoge Synthesizer und Effektgeräte her, die dank Plug Ins und Software auch in der digitalen Musikproduktion verwendet werden.

Heute jährt sich der Todestag von Robert „Bob“ Moog zum fünften Mal. Im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr liefert Patrick Ziegelmüller die Hörbeispiele zum Artikel.

Chuck D – Ein gefährlicher Mann

01.08.2010 von  


Das D steht für Dangerous. Gefährlich ist dieser Mann aber nicht, wie so viele im HipHop Geschäft wegen der Knarre in seiner Hose und der Vorstrafen in seiner Akte. Gefährlich ist er wegen der Worte auf seiner Zunge und der Ideen in seinem Kopf.
Die Rede ist von Chuck D, gemeinsam mit Flavor Flav und Professor Griff, Gründer und Leadrapper von Public Enemy.

Seine Meinung brachte er erst unlängst wieder lautstark in seinem Track „Tear Down That Wall“ zum Ausdruck. Darin kritisiert er ein in Arizona erlassenes Gesetz, welches der dortigen Polizei erlaubt, ohne Begründung, Einwanderer auf ihre Aufenthaltsgenehmigung zu überprüfen.
Parallel dazu veröffentlichten der Rap-Musiker und seine Frau Dr. Gaye Theresa Johnson, eine Professorin für Afro-American Studies an der University of California, Santa Barbara, ein offizielles Statement, in dem sie nicht nur den Rassismus seitens der Politik anklagen, sondern auch alle, die nichts dagegen unternehmen.

Mit Public Enemy revolutionierte Chuck D Mitte der 80er den HipHop, sowohl in musikalischer als auch inhaltlicher Hinsicht. Zu harten Beats rappte er in dunklem Bariton über die Missstände in den USA und der Welt und ist somit gleichzeitig Vater des Hardcore Rap als auch des politischen HipHop. Das zweite Public Enemy Album „It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back“ (1988) wurde als HipHop-Äquivalent zu Marvin Gayes „What’s Going On“ bezeichnet und gilt als eine der wichtigsten Produktionen in der Geschichte des HipHop.

Die Gruppe ist bis heute aktiv, auch wenn sich die Gründungsmitglieder auseinanderentwickelt zu haben scheinen. Im Gegensatz zu seinem Bandkollegen Flavor Flav geriet Chuck D nie mit dem Gesetz in Konflikt, blieb drogenfrei und machte sich auch nicht in schlechten MTV-Realityshows zum TV Clown. Stattdessen nutzte er alle nur erdenklichen medialen Wege, um seine politischen und zivilgesellschaftlichen Anliegen kund zu tun.

So veröffentlichte er 1998 seine Autobiographie „Fight The Power“, hielt Vorträge an renommierten Unis von Harvard bis Howard und moderierte Radioshows auf dem linksliberalen US-amerikanischen Sender Air America, der im Januar 2010 aus finanziellen Gründen seinen Betrieb einstellte.

Neben vielerlei TV Auftritten, wirkte Chuck D an Filmprojekten mit, wie zum Beispiel der Dokumentation „Bling: Consequences And Repercussions“ (2005), die sich mit den Zusammenhängen von Diamantenfetisch in der HipHop Mode und illegalem Diamantenhandel in Afrika auseinandersetzt.
Zudem war er in der Kampagne „Partnership for the Drug Free America“ zu sehen, hielt die Hauptrede auf der ersten National HipHop Political Convention und sprach sich in einer Anhörung vor dem Kongress für das Filesharing aus.
Diese Liste der Aktivitäten von Chuck D ließe sich problemlos fortsetzen.

Früh entdeckte er das Internet als Plattform für politische und musikalische Aktionen.
Schon 1999 boten Public Enemy ihr Album „There’s A Poison Goin‘ On“ im Internet zum Download an und mussten sich deshalb von ihrem Label Def Jam trennen.
Mit seinem 2001 gegründeten Plattenlabel Slamjamz veröffentlicht Chuck D vornehmlich Musik von Künstlern aus dem Underground-HipHop, und zwar im MP3 Format zum Download.
Einen ungewöhnlichen Weg zur Finanzierung eines neuen Albums versuchen Public Enemy zur Zeit über die niederländische Internetseite Sellaband.
Dort kann man als Förderer Anteile zu je 25 US-Dollar kaufen und erhält dann im Gegenzug ein exklusiv nummeriertes Exemplar der CD, und – je nach Höhe der investierten Summe – zusätzliche Goodies bis hin zu einem Studiobesuch während der Aufnahmen.
Ursprünglich hatten Public Enemy als Ziel 250.000 US-Dollar angesetzt, doch als der Verkauf der Anteile stagnierte, korrigierte man die angestrebte Summe auf 75.000. An die 60.000 US-Dollar sind schon erreicht.

Chuck D wird heute 50. Vielleicht bekommt er den Rest ja als Geburtstagsgeschenk?

„Kein Engel, der uns die Reggae-Musik gebracht hat“

29.07.2010 von  


Sonne, Strand, Meer, leuchtende Farben, lachende Menschen, eine karibische Insel und ein Haufen alter Musikerlegenden, die sich nach langer Zeit wiedertreffen, um noch einmal die Hits von damals aufzunehmen. Das Sujet kommt einem irgendwie bekannnt vor, aber Stascha Baders Film „Rocksteady“, der heute deutschlandweit anläuft, will mehr sein als eine bloße Kopie vom „Buena Vista Social Club“.
Der Schweizer Regisseur gilt als Reggae-Experte, seine Dissertation über „Elektro Orale Poesie in Jamaika und England“ ist heute noch ein Standardwerk. Nach über 20 Jahren ist er wieder nach Jamaika gereist, um einen Film über Rocksteady, die Wurzeln des Reggae, zu drehen.

Rocksteady wird die Musik genannt, die Mitte der 60er den schnellen Beat des Ska verlangsamte, und aus der sich in fließendem Übergang der Reggae entwickelte. In nur wenigen Jahren entstanden unzählige Hits wie „By The Rivers Of Babylon“, „You Don‘t Love Me (No, No, No)“, „The Tide Is High“, die vielen heute nur noch als Coverversionen bekannt sind.
Die Originale und deren Interpreten hingegen sind ein wenig in Vergessenheit geraten. Das will Stascha Bader mit seinem Film nun ändern.

Selina Nowak hat den Regisseur getroffen und mit ihm über seinen Film geplaudert.

Wie kam Dir denn die Idee zum Film?

Die kam mir beim Ausräumen meiner Plattensammlung. Ich musste mich entscheiden, was ich behalte und was ich wegschmeiße. Und so hab ich mich durchgehört und bin beim Rocksteady einfach hängen geblieben. Ich dachte, „Wow, so ein Schatz, der noch zu heben ist, so viele Sänger, so viele Bands, so viele unglaublich gute Musiker, wie wäre es, wenn man die nochmal zusammen bringen würde, um ein Album aufzunehmen?“

Warum geriet Rocksteady ein wenig in Vergessenheit?

Rocksteady war eine kurze Periode, die sehr charmant und kammermusikalisch tönte, eine Musik, die sehr herzlich war. Die Zeiten wurden dann in den 70er Jahren sehr viel härter in Jamaika und auch die Musik wurde härter. So waren die goldenen süßen Tage des Rocksteady gezählt.

Ist es nicht ein bisschen nostalgisch, all die alten Hits wieder aufzuwärmen?

Der wichtigste Grund, warum ich diesen Film gemacht habe, ist, weil Rocksteady für mich ein Weltkulturerbe ist. Aber im Gegensatz zu den Pyramiden oder dem Taj Mahal, die aus Stein gebaut sind, ist die Musik etwas, das sich in Luft auflöst. Ich wollte diesen Musikerinnen und Musikern ein Denkmal setzen. Das hat nichts mit Nostalgie zu tun, sondern viel mehr mit historischer Gerechtigkeit.

Was haben die Musiker nach der Rocksteady Ära gemacht?

Viele Rocksteady-Musiker sind ins Ausland gegangen, um Geld zu verdienen. Einige haben es geschafft, auf die Reggae-Welle aufzuspringen, andere haben einfach aufgehört, Musik zu machen. Die hatten dann Brotjobs als Verkäufer, Maler, Bauarbeiter, LehrerIn…

Wie nahmst Du Kontakt zu den Musikern auf, kanntest Du einige schon vorher persönlich?
Es war eine Heidenarbeit, alle MusikerInnen aufzustöbern. Viele Freunde haben mir geholfen. Chuck Foster, der die Sendung „Reggae Central“ von KPFK in Los Angeles macht, und Mossman Raxlen aus Montreal, der ein DJ und Reggaeproduzent ist. Die beiden haben mir sehr geholfen, Kontakt zu vielen Leuten aufzunehmen, die sie persönlich kennen. Aber dann ging für mich das Klinkenputzen los. Ich musste jeden Einzelnen persönlich treffen, bitten, und zum Teil auch beknien.

Einige haben nicht mitgemacht. John Holt von den Paragons hätte ich sehr gern dabei gehabt, weil er Klassiker („The Tide Is High“) geschrieben hat. Wir haben dutzende Male versucht, ihn und seinen Produzenten anzurufen, aber es hat leider nie geklappt. Dito mit dem legendären Rocksteady-Sänger Alton Ellis.

Judy Mowatt wollte anfänglich nicht mitsingen, sie sagte, dass Rocksteady für sie Schlagerkitsch sei. Sie ist Christin geworden und singt heute ausschließlich Gospels. Ich musste zweimal zu ihr nach Jamaika reisen. Das erste Mal mit Schweizer Schokolade, das hat nichts genutzt, das zweite Mal mit „Basler Läckerli“, das hat sie dann gemocht. Aber alle anderen haben sehr gerne mitgemacht

Wie stark hat Dich „Buena Vista Social Club“ beeinflusst?
„Rocksteady – The Roots Of Reggae“ ist ähnlich aufgebaut. Bloß hab‘ ich in meinem Film auch noch die historische Komponente mit einbauen wollen. Das heißt, darin ist sehr viel historisches Archivmaterial und auch die Songs folgen einer ganz starken historischen Entwicklung. Es geht darin um Arbeitslosigkeit, um Auswanderung, um Kriminalität, natürlich auch um die Liebe und die Hoffnung und den Geist der Rebellion. Denn das hat mir ein bisschen gefehlt in „Buena Vista Social Club“ und deswegen wollt ich‘s ein bisschen besser machen.

Im Film wird auch die Ehefrau von Bob Marley interviewt. Wie groß ist sein Einfluss auf die Reggae-Musik tatsächlich?
Mein Film könnte auch heißen: „Standing In The Shadow Of Bob Marley“. Es ist ein Film, der zeigen will, dass es eben kein Engel namens Bob Marley war, der uns die Reggaemusik vom Himmel gebracht hat, sondern, dass es eine Volksmusik ist, die von unten entstanden ist und Bob eigentlich ein Teil davon war.

Gibt es weitere Musikthemen, die Dich reizen?
Der Balkan birgt für mich ein unheimlich interessantes Reservoir an musikalischen Entdeckungen. Vielleicht mach ich auch eine Fortsetzung von „Rocksteady“, einen Film über den heutigen Reggae international. Oder ein Musical in Jamaika – wer weiß.

Wird es eine Europatour mit den Rocksteady-Musikern geben?

Ich würde mir wünschen, dass alle Rocksteady Allstars mit Band durch Europa und die Welt touren, denn sie sind ein Knüller. Das Internationale Jazzfestival Montreal, Kanada, hat sie letztes Jahr eingeladen. Da bewies unsere Rocksteady All Star-Band vor 125 000 Leuten, dass sie in Topform sind! Es war ein wahnsinnig schönes Konzert und ich würde mir wünschen, dass sie auch in Europa auftreten – möglichst bald!

Der Film „Rocksteady – The Roots Of Reggae“ läuft heute deutschlandweit in den Kinos an. Der dazugehörige Soundtrack ist im Handel erhältlich.
Einen Beitrag zum Film hört Ihr im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr.

Skinhead: Vor fünf Jahren starb Laurel Aitken

17.07.2010 von  

Beim Gedanken an Skinheads würde man heute wohl kaum an Reggae-Musik denken. Und doch gab es im England der 60er Jahre eine starke Verbindung zwischen den beiden Szenen. Einer ihrer Heroen war Laurel Aitken, der am 17. Juli 2005, vor nunmehr fünf Jahren, im Alter von 78 starb.

Aitken war einer der ersten jamaikanischen Musiker, dessen Riddims Ende der 50er in England veröffentlicht wurden. Sein großer Erfolg führte zu seinen Beinamen „Godfather of Ska“, „High Priest of Reggae“ und „Boss Skinhead“. Er verhalf dem Ska in England zum Durchbruch.

Wie aber kamen die Skinheads zur Ska und Reggae Musik? Die ursprünglichen Skinheads, eine Subkultur, die Ende der 1960er der Modszene entsprang, waren eine Art Gegenentwurf der Arbeiterklasse zur Hippiebewegung. Von den langhaarigen Mittelstandskids wollte man sich nicht nur modisch durch Glatze, enge Jeans und schwere Stiefel abgrenzen, auch musikalisch suchte man eine Antithese zum Hippierock mit seinen oft zehn minütigen Gitarrensoli. Man wurde fündig im Sound der karibischen Einwanderer, die in denselben Arbeitervierteln lebten. Eine einfach gestrickte Partymusik, zu der man feiern konnte. Mit heutigen Nazi-Skins hatte die damalige Bewegung also nichts zu tun. Im Gegenteil.

Zumindest anfänglich modischen Einfluss auf die Skinheads hatten auch die jungen Jamaikaner, die sich im Rude-Boy-Style kleideten, benannt nach den Hipstern in den Slums von Kingston, in schwarzem Anzug, kurzen Haaren und Pork Pie Hut. Auch Laurel Aitken gab sich als Rude Boy. 1960 war er nach England ausgewandert und da die Nachfrage nach jamaikanischer Musik immer größer wurde, produzierte er, wie auch andere Ska-Musiker, speziell für den britischen Markt. Titel wie „Skinhead Speaks His Mind“ von den Hot Rod Allstars, „Skinhead Revolt“ von Joe the Boss, „Skinhead Train“ von Laurel Aitkin und – vielleicht am bekanntesten – „Skinhead Moonstomp“ von Symarip wurden zu Klassikern der Szene. In Jamaika selbst gab es den Begriff „Skinhead Reggae“ bzw. „Reggae Skin“ allerdings nie.

In den 70ern flaute das Interesse der Skins an Ska und Reggae ab. Unter anderem deshalb, weil sich durch den Aufschwung der Rastafari der Roots Reggae immer mehr durchzusetzen begann. Vermehrt hörte man nun Rock oder Soul.

Dafür entdeckte um etwa 1977 herum die Punkbewegung den Ska und löste dessen zweite große Welle aus. So hatte Laurel Aitken in dieser Zeit seinen einzigen UK-Charthit „Rudi Got Married“, ein ironischer Querverweis auf Dandy Livingstones 60s-Ska-Klassiker „A Message To You Rudy“.

Auch wenn Aitken in absoluten Verkaufszahlen wenige Hits für sich verbuchen konnte, so war er doch eine der wichtigsten Figuren in der Entwicklung jamaikanischer Musik. Sein Repertoire reichte von Ska, Rocksteady, Reggae bis zu R&B. In den 90ern spielte er sogar Dancehall.

Er war bis ins hohe Alter umtriebig, spielte Live-Konzerte, bei denen er sich oft bis zur Erschöpfung verausgabte. 2005 starb Laurel Aitken im Alter von 78 Jahren an einer Herzattacke.

Anlässlich des fünfjährigen Todestags erinnert Patrick Ziegelmüller im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr an den großen jamaikanischen Musiker Laurel Aitken.

Als Babylon brannte.

14.07.2010 von  


Der Drogentod von Musikern trägt nicht selten zur Legendenbildung bei. Nicht so bei Malcolm Owen. Heute, am 14 Juli vor 30 Jahren starb der Sänger von The Ruts an einer Überdosis Heroin, nur wenige Wochen, nachdem sich Ian Curtis von Joy Divison das Leben genommen hatte.
Doch während dieser zur Ikone wurde und der Rest der Band als New Order weiter Erfolge feierte, verschwanden The Ruts wieder in der Versenkung und Malcolm Owen geriet in Vergessenheit.

Die erste Welle der britischen Punkbewegung ging Ende der 70er zu Ende, Sid Vicious war tot, die Sex Pistols hatten sich aufgelöst, The Clash hatte den Karrieresprung in die USA vollzogen und es schien, als hätten sich die Möglichkeiten, drei Akkorde immer wieder neu zu kombinieren, erschöpft.
The Ruts fanden einen möglichen Weg aus der Sackgasse. Sie ließen Elemente des Reggae und Dub in ihre Musik einfließen, mehr noch als The Clash dies ansatzweise schon taten.

In einer politisch unruhigen Zeit war der Punk auf dem Weg in eine neue Ära.
Nicht erst seit Margaret Thatcher 1979 Premier wurde, wehte ein sozial rauer Wind. Die rechtsextreme British National Front erlebte ihre Blütezeit und sogar Musiker wie David Bowie (England würde ein faschistischer Führer gut tun) und Eric Clapton (Großbritannien dürfe keine schwarze Kolonie werden) taten öffentlich rassistische Äußerungen. Während Bowie seine Aussagen mit Drogeneinfluss entschuldigte, hat sich letzterer nie von seinen Aussagen distanziert.

Gegen diese Tendenzen wurde 1978 die Veranstaltungsplattform „Rock Against Racism“ ins Leben gerufen. Auf den Konzerten traten „schwarze“ Reggae und Ska Bands gemeinsam mit „weißen“ Rock und Punkbands auf. Neben der Fusion verschiedener Stile ist für die zweite Welle des Punk bezeichnend, dass die Musiker nun konkrete politische Anliegen hatten, im Gegensatz zur ersten Welle, die den Kampf gegen das Establishment noch durch bloßem Nonkonformismus geführt hatte.
The Ruts waren Teil eine der ersten Bands der zweiten Welle. Sie spielten viele Konzerte und standen in Verbindung mit dem Reggae-Kollektiv Misty In Roots, eine treibende Kraft hinter „Rock Against Racism“. Von den Unruhen im Londoner Stadtteil Southall, bei denen es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben hatte, handelt der Text vom The-Ruts-Lied „Jah War“. Sie widmeten es Misty-In-Roots-Mitglied Clarence Baker, der bei den Polizeiübergriffen schwer verletzt worden war. Ihren größten Hit hatten sie aber mit der zuvor veröffentlichen Single „Babylon’s Burning“ gehabt. Sie schaffte es bis auf Platz sieben der britischen Charts. Mit dem Titel übernahmen sie erstmals einen Begriff aus der Rastafari-Reggae Terminologie in den Sprachgebrauch des Punk. Babylon ist ein Synonym für eine autoritäre Gesellschaft, für den Staat als Unterdrücker überhaupt.

The Ruts waren auf dem besten Weg, zu Führungsfiguren des mit neuen Formen experimentierenden Post Punk zu werden. Die neuen Lieblinge von BBC Radiomoderator John Peel hatten einen Vertrag bei Virgin Records, mit „The Crack“ soeben ein großartiges Debütalbum hingelegt, tourten mit dem Godfather Of Ska Laurel Aitken, dessen Tod sich am 17. Juli zum fünften Mal jährt, durch England und bereiteten eine USA Tour vor.

Doch Leadsänger Malcolm Owen fiel wegen seiner Heroinsucht immer öfter aus und setzte sich am 14.07.1980 schließlich den goldenen Schuss. Gitarrist Paul Fox, der von nun an die Vocals übernahm, konnte den charismatischen Frontmann nicht ersetzten. Die Band nahm zwar unter dem Namen Ruts DC noch zwei weitere Alben auf, zerfiel 1983 dann aber endgültig. Paradox oder passend: Die B-Seite Seite der ersten The-Ruts-Single „In A Rut“ enthält den Anti-Heroin Song „H-Eyes“.

Klaus Walter gedenkt des mit 25 Jahren verstorbenen Malcolm Owen im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr.

Südamerikas schwarze Stimme

09.07.2010 von  


Es war einer der prägendsten Momente in der Geschichte der Demokratisierung Argentiniens. Mercedes Sosa steht auf der Bühne des Opernhauses in Buenos Aires und singt „Solo Le Pido A Dios“. Dieses Lied , das aufruft nicht zu vergessen, nicht stillzuhalten, wenn Ungerechtigkeit geschieht, war zur Volkshymne für die Zeit nach der Militärdiktatur avanciert.

Vor der politischen Repression war Mercedes Sosa zwei Jahre zuvor nach Europa geflohen. Nun war sie zurückgekehrt, um ihrem Volk Mut zu machen für die neue Ära. Ihr Leben lang war die Halbindigena politisch und sozial aktiv und wurde durch ihr Engagement zur Ikone ganz Südamerikas. Als Peronistin geriet sie mit der Militärjunta aneinander und wurde einmal sogar während eines laufenden Konzert es mitsamt Band und Publikum verhaftet.

„Yo No Canto Para Cantar“ – Ich singe nicht um zu singen, heißt passenderweise auch eines ihrer Alben. Mercedes Sosa war eine der wichtigsten Interpretinnen des Nueva Canción, des neuen politischen Liedes, das Ende der 50er in Lateinamerika entstanden war und in ganz Süd- und Zenralamerika populär wurde. Viele dieser Lieder fanden sogar Eingang in das Repertoire US-amerikanischer Folkmusiker, wie Joan Baez und Pete Seeger.

Pionierin des Nueva Canción und großes Vorbild Sosas war die Chilenin Violeta Parra. Diese hatte Ende der 50er Volkslieder gesammelt und ihnen neue, sozialkritische Inhalte gegeben.

Auch Mercedes Sosa sang anfangs Folklore. Geboren 1935 in der Provinz Tucumán, gewann sie bei einem Wettbewerb des lokalen Radiosenders einen zweimonatigen Vertrag. Der Durchbruch gelang ihr 1965 beim Festival Cosquin im Norden Argentiniens. Diesem entstieg sie als neuer Superstar.

Zeitlebens blieb La Negra, die Schwarze, wie sie von ihrem Publikum genannt wurde, eine Aktivistin für Frauen- und Menschenrechte. Auch eine schwere Krankheit hielt sie nicht davon ab, 2008 im Auftrag der UNICEF als Botschafterin für Lateinamerika und die Karibik aktiv zu sein.

Ihr letztes Album könnte man als Abschiedswerk betrachten. “Cantora“ enthält lauter Duette mit südamerikanischen Stars, wie Lila Downs, Caetano Veloso, Rene Perez, und sogar Shakira. Die Veröffentlichung erlebte Sosa nicht mehr. Kurz vor dem Erscheinen von „Cantora“ 2009 verstummte die „Stimme Lateinamerikas“ für immer. Mercedes Sosa wäre am 09. Juli 75 Jahre alt geworden.

Sir Keil erinnert im ByteFM Magazin vom 09.07. an Mercedes Sosa. Das ByteFM Magazin beginnt um 15 Uhr.

Der Beste im Hintergrund

03.07.2010 von  


Beim Namen Tommy Tedesco, könnte man zunächst einen Mafiapaten vermuten und nicht einen der besten Gitarristen der Welt.

Obwohl ihn sicher ein Jeder schon unzählige Male gehört hat, kennt ihn kaum einer.

Kein Wunder, als Studiomusiker schafft man es schwer ins Rampenlicht. Und doch ist Tommy Tedesco eine zentrale Gestalt der US-amerikanischen Musikgeschichte. Es ist nicht übertrieben zu behaupten: Hört man eine Platte aus den 60ern und 70ern, so hört man Tommy Tedesco.

Als einen der gefragtesten Studiogitarristen seiner Zeit findet man ihn auf tausenden Aufnahmen. Elvis, Nancy Sinatra, die Beach Boys, Cher, sogar Frank Zappa… Eigentlich alle sangen sie zu seinem Gitarrenspiel. Die Liste ist so lang, dass man die Frage umgekehrt stellen muss: wer nicht?
Zudem spielte Tedesco die Titelmelodien unzähliger Filme und Serien. Bonanza, Batman und Twilight Zone seien hier als Beispiele aufgeführt.

Tommy Tedesco ist auch das beste Beispiel dafür, dass im Musikgeschäft nicht unbedingt die Talentiertesten bis ganz nach oben kommen. Zwar konnten Bands wie die Beach Boys auch selber ihre Instrumente spielen, die gängige Praxis der Labels war es aber, für die Studioaufnahmen der Alben eigene Profimusiker anzustellen. Das ging schneller und klang besser.

Da verständlicherweise nicht bekannt werden sollte, dass die Bands ihre Platten gar nicht selbst einspielten, wurden die Studiomusiker bei Veröffentlichung selten erwähnt. Den Ruhm ernteten andere.

Auch deshalb hat der Sohn Tedescos seinen Vater und dessen Kollegen im Film „The Wrecking Crew“ (2008) portraitiert.

Er zeigt aber keine frustierten Möchtegern-Stars, sondern Menschen, die ihren Traumberuf gefunden haben, die einfach nur Musik machen wollen und auch noch gut davon leben können.
Über sein Leben als Studiomusiker hielt Tedesco außerdem regelmäßig Vorträge und schrieb eine Kolumne im Magazin „Guitar Player“.

Ein Schlaganfall beendete 1992 seine Karriere. Teilweise gelähmt veröffentlichte er noch seine Autobiografie „Confessions Of A Guitar Player“, bevor er 1997 starb.
Am 03.07. wäre Tommy Tedesco, der „most recorded guitarist in history”, 80 Jahre alt geworden. Martin Spiller erinnert im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr.

Die musikalische Differenz

03.07.2010 von  


Vince Clarke weiß genau, was er will. Und wenn etwas nicht seinen Vorstellungen entspricht, trennt er sich davon. So geschehen 1981 von Depeche Mode, deren Gründungsmitglied er war, so geschehen 1983 von Schulfreundin Alison Moyet, mit der er als Duo Yazoo einige Erfolge feiern konnte. Und mit Ex-Undertones Sänger Feargal Sharkey schaffte er es nicht weiter als bis zur Veröffentlichung einer Single.
Musikalische Differenzen waren jedes Mal der Grund.
Aber in Andy Bell scheint er den Partner fürs Leben gefunden zu haben. Gemeinsam bilden die beiden das Duo Erasure – noch immer, seit 25 Jahren.

In den 80ern und 90ern beglückten sie die Welt mit überladenem Synthie-Pop und pompösen Bühnenshows, die von Kritikern auch als Kitsch, Trash oder schlichtweg geschmacklos bezeichnet wurden.
Vince Clarke war dabei der Mann im Hintergrund, der mit ernstem Blick die Synthesizer bediente, während Sänger Andy Bell vorne in viel zu engen Kostümen herumhopste und das Publikum unterhielt.
Vor allem in der Schwulenszene wurden sie zum Kult. Andy Bell war, neben den Pet Shop Boys, einer der ersten Popstars in den 80ern, die sich als homosexuell outeten. Vince Clarke hingegen ist seit 2004 mit Tracy Hurley verheiratet und hat einen Sohn, den er nach dem analogen Synthesizer OSCar benannt hat.
Obwohl er ein eindeutiges Faible für Synthesizer hat, sieht er Erasure nicht als Synthie-Band. „Wir sind ein Songschreiber-Duo, das Keyboards benutzt.“
Mitte der 90er ließ der Erfolg nach, die Bühnenshows wurden gesitteter und 2006 brachten Erasure sogar ein Akustikalbum im Country-Stil heraus.

Auch wenn es um die beiden etwas ruhiger geworden ist, wird dem Engländer Vince Clarke wohl trotzdem nicht langweilig. Er ist in unzähligen Seitenprojekten aktiv, komponiert Sound für 3D Audiosysteme und remixt für unter anderem Franz Ferdinand, Rammstein, Rosenstolz, Simple Minds, die Sparks und seinen Partner Andy Bell, der mittlerweile auch Solopfade beschreitet.
2008 ging er mit Alison Moyet auf Reunion Tour.
Ob er sich dasselbe mit Depeche Mode vorstellen könnte?
Definitiv nein. Depeche Mode seien nun eine völlig andere Band als zu der Zeit, als er noch Mitglied war. Zu düster für den Mann, der so ungern lächelt.
Heute feiert Vince Clarke seinen 50. Geburtstag.
Mehr dazu bei Martin Spiller im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr.

Hier noch ein Video, das Depeche Mode in ihren Anfangszeiten mit Vince Clarke zeigt

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