Neue Platten: Travels – „The Sun Shines Down On Me“
22.11.2011 von Hermann Nanno Becker
(Travels)
8,0
Nach einem ByteFM Album der Woche („Robber On The Run“, Own Records, Juni 2010) und einer kleinen Europa-Tour um die Jahreswende 2010/2011 gibt es aktuell neue Musik von Travels, und zwar in Form einer auf 150 Exemplare limitierten Vinyl-Single. Wie schon bei dem selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 2007 und „The Hot Summer“ aus dem Jahr 2009 haben sich Mona Elliott und Anar Badalov diesmal wieder dafür entschieden, den Vertrieb in Eigenregie durchzuführen.
Die 7″-Single mit zwei Songs wird zwar erst ab dem 1. Dezember 2011 verfĂĽgbar sein, Käufer erhalten aber bereits sofort Zugriff auf eine Download-EP mit drei zusätzlichen Songs. Und sie bekommen wieder einmal Travels pur, auch wenn das Duo fĂĽr die A-Seite der Single eine seiner wenigen Cover-Versionen eingespielt hat. „The Sun Shines Down On Me“ ist im Original eine Kuriosität von Daniel Johnston, bei Travels aber wird ein Song daraus. Und schon mit den ersten Tönen der schrammeligen Gitarre ist klar, dass der Sound dieser EP sich von der melancholisch-poppigen Atmosphäre, die „Robber On The Run“ beherrschte, unterscheidet. Die vier neuen eigenen Songs („Stencils“, „Lucky“, „Veil Of Stars“ und „The Runner“) unterstreichen diesen Eindruck. Die Arrangements erscheinen sparsamer und direkter. GefĂĽhlt handelt es sich durchaus um eine Annäherung an die Unmittelbarkeit, mit welcher die Musik bei Live-Auftritten von Travels erlebt werden kann.
Mit diesem etwas raueren Charme besitzt die EP (wie auch jeweils die drei Alben zuvor) einen ganz eigenen Charakter. Die für Travels so typische Melancholie bleibt dennoch, wiederum unterstützt durch die sehr persönlichen Texte, die schon eine Art „Markenzeichen“ darstellen. Immer nachfühlbar, nie belanglos. In dieser Hinsicht fügen sich hier denn auch die Worte von Daniel Johnston nahtlos ein, beinahe so, als stammten sie von Mona und Anar selbst.
Auch wenn es diesmal also „nur“ eine EP ist (die aufgrund ihrer VerknĂĽpfung mit einer limitierten Vinyl-Single womöglich vor allem die Fans von Travels ansprechen mag) – Mona Elliott und Anar Badalov treiben ihr musikalisches Projekt beharrlich voran und bleiben aufgrund ihrer Unabhängigkeit dabei ganz sie selbst. „Indie“ im besten Sinne.
Label: selbstveröffentlicht | Kaufen
Neue Platten: Still Corners – „Creatures Of An Hour“
21.11.2011 von Hermann Nanno Becker
(Sub Pop)
8,0
Ein kalter, nebliger Januar-Abend in London (wo sonst?), der Zug hält nicht wie vorgesehen am Bahnhof London Bridge, sondern fährt geradewegs zur nächsten Station. Sie steigt aus und verpasst ihre Chorprobe, er steigt aus und findet endlich eine Sängerin fĂĽr seine Band – ist das Leben nicht schön? Der Texaner Greg Hughes und die Londonerin Tessa Murray geben diese Geschichte ihrer Zufallsbegegnung, die vor einigen Jahren stattfand, in Interviews immer wieder gerne zum Besten. SchlieĂźlich stellt sie ein entscheidendes Mosaiksteinchen fĂĽr das Zustandekommen ihres musikalischen Projekts Still Corners dar.
Im Sommer des Jahres 2008 erlangten Still Corners dann erste Aufmerksamkeit mit ihrer in Eigenregie veröffentlichten 6-Track-EP „Remember Pepper?“, wohl auch wegen der unüberhörbaren Anklänge an die frühe Musik der Band Broadcast, deren Sängerin Trish Keenan zu Beginn dieses Jahres leider den Folgen einer Lungenentzündung erlag. „Remember Pepper?“ wurde seinerzeit lediglich in einer Auflage von 300 CDs gefertigt, und der Verfasser schätzt sich glücklich, eines dieser Exemplare sein Eigen zu nennen.
Drei Jahre (und wenige Singles) später, und mit dem Gitarristen Leon Dufficy sowie dem Bassisten Luke Jarvis inzwischen zur Band angewachsen, haben Still Corners für ihr Debütalbum „Creatures Of An Hour“ nun beim amerikanischen Plattenlabel Sub Pop eine Heimstatt gefunden. Der mit reichlich Hall versehene Sound ihrer Musik ist nach wie vor sehr Sixties-inspiriert, und auch die weniger verschrobenen Momente von Broadcast bleiben weiterhin eine lose Referenz. Der helle, gehauchte Gesang von Tessa Murray lässt die Songs von Still Corners allerdings ungleich leichter und poppiger wirken. Von dem ziemlich süßlich geratenen „The White Season“ einmal abgesehen, ist es jedoch dem Songwriting von Greg Hughes zu verdanken, dass aus der Leichtigkeit keine Beliebigkeit erwächst.
Zehn Songs mit einer Gesamtlänge von lediglich 32 Minuten sprechen eine ziemlich deutliche Sprache und unterstreichen den Pop-Charakter dieses Albums. Trotz eines dichten Klangbildes sind die Arrangements nämlich durchaus minimalistisch. Hughes kommt auf den Punkt und widersteht dabei der Versuchung, seine Musik in ätherische Sphären abdriften zu lassen. So bildet beispielsweise in „Endless Summer“ die am Ende des Songs eingesetzte Gitarre einen wunderbaren Kontrast zu dem lieblichen Gesang Murrays, und sowohl die Basslinie als auch die schlichten Gitarrenmelodien in „Submarine“ zeugen von einer gewissen Erdung.
Es ist schon ein bisschen schade, dass „Creatures Of An Hour“ sich – wie es scheint – ein wenig unterhalb des Radars bewegt. Angesichts der hier versammelten Pop-Perlen hätte das DebĂĽtalbum von Still Corners jedenfalls eine größere Aufmerksamkeit verdient.
Label: Sub Pop | Kaufen
Neue Platten: Bill Callahan – „Apocalypse“
08.04.2011 von Hermann Nanno Becker

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.
Wer? Bill Callahan wurde 1966 in Maryland geboren und lebt derzeit in Austin (Texas). Auch wenn der Begriff in diesem Fall (wie eigentlich so häufig) zu einschränkend wirkt, darf Callahan durchaus der Riege der Singer/Songwriter zugeordnet werden, um die musikalische Richtung wenigstens grob zu bestimmen. Seit mehr als zwanzig Jahren veröffentlicht er seine Musik auf dem amerikanischen Label Drag City. Sehr lange tat er dies unter dem Pseudonym Smog, dass er 2007 jedoch ablegte.
Was? Als Smog hat Bill Callahan elf Alben veröffentlicht, „Apocalypse“ ist nun das dritte Album unter eigenem Namen. Es folgt dem vor zwei Jahren erschienenen „Sometimes I Wish We Were An Eagle“, welches im Jahr 2009 das Konsens-Album schlechthin war und Callahan bislang die größte Aufmerksamkeit in seiner langen musikalischen Schaffenszeit bescherte. Im Gegensatz zu diesem doch recht opulent instrumentierten Album kommt „Apocalypse“ nun wieder deutlich reduzierter daher. Beide Alben wurden in ähnlicher Weise zwar jeweils mit einer Band quasi unter Live-Bedingungen aufgenommen, aber bei „Sometimes I Wish We Were An Eagle“ wurden hinterher noch Streicher und Bläser hinzugefügt. Diesmal hat Bill Callahan bewusst darauf verzichtet.
Warum? The real people went away. But I‘ll find a better way, someday, leaving only me and my dreams“. Mit diesen Worten beginnt Bill Callahan sein neues Album, und er deutet hiermit an, was folgt. „Apocalypse“ wirkt ausgesprochen introvertiert und erscheint beinahe wie der Versuch einer Selbstfindung und Standortbestimmung, auch wenn Callahans gewohnt unerschĂĽtterlicher und selbstbewusster Vortrag diesen Eindruck aufs erste Hören womöglich nicht unbedingt unterstreicht. Seine Stimme ist seit jeher recht dominant, und er setzt sie zudem sehr kontrolliert ein. Umso verwunderlicher ist es, wie sehr die Songs emotional berĂĽhren, auch wenn dies nach „Sometimes I Wish We Were An Eagle“ nicht mehr ĂĽberraschen sollte.
„Apocalypse“ lebt von diesen scheinbaren Widersprüchen, die auch in einzelnen Songs wiederzufinden sind. Der markante und für dieses Album musikalisch eher untypisch wirkende Song „America!“ könnte eine Liebeserklärung an das eigene Land sein und wird dabei doch von Zweifeln begleitet. Dies ist jedoch einer der eher seltenen Momente, in denen Callahan recht deutlich wird, denn ansonsten strotzt dieses Album nur so vor Metaphern, welche die Hörer vielleicht zu interpretieren, jedoch nie wirklich zu entschlüsseln vermögen. Aber so lassen sich immer wieder neue Aspekte entdecken.
Musikalisch bewegt sich „Apocalypse“ irgendwo zwischen Folk und leichtem Jazz, ist daher ziemlich abwechslungsreich und dabei doch sehr homogen. Die anfangs etwas dĂĽstere Stimmung weicht im Verlauf der nur sieben Songs (allerdings bei einer Spieldauer von rund vierzig Minuten) kontinuierlich und konsequent einer spĂĽrbaren Entspannung. Auf „Riding For The Feeling“ und „Free’s“ entdeckt Callahan dann tatsächlich so etwas wie die Leichtigkeit des Seins, um auf „One Fine Morning“ nochmals nachdenkliche Töne anzustimmen. Und mit jedem Hören wird klarer, dass Callahans herber Stimme unterschwellig doch eine sympathische Zerbrechlichkeit innewohnt.
Es wĂĽrde nicht verwundern, wenn sich – ähnlich wie beim Vorgänger – erneut unterschiedlichste Geschmäcker auf dieses von Beginn bis zum Ende wunderbare Album einigen könnten. Verliefe die Apokalypse entsprechend angenehm ruhig und kontrolliert, wir bräuchten uns nicht zu sorgen. Die Ereignisse der letzten Wochen belegen aber, dass dies nicht der Fall sein wird.
Neue Platten: Megaphonic Thrift – „Decay Decoy“
04.03.2011 von Hermann Nanno Becker

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.
Wer? The Megaphonic Thrift sind ein Quartett aus Bergen (Norwegen). Nach dem Ende der Band Stereo 21 tat sich Richard Myklebust (Gitarre, Gesang) im Herbst 2007 eher unverbindlich mit Fredrik Vogsborg (Schlagzeug) von der Band Casiokids sowie Linn Frøkedal (Bass, Gesang) und Njål Clementsen (Gitarre) von The Low Frequency In Stereo zusammen. Aus dieser lockeren Kollaboration entwickelte sich im Laufe der Zeit dann ein ernsthaftes Bandprojekt.
Was? Nach der EP „A Thousand Years of Deconstruction“ aus dem Jahr 2009 erschien „Decay Decoy“ bereits vor rund einem Jahr in Norwegen. Nun erreicht das Debüt-Album von The Megaphonic Thrift über das Londoner Label Club AC30 den Rest von Europa, und es wird in Kürze auch in den USA veröffentlicht. Die Entstehung von „Decay Decoy“ stand zunächst unter keinem guten Stern, denn das Equipment der Band wurde vor dem Start der Aufnahmesessions bei einem Feuer zerstört, wie die Plattenfirma zu berichten weiß. Scheinbar wurde dieses frustrierende Ereignis jedoch in positive Energie umgewandelt, und mit der Unterstützung des Produzenten Jørgen Træen konnte das Album dann doch noch in dessen Duper Studio in Bergen entstehen.
Warum? SY from NY? No, it’s more like SY from NO! Die deutlichen Anklänge an Sonic Youth lassen sich zwar nicht leugnen, aber vielleicht macht dieses Album auch gerade deshalb so viel SpaĂź. „Decay Decoy“ ist nämlich alles andere als ein Plagiat. Der Sound der New Yorker Band dient den Norwegern offenkundig eher als Inspiration, und gepaart mit einer unbekĂĽmmerten Spielfreude, wie sie beispielsweise auch von The Low Frequency In Stereo an den Tag gelegt wird (wer diese Band schon einmal live gesehen hat, weiĂź was gemeint ist), gerät „Decay Decoy“ zu einem ganz eigenen VergnĂĽgen. Man will The Megaphonic Thrift gerne glauben, dass die Songs eher spontan aus dem Augenblick heraus entstanden sind. Die hier reichlich vorhandenen Melodien wirken recht infektiös und setzen sich schnell im Kopf fest. Als Beispiele mögen hierfĂĽr „Talks Like A Weed King“, „Neues“, „Candy Sin“ oder „You Saw The Silver Line“ dienen. Der diese Melodien umgebende Lärm unterstreicht diesen Effekt sogar, und an diesem Punkt widerstehen The Megaphonic Thrift der Versuchung, sich in ausufernde Krachkaskaden Ă la Sonic Youth zu versteigen. Damit liefern die neun Songs auf „Decay Decoy“ nach Norwegen nun also auch dem Rest der Welt eine kurzweilige knappe Dreiviertelstunde.
Neue Platten: Talons‘ – „Songs For Boats“
18.02.2011 von Hermann Nanno Becker

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.
Wer? Talons‘ ist seit einigen Jahren das Projekt von Mike Tolan aus Ohio, ehemals Mitglied von The Six Parts Seven und derzeit Mitglied von Trouble Books. Bei Talons‘ wird er von seiner Ehefrau Sommer sowie Freunden und Bekannten unterstĂĽtzt.
Was? Folk. Ruhig, melancholisch, getragen. Auf seiner Website bietet Mike Tolan viel Musik zum freien Download an. Daneben ist „Songs For Boats“ erst das zweite reguläre Album von Talons‘ nach „Songs For Babes“ aus dem Jahr 2008 und erscheint wiederum auf dem kleinen, aber feinen luxemburgischen Label „Own Records“. Tolan hat die „Songs For Boats“ geschrieben als er in Spanien lebte, die Aufnahmen erfolgten dann von Januar bis September 2010 in Ohio. Die Songtitel betreffen meist verschiedene Bootsgattungen („Rowboat“, „Old Kayak“ „Catamaran“ usw.)
Warum? Musikalisch das richtige Album fĂĽr den Ăśbergang vom Winter in den FrĂĽhling. Die sanften Songs wirken wie die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Einzelne Songs sind mit Geige und Cello sowie Holz- und Blechbläsern durchaus opulent instrumentiert, das Album ist insgesamt jedoch angenehm zurĂĽckhaltend produziert. So bleibt von Beginn bis Ende ein gewisses MaĂź an Intimität erhalten. Die Schönheit der Songs sollte jedoch nicht täuschen: „Songs For Boats“ handelt von einer eher desolaten Situation, nachdem die Weltwirtschaft kollabiert ist und die USA sich in einem relativen Chaos befinden. Die Hoffnung wird aber nicht endgĂĽltig aufgegeben: „We‘ll make love like they used to in the cold war days when you didn’t know when the world would end, but it‘d probably be soon“.
Womens zweiter Streich
17.09.2010 von Hermann Nanno Becker

Als die kanadische Band Women vor zwei Jahren ihr (ausgerechnet selbstbetiteltes) Debütalbum beim feinen Label Jagjaguwar veröffentlichte, war es gar nicht so einfach, der CD habhaft zu werden, denn die einschlägigen Online-Händler listeten beim Suchbegriff „Women“ alle möglichen Artikel zum Thema „Frauen“ auf, zuvorderst aber eben nicht das gesuchte Album.
Nun, die Zeiten ändern sich. Wenn man den Begriff aktuell bei der deutschen Dependance eines großen Online-Händlers sucht, ergeben sich über alle Kategorien zwar mehr als 370.000 Treffer, aber der Erstling von Women steht dabei inzwischen an vierter Stelle, der gerade erschienene Nachfolger nur wenige Positionen dahinter. Im Suchbereich „Musik“ nehmen beide Alben sogar die ersten beiden Positionen ein. Gut so, denn insbesondere Womens zweiten Streich „Public Strain“ sollte man nicht verpassen, ist er für die Band doch ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung.
Das 2008er Album „Women“ war und ist nämlich nicht ganz unproblematisch. Zwar fasziniert die Abfolge der drei Songs „Group Transport Hall“, “Shaking Hand“ und „Upstairs“ auch heute noch, dennoch ver(sch)wendete das Quartett aus Calgary zu viel Zeit des lediglich eine halbe Stunde währenden DebĂĽts, um – eben nicht immer erfolgreich – lärmende Klanglandschaften zu erkunden. Aber vielleicht hatte dies auch sein Gutes, denn Women scheinen sich seinerzeit genug ausgetobt zu haben. Auf „Public Strain“ gibt es mit dem dĂĽster wabernden „Bells“ lediglich eine (eher verhaltene) Sound-Expedition vergleichbarer Art, ansonsten entdecken Patrick Flegel (Gesang/Gitarre), Matt Flegel (Bass/Gesang), Chris Reimer (Gitarre/Cello/Gesang) und Michael Wallace (Schlagzeug) endlich, welche Möglichkeiten die Kombination aus Lärm und Song bietet. Dies ist zwar nicht neu, aber bei entsprechendem Songwriting eben immer noch eine sehr reizvolle Angelegenheit.
Derlei Musik bekommt schnell mal das „böse“ Etikett „Art Rock“ verpasst, und es scheint auch beinahe so, als hätten sich Women das wohl noch freie Plätzchen zwischen Liars und Bear In Heaven gesucht. GefĂĽhlt wirkt „Public Strain“ jedoch eher wie eine schroffe Variante von Deerhunter gepaart mit einem ordentlichen Schuss Sonic Youth aus den Zeiten von „Evol“ oder „Sister“. Patrick Flegels flacher und zuweilen leicht schiefer Gesang scheint aus einem Parallel-Universum zu stammen, dennoch mogelt er sich – wenn auch eben merkwĂĽrdig distanziert – in die Allianz aus schepperndem Schlagzeug, stumpfen Basslinien, grob geschnitzten Gitarrenklängen und einem gerĂĽttelt MaĂź an Feedback. Trotz oder wegen der Sixties-EinflĂĽsse bleibt der Sound dabei angenehm unfertig und spröde, möglicherweise auch ein Verdienst von Chad VanGaalen, der nicht nur das Vorgängeralbum, sondern auch „Public Strain“ produziert hat.
Die Balance aus ruhigen und lauten Momenten gelingt diesmal vortrefflich. „Public Strain“ beginnt mit dem brĂĽchigen Soundgebilde „I Can’t See“, lediglich vom Bass zusammen gehalten, während der Gesang schon jetzt ganz entrĂĽckt erscheint. Mit der rauen Schönheit von „Heat Distraction“ setzt auch das Schlagzeug ein und die Gitarren bekommen die erste Gelegenheit matt zu glänzen (hier nur ein scheinbarer Widerspruch). Diese Art von Wechselspiel bestimmt auch den Rest des Albums und gibt ihm seinen Reiz. Melancholische, gelegentlich sogar desolate Stimmungen werden von harschen und doch unwiderstehlichen Pop-Momenten abgelöst. Die angesprochene Schönheit entfaltet sich dabei eher unterschwellig, tritt aber mit jedem Hören weiter in den Vordergrund. Die Sanftheit eines „Locust Valley“ bildet dennoch die Ausnahme.
Dieses Album möchte man laut hören, auch wenn das spitzkantige, aber fantastische „Drag Open“ den Hörer vor die Herausforderung stellt, den besten Kompromiss zwischen „am-liebsten-ganz-laut-hören“ und „Gehör-dabei-nicht-schädigen“ zu finden. „Public Strain“ selber ist jedoch kein Kompromiss. Mag es Women auf ihrem ersten Album noch um das Ausloten der eigenen musikalischen Interessen gegangen sein, so führt die Band diese auf „Public Strain“ nun konsequent zusammen.
Altbekanntes von Film School
08.09.2010 von Hermann Nanno Becker

Liegt es am eigenen Alter, dieses GefĂĽhl, dass es in der Musik nicht wirklich etwas grundlegend Neues mehr gibt? SchlieĂźlich ist die Berechtigung zur Teilnahme an Kaffeefahrten fĂĽr „Senioren ab FĂĽnfzig“ schon in wenigen Jahren erreicht. Die Querverweise und Referenzen häufen sich, statt Erneuerung heiĂźt das Zauberwort jetzt Konsolidierung.
Da passt die Musik von Film School wunderbar in die Zeit, denn die Band um Greg Bertens aus San Francisco versteht etwas von Referenzen. Schlichen sich beim Hören ihres selbstbetitelten Albums aus dem Jahr 2006 unweigerlich The Cure in den Sinn, so lieĂź sich beim Nachfolger „Hideout“ eine musikalische Nähe zum Shoegaze und/oder My Bloody Valentine nicht leugnen.
Zwar ist in der Pressemitteilung zu dem dieser Tage erschienenen vierten Album „Fission“ zu lesen, dass Film School sich nunmehr auf neue Territorien begeben (Pressemitteilung eben…), tatsächlich bewegt die Band sich im Raum-Zeit-Kontinuum des Shoegaze jedoch nur ein kleines StĂĽckchen voran, ca. „the scene that celebrates itself“ (Lush et al.), falls das noch irgendjemandem etwas sagt. Bei aller Anlehnung an schon bekannte Sounds können Film School dennoch fĂĽr sich in Anspruch nehmen, dass ihre eigenen vier Alben sich nicht allzu ähnlich sind. Dies mag in den ersten Jahren Folge einer gewissen Fluktuation im Line-Up der 1998 gegrĂĽndeten Band gewesen sein, deren einzige Konstante Sänger und Gitarrist Greg Bertens war. Aber auch insoweit scheint sich ein Konsolidierungsprozess vollzogen zu haben, denn auf „Fission“ geht nun dasselbe Quintett zu Werke wie auf „Hideout“ – neben Bertens also Lorelei Plotczyk (Bass/Gesang), Dave Dupuis (Gitarre), Jason Ruck (Keyboards) und James Smith (Drums).
Diese Stabilität mag Film School die Gelegenheit gegeben haben, die Leichtigkeit des Seins zu entdecken. Denn auch wenn sich hier und da vereinzelt Anklänge an Joy Division oder The Jesus And Mary Chain finden mögen, wirkt „Fission“ im Ton spĂĽrbar zurĂĽckhaltender und freundlicher als sein Vorgänger. In jedem der zwölf Songs gibt es schöne, eingängige Melodien, und zudem entpuppt es sich als Vorteil, dass Lorelei Plotczyk nun deutlich stärker am (harmonischen) Gesang beteiligt ist. So gesehen ist der Titel des Albums, „Fission“ – also Spaltung, fast ein Witz, denn so homogen wie hier haben Film School auf keinem der vorherigen Alben geklungen.
Sehr Hörer-freundlich ist das angenehm gleichbleibende Niveau der Songs (es gibt also keine Veranlassung zum „Skippen“), aber falls Anspiel-Tipps vonnöten sind, sollen „When I‘m Yours“, „Time To Listen“, „Waited“, „Meet Around 10″ und „Nothing’s Mine“ hier ruhig ausdrĂĽcklich erwähnt werden. In Letzterem singt Lorelei Plotczyk zwar „Everything’s fine cause nothing’s mine“, aber ganz so arg ist es nun auch nicht. Zwar revolutionieren Film School die Musikwelt auch dieses Mal wieder nicht, dafĂĽr erweisen sie sich auf „Fission“ erneut als sympathische Bewahrer des Guten, und das ist wertvoller als mancher ach so innovative Act, den man dann doch ganz schnell wieder vergisst.
!!! – „Strange Weather, Isn’t It?“
16.08.2010 von Hermann Nanno Becker
VĂ–: 20.07.2010
Web: http://www.myspace.com/chkchkchk
Label: Warp
War nicht schon in der letzten Albumrezension die Rede davon, dass das Musikjahr 2010 erstaunliche Parallelen zum Super-Musikjahr 2007 aufweist? Und ging es dabei nicht auch schon um coole Album-Opener? Hieran schlieĂźen !!! nahtlos an.
Knapp dreieinhalb Jahre sind seit dem Erscheinen des hervorragenden Albums „Myth Takes“ vergangen. Und wenn man es nicht besser wĂĽsste, könnte man denken, !!! hätten dessen etwas poppigere Seite („Must Be The Moon“, „Heart Of Hearts“) aufgegriffen und auf ihrem vierten Album „Strange Weather, Isn’t It?“ konsequent zu Ende gedacht. Dabei hat die Band in den letzten drei Jahren tatsächlich einen enormen Veränderungsprozess erlebt. Co-Sänger John Pugh verlieĂź !!! bereits in 2007, und inzwischen sind auch Tyler Pope und Justin Van Der Volgen, die zum Teil noch an der Entstehung von „Strange Weather, Isn’t It“ beteiligt waren, von Bord gegangen. Zu allem Ăśberfluss ist dann auch noch !!!s ehemaliger Drummer Gerhardt „Jerry“ Fuchs im November 2009 tödlich verunglĂĽckt.
All das merkt man „Strange Weather, Isn’t It?“ nicht an. Vom betont coolen Opener und Sommerhit „AM/FM“ bis zum letzten CD-Track „The Hammer“, an dessen Aufnahme Jerry Fuchs noch mitgewirkt hat, ist das Album unverschämt funky und catchy. Eindrucksvoll, mit welcher Lässigkeit und Selbstverständlichkeit hier ein wunderbarer Groove nach dem anderen erzeugt wird. Was auf den ersten beiden Alben “!!!“ (2001) und „Louden Up Now“ (2004) noch rau klang, war auf „Myth Takes“ (2007) schon erheblich glatter und ist auf „Strange Weather, Isn’t It?“ nun hochglanzpoliert. Dieses Album zielt konsequent auf die Tanzfläche. Sei es der unterstĂĽtzende Gesang von Shannon Funchess, sei es das gelegentlich eingesetzte Saxophon, sei es der Sound der Gitarren – die VersatzstĂĽcke mögen innerhalb des musikalischen Genres bekannt erscheinen, aber nur selten wurden sie in den letzten Jahren derart gut und konzentriert auf einem Album dargebracht. Dabei lassen sich !!! auch hin und wieder zu Spielereien hinreiĂźen; so erfährt „The Most Certain Sure“ in der zweiten Hälfte des Songs quasi seinen eigenen Remix, oder man beachte beispielsweise den Ăśbergang von „Jump Back“ zu „Even Judas Gave Jesus A Kiss“. Dieser Song ist mit seiner echoartigen Gitarre ohnehin eines der Highlights, und gegen dessen Ende glaubt man sogar, eine musikalische Referenz an „Bend Over Beethoven“ zu erkennen.
Eines so ausdrĂĽcklichen Songtitels wie „Jamie, My Intentions Are Bass“ hätte es allerdings nicht bedurft, denn daran lassen !!! mit ihren fetten Bassbeats ohnehin keinen Zweifel. In „AM/FM“ singt Nic Offer: „You can turn on the radio but you can’t drown out the wind“ Am liebsten möchte man den Gegenbeweis antreten, ins Cabrio steigen und den Fahrtwind von !!!s wummerndem Bass ĂĽbertönen lassen.
„Strange Weather, Isn’t It?“ ist ein einziger groĂźer SpaĂź, quasi Tanz ohne Redundanz, denn trotz widriger Umstände, die sich seit der Veröffentlichung von „Myth Takes“ aufgetan haben mögen, gelingt !!! mit „Strange Weather, Isn’t It?“ ihr bislang konsequentestes und bestes, weil schlĂĽssigstes Album.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂĽtzung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland – der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr wiederholt.
Matthew Dear – „Black City“
09.08.2010 von Hermann Nanno Becker
VĂ–: 13.07.2010
Web: http://www.myspace.com/matthewdear
Label: Ghostly International
Es gibt sie, diese Konsens-Alben, auf die sich Menschen mit zum Teil völlig unterschiedlichen Musik-Interessen plötzlich einigen können. Im Jahr 2007 gab es mindestens zwei dieser Konsens-Alben – zum einen das selbstbetitelte DebĂĽt von Little Dragon, zum anderen „Asa Breed“ von Matthew Dear, das auf dem von ihm mitbegrĂĽndeten Label Ghostly International erschien. Die Konsensfähigkeit von „Asa Breed“ ist vielleicht damit zu erklären, dass dieses Album gegenĂĽber den eher techno- oder ambientartigen Vorgängern „Leave Luck To Heaven“ (2003) und „Backstroke“ (2004) ein ordentlicher Schritt in Richtung Pop war.
Diesen Weg geht der inzwischen 31-jährige Dear, der einzelne musikalische Arbeiten auch unter den Pseudonymen False, Audion und Jabberjaw veröffentlicht, nun mit „Black City“ konsequent weiter. Für sein neues Album hat er sich zwar drei Jahre Zeit gelassen, aber der Zeitpunkt des Erscheinens geht schon in Ordnung. War nämlich das Jahr 2007 ein ausgesprochen gutes und vielseitiges Musikjahr, zu dem Matthew Dear einen entscheidenden Beitrag leistete, entwickelt sich 2010 ähnlich spannend und aufregend, und es ist sicherlich kein Zufall, dass daran wiederum einige Bands und Künstler beteiligt sind, die schon das Jahr 2007 wesentlich mitgeprägt haben.
Auch wenn der in Texas geborene Matthew Dear als Teenager in Michigan seine musikalische Sozialisation in Form von Detroit-Techno erlebt hat, macht er mit einem unglaublichen Eröffnungs-Trio auf seinem neuen Album schnell klar, dass sein Pop auf verschiedenen Ebenen funktioniert. Bereits die ersten Töne auf „Black City“ nehmen die Ohren gefangen. Stimmungsvoll und zurĂĽckhaltend liefert Dear mit „Honey“ und dessen unterschwelliger DĂĽsternis mal eben neben „It Is Not Meant To Be“ von Tame Impala den bislang coolsten Album-Opener des Jahres, wenn auch natĂĽrlich musikalisch völlig anders geartet. Der von einem (mit-)schleppenden Rhythmus getragene und mit einer herrlichen Schrägheit ausgestattete Funk von „I Can’t Feel“ erhöht das Tempo, welches schlieĂźlich im TitelstĂĽck „Little People (Black City)“ kulminiert. Matthew Dear sorgt mit geschickten Wendungen und den damit einhergehenden leichten Stimmungswechseln innerhalb ein und desselben Songs fĂĽr eine Art Dreiteilung, sodass trotz ziemlich gerader Disco-Beats ĂĽber die Dauer von neun Minuten keine Langeweile aufkommt. Der dritte und beste Teil hätte dabei mit seinen sich im Hintergrund befindlichen Tribal-Drums und den markanten Gitarrenklängen durchaus Stoff fĂĽr einen eigenen Song geboten. Wer bei der Sechseinhalb-Minuten-Marke und dem Ăśbergang zum dritten Teil des Songs keine Gänsehaut bekommt, ist selber schuld. Jedenfalls wird „Little People (Black City)“ in den nächsten Wochen gemeinsam mit „Even Judas Gave Jesus A Kiss“ von !!! um die Tanzflächen dieser Welt buhlen.
Trotz eines ziemlich klaren, im Wesentlichen elektronisch geprägten Konzepts unterwirft sich Matthew Dear keinen musikalischen Dogmen. Dies fĂĽhrt innerhalb des Konzepts zu einer groĂźen Vielfalt, kann aber auch schon mal bedeuten, dass ein Schuss daneben geht – was natĂĽrlich auch immer eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Vielleicht ist das ein wenig eierig wirkende „Slowdance“ unmittelbar nach dem furiosen Dreigestirn aus „Honey“, „I Can’t Feel“ und „Little People (Black City)“ einfach nur etwas ungĂĽnstig platziert, weshalb der Eindruck einer kleinen Delle entstehen mag. Ansonsten gibt es aber nix zu meckern. Matthew Dears markante tiefe Stimme fungiert als verbindendes Element der Songs, egal ob diese funky („Soil To Seed“), Beat-lastig („You Put A Smell On Me“), geisterhaft („More Surgery“) oder gar beinahe lieblich sind, wie es bei „Gem“ der Fall ist, das völlig ohne Beats auskommt, dafĂĽr aber mit einem wunderbaren Piano den wĂĽrdigen Abschluss fĂĽr dieses Album bildet.
Ob „Black City“ wie sein Vorgänger „Asa Breed“ auch das Zeug zum Konsens-Album hat, wird sich erst am Ende dieses Musik-Jahres erweisen. Die Chancen dafür stehen jedenfalls nicht schlecht.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂĽtzung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland – der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr wiederholt.
Travels – „Robber On The Run“
07.06.2010 von Hermann Nanno Becker
VĂ–: 11.06.2010
Web: http://www.myspace.com/travelsband
Label: Own Records
Eigentlich bringt es niemand so gut auf den Punkt wie Mona Elliott und Anar Badalov selbst. „I take comfort in the smallest things“ singen sie in ihrem wundervollen Song „Smile“ und liefern damit eine ziemlich gute Beschreibung des wohligen Gefühls, das die Musik von Travels vermittelt. Ihr drittes Album „Robber On The Run“ beginnt denn auch mit genau so einer „kleinen Sache“. Das nur einminütige Instrumental „Swimming“ setzt gleich am Anfang den richtigen Ton für die zehn Songs, die folgen.
FĂĽr die Hörer von ByteFM sind Travels keine Unbekannten. Während ihrer Europa-Tour im März 2008 waren Mona und Anar bei Ruben Jonas Schnell zu Gast im Studio und haben drei Songs gespielt (unter anderem „Haystack“ – einen Song, der bisher auf keinem ihrer Alben veröffentlicht wurde). Zudem haben sie erzählt, wie ihr musikalisches Projekt Travels entstanden ist. Mona spielte in der Band Victory At Sea, Anar war Teil von Metal Hearts. Auf einer gemeinsamen Europa-Tour der beiden Bands im Herbst 2006 haben sie sich kennen- und lieben gelernt, und kurz darauf waren Victory At Sea und Metal Hearts Geschichte.
Mona und Anar leben unweit von Boston in Somerville/Massachusetts. Mit Travels verfolgten sie zunächst eine konsequente DIY-Philosophie. Auf ihrer myspace-Seite präsentierten sie in unregelmäßigen Abständen (ausgesprochen gut produzierte) Demo-Songs und lieĂźen ihre Fans an ihrem kreativen Prozess teilhaben. Im Oktober 2007 veröffentlichten Travels in Eigenregie ihr selbstbetiteltes DebĂĽt-Album mit der Besonderheit, dass jede CD ĂĽber ein individuelles, von Mona handgefertigtes Cover verfĂĽgt. Im Februar 2009 folgte „The Hot Summer“, und erneut entschied sich das Paar dafĂĽr, die CDs selbst zu verkaufen und zu versenden. Doch Mona und Anar fĂĽhren ein normales Leben, beide haben Jobs, und man kann sich vorstellen, dass diese Art des Vertriebs ausgesprochen zeitaufwendig ist. Dies mag eine Rolle gespielt haben, als Travels sich entschieden, bei ihrem dritten Album mit einem Label zusammenzuarbeiten. „Robber On The Run“ erscheint bei der wunderbaren kleinen luxemburgischen Plattenfirma Own Records, dem musikalischen Zuhause von Uzi & Ari, Firekites, Trouble Books, Talons‘ und Jenn Ghetto alias „S“, um nur einige zu nennen.
Travels ist von Beginn ihres musikalischen Schaffens etwas gelungen, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist – sie haben einen eigenen Sound. Sie klingen nicht wie irgendjemand anders, sie klingen wie sie selbst. Die Ausgangsbasis ist durchweg minimalistisch – Gitarren und Gesang, hinzu kommen eine Drum Machine und der behutsame Einsatz von Keyboards und Samples. Dennoch hat jedes ihrer drei Alben einen eigenen Charakter, was sogar optisch durch die sehr unterschiedliche Gestaltung der Album-Cover zum Ausdruck kommt. Die Musik auf „Robber On the Run“ erscheint zwar sehr vertraut, aber auch wieder ein wenig anders. Dies mag daran liegen, dass häufiger als zuvor Pianoklänge zu hören sind. Die Songs von Mona und Anar sind zwar auch auf „Robber On The Run“ nicht sonderlich lang, aber hier befinden sich dennoch die komplettesten Zweieinhalb-Minuten-Songs, die man sich denken kann. Die Musik atmet immer noch, die Stimmung wirkt jedoch insgesamt dichter. Sie ist wiederum sehr melancholisch, aber nie depressiv, und bisweilen offenbart sich gar ein poppiger Sound, wie beispielsweise in „City Lights“. Mona und Anar singen oft gemeinsam und ihre Stimmen ergänzen sich dabei wunderbar. Die Symbiose ihrer kreativen Ideen findet gerade in der Art des Gesangs auch hörbaren Ausdruck. Es erscheint geradezu so, als sei es unausweichlich gewesen, dass diese beiden Menschen sich begegnen, um das zu tun, was sie nun tun.
Die Texte von Travels sind sehr persönlich, handeln vom alltäglichen Leben, dessen Wert man zu schätzen weiß, und von den besonderen Momenten, die man nicht missen möchte. Dies wird so charmant dargebracht, dass es absolut nachvollziehbar ist. „I take comfort in the things that I know“ bringen Mona und Anar es wieder auf den Punkt, und man kann nur kopfnickend zustimmen.
So ist „Robber On The Run“ bis jetzt Travels beste Veröffentlichung, ohne ihren wunderbaren Vorgängern dabei etwas wegzunehmen.
Jeden Tag spielen wir ein Stück aus unserem Album der Woche. Und zwar im Magazin, von Montag bis Samstag ab 15 Uhr. Am Freitag folgt die ausführliche Hörprobe ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird wiederholt am Sonntag ab 16 Uhr.









