Foxygen – „We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic“

Foxygen - We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & MagicVÖ: 25. Januar 2013
Web: foxygen.bandcamp.com
Label: Jagjaguwar

Nein, wir sind nicht mehr in den 1960ern, wir sind im 21. Jahrhundert, im technologischen Hamsterrad, jetzt nicht mehr im kalten Krieg, dafür in ständiger Angst vor Maya-Kalendern, Fiskalklippen und dem fünften unbezahlten Praktikum. Foxygen kommen mit ihrer musikalischen Geisterbeschwörung genau zur richtigen Zeit! „You don’t need to be an asshole, we’re not in Brooklyn anymore“, kommt es von Sam France und Jonathan Rado und sie klingen dabei wie Bob Dylan. Die Helden dieser bezaubernden Platte sind inzwischen alt oder tot. Bob Dylan, die Beatles, The Doors, sie alle schweben durch die Xylofonklänge und Basslines dieses Albums. Klaus Walter befand in unserer Sendung Neuland, dass „We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic“ ein komisches Album sei. Anders ließe sich auch kaum erklären, wieso das Aufrollen der 1960er-Jahre so neu und aufregend klingt. Die BBC erklärt das so: Foxygen machen traditionelle Rockmusik für eine Generation von Jugendlichen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne.

Während anderswo also spekuliert wird, was das eigentlich soll, mischen sich Erinnerungen an Bilder und Videos der Flower-Power-Generation mit den eigenen vom Blumenpflücken auf der Wiese, Kirschenklauen und heimlichen Kiffen auf dem elterlichen Balkon. Besonders gilt das für „San Francisco“, einer wunderbar kalifornienlastigen Hommage an Scott McKenzie („San Francisco“) und Konsorten.

Nicht Foxygen sind die Botschafter, sondern die Lieder sind es. Das Lebensgefühl einer vergangenen Zeit, das uns – zumindest wohldosiert – ganz gut bekommen könnte. Über „Shuggie“, die erste Single-Auskopplung der Platte, wurde schon hoch lobend geschrieben. Mit Glockenspiel und Flöten, singbar und tanzbar, das angebliche Highlight von „We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic“. „If you believe in yourself you can free your soul, ba bada dada, baba bada dada“; der Track macht seinem Namen wirklich alle Ehre.

Dass er das Highlight ist, kann man vielleicht nicht direkt unterschreiben. Sperrig wie er ist, kommt das Jim-Morrison-esque Stück am ehesten noch an den Sound der ersten Foxygen-Platte „Take The Kids Off Broadway“ heran, eben mit diesem The-Doors-Sound. Das könnte man auch eine halbe Stunde auf Repeat hören, und man würde sich immer noch über Textstellen wie „you can’t be funny if you want to make money“ und „the 21st century is gonna kick your ass“ freuen. Man könnte so weitermachen. „On Blue Mountain“, das sich melodisch an keinem anderen als Elvis orientiert, verzeiht man sogar die häufig auftauchenden Bibel-Referenzen. Jeder einzelne Track ist eine Hommage an eine ganze Reihe Musiker von „damals“, aber mit den Stücken als Album kompiliert drücken Sam und Jonathan dem Ganzen einen frischen, eckigen 21st-Century-Stempel auf.

Das ByteFM Album der Woche.

In den ByteFM-Magazin-Sendungen spielen wir täglich Musik aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Foxygen“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Jagjaguwar | Kaufen

Janis Joplin, 27

Foto: David Gahr
Foto: David Gahr

„Some people die, some people survive. I belong to those who survive.“
Das soll Janis Joplin einst gesagt haben. Janis, die große Stimme der 1960er-Jahre, die „Queen of Psychedelic Soul“ und „Queen of Rock‘n'Roll“. Die Sängerin mit den vielen Ringen, vielen Armbändern und Ketten, mit Federboas in den Haaren und Glitzeroutfits, aber vor allem die Sängerin mit der legendär-kratzigen Stimme und dieser elektrisierenden Bühnenpräsenz. Wenn sie sprach, beendete sie ihre Sätze oft mit “,man“, vieles war „groovy“. In ihrer Limousine saß sie lieber auf dem Beifahrersitz und sie hatte ein ziemlich klischeehaft psychedelisch angemaltes Auto. Immerhin: Es war ein Porsche!

Über Janis Joplin wurde viel geschrieben, sie gilt als eine der großen Ikonen der Rockmusik der 1960er, ihre Fans liebten sie, lieben sie noch immer. „Little Piece Of My Heart“ ist noch immer ein großer Ohrwurm. Ihre Stimme und ihr Lebensstil verkörperten so ziemlich alles, was die Woodstock-Generation ausmachte. Sie war noch nicht mal 18, als sie von zu Hause auszog. Das College brach sie mehrfach ab, sie kellnerte, sang in Kneipen. Richtig rund ging es, als sie 1966 nach San Francisco zog. Dort lernte sie das Hippie-sein kennen und die freie Liebe. Ein Jahr später trat sie beim Monterey Pop Festival auf – das Konzert gilt als ihr Durchbruch.

Oh, Janis.
Sie wurde für Polizistenbeleidigung verklagt, trank viel Alkohol, wurde heroinabhängig. Gleichzeitig begeisterte sie immer mehr Menschen. 1969 trat sie mit ihrer Band Kozmic Blues Band auf dem Woodstock Festival auf, sie tourten durch Europa, nahmen eine zweite LP auf. Am erfolgreichsten wurde Joplin jedoch noch später, mit ihrer Band Full Tilt Boogie. „Cry Baby“, „Mercedes Benz“ und besonders „Me & Bobby McGee“ wurden alle 1970 aufgenommen und zählen zu den größten Hits der jungen Musikerin. Da war sie 27 Jahre alt.

„Some people die, some people survive…“
Im Oktober desselben Jahres wartete ihr Bandmanager John Cooke am Aufnahmestudio auf Janis, aber sie kam nicht. Den besagten bunten Porsche fand Cooke vor ihrem Hotel. Janis Joplin war in ihrem Hotelzimmer an einer Überdosis gestorben.

„I belong to those who survive.“
Janis Joplin hatte letztendlich recht. Das Album „Pearls“ wurde posthum veröffentlicht. Inzwischen ist Janis eine Legende. Und das nicht nur, weil sie Mitglied im mindestens ebenso berühmten wie berüchtigten Club 27 ist. Noch immer wird Janis Joplin bewundert; für ihre aufmüpfige Art, für die Federboas und Glitzeroberteile, für diese Stimme, für all den Rock‘n'Roll. 1995 wurde Janis Joplin in die Rock‘n'Roll Hall of Fame aufgenommen. Am 19. Januar wäre Joplin 70 Jahre alt geworden.

Über Janis Joplin wurde viel geschrieben. Der Kramladen mit Volker Rebell am 17. Januar 2013 beschäftigte sich ausführlich mit der Sängerin und den vielen Publikationen, die sich mit ihr befasst haben. Freunde von ByteFM können die Sendung im ByteFM Archiv nachhören.

Villagers – „{Awayland}“

Villagers - AwaylandVÖ: 11. Januar 2013
Web: wearevillagers.com
Label: Domino

„Hört euch das Album vielleicht zuerst mal mit Kopfhörern an, ohne Ablenkung“, schreibt Conor O‘Brien über die neue Platte „{Awayland}“. Wenn man damit anfängt, denkt man kurz an Bon Iver, dann kurz an Bright Eyes, dann überrascht der zweite Track „Earthly Pleasure“ mit gewitztem Text, einem Stottern und subtilen elektronischen Beats. Dann denkt man eigentlich nur noch „Villagers“. Und die Gedanken driften ab: wellenförmig, passend zur Musik. Plötzlich ist man drei Songs weiter und wähnt sich tatsächlich in einem Land ganz weit weg.

Die Villagers um Conor O’Brien waren 2012 mit Grizzly Bear unterwegs, jetzt haben sie selbst ein ByteFM Album der Woche herausgebracht. Es ist ihr zweites – das schwierige zweite Album der Band und Conor schreibt die Songs noch immer großteils allein. Aber hier wurde mitgemischt: Die Zeit, die Conor mit seinen Villagers in den letzten zwei Jahren verbracht hat, hat sie zu einer richtigen Band zusammenwachsen lassen. „{Awayland}“ ist ein Gruppenprodukt. Zwischendurch hat Conor noch ein Lied für Charlotte Gainsbourg geschrieben: „Memoir“, das auch als B-Seite auf der Villagers-Single „The Waves“ erschienen ist. Auf Gainsbourgs Aufnahme spielt Conor selbst die Gitarre und singt die Hintergrund-Vocals. Keine Frage also: O’Brien ist ein Selbermacher.

Apropos „The Waves“: Der Track ist ein gutes Beispiel für O’Briens Herangehensweise and dieses zweite Album. In einem Interview erklärte er vor Kurzem, dass er die Songs für „Becoming A Jackal“, das gefeierte erste Villagers-Album, eher akademisch angegangen war. Es gab einen Namen und ein Foto für das Albumcover, dann wurden Gedichte geschrieben, diese anschließend zu Songs geformt. „{Awayland}“ ist anders. O’Brien spielte Musik, spielte Gitarre und Synthesizer, den er sich mit YouTube-Videos angeeignet hat. Die Texte wurden anschließend geschrieben. Elektronisches gibt es auf Awayland mehr zu hören als vorher, aber wohldosiert. Das Verspielte, diese Leichtigkeit der Herangehensweise ist gerade bei „The Waves“ schön zu hören. Aber auch das ist kein Zufall. „But I need to take this intimacy to a more vibrant place“, schreibt er auf der Band-Website: Die Intimität der Lieder musste noch aufgefrischt werden. Die Ballade „In A Newfound Land You Are Free“ zeugt von dieser Intimität und von einer Sehnsucht, die sofort auf den Hörer abfärbt.

Insgesamt ist „{Awayland}“ eine besondere Platte, eben weil sie sich das traut: Intimität und Fröhlichkeit, Licht und Schatten, cleveres Songwriting und Ohrwurm-Potenzial, Akustikgitarren und Computerspiel-ähnliche Synth-Klänge zu verbinden. „{Awayland}“ lässt seine Hörer nicht sofort zum Tanzen aufspringen (manchmal, bei „Rhythm Composer“ zum Beispiel, ein bisschen). Stattdessen gilt es, zu Tracks wie „Judgement Call“ und „Nothing Arrived“ Erinnerungen aufzufrischen oder einen Roadtrip zu planen und die Songs dann auf dem Mixtape parat zu haben.

Das ByteFM Album der Woche.

In den ByteFM-Magazin-Sendungen spielen wir täglich Musik aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Awayland“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Domino | Kaufen

Harry Chapin: Troubadour und Wohltäter

Concord Music Group Elektra Records

Am 07. Dezember 1942 wurde Harry Chapin in New York City geboren. Von Long Island aus versuchte er die Welt – oder eher Amerika – ein Stück weit besser zu machen.

Obwohl er nur 39 Jahre alt wurde (Chapin starb 1981 an den Folgen einer Herzattacke während des Autofahrens) veröffentlichte Harry Chapin ganze 12 Alben. Diese Fülle ergab sich aus einer Streitigkeit zwischen den Labels Elektra Records und Columbia. Der Hintergrund: Das erste Album, das Harry mit seinen Brüdern Tom und Steve herausgebracht hatte, hatte nur mäßigen Erfolg. Daraufhin wechselte Harry zu Elektra und nahm 1972 dort sein Album „Heads And Tails“ auf. Die Single „Taxi“ schaffte es in den US-Charts immerhin auf Platz 24, und schon bald versuchte Columbia Records, den Musiker abzuwerben. Der Deal, den sich Elektra letztendlich für Harry Chapin ausdachte, war ein Novum im Musikbusiness. Weil das Label mit den finanziellen Angeboten der Konkurrenz nicht mithalten konnte, boten sie Chapin gratis Studiozeit – für einen neun-Alben-Vertag ein beträchtlicher Wert. Das Ergebnis: In nur sieben Jahren erfüllte der „American Troubadour“ sein Vertragssoll.

Nur zwei Jahre nach seinem Durchbruch mit „Heads And Tails“ nahm Harry Chapin sein viertes Album für Elektra auf: „Verities & Balderdash“ wurde Chapins erfolgreichstes Album. Wieso? Nun, es enthielt den Hit „Cat’s In The Cradle“. Der Song machte den damals 32-jährigen berühmt und reich.

Aber Chapin glaubte nicht an persönlichen Reichtum: Er setzte sein Geld für wohltätige Zwecke ein, unter anderem, um den Welthunger zu bekämpfen. Er begründete das „World Hunger Year“ und „Long Island Cares“, unterstützte ein weiteres Dutzend Organisationen. Heute kümmern sich seine Witwe Sandra und seine Söhne Josh und Jason in der „The Harry Chapin Foundation“ um das Vermächtnis des Altruisten. Harry Chapin wäre heute 70 Jahre alt geworden.

The Great Hans Unstern, live und in Farbe!

22.11.2012 von  


alle Fotos: Claudia Wohlsperger

Hans Unstern ist auf Tour. Endlich, könnte man sagen, obwohl das Album „The Great Hans Unstern Swindle“ erst am 26. Oktober erschien. Eigentlich waren sich alle einig, dass die vielen YouTube Videos totaler Quatsch und eine Marketing-Masche waren – so ganz sicher war sich aber doch niemand, was auf dieser Tour auf die Zuschauer und -hörer zukommen würde.

Gestern Abend war es also soweit, der Unstern live und in Farbe. Im Hamburger Uebel & Gefährlich hatten Unstern und seine Band das Set aufgebaut. Eine Überraschung gab es auch noch: die Nein, Gelassenheit-Labelkollegen Die Heiterkeit traten als Support auf. Die drei Hamburgerinnen sind ab nächster Woche auch selbst wieder auf Tour. Danach wurden große Ballons auf die Bühne getragen, die später beim Auftritt per Schaltbrett in unterschiedlichen Farben zu leuchten begannen. Auf der Bühne standen selbstgebaute Instrumente aus Stühlen und Holzkisten, aber los ging es nur mit Schlagzeug und einem langen Intro von „Bea Criminal“.

Auch das Rätsel um die Auftritte der blonden/blauhaarig gefärbten Person in den Schwindel-Videos wurde endlich gelöst. Aha! Die Gitarristin und Sängerin in Unsterns Band hatte die Parts übernommen. Sie las auch den Text für „Unbenannte Datei“, das auf der Platte von einem Jungen gesprochen wird.

Hans Unstern selbst war ein bisschen schüchtern, manchmal sogar verlegen trat er ans Mikrofon, bearbeitete den Saiten-Stuhl oder seine Gitarre mit einem Handventilator, während er sich doch seiner Sache ganz sicher zu sein schien. Viel erzählen musste er nicht zwischen den Liedern, die sprechen ja in den meisten Fällen auch für sich. Die Stimmung im Publikum war trotzdem wohlig bis euphorisch.

„The Great Hans Unstern Swindle“ auf Tour ist also schön und schön laut. Der echte Hans Unstern war da(“Ich mache niemandem etwas vor“ und so), der falsche Hans Unstern auch, und natürlich auch eine Tuba. Im Publikum gab es außer meinem noch viele andere glückliche (und sogar ein paar bekanntere) Gesichter. Musikalisch kann man Unstern auf seinem Gebiet nichts vormachen.

Einen kleinen, unnachahmlichen und sehr sympathischen Moment gab es bei der Zugabe. „Tief unter der Elbe“ sollte der einzige Song von seinem Debütalbum sein, das er an diesem Abend spielen würde – eine schöne Geste, hier in Hamburg. Aber dann ist Hans Unstern die zweite Strophe nicht mehr eingefallen. Ihm rutschte ein „Auweia“ raus, das schon deshalb schön war, weil er sich doch sonst so schweigend gegeben hat. Beim zweiten Fehlversuch musste er auch selbst lachen. Mit einem „lustiger wird’s heute Abend nicht mehr“ verabschiedete sich der Berliner dann ganz von der Bühne. Dabei hätte man sich das Instrumentenspektakel noch die ganze Nacht weiter anhören und angucken mögen…

Weitere Tourtermine der „The Great Hans Unstern Swindle“-Tour gibt an folgenden Terminen präsentiert von ByteFM:
Hans Unstern live:
22.11.2012 Köln – Gebäude 9
23.11.2012 Frankfurt – Brotfabrik
24.11.2012 München – Orange House
25.11.2012 Wien (A) – B72
05.12.2012 Berlin – Festsaal Kreuzberg

Auch die Tour von die Heiterkeit wird von ByteFM präsentiert.
Die Heiterkeit live:
27.11.2012 Nürnberg – Club Stereo
28.11.2012 Stuttgart – Schocken
29.11.2012 München – Feierwerk
30.11.2012 Wien (A) – B72
09.12.2012 Rees-Haldern – Haldern Pop Bar
10.12.2012 Frankfurt – Mousonturm

The Soft Moon – „Zeros“

The Soft Moon - ZerosVÖ: 09.11.2012
Web: thesoftmoon.com
Label: Captured Tracks

Eigentlich war das alles gar nicht so gedacht. Zwei Lieder hatte Luis Vasquez geschrieben, hatte darin seine Kindheit verarbeitet, sich einfach mal ausgekotzt. Dem Label Captured Tracks haben diese zwei Lieder dann so gut gefallen, dass es zwei Singles veröffentlichte, das Debütalbum „The Soft Moon“ folgte kurz darauf. Alles ging furchtbar schnell: Vasquez hat erst nach den Aufnahmen zu „The Soft Moon“ begonnen, eine Band zusammenzustellen.

Jetzt gibt es die Nachfolger-LP „Zeros“. The Soft Moon ist es hier gelungen, mehr wie The Soft Moon live zu klingen, die ganzheitlichen Erlebnisse mit Klang- und Bildlandschaften auf Platte zu pressen – selbst ohne die typischen schwarz-grau-rot-weißen Visuals. Diese bleiben trotzdem weiterhin das Leitmotiv und das exakte Abbild von The Soft Moons Klang. So und nicht anders müsste das aussehen, was man hört.

Was man hört, ist eine musikalische Zeitreise. Zurück zu Joy Division, Sonic Youth, Suicide und The Danse Society. Neo-Post-Punk wurde das schon getauft, inspiriert von Krautrock und ganz viel New Wave. Da sich Vasquez weiterhin mit Texten sehr zurückhält, bekommt man dafür viel Interpretationsspielraum. Wenn er doch mal ins Mikrofon atmet/schreit/flüstert, wie in „Crush“, klingt das magisch, verführerisch. „Crush, we made a star“, singt er da, wieder und wieder. Man will hinterher, rein in den Strudel, und ist, wenn man bei „Crush“ (sechster Track) angelangt ist, schon mittendrin. Gesang, Bässe, Gitarren, Synthesizer, auf „Zeros“ ist alles bis zum Anschlag verzerrt, es rauscht, fiept, ratscht und knallt. Die Drums, Dosen und das, worauf sonst noch so rumgehauen wurde, bleiben dabei klar und geben die Richtung an im nostalgisch-gespenstischen Soundwald.

„Zeros“ sollte anders werden als „The Soft Moon“: Mastermind Vasquez ging es hier nicht mehr um seine Kindheit in der kalifornischen Wüste, sondern ums Erwachsensein. Wie ein Buch sollte es werden, mit Einleitung, Hauptteil und Schluss. Seine Protagonisten sind Gefühle, Ängste, Träume – in Geräusche gepresst und auf den Hörer losgelassen. Einleitung und Schluss sind bei „Zeros“ übrigens fast gleich. Die Platte fängt mit „It Ends“ an, wummernd, gespannt, der Track endet mit schnellen Atemzügen und Herzklopfen. Der letzte Track ist „ƨbnƎ tI“; „It Ends“ rückwärts abgespielt, was noch viel mehr an Horrorfilme denken lässt als der Anfang.

Und dazwischen gibt es also tatsächlich den Hauptteil, die Songs sind stimmig, greifen Elemente voneinander auf, verarbeiten sie weiter. „Machines“ leitet den Spannungsbogen ein, das oben erwähnte „Crush“ und „Die Life“ bilden so etwas wie den Höhepunkt. Als vorletztes Lied sticht „Want“ jedoch noch mal hervor. Hier wird mit Schellen geklimpert, man hört Ratschen, das Schlagzeug galoppiert, „I want it, can’t have it“, seufzt Vasquez über dem einen (!) überdrehten Gitarrenanschlag. Wenn es nicht so schön wäre, könnte man es Punk nennen, und dann ist es viel zu schnell vorbei.

Alle Songs auf der Platte haben etwas Verstörendes an sich, etwas Gespenstisches; wäre „Zeros“ ein Buch, wäre es ein sehr düsteres. Und trotzdem: Vieles kommt einem bekannt vor, es schwingt so etwas wie eine New-Wave-Nostalgie mit. Auf Live-Konzerten wird dieses Gefühl hoffentlich auch wieder von schwarz-grau-rot-weißen Visuals auf Leinwand gebracht, an denen man sich gar nicht sattsehen kann, während man im Mahlstrom von The Soft Moon tanzt, rauscht, rockt und träumt.

Das ByteFM Album der Woche.

In den ByteFM-Magazin-Sendungen spielen wir täglich Musik aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in „Neuland“.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Zeros“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Captured Tracks | Kaufen

Hans Unstern – The Great Hans Unstern Swindle

Hans Unstern - The Great Hans Unstern SwindleVÖ: 26.10.2012
Web: hansunstern.net
Label: Staatsakt

Wer ist eigentlich Hans Unstern? Das ist seit ein paar Wochen nicht mehr klar. Bisher war er für viele von uns der vollbärtige Singer/Songwriter, der uns 2010 ein bezaubernd-düsteres Debutalbum namens „Kratz Dich Raus“ beschert hat. Das war musikalisch sperrig, lyrisch ausgefallen und kam ganz gut an bei den Fans von Singer/Songwriter-Musik.

Unstern wurde als Dichter bezeichnet, schrieb deshalb dann auch ein Buch. Dann gab es ein Youtube-Video von einer Pressekonferenz: Ein blauhaariger, sehr glatt rasierter junger Mann sagte da, er sei Hans Unstern und wolle über das Buch „Hanky Panky Know How“ und sein neues Album sprechen.

Dieses Album, „The Great Hans Unstern Swindle“ steht nun also im Mittelpunkt der Verwirrung um die Person Hans Unstern. Der Bart sei nur angeklebt gewesen, so Unstern während der Pressekonferenz. Die unsichtbaren „Vertreter_Innen der Presse“ unterstellen der Platte so ziemlich alles von religiöser Musik über Schlager bis „reinrassigem Blues“. Hans Unstern hingegen sagt, er habe eine Pop-CD machen wollen. All diese Fragwürdigkeiten kommen auf „The Great Hans Unstern Swindle“ zusammen: die Videos, das vermeintliche Burn-Out, die blauen und blonden Haare. Ganz zu schweigen von dem bärtigen, sehr nach Hans Unstern aussehenden Mann im Hintergrund der Burn-Out-Verkündung des blonden Schlagersänger-Verschnitts Hansi Stern.

Die Platte ist ein dadaistisches Gesamtkunstwerk, sperrig und skurril, und es wird nicht bei allen gut ankommen. Vorsichtshalber gibt es aber schon im ersten Song einen fröhlich-souligen Gospelchor im Hintergrund, der Unsterns Unmut („Ich schäme mich“) ins Höchste lobt. Das mit der religiösen Musik ist auch nicht ganz an den Haaren herbeigezogen. Ein Harmonium kommt auf einigen Songs zum Einsatz.

Die Songtexte auf „The Great Hans Unstern Swindle“ sind allesamt absurd und surrealistisch, wenn auch grammatikalisch korrekt und auch in „Hanky Panky Know How“ zu finden. Man könnte in fast jede Zeile eine postmoderne Selbsterkenntnis hineinlesen. Ein Puzzle, wie das in „Entweder Oder“, ist dann nicht mehr nur ein Spiel, sondern Sinnbild für das zerrüttete eigene Leben. Jeder, der schon mal ein unstern’sches zweitägiges Burn Out hatte, wird sich damit recht gut identifizieren können. „Meine Maske verschwimmt mit meinem Gesicht“ ist eine Textstelle aus „Unbenannte Datei“, das von dem Sohn des Schlagzeugers gesungen wird – sofern man Unstern glauben kann. Die Zeile ist eine passende Referenz zu der Verwirrung, für die er mit zahlreichen Videos auf Youtube und Facebook sorgte. „Du sagst, der Tod ist mein Geliebter, und er will bei dir einziehen“ singt Unstern in „Ergiebig Und Erschwinglich“, das insgesamt sehr viel poetischer ist als es Unstern zu wollen vorgibt.

Aber genug von den Texten. Musikalisch erinnert die Platte an den Komponisten Harry Partch. Der hatte sich der Mikrotonalität gewidmet, Instrumente und Tonleitern erfunden und erarbeitet. Das Sperrige, die unheimliche Vielzahl an Instrumenten, eine Geräuschfülle, die es dem Hörer zunächst etwas schwer macht, und das Erfinden eigener Instrumente auf „The Great Hans Unstern Swindle“, all das kann auf Partch zurückgeführt werden. Partch spielte übrigens unter anderem Harmonium und Bratsche. Instrumente, die bei Hans Unstern auch vorkommen. So kompliziert, wie es sich Partch mit seiner eigens konzipierten Tonleiter gemacht hat, ist Unstern vermutlich – aber wer weiß das schon – nicht an seine Platte herangegangen.

An „The Great Hans Unstern Swindle“ muss man sich gewöhnen, Radiohits findet man hier nicht. Aber wenn man sich in die Musik hineingefuchst und sich auf die gewieften Texte eingelassen hat, kann man diesem Album viel Schönes abgewinnen. Wer sich tatsächlich hinter der Person Hans Unstern verbirgt, muss man wohl bei einem Konzertbesuch herausfinden. Bis dahin glaube ich dem Mann kein Wort. Und das wollte er ja auch so.

Das ByteFM Album der Woche.

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Label: Staatsakt | Kaufen

Peter Broderick – „These Walls Of Mine“

15.10.2012 von  

Peter Broderick - These Walls Of MineVÖ: 19.10.2012
Web: peterbroderick.net
Label: Erased Tapes

„These Walls Of Mine“ ist ein guter Name für die neue Platte des jungen Musiktalents Peter Broderick. Das klingt einladend und intim, irgendwie gemütlich. Daran schließen die zehn Tracks mühelos an. Broderick hat hier kein normales Album gemacht. Er selbst schreibt darüber, er habe zu Hause mit Mikrofon und Laptop experimentiert, Lieder online gestellt und für Kommentare von außen zur Verfügung gestellt. Die Platte sei eine Unterhaltung; eine Unterhaltung mit sich selbst, mit anderen. „These Walls Of Mine“ entstand also gleichzeitig zu Hause, in Brodericks Wänden, und im Netz, unter immer wiederkehrendem Feedback von Freunden und Fremden.

Peter Broderick ist gerade mal 25 Jahre alt, er stammt ursprünglich aus den USA. Dort war er Studiomusiker für M. Ward und Zooey Deschanel, ging mit Bands wie Loch Lomond und Laura Gibson auf Tour. Seit 2007 arbeit er an seiner eigenen Musik, spielte mit Klavier, Geige und Gesang zahlreiche Alben, Singles und EPs ein. Zur gleichen Zeit ist er mit seiner Schwester als Kollaborateur bei der dänischen Band Efterklang eingestiegen. Dieser Fleiß erlaubt es Broderick jetzt wohl auch, ein experimentelles Album wie dieses zu kreieren, das den Zuhörer durch Wort und Lyrik bestechen soll.

Mein Selbstversuch mit Peter Brodericks „These Walls Of Mine“ startet im ByteFM-Büro. Draußen ist es neblig, nieselig und grau, Broderick sagt: „The air could probably be a little warmer / But there’s a reason for that“. Und er hat recht. Der zweite Selbstversuch: ein Spaziergang im Park, Peter Broderick singt: „Right now you‘re the only listener / Unless the rocks can listen“. Und ich habe das Gefühl, auch diesmal hat er recht.

Die Musik, die die Gedichte und Konversationen und sogar E-Mails des jungen Musikers umgeben, wirken wie die Vertonung von Gefühlen. Stilistisch ist das angelehnt an R‘n'B („I‘ve Tried“) bis hin zu Country-Musik („Freyr!“), Broderick spielt Gitarre, Geige, Glockenspiel und Piano; eine Bassgitarre ist auch mit dabei, gespielt von Martyn Heyne. Aber wie hört sie sich an, so eine Unterhaltung mit Menschen im Internet auf Platte? Für den Track „When I Blank I Blank“ ließ Broderick andere die Leerstellen ausfüllen. Im Lied singt er dann: „When I“, und auf einer anderen Spur sagt er die Antworten auf: „Wake Up“ – „I“ – „start dreaming“ – „and my“ – „day is perfect“. So in etwa.

Die beiden Titeltracks des Albums wirken dann wie ein heimlicher Einblick in Notizbücher, in Aufnahmen, die einen nichts anzugehen scheinen. „These Walls Of Mine I“ ist ein Gedicht, das mit einer Notiz über die Uhrzeit beginnt, und mit einem Verwurf endet. Ein bisschen Musik dazu, vielleicht? „These Walls Of Mine II“ ist eine Piano-HipHop-Rap-Version desselben Gedichts.

Zu guter Letzt: „These Walls Of Mine“ wurde vom Erased-Tapes-Wunderkind Nils Frahm abgemischt.

Es ist Herbst, als dieses Album erscheint, und am liebsten würde ich nur noch mit Kopfhörern durch die Gegend laufen und Peter Brodericks Geschichten zuhören; oder einfach nur mit einer Tasse Tee in der Küche sitzen und wieder Peter Brodericks Geschichten zuhören. Dabei eröffnet sich nämlich eine kleine Welt aus Wörtern, aus Lyrik. Broderick schuf Gedichte aus Erinnerungen, nahm sie auf, experimentierte damit. Der Hörer sitzt daneben wie ein Voyeur, der aber nicht aufhören kann zu gucken. Oder in diesem Fall zuzuhören, wie Broderick von seiner Katze Freyr erzählt, von dem Spaziergang durch einen Park in Kopenhagen oder seinen vier Wänden, in die man unfassbar gerne mal eingeladen werden würde.

Das ByteFM Album der Woche.

In den ByteFM-Magazin-Sendungen spielen wir täglich Musik aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in „Neuland“.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Peter Broderick“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Erased Tapes | Kaufen

Düster-romantischer Großstadtfolk: ein Nachruf auf Nils Koppruch

11.10.2012 von  

„Hier bin ich“, das war die letzte Single des Hamburger Musikers Nils Koppruch. Das Lied hatte er zusammen mit Gisbert zu Knyphausen eingespielt, die beiden Freunde hatten 2011 die Band Kid Kopphausen gegründet. Im August erschien das Album „I“ auf Trocadero, die beiden tourten durch Deutschland, spielten vor ausverkauften Häusern Extrakonzerte.

Doch Koppruch hatte sich schon viel früher als Musiker, Künstler und Galerist einen Namen gemacht.

1996 gründete der gelernte Koch mit Thorsten Carstens die Alternative-Country- und Indie-Band Fink, Hauke Evers stieß als Schlagzeuger dazu. Eine erste CD gab es im folgenden Jahr, Fink traten als Vorband von Element Of Crime und Lambchop auf, spielten unter anderem Konzerte mit Bernadette La Hengsts Band Die Braut Haut Ins Auge und der amerikanischen Band 16 Horsepower. Die Besetzung von Fink änderte sich häufig in der zehnjährigen Bandgeschichte, Musiker aus anderen, oft befreundeten Projekten, kamen dazu, andere verließen die Band. Nur Nils Koppruch war von Anfang bis Ende dabei, sechs Studioalben und eine Live-CD brachte Fink heraus, die Musik und Texte wurden dabei hauptsächlich von Koppruch geschrieben.

Nach der Tour zum letzten Album „Bam-Bam-Bam“ in 2005 begann Nils Koppruch, an einem Soloalbum zu arbeiten. Nachdem Ende 2005 die Auflösung der Band Fink bekanntgegeben wurde, erschien 2007 das erste Nils-Koppruch-Album „Den Teufel Tun“ auf V2 Records. Er selbst bezeichnete seine Musik als Großstadtfolk, er wurde schnell als deutschsprachiger Singer-Songwriter bekannt, seine Texte oft mit verschroben-dunklen Bildern, im Sinne etwa eines Tom Waits. Ein zweites Album folgte 2010 mit „Caruso“ (Grand Hotel Van Cleef), es folgte eine ausgedehnte Tour bis 2011. Zur Veröffentlichung der Platte trat Nils Koppruch auch im Rahmen des ByteFM Flurkonzerts in kleinem Kreis auf.

Aber all das war nur die Musikerkarriere von Nils Koppruch. Schon seit 1990 malte er unter dem Pseudonym SAM., als bildender Künstler des Art Brut und als Galerist war er beteiligt an Ausstellungen der U-Kunstszene in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben anderen Ausstellungsräumen betrieb er in Hamburg St. Pauli die kleine Galerie NEU. Als Maler bekam Koppruch auch internationale Aufmerksamkeit, etwa als das Auktionshaus Sotheby’s eines seiner Bilder versteigerte. Im Jahr 2008 ging er nicht nur mit seiner Musik auf Tournee, sondern auch mit seiner Kunst: Die Galerie Kofferraum besuchte fünf Städte in fünf Tagen.

Neben diesem ausgefüllten Leben aus Musik und Farbe war Nils Koppruch Vater eines Sohnes, er lebte mit seiner Familie in Hamburg. Gestern, am 10.10.2012, starb er kurz vor seinem 47. Geburtstag überraschend. In der deutschsprachigen Musik hinterlässt Nils Koppruch ein „Loch in der Welt“, so der Titel des Fink-Albums aus dem Jahr 1998.

Neue Platten: WHY? – „Mumps, etc.“

City SlangCity Slang

7,8

“When I got better from the mumps / Yes, my swollen nut and neck shrunk”, so heißt uns Yoni Wolf auf dem neuen Album seiner Band WHY? wilkommen. „Mumps, etc.“ ist das inzwischen fünfte Studioalbum der Gruppe um Wolf, und der Rapper kehrt hier zu dem zurück, was er am besten kann: gewitzte Wortspiele, die zwar ernste bis todernste Themen und Sorgen aussprechen, dabei meistens doch ganz gut gelaunt über die Beats hüpfen.

Ein kleiner Rückblick: Die beiden letzten Alben, „Alopecia“ und „Eskimo Snow“, wurden zeitgleich geschrieben, trotzdem gab es große Unterschiede. Ein bisschen schockiert waren wohl viele, als auf „Eskimo Snow“ so gar nicht mehr gerappt wurde. Beide Alben waren stilistisch mehr am Indie-Folk orientiert. „Mumps, etc.“ ist jetzt so etwas wie eine Rückkehr zum HipHop. Ein großartiges Beispiel dafür ist „White English“. Gleichzeitig bleiben WHY? ihrer Nische treu: Es gibt keine Samples auf dem Album, neben Rap gibt es gesungene Refrains und zu hören sind Instrumente: Klanghölzer, Keyboards, Schlagzeuge und Xylofone usw.

Inhaltlich geht es auf der neuen Platte tatsächlich viel um Krankheiten und menschliche Schwächen, zum Glück aber auch immer noch viel um die kleinen Neurosen Yoni Wolfs: „I’m older than death / Vulgar with unfresh breath“. Und das macht „Mumps, etc.“ alles andere als ein Album, um sich im Bett zu verkriechen. Stattdessen bleiben viele der Songs auf eigenwillige Art positiv, sowohl inhaltlich wie auch musikalisch, meistens, wie bei „Distance“, im Refrain.

Die erste Single, „Sod In The Seed“, kann hier zur Verdeutlichung herangezogen werden: Fast jede Zeile strotzt vor Selbstironie und Sarkasmus. Es macht Spaß, Yoni Wolf zuzuhören (wann atmet er?!), selbst wenn er Sachen sagt wie „Well if I‘m out of luck / I‘m still pitching notes through this throat / Pissing fears and hopes through the ears of folks listening“.

Wolf rappt sich noch immer um Kopf und Kragen und schlägt Haken um die Abgründe der Themen, die er wählte. Er hält dabei geschickt sämtliche Fäden in der Hand und lässt kein Abdriften in miese Stimmung zu. Trotz der Krankheiten, des Todes, der Abscheulichkeiten der Welt, die alle einen Platz auf der Platte haben, gibt es zwischen echtem Schmerz und Selbstmitleid kleine melodische Hoffnungsschimmer.

Wie fasst man das am besten zusammen? Yoni Wolf kann in und mit WHY? noch immer gute und spannende Musik machen, die vielleicht weder richtig in die Indie- noch in die HipHop-Schublade passt, aber trotzdem Schönes für beide Lager zu bieten hat. „Mumps, etc.“ ist düster und miesepetrig. Es ist voller Themen, über die man oft lieber nicht nachdenken möchte, aber oft nachdenken muss. Und dann schmunzelt man darüber, wie viel schöner Yoni Wolf das ausdrücken kann als man selbst und wippt mit dem Kopf: „I hold my own death as a card in the deck / To be played when there are no other cards left“.

Label: City Slang | Kaufen

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