Album der Woche: Anna Calvi – „One Breath“

30.09.2013 von  

Anna Calvi - One BreathVĂ–: 4. Oktober 2013
Web: annacalvi.com
Label: Domino

„One Breath is the moment before you’ve got to open yourself up, and it’s about how terrifying that is. It’s scary and it’s thrilling. It’s also full of hope, because whatever has to happen hasn’t happened yet.“

Anna Calvi, die Britin mit der durchdringenden, dunklen Stimme und den sinnlich schwarz geschminkten Augen veröffentlicht diese Woche mit „One Breath“ ihr zweites Studioalbum, das eine ganze Länge persönlicher ist, als das fĂĽr den Mercury Price und die Brit Award nominierte DebĂĽt der Musikerin. In London geboren, kam Calvi durch ihren Vater schon frĂĽh mit Musik in BerĂĽhrung und gab schlieĂźlich in letzter Minute dem Musikstudium Vorrang ĂĽber ein anfangs angestrebtes Kunststudium. An der Uni begann sie auch ihren Gesang zu schulen. Man mag es, wenn man sie auf der BĂĽhne erlebt, gar nicht vermuten, aber fĂĽr die schĂĽchterne Anna Calvi war das Singen zu Anfang eine groĂźe Ăśberwindung.

Auf „One Breath“ hört man nichts von dieser angeblichen SchĂĽchternheit. Selbstbewusst und durchdringend singt Calvi die emotionalen und intimen Texte. So zum Beispiel beim einleitenden „Suddenly“, in dem sie ihren Kampf mit der Depression verarbeitet und ihre Stimme im Refrain stetig stärker und kräftiger wird. Der Text der ersten Singleauskopplung „Eliza“ wiederum handelt von Selbstzweifel und vom Streben nach Attributen einer anderen, selbstbewussten Frau. Musikalisch ist der Song mit treibenden Schlagzeug- und Gitarrenklängen untermalt, die entfernt an Flamenco-Rhytmen erinnern. „Piece By Piece“ ist experimenteller: Hier stehen Geige und Rhythmus im Vordergrund, der fast gehauchte Gesang passt sich der Soundcollage an. Zwischendurch fährt Calvis Gitarre durch den Song und durchreiĂźt die Harmonie. Besonders bei diesem Lied wird klar, wie gut Anna Calvi es beherrscht, ihre Songs so klingen zu lassen, als hätte sie ein komplettes Orchester im Hintergrund.

„Cry“, „Sing To Me“ und „Tristan“ sind mit dem schon vom DebĂĽtalbum gewohnten Pathos ausgestattet und haben diesen dĂĽster-romantischen Anklang, den Calvi mit ihrer Stimme so gut verkörpert. „One Breath“ beginnt mit einem FlĂĽstern und steigert sich kontinuierlich, geht dann in den Song „Love Of My Life“ ĂĽber, welcher sich wohl am deutlichsten vom Rest des Albums unterscheidet. Stark verzerrte Gitarre und Gesang dominieren hier. Die letzten drei Tracks „Carry Me Over“, „Bleed Into Me“ und „The Bridge“ sind wieder ruhiger und mit theatraler Romantik gespickt.

„One Breath“ wurde in Franreich von John Congleton produziert, der schon mit Acts wie Bill Callahan, John Grant, Erykah Baduh, Modest Mouse und Amanda Palmer zusammenarbeitete, und ist ein wunderbar emotionales Album mit dem fĂĽr Anna Calvi typischen Sound und einem Funken Experimentierfreude. Calvi kreiert ohne viele Effekte, teilweise nur mit Gitarre, Schlagzeug und Gesang, eine theatrale Atmosphäre, passend zu ihren intimen, gefĂĽhlvollen Texten.

Das ByteFM Album der Woche.

In den ByteFM-Magazin-Sendungen spielen wir täglich Musik aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Anna Calvi“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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