Ghostpoet – „Some Say I So I Say Light“

29.04.2013 von  

Ghostpoet - Some Say I So I Say LightVĂ–: 3. Mai 2013
Web: ghostpoet.co.uk
Label: Play It Again Sam

Mit dem klangvoll betitelten „Peanut Butter Blues & Melancholy Jam“ stellte Obaro Ejimiwe alias Ghostpoet 2011 ein beeindruckend ausgereiftes Debutalbum vor. Gute zwei Jahre später erscheint nun seine zweite LP, die den Titel „Some Say I So I Say Light“ trägt.

Bereits im Februar veröffentlichte Ghostpoet die Vorabsingle „MSI musmiD“ als Download. Deren Text basiert laut Ejimiwe auf einem Traum, in dem Dim Sum und Nudeln befreundet sind und dennoch in Streit geraten – ein denkbar kurioses Thema für einen Songtext. Dennoch zeigt sich darin wie Ghostpoet Alltägliches mit Düsterem verbindet und Profanes in ein Spannungsverhältnis mit Surrealem setzt. Ob es nun Konflikte zwischen Speisen sind, innere Stimmen, die einem beim Warten auf den Zug einholen, oder die Befürchtung, zu viel Geld beim Onlineshopping auszugeben: Immer wieder schafft Obaro Ejimiwe es, kleine Alltagssituationen mit einem dunklen, teilweise bedrohlichen Unwohlsein zu belegen.

Die in den Texten erzeugte Atmosphäre spiegelt sich in der vielseitigen Musik wider. Während „Peanut Butter Blues & Melancholy Jam“ als Eigenproduktion im Schlafzimmer entstanden ist, hatte Ghostpoet für sein neues Album Richard Formby als Produzenten im Studio zur Seite. Mit ihm sind Arrangements und Sounds entstanden, die mehr in die Tiefe gehen und beachtlichen Sinn für Details haben. Stilistisch oszillieren Ghostpoets Songs irgendwo zwischen Hip-Hop, Trip-Hop und dem weiten Feld, das in Ermangelung eines besseren Begriffs meist als „Alternative“ bezeichnet wird. Dunkle Synthie-Flächen treffen auf industrielle Beats, während hypnotische E-Piano-Patterns und fragile Drum-Fills entfernte Jazz-Assoziationen hervorrufen. Gegenüberstellung ist auch hier ein Thema in der Musik von Ghostpoet, beispielsweise wenn das als finstere Downtempo-Nummer beginnende „Comatose“ ohne Vorwarnung in 8-Bit Arpeggios mit Streichquartett im Hintergrund ausbricht. Im Opener „Cold Win“ sind es verfremdete Bläserpassagen, die wie ein Wespenschwarm in den geradlinigen Songverlauf einfallen und ihn damit zu einem abrupten Ende bringen.

Über diesen vielseitigen Sounds schweben Ghostpoets Vocals zwischen Sprechgesang und Gesangsmelodien. Mal fester, mal zurückhaltender hat Obaro Ejimiwes Stimme stets etwas Zerbrechliches in sich, mit dem er seinem Alter Ego, dem „Geisterpoeten“, gerecht wird. Die Art, wie er mit brüchiger Stimme die letzten Wortsilben abreißen lässt, gibt dem Gesang seine geisterhafte, ephemere Qualität, die die stets präsente Introspektion in Ghostpoets Musik betont. Sein zweites Album zelebriert dieses in sich versunken Sein und die Gedanken, die damit einhergehen. Diese facettenreich ausgedrückte Mitternachtsstimmung macht „Some Say I So I Say Light“ zum Album, das einlädt, an dieser Beochbachtung des Selbst teilzuhaben.

Das ByteFM Album der Woche.

In den ByteFM-Magazin-Sendungen spielen wir täglich Musik aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Ghostpoet“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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