John Grant – „Pale Green Ghosts“

04.03.2013 von  

John Grant - Pale Green Ghosts (Bella Union)VÖ: 8. MĂ€rz 2013
Web: johngrantmusic.com
Label: Bella Union

Mit klarer, harter Mine blickt John Grant aus dem Albumcover von „Pale Green Ghosts“. Kein unscharfer Hintergrund, kein verwischtes Doppelgesicht wie beim VorgĂ€nger „Queen Of Denmark“. Die Unterschiede zwischen den Titelbildern nehmen auf eine Art dann auch die musikalischen Kontraste zwischen den beiden Platten vorweg.

WĂ€hrend Grants DebĂŒtalbum musikalisch deutlich von der Zusammenarbeit mit der Folkrock-Band Midlake geprĂ€gt war, weist der Titeltrack von „Pale Green Ghosts“ den Weg mit einem treibenden Synthbass-Pattern. Nach der HĂ€lfte des Songs ist man bereits mittendrin in der Welt des Albums: Mit knarzender, stampfender und herrlich analog schmatzender Elektronik schafft John Grant eine hypnotische AtmosphĂ€re. Über dieses GrundgerĂŒst legt sich, eingebettet in lange Hallfahnen, seine weiche Stimme.

Dass John Grant ein Faible fĂŒr elektronische Musik hat, kommt auf „Pale Green Ghosts“ mehr zum Ausdruck denn je. Mag es auf dem VorgĂ€ngeralbum und den Aufnahmen von Grants ehemaliger Band The Czars einige Elektro-AnklĂ€nge zwischen ĂŒberwiegend akustischen Songs gegeben haben, wird hier das VerhĂ€ltnis umgekehrt. Zwar werden mit einigen StĂŒcken gewohntere KlĂ€nge angeschlagen, doch elektronische, oft dĂŒstere Sounds stehen auf „Pale Green Ghosts“ ganz klar im Vordergrund. Kein Wunder, denn statt mit einer Folkband aufzunehmen, zog Grant nach einem Intermezzo mit Biggi Veira von der islĂ€ndischen Elektroband GusGus nach ReykjavĂ­k, um dort mit ihm zusammen aufzunehmen. Gerade in instrumentalen Passagen wirkt das Album trotz allem Minimalismus so, als hĂ€tte John Grant eine Menge Spaß am Experimentieren gehabt. Die Bandbreite reicht dabei von trĂŒbsinnigen Balladen („Vietnam“), ĂŒber einen Song mit Countryanleihen („I Hate This Town“) bis zu Dancenummern („Black Belt“).

Grants Texte sind in ihren Mitteln unkompliziert, aber wirkungsvoll. Er braucht keine aufwendigen Bilder, sondern kommt, oft in Alltagssprache, durchaus deutlich auf den Punkt. Trotzdem wirken die Songs nicht plump und entfalten ihre Wirkung. Dazu sei gesagt, dass „Pale Green Ghosts“ sicher keine Gute-Laune-Platte ist. Über dem ganzen Album schweben SchwermĂŒtigkeit und Nachdenklichkeit, was im Zusammenspiel mit den Elektrosounds fĂŒr eine dunkle, schwebende Stimmung sorgt. Es ist eines dieser Alben, das einen mit einem Sog aus Sounds und Textzeilen mit in eine Art Traum nimmt, aus dem man nach elf Songs langsam wieder erwacht.

John Grants Stilwechsel auf „Pale Green Ghosts“ ist gelungen. Die oft einfach gehaltenen elektronischen Arrangements harmonieren ausgesprochen gut mit seinem Songwriting. Die musikalischen Pastelltöne des VorgĂ€ngers sind harten Neonfarben gewichen, was „Pale Green Ghosts“ zunĂ€chst etwas kantig und schwer zugĂ€nglich erscheinen lĂ€sst. Dennoch schafft es das Album, den Hörer tranceartig in seinen Bann und ziehen, und schnell erweisen sich die Songs als unerwartet eingĂ€ngig. Fragt sich nur, ob John Grant damit stilistisch „angekommen“ ist oder ob das nĂ€chste Album gar mit etwas ganz anderem ĂŒberrascht – man darf gespannt sein, was noch kommt.

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