Lou Reed – „Transformer“

10.12.2012 von  

Lou Reed - TransformerVÖ: Dezember 1972
Web: loureed.com
Label: RCA

Lou Reed, das unberechenbare Musikgenie, kann mittlerweile auf eine fast 50 (!) Jahre andauernde Musikkarriere zurĂŒckblicken. Mitte der 60er-Jahre grĂŒndete er zusammen mit John Cale The Velvet Underground. Reed war Gitarrist, SĂ€nger und Songschreiber, kommerziell hatte die Band keinen Erfolg, war aber unter KĂŒnstlern und Musikern sehr beliebt. Reed verließ The Velvet Underground Anfang der 70er-Jahre. Heute wird die Band als eine der einflussreichsten Rockgruppen der Geschichte gehandelt, vor allem das DebĂŒtalbum „The Velvet Underground & Nico“ genießt heute Legendenstatus und ist nicht zuletzt wegen des von Andy Warhol gestalteten Covers (Banane) nicht nur bei Sammlern Ă€ußert beliebt.

Anfang der 70er-Jahre versuchte sich Reed an seiner Solokarriere und veröffentlichte 1972 sein erstes Soloalbum „Lou Reed“. Hierauf fand sich jedoch kaum neues Material, Reed griff hauptsĂ€chlich auf unveröffentlichte Velvet-Underground-Songs zurĂŒck. Das Album ging in der allgemeinen Glam-Rock-Euphorie unter und es sah fast so aus, als sei Reeds Karriere zu diesem Zeitpunkt schon zu Ende. Doch mit der Hilfe von den zwei Velvet-Underground-Fans David Bowie und dem Gitarristen Mick Ronson konnte Lou Reed noch im selben Jahr sein zweites Album „Transformer“ veröffentlichen. Bowie traf zu diesem Zeitpunkt mit seinem Alter Ego Ziggy Stardust den Nerv der Zeit und spielte erfolgreiche Touren in England und den USA. Mit dieser Erfahrung verschafften Bowie und Ronson Reed einen zeitgemĂ€ĂŸen Sound. WĂ€hrenddessen schrieb Reed an neuen Liedern, in denen er mit seiner sexuellen IdentitĂ€t spielte und seine Drogenerfahrungen verarbeitete.

„Transformer“ hauchte der Karriere von Lou Reed neues Leben ein, der neue Sound von Bowie und Ronson, gepaart mit Reeds Texten, machten das Album zum Erfolg, das heute als eines der bedeutendsten Rockalben gefeiert wird.

Die vier Dekaden seit seiner Erscheinung konnten dem Album nicht allzu viel anhaben, stellenweiße mag man der Platte ihr Alter anhören, aber ein Song wie „Walk On The Wild Side“ ist heute so aktuell wie damals. Das minimalistische Arrangement passt vielleicht sogar besser in das Jahr 2012 als nach 1972. Die Kombination von einer beschwingt hĂŒpfenden Bassline mit einem Text ĂŒber Transsexuelle, Blowjobs und Drogendealer macht es umso erstaunlicher, dass das Lied damals der grĂ¶ĂŸte Hit der Platte wurde und mehrere Wochen in England und den USA in den Charts war. Vielleicht liegt es an der Ehrlichkeit des Liedes, war doch Reed selbst Frauen, MĂ€nnern und Drogen sehr zugeneigt.

Außerhalb seiner Musik spricht Lou Reed jedoch nicht so gern offen ĂŒber sich selbst. ByteFM-Sendungsmacher Klaus Walter („Was ist Musik“) hatte kĂŒrzlich die Gelegenheit, Lou Reed zu interviewen. Auf die Frage nach homosexuellen Themen in seinen Liedern antwortete Reed schlicht: „Go fuck yourself!“ Das Interview war vorbei. Also, lieber Lou Reeds Musik hören, als zu viele Worte darĂŒber zu verlieren und sich Ärger einzuhandeln. Welche bessere Gelegenheit bietet sich dafĂŒr als der Grundstein seiner Solokarriere?

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