Neue Platten: Reptile Youth – „Reptile Youth“

24.09.2012 von  

HFN MusicHFN Music

7,5

Ein wenig ist es der klassische Groschenroman: Frau trifft unbekannten Mann und umgekehrt. „Hey, es ist so, als wĂŒrde ich dich schon ewig kennen.“ „Du hast recht, lass uns doch eben ein oder zwei HĂŒrden ĂŒberwinden und dann auf ewig zusammen sein.“ Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Kennen wir.

Mit Reptile Youth ist es ein bisschen wie im eigenen Groschenroman. Die erste Single „Speeddance“ kennen wir gefĂŒhlt schon ewig und wissen um ihre Klasse. Doch das GefĂŒhl ist echt: Schließlich haben die beiden DĂ€nen Mads Damsgaard Kristiansen und Esben VallĂže diesen Track bereits Anfang des Jahres als erste Single ausgekoppelt. Seitdem bohrt er sich in die Köpfe von Besuchern der Indie-Diskotheken dieser Welt. Dadurch werden allerdings auch die Erwartungen an das mit dem Bandnamen betitelte DebĂŒtalbum immens hochgeschraubt und auch Kritiker geizen nicht mit Vorschusslorbeeren. Die Messlatte ist also auf hohem Niveau.

Und wie ist sie nun geworden, die neue und erste Reptile Youth? Insgesamt gesehen ist der Band ein rundes, fröhliches Elektropop-Album gelungen, womit sie sich nicht verstecken braucht. Energiegeladene Pop-Euphorie haben Reptile Youth zu ihrem Markenzeichen erklĂ€rt und in dem Punkt halten die beiden ihr Versprechen; schlechte Laune muss man sich woanders abholen. „A Flash In The Forest“ provoziert Mitsingen, „Morning Sun“ hĂ€tte auch als Soundtrack mit Text fĂŒr das Computerspiel „Die Sims“ durchgehen können und zu „Speeddance“ haben wir alle schon mal getanzt. Das heimliche Highlight des Albums ist aber „Dead End“, auch wenn hier, wie so oft ĂŒbrigens auf der Platte, auf erfolgreiche Pferde gesetzt wird. Mit schweren monotonen BĂ€ssen ist es das dĂŒsterste Lied auf „Reptile Youth“. Das alleine rechtfertigt natĂŒrlich nicht die Proklamation zum Highlight, aber der Titel gehört zu genau jener Kategorie Song, die irgendwie total gut ist und deswegen in Werbungen fĂŒr Mittelklasseautos mit gutem Kurvenverhalten gespielt wird. Das Duett mit Selina Lannie von der dĂ€nischen Frauenband Nelson Can „Be My Yoko Ono“ gehört zum okayen Rest der Platte.

Mit den erwĂ€hnten Tracks hat „Reptile Youth“ mehr Höhen als Tiefen. Doch wie bei einem Groschenroman, setzen unsere metaphorischen Autoren ein bisschen zu sehr auf AltbewĂ€hrtes, als dass man der angekĂŒndigten „Wirkung als Neuerfindung der Musik“ oder dem „Versprechen an das Außergewöhnliche“ gerecht wird. Dazu gehört mehr Mut. Trotzdem hat das Album das Potenzial, eine obere Chartplatzierung zu erreichen.

Reptile Youth im Interview mit Christoph Möller gibt es hier.

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Eine Antwort zu “Neue Platten: Reptile Youth – „Reptile Youth“”

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Das sagen andere zu dem Beitrag...
  1. [...] der beiden Jungs aus Kopenhagen gestolpert sein und sich dort von ihrem kurz darauf erschienenen selbstbetitelten DebĂŒt ĂŒberzeugt [...]