Die ByteFM Charts KW 31

30.07.2012 von  

Die am meisten gespielten Platten bei ByteFM in den vergangenen zwei Wochen. „Swing Lo Magellan“ von Dirty Projectors landet auf Platz 1 der ByteFM Charts. Hot Chip halten sich mit „In Our Heads“ in den vorderen Rängen und steigen von Platz 3 auf Platz 2. Ein Album der Woche bei ByteFM, das vor 15 Jahren erschienen ist – gab es im Juli auch: Radioheads „OK Computer“ steigt verdient um sechs Plätze auf die 3.

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Dirty Projectors – Swing Lo Magellan (1)
2. Hot Chip – In Our Heads (3)
3. Radiohead – OK Computer (9)
4. Frank Ocean – Channel Orange (11)
5. The Flaming Lips – The Flaming Lips & Heady Fwends (neu)
6. Can – The Lost Tapes (2)
7. Purity Ring – Shrines (neu)
8. Grasscut – Unearth (14)
9. DIIV – Oshin (8)
10. Twin Shadow – Confess (4)
11. The Very Best – MTMTMK (neu)
12. John Maus – A Collection Of Rarities And Previously Unreleased Material (neu)
13. Bobby Womack – The Bravest Man In The Universe (5)
14. Lawrence Arabia – The Sparrow (neu)
15. Messer – Im Schwindel (-)

Die Trackcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Dirty Projectors – Gun Has No Trigger (1)
2. Radiohead – No Surprises (neu)
3. DIIV – Doused (5)
4. Hot Chip – Night And Day (6)
5. The Very Best – Rudeboy (neu)
6. Frank Ocean – Sweet Life (neu)
7. Django Django – Life’s A Beach (14)
8. Purity Ring – Fineshrine (neu)
9. Grasscut – Pieces (-)
10. Can – Deadly Doris (neu)
11. One Little Plane – She Was Out In The Water (neu)
12. Peaking Lights – Dream Beat (-)
13. Twin Shadow – The One (-)
14. Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Tapes & Money (13)
15. Messer – Was Man Sich Selbst Verspricht (neu)

Und ab sofort sind die ByteFM Albumcharts auch beim Musikstreamingdienst WiMP gelistet. Dort habt Ihr die Möglichkeit die Alben in voller Länge anzuhören. Darüber hinaus natürlich auch noch viel mehr, aus dem gesamten Angebot auf WiMP.

The Kings Of Dubrock – „Fettuccini“

The Kings Of DubRock - FettucciniVĂ–: 03.08.2012
Web: Jacques Palminger & The Kings Of Dubrock
Label: Staatsakt

„Dubrock ist wie Beton. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Manche bauen daraus Halsketten. Wir bauen daraus ein Fundament.“ Die erste Ansage Jacques Palmingers kann als Slogan fĂĽr den ganzen Stil der Kings Of Dubrock verstanden werden. Das Studio Braun-Mitglied vermischt Poesie mit Dub, vorgetragen in der Larmoyanz des Chansons. Dabei trifft die spezielle Wortakrobatik Palmingers auf die satten Beats vom umtriebigen Dub-Teufel Viktor Marek sowie den souligen Charme von Rica Blunck. Die meisten StĂĽcke funktionieren wie Gedichte, wobei vor allem Blunck fĂĽr den Gesang sorgt, Palminger hingegen rezitiert vielmehr. Er sammelt seine Gedanken, fĂĽhrt sie aus, merkt Dinge an, beschwert sich, gibt Ratschläge und schwankt dabei zwischen Ekstase, Predigt und Nörgelei.

Der Hörer darf und soll dieses Album als Poesie verstehen, verpackt in treibenden bis melancholisch-verspielten Melodien. Jacques Palminger springt oftmals von Gedanke zu Gedanke und entwickelt nicht nur deshalb eine eigene Komik. Palminger selbst nennt es „Anbauen“. Er schafft grandiose Assoziationsketten, die an Absurdität kaum zu ĂĽbertreffen sind. Wahrscheinlich sind es im Besonderen die Erfahrungen, die er bei den Telefonaktionen von Studio Braun gemacht hat, die ihn zu diesem sicheren Umgang mit Sprache befähigen. Die Betonungen, die Pausen und das TaktgefĂĽhl sitzen, jede Nuance in und zwischen den Worten ist durchdacht und besticht vor allem durch Eleganz – selbst dann noch, wenn der Hörer den Faden längst verloren hat.

Im Vergleich zum Vorgängeralbum „Mondo Cherry“ fehlen jedoch die Hymnen wie „Playboy“ oder „Deutsche Frau“, die alles ĂĽber Jacques Palminger sagen, was es zu sagen gibt, und mit gekonntem Dadaismus glänzen. Als kleinen Trost gibt es jedoch zwei groĂźe Hits auf der Platte: Zum einen „Kinder der Sonne“, der mit quirlig-verspieltem Sound daherkommt – der Takt treibend, der Chor gepitcht, lebt sich hier vor allem Viktor Marek am Mixer und an der Samplemaschine aus. Zum anderen kann die Vorab-Single „MDMA“ mit smoother Melodie, wunderschönem Gesang und sommerlichem Flair ĂĽberzeugen. In beiden Songs ist der Text eher hintergrĂĽndig, lässt man sich dennoch darauf ein, ist er eher verstörend und kritisch als schwelgerisch oder hippiesk.

Ganz im Sinne des Dub dĂĽrfen Drogen und Revolutionssongs auf der Platte nicht fehlen. Die Aufgabe erfĂĽllt allein schon das Werk „Calimero“, welches sehr bedächtig und in der Begleitung einer Geige eine eigene Dramatik aufbaut. Um sich von dieser Stimmung zu erholen, folgt „Beachbuggy“, der ein wenig an „TĂĽdeldub“ erinnert und sich in Wortspielen nahezu verliert. Das verleiht dem Song jedoch eine gewisse Eingängigkeit und so wĂĽrde man selbst ganz gern im Beachbuggy zur Peach-Party fahren, um sich dem Sound hinzugeben und auf der nächsten Dub-Welle einfach treiben zu lassen.

Sollte man die Hoffnung auf deutschsprachige Musik aufgegeben haben, dann sind die Kings Of Dubrock die Rettung. Ihnen zuzuhören gleicht einer Massage des Geistes. Viktor Marek bietet ein Soundbett, das mit Energie geladen ist. Rica Blunck umschmeichelt mit reizendem Gesang und Jacques Palminger sorgt für die Entkrampfung der vernagelten Sichtweisen und öffnet dadurch Horizonte. Damit leiten sie eine neue Generation des Dub ein, der besonders Mareks Talent im Umgang mit der Beat- und Sample-Maschine zu verdanken ist. Er baut das Fundament, welches durch die Arbeit von Palminger und Blunck gefestigt, erweitert oder verkleidet wird. Daraus entsteht eine Spannung, von der eine Kraft ausgeht, die niemanden kalt lassen wird. Nicht umsonst gehören zu den Kings Of Dubrock nach eigener Aussage drei Elemente: Druck, Druck, Druck!

Das ByteFM Album der Woche.

Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Fettuccini“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Staatsakt | Kaufen

Lärm der Woche: Neue Wege, Kunst und Ehre

28.07.2012 von  

Das Wichtigste in Sachen Musik und Pop-Kultur, dieses Mal wieder zusammengestellt von Ruben Jonas Schnell aus New York – das ist der Lärm der Woche. Die Koproduktion mit den Kollegen von DRadio Wissen hört Ihr bei uns jeden Donnerstagvormittag im ByteFM Magazin am Morgen und jeden Samstagnachmittag im Wochenrückblick.

Dieses Mal im Lärm der Woche:
Die Reinkarnation Snoop Doggs: Schluss mit Gangster-Rap, ab jetzt gibt es Reggae unter dem neuen Namen Snoop Lion. Damit das Ganze auch gut klingt, holt er sich UnterstĂĽtzung vom Produzenten-Duo Major Lazor.

Nicht nur Snoop Dogg geht neue Wege, auch Beck sucht neue Herausforderungen und komponiert exklusiv den Soundtrack fĂĽr ein Videospiel. AuĂźerdem erfahrt Ihr, was es mit dem „Guided-By-Voices-Monat“ in Ohio auf sich hat, warum Alex Paterson von The Orb ein Kunstwerk entwirft, um es daraufhin in 1000 StĂĽcke zu zerschneiden, und wer die First Lady des Labels Motown war.

An dieser Stelle findet Ihr jetzt jeden Samstag den aktuellen Lärm der Woche zum Nachhören.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Lärm der Woche vom 26.07.2012

Zum 20. Todestag von Mary Wells

26.07.2012 von  

(hhttp://www.lastfm.de/music/Mary+Wells/)

In den frühen 1960er-Jahren war sie der größte Star des legendären Soul-Labels Motown Records. Vor 20 Jahren starb Mary Wells.

Obwohl Motown Records schon vor Mary Wells zwei Musikerinnen unter Vertag genommen hatte, gilt Wells bis heute als die „first lady of Motown“. Anfang der 1960er-Jahre war sie dank Hits wie „Bye Bye Baby“, „You Beat Me To The Punch“, „The One Who Really Loves You“ oder „My Guy“ der erste weibliche Star des Labels – dabei sah es zu Beginn von Wells‘ Karriere nicht unbedingt danach aus. Zwar war sie 1961 mit „I Don’t Want To Take A Chance“ die erste weibliche Motown-KĂĽnstlerin, die es in die Top 40 der US-Charts schaffte, doch das dazugehörige DebĂĽtalbum floppte. LabelgrĂĽnder Berry Gordy war allerdings vom Talent der damals 18-jährigen Wells ĂĽberzeugt und stellte ihr den Songwriter und Produzenten Smokey Robinson zur Seite, was sich als GlĂĽcksgriff erwies. Bis 1964 veröffentlichten die beiden mehrere Top-10-Hits und Wells wurde 1962 als erster Motown-KĂĽnstler ĂĽberhaupt fĂĽr einen Grammy nominiert. Mit dem Song „My Guy“ wurde Mary Wells endgĂĽltig zu einem Superstar. Die Single verkaufte sich ĂĽber eine Millionen Mal und schaffte es in Grobritannien auf Platz 5 der Charts, was auch Wells‘ internationalen Durchbruch bedeutete. Dass die Beatles sie als ihre Lieblingssängerin bezeichneten, tat sein ĂĽbriges.

Im Jahr ihres größten Erfolgs verlieĂź Wells das Label Motown im Streit ĂĽber ausstehende Zahlungen und unterschrieb einen gut dotierten Vertrag bei 20th Century Fox. Doch mit dem Labelwechsel begann Wells‘ Erfolgssträhne zu reiĂźen. Mit ihren folgenden Alben konnte sie nicht mehr an die Erfolge aus den frĂĽhen 60ern anknĂĽpfen und beschloss 1974, sich aus dem Musikgeschäft zurĂĽckzuziehen. Nach einem Comeback in den 1980er-Jahren und mehreren Alben auf kleinen Labels wurde Wells 1990 durch eine Kehlkopfkrebserkrankung dazu gezwungen, das Singen endgĂĽltig aufzugeben. Aufgrund ihres durch den Krebs geschwächten Immunsystems starb Wells am 26. Juli im Alter von 49 Jahren an einer LungenentzĂĽndung.

Tickets fĂĽr Nite Jewel

26.07.2012 von  

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151037113286798&set=a.10151037113266798.483060.54433201797
Foto: Angel Ceballos

ByteFM präsentiert Nite Jewel. Die kalifornische Musikerin veröffentlichte im März diesen Jahres ihr neues Album „One Second Of Love“, auf dem sie minimalistischen Electropop mit 90s-R&B-EinflĂĽssen verbindet.
Wir verlosen exklusiv unter Mitgliedern des Fördervereins „Freunde von ByteFM“ jeweils 2×2 Karten fĂĽr Nite Jewels Konzerte in Köln und Berlin. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns einfach bis zum 02.08. eine Mail mit dem Betreff „Nite“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.
Ihr seid noch kein Mitglied in unserem Förderverein? Hier erfahrt Ihr, wie Ihr ByteFM unterstützen und die Vorteile einer Mitgliedschaft genießen könnt.

03.08.2012 Köln – King Georg
07.08.2012 Berlin – Kantine am Berghain

Tickets fĂĽr Folk im Park

24.07.2012 von  

http://folkimpark.com/

Dieses Jahr findet zum zweiten Mal das Festival Folk im Park im Nürnberger Marienbergpark statt. In dem idyllischen Park spielen am Sonntag, den 05.08., in entspannter Atmosphäre Other Lives, Ewert And The Two Dragons, Dan San, Denis Jones und The Moonband.
ByteFM präsentiert Folk im Park und verlost 2×2 Tickets fĂĽr das Festival. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns einfach bis zum 30.07. eine Mail mit dem Betreff „Folk“ und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.

05.08.2012 NĂĽrnberg – Marienbergpark

Die ByteFM Charts KW 30

23.07.2012 von  

Die am meisten gespielten Platten bei ByteFM in den vergangenen zwei Wochen. Das Album der Woche der vorletzten Woche „Swing Lo Magellan“ von Dirty Projectors landet auf Platz 1 der ByteFM Charts. Den größten Sprung machen Can und ihre „Lost Tapes“ – zehn Plätze nach oben geht es fĂĽr die verloren geglaubten Master-Bänder von Can, die bei einem Studioumzug gefunden worden sind. Hot Chip steigen mit „In Our Heads“ noch mal auf den Bronze-Rang.

In den Trackcharts bewegt sich nicht viel an der Spitze. Platz Eins geht auch in dieser Woche an die Dirty Projectors.
DIIV erhaschen sich die Silbermedaille fĂĽr ihren Hit „Doused“, auch hier stehen Hot Chip hoch in der Gunst der Moderatorinnen und Moderatoren – Platz 3!

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. The Dirty Projectors – Swing Lo Magellan (2)
2. Can – The Lost Tapes (12)
3. Hot Chip – In Our Heads (7)
4. Twin Shadow – Confess (1)
5. Bobby Womack – The Bravest Man In The Universe (6)
6. Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Trouble (11)
7. Peaking Lights – Lucifer (3)
8. DIIV – Oshin (4)
9. Radiohead – OK Computer (neu)
10. Chromatics – Kill For Love (5)
11. Frank Ocean – Channel Orange (neu)
12. Santigold – Master Of My Make-Believe (11)
13. Marbert Rocel – Small Hours (9)
14. Grasscut – Unearth (neu)
15. Alt-J – An Awesome Wave (8)

Die Trackcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Dirty Projectors – Gun Has No Trigger (1)
2. DIIV – Doused (5)
3. Twin Shadow – Five Seconds (3)
4. David Byrne And St. Vincent – Who (7)
5. Peaking Lights – Cosmic Tides (2)
6. Hot Chip – Night And Day (-)
7. Bobby Womack – Please Forgive My Heart (15)
8. Chromatics – Back From The Grave (-)
9. Marbert Rocel – Small Hours (12)
10. Alt-J – Something Good (5)
11. Cat Power – Ruin (9)
12. Friends – Friend Crush (-)
13. Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Tapes & Money (11)
14. Django Django – Life’s A Beach (-)
15. Die Orsons – Jetzt (Feat. Jasmin Shakeri) (-)

Und ab sofort sind die ByteFM Albumcharts auch beim Musikstreamingdienst WiMP gelistet. Dort habt Ihr die Möglichkeit die Alben in voller Länge anzuhören. Darüber hinaus natürlich auch noch viel mehr, aus dem gesamten Angebot auf WiMP.

The Flaming Lips – „Flaming Lips & Heady Fwends“

23.07.2012 von  

The Flaming Lips - Flaming Lips & Heady FwendsVĂ–: 27.07.2012
Web: flaminglips.com
Label: Cooperative Music

Willkommen auf der Reise durch die kosmischen Landschaften der Flaming Lips!

Zunächst einmal ist es ratsam, sich anzuschnallen. Dieses Album wird zwar niemanden im wortwörtlichen Sinne vom Hocker reißen, es wäre aber möglich, dass einem die Geduld vergeht. Und das wäre schade.

„Flaming Lips & Heady Fwends“ kann zuweilen anstrengend, ermĂĽdend oder auch verstörend wirken, jedoch ist es in all seinen Facetten erstaunlich vielseitig, dennoch zielgerichtet und vor allem berauschend.

Als Gäste sind, von Popsternchen (Ke$ha) ĂĽber Hip Hopper (Prefuse 73) und Vertreter der Avantgarde (Yoko Ono) bis hin zu Indie-Folk-Musikern (Bon Iver), diverse KĂĽnstler vertreten. Diese breit gefächerte Genrepalette sollte nicht abschrecken, denn fĂĽr Bandkopf Wayne Coyne ist Musik „einfach Musik“. Die Hälfte der Musiker hatte Coyne nie zuvor gesehen und das brauchte er auch fĂĽr die Aufnahmen nicht: Die Mehrzahl der StĂĽcke entstand durch das Hin- und Her-Versenden von Soundfiles und durch den Ideenaustausch ĂĽber Textnachrichten. Der andere Teil entstand in verschiedenen, ungeplanten Sessions während der Aufnahmen fĂĽr den Record-Store-Day. So präsentiert Coyne einen Mix, der vor allem einen Flaming Lips-Anstrich trägt – oft sogar so dominant, dass der Gastmusiker darin unterzugehen droht. Das verhilft dem Album aber zu einer ganz eigenen Dynamik, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Los geht der Trip mit den Worten „Cause I Want My Ass“ von Ke$ha sowie dem Funkspruch „You Must Be Upgraded“, bizarr-verspielter und poppiger Elektro sowie ein reiĂźend-kratziges Gitarrenriff bilden eine schwungvolle Vorlage. Zur Einstimmung auf den weiteren Verlauf geht es im mittleren Teil bereits etwas sphärisch-schwelgerischer zu. Schon bei „Ashes In The Air“ mit Bon Iver fĂĽhlt sich der Hörer in den kosmisch-schwingenden Klangfeldern und dem beseelten Gesang Justin Vernons sowie dem engelsgleichen Chor auf einer Reise in eine andere Welt wieder, umnebelt von musikalischem Opium. Um jeder Kritik an dieser Aussage direkt den Boden zu entziehen, schmĂĽckt sich der folgende Titel zusammen mit Edward Sharpe in ähnlich berauschenden Klangmustern, dazu noch Laserpistolen-Sounds und Vogelgezwitscher, schon sind alle anderen Probleme wie weggebeamt.

Doch soll sich der Hörer nicht darauf ausruhen können, also steuern wir vorbei an treibenden Rhythmen („Supermoon Made Me Want To Know“), knarzenden Gitarren („You, Man? Human?“ u.v.a.), hippie-esken Gesängen („Children Of The Moon“), dumpfen Beats („Do It“) und raumfĂĽllenden Klangfundamenten („The First Time Ever I Saw Your Face“). Yoko Ono steuert ein mantra-artig aufgesagtes „Do It“ bei, wogegen Nick Cave sich im experimentellen Gesang versucht und Erykah Badu gegen die Soundexplosionen ankämpft – dabei in der hallend-erhabenen Stimme geradezu himmlisch wirkt. Es bleibt wenig unversucht, doch es will sich partout nicht in Eingängigkeit verlieren.

Wenn der letzte Song in Stille übergeht, ist entweder ein Wohlgefühl zu verspüren, Teil dieser Reise gewesen zu sein und sich voll darauf eingelassen zu haben – mit allen Komplikationen, langatmigen Aufenthalten und Wendemanövern – oder man gönnt sich zum Runterkommen erstmal eine Portion Lana Del Rey. Doch hätte man in dem Fall etwas falsch gemacht und das bereits beim Kauf einer Platte der Flaming Lips.

„Flaming Lips & Heady Fwends“ steht ebenso fĂĽr zerbrechliche Klangfelder wie fĂĽr tosende Klanglawinen, bedient sich am Potpourri der modernen Musik und scheint besonders in den Psychedelic-Ambient-Momenten den Himmel einstĂĽrzen zu lassen – doch erweitert das nur den Horizont.

Das ByteFM Album der Woche.

Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Flaming Lips“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Cooperative Music | Kaufen

Electric Guest live bei ByteFM

22.07.2012 von  

Bei uns in der ByteFM Session: Electric Guest. Die Musik der Kalifornier ist eine gehaltvolle Mischung aus treibendem Pop, gefĂĽhlvollem Soul und beschwingtem Funk.

Die Presse war voll des Lobes fĂĽr das von Danger Mouse produzierte Werk. Obwohl dessen Einfluss auf dem Album unverkennbar ist, zeigen sie in unserer ByteFM Session, dass das Album nicht bloĂź groĂź produziert ist, sondern auch groĂźe Songs zu bieten hat. Hier könnt Ihr ihren Hit „This Head I Hold“ als Akustikversion ohne jegliches Klim-Bim hören. Viel SpaĂź.


Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Electric Guest – This Head I Hold (Live bei ByteFM)

Neue Platten: John Maus – „A Collection of Rarities and Previously Unreleased Material“

21.07.2012 von  

Ribbon MusicRibbon Music

9,0

„Ich ist ein anderer“, sagt Arthur Rimbaud und Jacques Lacan, ihn zitierend: „Das Ich ist nicht das Ich.“ Das passt auch auf John Maus, der sich nicht nur mit Jacques Lacan, sondern auch mit Zitaten sehr gut auskennt. Die hat er nämlich zum Motto seines Schaffens und seiner Musik erhoben. Wenn man so wollte, könnte man ihn durchaus als den Bob Dylan der Post-Post-Moderne bezeichnen; in gewisser Hinsicht steht Maus‘ Musik in der Nachfolge des Mannes, der sich selbst nicht auf eines festlegen lassen wollte, der fĂĽr sein Schaffen aus den unterschiedlichsten Tiegeln und Inspirationen schöpfte, auslieh, zusammenbastelte, manchmal auch ganz unverblĂĽmt klaute. Und damit häufig das zusammenfĂĽhrte, was augenscheinlich nicht zusammenpasst.

Obwohl „nicht zusammenpassen“ eine Wortkonstruktion ist, die es in Maus‘ Universum nicht zu geben scheint – in seinen musikalischen Werken verbindet er ganz schamlos und ohne den leisesten Anflug von schlechtem Gewissen verpönten Schmalz-Pop Ă  la Modern Talking mit hippen Klängen, die in Richtung Suicide oder Joy Division verweisen. Um Todd Haynes zu bemĂĽhen: „There he lay: poet, prophet, outlaw, fake, star of electricity“. Ja, das geht und zwar alles zugleich. Nicht umsonst ist John Maus neben seiner anspruchsvollen und ausfĂĽllenden Rolle als eklektischer Liebling einer Szene, die die teilweise geschmacklose Diversität der 80er nicht (nur) billig, sondern (auch) spannend findet, Gelegenheitsdozent fĂĽr Philosophie. Sein Faible fĂĽr dekonstruktivistisch-psychoanalytische Theorien vereint er in seiner Musik mit ĂĽberladenen und ĂĽberlappenden Wellen aus Synthie- und Keyboardklängen.

Echt und falsch, gut und schlecht, cool und uncool – solche festgelegten und einfachen Gegensatzpaare gibt es bei John Maus nicht, oder sie werden schlicht „weg-inakzeptiert“. Auch diejenigen, von denen er sich inspirieren lässt, lassen sich oft nicht problemlos so kategorisieren: echt wie Nick Cave? Cool wie Depeche Mode? Klingt komisch. Und bestimmt lassen sich Musikern wie der Space Lady, die immer mit Wikingerhelm herumlief, positive Seiten abgewinnen. Auch John Maus selbst könnte man in jede dieser Kategorien stecken: Der Mann mit dem Tiernamen zerstĂĽckelt und verwurstet alles, schafft es aber, ĂĽber die Ebene des bloĂźen Zitats hinauszutreten, und daraus ein ganz eigenes, vielseitiges Mosaik zu bilden. Maus stapelt viele, manchmal grundverschiedene Schichten ĂĽbereinander und verzerrt sie damit so lange, bis sie etwas anderes, eigenes ergeben. Um in den philosophisch-psychoanalytischen Termini von Maus‘ Vorbildern zu sprechen: die einzelnen zerstĂĽckelten EinflĂĽsse verbinden sich in der Musik zum individuellen Ich, zum Subjekt John Maus – der das Ergebnis seiner Inspirationen ist, so wie das Kind sich im Spiegel als „Ich“, als aus den einzelnen Körperteilen bestehendes Ganzes erkennt. Zeigen Maus‘ Live-Auftritte doch, wie gut er als perfektes Beispiel des Narzissten geeignet ist, exzentrisch, mit sich selbst beschäftigt, das eigene Selbstbild zur Wirklichkeit erhebend. Aber seine Musik ist mehr als die bloĂźe Summe ihrer Einzelteile. Und so ist auch das neue Album „A Collection of Rarities and Previously Unreleased Material“ mehr als nur eine ZusammenwĂĽrfelung der einzelnen, ĂĽber die Jahre angesammelten, aber unveröffentlichten Songs.

Zwar lassen sich in den Stücken sehr deutlich die musikalischen und philosophischen Stileinflüsse heraushören. Wenn man aber den Versuch aufgibt, herauszufinden, an welche Stelle aus welchem Joy-Division-Song einen die Millisekunde Maus gerade erinnert, tritt eines ganz deutlich aus Klang und Text hervor: der individuelle Künstler John Maus.

Bringt Sigmund Freud mit der Betrachtung der unbewussten und verdrängten unsozialen Vorgänge des Menschen das Unbehagen in der Kultur zurĂĽck, dann bringen John Maus‘ Songs das Unbehagen und Unbehagliche in der Musik zum Vorschein. Unheimlich wabern die Synthesizer durch die Songstruktur, geisterhafte Klangschemen verbinden sich zu einem Soundbrei, aus dem schwerlich die einzelnen Sounds und Rythmen herausgefiltert und voneinander getrennt werden können. Diese dĂĽstere Stimmung wird durch die wenigen, aber effektiv eingesetzten Texte noch verstärkt. Scheint es zunächst seltsam, dass ein Mann mit so vielen HintergrĂĽnden hinter seiner Musik oft mit so wenigen Worten auskommt, so liegt vielleicht gerade darin das Geheimnis des Unheimlichen in Maus‘ StĂĽcken. Der Text geistert durch die kalten Elektronik-Sounds; in tiefem Bariton vorgetragen, daramatisch betont und häufig wiederholt, nutzt Maus seine Stimme und Repetitivität, um eine manische, verfolgende Stimmung zu erschaffen – wir können uns dieser Musik nicht entziehen.

Wollen wir aber auch gar nicht. Auch auf „A Collection of Rarities and Previously Unreleased Material“ schafft John Maus es wieder einmal, zu begeistern und zu fesseln. Schon der Openener „North Star“ begeistert mit glockenhaften Synthies und Tuschs und kommt mit weniger als zwei Zeilen Text aus. Und so geleiten uns Maus‘ dunkle GefĂĽhle und Ideen durch das gesammte Album und belehren uns ĂĽber die Regeln des Lebens: „Don’t lie. When Im asking for the truth, you got to say it. Don’t tell me when it hurts, ’cause I won’t care. You got to pay the price for what you are. Yeah, that’s the law“. John Maus verstört uns mit dem groĂźartigen „Castles In The Grave“ und verpackt seinen „Mental Breakdown“ in die schönste elektronische Gruselgeschichte, die wir je gehört haben. Maus fragt sich im zurĂĽckhaltenden „The Fear“: „What’s wrong With me?“, singt darĂĽber, „Lost“ zu sein und unterlegt „My Hatred Is Magnificent“ mit nie endenden Bässen – da ĂĽberlegt man stark, ob er nicht ironisch die Banalität seiner eigenen Ă„ngste besingt, wenn er in „Big Dumb Man“ croont: „A big dumb man is singing about hate and dadness, big dumb man is singing about the fear. A big dumb man, he thinks he’s different from the rest of us.“ Selbst „Angel[s] Of The Night“ geraten bei Maus eher zu Angstgestalten als zu Heilbringern, und in „Bennington“, eigentlich einem Liebeslied, lässt er die Geliebte mit den Zeilen „I still love the girl. Time and time again, I see her in my dreams“ auch unsere Träume verfolgen. Der älteste Song, „Fish With Broken Dreams“, erinnert an klassische Musik, hat etwas opereskes, der Klangnebel entdichtet sich ein wenig, und entlĂĽftet einen der schönsten Songs des Albums. „No Title (Molly)“ beweist schon im Titel noch einmal, dass alles beeinflusst und zusammengesetzt ist. Auch wenn wir angeben, uns auf nichts zu beziehen, sind unsere (musikalischen) Produkte immer Ergebnis von Beeinflussungen.

Das mag gruselig anmuten, ist aber halb so emotional-verzweifelt oder Gothic-lastig wie es erscheint, dafĂĽr sorgt die kalte, anonyme Instrumentierung. Das Ganze ist weniger eingängig und einfach als auf „We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves“, wächst dadurch jedoch nur noch mehr, und ist eben immer noch Popmusik und will auch nichts anderes sein. Und so verspricht uns John Maus mit seinem letzten Song: keine Sorge, denn „I Don’t Eat Human Beings“! Das Album wächst beim Hören und will gehört werden – auf das jedem selbst eine eigene, individuelle Erfahrung aus diesem (Hör-)Erlebnis entwachsen möge.

Label: Ribbon Music | Kaufen

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