Die ByteFM Android App – kostenfrei bei Google Play
30.06.2012 von Redaktion
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Ein Brett um die Ohren – Gonjasufi in Stuttgart
28.06.2012 von Mike Herbstreuth
Flickr | Achablive | (CC BY-NC-SA 2.0)
Ich warte schon lange darauf, dass mich eine Vorband mal wieder so richtig begeistert. So sehr, dass ich sie vielleicht sogar besser finde als die Band, wegen der ich eigentlich gekommen bin. Das letzte Mal war das der Fall, als mich meine Eltern zu einem Konzert von Simply Red mitgenommen haben. Das ist ziemlich lange her, Ende der 90er ungefähr. Es kann gut sein, dass ich damals noch ein einstelliges Alter hatte. Damals war jedenfalls Amanda Marshall die Vorband, und ich fand die irgendwie toller als Simply Red. Bis heute bin ich der Meinung, dass „Let It Rain“ und „I Believe In You“ ziemlich spitzenmäßige Powerballaden sind. Seitdem kann ich mich aber an keine Vorband mehr erinnern, die mich total umgehauen hätte. Nicht, dass nur schlechte dabei gewesen wären, die meisten waren sogar sehr okay, aber es war eben nichts Amanda-Marshall-mäßig Besonderes dabei. Am Sonntag beim Konzert von Gonjasufi in Stuttgart standen die Chancen nun seit langem mal wieder sehr gut, dass ich die Vorband besser als den Hauptact finden würde. Sun Glitters war nämlich als Support angekündigt, und dessen verträumten Lo-Fi-Electro mag ich sehr gerne. Laut der iTunes-Wiedergabestatistik sogar doppelt so gerne wie Gonjasufis psychedelischen Lo-Fi-Electro-Dub, zumindest wenn man nach den beiden meistgespielten Songs der Künstler geht. Kein fairer Kampf also, sollte man meinen.
Das Set von Victor Ferreira alias Sun Glitters (der mit 39 Jahren der Vater der meisten aktuellen Bedroom-Lo-Fi-Dream-Electro-Produzenten sein könnte) war schließlich auch so gut, wie man sich das vorgestellt hatte. Verträumte Soundlandschaften, verhuschte Vocal-Samples, drückende Bässe und jede Menge kleine Frickeleien, zu einem einstündigen Set zusammengeschmolzen, das der Luxemburger nur für zwei kurze Ansagen unterbrach. Zugegeben, einige Songs ließen sich nicht unbedingt voneinander unterscheiden, aber im Speakeasy herrschte trotz noch geringer Zuschauerzahl eine sehr glückselige Atmosphäre, an der auch die großartige und übertrieben riesige LED-Wand des kleinen Clubs seinen Anteil hatte, auf die entspannte, bunte Visuals projiziert wurden. Nach Sun Glitters ging man also erst mal sehr zufrieden aus dem Club, frische Luft schnappen und sich nebenan ein bisschen Italien gegen England anschauen, schließlich ist trotz der Führung des Kollegen Marc Beham bei der ByteFM-EM-Tipprunde das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Als man aus dem Speakeasy kurze Zeit später tiefe Bässe hörte, konnte man sich recht einfach vom wenig packenden Fußballspiel losreißen, aber als man die Treppen des Clubs nach unten kam, bot sich erst mal ein unerwartetes Bild. Auf der Bühne standen an zwei Laptops, zwei Turntables, einem Mixer und einem Drum Pad drei Männer, die HipHop auflegten. Ob tatsächlich nur einer auflegte und die anderen zwei ihre Mails checkten, wie von einigen spekuliert wurde, wird wohl ein Geheimnis bleiben, aber es fühlte sich an wie ein ganz gewöhnlicher Samstagabend im Speakeasy – nur dass niemand tanzte oder sich Sachen ins Ohr schrie, sondern alle (wie man das beim Konzert halt macht) nach vorne auf die Bühne schauten. Einer der drei, der, wie sich später herausstellte, Dave hieß, hatte ein Gonjasufi-Shirt an und betätigte sich als Shouter. Was er shoutete, war nicht so einfach zu verstehen, aber egal: Das Publikum gab sich angeheizt. Und als die drei (die zwei? der eine?) dann den Song „Kobwebz“ anspielten und ein langbärtiger Mann mit dicken Dreads auf die Bühne kam, war klar, dass die drei Männer so etwas wie das Gonjasufi-Soundsystem waren. Kurz nachdem Gonjasufi die Bühne betreten hatte, war das Speakeasy von einem sehr süßlichen Geruch erfüllt. Und ein wenig roch es auch nach Bratwürsten. Woher letzterer Geruch kam, war nicht so ganz klar, aber es gibt sicher Schlimmeres. Die Hände des Publikums gingen jedenfalls sofort in die Höhe und wippten, die Köpfe nickten heftig, und erst da wurde bei genauerer Betrachtung der Konzertgänger klar: Die Röhrenjeans-Träger, die noch bei Sun Glitters in der Überzahl waren, waren in der Umbaupause durch Baggyjeans-Träger ersetzt worden. Und Gonjasufi gab auf die Songs, die live noch eine ganze Spur energetischer und drückender klangen als auf Platte, eine aggressive Rap-Performance, die Methodman zu seinen besten Zeiten hätte schlecht aussehen lassen. Von dem Ganzen war ich persönlich ein wenig verwirrt, denn ich hatte Gonjasufi nie so extrem als HipHop-Act wahrgenommen.
Ich habe mir seit dem Konzert mehrfach Gonjasufis Alben „A Sufi And A Killer“ und „MU.ZZ.LE“ angehört, weil ich mich gefragt habe, wie ich mich da so hatte täuschen können, wieso ich ihn nie ganz in die HipHop-Ecke gesteckt habe. Klar, die HipHop-Anleihen sind zweifelsohne da, die Beats, die Samples, aber ich bleibe dabei: Gonjasufi live und Gonjasufi auf Platte sind zwei verschiedene Dinge. Mittlerweile hat Gonjasufi Sun Glitters in meiner iTunes-Wiedergabestatistik klar überholt. Und das nicht nur, weil ich sie ein paar Mal auf ihre HipHop-Haftigkeit überprüft habe, sondern weil es ein großartiges Konzert war, nachdem sich meine Verwirrung langsam gelegt hatte, und ich seitdem einfach unglaublich Lust auf Gonjasufis Songs habe. Gonjasufi hatte auf der Bühne eine extreme Präsenz, sprang, tanzte und zuckte wie wild und hatte nach wenigen Minuten schon sein erstes Shirt durchgeschwitzt. Und obwohl seine Stimme wie gewöhnlich klang, als stünde er mit einem Megafon im Nebenzimmer, spürte man, wie viel Leidenschaft der Teilzeit-Yoga-Lehrer aus Las Vegas in seinen Vortrag packte – egal ob er sich bei „She Gone“ die Seele aus dem Leib schrie oder bei „Sheep“ zart ins Mikrofon hauchte. Die beiden DJs, die unter dem Namen Skrapez selbst ziemlich irre Musik machen, tobten sich an den Turntables und am Drum Pad aus und machten Gonjasufis Songs mit wilden Breaks noch ein Stück dynamischer. Und Dave? Der filmte mit seinem Handy hauptsächlich die riesige bunte LED-Wand hinter der Band.
Als nach der vierten Zugabe schließlich das Licht anging, fühlte man sich ein wenig, als hätte einem jemand ein Brett um die Ohren gehauen, aber auf eine gute Art und Weise. Und Amanda Marshall sitzt immer noch auf dem Thron der besten Vorband.
Lärm der Woche: Über die Kunst Saiten-Virtuose zu werden
28.06.2012 von Redaktion

Das Wichtigste in Sachen Musik und Pop-Kultur, dieses Mal wieder zusammengestellt von Ruben Jonas Schnell aus New York – das ist der Lärm der Woche. Die Koproduktion mit den Kollegen von DRadio Wissen hört Ihr bei uns jeden Donnerstagvormittag im ByteFM Magazin am Morgen.
An dieser Stelle findet Ihr jetzt jeden Donnerstag den aktuellen Lärm der Woche zum Nachhören.
Und dieses Mal im Lärm der Woche begeht Ruben Jonas Schnell den 10-jährigen Todestag von The Who Bassist und John „Thunderfingers“ Entwistle. Ein weiterer Vertreter der Clique der großartigen Saiten-Virtuosen ist Lee Ranaldo von Sonic Youth, der gerade sein Soloalbum veröffentlicht hat und uns verriet, wie Gitarren auch mit schlechter Spieltechnik gut klingen können. Außerdem gibt es Musik von und Infos über DIIV aus Brooklyn – die nannten sich ursprünglich Dive (wie das englische ‚tauchen‘), den Namen gab es allerdings schon und so wurde die Schreibweise kurzerhand geändert. Ausgesprochen werden sie allerdings immer noch gleich.
Mehr zu DIIVs großartigem neuen Album „Oshin“, der traurigen Geschichte der Band Echo Lake und neuen Sound-Klauereien der Werbeindustrie – das alles gibt es hier zum Nachhören!
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Lärm der Woche vom 28.06.2012
Tickets für Lee Ranaldo
27.06.2012 von Redaktion

Lee Ranaldo (Stefano Giovannini/Matador)
ByteFM präsentiert Lee Ranaldo. Als Gründungsmitglied, Gitarrist und Songwriter der Band Sonic Youth gehört er zu den einflussreichsten Musikern unserer Zeit, jetzt kommt Ranaldo mit seinem neuen Soloalbum „Between the Times and the Tides“ auf Tour. Ranaldo vereint Folkrock-, Powerpop- und Post-Punk-Anleihen zu einem großen Rockalbum und gibt in sehr persönlichen Texten so viel von sich preis, das man meint, ihn genau zu kennen. Ihn, einen der einflussreichsten Musiker unserer Zeit.
Wir verlosen exklusiv unter Mitgliedern des Fördervereins „Freunde von ByteFM“ für jedes Konzert von Lee Ranaldo 2×2 Karten. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns einfach bis zum 30.06. eine Mail mit dem Betreff „Lee“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.
Ihr seid noch kein Mitglied in unserem Förderverein? Hier erfahrt Ihr, wie Ihr ByteFM unterstützen und die Vorteile einer Mitgliedschaft genießen könnt.
02.07.2012 Hamburg – Westwerk
03.07.2012 Schorndorf – Manufaktur
04.07.2012 Köln – Gebäude 9
05.07.2012 Berlin – Lido
Neue Platten: „The Cinematic Orchestra presents: In Motion pt. 1″
27.06.2012 von Diviam Hoffmann
Ninja Tune
7,6
Seit Jahren wird die Musik von The Cinematic Orchestra unter Filme, Disneyproduktionen und Naturdokumentationen, aber auch amerikanische Serien und Werbefilme gelegt. Doch das Orchester um den englischen Produzenten und Songschreiber Jason Swinscoe ist viel mehr als nur Soundtrack-Klassik à la Hans Zimmer. Mit verschiedenen, begleitenden Musikern sieht Swinscoe schon von Beginn an die Verbindung von Sound und Bild als wichtigen Teil und Inspiration seiner Kompositionen. Er versucht, eine Brücke zwischen Soul, Jazz und elektronischen Elementen zu bauen, ohne auch nur in die Nähe des momentan so beliebten Electroswings zu kommen. Die Musik des Cinematic Orchestra klingt groß und tief. Nach vielen Gedanken, Gefühlen – und Bildern.
Zu den zahlreichen Gastmusikern, die Swinscoes Gruppe auf ihren zahlreichen Alben unterstützen, gehört zum Beispiel der kanadische Künstler Patrick Watson. Er sang unter anderem „To Build A Home“ und wird von manchem zum festen Arrangement des Orchestra gezählt. Eine weitere Künstlerin, die viel mit dem Orchestra zusammen gearbeitet hat, ist die US-amerikanische Soulsängerin Fontella Bass. Sie schufen zusammen zum Beispiel das groovige „Evolution“. Doch auch die Hilfe von Streicherquartetten und verschiedenen klassischen Orchestermusikern wird immer wieder in die Songs gebettet, sodass die Grupppe um Jason Swinscoe immer wieder um verschiedene Instrumente und Stile erweitert wird.
Eines der ersten Großprojekte des Cinematic Orchestra war die Neuvertonung eines Stummfilms aus dem Jahr 1929 mit Musik aus dem Jahr der Jahrtausendwende. „The Man With The Movie Camera“ zeigt Straßenszenen, Menschen, Verkehr der 20er-Jahre in einer Großstadt der UdSSR. Die Musik scheint wie dazu geschaffen, und wirft sich und den Film gleichzeitig aus der Zeit. Nach der Entstehung für die Live-Situation wurde dieser „Soundtrack“ auch auf Platte veröffentlicht und inspirierte spätere Stücke.
In diese Richtung geht auch die neue Veröffentlichung der Briten, „The Cinematic Orchestra presents: In Motion pt. 1“. Das Wörtchen „presents“ und die Auflistung der „Featurings“ dahinter, von denen eines The Cinematic Orchestra selber ist, zeigt die Richtung dieses Albums: Jason Swinscoe bat befreundete Musiker, Produzenten, Labelkollegen und ehemalige Gastmusiker seines Projekts, Kurz- oder Stummfilme neu zu vertonen oder sich von ihnen inspirieren zu lassen. Die darauf vorhandenen Stücke von The Cinematic Orchestra wurden bereits auf Konzerten gespielt, um sie nun auf dieser Platte zu bündeln und durch Vertonungen von anderen Künstlern zu ergänzen. Diese sind der sehr junge Pianist Austin Peralta, der New Yorker Folk-Musiker Grey Reverend, der das Cinematic Orchestra auch schon seit einiger Zeit live unterstützt, sowie eine Formation bestehend aus dem österreichischen Produzenten und Klangbastler Dorian Concept und dem Stamm-Saxofonisten des Orchestras, Tom Chant.
Der Einstieg in die Platte erfolgt durch das mit knapp achteinhalb Minuten kürzeste Stück vom Orchestra selbst. „Necrology“ ist ein hervorragendes Intro und wird nur durch zwei weitere Produktionen der Presenter selbst ergänzt. Eine davon ist „Entr‘acte“ – ein wundervolles Stück, man traut sich nicht, es so zu nennen, es sind schließlich mehrere „Lieder“, die sich ineinander zu einer 20-minütigen Komposition fügen und voller Bilder und Emotionen stecken. Es wurde komponiert zum gleichnamigen Kurzfilm von René Clair aus dem Jahr 1924 und schon im letzten Herbst gezeigt und live gespielt. Die Mitte von „In Motion pt. 1“ bilden vor Beginn dieses langen Riesenmusikstücks die eher ruhigen Beiträge von Austin Peralta und Grey Reverend, sowie das in zwei Stücken erfolgende Zusammenspiel des in Deutschland bekannteren, österreichischen Produzenten elektronischer Musik Dorian Concept und des Jazzers Tom Chant, das deutliche Free-Jazz-Züge trägt, welche den inspirierenden Kurzfilm „Outer Space“ von Peter Tscherkassky, erst 1999 veröffentlicht, vermutlich gut ergänzen.
Es ist allerdings schwierig, diese Musik als Platte zu beurteilen. Was aus den vorherigen Produktionen des Cinematic Orchestra bekannt ist, nämlich, dass man unwillkürlich Bilder im Kopf hat, überlegt, in welchem Film diese so cineastisch angelegten Kompositionen Verwendung finden könnten, ist hier verkehrt. Es gibt Vorbilder. Obwohl sie weder aus der gleichen Zeit noch aus dem gleichen Themenbereich stammen, erhält das Album mit den Ergebnissen der unterschiedlichen Musiker eine homogene Grundstimmung und ist trotz unterschiedlicher Schaffenden ein Ganzes – auch wenn der visuelle Part nicht mitgeliefert wird.
Letztlich sind es aber zwei verschiedene Paar Schuhe: Man schaue sich die neu vertonten Stummfilme an (was auf einigen Videoportalen sogar möglich ist, siehe unten) und erfreue sich an dem Zusammenspiel, oder aber man höre nur die Vertonungen, wozu man mit dieser Veröffentlichung ja regelrecht gelenkt wird. Zweiteres gelingt dabei ebenfalls ausgesprochen gut, und schafft dem Hörer die Möglichkeit, seinen eigenen Film zu sehen.
Label: Ninja Tune | Kaufen
Das Lüften Festival – Frankfurts kreativer Luftstoß
26.06.2012 von Marie Glassl

Foto: Die Performance-Gruppe Theater im Bahnhof, die beim Lüften Festival zu sehen war
Eine kleine Bemerkung vorneweg: Wieso dieses wirklich großartige Festival einen Namen hat, der nach muffeligen Mottenkugeln, dicken Staubschichten und der Vertreibung derselben durch aufgerissene Fenster, Putzwahn und Bettenausklopfen klingt – das wissen wohl nur die Veranstalter. Vielleicht liegt es daran, dass das Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm, ansonsten Kurzzeit-Heimat für Konzerte, Kultur, Theater- und Kunstperformances, zur Sommerpause antrat, sich Zeit zum Aus-„Lüften“ genommen hat und diesen kreativen Luftstoß kurzerhand zum Festival hat mutieren lassen.
Alles in allem eine rundum sympathische und gute Idee – das Lüften Festival sollte nicht nur den Veranstaltungsort (eine riesige Konzerthalle gegenüber eines Farbwerkes außerhalb von Frankfurt, zu der selbst Bewohner ungern bis selten aufbrechen), sondern auch das klassische Festivalkonzept durchlüften. Das Lüften sollte eine Verbindung schaffen, zwischen 160 aufregenden Künstlern aus Pop, Performance, Tanz und bildender Kunst.
Das Gelände der Jahrhunderthalle Frankfurt wurde diesem Zweck entsprechend umstrukturiert. Die große Halle selbst wurde – einem Freiluft-Festival angemessen – nur spätabends oder für große Theater-/Tanzperformances (unter anderem einem brasilianischen Stück an dessen Ende alle Tänzer nackt über die Bühne rannten und krochen!) genutzt. Dafür wurden im Erdgeschoss des Gebäudes zahlreiche kleine und verwinkelte Konferenzräume geöffnet, in denen Konzerte, Performances und ständige Kunstaktionen auf den Besucher warteten. Besonderer Leckerbissen und Publikumsliebling war unter anderem eine Auto-Rennstrecke aus Schallplatten und Getränkekisten. Der riesige Parkplatz wurde von den Veranstaltern kurzerhand zu einer ARTCARGOBAY umgebaut (jeder der Künstler hatte sein eigenes Auto als Präsentations-Plattform), auf der es weniger um den konsumgeleiteten Vertrieb der eigenen Erzeugnisse ging, als darum, die Besucher mit künstlerischen Aktionen jeglicher Art zu begeistern. Ganz besonders angetan waren wir u. a. von dem Björn Sund Trio: Drei Männer in Trainingsanzügen, die „Angry Jazz“ und 43 Jahre Woodstock feierten, einer schweizer Performance-Gruppe, die den Zerfall der Menschheit mithilfe einer „Live-Simulation“ und der Zuschauer demonstrierte (und deren Mitglieder zu laufenden Bäumen und Fellmonstern mutierten), außerdem von einem Space-Konzert der Gruppe Les Trucs, die jeden Abend die musikalische Reise auf den Planeten Kristallo unternahmen und von dem Lyrik-Bus, in dem Passanten ihre „schönsten Worte“ zu großen Gedichten umformen konnten. Auch für das leibliche Wohl war natürlich gesorgt, rund um den Löschteich konnten Speis und Trank von Bratwurst und Bier bis zum veganen Sandwich und türkischem Kaffee erstanden und anschließend auf der Wiese verspeist werden. Musikalisch gab es viel zu hören und zu sehen – schon ohne das wirkliche Musik Line-up überhaupt betrachtet zu haben.
Das eine Betrachtung allerdings mehr als verdient! Der Freitag begann eher gemächlich, unter anderem mit sanften Klängen der Band Get Well Soon, gefolgt von den wunderbaren The Notwist, Ja, Panik und The Shins. Die Sonne schien und viele der (zugegebenermaßen ziemlich wenigen) Besucher saßen und lagen auf mitgebrachten Decken auf der Wiese oder tanzten ausgelassen herum. Highlight des Abends war wohl das The-Whitest-Boy-Alive-Konzert, zu dem sich gefühlt alle Besucher des Lüften aufmachten – wer wollte, konnte danach wie jeden Abend dank der DJs des Offenbacher In-Clubs Robert Johnson bis 7 Uhr früh die Nacht zum Tag machen. Und am Samstag gleich den großartigsten (Konzert-)Tag des insgesamt sehr schönen Festivals genießen: Beginnend mit dem mittäglichen Auftritt der Synthie-Bastler Peaking Lights (deren Musik übrigens auch ganz hervorragend zu Mittagssonne und Barfuß tanzen passt), konnten sich die geneigten Besucher beim wunderschönen Konzert von Gravenhurst und Jacques Palmingers LSD-Vorlesung der besonderen Art durch den Nachmittag tanzen. Neben den frisch wiedervereinigten Dexys gab es coole Musik von Dillon und dann war man schon an (zumindest meinem) Traum-Konzert des Wochenendes angelangt.
Pünktlich zur Geisterstunde spielte James Blake das wahrscheinlich kleinste Konzert seit einiger Zeit. In der riesigen Konzerthalle saßen Menschen in andächtiger Stille am Boden und lauschten den wunderbaren Synthie-Robot-Gesängen des Engländers. Unerreichter Höhepunkt des Lüften. Den leider verregneten Sonntag konnte man sich dank Kakkmaddafakka und Sharon Jones (gewaltige Stimme!) warm tanzen und bei Leslie Clio und Maximo Park weiter-zappeln, um mit Totally Enormous Extinct Dinosaurs‘ großartiger Bühnenshow (Konfetti-Pistolen!) und Alex Clare die letzten Kräfte herauszuschütteln. Und danach von Glückshormonen benebelt nach Hause zu schwanken, traurig dass es schon wieder vorbei ist.
Für eine Festival-Premiere haben es die Organisatoren des Lüften geschafft, unglaublich viele gute und anspruchsvolle Musiker auf die Bühnen zu bringen – und ganz besonders viele interessante Künstler, die man sich nicht nur anschaut, weil gerade nichts zu tun ist, sondern von denen ein Großteil extrem begeistern konnte! Das Ganze war wie eine kleine familiäre Kunst-Kommune: spannend, freundlich, schön. Die Chance, Künstler wie James Blake in einem sehr intimen Rahmen zu sehen, war für alle Besucher unglaublich – aber auch der einzige Nachteil des Festivals. Vertreten war dort größtenteils die Frankfurter „Künstler“-Szene und nur sehr wenig Menschen von außerhalb.
Fürs nächste Jahr gilt also hoffentlich: genauso tolle Künstler, aber so viele Gäste, dass sich das Festival auch etablieren kann!
Die ByteFM Charts KW 26
25.06.2012 von Redaktion
Die am meisten gespielten Platten bei ByteFM in den vergangenen zwei Wochen. Mit einem Knall auf Platz Eins! Die Peakling Lights schieben sich von Platz 14 der Vorwoche an die Spitze der ByteFM Charts mit ‚Lucifer‘. Bobby Womack hat ebenso Aufwind und steigt auf Platz Zwei mit seinem wunderbaren Spätwerk ‚The Bravest Man In The Universe‘. Phantom Ghost geben eine Position ab und verweilen in dieser Woche auf dem dritten Platz mit ‚Pardon My English‘.
Die Peaking Lights schaffen es in dieser Woche auch auf den ersten Platz in den Trackcharts. Phantom Ghost kann Platz Zwei der Vorwoche halten, die Japandroids verlieren hingegen zwei Positionen und landen auf Platz Drei.
Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)
1. Peaking Lights – Lucifer (14)
2. Bobby Womack – The Bravest Man In The Universe (5)
3. Phantom Ghost – Pardon My English (2)
4. Hot Chip – In Our Heads (3)
5. Japandroids – Celebration Rock (1)
6. Alt-J – An Awesome Wave (7)
7. Beach House – Bloom (6)
8. Liars – WIXIW (9)
9. Dntel – Aimlessness (4)
10. A Place To Bury Strangers – Worship (neu)
11. Masha Qrella – Analogies (10)
12. Santigold – Master Of My Make-Believe (8)
13. Django Django – Django Django (-)
14. Totally Enormous Extinct Dinosaurs – Trouble (neu)
15. Chromatics – Kill For Love (12)
Die Trackcharts (Platzierungen der Vorwoche)
1. Peaking Lights – Cosmic Tides (neu)
2. Phantom Ghost – Phantom Of The Operette (2)
3. Japandroids – For The Love Of Ivy (1)
4. Liars – No.1 Against The Rush (11)
5. Santigold – Disparate Youth (12)
6. Bobby Womack – Please Forgive My Heart (4)
7. Hot Chip – Flutes (5)
8. A Place To Bury Strangers – Mind Control (neu)
9. David Byrne And St. Vincent – Who (neu)
10. Masha Qrella – Take Me Out (13)
11. Dntel – Still (3)
12. Alt-J – Something Good (6)
13. Beach House – Myth (7)
14. Alabama Shakes – Hold On (-)
15. Chromatics – Lady (9)
Und jetzt neu: ab sofort sind die ByteFM Albumcharts auch beim Musikstreamingdienst WiMP gelistet. Dort habt Ihr die Möglichkeit die Alben in voller Länge anzuhören. Darüber hinaus natürlich auch noch viel mehr, aus dem gesamten Angebot auf WiMP.
Das Avantgarde-Festival: Three Days of Utopia
25.06.2012 von Alexandra Friedrich
Foto: Faust live by Erin Troseth
Harmonie und Disharmonie können sehr nah beieinander liegen, das zeigte sich am letzten Wochenende beim Avantgarde Festival – ein einträchtiges Miteinander bei bisweilen recht disharmonischen Klängen. Gastgeber des Festivals war zum mittlerweile neunten Mal Jean-Hervé Péron, Mitbegründer der legendären Krautrocker Faust. Er und seine Frau Carina Varain öffnen jeden Sommer ihren Hof für Connaisseure experimenteller Klänge.
Im idyllischen Schiphorst in Schleswig-Holstein versammeln sich da drei Tage lang ein paar hundert Musikfreunde. Ein übersichtliches und angenehm erwachsenes, unszeniges Publikum ist das, eher Hippie als Hipster. Das Beisammensein ist unglaublich entspannt – die Kunst steht hier eindeutig im Vordergrund. Und damit sind wir bei dem mitunter auch disharmonischen Teil des Festivals: Denn das, was sich hier auf der Bühne abspielt, ist nicht immer melodiös und im herkömmlichen Sinne wohlklingend – es darf auch mal krachen und dissonieren. Nicht etwa, weil die Musiker ihr Instrument nicht beherrschten (im Gegenteil), sondern weil der Begriff von „guter Musik“ oder Musik im Allgemeinen hier weiter gefasst wird.
Klar darf auch mal getanzt werden, wie bei den Londoner Glam-Kids Maria & The Mirrors oder den Hamburgern The Ape, aber seichte Berieselung oder stumpfe Partymucke sind hier fehl am Platz. Die Musik und die Performances beim Avantgarde Festival erfordern genaues Zuhören und eingehende Betrachtung – und dem kommt das Publikum andächtig nach, denn es möchte verstehen, was ihm dargeboten wird. Das Line-Up setzt sich zusammen aus einer ausgewogenen Mischung von männlichen und weiblichen Künstlern – es reicht von Solo-Musikern bis zu Orchestern, von ganz jungen Künstlern bis zu Musiklegenden, die Musiker rekrutieren sich aus der unmittelbaren Nachbarschaft oder kommen aus Japan und den USA angereist.
Das „Umuligt Instrument“, also das „unmögliche Instrument“, beispielsweise ist eine junge Dänin, die in einer fleischfarbenen Ganzkörper-Strumpfhose gewandet auf ihrem verkabelten Körper durch Klopfen und Reiben Musik macht. Oder die junge Hamburgerin Fee Kürten alias Tellavision, die ebenfalls ganz allein auf der Bühne steht und das Publikum mit ihren Klängen verzaubert – erzeugt auf teils traditionellen Instrumenten (Gitarre, Synthesizer), teils unkonventionellen Gerätschaften (wie Pappkartons), geloopt und begleitet durch ihre feine Stimme. Erst 16-jährig sind außerdem drei Schülerinnen, die angeleitet durch den Hamburger Musiker Sascha Demand Musik mit Papier machen.
Aber auch grauhaarige Herrschaften sind vertreten – wie beispielsweise der Franzose Charlemagne Palestine: Ein kleiner zerzauster Herr sitzt auf der Bühne, gekleidet mit pinkfarbener Hose, auf seinem bunten Hemd sind Hundewelpen abgedruckt, zu seiner Rechten liegt ein ganzer Haufen Kuscheltiere. Meditative Klänge dringen aus seinem Laptop, dazu reibt er sein Rotweinglas und macht Geräusche, eine Art Summen. Zunächst ist man vielleicht noch leicht belustigt, wird aber irgendwann von der Musik gefangen, gerät schließlich in einen fast meditativen Zustand und ist zum Schluss ganz ergriffen durch seine immer eindringlicher werdende Stimme.
Alljährliche Highlights sind der Auftritt des Gastgebers selbst mit Faust & Friends und die Performance von Uwe Bastiansen (u.a. ehemals Abwärts), der als Stadtfischflex bei jedem Festival andere Musiker um sich schart. Großartig auch das fünfköpfige Hamburger Tumorchester und das norwegische Duo Psykisk Tortur. Unbedingt zu erwähnen ist auch der heimliche Star des Festivals: die sagenhaft deliziöse „Avantgarde-Wurst“, erzeugt vom ortsansässigen Metzger.
Enttäuschend hingegen der von den Einen als „weltbester Entertainer“ betitelte, von den Anderen als weltnervigster Selbstdarsteller empfunden: Zan „Bodycocktail“ Hoffman. Ein Teenager im Körper eines erwachsenen Mannes, der sich schon für das Aussteigen aus dem Taxi feiern lässt und nie ohne sein „Hello Kitty“-Handtuch unterwegs ist. Ein wenig unangenehm berührt auch Tonia Reeh, die (mit zugegebenermaßen beeindruckendem Organ zu virtuosem Klavierspiel) über einen Eimer voll Scheiße und das Auf und Ab beim Oralverkehr singt.
Aber vollkommen gleichgültig, ob etwas gefällt oder nicht, die Zuhörer begegnen sich hier gegenseitig sowie allen Künstlern mit dem gebührenden Respekt. „Three Days of Utopia“ lautet der Untertitel des Avantgarde Festivals – und tatsächlich verwandelt sich Pérons Bauernhof in Schiphorst während dieser Tage in eine kleine wunderbare Parallelwelt. Im kommenden Jahr feiert das Festival seinen zehnten Geburtstag und wir dürfen schon jetzt gespannt sein, womit Jean-Hervé uns zu diesem Anlass überraschen wird.
Yello Kitty – das neue Video zur Sendung vom 25.06.
25.06.2012 von Redaktion

Electropunk, Nipponneon, Pixelkompositionen – der Soundtrack zum Animé und der Klang von Sprites in Bewegung, das ist die zentrale Spielwiese der ByteFM Sendung Yello Kitty. Aber auch im Videobereich gilt: Es müssen nicht die sündhaft teuren Produktionen der großen Studios sein. Der vor Jahrzehnten langwierig entstandene Videoclip als Schnittstelle zwischen Visual Art und Musik ist als Kunstform auch bei D.I.Y-Künstlern kein bloßes Beiwerk oder Gimmick, sondern Teil eines multimedialen Konzepts. Und längst auch ein sehr bezahlbarer.
Da kann schnell der Verdacht aufkommen: Yello Kitty kann nicht lange „nur“ Musiksendung bleiben…und die Befürchtung wird Realität! Mangas bekommen große Augen und zu 8-Bit dürfen die Pixel fliegen – Yello Kitty jetzt zum Hören UND Sehen.
Martin Spiller himself stellt die drei beliebtesten/kreativstesten/ungewöhnlichsten Musikvideos der Yello Kitty-Radiosendung vor – journalistisch eingeordnet, mit Informationen gespickt und knackig präsentiert bei ByteFM.
Androide, humanoide Mischformen, vernetzte Menschmaschinen – Yello Kitty hat ein Herz für Avatare jeglicher Art, und deshalb sind auch die besten drei Videos der neuen Ausgabe Yello Kitty voll von den putzigen Robotern, die in naher Zukunft die Menschheit unterjochen werden.
Und für alle, die den Fernseher aus dem Fenster schmeißen und nur noch einen Kanal gucken möchten: Im YouTube-Channel von ByteFM findet Ihr alle Videoausgaben zum immer wieder und wieder und wieder und wieder angucken!
Yello Kitty läuft alle zwei Wochen montags von 22 bis 23 Uhr.
DIIV – „Oshin“
25.06.2012 von Sören Nikolaus
VÖ: 29.06.2012
Web: DIIV | Captured Tracks
Label: Captured Tracks
Die Story ist so klischeehaft, dass man sie am liebsten gar nicht erzählen würde. Aber gut, nennt sich eine Band Dive (so hieß das Projekt bis zuletzt, und sogar Versionen das Albumcovers mit dem „alten“ Namen sind im Netz noch zu finden), dann möchte man schon gerne wissen, warum. Vor allem, wenn die Musik klingt, als habe man den shoegazenden Slowdive einfach das „Slow“ gestrichen.
Als der Initiator des Projekts Zachary Cole Smith nach kurzer Zeit das Potenzial zu erkennen glaubte, den ersten Songs eine komplette Band folgen zu lassen, traf er in den Untiefen der Brooklyner Musikszene den Bassisten Devin Ruben Perez und der, ja, der hat offensichtlich einen weg: „He explained exactly what was perfect to me once on an acid trip, but I could not tell you what he said – he wrote me this epic text about how everything lines up and then he called me at 5 a.m. and explained everything. I was groggy, but I remember it definitely involved how the Nirvana song „Dive“ is actually about us. Everybody in the band is a water sign…“ Ein Acid-Trip, Astrologie und ein Nirvana-Song, wirklich? Na super. Fehlt nur noch die unmittelbare interstellare Begegnung mit Mr. Cobain persönlich. Aber gut, blendet man den Hintergrund aus, bleibt ein wirklich schöner Name und der Umstand, dass eine belgische Industrial-Band das Anfang der 90er-Jahre ebenso sah. „I don’t really give a fuck what the band is called. I originated this project in a bedroom with no internet and didn’t know it would ever leave…“ Da man sich nicht mit solch oberflächlichen Belanglosigkeiten wie Namen beschäftigt, wurden Dive respektvoll zu DIIV.
DIIVs impressionistischer Gitarrenpop lädt zum Träumen ein. Direkt der erste Song auf ihrem ersten Album „Oshin“, „(Druun)“, ist ein traumhaftes Abbild ihres Spektrums. Kein perfekt belichtetes Bild, keine kunstvolle Darstellung, eher eine verwaschene Fotografie in Polacolor, die ihre Schönheit durch eine subtile Frugalität erlangt. Ein Bild, dessen Ausdruckskraft nicht an den Inhalt, sondern an der Präsentation ebenjenes Bildes knüpft. L‘art pour l‘art.
Die Komposition vermittelt den Eindruck eines nachdenklichen Schwelgens im Moment. „Oshin“ ist mal die Leichtigkeit eines frühen Frühlingstages, mal die Kraft eines heißen Sommertages. Mal bringt es herbstliche Melancholie, mal winterliche Kühle. „Oshin“ ist so stark, weil es, während man gedankenvoll zurückblickt, stets den nächsten Moment findet. Weil die Gradwanderung gelingt und es trotz seiner stilistischen Ausgewogenheit genügend Kontrast besitzt. So folgen dem relativ klaren Bild aus dem einführenden „(Druun)“ mit „Past Lives“ und „Human“ zwei stark verwischte Stücke mit 80er-Anleihen, in denen der Gesang kaum wahrnehmbar die Gitarrenebenen umhüllt. Auch das ist Shoegazing. Kurz bevor man jetzt das Gefühl hat, eingelullt zu werden, bringt einen das Bass-Synth-getriebene „Air Conditioning“ mit seinem repetitiven Kraut-Riff wieder zurück auf den Boden.
Und so geht es immer weiter. Stilprägend für das Album sind wie bei diversen Captured-Tracks-Labelmates (beispielweise die Beach Fossils, an denen Smith auch beteiligt ist) und anderen zeitgenössischen Bands die Shoegaze-Anleihen. Erinnert fühlt man sich immer wieder auch an Bradford Cox’ Deerhunter. Wie diese aber sind Smith und Co. zu intelligent, um sich mit dem übertragen des Early-90s-Vibes zufriedenzugeben. Das Songwriting und die Songs strotzen nur so vor klugen Einwürfen aus allen Richtungen. Kraut. Psychedelic. Wave. Auch das Tempo ändert sich immer wieder. Mittendrin wird „(Druun)“ dann noch einmal von einer anderen Seite beleuchtet. Huch, auf einmal hat sich eine Prise „Daydream Nation“ (Anm. d. Red.: ein Sonic-Youth-Album) auf das Album geschlichen. Noise. Punk. Und dann folgt die träumerische Hymne des Albums: „Follow“. Eine spontane Liebe.
Auch beim Einweben der Referenzen gelingt eine Gradwanderung: Niemals wird übertrieben, nichts wird zu sehr ausgereizt. Ganz kleine Brüche im homogenen Raum werden zugelassen oder sind sogar gewollt. Die meiste Zeit raubte wahrscheinlich gar nicht das klassische Songwriting, sondern das Finden des passendes Sounds. Das Potenzial und die Liebe zum Detail aus dem Studio heraus auf ein Album zu bringen, ist eine schwierige Aufgabe. Das Album klingt so gut abgemischt, dass es eine souveräne Leichtigkeit versprüht. Es ist zu befürchten, dass hinter der Leichtigkeit harte, harte Arbeit steckt.
Das ByteFM Album der Woche.
Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.
Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „DIIV“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.
Label: Captured Tracks | Kaufen










