Neue Platten: Holmes – „Burning Bridges“

19.04.2012 von  

Black Star Foundation(Black Star Foundation)

7,1

„Have I Told You Lately That I Loathe You“ – so der großartige Titel des letzten Albums der schwedischen Band Holmes. Dieses erschien 2010 und bekam auch in Deutschland einige Aufmerksamkeit: Man fragte sich, woher die wenigen Einwohner Schwedens so viel gute Musik nehmen und lobte, dass sie so sentimental und fühlend sein können. Die neue Platte der sechs Göteborger von Holmes, die schon viele Jahre kollektiv zusammen Musik machen, nennt sich nun „Burning Bridges“ und bekommt sogar noch mehr Aufmerksamkeit.

Da überlegt man, ob nicht etwas übertrieben wird, ob nicht jeder Musikblog derjenige gewesen sein will, der Holmes zuerst entdeckt und gehypet hat. Denn eigentlich erscheint mir Holmes gar nicht so brisant. Beschrieben wird Holmes’ Musik als schwedischer Folk. Und es ist jene Seite dieser so blühenden Musikrichtung des Folks, die oft mitschwingt, aber nicht in dessen Zentrum steht, die Holmes zu sehr fokussieren: akkordeonlastige Mundharmonika-Balladen – und dadurch wirkt alles nicht mehr sensibel komponiert, sondern eher kitschig. So kommt es, dass der Pressetext Holmes in eine Folk-Ecke setzt, in der sie schlecht abschneiden. Denn, was sie sehr gut machen, ist der unfolkige, unprätentiöse, elektronischere Teil des Albums. Der tatsächlich so klingt, als hätten sie viel Sigur Rós gehört, ohne nur die abgefahrenen Traum-Sounds zu bieten.

Leider sind die Songs nicht immer so verhalten. Nach dem netten Opener „Brothers“, erwischt uns Song zwei „Bells“ sehr poppig-melodramatisch, mit Piano und heulender, elektrischer Gitarre. Das klingt irgendwie so, als hätte man es schon mal gehört. Was das Stück und auch die anderen balladigen Pop-Nummern aus der Radio-Hitlist entfernt, ist die leicht rauchige, irgendwie unkonkrete, hauchend-murmelnde Stimme des männlichen Sängers. Sie erinnert manchmal fast an Solander. In den besten Momenten musste ich überhaupt an diese andere sensible, schwedische Band denken. Diese Ähnlichkeit aber der Gesamtplatte zu attestieren, würde ich letztlich nicht wagen.

Anspieltipps sind das ruhige „Vinter“ und die schon für den Albumteaser benutzte Single „Debris“. Die ebenfalls im Teaser zu hörene akustische Version von „All I Had In Store“ überzeugte mehr ohne den Gesang, der den Song trotz des schönen Timbres fast schmalzig macht. Das Abdriften in die Schmalzigkeit und der leichte Hang zur Eintönigkeit ist das Manko dieser Platte. Vielleicht ist es aber auch nur die im Pressetext angekündigte schwedische Melancholie. Oder das extra Paket Gefühl, das dieser Platte angeblich beigelegt wurde. Hier müssen Holmes aufpassen, denn ansonsten haben sie etwas sehr Schönes erarbeitet.

Das wunderbare Artwork verdient ĂĽbrigens auch eine Erwähnung. Es kommt wie bei allen bisherigen Veröffentlichungen Holmes’ von der finnnischen KĂĽnstlerin Anna Emilia Laitinen. Der Moment, in dem man die Platte in die Hand nimmt, war bei Holmes’ Werk ziemlich gut. Eine sich gut anfĂĽhlende CD – oh, reduzierende digitale Welt – auch das macht das aus, was wir hier vor uns haben: skandinavische Schönheit in der Optik – und na gut, eigentlich auch im akustischen Bereich.

Label: Black Star Foundation | Kaufen