Neue Platten: Puta Madre Brothers – „It’s A Long Long Way To Meximotown“

22.03.2012 von  

(Rookie Records)(Rookie Records)

7,7

Vamos muchachos! Mit den Puta Madre Brothers geht’s auf zum wilden Roadtrip nach Meximotown. Ganz im Stile eines Tex-Mex-Spaghetti-Westerns mit einem Grindhouse-Soundtrack-Charakter.

Die Tour startet 2007 in Down Under. Drei Hombres vergessen ihre Sombreros und setzen sich mit einem Haufen Gitarren und Drums mitten in die aggressive australische Sonne, so jedenfalls kommunizierte eine Quelle des Labels Rookie Records den möglichen Anfang der weltweit einzigen australischen Mariachi-Kombo, welche sich auch gern als One-Man-Band ausgibt. Nach einigen Shots Tequila und ein paar scharfen Jalapeños, fühlen sich Anto Macaroni, Pikkle Henning und Renato Vacirca weniger als Cowboys des australischen Outbacks denn vielmehr als wahre mexikanische Mariachis.

Sicher in ihrer Mission, auch dem größten Tanzmuffel richtig Feuer unterm Arsch zu machen, stĂĽrzen sich die drei verbrĂĽderten „Hurensöhne“, bewaffnet mit Kuhglocken, FuĂź-Marracas und anderem instrumentalen Gedöns in den folgenden drei Jahren in den Live-Performance-Krieg. Laut den höchst amĂĽsanten Geschichten ihrer Internetpräsenz, wurde dabei auch der eine oder andere Konzertteilnehmer mit Tanzverletzungen ins örtliche Krankenhaus eingeliefert.

Verständlich, dass die Kombo bei so viel Action erst 2010 mit ihrem DebĂĽt fertig wurde. Dieses wurde dann im April unter dem klangvollen und ebenso sinnlosen Titel „Queso Y Cojones“ veröffentlicht. Weder auf diesem noch auf ihrem neuen Album „A Long Long Way To Meximotown“, versuchen die BrĂĽder, ihre mangelhaften Spanischkenntnisse zu vertuschen, welches dem Ganzen umso mehr Charme verleiht.

Wie jeder gute Soundtrack zu einem mittelamerikanischen Roadtrip startet auch „A Long Long Way To Meximotown“ mit einem Kofferraum voll 70er-Jahre-Garagesound, gezupfter Themen und mexikanischen Mariachi-Ausrufen aus dem Background. Bereits hinter dem zweiten Titel „Todo El Asunto“ versteckt sich ein Cover des Those-Darlins-Hits „The Whole Damn Thing“. Nach dem kurzem Intermezzo „Chicken Chase The Donkeys“ geht es weiter mit einer funkigen Coverversion von „Dodo Blues“ des australischen Blueshelden C.W. Stoneking („Blues Dodo“). Bei „The Young Horse“ fĂĽhlt sich mancher Hörer gewiss auch an die Country-AusflĂĽge von Ween erinnert.

Da die drei Möchtegern-Mexikaner frei von jeglichen mittelamerikanischen Wurzeln sind, bleibt fĂĽr den textlichen Feinschliff der spanischsprachigen Songs und tiefgrĂĽndige Botschaften eher wenig Platz. Somit widmen sie ihre Songs inhaltlich jenen Männern, die sie gerne als Väter gehabt hätten („A Theme For Vincent Fernandez“) oder ihren hässlichen Hunden („Mi Perro Es Tan Feo“).

Am Ende dieser abenteuerlichen Reise durch die trashigen Landschaften des Lo-Fi-Mariachi-Sounds ist klar, für wen diese Platte die größte Freude sein wird: B-Movie- und Spaghetti-Western-Fans und Amateur-Filmemacher des Grindhouse- und Splatter-Genres. Für alle anderen bleibt dann nur noch die Botschaft: Tanz-Sporen an, Tequila auf den Tisch und darauf warten, bis die Hombres bei uns vorbeireiten, denn live wird die dreiköpfige One-Man-Band wohl auch den letzen Skeptiker von ihrer Fiesta überzeugen können.

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