Neue Platten: Krixi, Kraxi und die Kroxn – „Die Gegenwart hängt uns schon lange zum Hals heraus“

29.02.2012 von  

(Problembär Records)(Problembär Records)

9,5

Nachdem Nino Mandl (Der Nino aus Wien) und Natalie Ofenböck alias Krixi, Kraxi und die Kroxn ihr DebĂĽtalbum „Die Gegenwart hängt uns schon lange zum Hals heraus“ bereits im vergangenen Jahr drei Monate lang zum Gratisdownload online gestellt haben, erscheint dieses nun auch physisch, erweitert um ein paar Bonustracks.

Wer Krixi, Kraxi und die Kroxn noch nicht kennt, hat nun die Chance (na ja, eher die Pflicht – so gut sind sie!) das nachzuholen. Die neu Songs auf „Die Gegenwart …“ wurden von Mandl und Ofenböck zwischen Dezember 2010 und Juni 2011 gemeinsam geschrieben und dann mithilfe „besonderer Menschen“ (O-Ton Pressetext), u. a. Dirk Stermann (die deutsche Hälfte des deutsch-österreichischen Duos Stermann & Grissemann) und Robert Rotifer, aufgenommen.

Und was das fĂĽr Songs sind! Angefangen mit dem groovy Opener „Hallo“ ĂĽber das wirkliche traurige StĂĽck mit dem einfallsreichen Titel „Traurig“ („Ich seh, ich seh, was du nicht siehst / ja, ich schau weg / weil du nicht sehen willst“) bis hin zu dem swingenden, waschechten Country-StĂĽck „Country Love“ offenbaren die Kroxn eine Facette nach der anderen ihres musikalischen Spektrums und Experimentierwillens (ohne dabei je angestrengt oder verkopft zu wirken) – ein Resultat des Zusammenspiels mit den verschiedenen Gastmusikern bei jedem StĂĽck.

Krixi, Kraxi und die Kroxn schaffen das bisher selten gelungene KunststĂĽck, wirklich lustigen Dada mit Musik zu verbinden, ohne dass der Witz nach dem dritten oder vierten Spin der Platte langweilig wird, was auch dem Umstand geschuldet ist, das hier auch auf platte Kalauer verzichtet wird. Gepaart werden die durch das Spannungsfeld der einfallsreichen Melodien aus dem Zusammenspiel von Mandl und Ofenböck geprägten Songs mit zuweilen tiefen Einsichten in die sehnsuchtsvolle Bedeutungslosigkeit der GroĂźstadt-Jugend, die den beiden Hauptprotagonisten sehr vertraut sein muss („Ich bin ein Partykäfer / wo ist die nächste Disco / was ist der coolste Club / aaah, ich bin ja schon längst drin / aaah, woanders bin ich ja nie“ oder auch „Ich bin so verliebt / in mein eigenes Profilbild / ich schaus mir immer an / das hab ich mir verdient“).

Das schöne an „Die Gegenwart …“ ist, dass hier keine Marketingstrategie, Zielgruppenausrichtung oder dergleichen dahintersteckt, sondern die beteiligten Musiker offenkundig die selbst gegebene Narrenfreiheit vollends auskosteten. Das Album scheint aus einer Idee entsprungen zu sein, wie sie originellen und witzigen Menschen wohl oft abends bierselig in Kneipen einfällt, aber am nächsten nĂĽchternen Morgen mit all seiner Realität zu selten den Weg in ebendiese schafft. „Die Gegenwart …“ ist eine ganz besondere Platte, wie sie es heute zu wenige gibt. Danke Krixi, Kraxi und die Kroxn, dass ihr uns an eurer Welt teilhaben lasst.

Label: Problembär Records | Kaufen

Ist das Kunst oder kann das weg?

29.02.2012 von  

Hier alle Links zu den Liedern der neuesten Ausgabe von der Initiative ‚Herz Statt Kommerz‘.
Und wie immer gilt: Falls die Links nicht funktionieren, weil die Künstler/Labels die MP3s von ihrer Seite genommen haben, bitte nicht böse sein. Wir selektieren und verlinken lediglich, weisen also nur auf die Downloads hin.

Phenomenal Handclap Band – Following

Here Wo Go Magic – Make Up Your Mind

The Weeknd – Same Old Song

Simian Ghost – Wolf Girl (Torkelsen Remix)

Violetness – The Coal

Hear Hums – Chit Akash

CFCF – Exercise #3 (Building)

Sophia Knapp – Close to Me

Young Magic – You With Air (Galapagoose and Wooshie’s Remix)

Galapagoose – Olivia (Beat Battle) / Pea Cascade

Spanish Prisoners – Cadillac From Yesterday

Spanish Prisoners-Downtown Chicagoland (PE1000 Version)

Noble Oak – Fast Summer)

Jullo – Ă  l‘envers

Tickets fĂĽr The Phenomenal Handclap Band

28.02.2012 von  

(http://www.facebook.com/phenomenalhandclapband?sk=photos)
The Phenomenal Handclap Band

Disco, Funk, Synthie-Pop, Soul, psychedelischer Rock – The Phenomenal Handclap Band mag sich nicht so recht entscheiden. Aber das muss die Band aus New York auch nicht, denn irgendwie schafft sie es immer, aus all diesen Genres (manchmal sogar innerhalb eines Songs) nostalgisch-groovende TanzflächenfĂĽller zu basteln.

ByteFM präsentiert The Phenomenal Handclap Band und verlost fĂĽr jedes Konzert 2×2 Karten. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns einfach bis zum 08.03. eine Mail mit dem Betreff „Handclap“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.

09.03.2012 MĂĽnster – Gleis 22
10.03.2012 Berlin – Bi Nuu

Neue Platten: Fabrizio Cammarata & The Second Grace – “Rooms”

(Panmondial)(Panmondial)

4,1

Fabrizio Cammarata fühlt sich inspiriert von Bob Dylan und Nick Drake, wie der Titel seines ersten Albums und aktuellem Alias-Begleitkollektiv „The Second Grace“ sagt: Es ist der Titel eines posthum erschienenen Nick-Drake-Albums mit bis dahin unveröffentlichten und alternativen Versionen alter Drake-Songs. Fabrizio Cammarata kommt aus Palermo, feierte wohl in Italien bereits einige Erfolge und durfte anerkannte Größen wie Devendra Banhart oder Iron & Wine im Vorprogramm unterstützen.

Sein zweites Album heißt „Rooms“ und gibt dem Italiener Raum für zehn Songs im poppigen Singer-Songwriter-Stil. Was bedeutet das? Die Musik soll kantig und nach britischen oder US-amerikanischen Singer-Songwriter-Traditionen klingen, ist aber soft und ein bisschen boybandig. Inspiriert also von Drake und Dylon, wird über diese gewollte Folkgrundlage zu viel Pop gelegt, um davon noch viel im Endprodukt zu spüren. Weitere Einflüsse sollen auch aus dem nordafrikanischen oder arabischen Raum kommen, dem Cammarata in seiner sizilianischen Heimat ja auch räumlich nah ist. Instrumente wie Tres (kubanisches Saiteninstrument) oder Tabla (indische Trommel) kann man erhören und sollen den musikalischen Hintergrund origineller gestalten. Am Anfang des Stücks „Alone And Alive” ist eine Sitar zu hören. Bei diesem Song handelt es sich um die erste Single-Auskopplung des Albums, welche vielleicht sogar das Zeug zu einem Mainstream-Ohrwurm hat. Stimmlich und inhaltlich leidet in diesem Lied der Mann ganz schön, doch das schadet dem Stück nicht. Die rauen Aspekte von Cammaratas Stimme machen dabei auch schon ein bisschen Spaß. Allerdings besticht auch dieser Song trotzdem nicht durch Komplexität und die erhoffte Folk- oder New-Folk-Sensibilität. Die Stärken dieses Albums liegen in den stilleren, stimmlich fast verzerrten Abschnitten, wie zum Beispiel im zurückhaltenden letzten Stück „Highlake Bay“ oder in „Down Down“, das ein bisschen nach Paolo Nutini klingt.

Vielleicht kommt am Ende auch nur wieder das alte Italienerklischee in der Rezensentin durch. Nein, es klingt eben nicht wie amerikanischer New Folk – was auch immer Musikschubladen sind –, sondern nach mittelmeergeprägtem Sonnenscheingesang im Innenhof eines zypressengesäumten Palazzos und einer instrumentalen Mischung, die zwar bestimmt technisch gut, aber leider zu viel, zu poppig und sehr langweilig ist.

Label: Panmondial | Kaufen

Die ByteFM Charts KW 09

27.02.2012 von  

Die am meisten gespielten Platten bei ByteFM in den vergangenen zwei Wochen. Prinzhorn Dance School können die Spitzenpositionen nicht halten und rutschen ordentlich ab. Field Music übernimmt diese Woche die Spitze, gefolgt von den senationellen Tindersticks, die aus dem Stand Platz Zwei erobern! Speech Debelle konnte sich nochmal um zwei Plätze verbessern und schafft es dadurch auf das Siegerpodest und Rang Drei.

In den Trackcharts erklimmt Field Music ebenfalls den ersten Platz. Of Montreal verteidigen ihren Vorwochenplatz und The Maccabees schleichen sich mit ihrem Ohrwurm auf den dritten Platz unser Trackcharts.

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Field Music – Plumb (3)
2. Tindersticks – The Something Rain (neu)
3. Speech Debelle – Freedom Of Speech (5)
4. Of Montreal – Paralytic Stalks (2)
5. Mohna – The Idea Of It (4)
6. Prinzhorn Dance School – Clay Class (1)
7. Soap And Skin – Narrow (9)
8. Krakow Loves Adana – Interview (neu)
9. Jazzanova – Upside Down (12)
10. Sharon Van Etten – Tramp (neu)
11. Cloud Nothings – Attack On Memory (8)
12. Phantogram – Nightlife (neu)
13. Kettcar – Zwischen Den Runden (7)
14. Young Magic – Melt (neu)
15. Perfume Genius – Put Your Back N 2 It (neu)

Die Trackcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Field Music – A New Town (5)
2. Of Montreal – We Will Commit Wolf Murder (2)
3. The Maccabees – Pelican (4)
4. Kettcar – Im Club (8)
5. First Aid Kit – Emmylou (neu)
6. Phantogram – Don’t Move (neu)
7. Tindersticks – Show Me Everything (neu)
8. Francois And The Atlas Mountains – Do You Do (6)
9. Jazzanova – I Can See (Feat. Ben Westbeech) (Ye:Solar Remix) (neu)
10. Team Me – Show Me (neu)
11. Mohna – 9 (-)
12. Prinzhorn Dance School – Seed Crop Harvest (1)
13. Die TĂĽren – Pop Ist Tot (3)
14. Mount Washington – Lisboa (neu)
15. Perfume Genius – 17 (neu)

ByteFM Tanzklub am 1.März 2012 im Fundbureau Hamburg

27.02.2012 von  

Die ersten Sonnenstrahlen, erstes leichtes Vogelgezwitscher… das lässt die Hoffnungen auf einen baldigen Frühlingsbeginn steigen. Doch bevor wir nach Sonne schmachtend und noch in Handschuhe und Schal gepackt, unser erstes Eis schlecken können, tritt meist die übliche Frühjahrsmüdigkeit auf. Um dieser so früh wie möglich vorzubeugen, berufen wir am kommenden Donnerstag erneut den ByteFM Tanzklub ein. Tanzt mit unseren ByteFM-DJs Sebastian Hampf und Christa Herdering gegen eure steif gewordenen Knochen und/oder trotzt bei einem gemütlichen Feierabendbier jeglichen Gedanken an den Frühjahrsputz. Musikalisch bewegen wir uns dabei von elektronisch über Hip Hop und House bis zu Indie.

ByteFM Tanzklub am 1. März 2012. Der Eintritt ist frei. Los geht’s um 22 Uhr. Das Fundbureau findet Ihr an der SternbrĂĽcke in Hamburg. Weitere Infos findet Ihr auch auf unserer Facebook-Seite.

Andrew Bird – „Break It Yourself“

VĂ–: 02.03.2012
Web: http://www.andrewbird.net/
Label: Bella Union/Cooperative Music

Andrew Bird ist zurück! Der Multiinstrumentalist aus Chicago veröffentlicht mit „Break It Yourself“ sein neues Album als Solokünstler und das kann sich durchaus hören lassen. Birds musikalische Einflüsse und vor allem Kompetenzen sind vielfältig und die setzt er auch überaus gekonnt ein. Die klassische Ausbildung an der Violine ist nicht zu überhören, die Liebe zu schottischer und irischer Volksmusik kommt immer wieder mal zum Vorschein und das Experimentieren mit einzelnen Klangelementen kann fast schon als kindlich bezeichnet werden. Aber eigentlich sind es die Stellen, bei denen er pfeift, die am meisten verzaubern – und diese sind auf „Break It Yourself“ zahlreich vorhanden.

Auch wenn es mit „Desperation Breeds …” vermeintlich dĂĽster losgeht, klingt „Break It Yourself“ insgesamt alles andere als verzweifelt. Nein, da haben sich einige sehr hĂĽbsche, folkige Popsongs darauf versteckt: das warnende „Give It Away“ beispielsweise oder das tatsächlich faule „Lazy Projector“. Einen Schritt hin in Richtung Popmusik ging er bereits mit dem Vorgängeralbum „Noble Beast“ und „Break It Yourself“ macht deutlich, dass er nicht vorhat, den eingeschlagenen Weg zu verlassen. Das mag einige vergraulen, die Gefallen an seinen durchdachten experimentellen Schmankerln gefunden haben. Diese sind zwar nicht ganz verschwunden, treten aber zugunsten eines verstärkt emotionalen Zugangs und klassischeren Songstrukturen in den Hintergrund.

Ein Rezensent verglich das Album mit „Sea Change“ von Beck, der damals auch einen vermeintlich radikalen Stilwechsel vollzog und die Kritik damit spaltete. Ein ähnliches Schicksal könnte auch Andrew Birds „Break It Yourself“ ereilen, aber genau wie bei „Sea Change“ gibt es einfach einige richtige gute Songs auf der Platte.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.

Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag von Montag bis Samstag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend, montags bis freitags ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Bird“ und seiner vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm

Label: Bella Union/Cooperative Music | Kaufen

Neue Platten: Sleigh Bells – „Reign Of Terror“

(Zomba)(Zomba)

9,0

„What the fuck’s up?“, schreit Alexis Krauss‘ Stimme dem Publikum gleich mal zur Eröffnung entgegen, kurz darauf setzt Derek E. Millers Metal-Riff-Gitarre ein und die zwei Hauptzutaten von Sleigh Bells, die uns den Rest des Albums „Reign Of Terror“ begleiten werden, sind schon mal vorhanden. Ja, Sleigh Bells sind keine Freunde von kleinen Gesten, sie wollen das Stadion, denn ihr Prinzip lautet: „Mitten in die Fresse“. Der Pressetext zum Album beschreibt den Sound von „Reign Of Terror“ als „the sonic equivalent of a beautiful shotgun to the head“.

Keine RĂĽcksicht auf Verluste – „You gotta deal with it“, meint Krauss auch mit einem Gewehr in der Hand auf einem Bett hĂĽpfend im Video zur Single „Comeback Kid“, dem Albumvorboten, der einem schnell wieder klarmachte, warum man so auf „Reign Of Terror“ gewartet hat. Denn es ist diese oben schon angedeutete Mischung der Popaffinität von Krauss, erweitert durch den Punch der harten, manchmal Van-Halen-artigen Riffs von Miller, die Sleigh Bells auszeichnet und ihre Songs im besten Fall so groĂźartig und euphorisierend machen. Im schlimmsten Fall ist dies zwar auf Albumlänge ein wenig eintönig, da es Sleigh Bells auch auf „Reign Of Terror“ genau wie beim Vorgänger „Treats“ nicht gelingt, die Qualität von Tracks wie „End Of The Line“ oder eben „Comeback Kid“ ĂĽber die ganze Strecke zu halten, aber das ist hier vernachlässigbar. Denn sein Ăśbriges, um die anfängliche Sympathie beim ersten Hören in schiere Begeisterung umkippen zu lassen, tut die „Larger-than-life-Coolness“-AttitĂĽde der beiden, die meilenweit vom langweiligen Authentizitätsgehabe so vieler heutiger Indie-Bands entfernt ist. Wäre der Indie-Zirkus ein Schulhof, wären Sleigh Bells die gut aussehenden, coolen, älteren SchĂĽler, die in der Ecke rauchen. NatĂĽrlich kann das objektiv lächerlich wirken, wenn man will, ist aber 2012 so unterhaltsam und interessant wie Bon Iver einschläfernd. Es wurde auch Zeit, dass The Kills auf ihre (fĂĽr Popbands gesehen) alten Tage eine Wachablösung bekommen, denn die Kids brauchen Stars, die sie anhimmeln können.

Label: Zomba | Kaufen

Hello, I‘m Johnny Cash

26.02.2012 von  

(johnnycash.com)
(Foto: johnnycash.com)

Rebell, Outlaw, “Man in Black”! Einer der einflussreichsten und wichtigsten Musiker des vergangenen Jahrhunderts erblickte heute, vor 80 Jahren, das Licht der Welt. Happy Birthday, Johnny Cash!

Hello, I‘m Johnny Cash.

Mit diesen Worten, gefolgt von “Folsom Prison Blues” begrüßte Johnny Cash sein Publikum bei nahezu jedem seiner Auftritte. Der Song entstand während seines dreijährigen Militärdienstes bei der US-Air Force in Deutschland und erzählt in der ganz eigenen und empathischen Art des Johnny Cash die Geschichte eines verurteilten Gefangenen.

Schuld und Sühne, die Schattenseiten des Lebens, das Gute und das Böse, sowie der Glaube an Gott bilden die Inhalte und Themen vieler seiner Songs. “I´m the biggest sinner of all them”, so sah sich Cash zeitlebens selber. Vielleicht erzählte er deshalb die meisten seiner Geschichten in der Ich-Perspektive, wie eben bei “Folsom Prison Blues” („But I shot a man in Reno, just to watch him die“) oder auch “Cocaine Blues” (“I took a shot of cocaine and I shot my woman down”). Und vielleicht war eben dieses starke Verbundenheitsgefühl Cash’s mit „Outlaws“ oder Außenseitern jeglicher Art ausschlaggebend für seinen ersten Live Auftritt im San Quentin State Prison 1958. Seitdem trat Cash regelmäßig in verschiedenen US-amerikanischen Gefängnisanstalten auf und versuchte, seine Plattenfirma davon zu überzeugen, ein Live-Album aufzunehmen. Dies gelang ihm schließlich 1968 und das Live-Album „Johnny Cash At Folsom Prison“ wurde veröffentlicht und erreichte Platz 2 der Country-Album-Charts.
Obwohl Cash stets das romantische Image eines Gesetzlosen aufrechterhielt, verbrachte er selbst nie länger als einen Tag im Gefängnis. Eines dieser Erlebnisse verarbeitete er in dem Song „Starkville City Jail“, als er wegen dem Pflücken von Blumen auf einem Privatgrundstück verhaftet wurde.

J.R. Cash wurde als viertes von insgesamt sieben Kindern des Farmerehepaares Ray Cash und Carrie Cloveree Rivers Cash, am 26.Februar 1932 in Kingsland, Arkansas geboren und wuchs auf den Baumwollfeldern in Dyess auf. Die erlebten wirtschaftlichen und persönlichen Schicksalsschläge seiner Familie verarbeitete Cash später in seinen Songs.
Nach seiner Rückkehr aus Deutschland, hielt Cash sich und seine frisch angetraute erste Ehefrau, Vivian Liberto, als Vertreter für Elektroartikel über Wasser. Bis er eines Tages schließlich den Mut fand, Sam Phillips von Sun Records seine Songs vorzuspielen, trat er mit seiner Band, den Tennessee Two, später Tennessee Three, in verschiedenen Clubs in Memphis auf. Im Juni 1955 wurde die erste Single (“Hey Porter”, “Cry! Cry! Cry!) veröffentlicht und Cash hatte seinen ersten großen Auftritt im Vorprogramm von Elvis Presley.

Es folgte sein erster Nummer Eins Hit “I Walk The Line” in den Country Charts und zahlreiche Auftritte. Mit steigenden Leistungsdruck und der Häufung familiärer Konflikte mit seiner Frau Vivian, flüchtete sich Cash immer häufiger in die tröstenden Arme von Alkohol, Amphetaminen und Barbituraten. Von eben dieser Drogensucht und seiner heimlichen Liebe zu June Carter handelte auch einer seiner größten Hits „Ring Of Fire“. Im März von 1968, zwei Jahre nach seiner Scheidung von Vivian Liberto und 13 Jahre nach dem ersten Treffen Backstage auf einer großen Country-Veranstaltung, heirateten Johnny Cash und June Carter. Zwei Jahre später wurde ihr gemeinsamer Sohn John Carter Cash geboren. Auch er ist heute Country-Sänger.

Johnny Cash ist einer der einflussreichsten US-amerikanischen Musiker des 20.Jahrhunderts. Der stets schwarz gekleidete Mann, mit seiner unverwechselbaren Bassbariton-Stimme schrieb etwa 500 Songs und verkaufte mehr als 53 Millionen Tonträger. Er war Schauspieler, Autor und moderierte seine eigene TV-Show, in der er unter anderem Berühmtheiten, wie seinen langjährig Freund und ehemaligen Nachbarn Bob Dylan, Neil Young, Stevie Wonder und Ray Charles zu Gast hatte. „The Man In Black“ ist nicht nur als jüngster Musiker in die Country Music Hall Of Fame aufgenommen worden, sondern auch in der Rock And Roll Hall Of Fame und der Gospel Music Hall Of Fame. Bis zu seinem Tode im September 2003, arbeitete er, trotz schwerer Krankheit, an seinem letzten großen Werk: „The American Recordings“; die letzten beiden Alben dieser Reihe erschienen posthum.

Nach Johnny Cash’s Tod wurden Hunderte Bänder bisher unveröffentlichter Aufnahmen gefunden. Ein kleiner Teil dieser Aufnahmen wurde bereits 2006 auf dem Album „Personal File“ veröffentlicht. Dies lässt auf weitere Veröffentlichungen dieses außergewöhnlichen Musikers hoffen.

Neue Platten: Mouse On Mars – „Parastrophics“

(Monkeytown)(Monkeytown)

7,6

Vor mittlerweile 19 Jahren gründeten Andi Toma und Jan St. Werner Mouse On Mars. Andi Toma kommt aus Düsseldorf, Jan St. Werner aus Köln. Dass dieses relativ bekannte und ziemlich erfolgreiche Elektronik-Duo aus Deutschland kommt, schockiert immer mal wieder den einen oder anderen. Vielleicht ist – auf alten Vorurteilen aufbauend – ebenfalls schockierend, dass sich Köln und Düsseldorf zu so einem funktionierendem, etablierten Konglomerat zusammenfinden können.

Da wĂĽrde man bei Mouse On Mars doch gerne mal in die Produktionsabläufe blicken, um zu sehen, wie aus zwei verschiedenen Menschen so etwas Stimmiges kommt – und dies schon so lange. Doch irgendwas muss auch passiert sein im Mouse-On-Mars-Universum, das „Parastrophics“ entstehen lieĂź, denn seit der Veröffentlichung des letzten Studioalbums zu zweit sind fast sechs Jahre vergangen. In diesem Zeitraum haben sich auch die technischen Möglichkeiten bei der Produktion eines Album verändert. „Parastrophics“ mag das erste Mouse-On-Mars-Album sein, das komplett am Computer entstanden ist.

Musikalisch ist es blubbernd, verspielt und mit verschwurbelten Electronica-Einflüssen versehen, aber diese Einschätzung passte auch schon auf ältere Mouse-On-Mars-Veröffentlichungen. Allerdings ist die neue Veröffentlichung tanzbarer, sicher auch aufgrund des Einflusses von Modeselektors Berliner Hip-Label Monkeytown, auf dem sie „Parastrophics“ veröffentlichen.

Besonders im englischsprachigen Raum bekommen Mouse On Mars mit ihrer neuen Veröffentlichung viel Aufmerksamkeit und werden von den Kritikern sehr gelobt. Sie sollen nie besser geklungen haben, das neue Album soll besser als alle anderen zuvor sein und wird mit den Attributen energetisch, euphorisch und lebensbejahend versehen. Die Grundstrukturen tendieren dabei mal zu HipHop, mal zu House, dieses Gerüst wird mit vielen Klangschichten ausgefüllt und klingt sehr vielschichtig. Mal ist es stampfend und fordernd, mal bleepend und hintergründig. Anspieltipps sind in der ruhigeren Ecke „Syncropticians“, im fordernderen Bereich „Metrotopy“ und „They Know Your Name“, welches ein bisschen an Mr. Oizos Produktionen erinnert.

Wer bereits in der Vergangenheit bei Mouse On Mars eine Quelle guter Musik fand, sich mal live von dem Duo hat begeistern lassen können oder seinen elektronischen Horizont erweitern oder gut bestücken möchte, dem sollte „Parastrophics“ gefallen.

Label: Monkeytown | Kaufen

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