Die ByteFM Charts KW 05

31.01.2012 von  

Die am meisten gespielten Platten bei ByteFM in den vergangenen zwei Wochen. Das neue Jahr wirft ordentlich neue Platte in die Welt, doch unsere Moderatoren scheint das nicht zu sehr zu interessieren. Leichte Veränderungen an der Spitze der ByteFM Charts. Unsere neue Nummer Eins ist Wiley, der vier Positionen gewinnt und gefolgt wird von der letztwöchigen Spitzenreiterein. Laura Gibson also auf Platz Zwei. Diagrams verharren in der dritten Woche in Folge auf Platz Drei.

Auch in den Trackcharts gibt es an der Spitze kaum Änderungen. Das letztwöchige Dreiergespann tauscht nur untereinander die Positionen. Diagrams steigen von Platz Zwei auf die Spitzenposition, Grimes kann ebenfalls einen Platz gut machen, die Zwei also für sie. Laura Gibson fällt zwei Plätze und belegt diese Woche den dritten Platz der ByteFM Trackcharts.

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Wiley – Evolve Or Be Extinct (5)
2. Laura Gibson – La Grande (1)
3. Diagrams – Black Light (3)
4. Dear Reader – Idealistic Animals (12)
5. The Soft Hills – The Bird Is Coming Down To Earth (neu)
6. The Big Pink – Future This (4)
7. Francois And The Atlas Mountains – E Volo Love (11)
8. French Films – Imaginary Future (6)
9. Nada Surf – The Stars Are Indifferent To Astronomy (neu)
10. Guided By Voices – Let’s Go Eat The Factory (neu)
11. Me Succeeds – Rongorongo (10)
12. Grimes – Visions (9)
13. The Maccabees – Given To The Wild (neu)
14. Trailer Trash Tracys – Ester (2)
15. New Black – Couper Decaler Electronique (13)

Die Trackcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Diagrams – Tall Buildings (2)
2. Grimes – Genesis (3)
3. Laura Gibson – La Grande (1)
4. French Films – Golden Sea (-)
5. Me Succeeds – Teachers (4)
6. Wiley – Boom Blast (8)
7. Guided By Voices – The Unsinkable Fats Domino (neu)
8. Robag Wruhme – Tulpa Ovi (-)
9. Francois And The Atlas Mountains – Les Plus Beaux (15)
10. Dillon – Abrupt Clarity (-)
11. The Big Pink – Hit The Ground (Superman) (neu)
12. The Black Atlantic – Madagascar (14)
13. Einar Stray – Arrows (13)
14. Bondage Fairies – Fantasy Outfit (neu)
15. Prinzhorn Dance School – Seed Crop Harvest (9)

ByteFM Tanzklub am 2. Februar 2012 im Fundbureau Hamburg

31.01.2012 von  

Bevor die Frühlingsgefühle ausbrechen können, hat der Winter uns noch einmal fest im Griff. Um Eure Stimmung zu heben, haben wir auch am kommenden Donnerstag im Fundbureau den ByteFM Tanzklub einberufen. Dieses Mal mit geballter Man-Power: Unsere ByteFM-DJs Sebastian Hampf und Patrick Ziegelmüller legen Musik auf. Die Bildinstallationen von Georg Kühn sind immer eine Augenweide und an diesem Donnerstag werden Euch seine Projektionen zum Schwanken bringen. Zusammen verwandelt dieses Dreamteam das Fundbureau in den ByteFM Tanzklub.

ByteFM Tanzklub am 2. Februar 2012. Der Eintritt ist frei. Los geht’s um 22 Uhr. Das Fundbureau findet Ihr an der SternbrĂĽcke in Hamburg. Weitere Infos findet Ihr auch auf unserer Facebook-Seite.

Savage Music wird 100! Fans fragen, Jon Savage antwortet.

31.01.2012 von  

incrediblethots | Flickr | (CC BY-NC-ND 2.0)

Am 12.Februar läuft bei ByteFM die 100. Ausgabe von Savage Music, die Sendung unseres prominentesten britischen Mitarbeiters. Zur Feier des Tages spielt Jon Eure Wunschmusik. Aber Ihr könnt Euch nicht nur gezielt Songs bei Jon wünschen, Ihr könnt ihn auch auf die Suche schicken in seine weitläufigen Archive.

Welchen Song wĂĽrde er bei seiner Beerdigung spielen? Mit welcher Platte hat er angefangen, sich fĂĽr Minimal Techno zu interessieren? Was war die erste Platte, die er sich je gekauft hat? Zu welcher Musik hat er sich zum ersten Mal verliebt? Die Platte fĂĽr die Insel?

Mit solchen Fragen könnt Ihr Jon Savage konfrontieren und beglücken. Schickt eine Mail bis zum 6.Februar an radio@byte.fm und seid gespannt auf die 100. Ausgabe von Savage Music, am Sonntag, 12. Februar, 22 Uhr.

Neue Platten: Moss – „Ornaments“

(Excelsior Recordings)(Excelsior Recordings)

8,1

„A Real Hero Dies In The End“, so der Titel eines Songs von Moss‘ neuer Platte „Ornaments“. Hoffentlich nicht! Denn dann wäre das neue Werk der Holländer vollkommen zu kurz gekommen und schnell in die „Dead-But-Still-Somehow-Alive“-Ecke geschoben. SchlieĂźlich haben die vier Herren das Potenzial, die neuen Helden der Indie-Pop-Szene zu werden.

„Ornaments“ ist das dritte Album der Band, die in Deutschland kaum bekannt ist, in den Niederlanden allerdings durchaus mit Fans herhalten kann. Die Helden in spe machen wunderbar leicht anklingenden Pop mit heftigem Indieeinschlag. Die Schwerter unserer Ritter sind Gitarren- und Tamburinförmig, das Ross, auf das sie gestiegen sind (alle vier auf ein einziges) klappert mit den Hufen, wie rhythmisches Händeklatschen. Ihre RitterrĂĽstung ist geschmiedet aus einer einprägsamen Gesangsstimme (fast ein wenig an Clap Your Hands Say Yeah erinnernd) und typischem Indiesound. Und so machen sie sich auf den Weg, die eingesperrte Prinzessin zu retten. Das arme Ding hockt im hohen Turm und langweilt sich mit abgeschmackten Sounds rum, ihre Anlage ist kaputt, lediglich der MP3-Player funktioniert noch und spielt in Endlosschleife dieselbe Playlist.

Ja. So könnte die Geschichte unseres vierköpfigen Moss-Helden anklingen. NatĂĽrlich befreit er die Prinzessin am Ende mit groĂźem Trara und viel Konfetti. Aber wie macht er das? Ganz einfach – mithilfe altehrwĂĽrdiger Methoden. Moss spielen die Gitarren groĂź, geben dem zappeligen Takt den Vorrang und konzentrieren sich auf den guten alten Indiesound. Keine groĂźartigen Experimente, keine AusflĂĽge in benachbarte Genres. Einfach guter Indie-Pop. Die Songs stimmen in sich, sie klingen groĂźartig locker und unbeschwert, sie lassen Zehen tippen und Finger trippeln. Die Melodien sind einfach und noch beim ersten Hören mitsummbar.

„Ornaments“ ist ein gelungenes Indie-Pop-Album, das ein Happy End unseres Helden vermuten lässt. Wenn er sich seine Waffen beibehält, sich das Pferd schnappt und die Prinzessin befreit, dann stehen die Chancen fĂĽr ein heldenhaftes Ăśberleben mehr als gut.

Label: Excelsior Recordings | Kaufen

Prinzhorn Dance School – „Clay Class“

VĂ–: 03.02.2012
Web: http://www.prinzhorn-dance-school.com/prinzhorn
Label: DFA Records

„Woke up, woke up! You won’t cheat the seasons!“ Kontrolliert schreien Tobin Prinz und Suzi Horn mehrmals hintereinander auf dem Track „Seed, Crop, Harvest“ im Duett ins Mikrofon und sind sich bewusst, dass alles seine Zeit braucht. Tatsächlich sind seit ihrem selbstbetitelten DebĂĽtalbum beinahe fĂĽnf Jahre vergangen. In der Zwischenzeit haben The XX mit einem ganz ähnlichen Hang zu dĂĽster-reduzierter Monotonie dem Post-Punk Gegenwärtigkeit eingehaucht. FĂĽr Prinzhorn Dance School ist jetzt auch die Zeit gekommen, die Ernte einzufahren – um an die abgewetzte Metapher von vorhin anzuschlieĂźen – und die fällt ĂĽppig aus.

„Clay Class“ begeistert vielleicht nicht beim ersten, aber beim zweiten Hinhören, weil es um die Details geht. Auch wenn die Reduktion und das ständige Wiederholen derselben Tonabfolgen zum Leitspruch ernannt werden und dadurch der Eindruck von Langeweile erweckt werden könnte: Die brĂĽchige Schönheit der ansatzweise vorhandenen Melodien und die Bedeutungsvielfalt der assoziativen Texte entfalten sich, wenn man sich auf die Platte einlässt.

Stilistisch schlieĂźen Prinzhorn Dance School an ihr DebĂĽt an. Das Prinzip ist denkbar einfach: Loopartiges Wiederholen einer Bassline, darĂĽber tobt sich eine leicht verstimmte Gitarre aus, Call-and-Response Gesang und präzise formulierte kurze Phrasen vollgepackt mit Alliteration. Dazwischen immer wieder Pausen, wodurch die manchmal willkĂĽrlich aneinandergereihten, einzelnen Wörter gerade richtig zur Geltung kommen. Nicht alles ergibt Sinn, aber es entstehen Bilder, die fĂĽr einen Moment vor dem inneren Auge aufblitzen. Manche davon bleiben hängen, wie das absurde „a tin of mixed fruit on a special occasion“, oder „skinny trees, naked in winter, britain in bloom“.

Die Tonart ist vielleicht nicht mehr ganz so dĂĽster wie beim DebĂĽt und wechselt von direkt anklagend („Usurper“), ĂĽber lakonisch-ironisch („Flora And Fauna…“, „Crisis Team“) zu einem fast schon fröhlichen „Happy In Bits“. Prinz und Horn sagten selbst, sie wollten auf „Clay Class“ etwas mehr „Colour“ und „Tenderness“ in ihre Songs bringen. Am besten gelungen ist ihnen das beim herzzerreiĂźenden, bittersĂĽĂźen „I Want You“, dem absoluten Highlight der Platte.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.

Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag von Montag bis Samstag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend, montags bis freitags ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Prinzhorn“ und seiner vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm

Label: DFA Records | Kaufen

Tickets fĂĽr I Break Horses

27.01.2012 von  

http://www.ibreakhorses.se/#1422828/P-R-E-S-S
Sebastien Dehesdin

Ob Pferde besonders zerbrechlich sind, wissen wir nicht genau. Sehr fragil ist allerdings die Musik des schwedischen Duos I Break Horses, und das rechtfertigt diesen Einstieg allemal. Aus sirenenhaftem Gesang, entfernten Drums, verzerrten Gitarren und federleichten Synthies lassen Maria Lindén und Fredrik Balck in bester My-Bloody-Valentine-Manier einen rauschhaften Sog entstehen, der einen direkt nach oben zieht, auf eine flauschige Wolke. Und keine Sorge: Der Schwindel lässt auch wieder nach.

ByteFM präsentiert die Tour von I Break Horses und verlost exklusiv unter Mitgliedern des Fördervereins „Freunde von ByteFM“ fĂĽr jedes Konzert 2×2 Karten. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns einfach bis zum 03.02. eine Mail mit dem Betreff „Pferd“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.
Ihr seid noch kein Mitglied in unserem Förderverein? Hier erfahrt Ihr, wie Ihr ByteFM unterstützen und die Vorteile einer Mitgliedschaft genießen könnt.

04.02.2012 Duisburg – Grammatikoff
05.02.2012 MĂĽnster – Gleis 22
06.02.2012 Berlin – Comet Club

Neue Platten: John K. Samson – „Provincial“

(Grand Hotel van Cleef)(Grand Hotel van Cleef)

8,9

Ich frage mich bei Soloalben immer nach dem Grund fĂĽr die Existenz dieser als solche – nehmen wir „Provincial“ von John K. Samson. Textlich und musikalisch hätte das hier auch gut und gerne eine neue, zugegebenermaĂźen etwas Neil-Young-akustigere Weakerthans-Platte sein können (und da dies bei Hauptsongwriterderbandsoloalben meistens so ist, rĂĽhrt meine Verwirrung bezĂĽglich der Existenz usw. daher). Aber hey, da sage ich nicht nein. Denn „Reunion Tour“ liegt jetzt auch schon wieder bald fĂĽnf Jahre zurĂĽck und „Provincial“ ist meiner Meinung nach das bisher beste Album des noch jungen Jahres.

Wobei das ja auch nur zur Hälfte stimmt. Dass „Provincial“ Musik aus dem Jahr 2012 ist, meine ich. Denn sechs der zwölf hier versammelten Perlen von Songs stammen je zur Hälfte aus den 2009 und 2010 erschienenen EPs „City Route 85″ und „Provincial Road 222″. Benannt nach – die ganz Schlauen haben es sich schon gedacht – StraĂźen, StraĂźen in Manitoba, der „östlichsten Prärieprovinz Kanadas“ (danke Wikipedia, ich habe dich wirklich vermisst letzte Woche Mittwoch, bitte tu so etwas nie wieder), der Heimat von John K. Samson, genauer gesagt. Und so beginnt auch „Provincial“ mit einem Song ĂĽber den kanadischen Highway 1. Samson drĂĽckt darin die Verlorenheit und Isolation beim alleinigen Autofahren besser aus als ich das je könnte; denn wer kennt das nicht, wenn blöde Satelliten behaupten, man sei nirgendwo?

Und so fahren wir weiter durch Manitoba, vorbei an der kleinen Stadt Riverton, wo eine Lehrerin an ihre Affäre mit dem Direktor zurĂĽckdenkt („The Last And“, zum GlĂĽck hat Edna ja jetzt Ned, Skinner war eh eine Flasche). Riverton ist auch die Heimatstadt von Reggie Leach, ex NHL-Spieler (934 Spiele, 381 Tore, 285 Assists, gesamt 666 Punkte, Satan ist ĂĽberall) und Angehöriger der First Nations (Ăśberbegriff derjenigen Ureinwohner von Kanada, die nicht zu den Inuit zählen – noch mal danke, Wikipedia), fĂĽr den Samson in dem Song „Ipetitions.com/Petition/Rivertonrifle“ eine längst ĂĽberfällige Aufnahme in die Hockey Hall of Fame fordert, because „Reggie on a playoff run could make a dad go buy that new tv“.

Wirklich jeder Song hier wäre eine Nennung wert, ob „Stop Error“ oder „When I Write My Master’s Thesis“, die beide Samsons Neigung zu Videospielen verraten – der erstere referenziert Call Of Duty 4 und ist eine wunderschöne Interpretation eines Bach-Chors, der zweite, ein dreieinhalb-Minuten-Rocker, eine Meditation ĂĽber die jedem Studenten bekannte Prokrastination im Angesicht anstehender Arbeiten und auch Samson ist bewusst, dass GTA hier ein massiver Zeitkiller sein kann. Hier könnte man jetzt schlieĂźen, dass Provincials Status als Soloalbum doch dadurch berechtigt ist, dass der Protagonist hier oft ĂĽber Situationen von EntrĂĽcktheit, einsamer Freude und dergleichen singt (vgl. z. B. auch Oasis‘ „Listen Up“ mit dem Mantra „I don’t mind being on my own“), aber schon die Weakerthans hatten Songs, in denen sich die Katze eines Loners ĂĽber dessen Einsamkeit und Antrieblosigkeit moniert.

In Kurzform: „Provincial“ von John K. Samson ist ein Superalbum von einem Supertypen. Wenn Ihr genug von 08/15-“Indie“-Bands mit belanglosen Texten, die besser aussehen als gute Songs schreiben können, oder bärtigen Naturbuschen-Folkies, die auch immer nur ĂĽber das Gleiche singen, habt, hört rein, wenn Ihr Euch nicht ins eigene Knie schieĂźen wollt.

Label: Grand Hotel van Cleef | Kaufen

Neue Platten: All The Saints – „Intro To Fractions“

(Audiolith)(Souterrain Transmissions)

5,3

Was soll das sein? „Intro To Fractions“? Eine EinfĂĽhrung in die Bruchrechnung, oder was? Ein Teil von etwas größerem? Ist diese Platte wohlmöglich nur ein Vorgeschmack auf das eigentliche Werk? Ein Intro? Und das sind jetzt eben StĂĽcke, die noch nicht ganz ausgereift sind, denen die Energie und der SchweiĂź fehlt. Das Herzblut! Oder sind mit „Fractions“ etwa „BrĂĽche“ gemeint? Musikalische Unebenheiten, Risse im Gitarrengletscher, gar Eruptionen? Oder ein Bruch mit Traditionen? „Intro To Fractions“ lässt den Hörer zunächst erstmal eins sein: ziemlich ahnungslos.

Doch wie so oft gibt die Geschichte Antworten: Nach ihrem 2008er „wir-wollen-so-klingen-wie-A-Place-To Bury-Strangers-nur-rotziger“-DebĂĽtalbum „Fire On Corridor X“ wollen sich All The Saints emanzipieren, die „nachdenklichen“ Ideen verfolgen. Gut so, denn „Fire On Corridor X“ war schon ganz schön auf die Fresse, fast machomäßig laut, trotzdem nicht schlecht – ohrenbetäubend eben. Zum Nachdenken braucht es Zeit. Fast vier Jahre! In dieser Zeit reist die Band aus Georgia viel herum und nimmt das neue Album in mehreren Studios in und um ihre Heimatstadt Atlanta auf. In Teilen, also in „fractions“? Aber: verderben viele Köche nicht den Brei? Hörbar ist das nomadische Aufnahmeverhalten der Band nicht. Zwar sind die StĂĽcke weniger komprimiert, als auf dem Vorgängeralbum, tatsächlich hört man auch BrĂĽche und weitläufigere Arrangements, so richtig kickt das aber nicht. Eine Innovation soll das sein, was das Label im Infobrief als „much more thoughtful“ beschreibt. Damit können nur die Songs gemeint sein, die offenbar noch gerade gut genug fĂĽr das Ende der Platte sind. Der Titeltrack „Intro To Fractions“ erinnert mit schleifendem Gesang und vom Feedback her an Fields Of The Nephilim, „Sunk Hill“ ist Whiskey-Feeling pur: auf einer alten amerikanischen Veranda sitzen, in einem Schaukelstuhl, High Noon und saufen. Der Cowboy-Song der Platte, passend lo-fi aufgenommen. Ein alter Hut: auch das DebĂĽtalbum hatte seine unkonventionellen Momente.

Hachja, es schunkelt so daher. Wo ist denn nun der rote Faden? Im StĂĽck „4 H Trip“ ist er nicht, aber das ist irgendwie abgefahren: gut eine Minute lang wunderschöne Orientierungslosigkeit. Sollte es da um Drogen gehen, gut getroffen! Aber sonst? Fields Of The Nephilim schauen häufiger vorbei, eher sind es die Wall of Sounds, die uns wie Druckerwalzen ĂĽberrollen – und uns platt machen. „Intro To Fractions“ entwickelt nach ein paar Runden einen gewissen Reiz, da ist ein sonderbares GewĂĽrz versteckt auf diesem von Feedback und TrommelergĂĽssen geschundenen Album. Ein Abgrund – eine kranke Eleganz – ein letzter Anschlag der Gitarrenseite vorm Delirium. So ist die anfängliche Orientierungslosigkeit doch Konzept und Ergebnis „nachdenklicher“ Ideen? Eine schön verwirrende Platte.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

All The Saints – „Half Red, Half Way“ (Download)

Label: Souterrain Transmission| Kaufen

Konzertbericht: Dear Reader im Konzerthaus III&70, Hamburg, am 22. Januar

Dear Reader (City Slang)Dear Reader (City Slang)

„He climed into the belly of a great white bear.“ Diese Zeile stammt aus Dear Readers „Great White Bear“ und momentan fĂĽhle ich mich wie im Bauch dieses groĂźen weiĂźen Bäres. Es ist eng und ein bisschen stickig. Nur nach Fisch riecht es nicht.

Ich bin im Kulturhaus III&70 im Hamburger Schanzenviertel und bin noch ganz überrumpelt von den vielen, vielen Menschen, die sich in die kleine, aber sehr feine Location gezwängt haben. Dear Reader spielen heute auf und mit solch großem Publikum habe ich nicht gerechnet. Ein Abend mit toller Musik in heimeliger Atmosphäre und mit wunderbaren Klängen, das war eher die Vorstellung. Nun sind es also mehr Menschlein und damit wird es umso kuscheliger. Der Bauch des großen Bäres ist eben doch begrenzt. Umso besser!

Beim Reinkommen spielt bereits die Vorband The Good Morning Diary. (Ich gebe zu, ich kam fünf Minuten zu spät. Aber welches Konzert fängt schon pünktlich an? Na, ganz offensichtlich dieses.) Die Hamburger machen poppigen Pop, bestehend aus Schlagzeug, Cello, Gitarre und Gesang. Auf den ersten Blick ist das ganz nett, auf den zweiten irgendwie ein bisschen zu viel Sunrise Avenue. Die Töne sind groß und schwer, die Texte leicht schmalzig anklingend. Aber gut, die Vorband erfüllt ihre Funktion: Sie stimmt das Publikum ein. Leider sorgt sie aber nicht für Stimmung. Das ist bei diesem Publikum vielleicht auch nicht so einfach. Es ist eine bunte Mischung von allem: viele Frauen, erstaunlich viele Männer (die nicht Teil eines Pärchens sind), so einige Allein-Konzert-Gänger, die Quoten-Pärchen und die typischen Schanzen-Vertreter. Kein einfaches Publikum für The Good Morning Diary. Nach 30 Minuten werfen sich die erstaunlich wenigen Knutschepärchen ihr Küsschen zu, der Rest applaudiert höflich und die Band geht von der Bühne.

Der Bärenbauch wird immer voller und enger. Ein kurzes Entspannen in der Umbaupause und dann geht alles ganz unvermittelt los. Ohne dass man es mitbekommen hätte, stehen Dear Reader auf der Bühne und spielt den ersten Song. Mir ploppt sofort ein “bezaubernd“ in den Kopf. Allein die Besetzung der Band: Da stehen zwei Damen an der Mikrofonfront, so entzückend anzuschauen und voll und ganz in ihre Musik vertieft. Sie machen die Augen fast nie auf beim Singen, sind sofort im Musik-Spiel-Modus und ganz hinreißend. Hinter ihnen steht eine bunte Kelle “Alles“. Der Schlagzeuger sieht aus wie ein verkappter Heavy Metaller, der Bassist wie ein Mathematiker und der Akkordeonist/Gitarrist könnte BWLer sein. Eine ganz wunderbare Band, die ein ganz wunderbares Konzert spielt. Die Songs klingen perfekt,die klare Stimme von Sängerin Cherilyn MacNeil ist unbeschreiblich schön. Das Quintett spielt mit kleinen experimentellen Einlagen, setzt mal hier einen Akzent, mal dort und schafft eine gute Mischung aus alten und neuen Liedern. Ich höre mich selbst immer wieder “wie bezaubernd“ seufzen. Die Ansagen zwischen den Stücken sind, wie sollte es anders sein, entzückend. Die Band hat Spaß, freut sich über die „warm crowd“ und überträgt diese Stimmung mit viel Charme auf das Publikum. Kleine Pannen und Patzer machen das Ganze irgendwie rund und nur noch hinreißender.

Der Bauch des weiĂźen Bäres fĂĽhlt sich so sympathisch und warm an, dass die knappen 90 Minuten ganz schnell rum sind. Nach zweimaliger Zugabe sind auch die letzten im Publikum ganz offiziell in Cherilyn MacNeil verliebt. Als sie endgĂĽltig von der BĂĽhne geht, ist ein leichtes Seufzen zu vernehmen. Ach, wär es doch nie vorbei. So ein Bärenbauch, der ist schon etwas Schönes …

Tickets fĂĽr Friends

23.01.2012 von  

(https://www.facebook.com/media/set/?set=a.119529318102207.25565.119527008102438&type=3)
Friends

New York, Friends – diese Kombination ist eigentlich schon besetzt. Einer fĂĽnfköpfigen Band aus Brooklyn scheint das allerdings nichts auszumachen, denn sich nach einer Fernsehserie zu benennen hat schlieĂźlich noch niemandem geschadet (Belle & Sebastian,…und das war’s dann wohl auch).
Das fehlende sechste Mitglied machen diese Friends jedenfalls mit ein bisschen Kuriosität wett, die Phoebe Buffay sicher gefallen würde: Nachdem das vegane Restaurant, in dem die fünf zusammen gearbeitet haben, wegen Bettwanzenbefalls für eine Woche geschlossen werden musste, gründeten sie aus Langeweile einfach eine Band und spielen seitdem sehr treibenden und leicht tropischen Disco-Pop.

ByteFM präsentiert die Tour von Friends und verlost exklusiv unter Mitgliedern des Fördervereins „Freunde von ByteFM“ fĂĽr jedes Konzert 2×2 Karten. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns einfach bis zum 31.01. eine Mail mit dem Betreff „Freunde“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.
Ihr seid noch kein Mitglied in unserem Förderverein? Hier erfahrt Ihr, wie Ihr ByteFM unterstützen und die Vorteile einer Mitgliedschaft genießen könnt.

03.02. Berlin – Magnet Club
04.02. Hamburg – Molotow

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