Die ByteFM Charts KW 44

31.10.2011 von  

Die am meisten gespielten Platten bei ByteFM in den vergangenen zwei Wochen. Feist schafft es in der vierten Woche auf die Eins unserer Charts. My Brightest Diamond klettert auf Platz zwei und als höchster Neueinsteiger belegt M83 den dritten Platz der ByteFM Albumcharts.

Modeselektor erobern in den Trackcharts den ersten Platz in dieser Woche. Jens Lekman kommt nochmal zurĂŒck und erklimmt aus dem Stand Platz 2. Das dritte Treppchen der Trackcharts geht an The Drums, die nochmal um 4 PlĂ€tze steigen.

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Feist – Metals (5)
2. My Brightest Diamond – All Things Will Unwind (4)
3. M83 – Hurry Up, We’re Dreaming (neu)
4. Modeselektor – Monkeytown (3)
5. Rustie – Glass Swords (2)
6. DJ Shadow – The Less You Know, The Better (1)
7. Björk – Biophilia (7)
8. Robot Koch – The Other Side (8)
9. Emika – Emika (12)
10. Nils Frahm – Felt (9)
11. Buraka Som Sistema – Komba (neu)
12. DJ Cam – Seven (neu)
13. Givers – In Light (10)
14. Mirel Wagner – Mirel Wagner (neu)
15. Martyn – Ghost People (neu)

Die Trackcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Modeselektor – Blue Clouds (3)
2. Jens Lekman – An Argument With Myself (-)
3. The Drums – Money (7)
4. Neon Indian – Polish Girl (1)
5. Planningtorock – The Breaks (2)
6. Kate Bush – Running Up That Hill (neu)
7. Emika – Professional Loving (8)
8. Yoko Duo – Half Awake (neu)
9. Rustie – Flash Back (4)
10. My Brightest Diamond – Ding Dang (14)
11. M83 – Midnight City (6)
12. Feist – The Bad In Each Other (neu)
13. Givers – Up Up Up (13)
14. Mirel Wagner – No Death (neu)
15. Real Estate – Green Aisles (neu)

Tickets fĂŒr Chilly Gonzales

31.10.2011 von  

Flickr | gdpreston | (CC BY-NC-SA 2.0)

ByteFM prĂ€sentiert den Gott des Pianos, den Gott des Rap, den Gott des charmanten GrĂ¶ĂŸenwahns: Chilly Gonzales. „The musical genius“ gibt sich am 04.11. im Konzerthaus Dortmund die Ehre und wir verlosen exklusiv fĂŒr Mitglieder unseres Fördervereins „Freunde von ByteFM“ 1×2 Karten fĂŒr das Spektakel, ĂŒber das noch Generationen nach uns sprechen werden.

Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns einfach bis zum 03.11. eine Mail mit dem Betreff „Ondaatje“ und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Den Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.
Ihr seid noch kein Mitglied in unserem Förderverein? Hier erfahrt Ihr, wie Ihr ByteFM unterstĂŒtzen und die Vorteile genießen könnt, die das mit sich bringt.

04.11.2011 Dortmund – Konzerthaus

Tori Amos im Interview

Victor de Mello / Deutsche Grammophon

Ihr aktuelles Album „Night of Hunters“ begreift Tori Amos als Liederzyklus im Schubertschen Sinne. Mit keltischer Mythologie erzĂ€hlt sie darin vom tragischen Ende einer Liebesbeziehung. Als Vorlage eigener Kompositionen dienen ihr bekannte Themen aus der Klassik – von Chopin, Mussorgsky bis zu Debussy. Wie nĂ€hert sich eine Musikerin, die ĂŒber Jahrzehnte mit einer Band gespielt hat, der Klassik?

An erster Stelle steht bei mir das Gehör. Meine Mutter sagt, dass ich, als ich mit zweieinhalb Jahren anfing Klavier zu spielen, nur nach Gehör gespielt habe. Und manchmal verlasse ich mich etwas zu sehr auf meine Ohren. FĂŒr dieses Projekt besorgte ich mir deshalb das Notenmaterial und hörte mir Aufnahmen der StĂŒcke an, um die Themen umformen zu können. Wenn dann diese Schubert-Melodie in jeder Zelle deines Körpers, in jedem Atemzug steckt, dann weißt du, dass du das richtige StĂŒck gefunden hast. Es ist dann Teil deiner Geschichte. Und so wurde mir auch klar, mit welchen Komponisten ich arbeiten wĂŒrde. Mein Mann sagte: Solange sie in Wirklichkeit tot sind, ist mir egal, was du mit ihnen machst.

Werden Popmusiker nicht hĂ€ufig dafĂŒr belĂ€chelt, wenn sie sich mit klassischer Musik beschĂ€ftigen? Warum bist Du dieses Risiko eingegangen?
Variationen eines Themas haben in der Klassik eine lange Tradition. Wir befinden uns jetzt im 21. Jahrhundert, und die Art der Umsetzung, die Verwendung von Poesie, soll diesem Umstand Rechnung tragen. Mir gefiel die Idee, Wörter zu verwenden, die schon beinahe eine musikalische QualitĂ€t in sich tragen, also solche, die sich mythologisch deuten lassen. Ich habe also den Club der toten Dichter und den der toten Komponisten zusammengebracht. Mir war klar, dass es sich um ein schwieriges Unterfangen handelte, doch ebenso dachte ich, dass sich eine schöne Verflechtung der weiblichen Perspektive mit der mĂ€nnlichen ergeben könnte. Die toten MĂ€nner waren der Samen, und somit musste das Ei – also ich – sie penetrieren. Diese Umkehrung der Geschlechterrollen fand ich sehr spannend. Und mit der Deutschen Grammophon im Hintergrund dachte ich mir: Wie könnte ich ablehnen? Ich muss einfach nur sehr, sehr hart arbeiten.

Das hast Du. Dein Klavierspiel ist sehr prÀzise auf diesem Album.
Das sehe ich auch so und ich hoffe, man kann es hören, denn es handelte sich dabei um eine bewusste Entscheidung. Es fĂŒhlte sich fĂŒr mich nicht einfach nach einer neuen Tori-CD an, sondern nach einer Kollaboration mit anderen Komponisten. Und obwohl diese Komponisten physisch nicht anwesend waren, waren sie trotzdem sehr prĂ€sent und haben einiges von mir abverlangt. Um ihren musikalischen Themen Tribut zollen zu können, musste ich jeden Tag am Klavier ĂŒben, anders als in den letzten 20 oder 30 Jahren, eher wie zu meiner Zeit am Peabody Konservatorium.

Im Kindergartenalter von fĂŒnf Jahren wurdest Du zur Musikhochschule, zum Peabody Konservatorium zugelassen, mit elf allerdings wieder rausgeschmissen, weil Du Dich mehr fĂŒr Jimmy Page als fĂŒr Johann Sebastian Bach begeistern konntest. Habt ihr euch denn mit diesem Album ausgesöhnt?
Interessant, dass Du danach fragst. Und in der Tat gibt es einen neuen Dekan dort, der mir ĂŒber meinen Vater eine Nachricht zukommen ließ. Er schreibt darin, dass sie heutzutage anders an Musik herangingen als in den Sechzigern. Und um ehrlich zu sein, das hatten sie auch bitter nötig, denn zu meiner Zeit hatten sie sich gegenĂŒber aktueller Musik komplett verschlossen. Sie begriffen einfach nicht, dass diese Abschottung der KreativitĂ€t abtrĂ€glich ist. Der Dekan will nun eins meiner Konzerte besuchen und ich freue mich darauf, ihn zu treffen.

Deine Tochter, die auch auf dem neuen Album zu hören ist, ist jetzt so alt wie Du zu Deinem Rausschmiss.
Als ich elf war, waren viele Leute enttĂ€uscht von mir. Wenn du dein Stipendium verlierst und deine Familie kein Geld hat, dann hast du das Ende des Weges erreicht. Damals verstand ich noch nicht, dass sich eine andere TĂŒr öffnen wĂŒrde. Ich musste dort weg, um zu wachsen. Im Grunde haben sie mir also einen Gefallen getan. Natashya hat mit ihren elf Jahren zumindest auf lokaler Ebene geschauspielert und gesungen, ohne den Hintergrund, mit fĂŒnf Jahren schon ein prestigetrĂ€chtiges Konservatorium besucht zu haben. Doch jetzt wird sie auf einer sehr gefragten Schule fĂŒr Performing Arts ausgebildet. Im Gegensatz dazu war ich mit 13 lĂ€ngst ein Profi. Wir haben unterschiedliche FĂ€higkeiten und Interessen und ich glaube, das ist auch ganz gut so, um nicht miteinander in Konkurrenz zu treten. Sie liebt zum Beispiel den Blues. In ihrem britischen Akzent sagte sie zu mir: Mommy, als ich mit neun den Blues entdeckt habe, habe ich die Welt mit neuen Augen gesehen. Und ich dachte mir: Good for you, girl.

FĂŒr Dich war’s damals Led Zeppelin.
Led Zeppelin hat fĂŒr mich Welt verĂ€ndert, das stimmt.

Wie hat es sich mit der Mutter-Tochter-Beziehung im Studio verhalten?
Als ich mit ihr dieses Album aufnahm, habe ich mit ihr als Produzentin gearbeitet. Die Mutter in mir war da eher skeptisch. Schließlich wusste ich, dass die Presse ihr Augenmerk auf sie richten wĂŒrde. Meine Nichte, die auch auf dem Album singt, ist 19 Jahre alt, lebt in New York und studiert. Sie befindet sich an einem ganz anderen Punkt ihres Lebens. Doch Tash ließ nicht locker. Also musste ich die Mutter vor die TĂŒr schicken, um der Tochter den Weg frei zu machen. Als Produzentin bin ich teuflisch, aber fair. Das werden Dir die Musiker, mit denen ich in den letzten 20 Jahren zusammengearbeitet habe, gerne bescheinigen: liebevoll, aber tough. Also sagte ich zu Tash: Wenn du mit mir arbeiten willst, dann wirst du es mit mir als Produzentin zu tun haben. Und sie sagte: Okay, Tori Amos! Und wir hatten eine tolle Zeit.

Auf der BĂŒhne werden weder Tochter noch Nichte dabei sein, dafĂŒr ein Streicherquartett, mit dem Du Deinen Liederzyklus allerdings nicht von vorn bis hinten durchexerzieren wirst.
Spielte ich jeden Abend dasselbe, wĂŒrde ich mir die Möglichkeit nehmen, auf meine Umgebung reagieren zu können. Ich entscheide erst etwa eine Stunde vor Konzertbeginn, was ich spielen werde. Dann hatte ich die Gelegenheit, mich mit Leuten zu treffen, einen Soundcheck zu machen und die Stadt in mir aufzunehmen. Bei einer Performance geht es darum, die Energien der Konzertbesucher zu kanalisieren; sie greifbar zu machen und sie zu kontextualisieren.

Das fordert viel von Dir.
Das fordert viel von mir, gleichzeitig gibt es aber auch mehr zurĂŒck als es nimmt. Wenn du die BĂŒhne betrittst und glaubst, alles allein zu machen, dann machst du dir etwas vor. Und die Musen werden dir nicht dienen und die toten Komponisten – die drehen dir ganz schnell den RĂŒcken zu. Strawinsky hat mal von einer Kraft berichtet, die zuzulassen es bedeutet, bescheiden zu sein und gleichermaßen zu wissen, ein Ziel erreichen zu können. Du musst kapieren, dass du nur ein Co-Creator dieser Kraft bist. Ich kann Dir nicht sagen, was diese Kraft ist. Ich nenne sie nicht Gott, da die religiösen Implikationen der Musik nicht GenĂŒge tun. Ich glaube, jeder KĂŒnstler ist Teil eines kreativen Kollektivs. Wenn also Leute zu meinen Konzerten kommen, hoffe ich, dass sie wissen, Teil einer Konversation zu sein. Und wenn sie mit dem GefĂŒhl, etwas mitgenommen zu haben, aus dem Konzert gehen, dann haben sie ihr StĂŒck dazu beigetragen, das Gleiche gilt, wenn sie glauben, das Konzert hĂ€tte nichts getaugt. Meine Konzerte funktionieren nur mit dieser AbhĂ€ngigkeit.

Tori Amos spielt heute Abend in der Philharmonie Essen.

Mehr von Tori Amos hört Ihr heute im Magazin ab 15 Uhr heut mit Oliver Stangl.

Atlas Sound – „Parallax“

31.10.2011 von  

VÖ: 04.11.2011
Web: „http://4ad.com/parallax/“
Label: 4AD

Dieses Jahr war bislang ein hochwertiges, was die QualitĂ€t der Veröffentlichungen nordamerikanischer Indiemusiker anbelangt. Tu Fawning sorgten gleich zu Beginn fĂŒr eine hohe Messlatte; dann folgten Destroyer, Battles, die Fleet Foxes, Bon Iver, CANT, Fucked Up und die Handsome Furs, Future Islands und St. Vincent, die Liste ließe sich leicht noch fortsetzen. Alle haben sie neue Werke veröffentlicht, auch „Within And Without“, das Album Washed Outs, fĂŒr viele zwar hinter den ursprĂŒnglichen Erwartungen zurĂŒckbleibend, ist letztlich ein sehr gutes.

Da fragt man sich, was denn jetzt, da das Jahr langsam dem Ende entgegen rinnt, eigentlich noch kommen könne. Die Antwort legt uns Bradford Cox alias Atlas Sound mit „Parallax“ vor. So heißt sein neuer, aktuell auf 4AD erscheinender Output.

„Parallax“ ist eines dieser Alben, die man so schnell nicht wieder loslassen möchte, eine fesselnde BĂŒndelung faszinierender Musik. Dass Cox ein Musiker ist, der viele Menschen immer wieder aufs Neue mit seinen KlĂ€ngen berĂŒhrt, zeigte sich bereits letztes Jahr wieder, als er mit seiner Hauptband Deerhunter „Halcyon Digest“ unter die Leute brachte. FĂŒr viele war schnell klar, dass das eines der Alben des Jahres werden musste. Bei den – manche wĂŒrden sagen – Göttern des zeitgenössischen Online-Indie-Musikjournalismus, den Redaktionsmitgliedern von Pitchfork, schaffte es das Werk dann auch auf Platz drei der Jahrescharts; nur LCD Soundsystem und Kanye West waren besser. Deerhunters leicht psychedelisch angehauchter Indierock ĂŒberzeugte und ĂŒberzeugt Kritiker weltweit.

Auch Cox‘ Soloprojekt Atlas Sound genießt vor diesem Hintergrund natĂŒrlich besondere Aufmerksamkeit seitens der Musikpresse. Und das zurecht. Auf „Parallax“ sammelt Bradford Cox analog zu den beiden VorgĂ€ngern wieder die Momente, die er nicht mit Deerhunter ausarbeiten möchte, sondern lieber eigenstĂ€ndig verarbeitet. Es sind intime Momente, melancholische, aber auch extrovertiertere, die sich in Liedern wie dem breiter instrumentierten „Angel Is Broken“ ausdrĂŒcken, das nach guten zwei Dritteln des Albums erklingt. Ebenso gut kommen allerdings auch StĂŒcke von reduzierterer instrumentaler Ausstattung vor, geprĂ€gt von Akustikgitarren, Bass, Schlagzeug und dezenten elektronischen AusschmĂŒckungen, die fĂŒr den Feinglanz sorgen. Beispielhaft ist hier nicht nur das introvertiert wirkende, die GefĂŒhle bis aufs Äußerste ausreizende „Terra Incognita“, eines der paar Lieder, die bereits vorab zu hören waren, in dem Bradford Cox‘ Stimme wie so oft geradezu schwebt.

Das Schweben ist indes ein beim Hören von Atlas Sounds Musik auftretender Zustand. Von einer zauberhaften Leichtigkeit beseelt bewegt sich Bradford Cox‘ eigenwillige Stimme hĂ€ufig geradezu, zu keinem Zeitpunkt allerdings so verwaschen, wie es sonst derzeit in Mode ist. Die Stimme ist immer klar, immer prĂ€sent, immer berĂŒhrend, immer im Mittelpunkt. Es ist eine handfeste, eine greifbare Psychedelik, die in diesem Fall vorherrscht, und welche Atlas Sounds Musik so nahbar macht.

Auf dem Cover von „Parallax“ posiert Bradford Cox mit einem Mikrofon in schwarzer Umgebung; es ist nur er selbst, nichts dass ablenkt, es sind nur er und seine Stimme, die im Mittelpunkt stehen. „Everywhere I go / There is a light / And it will guide the way“ singt Cox mit dieser Stimme am Ende. Hoffentlich weist uns das Licht den Weg zu zahlreichen weiteren großartigen Atlas-Sound-Alben. ZunĂ€chst aber macht uns auch „Parallax“ alleine schon unglaublich glĂŒcklich.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.

Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Abend, montags bis freitags ab 19 Uhr. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.

Label: 4AD | Kaufen

Was Ihr Wollt am 01. November: The Sound of Music

30.10.2011 von  


Von Atlas Sound kommt unser Album der Woche und – wie immer – liefert der Bandname den AufhĂ€nger fĂŒr die nĂ€chste Folge von Was Ihr Wollt: The Sound of Music.
Bands mit klangvollem Namen und Musik mit besonderen Sounds. Musiker, die sich besonders durch den Klang ihrer Produktionen definieren oder die den Klang der Musik zum Thema machen.

Von den „Pet Sounds“ der Beach Boys ĂŒber Soundgarden, Rhythm & Sound, Musik von Broadcasts Album „Ha Ha Sound“ oder aus dem Musical „the Sound of Music“.

Eure Songs zum Thema „the Sound of Music“ hört Ihr am Dienstag ab 17 Uhr in Was Ihr Wollt.

VorschlÀge könnt Ihr live wÀhrend der Sendung als Kommentar auf unserer Facebook-Seite setzen oder schon jetzt unter diesen Magazin-Post.

Wie immer gilt:‹ You Say, We Play (alle Songs, die wir auftreiben können).

Was Ihr Wollt – am Dienstag, dem 01. November um 17 Uhr.

Tickets fĂŒr Wild Beasts

29.10.2011 von  

Flickr | Enfant Terrible by Sasha Bond |(CC BY-NC-SA 2.0)

Von fiebrigem Indierock ĂŒber Art Funk zu majestĂ€tischer Schönheit. Mit jeder Platte ĂŒberraschen die Wild Beasts mehr und etablieren sich mit ihrem ditten Album „Smother“ endgĂŒltig als eine der momentan inspiriertesten und fesselndsten Bands: Ein Album, das Song fĂŒr Song tiefer hineinzieht in eine Welt aus aufreibenden, bewegenden Moment, nie sicher, wo der nĂ€chste kompositorische Twist lauert.

ByteFM prĂ€sentiert die Tour von Wild Beasts und verlost exklusiv unter Mitgliedern unseres Fördervereins „Freunde von ByteFM“ fĂŒr jedes Konzert 2×2 Karten. Wenn Ihr gewinnen wollt, schreibt uns bis zum 01.11. eine Mail mit dem Betreff „Shakespeare“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.
Ihr seid noch kein „Freund von ByteFM“? Hier erfahrt Ihr, wie Ihr es werden könnt und welche Vorteile das mit sich bringt.

03.11.11 Berlin – Berghain
04.11.11 Hamburg – Kampnagel
05.11.11 Köln – GebĂ€ude 9

Neue Platten: I Heart Sharks – „Summer“

(AdP Records)

7,0

Ist das die Platte des Winters? Sie könnte es zumindest sein, wenn man sich den Titel anschaut: „Summer“. Sommer. Und was hat der Sommer im Winter verloren? FĂŒr die meisten ist der Sommer im Winter eine tief liegende melancholische Sehnsucht. Einhergehend mit GlĂŒck und WĂ€rme. Zu einem Hirngespinst verwelkt der Sommer im Winter, der grau, eisig und hart sein kann. Um diese Zeit zu ĂŒberstehen, wĂŒrde die Band I Heart Sharks entgegnen, musst du dir den Sommer einfach einbilden, ihn dir warm halten: „let’s just pretend it’s summer“. Welch eine innovative Idee. I Heart Sharks ist ein New-York-London-Bayern-Trio, das sich in Berlin zusammengefunden hat. Sich in Berlin fĂŒr irgendwas zusammenfinden, das ist unter kreativen jungen Leuten heute so selbstverstĂ€ndlich, wie der sonntĂ€gliche Gang zum BĂ€cker.

I Heart Sharks sind jung und sie gehören zu den „durch und durch Ă€sthetisierten Menschen des 21. Jahrhunderts“, wie der SPIEGEL-Artikel „i“ die Zielgruppe von Apple-Produkten zu erkennen versucht: „Es sind zeitgemĂ€ĂŸe Produkte fĂŒr den Menschen [
], der zeigen will, dass er auf dem Laufenden ist, kein Technikfreak, [
] aber auch kein Technikfeind, der einen Sinn fĂŒr [
] die seltsame Erotik hat, die von Objekten mit runden Ecken und glatten OberflĂ€chen ausgeht.“

Dass damit auch das musikalische Geheimnis von I Heart Sharks erklĂ€rt wird, daran haben die Autoren nicht gedacht. Denn mit der Musik von I Heart Sharks verhĂ€lt es sich wie mit Apple-Fans. „Summer“ ist zunĂ€chst ein Album fĂŒr die musikalische Oberklasse. Oder will es zumindest sein. Man spĂŒrt das. In der lauten Art des Gesangs, der an vielen Stellen eingebildet wirkt, in der Art der Proklamation. Im Song „Neuzeit“, in dem im Stile vom Ja,-Panik-Album „DMD KIU LIDT“ in Germanenglish gesungen wird, heißt es: „und wir machen neue Geschichte“. Die Band hat den „Berlin-Sound“ aufgesogen, diesen immer noch leicht revolutionĂ€ren, nach Aufbruch schmeckenden Sound. Ohne Probleme kann man sich I Heart Sharks vorstellen, wie sie mit erhobenen FĂ€usten die BĂŒhne betreten: Wir sind da, wir kĂ€mpfen fĂŒr Euch, gegen die Dinge, gegen die es sich zu kĂ€mpfen lohnt. WofĂŒr wissen wir noch nicht, aber das hier, das ist unsere Musik dazu. Doch die ist keineswegs unkonventionell oder avantgardistisch, wie man es von der BohĂšme, den „intellektuellen Randgruppen“ (Wikipedia) erwarten könnte. Es ist elektronische Popmusik. Nicht allzu poppig, doch eher mit runden, als mit kantigen Ecken. Mit der Musik von I Heart Sharks verhĂ€lt es sich wie mit Apple-Fans: Beide sind zeitgenössisch, nicht zu andersartig, aber um Himmels willen wollen sie nicht dem Normalen zugeschrieben werden.

Und hier kommt „die seltsame Erotik [
], die von Objekten mit runden Ecken und glatten OberflĂ€chen ausgeht“ ins Spiel. Denn „Summer“ verhĂ€lt sich so: Es ist ein kryptisches flaches Pop-Album, von dem eine „seltsame Erotik“ ausgeht. Auffallend ist, dass nicht nur die Musik auf Anschlag aufgenommen worden ist, sondern auch die Texte geradezu herausgeschrien werden. Phrasenschmettern: “I never wanted to fall in love in a place like this“ („Rien Ne Va Plus“), “if you ask no questions you hear no lies” („Lies”) und ganz schlimm: “There’s nothing more sad than an angle without light, this is the Neuzeit” („Neuzeit”). The Neuzeit also. Ist es das, was die Band mit ihrer Musik bewirken will? Eine neue Zeitrechnung einleiten? Eine neue Dimension erfinden?

Mag es dem Album an einer lyrischen Basis mangeln, die die vielen leeren Floskeln mit Leben fĂŒllen könnte. Mag es aufdringlich und laut sein. Mag es bloß den Anspruch haben, cool zu sein. Mit „Summer“ veröffentlichen I Heart Sharks ein schnelles Elektropop-Album, das geschickt instrumentiert ist und dessen Spannung ĂŒber die LĂ€nge der Platte gehalten wird. Wer keine lyrischen Wunderwerke erwartet, bekommt zwölf tanzbare melodische Tracks, an denen man sich nahezu ergötzen kann, denn der zunĂ€chst eingebildet wirkende Gesang bekommt nach mehrmaligem Hören eine tranceartige Note. Die Gitarren und Synthesizer wirken bewusst platziert und lebendig. Lediglich eine kleine Verschnaufpause tĂ€te dem Album gut, ein InstrumentalstĂŒck zum Beispiel. Doch Verschnaufpausen geben sich Apple-Nutzer eigentlich auch nicht. Na, also!

Label: AdP Records | Kaufen

ByteFM Tanzklub im Fundbureau

28.10.2011 von  

Der Sommer ist vorbei. Die letzten Sonnenstrahlen haben wir genossen, ab jetzt ist Winter angesagt. Dunkelheit, Regen und dick vermummte Gestalten bestimmen das Bild auf den Straßen. Zeit, um es sich drinnen gemĂŒtlich zu machen und Winterschlaf zu halten.

Aber HALT STOP! Wir haben etwas dagegen: Ab dem 03.11.2011 schwingen wir mit Euch das Tanzbein. Ab sofort findet einmal im Monat der ByteFM Tanzklub statt. An jedem ersten Donnerstag im Monat im Hamburger Fundbureau?!. Der Eintritt ist frei, dafĂŒr zahlt Ihr an der Bar auf das erste GetrĂ€nk zwei Euro extra. FĂŒr die erste Ausgabe am 03.11.2011 legen ByteFM DJs Christa Herdering und Patrick ZiegelmĂŒller die Musik auf, Georg KĂŒhn wirft bunte Bilder an die Wand und Tom Fleischhauer sorgt fĂŒr den Rest.

Also: MĂŒĂŸiggang ist Mittwoch, Donnerstag ist der Tag der Heiterkeit. Der ByteFM Tanzklub im Fundbureau?! am Donnerstag, den 03.11., der Eintritt ist frei (2€ Aufschlag aufs erste GetrĂ€nk).

Konzertkritik: Civil Civic und Camera im Marie Antoinette, Berlin, am 26. Oktober

27.10.2011 von  

CIVIL CIVIC | Flickr | (CC BY-NC-SA 2.0)

Den Weg entlang der Holzmarktstraße in Berlin tritt man normalerweise frĂŒh am Morgen an. Scheinbar endlos erstreckt sich das HauptgebĂ€ude der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) entlang der S-Bahn-Trasse. Wurde man dabei erwischt, wie man sein Ticket vergessen oder nicht gelöst hat, empfiehlt es sich, möglichst schon vor den Öffnungszeiten die BVG Zentrale aufzusuchen, mittags wartet man oft Stunden um seinen Einspruch gegen das erhöhte Beförderungsgeld einlegen zu können. Doch hinter diesem lieblosen Klotz mit dem gelben Corporate Design verbirgt sich eine der schönsten Locations Berlins. Das Marie Antoinette hat sich unter der S-Bahn-BrĂŒcke eingenistet und wirkt zumindest auf den ersten Blick unauffĂ€llig. Tritt man jedoch durch die TĂŒr, findet man sich in einem geschmackvoll ausgeleuchteten und eingerichteten Venue wieder. Die gewölbte Decke schmeichelt durch ihre Weichheit und die Diskokugel, die dem Raum ihre LichtpĂŒnktchen anheftet, setzt einen romantisch-verspielten Akzent. Mit viel Liebe wird hier vorbereitet, an der Bar bedient, ein entspannter Umgang mit Band und Publikum gepflegt – man kennt sich und doch ist jeder Unbekannte willkommen.

Es kommt selten genug vor, dass die Vorband in Konzertberichten eine ErwĂ€hnung findet. Am Mittwochabend war es aber vor allem die Supportband Camera aus Berlin, die mit ihrem sphĂ€rischen Krautrock ĂŒberzeugt hat. Mit einem hingebungsvollen Schlagzeuger in ihrer Mitte, maltrĂ€tierte das Trio ihre Instrumente und schuf so eine KlangatmosphĂ€re, die das Publikum hypnotisiert zurĂŒckließ. Die Gesichter zur BĂŒhne gewendet, starrten viele Zuhörer wie durch die Band hindurch, verloren sich in ihren Gedanken, ließen sich von der Musik tragen und nur schwer wieder in das Hier und Jetzt zurĂŒckholen. Die Songs von Camera sind wie ein Mantra aufgezogen, Repetitionen untermauern die Melodien, und machen es schwer, sich der Band zu entziehen. Stellt man sich vor, dass die Band zuweilen auch mit SĂ€nger auftritt, ist es nur ein kleiner Schritt zu einem Vergleich mit Can.

Das australische Duo Civil Civic hatte seinen gesamten Auftritt ĂŒber mit Tonproblemen zu kĂ€mpfen. Bassist Ben Green bekam aus den Lautsprechern neben ihm nur den Ton von Gitarrist Aaron Cupples zu hören und musste fast nach jedem Song darauf hinweisen. Auch konnte man ihm ansehen, dass er sich nur schwer auf den Auftritt konzentrieren konnte. Obwohl die Stimmung zwischen den beiden entspannt und gelöst war, schien der Ton beide gleichermaßen zu stören. Die Gitarre hĂ€tte etwas weniger Spitzen im Ton vertragen können, ĂŒbersteuerte teilweise und der Bass waberte mit einem unangenehmen Hintergrunddröhnen durch den Raum. Vielleicht sind das akustische Abstriche, die man bei dieser Raumstruktur machen muss. Leider litt das Konzert von Civil Civic sehr darunter. Nur die HĂ€lfte der Location war gefĂŒllt und direkt vor der BĂŒhne war die SoundqualitĂ€t kaum auszuhalten.

Die Tonprobleme waren vermutlich der Hauptgrund dafĂŒr, dass Civil Civic vergleichsweise kurz gespielt haben. Zumindest kann man sich trösten: Civil Civic sollte man live nochmal eine Chance geben. Der Ton macht die Musik.

Neue Platten: I Break Horses – „Hearts“

27.10.2011 von  

(Bella Union/Cooperative Music)

6,0

Letzte Woche wurde hier mit Veronica Falls noch der Herbst beschworen und musikalisch zelebriert, heute gibt es entsprechend der sinkenden Temperaturen da draußen den ersten Winterhit: passenderweise „Winter Beats” betitelt. Er kommt vom schwedischen Duo I Break Horses und ist der erste Song ihres DebĂŒtalbums „Hearts“. I Break Horses, so hieß ein Song von Bill Callahan, den er noch unter dem Namen Smog geschrieben hat: „I break horses / They seem to come to me / Asking to be broken“ singt er da. Ob Maria LindĂ©n und Fredrik Balck, die hinter I Break Horses stecken, sich nach dem Song benannt haben, bleibt ungewiss. Sicher ist nur, dass ihre Songs zerbrechlich klingen, so wie das bereits genannte StĂŒck „Winter Beats“.

Interessant ist die Arbeitsweise der beiden Schweden. Balck schreibt die Texte und Lindén vertont diese Texte im Anschluss. Der Gesang ist dabei hÀufig undeutlich und nur entfernt zu hören, ein verdecktes Rauschen, die Musik steht doch sehr im Vordergrund. Drei Jahre schrieben die beiden an den neun Songs.

„Winter Beat“ baut sich langsam auf und lĂ€dt den Hörer zum Abheben ein. Ein Synthesizer, der ihn wie auf einer Wolke davon trĂ€gt. In der Mitte pausiert er kurz, um dann zu explodieren. Dabei entsteht ein rauschhafter Sog, der gegen Ende des Songs in einer Soundwand kulminiert. Der zweite Song „Hearts“ trĂ€gt diese Stimmung weiter, es rauscht weiterhin und dazu erklingt der sirenenhafte Gesang von Maria LindĂ©n. So wabert es bis mit „Wired“ der erste Song ohne Synthies beginnt und eine angenehme ErnĂŒchterung darstellt. Ein wunderbar konstruierter Song, der ganz in die Fußstapfen von The Jesus And Mary Chain oder My Bloody Valentine, LindĂ©ns Helden, wandert und zum Ende hin den Hörer aus der kurzen Phase der Ruhe reißt und wieder mit auf den Wolkenritt nimmt. Zu „I Kill Love, Baby!“ lĂ€sst sich prima auf der Wolke einschlafen und meditieren. Bei „Pulse“ klicke ich verwirrt wieder auf Anfang und höre nochmal genau hin: Ist das nicht die Stimme von Kazu Makino, ihrerseits SĂ€ngerin der amerikanischen Band Blonde Redhead? Nein, LindĂ©n klingt nur wie ihre Schwester. SpĂ€testens beim Song „Cancer“ hat man das Prinzip „I Break Horses“ verstanden: Zu atmosphĂ€rischem Sound hallt und rauscht LindĂ©ns Gesang engelsgleich, Worte sind bedeutungslos, es geht um das Soundkonstrukt. Das wirkt teilweise ein wenig ermĂŒdend und redundant, doch „Load Your Eyes“ stellt eine willkommene Abwechslung auf der Soundwolke dar. LindĂ©ns Coolness kommt hier mehr zum Tragen, wenn der Sound sich etwas zurĂŒckhalt. Bei „Empty Bottles“ wird der Hörer auch noch einmal aus seiner HerbstmĂŒdigkeit gerissen, die Bassdrum stimuliert das Herz und den Puls. „No Way Outro“ schubst den Hörer mit einer riesigen Soundschleuder hinab von der Wolke, zurĂŒck auf den Boden der Tatsachen. ZurĂŒck bleiben ein kleiner Schwindel vor lauter Rauschen und die alte Binsenweisheit, dass manchmal weniger doch mehr sein kann.

Label: Bella Union/Cooperative Music | Kaufen

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