Neue Platten: Mediengruppe Telekommander – „Die Elite Der Nächstenliebe“

26.09.2011 von  

(Audioakt)

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Mediengruppe Telekommander (MTK) ist eine Elektro-Kombo, die Gegensätze anziehend macht. Was sich geographisch andeutet (der eine kommt aus Österreich, der andere aus München, die Band wird aber stets als Berliner Gruppierung verbucht), setzt sich musikalisch fort. Während die synthielastigen Klänge Partymukke versprechen, wird der Partylöwe spätestens bei den Texten nachdenklich. Gesellschafts-, system- und konsumkritische Texte lassen auf tiefgründige Musik, eingehüllt in den Mantel der Leichtigkeit, schließen.
Seit 2001 sind Mediengruppe Telekommander aktiv und veröffentlichen nun ein weiteres Album der Gegensätze. Ist „Die Elite Der Nächstenliebe“ einerseits der erste Release auf dem neu gegrĂĽndeten Label Audioakt (Zusammenschluss von Audiolith und Staatsakt), so ist es andererseits das letzte Werk der Band.

Was? Abschied fällt ja bekanntlich schwer. Wenn er aber so groovt und zischt wie bei MTK, dann bleibt einem (wieder mal) nichts anderes ĂĽbrig, als die Dancefloors zu stĂĽrmen und die Arme in die Luft zu reiĂźen. Die Synthies schnalzen, die Texte kritisieren, die Stimmen schreien und verschlucken sich. „Die Elite Der Nächstenliebe“ ist ein Album, das mehr MTK nicht sein könnte. So wie die Jungs angefangen haben, so verabschieden sie sich auch. Schon der erste Song „Auf Der Sicheren Seite“ zeigt auf, was die Platte macht: auf eben jener Seite bleiben und dabei gut sein wie immer. Warum auch nicht? Was sie können, das können sie. Zum Beispiel bestechende Texte schreiben, die den Aberwitz zwischen Intellekt und Pseudo-Intellekt ins Wanken bringen und mit ihrer plakativen Korrektheit zum Nachdenken anregen. Oder Synthies quälen, bis sie scheinbar kurz vor dem Platzen sind. Eben so, wie schon in den Jahren zuvor. So, wie es der Hörer gewohnt ist. So, wie schon immer, seit es Mediengruppe Telekommander gibt: groĂźartig.

Warum? Mediengruppe Telekommander sind nach wie vor eine verlässliche Größe, wenn es um wippende Beats und knallende elektronische Klänge geht. Die Platte hört sich in einem Rutsch durch, wirkt beinahe wie ein einziger Track. Ein Track der Gegensätze, der laute mitklatsch-Attaken evoziert und leise Zustimmung der Konsumkritik provoziert (laut geht ja nicht, dann hört man die Texte nicht mehr).
Mediengruppe Telekommander haben ein 30 Minuten langes Abschiedsgeschenk bereitet das einmal mehr zeigt, was die Band kann und weshalb Gegensätze eben doch anziehend sind.

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