Lena Malmborg

30.09.2011 von  

Zu ihrem 9. Geburtstag bekam Lena Malmborg von ihrem älteren Bruder eine Platte von Muddy Waters, die ihre Liebe zur Musik entfachte. Die einfachen Elemente und die Grundidee des Blues sind es auch, die sie in ihrer eigenen Musik verfolgt. FĂĽr ihr aktuelles Album „Paris To Berlin“ zog die schwedische Musikerin in die deutsche Hauptstadt und widmete der Stadt sogar einen Song. Im Rahmen ihrer Deutschland-Tour besuchte sie uns bereits zum zweiten Mal samt Band im Studio und spielte das StĂĽck „Killer“ live. Viel Spass dabei! Ihre Session vom November 2010 könnt ihr ĂĽbrigens hier nachören.

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Lena Malmborg – Killer (Live @ ByteFM)

Presseschau 30.09: And here’s to you Mrs. Robinson… Sylvia Robinson ist gestorben

30.09.2011 von  

Piano Piano! (Hans Thijs)| Flickr | (CC BY 2.0)

Eine Wegbereiterin des Hip-Hop ist tot. Sylvia Robinson verstarb gestern in New Jersey im Alter von 75 Jahren. Robinson, die als Sängerin in den 1950er sowie 1970er Jahren Erfolge in den US Charts verbuchen konnte, grĂĽndete zusammen mit anderen das legendäre Hip-Hop Label Sugar Hill Records. Als Meilensteine der Geschichte des Labels gelten: „Rapper’s Delight“ von Sugar Hill Gang (1979), eine der ersten kommerziell erfolgreichen Songs des damals noch jungen Genres, oder auch „The Message“ von Grandmaster Flash (1982). In der amerikanischen Presse lesen wir mehrere Nachrufe u.a. bei NPR oder in der New York Times.

Noch nicht gestorben, aber schon ziemlich alt ist Tony Bennett. Mit seinem ersten! Nummer-Eins-Album seiner 60-jährigen Karriere, das den Namen „Duets II“ trägt und Kollaborationen mit Amy Winehouse, Lady Gaga und Mariah Carey beinhaltet, steht er nun auf Platz 1 der US Charts. In einem so hohen Alter hat das vor ihm noch kein lebender Musiker geschafft, berichtet die BBC. Kontinuierliches BemĂĽhen zahlt sich also manchmal doch aus. Wir gratulieren!

Sehr erfolgreich war auch das letzte Album von Leslie Feist. Nach all der auszehrenden Aufmerksamkeit rund um „The Reminder“ hat sie sich zurĂĽckgezogen und sich fĂĽr den Nachfolger vier Jahre Zeit gelassen. Heute erscheint ihr neues Werk „Metals“ und Rezensionen der Platte gibt es bei Zeit Online, der taz, der SĂĽddeutschen Zeitung oder auch beim Tagesspiegel zu lesen.

Die Aufmerksamkeit, die mittlerweile Nirvana und dem Grunge geschenkt wird, hat sich nun auch Courtney Love zu Nutzen gemacht und ihre Memoiren angekündigt. Einen Titel für das Werk gibt es noch nicht, aber sie will darin u.a. einige Mythen rund um ihre Beziehung mit Kurt Cobain richtig stellen. Nach einem Bericht des Rolling Stone soll das Buch im Herbst nächsten Jahres erscheinen.

Vielleicht kann ihr Bob Dylan einen guten Rat geben, worauf sie dabei achten sollte. Dieser wurde jetzt des Plagiats bezichtigt. Allerdings nicht fĂĽr einen seiner Songs, sondern fĂĽr seine Gemäldereihe „The Asia Series“, die zurzeit in einer New Yorker Galerie ausgestellt wird. Dabei wird ihm vorgeworfen, Fotografien von Henri Cartier-Bresson oder LĂ©on Busy exakt kopiert zu haben – so gelesen im Rolling Stone. Einen Eindruck von der Qualität des Malers Bob Dylan könnt ihr Euch hier verschaffen.

Neue Platten: DJ Shadow – „The Less…, the Better“

30.09.2011 von  

(Universal)

9,1

Miles Davis, dessen Todestag sich vor ein paar Tagen zum 20. Mal jährte, hätte der Ankündigung eines neuen DJ Shadow Albums vermutlich entgegnet: „So What?!“.
Na und? Was soll’s? Wie ignorant! Denn Shadows neues Album ist eine Wucht.
Was Davis‘ „Kind Of Blue“-Album 1959 war, das war fĂĽr DJ Shadow fast vierzig Jahre später „Endtroducing…..”, „the first album created entirely from sampled sources” (diese Aussage ist offenbar Guinness World Records-zertifiziert). Damals, Mitte der 90er Jahre, als Musik gelegentlich noch ohne Hilfe von Computern produziert wurde, war ein ausschlieĂźlich auf Samplen basierendes Album tatsächlich eine Sensation. DJ Shadow, bĂĽrgerlich Joshua Paul Davis, ein zurĂĽckhaltender Kalifornier, gilt seit dieser Veröffentlichung als Suchender. Stets auf der Suche nach Tonaufnahmen. Immer. Ăśberall. Vinyl, Tonbänder, Tapes, egal. Hat ĂĽbrigens noch jemand alte Kassettenaufnahmen irgendwelcher Kinderzimmer-DĂĽngeleien? Immer her damit!

Nach fast fünfjähriger Veröffentlichungspause erscheint nun ein neues Album von DJ Shadow, der für seine Musik längst nicht mehr nur Samples verwendet: „The Less You Know, the Better“. Aus heutiger Perspektive (das Weltwissen immer nur wenige Mausklicks entfernt) ein fast antiquierter Titel, der dazu aufruft, darüber nachzudenken, ob uns die Informationsflut von Facebook, Google und Co eher nützt oder eher schadet.

„I’m back, I forgot my drum” – mit diesen unprätentiösen und zugleich kryptischen Worten beginnt die Platte und dann – na klar! – setzt das Schlagzeug doch ein. Nach dem kurzen Opener, der mit einem Heavy-Metal-Hard-Rock-Zitat endet („you’re gonna die“), hat man sich warm gehört. Nun beginnt ein Etwas, das mit Genrebegriffen kaum zu fassen ist. Hip-Hop? Chanson? Stadion-Rock? Elektro-Punk? So What! Zunächst weiter mit Heavy-Metal. Im zweiten StĂĽck „Border Crossing“ kommen in bester Ozzy Osbourne-Manier die harten Gitarren zum Einsatz. Noch etwas peinlich berĂĽhrt darĂĽber, dass man Hip-Hop erwartet, aber Metal zu hören bekommt, drängt sich die Frage auf, ob man wirklich Musik von DJ Shadow hört oder fälschlicherweise eine geheime Platte von Rage Against The Machine erwischt hat. Mit dem dritten StĂĽck „Stay The Course“ kommt die Erlösung. Der erste Hip-Hop-Track des Albums ist „no matter east, nor south or west, just stay the course“. Auf Kurs bleiben also. Von wegen: In den folgenden StĂĽcken wiederholt sich dieses wirsche Genre-Roulette mehrmals.

„The Less You Know, the Better“ verzichtet auf Eigenschaften, die man von Langspielplatten erwartet. Ein roter Faden fehlt. Durchhörbarkeit: Fehlanzeige. Zum Glück, denn das Verhältnis zwischen Produzent und Hörer bekommt auf diesem Album eine neue Bedeutung. Der Hörer wird, wie DJ Shadow, zum Suchenden. Er wird zum Suchen gezwungen und steht zugleich vor vielen Fragen: Was zur Hölle gefällt mir hier eigentlich gut? Der Song „I’ve Been Trying“, ein Gitarrenstück, das stark an „Wish You Were Here“ von Pink Floyd erinnert? Oder das majestätische stakkato-artige Gitarrenriff, das in „Warning Call“ auf einen tiefen Bass und die fordernde Stimme von Tom Vek trifft? Oder das düstere, Sample-basierte „Give Me Back The Nights“, dessen Bass- und Synthesizer-Linie einfach nur abgefahren ist?

„The Less You Know, the Better“, das vierte Album von DJ Shadow, ist ein großartiges, facettenreiches, experimentelles Album. Stück Nummer 17 (insgesamt sind es 19, Spielzeit 85 Minuten), in dem David Bowie und Sting zu hören sind (so klingt es zumindest), fasst die Idee der Platte gut zusammen: „Come On Riding (Through The Cosmos)”. So What!

DJ Shadow „Warning Call“ (featuring Tom Vek) by GrillMarketing

(Download)

Label: Island | Kaufen

Presseschau 29.09.: Ausgerockt.

29.09.2011 von  

tommy forbes| Flickr | (CC BY-SA 2.0)

Wir berichteten erst vor kurzem ĂĽber die BefĂĽrchtungen des Sängers von Bloc Party, Kele Okereke, dass seine Kollegen ihn ersetzen wollten. Nun schreibt der NME, dass die drei anderen Mitglieder sich wirklich auf die Suche nach einem neuen Frontman gemacht haben. So wurden Gitarrist Russell Lissack, Bassist Gordon Moakes und Schlagzeuger Matt Tong von Kele Okereke dabei gesichtet, wie sie ins New Yorker Studio gingen. Der Stern spricht nun ĂĽber den „Rauswurf des Sängers“.

Thomas Winkler hat fĂĽr die Zeit Online das neue Album von Apparat Band unter die Lupe genommen und ist von dessen Album „The Devil’s Walk“ nicht ĂĽberzeugt. „Wusste Sascha Ring nicht mehr, wie es weiter gehen soll?“, fragt sich Winkler. „Produzent in der Sackgasse“ titelt er und hinterfragt in seinem Artikel die Entwicklung von Sascha Ring vom geschätzten Musikproduzenten zum Songschreiber.

Andreas Busche von der taz hat sich das neue Album „Conatus“ von Zola Jesus, bĂĽrgerlich Nika Roza Danilova, genauer angeschaut. Dabei gebraucht er den Begriff „Hypnagogic Pop“ und bezieht sich dabei auf den britischen Musikjournalisten David Keenan. Der benutzte 2009 den Begriff als „Beschreibung fĂĽr ein loses Netzwerk von US-LoFi/Noise-Musikern mit einer starken Affinität fĂĽr die ästhetischen und kulturellen Paradigmen der achtziger Jahre“. Inwiefern Zola Jesus Teil dieser Pop-Bewegung ist, erfahrt Ihr in der taz. Unsere Rezension des Albums könnt Ihr hier nachlesen.

Helmut Qualtinger, Schauspieler, Schriftsteller, Komödiant und Gesellschaftskritiker, starb 57-jährig am 29. September 1986. Anlässlich seines 25. Todestages widmen sich besonders die österreichischen Medien der „grantigen Instanz“, der österreichischen Institution.

Presseschau 28.09.: Ein besonderes StĂĽck Konzerterinnerung

28.09.2011 von  

terremoto | Flickr | (CC BY-SA 2.0)

Heute jährt sich der Todestag von Miles Davis zum 20. Mal. Wir haben an anderer Stelle auch schon kurz darĂĽber berichtet. Anders als bei Geburtstagen oder Jubiläen erfreuen sich Erinnerungen an Todestage nicht so groĂźer Beliebtheit. Die Wiener Zeitung und die ARD haben das im Falle von Miles Davis trotzdem getan. Der Mann ist schwer zu greifen, sei es wegen seines umfassenden Werkes, seiner ständigen Neuerfindungen und Stilwechsel oder aufgrund der Distanz zwischen BĂĽhnenfigur und Privatperson. Worauf sich vermutlich viele einigen können, hat die Wiener Zeitung zusammengefasst: „Bis heute wird er nicht als Idol verehrt sondern als Lehrer. Was fĂĽr einen Musiker sicherlich die größere Anerkennung ist.“

Eine Legende, von der sich Miles Davis einst inspirieren ließ, soll mittlerweile am traurigen Tiefpunkt seiner Karriere gelandet sein. Wir berichteten über Sly Stone, der heute in einem Wohnmobil haust, ebenfalls schon in der gestrigen Presseschau. Diese Nachricht hat nicht nur uns berührt, sondern auch den Guardian dazu veranlasst, ein Interview aus dem Jahre 1974 nachzudrucken, das die überbordenden Starallüren der Funk-Legende zu seiner besten Zeit bildhaft vermittelt. So schreibt Chris Charlesworth über den bleibend-schmerzhaften Händedruck, den die mit Diamanten bestückten Ringe bei ihm hinterließen.

Keine Diamantringe, aber dafĂĽr ein neues Album hat Modeselektor. Das hat gleich mehrere Menschen dazu bewegt, sich näher mit der Band und ihrem neuen Werk „Monkeytown“ auseinanderzusetzen. In der taz lesen wir eine Kritik der Platte, die demnach vor allem bei den Kollaborationen mit den zahlreichen Gästen ihre besten Momente hat. Unter den groĂźen Namen der Gäste finden sich auch Otto von Schirach, Miss Platnum und natĂĽrlich Thom Yorke, der ein groĂźer Fan des Berliner Kollektivs sein soll. FĂĽr den Tagesspiegel hat unser ByteFM Kollege Martin Böttcher Modeselektor im Studio besucht und ĂĽber die Techno-Kultur Berlins, die Zusammenarbeit mit Thom Yorke und den richtigen Zeitpunkt fĂĽr ein Modeselektor-Kochbuch gesprochen.

Kein Kochbuch haben Sigur RĂłs geschrieben. DafĂĽr hat sich die isländische Band ein ganz besonderes „Schmankerl“ fĂĽr ihr im November erscheinendes Live-Album „Inni“ ausgesucht, das Fans begeistern, aber vielleicht auch abschrecken könnte. Was auf ihrer Website als „unique concert artefact“ bezeichnet wird, hat Pitchfork als ein ausgeschnittenes, ungewaschenes StĂĽck Kleidung der Band von ihrem Auftritt im November 2008 in London identifiziert. Na dann, viel VergnĂĽgen beim daran Schnuppern…

20. Todestag von Miles Davis

28.09.2011 von  

tompalumbo (Tom Palumbo) | Flickr | (CC BY-SA 2.0)

Kaum ein anderer Musiker hat Veränderung und Fortschritt im Jazz über Jahrzehnte so stark geprägt wie Miles Davis. Geboren in der Kleinstadt Alton (Illinois) zog es ihn bereits mit 18 Jahren nach New York, wo seine Karriere langsam und nicht ohne Schwierigkeiten ins Laufen geriet. Beim Newport Jazz Festival spielte Davis 1955 einen historischen Auftritt, der ihn endgültig zu einer der Größen des Genres werden ließ. Mit Columbia Records ging er in der Folge einen der längsten Exklusivverträge der Musikgeschichte ein, der nicht weniger als 30 Jahre dauerte. Über diese drei Jahrzehnte veröffentlichte er unzählige Tonträger und scheute sich nicht davor, einen Blick über die Genregrenzen zu werfen.

So gelang es ihm beispielsweise 1969 das Titelblatt des Rolling Stone zu schmücken, weil er sich von Rockmusikern wie Jimi Hendrix inspirieren ließ und Piano und Gitarre elektrisch verstärkte. Nachdem er 1975 ein letztes Konzert im New Yorker Central Park gespielt hatte, zog er sich – auch gesundheitsbedingt – zurück und widmete sich vermehrt der Talentsuche. Dabei verhalf er nicht wenigen Künstlern zum Durchbruch. In den frühen 1980er Jahren begann er wieder regelmäßig Platten zu veröffentlichen und Konzerte zu spielen, hatte aber bis zu seinem Tod immer wieder mit gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen. Am 25. August 1991 trat er in Hollywood das letzte Mal live auf und verstarb einen Monat später an den Folgen eines schweren Schlaganfalls.

Am 28. September jährt sich der Todestag von Miles Davis zum 20. Mal. Mehr dazu erfährt Ihr heute ab 15 Uhr im ByteFM Magazin mit Oliver Stangl.

Neue Platten: Zola Jesus – „Conatus“

28.09.2011 von  

(Souterrain Transmissions)

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Nika Roza Danilova ist Zola Jesus. Die Sängerin mit Opernausbildung aus Madison, Wisconsin, veröffentlichte nach einigen EPs im Jahr 2010 ihr DebĂĽt „Stridulum II“, machte sich mit ihrem Nebenprojekt Nika & Rory einen Namen und hat auf mehreren Songs der Band Former Ghosts mitgewirkt, der Kollaboration von Freddy Ruppert und Xiu-Xiu-Frontmann Jamie Stewart.

Was Danilovas wuchs in den Wäldern von Wisconsin auf, einem Staat mit unendlich weiten Feldern und der doppelten Größe, aber nicht mal der Hälfte der Einwohner Bayerns. Sie hätte kaum Zeit mit jemand anderem als ihrem Bruder verbracht, Internet und Fernsehen hätte es bei ihnen nicht gegeben, und das Abendessen wurde selbst geschossen und geschlachtet – ĂĽberall im Haus seien Tierteile herumgelegen, erinnert sich Danilova.
Weite, Isolation und Tod meint man auch in den Songs von Zola Jesus zu hören. Ihre Musik, angetrieben von Danilovas unglaublich kraftvollen Stimme, ist düster, kühl, unheimlich und manchmal unangenehm, aber unter der Goth-Decke verstecken sich meist sehr eingängige Melodien.

Warum Zola Jesus‘ zweites Album „Conatus“ ist eine weiterer kleiner Schritt in Richtung Pop und geht somit den Weg weiter, den sie schon auf ihrem ersten Album einschlug, auf dem der Noise im Gegensatz zu ihren EPs schon stark reduziert wurde. Aber nicht nur weniger noiseig ist das Ganze, auch die ewige Verdammnis ist nicht mehr in jedem Song so deutlich zu spĂĽren. Aber keine Sorge, die Morbidität ist geblieben. In „Seekir“ wird der eine oder andere Geist beschworen, und auch Titel wie „Lick The Palm Of The Burning Handshake“ oder „Hikikomori“, das japanischen Wort fĂĽr Menschen, die sich vollständig aus der Gesellschaft zurĂĽckziehen, zeigen, dass sich Nika Roza Danilova immer noch auf der dunklen Seite befindet. Und dort treibt wie schon auf „Stridulum II“ ein recht ungesunder Herzschlag konsequent voran und im Hintergrund flĂĽstern auch diesmal die Industrial-Elemente, nur wirkt die Musik auf „Conatus“ noch ein StĂĽck epischer als auf dem Vorgänger: die Drums sind breiter, die Räume größer und Streicher (was epischen Klang angeht ja immer eine ganz gute Wahl) verleihen den Songs hier und da einen leicht orchestralen Touch. Und das Herz, es pumpt nicht immer wie verrĂĽckt. Bei der glasklaren Ballade „Skin“ oder dem ruhigeren „Collapse“ fĂĽllt Danilova die Zwischenräume mit atmosphärischen Klängen oder ĂĽbersteuerten Synthies, was den Songs noch zusätzliche Meldodramatik verleiht (als hätten sie es nötig). Selten wurde Leiden so kraftvoll und tanzbar präsentiert.

Label: Souterrain Transmissions | Kaufen

Tickets fĂĽr Planningtorock

27.09.2011 von  

bigaila (Abby Stanglin) | Flickr | (CC BY 2.0)

Faszinierend und ein wenig verstörend werden die Auftritte von Janine Rostron alias Planningtorock beschrieben, bei denen Rostron ihre Rolle spielt, irgendwo zwischen provokativer Kunstfigur und begnadeter Multiinstrumentalistin. Mit ihrer verzerrt-elektronischen Musik baut die Engländerin eine rätselhafte, düstere und bedrohliche Landschaft auf, die einen Eindruck hinterlässt, den man nicht so schnell abschüttelt. Da ließ eine Kooperation mit Fever Ray natürlich nicht lange auf sich warten, die wie Rostron ihre Hörer mitnimmt in ein ähnlich sonderbares, alternatives Musikuniversum.

ByteFM präsentiert die Tour von Planningtorock und verlost Karten. Wenn Ihr gewinnen wollt, dann schreibt uns einfach bis zum 08.10. eine Mail mit dem Betreff „Anderson“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.

13.10.11 Berlin – Berghain
14.10.11 MĂĽnchen – Ampere
16.10.11 Köln – Gebäude 9
17.10.11 Hamburg – Kampnagel

Presseschau 27.09.: Bleibt sauber!

27.09.2011 von  

(ByteFM)

Ein fliegendes Schwein ĂĽber London? Das war gestern laut Promiflash zu bestaunen und erinnerte an 1976. Damals hatte die britische Band „Pink Floyd“ zur Veröffentlichung ihres zehnten Albums „Animal“ ein zwölf Meter langes, mit Helium gefĂĽlltes Schwein in die LĂĽfte von London steigen lassen, um das Titelfoto des Albums aufzunehmen, welches ĂĽber der Battersea Power Station geschossen wurde. „EMI Music“ legt derzeit alle 14 Studioalben der Band auf und nutze ein neues Schwein als Werbegag.
Und wer weiĂź, vielleicht werden Pink Floyd auch doch noch mal live auftreten. Wenn dann aber nur, wenn es sich um „a grander version of Live 8 driven by someone even more major than Bob Geldof“ handele, wie der NME Schlagzeuger Nick Mason zitiert.

Vom 29.9. bis zum 1.10. findet in Frankfurt im KĂĽnstlerhaus Mousonturm das Bodies of Babel Festival statt. Das Festival möchte der Frage „Wie hat sich der Umgang mit dem menschlicher Körper durch den Film verändert?“ auf den Grund gehen. Kuratiert wird das Festival von Markus Gardian, Karola Gramann und Thies Mynther. Neben Filmen und Podiumsdiskussionen werden auch einige Bands spielen, u.a. Love Incs. und Scott Matthew.

Wer ist eigentlich nochmal dieser Freddy Quinn? Dieser Frage widmet sich heute Klaus Walter im ByteFM Magazin ab 15 Uhr. Anlass ist der 80.Geburtstag des Mannes, der zwischen 1956 und 1966 die deutsche Hitparade mit zehn Nummer-Eins-Hits gehörig aufmischte. Auch der Stern begibt sich in seiner heutigen Online-Ausgabe auf die Spuren des „falschen“ Seemanns Freddy Quinn. Denn was die Wenigsten wissen, der Sänger, der das Meer und das Fernweh oft in seinen Liedern besang, fuhr doch selbst nie zur See. Der gebĂĽrtige Ă–sterreicher ist das, was man in Seefahrerkreisen wohl als eine waschechte „Landratte“ bezeichnen wĂĽrde.

In Ă–sterreich hat anscheinend neulich auch mal der Berliner Rapper Sido aufgeräumt. So berichtet die taz. Sido war als Juror einer Art österreichischen Ausgabe von „Deutschland sucht das Supertalent“ in Wien tätig und hat auf seine unnachahmlich nonchalante Weise Jury, Kandidaten und vor allem die österreichische (Klatsch-)Presse verprellt. Sauber.

Sido könnte man vielleicht zum GroĂźreinemachen gleich weiter nach London schicken. Mit einer „putzigen“ Idee – im wahrsten Sinne des Wortes – arbeitet die Stadt, die 2012 Gastgeber der Olympischen Sommerspiele ist, an einem „saubereren Image“. Es soll bald sprechende oder sogar singende MĂĽlleimer geben, wie Spiegel Online berichtet. „I‘m Singing in the Bin“ („Ich singe im MĂĽlleimer“) statt „I‘m Singing in the Rain“ oder „Rubbish Keeps Falling on my Head“ („MĂĽll fällt weiter auf meinen Kopf“) statt „Raindrops Keep Falling on my Head“ soll der ahnungslose Londoner demnächst hören, wenn er seinen Teebeutel in den öffentlichen MĂĽlleimern versenkt.

Um das Putzen muss sich Sly Stone, ehemaliger Bandleader von Sly And The Family Stone, erstmal keine größeren Gedanken mehr machen. Er hat nun bekannt gegeben, dass er in Los Angeles in einem Van lebe, wie im NME nachzulesen ist. Der einstige Villenbesitzer lebt nun in einem Camper, der auch „Pleasure Way“ genannt wird. Eine ortsansässige Familie erlaube ihm, die Dusche zu benutzen, und sorge fĂĽr das leibliche Wohl des ehemaligen Stars, der sich selbst nicht als obdachlos bezeichnet und gerne einmal mit Lady Gaga arbeiten wĂĽrde.

Neue Platten: Mediengruppe Telekommander – „Die Elite Der Nächstenliebe“

(Audioakt)

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Mediengruppe Telekommander (MTK) ist eine Elektro-Kombo, die Gegensätze anziehend macht. Was sich geographisch andeutet (der eine kommt aus Österreich, der andere aus München, die Band wird aber stets als Berliner Gruppierung verbucht), setzt sich musikalisch fort. Während die synthielastigen Klänge Partymukke versprechen, wird der Partylöwe spätestens bei den Texten nachdenklich. Gesellschafts-, system- und konsumkritische Texte lassen auf tiefgründige Musik, eingehüllt in den Mantel der Leichtigkeit, schließen.
Seit 2001 sind Mediengruppe Telekommander aktiv und veröffentlichen nun ein weiteres Album der Gegensätze. Ist „Die Elite Der Nächstenliebe“ einerseits der erste Release auf dem neu gegrĂĽndeten Label Audioakt (Zusammenschluss von Audiolith und Staatsakt), so ist es andererseits das letzte Werk der Band.

Was? Abschied fällt ja bekanntlich schwer. Wenn er aber so groovt und zischt wie bei MTK, dann bleibt einem (wieder mal) nichts anderes ĂĽbrig, als die Dancefloors zu stĂĽrmen und die Arme in die Luft zu reiĂźen. Die Synthies schnalzen, die Texte kritisieren, die Stimmen schreien und verschlucken sich. „Die Elite Der Nächstenliebe“ ist ein Album, das mehr MTK nicht sein könnte. So wie die Jungs angefangen haben, so verabschieden sie sich auch. Schon der erste Song „Auf Der Sicheren Seite“ zeigt auf, was die Platte macht: auf eben jener Seite bleiben und dabei gut sein wie immer. Warum auch nicht? Was sie können, das können sie. Zum Beispiel bestechende Texte schreiben, die den Aberwitz zwischen Intellekt und Pseudo-Intellekt ins Wanken bringen und mit ihrer plakativen Korrektheit zum Nachdenken anregen. Oder Synthies quälen, bis sie scheinbar kurz vor dem Platzen sind. Eben so, wie schon in den Jahren zuvor. So, wie es der Hörer gewohnt ist. So, wie schon immer, seit es Mediengruppe Telekommander gibt: groĂźartig.

Warum? Mediengruppe Telekommander sind nach wie vor eine verlässliche Größe, wenn es um wippende Beats und knallende elektronische Klänge geht. Die Platte hört sich in einem Rutsch durch, wirkt beinahe wie ein einziger Track. Ein Track der Gegensätze, der laute mitklatsch-Attaken evoziert und leise Zustimmung der Konsumkritik provoziert (laut geht ja nicht, dann hört man die Texte nicht mehr).
Mediengruppe Telekommander haben ein 30 Minuten langes Abschiedsgeschenk bereitet das einmal mehr zeigt, was die Band kann und weshalb Gegensätze eben doch anziehend sind.

Label: Audioakt | Kaufen

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