Presseschau 30.07.: Cults und die Provokation

30.07.2011 von  

Die Spex setzt sich mit dem Video zu „Go Outside“ von Cults auseinander, mit dem die Band provozieren m√∂chte. Bereits der Bandname Cults deute eine Faszination f√ľr religi√∂se Kulte an. Im Video wird das weitergesponnen. Thematisch dreht es sich um den Sektenf√ľhrer Jim Jones und seine Sekte „Peoples Temple“. Im Clip werden Madeline Follin und Brian Oblivion als Sektenmitglieder inszeniert, allerdings auf positive Weise. Ausgeblendet wird der grausame Fakt, dass Jim Jones 1978 mehr als 900 Mitglieder der Sekte zum Massenselbstmord durch Zyankali zwang. Daher „bleibt das Video bei aller handwerklicher Perfektion geschmacklose Exploitation und ein ziemlich hilfloser Versuch, einer netten Hipster-Band ein provokatives Image zu verpassen.“ Den Clip kann man sich auf unserer Facebook-Seite oder direkt auf Vimeo ansehen.

Michael Kienzl hat sich f√ľr Zeit Online das Deb√ľtalbum von Azari & III aus Toronto angeh√∂rt. Auf diesem zitieren sich Azari & III, die man durch die 2009 erschienenen Singles „Hungry For The Power“ und „Reckless (With Your Love)“ kennen k√∂nnte, „durch die Geschichte der elektronischen Clubmusik“. Manches St√ľck des Quartetts klingt deshalb „wie eine verschollene Perle aus der Fr√ľhphase des Chicago House.“

Laut Spinner hat Amy Winehouse vor ihrem Tod bereits die Basis zu zwölf neuen Liedern aufgenommen, die eventuell veröffentlicht werden könnten. Das habe Universal, wozu Winehouses Label Island gehört, bekanntgegeben. Ob die Lieder allerdings posthum veröffentlicht werden, sei Entscheidung von Amy Winehouses Eltern, ihrem Management und dem Label.

Fr√ľher gab es noch nicht so viele M√∂glichkeiten, auf neue Musik zu sto√üen. Es gab die klassischen Medien, die unendlichen Weiten des Internets waren damals allerdings noch nicht vorhanden. Deshalb war es damals spannend, zu erfahren, welche Musik aus dem Kontingent, zu dem ohnehin jeder Zugang hatte, jemand anderes denn h√∂re. Heute ist es hingegen viel interessanter, danach zu fragen, wie genau jemand eigentlich auf neue Musik st√∂√üt. jetzt.de behandelt diese Frage und l√§sst einige Mitglieder der Redaktion zu Wort kommen.

Die taz betrachtet die Auspr√§gung des Musikgenres Grime in London. Rapper h√§tten in Londons Danceszene lange Zeit das Nachsehen gehabt. Doch nun haben sich MCs wie Joshua Idehen, Wiley oder Mz Bratt als eigenst√§ndige K√ľnstler etabliert.

Presseschau 29.07.: Prince in Köln

29.07.2011 von  

Die Pop-Legende Prince spielte gestern Abend in der Lanxess Arena in K√∂ln. Der Rolling Stone ver√∂ffentlicht aus diesem Anlass online noch einmal ein ausf√ľhrliches Feature, das bereits letztes Jahr im gedruckten Magazin erschienen ist. Ansbert Kneip von Spiegel Online hat das gestrige Konzert besucht und √ľber das von Pannen √ľberschattete Konzert geschrieben, bei dem die Besucher lange Pausen und √ľbersteuerten, matschigen Sound ertragen mussten.

Boys Noize und Erol Alkan haben sich an eine Neuauflage von Leonard Cohens St√ľck „Avalanche“ gewagt, wie beim NME zu lesen ist. Und damit nicht genug: Auch Pulp-Frontman Jarvis Cocker ist im Boot und hat seine Stimme zu der Dance-Version beigesteuert. Er √ľbernahm die gesprochenen Teile des Liedes. Nicht gerade h√§ufig covern Musiker den Klassiker von Leonard Cohen – 1984 nahmen Nick Cave And The Bad Seeds eine Version davon auf ihr Album „From Her To Eternity“.

MTV feiert n√§chste Woche seinen drei√üigsten Geburtstag. Das erste Musikvideo – „Video Killed The Radio Star“ von den Buggles – wurde am 01. August 1981 ausgestrahlt. Seit diesem Jahr ist MTV allerdings zu einem Bezahlsender geworden, der frei nicht mehr empfangbar ist. Deshalb stellt jetzt.de anl√§sslich des Geburtstages seinen Lesern die Frage, ob sie MTV denn √ľberhaupt vermissen. Schlie√ülich ist der Sender in den Augen vieler ja schon l√§ngst tot.

Vor ein paar Tagen haben wir von einem omin√∂sen Video von Feist berichtet, das auf Kommendes verwiesen hat. Mittlerweile ist bekannt, dass bald „Metals“, ein neues Album von ihr erscheinen wird. N√§chste Woche soll das finale Albumcover dazu enth√ľllt werden. Als Vorbereitung gibt es nun eine Vorlage, die man nach dem Prinzip „Malen nach Zahlen“ ausmalen kann, wie Pitchfork berichtet. Auf ihrer Facebook-Seite ruft Feist ihre Fans dazu auf, ihre eigenen Versionen des Covers zu malen. Die besten werden mit Preisen belohnt. In der ByteFM Redaktion werden jetzt schon eifrig die Malstifte ausgepackt!

Salsa-Großmeister Joe Arroyo gestorben

28.07.2011 von  

Der Salsa-Superstar Joe Arroyo ist im Alter von 55 Jahren gestorben. Bereits am Dienstagmorgen gegen 6:50 Uhr erlag er einer Reihe von Atemwegs- und Nierenkomplikationen, wie u.a. Spiegel Online nun berichtet. Seit Jahren litt der in der Karibik als Gro√ümeister der Salsamusik geltende Arroyo, der mit b√ľrgerlichem Namen Alvaro Jos√© hie√ü, an Bluthochdruck und Diabetes, zudem waren seine Lunge, Niere und Herz gesch√§digt. Schon mit acht Jahren zog er laut Spiegel Online als S√§nger eines Cumbia-Ensembles durch die Rotlicht-Bars von Cartagena: „Ich sang von neun Uhr abends bis drei Uhr morgens und ging dann um sieben in die Schule“, erinnerte sich Arroyo in einem Interview.

Sein Hit „Rebeli√≥n“, der die Geschichte der Sklavenaufst√§nde des 17. Jahrhunderts an der Karibikk√ľste erz√§hlt, machte ihn 1986 √ľber Lateinamerika hinaus zum Star. Insgesamt umfasst sein Werk Arroyo 47 Platten und rund 300 Lieder. Sowohl in Barranquilla als auch in Arroyos Geburtsort Cartagena riefen die Beh√∂rden eine dreit√§gige Trauerzeit aus. Auch die taz und die S√ľddeutsche Zeitung erinnern an den K√ľnstler.

Presseschau 28.07.: Die R√ľckkehr der Kelly Family

28.07.2011 von  

Es nimmt kein Ende mit den Todesf√§llen. Der Salsa-Superstar Joe Arroyo ist im Alter von 55 Jahren gestorben. Bereits am Dienstagmorgen gegen 6:50 Uhr erlag er einer Reihe von Atemwegs- und Nierenkomplikationen, wie u.a. Spiegel Online nun berichtet. Seit Jahren litt der in der Karibik als Gro√ümeister der Salsamusik geltende Arroyo, der mit b√ľrgerlichem Namen Alvaro Jos√© hie√ü, an Bluthochdruck und Diabetes, zudem waren seine Lunge, Niere und Herz gesch√§digt. Sein Hit „Rebeli√≥n“, der die Geschichte der Sklavenaufst√§nde des 17. Jahrhunderts an der Karibikk√ľste erz√§hlt, machte ihn 1986 √ľber Lateinamerika hinaus zum Star. Insgesamt umfasst sein Werk Arroyo 47 Platten und rund 300 Lieder. Sowohl in Barranquilla als auch in Arroyos Geburtsort Cartagena riefen die Beh√∂rden eine dreit√§gige Trauerzeit aus. Auch die taz und die S√ľddeutsche Zeitung erinnern an den K√ľnstler.

Und auch einen weiteren Todesfall vermeldet die Frankfurter Rundschau: Count-Basie-Saxofonist Frank Foster, der als Musiker des Count Basie Orchestras in den 50er-Jahren zur Swing-Legende wurde. Foster erlag am Dienstag in seinem Haus im US-Staat Virginia den Folgen einer Nierenerkrankung im Alter von 82 Jahren. Er schrieb zu seiner Lebenszeit 70 Jahre Jazzgeschichte mit. Seine Leidenschaft f√ľr Musik entdeckte er fr√ľh und spielte schon mit zw√∂lf Jahren in Bands. Zu seinen bekanntesten Werken geh√∂ren „Shiny Stockings“, „Blues Backstage“ und „Down for the count“. Nach seinem Ausstieg beim Count Basie Orchestra komponierte er unter anderem f√ľr Jazzgr√∂√üen wie Sarah Vaughan und Frank Sinatra. Nach Angaben seiner Frau komponierte Foster noch bis kurz vor seinem Tod. Weitere Meldungen zu Fosters Tod finden sich bei der New York Times und Jazz Times.

Aber ein Gl√ľck gibt es auch noch ein paar andere Nachrichten, die nichts mit dem Tod, sondern mehr mit einer Art Wiedergeburt zu tun haben. Ob man es sich w√ľnscht oder nicht: aber wie die Frankfurter Rundschau ank√ľndigt, meldet sich die Kelly Family zur√ľck. So k√ľndigte Paddy Kelly (33) eine Tournee f√ľr den kommenden Dezember an. Mit dabei sollen seine Geschwister Patricia, Kathy und Paul Kelly sein. Das Programm von „Stille Nacht – Eine musikalische Weihnachtsgeschichte“ soll demnach nicht nur ber√ľhmte Weihnachtslieder, sondern auch Kelly-Family-Hits wie „An Angel“ umfassen.

Anl√§sslich der Ver√∂ffentlichung der „25th Anniversary Edition“ von „Peace Sells‚ĶBut Who‚Äôs Buying?“ schreibt ByteFM Moderator Matthias Sch√∂neb√§umer f√ľr Zeit Online √ľber den Triumph des knurrigen Kotzbrockens. Gemeint ist damit Dave Mustaine von Megadeath, der vor 25 Jahren aus seinem Streit mit Metallica so viel Energie sch√∂pfte, dass er diesen Klassiker des Heavy Metal schuf.

Und zu guter Letzt noch neue Musik: Bei Drowned in Sound gibt es einen neuen Song der Indie-Lieblinge The Pains Of Being Pure At Heart anzuh√∂ren. „Tomorrow Dies Today“ hei√üt der Song, der das erste Lebenszeichen nach ihrem im M√§rz erschienenen Album „Belong“ ist, welches wir hier besprachen. √úber die Soundcloud-Seite ihres Labels PIAS, auf unserer Facebook-Seite oder hier kann man sich den Song anh√∂ren. Die Band bleibt ihrem Stil dabei treu und liefert einen vertr√§umten h√ľbschen Gitarrenpop-Song.

ByteFM Bewegtbild – Folge 10: Good Shoes

27.07.2011 von  

Will Church und Steve Leach von der britischen Band Good Shoes haben sich mit uns in idyllischer Atmosph√§re zum Videointerview getroffen. Im Gespr√§ch erz√§hlten sie davon, welche Interviewfrage sie nervt, welche Instrumente sie m√∂gen und welche Gegenst√§nde ihre Fans auf die B√ľhne werfen. Au√üerdem gestanden sie, dass sie ihre Interviewpartner manchmal zusammenschlagen m√ľssten. Na ja, wir waren wohl nett – uns ist nichts passiert!

Presseschau 27.07.: Neues von alten Helden

27.07.2011 von  

Cameron Crowe, musik-affiner Regisseur von u.a. „Almost Famous“ (2000) oder dem Seattle-Musik-Liebesfilm „Singles“ (1992), hat eine Dokumentation √ľber die 90er-Jahre Grunge Helden von Pearl Jam aus Seattle gedreht. „Twenty“ hei√üt diese passend zum 20-j√§hrigen Bandbestehen des Quintetts. Auf unserer Facebook-Seite k√∂nnt Ihr Euch den Trailer bereits anschauen. Wie Stereogum berichtet, wertete Crowe 1200 Stunden bisher unver√∂ffentlichtes Bild- und Videomaterial aus. David Lynch ist dabei beispielsweise im Interview mit S√§nger Eddie Vedder zu sehen, aber auch Chris Cornell kommt zu Wort. Der Film wird am 10. September beim Toronto International Film Festival Premiere feiern.

10 Jahre ist es auch nun schon her, dass The Strokes ihr Deb√ľt „This Is It“ ver√∂ffentlichten, welches f√ľr viele damals eine musikalische Offenbarung darstellte und als eines der besten Alben der letzten 10 Jahre gilt. Stereogum nahm das nun zum Anlass, das Album von verschiedenen Musikern neu einspielen zu lassen. Mit dabei sind u.a. Austra, Peter, Bj√∂rn & John oder Owen Pallett. Betitelt ist das Ganze mit „Stroked! A tribute to This Is It“. Auf Stereogum wird die Wirkung des Albums wie folgt beschrieben: „It helped not only put contemporary New York City in the forefront of music lovers‚Äô minds, it offered an easy reference for people to dig backwards into the Big Apple‚Äôs rock ‚Äėn‚Äô roll past. For certain younger fans, it was maybe the first time they carefully considered Television (the late ‚Äô70s), the Velvet Underground (mid ‚Äô60s to early ‚Äô70s), and other lesser known garage and rock and whatever bands that inhabited a dirtier, grubbier Manhattan.“ Das Album l√§sst sich √ľber die Stereogum-Seite komplett runterladen.

Auch Robyn hat einen Song gecovert und zwar die neuste Single der britischen Band um Chris Martin Coldplay: „Every Teardrop is a Waterfall“ hei√üt der Song und wurde von ihr bei einer BBC 1 Live Lounge Radio Session aufgezeichnet. Die Schwedin tourt derzeit mit Katy Perry und Marina And The Diamonds durch Nordamerika. Anh√∂ren k√∂nnt Ihr Euch den Song √ľber Pretty Much Amazing und selbst urteilen, welche Version Euch besser gef√§llt.

Gestern berichteten wir von Bj√∂rk neustem Video zu Crystalline. Die Spex nimmt die erneute Zusammenarbeit mit Regisseur Michel Gondry zum Anlass, um eine kleine Werkschau der Videos der isl√§ndischen K√ľnstlerin mit dem Regisseur aufzustellen. Eine kleine interessante Reise in die Geschichte des Videoclips.

Auch heute besch√§ftigt der Tod von Amy Winehouse die Medien. Gestern wurde die Samstag Abend verstorbene S√§ngerin in London beerdigt. Dar√ľber berichten u.a. der Tagesspiegel, NME, Die Zeit und auch der BBC.

Tickets f√ľr Ringo Deathstarr

26.07.2011 von  

Ringo Deathstarr – den Namen kann man clever oder albern finden. Ein schmaler Grat. √Ąhnlich schwierig wie auf dem Clever-Albern-Grat zu wandern ist es, selbiges auf dem Died√ľrfendas-Unn√ľtzekopie-Grat zu tun. Ein gef√§hrliches Territorium, unter dem sich ein sehr sehr tiefer Abgrund findet. Vor allem, wenn man es mit so √ľberm√§chtigen Vorbildern wie My Bloody Valentine und The Jesus & Mary Chain h√§lt.

Das Trio Ringo Deathstarr aus Texas tut eben das und – tada, die d√ľrfen das. Wieso sie die Gratwanderung m√ľhelos meistern? Dank ihres Shoegazes, der extrem druckvoll nach vorne geht und unter dem sich wunderbar eing√§ngige Melodien nicht versch√§mt verstecken, sondern stolz pr√§sentierten und aus vollem Halse schreien: „Guten Tag.“

ByteFM pr√§sentiert die Tour von Ringo Deathstarr und Ihr k√∂nnt Karten gewinnen. Schreibt uns einfach bis zum 31.07. eine Mail mit dem Betreff „Todesstern“, Eurer Wunschstadt und Eurem Vor- und Zunamen an verlosungen@byte.fm. Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.

04.08. Hamburg РUebel & Gefährlich
05.08. Stuttgart – Club Schocken
08.08. M√ľnchen – Ampere
09.08. Berlin – Comet

Presseschau 26.07.: Abschied von Amy Winehouse

26.07.2011 von  

Im engsten Familien- und Freundeskreis wird an diesem Dienstag Abschied von Amy Winehouse genommen. Die britische Sängerin wird heute in London beigesetzt, berichtet der NME. Eine Obduktion fand gestern statt, konnte jedoch anscheinend noch keinen Hinweis auf die Todesursache der Musikerin geben. Die gerichtliche Untersuchung wurde auf den 26. Oktober verschoben, während die Ergebnisse der toxologischen Tests innerhalb des nächsten Monats erwartet werden. Amy Winehouse war am Samstag in ihrer Londoner Wohnung tot aufgefunden worden. Sie starb im Alter von 27 Jahren.

Bj√∂rks neues Album „Biophilia“ wird am 27. September ver√∂ffentlicht (wir berichteten). Auf Pitchfork kann man nun die erste Single „Crystalline“ von der LP als Videoclip bestaunen. Regie f√ľhrte der franz√∂sische Regisseur Michel Gondry, der schon mehrfach mit der Isl√§nderin Bj√∂rk zusammengearbeitet hat. Bereits 1993 f√ľhrte er Regie bei dem Musikclip zum St√ľck „Human Behaviour“: Auch f√ľr die Visualisierg von „Isobel“ (1995), „Army Of Me“ (1995), „Bacholorette“ ( 1997) und „Jog√°“ (1997) ist der Franzose verantwortlich.

Die britische Folk-Pop-S√§ngerin Laura Marling ver√∂ffentlicht ihr drittes Album mit dem Titel ‚ÄěA Creature I Don¬īt know‚Äú am 12. September (wir berichteten). Laut NME geht die Musikerin im Oktober auf Tour und peformt die Songs vom neuen Album in verschiedenen Kirchen und Kathedralen des Vereinten K√∂nigreichs. Auf der Seite des NME sind die genauen Tourdaten nachzulesen.

Au√üerdem werden wir um eine neue Coverversion von Chris Isaaks „Wicked Game“ reicher. Ernest Greene alias Washed Out hat sich an den Klassiker gewagt. Zu h√∂ren ist der Song bei Stereogum.

Down By The River Festival 2011 – Ein Nachbericht

25.07.2011 von  

©Vera Hummel
©Vera Hummel

Am Ufer der Spree, nahe der Jannowitzbr√ľcke in Berlin, dreht sich eine kleine Discokugel an einem Baum, dessen √Ąste bis √ľber das Wasser reichen. Neben diesem Baum klafft eine sandige Fl√§che, auf der ein paar Baucontainer stehen. Nichts weist mehr hin auf die exzessiven N√§chte der Bar 25, die hier letztes Jahr noch stattgefunden haben, nichts erinnert mehr daran, wie Abendr√∂te und Morgend√§mmerung ineinander √ľbergingen und man diesen Kosmos oft erst am Montag oder Dienstag taumelnd und gl√ľckstrunken wieder verlie√ü.

Das Gel√§nde der Bar 25 fiel st√§dtischen Investoren zum Opfer, das Gel√§nde wird bebaut ‚Äď auch weil Berlin das zuflie√üende Geld der Immobilien- und Gewerbebranche dringen n√∂tig hat. Die Bar 25 ist umgezogen, einfach auf die gegen√ľberliegende Seite der Spree. Die neue Bar hei√üt nun Kater Holzig, kurz: Kater, und sie wirkt wie ein Spiegelbild der alten Location. Der holzige, durchlebte und zusammengeschreinerte Charme der Terrassen am Ufer und die vielen liebevollen Details vermitteln den Eindruck, als w√§re alles gleich geblieben, als h√§tte es dort schon immer so ausgesehen.

Der Kater befindet sich auf einem alten Fabrikgeb√§ude – das l√§sst Berlins neuen Abenteuerspielplatz um ein Vielfaches gr√∂√üer wirken als die Bar 25. Und hier fand am Samstag – kurz nach der offiziellen Er√∂ffnung des Kater – das kleine, liebevoll kuratierte Folk-/Indiefestival Down By The River statt. Die dritte Ausgabe dieser Veranstaltung lockte mit zwanzig Bands, die sich mittlerweile √ľberwiegend in Berlin angesiedelt haben und die der breiten Masse noch unbekannt sind. Die √úbersichtlichkeit des Kater erlaubte einen entspannten Festivalablauf. Die Besucher brauchten sich nur zwischen zwei B√ľhnen zu entscheiden und die verschiedenen eigensinnigen Musikstile zogen viele Zuh√∂rer an, die die Bands zwar nicht kannten, denen die Musik in dem Moment aber einfach gefiel.

©Vera Hummel
©Vera Hummel

In einem kleinen Schuppen am Ufer betrat am fr√ľhen Abend eine zierliche Gestalt mit bestickter Kutte und einer Art Fell-Per√ľcke auf dem Kopf die B√ľhne: Marzipan Marzipan st√∂pselt ihre verschiedenen kleinen Synthesizer und Drum Machines immer wieder um und belustigt das Publikum mit ihren Ansprachen, die meist sogar l√§nger sind als die Songs, die sie spielt. Die Musik von Marzipan Marzipan besteht aus geloopten Drum-Rhythmen, √ľber die sie dann Geschichten aus ihrem Leben erz√§hlt. Oft sind das nur drei S√§tze, die immer wiederholt werden, aber immerhin beschw√∂rt sie die Authentizit√§t des Gesungenen.

Wie eine Parodie auf den deutschen Goth-Schlager wirkt dagegen Dagobert, der in einem schwarzen Frack kurze Zeit sp√§ter auf der Holzb√ľhne steht. Er schwelgt in Herzschmerz, steht alleine auf der B√ľhne und singt, oder vielmehr: heult zu einer Playback-Melodie. Das ist f√ľr f√ľnf Minuten ganz nett anzuschauen, so richtig ernst nehmen kann man es allerdings nicht.

©Vera Hummel
©Vera Hummel

Viel interessanter ist es da, das Gel√§nde noch etwas zu erkunden. In dem alten Fabrikgeb√§ude befindet sich im dritten Stock ein Restaurant mit einer erlesenen Speisekarte und dem Zugang zu einer Dachterrasse. Von dort aus √ľberblickt man nicht nur das Gel√§nde, sondern auch weit √ľber die Spree hinaus das abendliche Berlin.

Nach Sonnenuntergang steht Brendon Massei alias Viking Moses auf der Main Stage im Inneren der Fabrik. Er spielt seine Songs zwar nur auf einer E-Gitarre und wirkt im ersten Moment unscheinbar, die Mimik und Gestik mit denen er seine Lieder unterstreicht, sind aber absolut sehenswert. Jeder Satz bekommt eine ehrliche, eindringliche Bedeutung, wenn er mit den Schultern zuckt, seine Handgelenke verlegen dreht und gehemmt die H√ľften kreisen l√§√üt. Leider waren viele Zuschauer zu seinem Slot aber nur gekommen, um sich die besten Pl√§tze f√ľr den darauf folgenden Headliner zu sichern: Chinawoman.

Die russische Sängerin aus Kanada wohnt in Berlin und hat sich durch ihre Internetpräsenz schon eine vergleichsweise breite Fangemeinde gesichert. Ihre melancholischen und schweren Songs gleicht sie mit ihrer freundlichen und humorvollen Art aus. Ihre Musik bewegt sich haarscharf am Soundtrack eines Quentin-Tarantino-Films vorbei: Ein bisschen sexy, ein bisschen traurig. Aber vor allem die Kombination aus reduzierter Instrumentalisierung und tiefem Gesang versetzt die Festivalbesucher in einen eigenartigen Zustand. Chinawoman trifft mit ihrer Musik den Übergang zwischen Lachen und Weinen, zwischen der Tragik und Komik des Lebens.

Nach dem ‚ÄěDown By The River‚Äú Festival konzentriert sich der Kater zwar wieder auf den verspielten und elektronischen Klang des Bar 25-Labels. Doch auch k√ľnftig wollen die Veranstalter verst√§rkt auf andere Formen von Kultur setzen. Damit soll ein Forum geschaffen werden, das auch den nicht immer kompatiblen Kreativen zum Auftritt verhilft. Und obwohl der Kater erst wiederer√∂ffnet wurde als die Tage schon wieder k√ľrzer wurden: F√ľr diesen Sommer hat er noch viel versprochen.

Die ByteFM Charts KW 30

25.07.2011 von  

Washed Out wurde von der Topposition der Albumcharts verdr√§ngt. Stattdessen findet sich dort jetzt Kollege Dayve Hawke alias Memory Tapes. Mit Adolescents, Handsome Furs und The Horrors sind auch eine Handvoll Neulinge in die Albumwertung eingestiegen. In den Trackcharts sind die Future Islands mit ihrer gro√üartigen aktuellen Single „Before The Bridge“ auf den ersten Platz geklettert, nachdem sie bereits in den Vorwochen gut platziert waren.

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Memory Tapes – Player Piano (6)
2. Washed Out – Within And Without (1)
3. Little Dragon – Ritual Union (neu)
4. Kurt Vile – Smoke Ring For My Halo (5)
5. Ada – Meine Zarten Pfoten (13)
6. Casper – XOXO (11)
7. SBTRKT – SBTRKT (4)
8. Zomby – Dedication (neu)
9. Vetiver – The Errant Charm (14)
10. Adolescents – The Fastest Kid Alive (neu)
11. Bon Iver – Bon Iver (10)
12. Handsome Furs – Sound Kapital (neu)
13. The Horrors – Skying (neu)
14. Jamie Woon – Mirrorwriting (3)
15. Tu Fawning – Hearts On Hold (-)

Die Trackcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Future Islands – Before The Bridge (4)
2. Washed Out – Within And Without (8)
3. Ada – Likely (12)
4. Memory Tapes – Yes I Know (neu)
5. Andreas Dorau – Edelstein (-)
6. Bon Iver – Towers (1)
7. WU LYF – Cave Song (neu)
8. Kurt Vile – Runner Ups (neu)
9. Wild Beasts – Bed Of Nails (neu)
10. SBTRKT – Hold On (2)
11. Jamie Woon – Night Air (5)
12. Tu Fawning – I Know You Now (neu)
13. Destroyer – Chinatown (11)
14. Washed Out – Far Away (14)
15. Memory Tapes – Wait In The Dark (neu)

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