Neue Platten: Battles – „Gloss Drop“

02.06.2011 von  

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Battles sind eine Experimental-Rock-Band aus New York. Oder vielleicht doch eher eine Math-Rock-Band? Oder eher eine Progressive-Rock-Band? Wie auch immer man das Genre umreißen mag – jedenfalls hat sich die Band im Jahr 2002 gegrĂŒndet. Nach einer Reihe von EPs kamen Battles zum britischen Elektronik-Label Warp, das sich seit Mitte der Nuller Jahre zunehmend auch fĂŒr experimentelle Popmusik interessiert, die nicht zwangslĂ€ufig einer elektronischen Grundlage folgt. So sind beispielsweise auch die New Yorker Grizzly Bear Teil der Warp-Familie. Auf Warp veröffentlichten Battles 2007 ihr DebĂŒtalbum „Mirrored“ und wurden von BBC Music prompt als „momentan beste Band der Welt“ bezeichnet. 2010, als Battles bereits vollstĂ€ndig mit den Arbeiten am neuen Album beschĂ€ftigt waren, verließ Tyondai Braxton, der Gitarrist, die Gruppe. Das brachte zwar kurzzeitig einiges aus dem Ruder, sorgte aber nicht fĂŒr den Untergang. Im Gegenteil – man war nach dem Ausstieg nur umso entschlossener, das Album „Gloss Drop“ gut zu vollenden.

Was? Es fĂ€llt sofort, wie schon beim VorgĂ€nger, auf, dass es tatsĂ€chlich schwierig ist, die Band auch nur ansatzweise irgendwo fest einzuordnen. Einzig der bereits erwĂ€hnte experimentelle Ansatz lĂ€sst sich als gemeinsamer Nenner finden. Daneben bauen Battles das ein, worauf sie eben gerade Lust haben: Aus verschiedenen Richtungen des Stereopanoramas kommende trockene und abgehackte Gitarrenriffs, dann wieder durch EffektegerĂ€te gejagte Gitarren, ekstatisches Schlagzeugspiel, manchmal auch vertrĂ€umtere, langsamere SchlagzeuglĂ€ufe, euphorische Tonfolgen usw. Kurzum: Das Album ist geprĂ€gt von Überraschungen und Abwechslung, Merkmale, die man schon von ihrem DebĂŒt kennt. Mitunter, wie in dem StĂŒck „Ice Cream“, kommen einem die Musikerkollegen vom Animal Collective in den Sinn, die einen Ă€hnlich experimentellen Ansatz haben. Doch Battles schaffen es, gar noch einen grĂ¶ĂŸeren Spagat zwischen Experiment und zugĂ€nglichem Pop zu bewerkstelligen als das Animal Collective. Sie sind technisch versierter und fordern damit ihre Hörer, schĂŒtteln die hĂ€ufig damit verbundene Ernsthaftigkeit ab und vermitteln etwas, das fĂŒr die Wirkung von Musik auch oft existenziell ist: Spaß.

Warum? John Stanier, der Schlagzeuger, bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Ich glaube nicht, dass fordernde Musik ernst sein muss. Das klingt wirklich langweilig in meinen Ohren, und Grenzen zu sprengen, sollte nicht langweilig sein.“ Gerade das ist es, was die Battles einzigartig macht: Sie machen anspruchsvolle, verkopfte Musik, die trotzdem großen Spaß bereitet.

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