Konzertbericht: Chilly Gonzales in Hamburg

30.06.2011 von  

Der Applaus brandet auf, als Chilly Gonzales die Bühne auf Kampnagel betritt. Aus der hintersten Ecke des Raumes ruft jemand „Te Quiero“. Eine Steilvorlage für Gonzales: „Did somebody say „Play the Piano?“ Schon haut der Grandseigneur des Pianos in die Tasten.

Begleitet wird er an diesem Abend von einem neunköpfigen Kammerorchester aus Musikern, die zum größten Teil aus Hamburg stammen. Gonzales genieĂźt es offensichtlich in dieser Besetzung zu spielen – schon allein, weil er den „Diktator“ mimen kann, wie er mit einem breiten Grinsen verkĂĽndet. SchlieĂźlich bezahle er die Musiker und könne sie deswegen auch gnadenlos terrorisieren, anders als die “anstrengenden, nervenden Sänger und Musiker aus Kanada”, die ihn sonst auf Tour begleiteten.

Chilly Gonzales präsentiert sich, wie man es auf Konzerten von ihm gewohnt ist: Exzentrisch. Im seidenen Morgenmantel mit virtuosem Klavierspiel und einer wortgewaltigen Kaskade von Reimen begeistert er das Publikum an diesem Abend, das stürmisch applaudiert, johlt und ihn zum Dank sogar buchstäblich auf Händen trägt: Der Kanadier läuft in die oberen Ränge des Auditoriums und lässt sich von der Menge mehrere Male zurück nach vorne zur Bühne heben. Das ist Gonzales, wie er leibt und lebt: Auch ein klassisch angelegtes Konzert wird bei diesem Mann zum Rock-Event.

Performt werden an diesem Abend fast ausschließlich Stücke von seinem aktuellen Album „The Unspeakable Chilly Gonzales“, das weltweit das erste Rap-Orchester-Album vorstellt. Der Kanadier rappt, als ob er nie etwas anderes getan hätte. Ironisch-sarkastisch und pointiert verbindet er in seinen Reimen Medienkritik und Selbstreflektion über seine Rolle als Künstler. Gonzales Sympathien für den Rap kommen wohl nicht von ungefähr: Es gibt kaum ein Musikgenre in der modernen Popkultur, das den Künstler bzw. sein Alter Ego textlich stärker thematisiert.

Lediglich zum Ende des Konzertes spielt Gonzales mit seinem Kammerorchester, das er „Fuck Luck“ getauft hat, eine neuarrangierte und beeindruckende Version des Songs „Take Me To Broadway“. Ältere Songs wie z.B. „Shameless Eyes“ erklingen ansonsten nur kurz als musikalisches Zitat. Es scheint, als ob die Zeit gefehlt hat, um die älteren Songs des selbstbetitelten „Musical Genius“ mit dem Orchester zu proben. Auch wirken Gonzales und das Orchester mitunter nicht ganz eingespielt. Besonders deutlich wird dies an den Stellen, an denen die Musiker Live-Arrangements vom Maestro folgen sollen. Das klappt erst nach dem zweiten oder dritten Anlauf.

Aber auf „The Entertainist“ ist ja Verlass. Mit seinem Unterhaltungstalent kehrt Gonzales selbst diese Momente noch in etwas Amüsantes oder entzückt das Publikum, indem er eine Zugabe am Flügel in Jimi Hendrix-Pose gibt: Er setzt sich unter das Klavier mit geducktem Kopf und spielt quasi auf dem Rücken auf der Tastatur, die er nicht sehen kann.

So entlässt Gonzales das Publikum nach einem knapp zweistündigen Konzert, das gut war, aber nicht überwältigend.

Zum 10. Todestag von Chet Atkins

30.06.2011 von  

Heute vor zehn Jahren starb der amerikanische Gitarrist, Produzent und 14-fache Grammy-Gewinner Chet Atkins. Auch bekannt unter dem Spitznamen „Mr. Guitar“, prägte Atkins in den späten 50er Jahren den sogenannten Nashville-Sound, der gegenĂĽber dem bis dahin vorherrschenden Honky-Tonk-Sound weicher und zugänglicher klang und die Countrymusik so näher in Richtung Mainstream-Pop rĂĽckte. Mehr ĂĽber Atkins‘ Leben und Werk erfahrt ihr heute ab 15 Uhr im ByteFM Magazin mit Ruben Jonas Schnell.

Presseschau 30.06.: Quo vadis MySpace?

30.06.2011 von  

Das Schicksal der einstmals fĂĽhrenden Social-Networking-Seite MySpace geht in die nächste Runde. Wie die BBC berichtet hat der Nachrichtengigant News Corporation MySpace an die Werbeagentur Specific Media verkauft. 2005 hatte NewsCorp 580 Millionen US-Dollar fĂĽr Myspace bezahlt, das sich damals auf der Höhe seines Erfolgs befand. Experten werteten den Kauf als Versuch seitens NewsCorp, in den schnell an Bedeutung gewinnenden Online-Markt vorzustoĂźen. In den folgenden Monaten und Jahren verlor Myspace jedoch Hunderttausende von Usern an Konkurrenzdienste wie Facebook und Twitter – und damit auch Bedeutung. Laut BBC hat auch der Sänger und Schauspieler Justin Timberlake einen Teil der MySpace-Aktien gekauft. Der rapide Niedergang von Myspace spiegelt sich vor allem in der Summe wider, die Specific Media NewsCorp jetzt angeblich fĂĽr Myspace bezahlt hat: mit läppischen 35 Millionen US-Dollar beträgt diese etwa ein Sechzehntel des Kaufpreises von 2005.

Zwei bisher unveröffentlichte Tracks des erschossenen Rappers Tupac sind im Internet aufgetaucht, berichtet The Fader. Watch Ya Mouth und NY ’87, bei dem auch Tha Dogg Pound und DJ Quik mitwirken, sind mehr oder weniger typische Tupac-Tracks, die dem Battlerapper vor allem als Diss-Plattform gegenüber der verhassten East Coast dienen. The Notorious B.I.G., Mobb Deep, A Tribe Called Quest, De La Soul und Wendy Williams bekommen alle ihr Fett weg. Die beiden Songs gibt es hier und hier zu hören.

Es sind nur noch etwa 17 Monate, bis in Amerika wieder eine Präsidentenwahl stattfindet. Und schon jetzt bringen sich auf Seiten der Republikaner Barack Obamas potentielle Herausforderer in Position. Mit viel inszeniertem Tamtam, jeder Menge roten, weißen und blauen Luftballons und vor allem mit lauter Musik verkünden dieser Tage verschiedene Politiker ihre Kandidatur. Vor Kurzem tat dies auch Michelle Bachman, republikanische Kongressabgeordnete aus Minneosota. Dabei spielte sie den Song American Girl von Tom Petty. Petty scheint über diese Zweckentfremdung seines Songs jedoch nicht allzu glücklich zu sein, wie der Guardian schreibt. Innerhalb von 24 Stunden nach der landesweit im Fernsehen übertragenen Veranstaltung ließen seine Anwälte Frau Bachmann eine Unterlassungserklärung zukommen. Es ist nicht das erste Mal, dass Petty juristisch gegen die Verwendung seiner Musik durch die Republikaner vorgeht. Im Jahr 2000 verwendete George W Bush Pettys Song I Won’t Back Down auf seinen Wahlkampfveranstaltungen. Petty untersagte Bush dies damals mit dem Hinweis, dass die Verwendung seiner Musik den Eindruck erwecken könne, Petty würde Bush unterstützen, was nicht der Fall sei. Den Demokraten scheint Petty wohlwollender gegenüberzustehen. 2008 erteilte er Hillary Clinton die Erlaubnis, American Girl auf ihren Wahlkampfveranstaltungen spielen zu dürfen.

What’s the Time? It’s Time to Get Ill! Wann genau es Zeit zum Krankwerden ist, können Fans der Beastie Boys ab sofort auf einer speziellen Beastie-Boys-Armbanduhr ablesen. Die Firma Nixon hat eine Serie von vier Uhren angekündigt, die von der Band gestaltet worden ist. Der Erlös der Aktion kommt WKCR zugute, dem non-kommerziellen Studentenradio der New Yorker Columbia University.

Neue Platten: Junior Boys – „It’s All True“

29.06.2011 von  

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? Seit 2003 sind die Junior Boys in der Form aktiv, wie wir sie heute kennen. Doch der Name Junior Boys wurde bereits in den Neunziger Jahren in Hamilton im kanadischen Bundesstaat Ontario ins Leben gerufen, damals als ein Projekt von Jeremy Greenspan und Johnny Dark. Gerade als Kin Records eine erste 12inch veröffentlichen wollte, verlieĂź Dark jedoch die Band, um andere Ziele zu verfolgen, und lieĂź Greenspan mit unvollständigen StĂĽcken zurĂĽck. Deshalb stieg daraufhin Matt Didemus, ein langjähriger Freund und Musikerkollege Greenspans, in die Band ein und es entstand „Last Exit“, das 2004 auf Kin Records in Europa und kurz danach auf Domino in den USA veröffentlichte DebĂĽtalbum der Junior Boys. In den folgenden Jahren hat die Band zwei weitere Alben auf Domino herausgebracht, nun erscheint „It’s All True“, das vierte Werk insgesamt.

Was? Die Junior Boys haben auch auf ihrem neuen Album ihre elektronische TiefkĂĽhl-Romantik behalten. KĂĽhle Klänge vereinen sich nahtlos mit den warmen Sounds analoger Synthesizer, was aber nicht fĂĽr eine Diskrepanz sorgt, sondern sich perfekt vereint. Ăśber den instrumentalen Klängen liegt Greenspans stets entspannte und beruhigende Stimme. In der Gesamtheit ergibt sich so auch auf „It’s All True“ der typische Junior-Boys-Elektropop, der zahlreiche EinflĂĽsse aufweisen kann: In „Itchy Fingers“ treffen stolpernde, holprige Beats auf chinesische Harfen, das reduzierte StĂĽck „Playtime“ ist gefĂĽhlsgeladen, „You‘ll improve“ enthält kĂĽhle Techno-Anleihen und „Kick The Can“ hat sich mit roboterhaftem Funk vollgesogen.

Warum? Alle Alben der Junior Boys klingen stets sehr rund, sorgen jedoch trotzdem fĂĽr Abwechslung, eine Abwechslung, die sich vielmehr auf einer subtilen Ebene ergibt, als auf direkte Weise. Dabei hätte es Grund genug gegeben, die Arbeit an „It’s All True“ ĂĽberhaupt nicht erst aufzunehmen. Zur Zeit, als das Vorgängeralbum „Begone Dull Care“ erschienen ist, fĂĽhlte sich die Musikindustrie fĂĽr Jeremy Greenspan so an, als ginge es mehr um Marketingstrategien als um die Musik an sich. Orson Welles wurde deshalb ein entscheidender Einfluss fĂĽr Greenspan und „It’s All True“, denn sein Film „F For Fake“ ist ein zynisches Werk darĂĽber, dass es bei Kunst im Allgemeinen eher um Dinge wie Trickserei und Branding als um die Kunst selbst geht. Doch ein vorĂĽbergehender Aufenthalt Greenspans in China brachte Erleichterung, da er sich in der fremden Gesellschaft von sämtlichen Lasten befreien konnte. Deshalb arbeitete er noch vor Ort mit lokalen Musikern an den Ideen weiter, die bereits in der Heimat entstanden waren, reifte diese aus und verschaffte ihnen Form. ZurĂĽck in Kanada wurde das Album zusammen mit Didemus vervollständigt. Der Titel „It’s All True“ ist ebenfalls eine Referenz an Orson Welles: Einer seiner Filme hätte so heiĂźen sollen, doch wegen BudgetĂĽberschreitung wurde er niemals fertiggestellt. Ein GlĂĽck, dass „It’s All True“ nicht das gleiche Schicksal ereilte, beherrschen die Junior Boys die Kunst, gute und stimmige Elektropop-Alben zu machen, doch sehr gut.

Label: Domino | Kaufen

Konzertbericht. Warpaint in sakraler Umgebung.

29.06.2011 von  

Ich muss gestehen, ich bin nicht der Mensch der oft in die Kirche geht aber heute Abend bietet sich ein Anlass doch mal eine Ausnahme zu machen. Warpaint gastieren in der Kulturkirche in Köln-Nippes. Es ist die einzige deutsche Clubshow der noch laufenden Tour und die Lutherkirche soll Ort der Begegnung werden. Die Kulturkirche ist ein kulturelles Veranstaltungshaus, das Konzerten, Events und Lesungen einen besonderen Rahmen gibt. Besonders, ja das trifft den Nagel auf den Kopf, denn was die vier Mädels aus Los Angeles an diesem Abend abliefern ist im Konzerthimmel kaum zu übertreffen.

In blauem, kĂĽhlem Licht getaucht eröffnen die Postrockerinnen mit „Jubiler“ ihre Show, eher unĂĽblich, da dieser Song, wenn man anderen Konzertberichten Glauben schenken darf, eigentlich gar nicht auf der Setlist auftaucht. An dieser Stelle muss man auch dem Mischer ein groĂźes Kompliment aussprechen, der die anfänglichen Soundprobleme recht schnell in den Griff bekommt. Kein Wunder, ein Kirche die nur so von Hall strotzt und hunderte von Menschen dicht gedrängt eine Luft erzeugen, die so dick ist, dass man sie schneiden könnte.

Spätestens beim dritten Song „Warpaint“ hat die Postrock-Combo ihren perfekten Sound gefunden und das Publikum in ihrem Bann. Ăśberhaupt hat man den Eindruck, dass mit jeder gespielten Nummer, die vier Musikerinnen mehr SpaĂź am Konzert finden und sich den Zuschauern zunehmend öffnen – und damit meine ich nicht die Ansagen, denn die bleiben bis zur Zugabe Mangelware.

Auf der visuellen Seite wird dem Betrachter nicht viel geboten, bis auf wechselnde Lichtstimmungen zwischen blauen Farben und warmen Rottönen, werden blumenartige Schattenspiele auf dem schwarzem Mollton im Hintergrund projiziert. Aber irgendwie braucht die Musik auch gar keine große Show, denn Warpaint halten die Live-Stimmung musikalisch düster-bedeckt und atmosphärisch so dicht, dass der Hörer sich von der Aura gefangen nehmen lässt und nur durch den Applaus aus seiner Traumwelt rausgerissen wird. Der flirrende Gitarren-Sound und die wummernden Drums funktionieren in diesem kathedralen Raum so gut, dass man meinen könnte, die Kirche wurde nur für diesen Gig erbaut und vier Engel vom Himmel geschickt die ihn spielen sollen.

Aber auch die ästhetischen Stimmen von Emily Kokal und Theresa Wayman wabern sich so geisterhaft durch die Songs, dass der verhangenen, bedrohlichen und irgendwie bedrĂĽckten Atmosphäre stets treu beblieben wird. Es sind Momente, in die man sich hineinfallen lassen kann – und vielleicht auch muss, um sie in diesem besonderen zu Raum zu genieĂźen. Aber auch ĂĽberraschende Wendungen dĂĽrfen nicht fehlen, wie zum Beispiel die Wechselwirkung von „Undertow“ auf „Set Your Arms Down“ – ein staubiges WĂĽstenrockbrett. Ganz groĂź! Und wenn der Zuschauer nach „Elephants“ noch nicht ins kĂĽhlere AuĂźen geflĂĽchtet ist wird er noch mit den Zugaben „Baby“ und „Beetles“ von klarer Schönheit belohnt. Amen.

Presseschau 29.06.: He did it again

29.06.2011 von  

Ein weiteres Mal zelebrierte Chilly Gonzales sich und seine Musik auf einem Konzert, das gestern auf Kampnagel in Hamburg, präsentiert von ByteFM, stattfand. Am gestrigen Abend war Gonzales in Begleitung von einem Kammerorchester, das er bezahle und deswegen auch gnadenlos terrorisieren könne, wie der Meister zu Beginn verkĂĽndete, anders als die „anstrengenden, nervenden Sänger und Musiker aus Kanada“, die ihn sonst auf Tour begleiteten. Gonzales präsentierte sein neues Album „The Unspeakable Gonzales“, das weltwelt erste Rap-Orchester-Album. Der „haarige Machiavelli der Musik“, wie Welt Online den exzentrischen Musiker bezeichnet war in Höchstform und spielte ein „grandioses Konzert“, wie das Hamburger Abendblatt befindet.

Gonzales Sympathien fĂĽr den Rap kommen wohl nicht von ungefähr: Es gibt kaum ein Musikgenre in der modernen Popkultur, das den KĂĽnstler bzw. sein Alter Ego textlich mehr in den Mittelpunkt stellt. Der Rapper von heute rappt ĂĽber sich selbst bzw. seine KĂĽnstlerfigur wie ein Eminem ĂĽber The Real Slim Shady. Dieser hat nun mit seinem Video „Space Bounds“ die US-amerikanische Initiave „Mothers Against Violence“ erzĂĽrnt. Der Clip zeigt den KĂĽnstler, wie er sich erschieĂźt. Ein Sprecher der Organisation wird vom NME folgendermaĂźen zitiert: „People who do this are really quite evil. Children are influenced by the things they see. If we feed violence, it becomes strong. Like an addiction.“

„Quite evil“, also ziemlich böse, soll sich angeblich Lady Gaga verhalten haben. Der Popsängerin wird vorgeworfen, sie hätte Geld aus Verkäufen von Armbändchen zur UnterstĂĽtzung der Erdbebenopfer in Japan in die eigene Tasche gewirtschaftet. Das Management von Lady Gaga wies die VorwĂĽrfe als unbegrĂĽndet zurĂĽck: „This misguided lawsuit is without merit and unfortunately takes attention away from the kind deeds of the fans around the world who are supporting the people of Japan,“ Das berichtet der NME.

Zola Jesus wird im September „Conatus“, ihr zweites Album, veröffentlichen. Auf Soundcloud gibt es jetzt „Vessel“, ein erstes StĂĽck daraus, zu hören.

Presseschau 28.06.: Jackos Jacke

28.06.2011 von  

Die taz berichtet über den Slutwalk. In knapper Kleidung und deutlichen Slogans („No Means No!“) demonstrieren heute weltweit Frauen gegen sexuelle Übergriffe. Insbesondere kritisieren sie die dümmliche, aber leider bislang nicht tot zu kriegende Behauptung, Frauen in kurzen Röcken seien selbst Schuld, komme es zu sexuellen Übergriffen. In der Jungle World findet sich ein Interview mit den Mitorganisatorinnen des Berliner Slutwalks Kerstin und Sandra Grether (Parole Trixi).

Diana Riggs wolle keine Ikone sein, schreibt Spiegel Online, und fügt dann hinzu, „als ob sie sich das heute noch selbst aussuchen könnte!“ Heute ist Diana Riggs 72 Jahre alt. Sie, die der Serienheldin Emma Peel aus „Mit Schirm, Charme und Melone“ ein Gesicht gab, fehlte auf der Jubiläumsfete zum fünfzigjährigen Serienstart. Max-Peter Heyne würdigt TV-Sendung als auch die Schauspielerin als kluge Vorboten der Emanzipationsbewegung.

Lady Gaga angeklagt: Es heißt, Lady Gaga habe einen Teilerlös aus Armbändchen-Verkäufen einbehalten und entgegen ihrer Ankündigung nicht japanischen Hilfsorganisationen zukommen lassen. Auf ihrer Webseite verkaufte die Musikerin für 5 Dollar „We pray for Japan“-Armbänder. Zu den Behauptungen hat sie sich noch nicht geäußert. Der NME weiß mehr.

Vor und vielleicht auch während seines Auftritts beim diesjährigen Glastonbury Festival am vergangenen Wochenende hätte sich Bono am liebsten ĂĽbergeben wollen. Das teilt uns heute der NME mit. Der Hintergrund: Der Auftritt von U2 am Freitagabend markierte das Comeback der Band nach einer einjährigen Auszeit, die sich die Musiker nach einem RĂĽckenleiden des Bandleaders leisteten. Jetzt war Bono einfach mit den Nerven am Ende: „Whenever you see me giving up a lot of attitude that means I‘m terrified. I felt like I was going to retch at the side of the stage.”

Ein bisschen mehr als schon mal Gegessenes erwarten wir uns von diesem Comeback: Sly Stone hat nach dreißig Jahren Funkstille ein neues Album angekündigt. Darauf befindlich sollen Neubearbeitungen alter Songs, aber auch bisher unveröffentlichte Tracks sein.

Dieser hier wird wohl nicht mehr zurückkommen. Zwei Jahre ist es her, dass Michael Jackson an einer Pillen-Überdosis starb, doch noch immer macht er von sich Reden. Wie die Welt vermeldet, ist seine rote Thriller-Lederjacke jetzt für 1,8 Millionen Dollar versteigert worden. Second-Hand-Klamotten stehen hoch im Kurs – in der letzten Woche kam Marilyn Monroes weißes Kleid aus „Das verflixte 7. Jahr“ für stolze 5,6 Millionen Dollar unter den Hammer. Schockierender als Jackos Jacke zum Dumping-Preis ist aber, dass er den Song „Happy Birthday, Lisa“, den er 1991 eigens für eine Simpsons-Folge schrieb, gar nicht selbst eingesungen habe. Wie der NME berichtet, musste er aus vertraglichen Gründen auf ein Double zurückgreifen.

Freequency Downloadlinks

28.06.2011 von  

Was ist nur los in diesem Schweden? Gefühlt gibt es nicht viele Länder auf der Welt, in denen so gute Musik gemacht wird. Eine Pop-Perle nach der anderen fädelt sich dort zu einer Kette der musikalischen Hochachtung aneinander. Viele dieser Perlen sind noch unentdeckt. Der Multiinstrumentalist, Songwriter und Laptopfrickler Henrik José gehört dazu. Aus der Demoszene stammend, hat er seine elektronischen Klänge in den ersten Jahren seiner musikalischen Phase hin zu warmen, melodiösen Ambient-Strukturen entwickelt, die er in den Jahren danach mit Gesang abrundete. Von Beginn an fanden Er und seine Musik den Weg ins Netz, selbst zu einer Zeit, in der CDs noch das Nummer 1 Musikmedium waren. Der anfänglich distanziert wirkende Künstlername Bliss passte nicht mehr zu den immer persšnlicher werdenden Texten des Henrik José. Deshalb die personifizierte Namensänderung. Christian Grasse traf den frischen Wahl-Berliner in seiner Wohnung an der Spree und verbrachte eine Stunde mit dem jungen Mann, der sich in melancholischen Elektronik-Pop-Spheren bewegt.

Playlist/Downloads/Info:

Henrik JosĂ© – Energy Is For Henrik
Henrik JosĂ© – Who Are They?
Henrik JosĂ©/Bliss – Time Time Time
Henrik JosĂ© – I‘m on your side
Henrik JosĂ© – Magnet In My Mouth
Henrik JosĂ© – Rich & Timeless
Henrik JosĂ© – We Own This Thing
Henrik JosĂ© – Kamomilla Stad
S.T. – Downtown
Henrik JosĂ© – Den Andra Handen
Henrik JosĂ© – Pinpointing The Problem

Die ByteFM Charts KW 26

27.06.2011 von  

Bon Iver haben den ersten Platz der Albumcharts erreicht! Kein Wunder, bei diesem tollen Album! Der höchste Neueinsteiger diese Woche ist Andreas Dorau, der auf dem vierten Platz einsteigt. In den Trackcharts springt Jamie XX mit seiner Single „Far Nearer“ auf die Top-Position. Daneben gibt es auch einige andere Neueinsteiger, die mit aktuellen Liedern vertreten sind, u.a. Ada, Fink und Chilly Gonzalez.

Die Albumcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Bon Iver – Bon Iver (3)

2. Ada – Meine Zarten Pfoten (6)

3. Arctic Monkeys – Suck It And See (2)

4. Andreas Dorau – Todesmelodien (neu)

5. Chilly Gonzales – The Unspeakable Chilly Gonzales (4)

6. Jamie Woon – Mirrorwriting (8)

7. Paul Kalkbrenner – Icke Wieder (14)

8. John Maus – We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves (neu)

9. Battles – Gloss Drop (1)

10. Nik Freitas – Saturday Night Underwater (neu)

11. finn. – I Wish I Was Someone Else (-)

12. Austra – Feel It Break (10)

13. When Saints Go Machine – Konkylie (7)

14. Fink – Perfect Darkness (15)

15. Scott Matthew – Gallantry’s Favorite Son (neu)

Die Trackcharts (Platzierungen der Vorwoche)

1. Jamie XX – Far Nearer (neu)

2. Bon Iver – Perth (15)

3. The Sea And Cake – Up On The North Shore (1)

4. When Saints Go Machine – Kelly (5)

5. Arctic Monkeys – Suck It And See (6)

6. Andreas Dorau – Edelstein (neu)

7. Jamie Woon – Spirits (neu)

8. Ada – Faith (neu)

9. Scott Matthew – Felicity (11)

10. Thurston Moore – Benediction (2)

11. The Middle East – Jesus Came To My Birthday Party (4)

12. Chilly Gonzales – Shut Up And Play The Piano (neu)

13. Fink – Save It For Somebody Else (neu)
14. Bon Iver – Minnesota, WI (8)

15. Ada – Likely (neu)

Neue Platten: John Tejada – „Parabolas“

27.06.2011 von  

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.

Wer? John Tejada ist ein österreichischer DJ und Produzent elektronischer Tanzmusik und wuchs als Sohn einer Sopranistin und eines Dirigenten in Los Angeles auf. Mittlerweile lebt und arbeitet er in St. Fernando Valley. Tejada ist Betreiber der beiden Labels Palette Recordings und Sonikore Recordings. 1991 fängt er an, Techno-Tracks zu produzieren, die 1994 bereits durch das Londoner A13 Label veröffentlicht werden. Der Techno-Produzent und DJ Daniel Bell veröffentlicht ihn ebenfalls auf seinem Label 7th City Johns, welches besonders fĂĽr den weltweiten Vertrieb von Detroit-Techno bekannt war. Tejadas Erfolg ermutigt ihn, 1996 sein eigenes Label, Palette Recordings, zu grĂĽnden, um dort vor allem eigenen, eher housigen Produktionen eine Plattform zu bieten. 2009 mixte er die 44. Ausgabe der renommierten Compilation-Serie „Fabric Live“. Wer sich nicht fĂĽr Techno interessiert, kennt ihn vielleicht als technischen Ratgeber der zweiten Hälfte von The Postal Service: Jimmy Tamborello. Zusammen mit Tejada nahm dieser sein Solo-Album als James Figurine auf und half beim Postal Service Remix von Feists „Mushaboom“.

Was? „Parabolas“ ist Tejadas erste größere Veröffentlichung seit drei Jahren und die erste auf dem Kölner Kompakt Label. Kompakt ist zum Inbegriff des Minimal Technos in Deutschland geworden, und wenn man „Parabolas“ hört, freut man sich, dass Tejada und Kompakt endlich zueinander gefunden haben. Der Opener „Farther and Fainter“ ist grandios und zieht den Hörer in bester four-to-the-floor Manier in seinen Bann. Understatement und Reduktion waren immer die bemerkenswerten Merkmale des Minimal Technos und John Tejada ist einfach schon viel zu lange dabei, um diese Regeln nicht zu kennen. Er bedient sie und erschafft dabei eine Intimität und Atmosphäre, die den Hörer höflich zum Tanz bitten. So besticht das Album vor allem durch seinen Abwechslungsreichtum: Es gibt auch ruhigere Tracks, wie beispielsweise „Dreams“. Wie der Titel vermuten lässt, mutet dieser Song wie eine kleine eingeschobene Piano-Traumsequenz. „Subdivided“ sticht da genauso hervor wie „The Living Night“, beide Songs bauen sich um wunderbare Melodien auf und verbinden sich dabei mit einem unaufdringlichen Bass.

Warum? Bei all dem, was Tejada bisher schon geschaffen hat, ist ihm mit „Parabolas“ ein kleines Meisterwerk gelungen. Tejada präsentiert hier sein ganzes Talent als Produzent. Er selbst sagte ĂĽber dieser Zusammenarbeit mit Kompakt: „I wanted to experiment with some longer phrases again and to step away from the analog sequencers more and get back to using my hands to create the melodies“. Dies ist ihm mit groĂźer Detailverliebtheit geglĂĽckt und er schafft es, den Hörer langsam aber sicher mit in die Tiefe zu ziehen. Das was im Techno gerne „deep“ genannt wird, funktioniert hervorragend. Tejada macht das nämlich so höflich und unangestrengt, mit so viel Nonchalance, dass man ganze Nächte zu „Parabolas“ tanzen wird.

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