Miami Horror in Hamburg

27.05.2011 von  

Bei den meisten Konzerten gibt es Vorbands, bei manchen aber auch nicht. In solch einem Fall guckt man als Konzertbesucher verwirrt um sich, denkt, „ist das jetzt schon wirklich die Band, fĂŒr die ich hierhin gekommen bin?“, versucht sich noch einmal in Erinnerung zu rufen, wie die Band eigentlich aussieht, verwirft dann die Gedanken und konzentriert sich auf das Geschehen auf der BĂŒhne.

So auch im Hamburger Molotow am Mittwoch: Es gibt keine Vorband, Miami Horror geben sich direkt und sofort die Ehre. Damit steht heute auf dem musikalischen Speiseplan: Electro-Pop aus Melbourne. Vielen erging es wie mir; sie waren etwas verwundert, dass es jetzt um 21:30 Uhr schon losgeht. So sieht es bei dem großartigen „Soft Light“, dem ersten Song der Band aus Australien, auch noch halb leer aus; allerdings strömen nach und nach immer mehr Besucher in die kleinen RĂ€umlichkeiten des Molotow, um die vier Bandmitglieder, ihre Instrumente und das, was sie aus ihnen herausholen, zu betrachten. Zur Verwirrung fĂŒhrt auch, dass Miami Horror sich nicht die MĂŒhe machen, sich vorzustellen oder ĂŒberhaupt ihr Publikum zu begrĂŒĂŸen. Allgemein wird es heute ein recht kommunikationsarmes Konzert sein.

Nach einer Viertelstunde dankt der SĂ€nger dem Publikum. Der Konzertbeginn gefĂ€llt mir eigentlich ganz gut; der Sound hier im Molotow ist ganz okay. Doch nach und nach verkĂŒnsteln sich Miami Horror hin zu langen Gitarren-Soli und Percussion-Einlagen. Man sieht dem SĂ€nger und Gitarristen im roten Zirkusdirektor-Sakko an, dass er es in seiner Karriere einmal in ein gefĂŒlltes Stadion schaffen will: zu gut und zu perfekt sind die Posen an und mit der Gitarre einstudiert. Gedanken an Queen kommen auf, wozu auch die manchmal recht feminine Stimme des SĂ€ngers fĂŒhrt. Auch das Repertoire von Miami Horror weist spĂ€testens nach der HĂ€lfte des Sets SchwĂ€chen auf; die Songs sind viel zu lang und klingen doch recht Ă€hnlich. Dem Publikum allerdings scheint es zu gefallen, es wird gefeiert, gesungen, gesprungen, auch die Mitklatschanimationen des SĂ€ngers (hier trifft es die Bezeichnung „Frontmann“ sehr gut) funktionieren.

Nach einer halben Stunde dann das Unglaubliche: Der SĂ€nger erklĂ€rt in einem bis zwei SĂ€tzen, das er kein Wort Deutsch kann und entschuldigt sich dafĂŒr. WĂ€re mir jetzt nicht wirklich aufgefallen diese Tatsache, schließlich sind Miami Horror bis auf ihre Textzeilen doch recht wortkarg. Es folgt noch ein Satz: Beim nĂ€chsten Mal soll mit Deutschkenntnissen aufgetrumpft werden. Soso.

Es geht in die Endphase des Konzerts: Ihre bekannteren Songs „Holidays“ und „Sometimes“ kommen großartig beim Publikum an, Synthies vermischt mit prĂ€gnanten Basslinien und einfachen Gitarren-Riffs. Bei ihren Zugaben spielen Miami Horror ein Cover: nicht irgendeines, sondern eine Interpretation des ohnehin schon zuckersĂŒĂŸen „You Can Call Me Al“ von Paul Simon. Einige wenige Konzertbesucher runzeln die Stirn, den meisten gefĂ€llt es aber immer noch.

Fazit: Das gut eine Stunde dauernde Konzert war ganz okay, aber nicht wirklich weltbewegend. Der Gitarrist kann sich ordentlich selbst feiern; musikalisch war der Abend eine Reise in die poppigen und manchmal auch kitschigen 80er Jahre. Aber insgesamt sind Miami Horror und ihr Sound recht sympathisch. Wenn sie ihre Songs noch treffsicherer gestalten könnten, wĂ€ren sie das bestimmt noch mehr. Eine Anekdote zum Schluss: Verabschiedet hat sich die Band ĂŒbrigens mit einem „TschĂŒss“. War dann wohl doch etwas geflunkert, als sie meinten, sie könnten kein Wort Deutsch, oder?