Neue Platten: ClickClickDecker – „Du Ich Wir Beide Zu Den Fliegenden Bauten“
29.03.2011 von Marc Beham

Wer? Was? Warum? ByteFM Redakteure besprechen eine Auswahl aktueller Neuerscheinungen.
Wer? ClickClickDecker heiĂt im echten Leben Kevin Hamann. Bereits seit den 90er Jahren macht er Musik, die er zunĂ€chst im Eigenvertrieb veröffentlicht hat. 2005 wechselte er zum Hamburger Label Audiolith. Dort sticht er aus dem eigentlich sehr elektronisch geprĂ€gten Band- und KĂŒnstlerkreis des Labels mit seiner relativ ruhigen, in klassischer Bandbesetzung und hĂ€ufig auf der Akustikgitarre vorgetragenen Musik heraus. Mit „Du Ich Wir Beide Zu Den Fliegenden Bauten“ erscheint nach drei regulĂ€ren Alben auf Audiolith nun ein Live-Album von ClickClickDecker.
Was? Die StĂŒcke, die am Abend des 25. Septembers 2009 im Rahmen des Reeperbahn Festivals in den Fliegenden Bauten in Hamburg aufgenommen wurden, sind fast alle auf den bisher erschienenen ClickClickDecker-Alben enthalten. Dargeboten wurden sie von Hamann selbst und dem Gitarristen seiner Live-Band, Oliver Stangl, in reduzierten Fassungen. Die haben durchaus ihren Charme. Besonders das groĂartige „Dialog mit dem Tölpel“ ist in seiner fĂŒr das Klavier aufbereiteten Fassung ein Genuss fĂŒr die Ohren. Gerade Stangls gekonnter Umgang mit zahlreichen verschiedenen Instrumenten bringt Abwechslung und Spannung in das Nachhören dieses Konzertabends. Erfreulich ist, dass fĂŒr das Album nicht ein beliebiges Konzert ausgewĂ€hlt wurde, sondern ein besonderes, das mit extra dafĂŒr arrangierten StĂŒcken glĂ€nzt.
Warum? Kevin Hamann fragt am Anfang: „Kann man das Licht vielleicht ein bisschen intimer auch fĂŒr uns hier auf der BĂŒhne machen? Das wĂ€râ super!“ Gewiss, intim geht es die gesamte Dauer des Auftritts zu, nur schade, dass man das gedimmte Licht auf einer Musikaufnahme nicht sehen kann. Ein Konzert besteht schlieĂlich nicht nur aus Tönen, sondern zum gleichen Teil aus visuellen EindrĂŒcken. Hamann wollte die Möglichkeit schaffen, diesen besonderen Moment seiner KĂŒnstlerkarriere mit anderen Menschen zu teilen. Geteilt hat er ihn aber in erster Linie mit den Menschen, die den Moment in der RealitĂ€t mit ihm zusammen erlebt haben. Voraussetzung, um dieses Album in vollen ZĂŒgen genieĂen zu können, ist deshalb, ClickClickDecker wenigstens ein Mal tatsĂ€chlich live gesehen zu haben, oder, im besten Fall sogar an besagtem Abend im Zelt der Fliegenden Bauten anwesend gewesen zu sein. Denn dann wird man sich daran erinnern, was fĂŒr eine spezielle, intime Stimmung damals herrschte und wie sympathisch die beiden Musiker auf der BĂŒhne waren. Und wenn man nicht dabei war, bleibt einem immer noch die Tatsache, dass Hamann einer der besseren auf Deutsch textenden Songwriter ist. „Was kann es Beschisseneres geben, wenn du die Freiheit hast, zu gehen und trotz allem lieber bleibst?“, fragt er. Und tatsĂ€chlich bleibe ich lieber und höre mir das Album komplett an. Nicht mal beschissen ist das, sondern sehr schön. Aber ich war ja damals auch dabei.









