14.01.: Hinterm Horizont GroĂbritannien
14.01.2011 von Redaktion

An diesem Freitag kommt keiner drum herum, die Feuilletons sind so voll, wie auch gerne mal der Mann, um dessen Person sich dieses Musical rankt. Die Rede ist von „Hinterm Horizont“, das Udo-Lindenberg-Musical, das gestern in Berlin seine Premiere feierte. FĂŒr die taz hat sich keine Geringere als Christiane Rösinger unter das Zuschauervolk im Theater am Potsdamer Platz gemischt und das StĂŒck als durchaus gelungen bewertet, das eine Liebesgeschichte im geteilten Berlin der achtziger Jahre bis zur Wiedervereinigung erzĂ€hlt. Rösinger lobt darĂŒber hinaus die Bedeutung Lindenbergs fĂŒr das deutsche Liedgut und seine SongwriterqualitĂ€t, und steckt ob dieser die sie mal fĂŒr mal befallende Fremdscham weg, wenn der Altrocker einfach nur er selber ist. „Lindenberg sĂ€uft wenigstens, vertritt als einziger deutscher Promi keine Familienwerte und wohnt lieber im Hotel.“ Realness? Realness!
Derweil wir unsere Popdinosaurier feiern, bringen die Briten ihre KĂŒken in Position: Der Guardian gewĂ€hrt uns einen kleinen Ausblick auf die Brit Awards, als dessen bestaufgestelltester Mann Tinie Tempah zu nennen ist. Gleich in vier Kategorien nominiert, hat der Rapper Chancen auf den Award fĂŒr die beste Single und bestes Album. The xx folgen mit nicht zu verachtenden drei Nominierungen, ebendfalls fĂŒr das beste britische Album, bester britischer Breakthrough Act und Gruppe. Weitere AnwĂ€rter auf die wichtigste englische Musikauszeichnung sind Mumford & Sons, Plan B und, siehe da, die wiedervereinten Take That.
Hoffnungen in der Kategorie bestes internationales Album können sich Arcade Fire, die Rapper Cee Lo Green und Eminem, kings of Leon und Katy Perry machen.
Wer sich ĂŒber das immer wieder viel diskutierte VerhĂ€ltnis von Pop und Klassik interessiert, geschmacksfatalistisch-intellektuell gerne als U und E Musik von einander akribisch segregiert, findet in der NZZ einen zum Nachdenken anregenden Abriss ĂŒber den bisherigen Verlauf dieser sich aus musikwissenschaftlicher Sicht sich immer noch dychotomisch gegenbĂŒberstehenden Sparten. Ueli Bernays beleuchtet dieses TĂȘte-Ă -tĂȘte aus Hochkultur und Massenprodukt als gewinnbringend fĂŒr sowohl junge Musiker als auch die kontemporĂ€re Poplandschaft und zeichnet den Klassikeinfluss in aktuellen Popsongs, wie bei Janelle Monae nach. DarĂŒber hinaus verrĂ€t er uns die Internetquellen zum Nachlesen welcher Popsong denn nun Anleihen beim groĂen Klassikbruder genommen hat. Die Rolle des Internets als Musikarchiv auch fĂŒr klassische Musik könnte die weitere Zukunft der Popmusik nachhaltig beeinflussen oder eben zu Diebstahl und Ausweidung der groĂen Werke fĂŒhren. Wir sind gespannt.
In der taz las Franz X.A. Zipperer zwei Neuveröffentlichungen zu Frank Zappa, dem egomanem Arbeitstier, das kurz vor Weihnachten seinen 70. Geburtstag gefeiert hÀtte. Viele WeggefÀhrten Zappas kommen zu Wort und auch dessen internationale Rezeption wird eingehender betrachtet.
Portishead, noch sehr lebendig, zeigen sich von ihrer trotzigen Seite, meldet Spiegel online. Auf Twitter (sic!) kommunizierten die Briten ihren Fans, bei allen gĂ€ngigen Gimmicks der heutigen medialen FĂŒtterungen hungriger FanmĂ€uler ĂŒber allmöglichen KanĂ€le einfach mal nicht mitmachen zu wollen. Die Idee hinter der Verweigerung? Wir vermuten schwer: Purismus, es ging mal um so etwas wie Musik.







