12.01.: Faul, verantwortungslos und sexbesessen

12.01.2011 von  

„Faul, verantwortungslos und sexbesessen“, so schreibt die Welt ĂŒber Michel Gondrys ersten Superheldenfilm „The Green Hornet“, meint das aber gar nicht negativ. Halt, doch, meint sie negativ. Es soll nĂ€mlich so lange an dem Filmskript zur Serie, mit der Bruce Lee in den Sechzigern zum Weltstar wurde, herumgeschrieben worden sein, dass „irgendwann die Idee, die Hauptrolle ausgerechnet von Seth Rogan als typische Seth-Rogan-Figur spielen zu lassen, einigermaßen brillant vorgekommen sein muss.“ Dass der die grĂŒne Hornisse nun als eher dĂ€mlichen Verlierer spielt, sei zwar in der Vorstellung „irre lustig“, auf der Leinwand sei es das „nicht“.

Wer den Film „The Green Hornet“ im Gegensatz zur Welt sehr gut findet, ist die taz. Die meint, dass die „Actionszenen, gerade im fulminanten Showdown zwischen dem etwas obskuren Mafiaboss Chudnofsky (Christoph Waltz) und dem Heldenduo“ sich so „freudig ihrer eigenen Awesomeness (sic) [ergeben], dass es nur so eine Art hat.“ So sei das Ganze dann nĂ€mlich „cool und mitreißend, Unterhaltungskino der besten Sorte“ vom französischen „Musikvideo-Wunderkind“ Gondry.

GĂ€nzlich „Im flaschen Film“ sieht sich die taz dann aber beim Thema Schweden. Bis vor kurzem war es ja so, dass jedem, der an Schweden dachte, „nicht als Erstes Astrid Lindgren, Abba oder Ikea ein[fiel], sondern – Sex.“ Seit den Sexualdeliktsbeschuldigungen gegen den Wikileaks-GrĂŒnder Julian Assange hat sich das Bild allerdings radikal verĂ€ndert: Schweden hat jetzt den Ruf als „Saudi-Arabien des Feminismus“ (Assange) oder „Wespennest des revolutionĂ€ren Feminismus“ (nochmal Assange). In diesem Artikel wird der Sache nachgegangen und am Ende glĂŒcklicherweise resĂŒmiert: „Schweden und Sex gehören eben doch zusammen.“

So bleibt es uns also erspart, nach dem Rock‘n'Roll in der gestrigen Presseschau auch noch die sexualliberale Traumgesellschaft Schweden beerdigen zu mĂŒssen.
Und fĂŒr alle, die dachten, dass das mit dem Rock‘n'Roll nur ein Scherz war: Im Guardian sind neue Beweise fĂŒr das Dahinscheiden der Gitarrenmusik aufgetaucht. 2010 kamen nur drei der 100 meistverkauften Songs Großbritanniens von Rockbands, und der erfolgreichste Song dieser drei war Journeys „Don’t Stop Believing“ – weil er in der Serie „Glee“ vorkam. Aber das war schließlich 2010. Neues Jahr, neues GlĂŒck, oder? Leider ist fĂŒr 2011 nicht wirklich Besserung in Sicht. Bei den Wahlen des BBC Sound Of 2011 wurden Rockbands wie Mona oder The Vaccines auf die arg weit hinteren PlĂ€tze verwiesen. Dazu kommt, dass viele Gitarrenbands wie Bloc Party, Editors oder The Gossips Beth Ditto „have ‚gone electro‘ in the last 18 months“. Aber bevor man jetzt losgeht und TotenkrĂ€nze kauft – es ist noch nicht aller Tage Abend: „Retro-influenced acts the Strokes and the White Stripes saved guitar music 10 years ago. Rest assured, when rock returns it will sound as reassuringly, tediously familiar as it always has.“ Ein Hoch auf die musikalischen Zyklen.

Wenig bei der Rettung des Rock helfen werden wohl die Gorillaz, die kĂŒrzlich Zuwachs bekommen haben. Das neueste Cartoon-Mitglied der Band trĂ€gt den Namen The Evangelist und wurde von Gorillaz.com-User jirouta im Rahmen eines dazugehörigen Online-Wettbewerbs zur Aussehensfindung entworfen. The Evangelist (ziert unsere heutige Presseschau) in seiner ganzen Pracht könnt Ihr bei Pitchfork bewundern.

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