30.11.: Zwischen harte Fronten und „Mumblecore“
30.11.2010 von Redaktion

Sehr verehrte Leser unserer Presseschau. Heute beginnen wir mit politischen Themen, streifen dann den cineastischen Raum und widmen uns zum Schluss unserer größten Leidenschaft – der Musik.
Heute ist Stichtag in Stuttgart. Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern um das Bahnprojekt „Stuttgart 21″ sind trotz langer Verhandlung immer noch verhärtet. Im Streit um das rund sieben Milliarden Euro teure Vorhaben will der Schlichter Heiner Geißler das Ergebnis seiner Bemühungen vorlegen. Nach mehr als fünfwöchigen Schlichtungsgesprächen zwischen den Kontrahenten des Bauvorhabens rechnen Beobachter damit, dass Geißler Nachbesserungen am derzeitigen Konzept von „Stuttgart 21″ anregen wird. Außerdem ist davon auszugehen, dass der Schlichter Geißler gegen einen Volksentscheid votieren wird. „Für eine Abstimmung der Bürger über das umstrittene Projekt fehle die rechtliche Basis“, sagte Geißler. Die Zeit und taz berichten.
Auch Wikileaks beherrscht heute unsere Tagespresse. In der Welt kritisiert Clemens Wergin, dass „[…] WikiLeaks-Enthüllungen [bisher] fast ausschließlich zulasten von demokratischen Staaten [gingen], die ohnehin ein vergleichsweise hohes Maß an Transparenz aufweisen. Die inneren Vorgänge der echten schwarzen Löcher dieser Erde – Diktaturen wie der Iran und Nordkorea oder zahlreiche autokratische Regime – hat Wikileaks bisher nicht ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt.“ Und jetzt verkündet Wikileaks-Gründer Julian Assange als nächstes das „Big Business“ – die Wirtschaft – ins Visier zu nehmen und verspricht zehntausende interne Dokumente einer amerikanischen Großbank zu veröffentlichen. Der Tagesspiegel weiß mehr.
Jemand schon mal was vom „Mumblecore“ gehört? Nein. Dann hier ein Versuch zur Definition: Ein neues filmisches Genre, das etwa übersetzt „Nuschelgenre“ bedeutet und in den USA beheimatet ist. Sein Charakteristika: Unabhängig produziert, „die auffällig unauffällig daher kommen. Sie wirken beiläufig, unpoliert, ziellos frei.“ Sie erzählen ohne nennenswerte dramaturgische Zuspitzungen ganz einfach von jungen, durchschnittlichen Amerikanern. „Mumblecore verarbeitete Einflüsse von John Cassavetes bis Richard Linklater, erschien in den besten Fällen im Ergebnis aber so, als hätten die jüngeren Filmemacher nicht von den älteren gelernt, sondern einfach den Blick auf ihr eigenes Leben und ihr Umfeld gerichtet“, schreibt Stephan Otto in seinem Artikel auf Welt Online.
Dramatisch zugespitzt hat sich allerdings das Leben von dem italienischen Meisterregisseur Mario Monicelli. Er stürzte sich am Montagabend in Rom im Alter von 95 Jahren aus dem fünften Stock eines römischen Krankenhauses. Zuvor hatte er sich einer Krebsbehandlung unterziehen müssen. Monicelli galt neben Federico Fellini und Michelangelo Antonionials als einer der wichtigsten Regisseure des italienischen Nachkriegskinos. Für seine Filme „Casanova ‚70″ und „I Compagni“ („Die Peitsche im Genick“) war er 1965 beziehungsweise 1963 zwei Mal für den Oscar nominiert. Nachzulesen auf Zeit Online.
Johannes Wächter im Gespräch mit Sven Väth. Wo? Beim Magazin der Süddeutschen. Im Interview erklärt er, wie er sich die Freude an der Musik bewahrt hat, warum er schnell gelangweilt ist und was wohl irgendwann mal nach der letzten Party kommen wird. Das komplette Gespräch findet Ihr hier.
Schon vor geraumer Zeit stand die Meldung im Raum, dass Jamie Smith – Produzent und Mann an der Drum Machine von The XX – das Comeback-Album „I’m New Here“ von Gil Scott-Heron komplett remixen solle. „Spannend ist die Zusammenarbeit durchaus, kommt es doch immer wieder zu positiv überraschenden Ergebnissen, wenn gealterte Legenden äußerst jungen Hype-Musikern die ausführende Hand überlassen“, schreibt die Spex. Was die zwölf weiteren Bearbeitungen Jamie xx’ halten, wird man am 21. Januar 2011 erfahren – dann erscheint „We’re New Here“ auf XL Recordings, meldet der Guardian.
29.11.: „Das Leben ist sinnlos und führt zu nichts“
29.11.2010 von Redaktion

Ein Wochenende der Enthüllungen! Und es geht gleich weiter. Mit der Presseschau am Montag.
Petzen finden wir aber doof. Und überhaupt, ist nicht eh alles „Gerede, Gefasel, Streit“ ? Das findet zumindest Chefzyniker Woody Allen. „Alles ist gleichmäßig bedeutungslos, vom Terrorismus bis zu der Frage, ob mein Smoking rechtzeitig für eine Filmpremiere aus der Reinigung kommt. Nur Schall und Wahn.“ erzählt er im Interview auf jetzt.de. Das gleiche bei Welt Online: „Das Leben ist definitiv sinnlos und führt zu nichts.“ Am besten man findet sich schon mal rechtzeitig damit ab. Zwischendurch kann man sich ein paar Glücksmomente schaffen: z.B. Geburtstage feiern (Woody Allen wird Mittwoch 75) oder mal ins Kino gehen (sein neuer Film kommt am Donnerstag in die Kinos und heißt „Ich sehe den Mann deiner Träume“).
Kollege David Lynch sucht neue Herausforderungen in der Musik. Wie der Guardian berichtet, komponierte der Regisseur zuletzt – ganze zwei Stücke, allein und unabhängig vom Film produziert und ab morgen über iTunes verfügbar. Dem Medium Film will er aber nicht komplett absagen: „[Music is] its own thing. It is something that goes inside a person and it does something and it can really thrill the soul. It’s another magical medium.“
In gewisser Weise auch „magic“: Über „Puerto Rico krassesten Pop-Act“ Calle 13 schreibt ByteFM-Moderator Christoph Twickel in der taz. Das Duo der Halbbrüder René Pérez und Eduardo Cabra hat es „mit surrealer Pornografie in die Charts“ geschafft. Zuletzt veröffentlichten sie ihr neues Album „Entren Lo Que Quieran“, u.a. mit Gästen wie Mars Volta-Gitarrist Omar Rodríguez und Fela Kuti-Sohn Seun Kuti.
Eine Herausforderung abseits der Musik suchte zuletzt Thom Yorke: Am Wochenende kreierte er in Brighton eine „menschliche Skulptur“ mit Freiwilligen, die er über die Radiohead-Homepage rekrutierte. Wie die aussah, könnt Ihr beim NME sehen. Anlass ist die Klimakonferenz in Cancun/Mexico, die heute startet.
Noch zwei Tage, dann war’s das mit dem November, und seien wir ehrlich, das Jahr ist auch schon so gut wie vorbei. Im Guardian erzählen Musiker über ihre Lieblingsplatten des Jahres, u.a. Oliver Simm von The XX, Antony Hegarty oder Flying Lotus. Da fängt man unweigerlich an, selbst in Gedanken die Favoriten des Jahres aufzuzählen. Falls ihr Lust habt, uns diese mitzuteilen: In unserem Jahrespoll freuen wir uns auf Eure Mails!
Eine letzte traurige Nachricht kommt heute ebenfalls aus dem Film: Gestern starb Hollywood-Schauspieler Leslie Nielsen in Florida an einer Lungenentzündung. Er wurde vor allem als Polizist in „Die nackte Kanone“ bekannt. Ein Nachruf auf sueddeutsche.de.
Neue Alben in dieser Woche (KW 48) – eine Auswahl
29.11.2010 von Redaktion
Robyn – „Body Talk Pt.3 „
VÖ: 03.12.2010
Web: myspace
Label: Ministry Of Sound
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Body Talk Endstation. Robyn veröffentlicht den letzten Part ihrer Body Talk-Trilogie. Doch damit nicht genug: Zusätzlich wird das gleichnamige Album, welches alle drei EPs zusammenfasst, zu erwerben sein. Passend zum Abschluss des Jahres findet damit der Veröffentlichungsmarathon der Schwedin ein Ende. Die Gründerin der Konichiwa Records läutet ihr drittes Mini-Album mit einer Neuauflage des ursprünglich akustischen Songs „Indestructible“ ein. Das Video zur Auskopplung sprüht nur so vor Sex-Appeal im Strohhalm-Gewand. Jedoch hinterlässt es vielmehr den Eindruck, den so poppigen Elektro-Sound des Songs aufwerten zu wollen. Insgesamt ist aber eine fröhliche Mischung aus bunten Popsongs zu erwarten. Robyns alter Freund Max Martin, mit welchem sie schon 1997 mehrere Hits („Show Me Love“) landete, hat auch diesmal wieder seine Finger im Spiel. „Time Maschine“ ist ein solches aus der Zusammenarbeit entstandenes Stück. Dieses wirkt jedoch so poppig wie Britney Spears auf dem Höhepunkt ihrer Schaffensphase. Glücklicherweise gibt es da noch „Get Myself Together“, welches einem doch irgendwie ein Gute-Laune-Lächeln abverlangt. Und auch die restlichen Songs der EP untermalen eine eingängige Dancefloor-Mischung, welche erfolgreich an Robyns bisher veröffentlichten „Body Talks“ anknüpft. (vw)

Pascal Pinon – „Pascal Pinon“
VÖ: 03.12.2010
Web: myspace
Label: Morr Music
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Zu Pascal Pinon gibt es zwei Geschichten. Die erste spielt Anfang des letzten Jahrhunderts und erzählt von einem Mann mit zwei Gesichtern: Unter dem Namen Pasqual Pinon zog er als Attraktion eines Wanderzirkus durch die USA. Sein „zweites Gesicht“ bildete ein mit Wachs modellierter Tumor oberhalb seiner Stirn. Die zweite Geschichte ist die der beiden Zwillingsschwestern Jofridur und Asthildur aus Island, die mit zwei Freundinnen die Band Pascal Pinon gründeten und deren akustischer und warmer Lo-Fi Pop so gar nicht zur eher makabren ersten Geschichte passen will. Das tut dem Gesamteindruck aber keinen Abbruch, im Gegenteil: den vier gerade mal 16-jährigen Freundinnen ist ein charmantes, entzückendes Album gelungen, dem man seine jugendliche Unbekümmertheit genauso anhört wie das Talent zum „erwachsenen“ Songwriting. Dabei klingt es wie direkt aus dem Wohnzimmer ins Ohr. Und draußen schneit’s. Zeit, eine Kerze anzuzünden. (ch)

Simian Mobile Disco – „Delicacies“
VÖ: 30.11.2010
Web: myspace
Label: Wichita Recordings
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Vom Indierock zu einem derzeit angesagtesten Produktions- und Remix-Team. Entstanden im Jahre 2005 aus dem Split ihrer Band “Simian“, tauchen die beiden Briten James Ellis Ford und James Anthony Shaw unter dem Namen Simian Mobile Disco auf. Das DJ-Duo ist vor allem dadurch bekannt geworden, dass sie für Künstler wie Muse, Klaxons oder Björk Remixe gemacht haben. Nun veröffentlichen Simian Mobile Disco ihr fünftes Album „Delicacies”. Es umfasst zwei Scheiben: Dem eigentlich Album-Teil, darauf befinden sich 8 neue Tracks, während “Delicacies: Mixed” einen knapp einstündigen Mix aus ihrem Studio enthält. Wie der Albumtitel schon verrät, verköstigt uns das Duo mit allerfeinsten Leckerbissen elektronischer Musik. Die Zutaten: Minimale Instrumentierung, sich wiederholende Hooks, Synthie und Breakdowns, angereichert mit wuchtigen Bässen und verspielt synthetischen Melodien. Bon Appetit! (mf)

Steve Wynn & The Miracle 3 – „Northern Aggression“
VÖ: 03.12.2010
Web: myspace
Label: Blue Rose
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Northern Aggression? Aggressiv ist dieses Album mitnichten. Der Singer-Songwriter Steve Wynn, welcher einst mit der Band Dream Syndicate in der Musikwelt kursierte, hat nun zusammen mit The Mirale 3 eine Gitarren-lastige Scheibe hervorgebracht.
Gleich der schrammelige Gitarrensound aus dem ersten Song „Resolution“ lässt aufhorchen. Die vom Titel indizierte rockige Düsterheit ist im Verlauf des Albums jedoch weniger zu finden. Vielmehr breitet sich nach und nach eine stimmige Country-Blues-Atmosphäre aus, welche recht entspannend wirkt. Allein Wynns Stimme und vermeintlich hörbar lässig-anbiedernde Attitüde lassen den Sound rockig klingen. So besingt er „Consider The Source“ in einer so schiefen Tonlage, wie sie einst nur Leonard Cohen meisterte. Psychedelische Klänge runden die gradlinige Platte ab und laden ein zu einer kleinen Reise des Southern Rock durch die wilde Landschaft Amerikas. (vw)

Gammablitzboys – „1.21 Gigawatt“
VÖ: 03.12.2010
Web: myspace
Label: Rookie Records
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Die soeben angezündete Kerze wird aprubt ausgeblasen durch die Gammablitzboys: Ihren Schallwellen hält kein handelsübliches Wachsprodukt stand. Kein Wunder, wie der Name schon verrät, sind die Jungs sowieso eher Freunde der elektronisch gewonnen Energie. Ihr Sound ist demnach auch nichts fürs heimelige Wohnzimmer, sondern eher für die pogende Partycrowd. „1.21 Gigawatt“ ist das zweite Album der Blitzboys und steht in direkter Tradition zur Mediengruppe Telekommander, Frittenbude, Egotronic oder wie sie alle heißen. Das ganze hat vielleicht Power und Rotz, aber wen, bitte schön, wollen Christoph Reichelt und Markus Brosam damit noch hinterm Heizstrahler hervorlocken? (ch)

Kris Needs Presents… Dirty Water – „The Birth Of Punk Attitude“
29.11.2010 von Redaktion
VÖ: 03.12.2010
Web: Future Noise Website zur Compilation
Label: Year Zero
„Punk was an attitude born of either struggle or limited means, which could exist in anything from rooftop doo wop crooners, circuit abusing alchemists or bands picking up guitars and recording themselves with little idea of tradition in their chosen musical genre.“
Der britische Musikkritiker Kris Needs verortet die Ursprünge von Punk weder im New Yorker Musikschuppen CBGB noch bei Suicide, die 1970 „Punk Rock“ auf ihre Flyer schrieben. Man könne auf die allerersten Bluesaufnahmen zurückgreifen und würde fündig werden, was knappe Ressourcen anginge und die Bemühungen, gehört zu werden. Von 1956 schon ist Gene Vincents „Bluejean Bop“, die fünfte von insgesamt 33 Nummern der Punk-Compilation. Vincent und seine Bands, The Blue Caps, waren bekannt als die „baddest boys in rock’n’roll“, schreibt Kris Needs. Sie legten Feuer in Motelzimmern, klauten Kredikarten und schrotteten Autos.
Kris Needs hat seine persönlichen Favoriten auf zwei CDs gebracht und dazu ein 72-seitiges Booklet zusammengestellt, zu jedem Stück hat er ein paar Anekdoten parat. Denn Kris Needs war zur rechten Zeit am rechten Ort, so scheint es, er hat den Punk begleitet wie kaum ein anderer. Die meisten Bands, vielleicht auch alle, kennt er persönlich. Besonders toll ist an der Compilation, dass sie sich nicht ausschließlich an den Jahren 1976 und 77 orientiert, sondern immer wieder zeitliche und stilistische Ausflüge in andere Sphären unternimmt. Zum Beispiel in die von Sun Ra, der ja selbst glaubte, vom Saturn zu kommen und mit seinem avantgardistischen Jazz auch von den New Yorker Punks der späten Siebziger verehrt wurde.
Auf „The Birth Of Punk Attitude“ finden sich die wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Songs eines Musikkosmos, kontextualisiert durch die umfangreichen Ausführungen von Kris Needs. Man muss kein gestandener Punk sein, um an dieser Zusammenstellung Gefallen zu finden.
Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.
Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.
Bis auf die Unterhose – Tricky live in Hamburg
27.11.2010 von Selina Nowak

Adrian Thaws findet sich ziemlich geil. Deshalb zieht er sich aus und präsentiert seinen drogenverzerrten Körper einem geifernden Publikum. Und er tut gut daran, denn viel mehr als seine physische Präsenz hat Tricky, so heißt er auf der Bühne, ebendort auch nicht zu bieten. Ein paar Mal ins Mikro zu röcheln ist noch keine Musik, zur Erzeugung harmonischer Klänge engagiert er sowohl für Liveauftritte als auch fürs Studio Gastmusiker und -sänger. Tricky kann stolz sein auf seine Leistung, die Besten der Besten zusammengebracht und produziert zu haben. Die Liste ist lang und auf Wikipedia nachzulesen. Aber nicht diese Zusammenarbeiten, sondern vor allem sich selbst stellt er in den Vordergrund. Speziell auf der Bühne würde er ohne egomanische Selbstinszenierung zum bloßen Statisten seiner Band, denn musikalisch funktioniert ein Tricky-Konzert auch ohne Tricky. Vielleicht um nicht in den Hintergrund katapultiert zu werden, behandelt er seine Mitmusiker auf der Bühne als bloße Staffage und stellt diese nicht mal dem Publikum vor.
Aber nur um ihn zu sehen haben sich die Leute ja an diesem Abend in den Hamburger Docks zusammengefunden. Und ihr halbnackter Messias lässt seine Schäfchen zu sich kommen. „Gleich zweimal!“, wie man einen Gläubigen nach dem Konzert ungläubig staunen hört. Wie bei fast allen seiner Konzerte holt Tricky beim obligatorischen Motörhead-Cover „The Ace Of Spades“ die vordersten Reihen zu sich auf die Bühne. Wow! Auf tanzender Schweißfühlung mit einem Star!
Dasselbe Schauspiel, nur bis ins Unerträgliche gesteigert dann zum Ende der Show. Aus der Zeile „I Want Jesus Come“ wird mehr und mehr ein „Come“ und mit weit offenen Armen signalisiert der Gottgleiche seine Empfängnisbereitschaft. Und wieder strömt das Publikum zu ihm hinauf. Dann kommt er sogar herab, um sich unters gemeine Volk zu mischen, Hände zu schütteln, sich fotografieren zu lassen. Wo in der Menge er sich gerade befindet ist an den in die Luft gestreckten Handykameras zu beobachten.
Zur Performance während der Show gehören folgende Features: mit dem Rücken zum Publikum stehen um die tollen Tattoos zu zeigen, einen Spliff nach dem anderen zu bauen und rauchen, zur Musik abzugehen, als würde er sich einen runterholen, mit dem Mikro in der Hand zu rocken, ohne einen Ton zu singen, Herzklopfen durch Stoßen des Mikrophons gegen seine Brustkorb zu simulieren.
Einmal fängt er an, während eines Songs (den ja nicht er, sondern die Gastsängerin sang) mit dem Keyboarder zu quatschen, bekommt einen Lachanfall, hüpft herum wie ein Kind und stürmt in Richtung Backstage, wobei er doch glatt die Gitarristin umschmeißt. Er bleibt für eine Weile verschwunden, Musiker und Sängerin machen weiter. Als er wiederkommt, fehlt die Unterhose. Die Shorts hatten zuvor noch weiß strahlend unter seiner tief sitzenden Jeanshose hervorgelugt.
Das gibt Adrian Thaws dann doch noch etwas menschlich Warmes. Tricky ist entmystifiziert.
27.11.: Schuld und Sühne
27.11.2010 von Redaktion

„Hauptstadt der Bewegung“ nannte Adolf Hitler München. Mit dem Erinnern an ihre Vergangenheit und an die Opfer des Nationalsozialismus tut sich die Hauptstadt Bayerns schwer. Wie schwer, darüber berichtet die taz: 2008 schrieb das Kulturreferat einen Wettbewerb aus für neue zeitgemäße Formen des Gedenkens. Michaela Melián, Künstlerin und Mitglied der Band F.S.K. gewann diesen mit ihrem Audiokunstwerk „Memory Loops“, in welchem sie historische und aktuelle Erinnerungen von Opfern und Tätern des Nationalsozialismus zu kurzen Tonspuren verarbeitete, welche man mittels virtuellem Stadtplan im Internet herunterladen kann, um dann die Erinnerungsorte in Realtät selbst zu begehen. Vor Ort hört man sich dann die passende Tonspur an. So ist ein hörbares, omnipräsentes Denkmal entstanden, kein monumentaler Kranzniederlegungsort, sondern ein Eintauchen in Erinnerungen von Opfern und Tätern. Nun wäre es Aufgabe der Stadt, über dieses Projekt zu informieren, Bürger wie Touristen darauf hinzuweisen. Doch das Marketing lässt zu wünschen übrig. Wer nichts von „Memory Loops“, wird die kleinen an verschiedensten Orten aufgestellten Schilder kaum wahrnehmen, nicht einmal auf der Webseite der Stadt findet man einen Link. Die Audiospuren findet man unter www.memoryloops.net
An Deutschlands braune Vergangenheit, genauer an das Massaker von Rechnitz, erinnert Tex Rubinowitz „Trinken Singen Schießen“ – so heißt das neue Album der Band Mutter. Finanziert wurde es auf bemerkenswerte Art und Weise. Ohne Plattenfirma im Rücken wurden limitierte 99 Stück einer Kaltnadelradierung als Schuldverschreibungen à 100 Euro ausgegeben, die man binnen einer Woche loswurde. „Das vielleicht wichtigste deutschsprachige Album“ titelt die Welt und spricht mit Sänger Max Müller über künstlerische Radikalität, Dilettantismus, Ausbeutung seitens der Plattenfirmen und darüber, worauf sich der Albumtitel wirklich bezieht: auf das Schützenfest in Hannover.
Über die Rolle Frédéric Chopins im Zweiten Weltkrieg schreibt die NZZ. Der polnische Komponist war in seinem Heimatland während der Nazizeit verbotenes Kulturgut und beflügelte wie kein anderer den Widerstandsgeist der Polen. Davon berichten Zeitzeugen. So zum Beispiel Mieczysław Tomaszewski, 1921 geboren und damals junger Pianist, der auf der Flucht an Chopins verlassenem Geburtshaus vorbeikam und nur in Gegenwart eines Wolfshund auf des Komponisten Flügel spielte.
Auch der Luxemburger Francesco Tristano ist klassischer Pianist. Und er liebt Techno. Was läge näher, als beide Passionen zu verbinden und mittels Klavier, Laptop und dem Detroiter Techno-Pionier Carl Craig ein Album zu produzieren. „Ein Wunderknabe am Piano und ein Technogroßmeister“, begeistert sich die taz über „Idiosynkrasia“.
Vom Techno zu den Drogen. Von „Kiffen, koksen, saufen – Drogen und Musik in Deutschland“ handelt ein großer Rolling Stone Report. Künstler, Konsumenten, Legalisierungsbefürworter und -gegner kommen zu Wort. Die Onlineausgabe des Magazins wird das Thema im Dezember ausführlich mit Interviews und Features begleiten. So ist auf RollingStone.de beispielsweise ein Interview mit Heavy-Metal-Star Schmier von Destruction über Drogengenuss in der deutschen Musikszene nachzulesen. Welche Bedeutung Drogen heute in der deutschen Heavy Metal Szene haben? „Da wird vor allem gesoffen (…)Harte Drogen gibt es fast nicht.“ Anders in den USA „Die tun zwar oft so prüde, aber was da hinter der Bühne abgeht, ist erstaunlich: mehr Sex, mehr Drogen. Da sind die Europäer viel vernünftiger.“ Und wie siehts aus mit dem deutschen Alkoholproblem? „Alkoholausschank einschränken? Das kann man nicht machen. Damit zerstört man ein Kulturgut.“
ByteFM Bewegtbild – Folge 6: The Great Bertholinis
26.11.2010 von Redaktion
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des ByteFM Bewegtbilds, das von der interviewten Band kurzerhand in TheGreatBertholinisTV umgetauft wurde. Oszkár und Todor, die beiden Sänger von The Great Bertholinis, erzählten uns übrigens auch von Zeitreisen in schwarzweiße Jahrzehnte, erklärten, wie Weinen ohne Tränen funktioniert und erläuterten das mysteriöse Omnichord.
Ob Letzteres auch auf ihrer neuen Platte zum Einsatz kam, muss wohl jeder für sich selbst heraushören. Oder er geht auf eines ihrer Konzerte, wenn die achtköpfige Band ab Dezember ihre Deutschland-Tour fortsetzt, und fragt die Herren einfach selbst.
Die ByteFM Charts KW 47
26.11.2010 von Redaktion
Die Höhenluft bekommt ihnen gut: An der Spitze begeht Adrian Lux weiterhin seine Teenage Crimes und Christiane Rösinger gibt weiterhin ihre Meinung über L. und Hass kund. Mit beeindruckender Hartnäckigkeit verteidigen die beiden ihre ersten Plätze aus den letzten beiden Wochen. Aber auch diese Woche gibt es wieder jede Menge Neueinsteiger und auch ein paar alte Bekannte haben sich ebenfalls in die Top 15 der beliebtesten Tracks und Alben des ByteFM Programms geschlichen. Hier sehr Ihr auf einen Blick, wer es diese Woche in unsere Charts geschafft hat.
Wem das Lesen nicht genug ist, der sollte am kommenden Montag, den 29.11., das ByteFM Magazin nicht verpassen. Ab 17 Uhr macht Jumoke Olusanmi dann nämlich eine Stunde lang unsere Charts mit jeder Menge Hintergrundinfos zu den Künstlern hörbar.



Die Trackcharts (mit Platzierungen der Vorwoche)
1. Adrian Lux – Teenage Crime (1)
2. Wolf Gang – Lions In Cages (neu)
3. Christiane Rösinger – Berlin (2)
4. Tame Impala – Solitude Is Bliss (3)
5. Matthew Herbert – Marlies Hoeniges (6)
6. Tricky – Hakim (13)
7. Apparat – Circles (neu)
8. Gold Panda – You (7)
9. Christiane Rösinger – These Days (8)
10. Brian Eno – 2 Forms Of Anger (15)
11. Emily Jane White – The Cliff (neu)
12. John Roberts – Glass Eights (neu)
13. Lykke Li – Get Some (neu)
14. Coconami – Loswerden (neu)
15. Lykke Li – Paris Blue (neu)
Ganze sieben Neueinsteiger gibt es diese Woche in den Trackcharts. Max McElligott alias Wolf Gang schafft es sogar im ersten Anlauf auf Platz 2. Sehr große Vorfreude herrscht bei unseren Moderatoren offensichtlich auf das neue Album „Wounded Rhymes“ von Lykke Li, das im März erscheinen soll. Die Schwedin verschenkt vorab die beiden Singles „Get Some“ und „Paris Blue“ auf www.lykkeli.com und beide Songs schaffen es gleich in unsere Trackcharts.



Die Albumcharts (In Klammern die Platzierungen der Vorwoche)
1. Christiane Rösinger – Songs Of L. And Hate (1)
2. Caribou – Swim Remixes (3)
3. Tame Impala – Innerspeaker (5)
4. Tricky – Mixed Race (-)
5. Paul Smith – Margins (6)
6. Warpaint – The Fool (4)
7. Ebo Taylor – Love And Death (neu)
8. Brian Eno – Small Craft On A Milk Sea (7)
9. Gold Panda – Lucky Shiner (2)
10. Glasser – Ring (neu)
11. Shackleton – Fabric (neu)
12. Caribou – Swim (neu)
13. the Black Keys – Brothers (neu)
14. Twin Shadow – Forget (9)
15. Console – Herself (neu)
Was Teenage Crime für die Trackcharts ist, ist Songs Of L. And Hate für die Albumcharts. Caribous Remixalbum und „The Fool“ von Warpaint erfreuen sich ebenfalls nach wie vor großer Beliebtheit, wenn sie auch ein paar Plätze einbüßen mussten. Dan Snaith alias Caribou wird es aber verschmerzen können, schließlich ist er mit „Swim“ in unsere Albumcharts zurückgekehrt und so gleich doppelt vertreten. Und er ist nicht der Einzige, der den Wiedereinstieg geschafft hat: Auch Tricky und The Black Keys (mit dem schon im Mai veröffentlichten „Brothers“) sind wieder mit dabei.
26.11.: Streiten
26.11.2010 von Redaktion

Nicht Lieder zum, sondern über das Streiten sucht der Guardian diesmal im allwöchentlichen „Readers recommend“. Hier können die Leser Musikvorschläge zu bestimmten vorgegebenen Themen bringen. Letzte Woche ging’s um Lieder mit berühmten letzten Worten.
Nicht der Refrain, sondern das Ende zählt. Unter den Erwählten sind unter anderem Portisheads „Western Eyes“, „Slow Death“ von den Flamin‘ Groovies oder „Chairmaine“ von Plan B. Der beste Schluss kommt aber von Michael Jackson. Er lautet auf die Worte „Hahahaha! Hahahahahahaha! Hahahahahahaha!“
Nun darf geraten und gestritten werden, um welchen Track es sich wohl handelt.
Der ewige Kampf der Geschlechter ist Thema einer neuen Serie auf 3Sat mit Sarah Kuttner und Markus Kavka. In „Frau Kuttner & Herr Kavka“ sollen Klischees auf die Schippe genommen werden, indem die beiden „typisch männliche“ oder „typisch weibliche“ Sachen machen. Die Persiflage scheitert kolossal, findet die taz. Stereotype würden nicht wiederlegt, sondern sei schon die erste Folge einer Wiederauferstehung von Heimchen und Macho in vier Akten. Kuttner boxt und krault Spinnen, Kavka geht eine Nacht probeweise in den Knast und dann in einen Tangokurs. Danach sitzen beide auf der Couch, um ihre Schlüsse aus den gemachten Erfahrungen zu ziehen. „Der liebe Gott hat nicht gewollt, dass sich Frauen die Fresse polieren“, lautet Kavkas Fazit. Kuttner weiß das brav zu bestätigen: „Ich stehe meinen Mann woanders, am Herd.“ Welch vorsteinzeitliche Überlebensweisheit.
Um’s Überleben kämpfen müssen derzeit viele Clubs in London, berichtet The Independent. Darunter auch legendäre Schuppen, die unzähligen Bands als Sprungbrett zum Ruhm dienten. So wird zum Beispiel am 31. Dezember das Luminaire, das Acts wie Mumford & Sons oder Hot Chip hervorgebracht hat, seine Türen für immer schließen. Über den Grund äußert sich der Inhaber des Clubs nur vage, vermutet werden finanzielle Schwierigkeiten.
Aus ähnlichen Gründen schließen wird der 100 Club (dort spielten u.a. The Sex Pistols, The Clash und The Buzzcocks), der Flowerpot (Damien Rice, Frank Turner, Billy Bragg) oder das Astoria. Bernhard Doherty, Sprecher der Rolling Stones, hat das Problem erkannt: „All diese Venues sind in Top-Immobilien angesiedelt. Würde der 100 Club zu einem Schuhgeschäft, würde er an diesem Standort ein Vermögen machen.“ Und so steigen jährlich die Mieten, bis sie den Musikclubs über den Kopf wachsen. Nun streiten Musiker wie Fans mittels Kampagnen auf Facebook und im echten Leben für den Erhalt dieser für die britische Musikszene so wichtigen kreativen Brutstätten.
Wo von Streit die Rede ist, da ist das Thema Politik nicht weit. Deshalb ein kleiner Ausflug in die Schweiz. Christoph Blocher ist nicht länger Berater der „Basler Zeitung“. Schon letzte Woche hatte ein Artikel in der NZZ eine zehntägige Protestwelle über des Rechtspopulisten Funktion bei dem Medium ausgelöst. Der neue Eigentümer Moritz Suter reagierte sofort und entließ Blocher in seiner ersten Amtshandlung. Die Basler und die taz freuen sich darüber, jedoch etwas verhalten. Denn Chefredakteur bleibt nach wie vor Markus Somm – Blochers Biograf.
Die Biographie eines umstrittenen Politikers ist nun als Comic nachgezeichnet. Nach dem Leben von Johnny Cash hat sich der deutsche Comiczeichner Reinhard Kleist nun Fidel Castro vorgenommen. Durchaus gelungen, wie jetzt.de findet. Rahmenhandlung der Episoden ist ein fiktiver deutscher Journalist, der in den 50ern zu einer Art Hofberichterstatter des kubanischen Regimes wird, schließlich aber doch gemeinsam mit dem schwulen Intellektuellen Juan in die USA flieht.
Politisch revolutionär sind häufig die Inhalte von Punkmusik, während Techno meist als unpolitisch betrachtet wird. Wie er Punkrock-Kids zu Fans elektronischer Tanzmusik machte, erzählt Technolegende Carl Cox in einem Videointerview mit undercover.fm.
Wie die heutige Presseschau begonnen hat, so endet sie auch. Mit einem Hörervoting. Zum unumstritten umstrittensten Song gewählt wurde in einer Umfrage von PRS for Music „Smack My Bitch Up“ von The Prodigy, gefolgt von den Sex Pistol mit „God Save The Queen“ und Frankie Goes To Hollywood’s „Relax“. Sex und Gewalt überall. Und im NME.
25.11.: It smells like….
25.11.2010 von Redaktion

Gestern stand unsere Presseschau ganz im Zeichen des Kaufens. Auch heute wollen wir mit einer Meldung zu diesem Thema beginnen.
Seit dem 16. November stehen Beatles Songs und Alben offiziell als mp3 Download zur Verfügung – wir berichteten in der Presseschau. Mittlerweile wurden mehr als 2 Millionen Songs und 450.000 Alben bei iTunes heruntergeladen. „Abbey Road“ als bestverkauftes Album und „Here Comes The Sun“ als beliebtester Song führen die Spitze an, meldet der NME.
Apropos Ranking: In einer Umfrage von der „Performing Rights Society“ zum „most controversial song“ gaben 1700 Leute ihre Stimmen ab. The Prodigys „Smack My Bitch Up“ wurde zum kontroversesten Song aller Zeiten gewählt, gefolgt „God Save The Queen“ von The Sex Pistols und Frankie Goes To Hollywoods „Relax“. Den Artikel inklusive den Top Ten findet ihr bei gigwise.
Rotzgören Alarm in Berlin. Nina Hagen hat sich taufen lassen und singt in der Berliner Gethsemanekirche Gospel. Ulrich Gutmair bespricht das Konzert in der taz. Eine Viertelstunde bevor ihr Konzert losgeht, rauscht Nina Hagen in den Vorraum des Klos der Gethsemanekirche und ruft: „Grüß Gott, ich muss noch mal pissen.“ Nach über zwei Stunden Lobpreis des Herrn verneigt sich Hagens Combo vor dem Kreuz und tritt ab: „Die Liebe siegt immer. Friede sei mit euch!“
„Ich mache unnatürliche Musik auf authentische Art“, sagt Nina Kinert über ihr viertes Album „Red Leader Dream“. Die Künstlerin hat als traditionelle Songwriterin angefangen und die Gitarre weggelegt um ein Dreampop-Album aufzunehmen, das sie als Fortsetzung des „Star Wars“-Epos versteht. Auch auf der Bühne entfaltet ihre Musik kosmische Exotik. „Mit vier Synthesizern, Cello, Bass, Schlagzeug und einem Planetensystem aus Pappmachée, das Kinert in Handarbeit hergestellt hat, erscheint sie wie eine Fantasy-Pop-Prinzessin“, schreibt Niels Reise auf Spiegel Online. Auch wir haben Nina Kinerts aktuelles Album besprochen. Die Rezension könnt Ihr unserer Rubrik Neuerscheinungen auf der ByteFM Magazin Seite nachlesen.
„Duffy: Flatternde Seele“ titelt Johannes Wächter im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Hier mal die Hardfacts: Duffys erstes Album „Rockferry“ hat sich über sechs Millionen Mal (!) verkauft. Das ist eine Hausnummer die inzwischen eigentlich nur noch von „Susan Boyle, den Beatles mit der x-ten Wiederveröffentlichung und irgendwelchen grauslichen Countrysänger erreich[t wird].“ Doch was verspricht das neue Werk „Endlessly“? Die schnellen Nummern seien wohl noch „tanzbarer und infektiöser“ als auf dem Debüt, bei denen macht Duffy ausgiebig Gebrauch von einem zwiespältigen Stilmittel: dem Vibrato. Ihre Stimme flattere wie ein „Schmetterling auf der Blumenwiese“ wenn sie eine langgezogene Note singt. „Statt Emphase stellt sich bei solchen Manierismen eher Belustigung ein“, schreibt der Autor in dem Artikel.
Musiker wie Willie Nelson, Herbie Hancock, Ryan Adams, OutKast, die Foo Fighters oder Belle and Sebastian auf einer Platte zu vereinen, wird nicht vielen gelingen. „Norah Jones, die Kaiserin der Coffeeshop-Music“, hat es geschafft. „…Featuring“ heißt das neue Werk und muss in einem Reich entstanden sein, in dem die Sonne nicht unter geht und der Duft von Kaffee und Gebäck allgegenwärtig ist. Auf den Geschmack gekommen? Dann findet Ihr beim Tagesspiegel das passende Gedeck.
Doch nicht jeder Duft ist eine Wohltat für die Nase. Diese Erfahrung musste auch Jay Kay – der „Jamiroquai“-Sänger – bei einem Flug nach Australien machen. Zumindest nicht wenn Johnny Rotten an Bord ist und neben ihm sitzt. Gegenüber der „Sun“ erzählte er: „Er ist eine verdammte Belästigung… Die ganze Zeit furzte er. Es hat echt gestunken. Und er sagte die ganze Zeit: ‚Oh, das war ich nicht‘ oder ‚Das Essen riecht ein bisschen drüber, oder?‘. Er machte mich wahnsinnig.“ Alles Weitere dazu findet ihr hier.





