30.11.: Zwischen harte Fronten und „Mumblecore“

30.11.2010 von  

Sehr verehrte Leser unserer Presseschau. Heute beginnen wir mit politischen Themen, streifen dann den cineastischen Raum und widmen uns zum Schluss unserer grĂ¶ĂŸten Leidenschaft – der Musik.

Heute ist Stichtag in Stuttgart. Die Fronten zwischen Gegnern und BefĂŒrwortern um das Bahnprojekt „Stuttgart 21″ sind trotz langer Verhandlung immer noch verhĂ€rtet. Im Streit um das rund sieben Milliarden Euro teure Vorhaben will der Schlichter Heiner Geißler das Ergebnis seiner BemĂŒhungen vorlegen. Nach mehr als fĂŒnfwöchigen SchlichtungsgesprĂ€chen zwischen den Kontrahenten des Bauvorhabens rechnen Beobachter damit, dass Geißler Nachbesserungen am derzeitigen Konzept von „Stuttgart 21″ anregen wird. Außerdem ist davon auszugehen, dass der Schlichter Geißler gegen einen Volksentscheid votieren wird. „FĂŒr eine Abstimmung der BĂŒrger ĂŒber das umstrittene Projekt fehle die rechtliche Basis“, sagte Geißler. Die Zeit und taz berichten.

Auch Wikileaks beherrscht heute unsere Tagespresse. In der Welt kritisiert Clemens Wergin, dass „[…] WikiLeaks-EnthĂŒllungen [bisher] fast ausschließlich zulasten von demokratischen Staaten [gingen], die ohnehin ein vergleichsweise hohes Maß an Transparenz aufweisen. Die inneren VorgĂ€nge der echten schwarzen Löcher dieser Erde – Diktaturen wie der Iran und Nordkorea oder zahlreiche autokratische Regime – hat Wikileaks bisher nicht ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt.“ Und jetzt verkĂŒndet Wikileaks-GrĂŒnder Julian Assange als nĂ€chstes das „Big Business“ – die Wirtschaft – ins Visier zu nehmen und verspricht zehntausende interne Dokumente einer amerikanischen Großbank zu veröffentlichen. Der Tagesspiegel weiß mehr.

Jemand schon mal was vom „Mumblecore“ gehört? Nein. Dann hier ein Versuch zur Definition: Ein neues filmisches Genre, das etwa ĂŒbersetzt „Nuschelgenre“ bedeutet und in den USA beheimatet ist. Sein Charakteristika: UnabhĂ€ngig produziert, „die auffĂ€llig unauffĂ€llig daher kommen. Sie wirken beilĂ€ufig, unpoliert, ziellos frei.“ Sie erzĂ€hlen ohne nennenswerte dramaturgische Zuspitzungen ganz einfach von jungen, durchschnittlichen Amerikanern. „Mumblecore verarbeitete EinflĂŒsse von John Cassavetes bis Richard Linklater, erschien in den besten FĂ€llen im Ergebnis aber so, als hĂ€tten die jĂŒngeren Filmemacher nicht von den Ă€lteren gelernt, sondern einfach den Blick auf ihr eigenes Leben und ihr Umfeld gerichtet“, schreibt Stephan Otto in seinem Artikel auf Welt Online.

Dramatisch zugespitzt hat sich allerdings das Leben von dem italienischen Meisterregisseur Mario Monicelli. Er stĂŒrzte sich am Montagabend in Rom im Alter von 95 Jahren aus dem fĂŒnften Stock eines römischen Krankenhauses. Zuvor hatte er sich einer Krebsbehandlung unterziehen mĂŒssen. Monicelli galt neben Federico Fellini und Michelangelo Antonionials als einer der wichtigsten Regisseure des italienischen Nachkriegskinos. FĂŒr seine Filme „Casanova ‚70″ und „I Compagni“ („Die Peitsche im Genick“) war er 1965 beziehungsweise 1963 zwei Mal fĂŒr den Oscar nominiert. Nachzulesen auf Zeit Online.

Johannes WĂ€chter im GesprĂ€ch mit Sven VĂ€th. Wo? Beim Magazin der SĂŒddeutschen. Im Interview erklĂ€rt er, wie er sich die Freude an der Musik bewahrt hat, warum er schnell gelangweilt ist und was wohl irgendwann mal nach der letzten Party kommen wird. Das komplette GesprĂ€ch findet Ihr hier.

Schon vor geraumer Zeit stand die Meldung im Raum, dass Jamie Smith – Produzent und Mann an der Drum Machine von The XX – das Comeback-Album „I’m New Here“ von Gil Scott-Heron komplett remixen solle. „Spannend ist die Zusammenarbeit durchaus, kommt es doch immer wieder zu positiv ĂŒberraschenden Ergebnissen, wenn gealterte Legenden Ă€ußerst jungen Hype-Musikern die ausfĂŒhrende Hand ĂŒberlassen“, schreibt die Spex. Was die zwölf weiteren Bearbeitungen Jamie xx’ halten, wird man am 21. Januar 2011 erfahren – dann erscheint „We’re New Here“ auf XL Recordings, meldet der Guardian.

29.11.: „Das Leben ist sinnlos und fĂŒhrt zu nichts“

29.11.2010 von  

Ein Wochenende der EnthĂŒllungen! Und es geht gleich weiter. Mit der Presseschau am Montag.

Petzen finden wir aber doof. Und ĂŒberhaupt, ist nicht eh alles „Gerede, Gefasel, Streit“ ? Das findet zumindest Chefzyniker Woody Allen. „Alles ist gleichmĂ€ĂŸig bedeutungslos, vom Terrorismus bis zu der Frage, ob mein Smoking rechtzeitig fĂŒr eine Filmpremiere aus der Reinigung kommt. Nur Schall und Wahn.“ erzĂ€hlt er im Interview auf jetzt.de. Das gleiche bei Welt Online: „Das Leben ist definitiv sinnlos und fĂŒhrt zu nichts.“ Am besten man findet sich schon mal rechtzeitig damit ab. Zwischendurch kann man sich ein paar GlĂŒcksmomente schaffen: z.B. Geburtstage feiern (Woody Allen wird Mittwoch 75) oder mal ins Kino gehen (sein neuer Film kommt am Donnerstag in die Kinos und heißt „Ich sehe den Mann deiner TrĂ€ume“).

Kollege David Lynch sucht neue Herausforderungen in der Musik. Wie der Guardian berichtet, komponierte der Regisseur zuletzt – ganze zwei StĂŒcke, allein und unabhĂ€ngig vom Film produziert und ab morgen ĂŒber iTunes verfĂŒgbar. Dem Medium Film will er aber nicht komplett absagen: „[Music is] its own thing. It is something that goes inside a person and it does something and it can really thrill the soul. It’s another magical medium.“

In gewisser Weise auch „magic“: Über „Puerto Rico krassesten Pop-Act“ Calle 13 schreibt ByteFM-Moderator Christoph Twickel in der taz. Das Duo der HalbbrĂŒder RenĂ© PĂ©rez und Eduardo Cabra hat es „mit surrealer Pornografie in die Charts“ geschafft. Zuletzt veröffentlichten sie ihr neues Album „Entren Lo Que Quieran“, u.a. mit GĂ€sten wie Mars Volta-Gitarrist Omar RodrĂ­guez und Fela Kuti-Sohn Seun Kuti.

Eine Herausforderung abseits der Musik suchte zuletzt Thom Yorke: Am Wochenende kreierte er in Brighton eine „menschliche Skulptur“ mit Freiwilligen, die er ĂŒber die Radiohead-Homepage rekrutierte. Wie die aussah, könnt Ihr beim NME sehen. Anlass ist die Klimakonferenz in Cancun/Mexico, die heute startet.

Noch zwei Tage, dann war’s das mit dem November, und seien wir ehrlich, das Jahr ist auch schon so gut wie vorbei. Im Guardian erzĂ€hlen Musiker ĂŒber ihre Lieblingsplatten des Jahres, u.a. Oliver Simm von The XX, Antony Hegarty oder Flying Lotus. Da fĂ€ngt man unweigerlich an, selbst in Gedanken die Favoriten des Jahres aufzuzĂ€hlen. Falls ihr Lust habt, uns diese mitzuteilen: In unserem Jahrespoll freuen wir uns auf Eure Mails!

Eine letzte traurige Nachricht kommt heute ebenfalls aus dem Film: Gestern starb Hollywood-Schauspieler Leslie Nielsen in Florida an einer LungenentzĂŒndung. Er wurde vor allem als Polizist in „Die nackte Kanone“ bekannt. Ein Nachruf auf sueddeutsche.de.

Neue Alben in dieser Woche (KW 48) – eine Auswahl

29.11.2010 von  

Robyn – „Body Talk Pt.3 „
VÖ: 03.12.2010
Web: myspace
Label: Ministry Of Sound
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Body Talk Endstation. Robyn veröffentlicht den letzten Part ihrer Body Talk-Trilogie. Doch damit nicht genug: ZusĂ€tzlich wird das gleichnamige Album, welches alle drei EPs zusammenfasst, zu erwerben sein. Passend zum Abschluss des Jahres findet damit der Veröffentlichungsmarathon der Schwedin ein Ende. Die GrĂŒnderin der Konichiwa Records lĂ€utet ihr drittes Mini-Album mit einer Neuauflage des ursprĂŒnglich akustischen Songs „Indestructible“ ein. Das Video zur Auskopplung sprĂŒht nur so vor Sex-Appeal im Strohhalm-Gewand. Jedoch hinterlĂ€sst es vielmehr den Eindruck, den so poppigen Elektro-Sound des Songs aufwerten zu wollen. Insgesamt ist aber eine fröhliche Mischung aus bunten Popsongs zu erwarten. Robyns alter Freund Max Martin, mit welchem sie schon 1997 mehrere Hits („Show Me Love“) landete, hat auch diesmal wieder seine Finger im Spiel. „Time Maschine“ ist ein solches aus der Zusammenarbeit entstandenes StĂŒck. Dieses wirkt jedoch so poppig wie Britney Spears auf dem Höhepunkt ihrer Schaffensphase. GlĂŒcklicherweise gibt es da noch „Get Myself Together“, welches einem doch irgendwie ein Gute-Laune-LĂ€cheln abverlangt. Und auch die restlichen Songs der EP untermalen eine eingĂ€ngige Dancefloor-Mischung, welche erfolgreich an Robyns bisher veröffentlichten „Body Talks“ anknĂŒpft. (vw)

Pascal Pinon – „Pascal Pinon“
VÖ: 03.12.2010
Web: myspace
Label: Morr Music
Kaufen: ”iTunes"

Zu Pascal Pinon gibt es zwei Geschichten. Die erste spielt Anfang des letzten Jahrhunderts und erzĂ€hlt von einem Mann mit zwei Gesichtern: Unter dem Namen Pasqual Pinon zog er als Attraktion eines Wanderzirkus durch die USA. Sein „zweites Gesicht“ bildete ein mit Wachs modellierter Tumor oberhalb seiner Stirn. Die zweite Geschichte ist die der beiden Zwillingsschwestern Jofridur und Asthildur aus Island, die mit zwei Freundinnen die Band Pascal Pinon grĂŒndeten und deren akustischer und warmer Lo-Fi Pop so gar nicht zur eher makabren ersten Geschichte passen will. Das tut dem Gesamteindruck aber keinen Abbruch, im Gegenteil: den vier gerade mal 16-jĂ€hrigen Freundinnen ist ein charmantes, entzĂŒckendes Album gelungen, dem man seine jugendliche UnbekĂŒmmertheit genauso anhört wie das Talent zum „erwachsenen“ Songwriting. Dabei klingt es wie direkt aus dem Wohnzimmer ins Ohr. Und draußen schneit’s. Zeit, eine Kerze anzuzĂŒnden. (ch)

Simian Mobile Disco – „Delicacies“
VÖ: 30.11.2010
Web: myspace
Label: Wichita Recordings
Kaufen:

Vom Indierock zu einem derzeit angesagtesten Produktions- und Remix-Team. Entstanden im Jahre 2005 aus dem Split ihrer Band “Simian“, tauchen die beiden Briten James Ellis Ford und James Anthony Shaw unter dem Namen Simian Mobile Disco auf. Das DJ-Duo ist vor allem dadurch bekannt geworden, dass sie fĂŒr KĂŒnstler wie Muse, Klaxons oder Björk Remixe gemacht haben. Nun veröffentlichen Simian Mobile Disco ihr fĂŒnftes Album „Delicacies”. Es umfasst zwei Scheiben: Dem eigentlich Album-Teil, darauf befinden sich 8 neue Tracks, wĂ€hrend “Delicacies: Mixed” einen knapp einstĂŒndigen Mix aus ihrem Studio enthĂ€lt. Wie der Albumtitel schon verrĂ€t, verköstigt uns das Duo mit allerfeinsten Leckerbissen elektronischer Musik. Die Zutaten: Minimale Instrumentierung, sich wiederholende Hooks, Synthie und Breakdowns, angereichert mit wuchtigen BĂ€ssen und verspielt synthetischen Melodien. Bon Appetit! (mf)

Steve Wynn & The Miracle 3 – „Northern Aggression“
VÖ: 03.12.2010
Web: myspace
Label: Blue Rose
Kaufen:

Northern Aggression? Aggressiv ist dieses Album mitnichten. Der Singer-Songwriter Steve Wynn, welcher einst mit der Band Dream Syndicate in der Musikwelt kursierte, hat nun zusammen mit The Mirale 3 eine Gitarren-lastige Scheibe hervorgebracht.
Gleich der schrammelige Gitarrensound aus dem ersten Song „Resolution“ lĂ€sst aufhorchen. Die vom Titel indizierte rockige DĂŒsterheit ist im Verlauf des Albums jedoch weniger zu finden. Vielmehr breitet sich nach und nach eine stimmige Country-Blues-AtmosphĂ€re aus, welche recht entspannend wirkt. Allein Wynns Stimme und vermeintlich hörbar lĂ€ssig-anbiedernde AttitĂŒde lassen den Sound rockig klingen. So besingt er „Consider The Source“ in einer so schiefen Tonlage, wie sie einst nur Leonard Cohen meisterte. Psychedelische KlĂ€nge runden die gradlinige Platte ab und laden ein zu einer kleinen Reise des Southern Rock durch die wilde Landschaft Amerikas. (vw)

Gammablitzboys – „1.21 Gigawatt“
VÖ: 03.12.2010
Web: myspace
Label: Rookie Records
Kaufen:

Die soeben angezĂŒndete Kerze wird aprubt ausgeblasen durch die Gammablitzboys: Ihren Schallwellen hĂ€lt kein handelsĂŒbliches Wachsprodukt stand. Kein Wunder, wie der Name schon verrĂ€t, sind die Jungs sowieso eher Freunde der elektronisch gewonnen Energie. Ihr Sound ist demnach auch nichts fĂŒrs heimelige Wohnzimmer, sondern eher fĂŒr die pogende Partycrowd. „1.21 Gigawatt“ ist das zweite Album der Blitzboys und steht in direkter Tradition zur Mediengruppe Telekommander, Frittenbude, Egotronic oder wie sie alle heißen. Das ganze hat vielleicht Power und Rotz, aber wen, bitte schön, wollen Christoph Reichelt und Markus Brosam damit noch hinterm Heizstrahler hervorlocken? (ch)

Kris Needs Presents… Dirty Water – „The Birth Of Punk Attitude“

29.11.2010 von  

VÖ: 03.12.2010
Web: Future Noise Website zur Compilation
Label: Year Zero

„Punk was an attitude born of either struggle or limited means, which could exist in anything from rooftop doo wop crooners, circuit abusing alchemists or bands picking up guitars and recording themselves with little idea of tradition in their chosen musical genre.“

Der britische Musikkritiker Kris Needs verortet die UrsprĂŒnge von Punk weder im New Yorker Musikschuppen CBGB noch bei Suicide, die 1970 „Punk Rock“ auf ihre Flyer schrieben. Man könne auf die allerersten Bluesaufnahmen zurĂŒckgreifen und wĂŒrde fĂŒndig werden, was knappe Ressourcen anginge und die BemĂŒhungen, gehört zu werden. Von 1956 schon ist Gene Vincents „Bluejean Bop“, die fĂŒnfte von insgesamt 33 Nummern der Punk-Compilation. Vincent und seine Bands, The Blue Caps, waren bekannt als die „baddest boys in rock’n’roll“, schreibt Kris Needs. Sie legten Feuer in Motelzimmern, klauten Kredikarten und schrotteten Autos.

Kris Needs hat seine persönlichen Favoriten auf zwei CDs gebracht und dazu ein 72-seitiges Booklet zusammengestellt, zu jedem StĂŒck hat er ein paar Anekdoten parat. Denn Kris Needs war zur rechten Zeit am rechten Ort, so scheint es, er hat den Punk begleitet wie kaum ein anderer. Die meisten Bands, vielleicht auch alle, kennt er persönlich. Besonders toll ist an der Compilation, dass sie sich nicht ausschließlich an den Jahren 1976 und 77 orientiert, sondern immer wieder zeitliche und stilistische AusflĂŒge in andere SphĂ€ren unternimmt. Zum Beispiel in die von Sun Ra, der ja selbst glaubte, vom Saturn zu kommen und mit seinem avantgardistischen Jazz auch von den New Yorker Punks der spĂ€ten Siebziger verehrt wurde.

Auf „The Birth Of Punk Attitude“ finden sich die wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Songs eines Musikkosmos, kontextualisiert durch die umfangreichen AusfĂŒhrungen von Kris Needs. Man muss kein gestandener Punk sein, um an dieser Zusammenstellung Gefallen zu finden.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Panasonic.

Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Die ausfĂŒhrliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.

Bis auf die Unterhose – Tricky live in Hamburg

27.11.2010 von  


Adrian Thaws findet sich ziemlich geil. Deshalb zieht er sich aus und prĂ€sentiert seinen drogenverzerrten Körper einem geifernden Publikum. Und er tut gut daran, denn viel mehr als seine physische PrĂ€senz hat Tricky, so heißt er auf der BĂŒhne, ebendort auch nicht zu bieten. Ein paar Mal ins Mikro zu röcheln ist noch keine Musik, zur Erzeugung harmonischer KlĂ€nge engagiert er sowohl fĂŒr Liveauftritte als auch fĂŒrs Studio Gastmusiker und -sĂ€nger. Tricky kann stolz sein auf seine Leistung, die Besten der Besten zusammengebracht und produziert zu haben. Die Liste ist lang und auf Wikipedia nachzulesen. Aber nicht diese Zusammenarbeiten, sondern vor allem sich selbst stellt er in den Vordergrund. Speziell auf der BĂŒhne wĂŒrde er ohne egomanische Selbstinszenierung zum bloßen Statisten seiner Band, denn musikalisch funktioniert ein Tricky-Konzert auch ohne Tricky. Vielleicht um nicht in den Hintergrund katapultiert zu werden, behandelt er seine Mitmusiker auf der BĂŒhne als bloße Staffage und stellt diese nicht mal dem Publikum vor.

Aber nur um ihn zu sehen haben sich die Leute ja an diesem Abend in den Hamburger Docks zusammengefunden. Und ihr halbnackter Messias lĂ€sst seine SchĂ€fchen zu sich kommen. „Gleich zweimal!“, wie man einen GlĂ€ubigen nach dem Konzert unglĂ€ubig staunen hört. Wie bei fast allen seiner Konzerte holt Tricky beim obligatorischen Motörhead-Cover „The Ace Of Spades“ die vordersten Reihen zu sich auf die BĂŒhne. Wow! Auf tanzender SchweißfĂŒhlung mit einem Star!

Dasselbe Schauspiel, nur bis ins UnertrĂ€gliche gesteigert dann zum Ende der Show. Aus der Zeile „I Want Jesus Come“ wird mehr und mehr ein „Come“ und mit weit offenen Armen signalisiert der Gottgleiche seine EmpfĂ€ngnisbereitschaft. Und wieder strömt das Publikum zu ihm hinauf. Dann kommt er sogar herab, um sich unters gemeine Volk zu mischen, HĂ€nde zu schĂŒtteln, sich fotografieren zu lassen. Wo in der Menge er sich gerade befindet ist an den in die Luft gestreckten Handykameras zu beobachten.

Zur Performance wĂ€hrend der Show gehören folgende Features: mit dem RĂŒcken zum Publikum stehen um die tollen Tattoos zu zeigen, einen Spliff nach dem anderen zu bauen und rauchen, zur Musik abzugehen, als wĂŒrde er sich einen runterholen, mit dem Mikro in der Hand zu rocken, ohne einen Ton zu singen, Herzklopfen durch Stoßen des Mikrophons gegen seine Brustkorb zu simulieren.

Einmal fĂ€ngt er an, wĂ€hrend eines Songs (den ja nicht er, sondern die GastsĂ€ngerin sang) mit dem Keyboarder zu quatschen, bekommt einen Lachanfall, hĂŒpft herum wie ein Kind und stĂŒrmt in Richtung Backstage, wobei er doch glatt die Gitarristin umschmeißt. Er bleibt fĂŒr eine Weile verschwunden, Musiker und SĂ€ngerin machen weiter. Als er wiederkommt, fehlt die Unterhose. Die Shorts hatten zuvor noch weiß strahlend unter seiner tief sitzenden Jeanshose hervorgelugt.

Das gibt Adrian Thaws dann doch noch etwas menschlich Warmes. Tricky ist entmystifiziert.

27.11.: Schuld und SĂŒhne

27.11.2010 von  


„Hauptstadt der Bewegung“ nannte Adolf Hitler MĂŒnchen. Mit dem Erinnern an ihre Vergangenheit und an die Opfer des Nationalsozialismus tut sich die Hauptstadt Bayerns schwer. Wie schwer, darĂŒber berichtet die taz: 2008 schrieb das Kulturreferat einen Wettbewerb aus fĂŒr neue zeitgemĂ€ĂŸe Formen des Gedenkens. Michaela MeliĂĄn, KĂŒnstlerin und Mitglied der Band F.S.K. gewann diesen mit ihrem Audiokunstwerk „Memory Loops“, in welchem sie historische und aktuelle Erinnerungen von Opfern und TĂ€tern des Nationalsozialismus zu kurzen Tonspuren verarbeitete, welche man mittels virtuellem Stadtplan im Internet herunterladen kann, um dann die Erinnerungsorte in RealtĂ€t selbst zu begehen. Vor Ort hört man sich dann die passende Tonspur an. So ist ein hörbares, omniprĂ€sentes Denkmal entstanden, kein monumentaler Kranzniederlegungsort, sondern ein Eintauchen in Erinnerungen von Opfern und TĂ€tern. Nun wĂ€re es Aufgabe der Stadt, ĂŒber dieses Projekt zu informieren, BĂŒrger wie Touristen darauf hinzuweisen. Doch das Marketing lĂ€sst zu wĂŒnschen ĂŒbrig. Wer nichts von „Memory Loops“, wird die kleinen an verschiedensten Orten aufgestellten Schilder kaum wahrnehmen, nicht einmal auf der Webseite der Stadt findet man einen Link. Die Audiospuren findet man unter www.memoryloops.net

An Deutschlands braune Vergangenheit, genauer an das Massaker von Rechnitz, erinnert Tex Rubinowitz „Trinken Singen Schießen“ – so heißt das neue Album der Band Mutter. Finanziert wurde es auf bemerkenswerte Art und Weise. Ohne Plattenfirma im RĂŒcken wurden limitierte 99 StĂŒck einer Kaltnadelradierung als Schuldverschreibungen Ă  100 Euro ausgegeben, die man binnen einer Woche loswurde. „Das vielleicht wichtigste deutschsprachige Album“ titelt die Welt und spricht mit SĂ€nger Max MĂŒller ĂŒber kĂŒnstlerische RadikalitĂ€t, Dilettantismus, Ausbeutung seitens der Plattenfirmen und darĂŒber, worauf sich der Albumtitel wirklich bezieht: auf das SchĂŒtzenfest in Hannover.

Über die Rolle FrĂ©dĂ©ric Chopins im Zweiten Weltkrieg schreibt die NZZ. Der polnische Komponist war in seinem Heimatland wĂ€hrend der Nazizeit verbotenes Kulturgut und beflĂŒgelte wie kein anderer den Widerstandsgeist der Polen. Davon berichten Zeitzeugen. So zum Beispiel MieczysƂaw Tomaszewski, 1921 geboren und damals junger Pianist, der auf der Flucht an Chopins verlassenem Geburtshaus vorbeikam und nur in Gegenwart eines Wolfshund auf des Komponisten FlĂŒgel spielte.

Auch der Luxemburger Francesco Tristano ist klassischer Pianist. Und er liebt Techno. Was lĂ€ge nĂ€her, als beide Passionen zu verbinden und mittels Klavier, Laptop und dem Detroiter Techno-Pionier Carl Craig ein Album zu produzieren. „Ein Wunderknabe am Piano und ein Technogroßmeister“, begeistert sich die taz ĂŒber „Idiosynkrasia“.

Vom Techno zu den Drogen. Von „Kiffen, koksen, saufen – Drogen und Musik in Deutschland“ handelt ein großer Rolling Stone Report. KĂŒnstler, Konsumenten, LegalisierungsbefĂŒrworter und -gegner kommen zu Wort. Die Onlineausgabe des Magazins wird das Thema im Dezember ausfĂŒhrlich mit Interviews und Features begleiten. So ist auf RollingStone.de beispielsweise ein Interview mit Heavy-Metal-Star Schmier von Destruction ĂŒber Drogengenuss in der deutschen Musikszene nachzulesen. Welche Bedeutung Drogen heute in der deutschen Heavy Metal Szene haben? „Da wird vor allem gesoffen (
)Harte Drogen gibt es fast nicht.“ Anders in den USA „Die tun zwar oft so prĂŒde, aber was da hinter der BĂŒhne abgeht, ist erstaunlich: mehr Sex, mehr Drogen. Da sind die EuropĂ€er viel vernĂŒnftiger.“ Und wie siehts aus mit dem deutschen Alkoholproblem? „Alkoholausschank einschrĂ€nken? Das kann man nicht machen. Damit zerstört man ein Kulturgut.“

ByteFM Bewegtbild – Folge 6: The Great Bertholinis

26.11.2010 von  

Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des ByteFM Bewegtbilds, das von der interviewten Band kurzerhand in TheGreatBertholinisTV umgetauft wurde. OszkĂĄr und Todor, die beiden SĂ€nger von The Great Bertholinis, erzĂ€hlten uns ĂŒbrigens auch von Zeitreisen in schwarzweiße Jahrzehnte, erklĂ€rten, wie Weinen ohne TrĂ€nen funktioniert und erlĂ€uterten das mysteriöse Omnichord.

Ob Letzteres auch auf ihrer neuen Platte zum Einsatz kam, muss wohl jeder fĂŒr sich selbst heraushören. Oder er geht auf eines ihrer Konzerte, wenn die achtköpfige Band ab Dezember ihre Deutschland-Tour fortsetzt, und fragt die Herren einfach selbst.

Die ByteFM Charts KW 47

26.11.2010 von  

Die Höhenluft bekommt ihnen gut: An der Spitze begeht Adrian Lux weiterhin seine Teenage Crimes und Christiane Rösinger gibt weiterhin ihre Meinung ĂŒber L. und Hass kund. Mit beeindruckender HartnĂ€ckigkeit verteidigen die beiden ihre ersten PlĂ€tze aus den letzten beiden Wochen. Aber auch diese Woche gibt es wieder jede Menge Neueinsteiger und auch ein paar alte Bekannte haben sich ebenfalls in die Top 15 der beliebtesten Tracks und Alben des ByteFM Programms geschlichen. Hier sehr Ihr auf einen Blick, wer es diese Woche in unsere Charts geschafft hat.
Wem das Lesen nicht genug ist, der sollte am kommenden Montag, den 29.11., das ByteFM Magazin nicht verpassen. Ab 17 Uhr macht Jumoke Olusanmi dann nĂ€mlich eine Stunde lang unsere Charts mit jeder Menge Hintergrundinfos zu den KĂŒnstlern hörbar.

Die Trackcharts (mit Platzierungen der Vorwoche)

1. Adrian Lux – Teenage Crime (1)
2. Wolf Gang – Lions In Cages (neu)
3. Christiane Rösinger – Berlin (2)
4. Tame Impala – Solitude Is Bliss (3)
5. Matthew Herbert – Marlies Hoeniges (6)
6. Tricky – Hakim (13)
7. Apparat – Circles (neu)
8. Gold Panda – You (7)
9. Christiane Rösinger – These Days (8)
10. Brian Eno – 2 Forms Of Anger (15)
11. Emily Jane White – The Cliff (neu)
12. John Roberts – Glass Eights (neu)
13. Lykke Li – Get Some (neu)
14. Coconami – Loswerden (neu)
15. Lykke Li – Paris Blue (neu)

Ganze sieben Neueinsteiger gibt es diese Woche in den Trackcharts. Max McElligott alias Wolf Gang schafft es sogar im ersten Anlauf auf Platz 2. Sehr große Vorfreude herrscht bei unseren Moderatoren offensichtlich auf das neue Album „Wounded Rhymes“ von Lykke Li, das im MĂ€rz erscheinen soll. Die Schwedin verschenkt vorab die beiden Singles „Get Some“ und „Paris Blue“ auf www.lykkeli.com und beide Songs schaffen es gleich in unsere Trackcharts.

Die Albumcharts (In Klammern die Platzierungen der Vorwoche)

1. Christiane Rösinger – Songs Of L. And Hate (1)
2. Caribou – Swim Remixes (3)
3. Tame Impala – Innerspeaker (5)
4. Tricky – Mixed Race (-)
5. Paul Smith – Margins (6)
6. Warpaint – The Fool (4)
7. Ebo Taylor – Love And Death (neu)
8. Brian Eno – Small Craft On A Milk Sea (7)
9. Gold Panda – Lucky Shiner (2)
10. Glasser – Ring (neu)
11. Shackleton – Fabric (neu)
12. Caribou – Swim (neu)
13. the Black Keys – Brothers (neu)
14. Twin Shadow – Forget (9)
15. Console – Herself (neu)

Was Teenage Crime fĂŒr die Trackcharts ist, ist Songs Of L. And Hate fĂŒr die Albumcharts. Caribous Remixalbum und „The Fool“ von Warpaint erfreuen sich ebenfalls nach wie vor großer Beliebtheit, wenn sie auch ein paar PlĂ€tze einbĂŒĂŸen mussten. Dan Snaith alias Caribou wird es aber verschmerzen können, schließlich ist er mit „Swim“ in unsere Albumcharts zurĂŒckgekehrt und so gleich doppelt vertreten. Und er ist nicht der Einzige, der den Wiedereinstieg geschafft hat: Auch Tricky und The Black Keys (mit dem schon im Mai veröffentlichten „Brothers“) sind wieder mit dabei.

26.11.: Streiten

26.11.2010 von  


Nicht Lieder zum, sondern ĂŒber das Streiten sucht der Guardian diesmal im allwöchentlichen „Readers recommend“. Hier können die Leser MusikvorschlĂ€ge zu bestimmten vorgegebenen Themen bringen. Letzte Woche ging’s um Lieder mit berĂŒhmten letzten Worten.
Nicht der Refrain, sondern das Ende zĂ€hlt. Unter den ErwĂ€hlten sind unter anderem Portisheads „Western Eyes“, „Slow Death“ von den Flamin‘ Groovies oder „Chairmaine“ von Plan B. Der beste Schluss kommt aber von Michael Jackson. Er lautet auf die Worte „Hahahaha! Hahahahahahaha! Hahahahahahaha!“
Nun darf geraten und gestritten werden, um welchen Track es sich wohl handelt.

Der ewige Kampf der Geschlechter ist Thema einer neuen Serie auf 3Sat mit Sarah Kuttner und Markus Kavka. In „Frau Kuttner & Herr Kavka“ sollen Klischees auf die Schippe genommen werden, indem die beiden „typisch mĂ€nnliche“ oder „typisch weibliche“ Sachen machen. Die Persiflage scheitert kolossal, findet die taz. Stereotype wĂŒrden nicht wiederlegt, sondern sei schon die erste Folge einer Wiederauferstehung von Heimchen und Macho in vier Akten. Kuttner boxt und krault Spinnen, Kavka geht eine Nacht probeweise in den Knast und dann in einen Tangokurs. Danach sitzen beide auf der Couch, um ihre SchlĂŒsse aus den gemachten Erfahrungen zu ziehen. „Der liebe Gott hat nicht gewollt, dass sich Frauen die Fresse polieren“, lautet Kavkas Fazit. Kuttner weiß das brav zu bestĂ€tigen: „Ich stehe meinen Mann woanders, am Herd.“ Welch vorsteinzeitliche Überlebensweisheit.

Um’s Überleben kĂ€mpfen mĂŒssen derzeit viele Clubs in London, berichtet The Independent. Darunter auch legendĂ€re Schuppen, die unzĂ€hligen Bands als Sprungbrett zum Ruhm dienten. So wird zum Beispiel am 31. Dezember das Luminaire, das Acts wie Mumford & Sons oder Hot Chip hervorgebracht hat, seine TĂŒren fĂŒr immer schließen. Über den Grund Ă€ußert sich der Inhaber des Clubs nur vage, vermutet werden finanzielle Schwierigkeiten.
Aus Ă€hnlichen GrĂŒnden schließen wird der 100 Club (dort spielten u.a. The Sex Pistols, The Clash und The Buzzcocks), der Flowerpot (Damien Rice, Frank Turner, Billy Bragg) oder das Astoria. Bernhard Doherty, Sprecher der Rolling Stones, hat das Problem erkannt: „All diese Venues sind in Top-Immobilien angesiedelt. WĂŒrde der 100 Club zu einem SchuhgeschĂ€ft, wĂŒrde er an diesem Standort ein Vermögen machen.“ Und so steigen jĂ€hrlich die Mieten, bis sie den Musikclubs ĂŒber den Kopf wachsen. Nun streiten Musiker wie Fans mittels Kampagnen auf Facebook und im echten Leben fĂŒr den Erhalt dieser fĂŒr die britische Musikszene so wichtigen kreativen BrutstĂ€tten.

Wo von Streit die Rede ist, da ist das Thema Politik nicht weit. Deshalb ein kleiner Ausflug in die Schweiz. Christoph Blocher ist nicht lĂ€nger Berater der „Basler Zeitung“. Schon letzte Woche hatte ein Artikel in der NZZ eine zehntĂ€gige Protestwelle ĂŒber des Rechtspopulisten Funktion bei dem Medium ausgelöst. Der neue EigentĂŒmer Moritz Suter reagierte sofort und entließ Blocher in seiner ersten Amtshandlung. Die Basler und die taz freuen sich darĂŒber, jedoch etwas verhalten. Denn Chefredakteur bleibt nach wie vor Markus Somm – Blochers Biograf.

Die Biographie eines umstrittenen Politikers ist nun als Comic nachgezeichnet. Nach dem Leben von Johnny Cash hat sich der deutsche Comiczeichner Reinhard Kleist nun Fidel Castro vorgenommen. Durchaus gelungen, wie jetzt.de findet. Rahmenhandlung der Episoden ist ein fiktiver deutscher Journalist, der in den 50ern zu einer Art Hofberichterstatter des kubanischen Regimes wird, schließlich aber doch gemeinsam mit dem schwulen Intellektuellen Juan in die USA flieht.

Politisch revolutionÀr sind hÀufig die Inhalte von Punkmusik, wÀhrend Techno meist als unpolitisch betrachtet wird. Wie er Punkrock-Kids zu Fans elektronischer Tanzmusik machte, erzÀhlt Technolegende Carl Cox in einem Videointerview mit undercover.fm.

Wie die heutige Presseschau begonnen hat, so endet sie auch. Mit einem Hörervoting. Zum unumstritten umstrittensten Song gewĂ€hlt wurde in einer Umfrage von PRS for Music „Smack My Bitch Up“ von The Prodigy, gefolgt von den Sex Pistol mit „God Save The Queen“ und Frankie Goes To Hollywood’s „Relax“. Sex und Gewalt ĂŒberall. Und im NME.

25.11.: It smells like….

25.11.2010 von  

Gestern stand unsere Presseschau ganz im Zeichen des Kaufens. Auch heute wollen wir mit einer Meldung zu diesem Thema beginnen.

Seit dem 16. November stehen Beatles Songs und Alben offiziell als mp3 Download zur VerfĂŒgung – wir berichteten in der Presseschau. Mittlerweile wurden mehr als 2 Millionen Songs und 450.000 Alben bei iTunes heruntergeladen. „Abbey Road“ als bestverkauftes Album und „Here Comes The Sun“ als beliebtester Song fĂŒhren die Spitze an, meldet der NME.

Apropos Ranking: In einer Umfrage von der „Performing Rights Society“ zum „most controversial song“ gaben 1700 Leute ihre Stimmen ab. The Prodigys „Smack My Bitch Up“ wurde zum kontroversesten Song aller Zeiten gewĂ€hlt, gefolgt „God Save The Queen“ von The Sex Pistols und Frankie Goes To Hollywoods „Relax“. Den Artikel inklusive den Top Ten findet ihr bei gigwise.

Rotzgören Alarm in Berlin. Nina Hagen hat sich taufen lassen und singt in der Berliner Gethsemanekirche Gospel. Ulrich Gutmair bespricht das Konzert in der taz. Eine Viertelstunde bevor ihr Konzert losgeht, rauscht Nina Hagen in den Vorraum des Klos der Gethsemanekirche und ruft: „GrĂŒĂŸ Gott, ich muss noch mal pissen.“ Nach ĂŒber zwei Stunden Lobpreis des Herrn verneigt sich Hagens Combo vor dem Kreuz und tritt ab: „Die Liebe siegt immer. Friede sei mit euch!“

„Ich mache unnatĂŒrliche Musik auf authentische Art“, sagt Nina Kinert ĂŒber ihr viertes Album „Red Leader Dream“. Die KĂŒnstlerin hat als traditionelle Songwriterin angefangen und die Gitarre weggelegt um ein Dreampop-Album aufzunehmen, das sie als Fortsetzung des „Star Wars“-Epos versteht. Auch auf der BĂŒhne entfaltet ihre Musik kosmische Exotik. „Mit vier Synthesizern, Cello, Bass, Schlagzeug und einem Planetensystem aus PappmachĂ©e, das Kinert in Handarbeit hergestellt hat, erscheint sie wie eine Fantasy-Pop-Prinzessin“, schreibt Niels Reise auf Spiegel Online. Auch wir haben Nina Kinerts aktuelles Album besprochen. Die Rezension könnt Ihr unserer Rubrik Neuerscheinungen auf der ByteFM Magazin Seite nachlesen.

„Duffy: Flatternde Seele“ titelt Johannes WĂ€chter im Magazin der SĂŒddeutschen Zeitung. Hier mal die Hardfacts: Duffys erstes Album „Rockferry“ hat sich ĂŒber sechs Millionen Mal (!) verkauft. Das ist eine Hausnummer die inzwischen eigentlich nur noch von „Susan Boyle, den Beatles mit der x-ten Wiederveröffentlichung und irgendwelchen grauslichen CountrysĂ€nger erreich[t wird].“ Doch was verspricht das neue Werk „Endlessly“? Die schnellen Nummern seien wohl noch „tanzbarer und infektiöser“ als auf dem DebĂŒt, bei denen macht Duffy ausgiebig Gebrauch von einem zwiespĂ€ltigen Stilmittel: dem Vibrato. Ihre Stimme flattere wie ein „Schmetterling auf der Blumenwiese“ wenn sie eine langgezogene Note singt. „Statt Emphase stellt sich bei solchen Manierismen eher Belustigung ein“, schreibt der Autor in dem Artikel.

Musiker wie Willie Nelson, Herbie Hancock, Ryan Adams, OutKast, die Foo Fighters oder Belle and Sebastian auf einer Platte zu vereinen, wird nicht vielen gelingen. „Norah Jones, die Kaiserin der Coffeeshop-Music“, hat es geschafft. „…Featuring“ heißt das neue Werk und muss in einem Reich entstanden sein, in dem die Sonne nicht unter geht und der Duft von Kaffee und GebĂ€ck allgegenwĂ€rtig ist. Auf den Geschmack gekommen? Dann findet Ihr beim Tagesspiegel das passende Gedeck.

Doch nicht jeder Duft ist eine Wohltat fĂŒr die Nase. Diese Erfahrung musste auch Jay Kay – der „Jamiroquai“-SĂ€nger – bei einem Flug nach Australien machen. Zumindest nicht wenn Johnny Rotten an Bord ist und neben ihm sitzt. GegenĂŒber der „Sun“ erzĂ€hlte er: „Er ist eine verdammte BelĂ€stigung… Die ganze Zeit furzte er. Es hat echt gestunken. Und er sagte die ganze Zeit: ‚Oh, das war ich nicht‘ oder ‚Das Essen riecht ein bisschen drĂŒber, oder?‘. Er machte mich wahnsinnig.“ Alles Weitere dazu findet ihr hier.

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