Neue Alben in dieser Woche (KW 42) – eine Auswahl

18.10.2010 von  

Louie Austen – „Last Man Crooning“
VĂ–: 22.10.2010
Web: myspace
Label: Louie Austen Music (Rough Trade)
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Wäre überhaupt jemand auf Louie Austen aufmerksam geworden, hätte er keine Stimme wie Frank Sinatra? Bösartige Zungen nennen ihn auch einen billigen Abklatsch von eben diesem. Aber der Mittsechziger ist nicht erst seit gestern im Geschäft. Jahrzehntelang unterhielt er das Publikum in den Nachtclubs und Hotelbars von New York, Las Vegas und Wien, ganz in der Tradition der großer Entertainer, wie Frank Sinatra, Dean Martin oder Sammy Davis Jr. Crooning nennt sich der Stil, bei dem der Sänger mit sanfter, wohlklingender Stimme die Damenherzen höher schlagen lässt. Und als charmanter Entertainer gibt sich Alois Luef, wie Austen mit bürgerlichem Namen heisst, auch nachdem ihn vor einigen Jahren die elektronische Musikszene entdeckt hat. Es würde an dieser Stelle zu lange dauern, die Liste seiner unzähligen musikalischen Kooperationen aufzuzählen, die Louie Austen inzwischen eingegangen ist. Auch auf dem neuen Doppelalbum „Last Man Crooning/Electrotaining You!“ gibt sich auf der zweiten CD ein Wo is Who internationaler Electrogrößen die Ehre, in Form von zwölf Remixversionen der Songs von CD 1. Diese erste CD bietet smoothes Easy Listening der alten Schule, ohne Höhen und Tiefen mit einem Hauch Nostalgie und Wohlfühlfaktor.

Murder – „Gospel Of Man“
VĂ–: 22.10.2010
Web: myspace
Label: Good Tape Records
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Jacob Bellens und Anders Mathiasen sind ein ungleiches Paar: Der eine vollbärtig, dunkelhaarig und mit Plauze; der andere blond, schlacksig und mit einer Haut, die scheinbar noch nie einen Rasierer nötig gehabt hat. Gemeinsam sind sie das Duo „Murder“, kommen aus Kopenhagen und machen seit satten 14 Jahren Musik. Musik, die wenig Gegensätzlichkeiten bietet, auĂźer der Tatsache, dass sie ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint, so sehr erinnert sie an den Folk der 70er. Obwohl, diese Zeit scheint fĂĽr einige Bands inspirierend zu sein, das bekannteste Beispiel aus diesem Jahr sind da wohl die Texaner von Midlake. Und auch Murder besetzen diese Sparte, wenn auch in ein wenig abgespeckter Variante zu den amerikanischen Kollegen: Wem Midlake zuletzt zu sentimental, gar zu schnulzig waren, der sollte mal bei Murder reinhören.

Broken Records – „Let Me Come Home“
VĂ–: 22.10.2010
Web: myspace
Label: 4AD
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Gut eineinhalb Jahre ist es her, als Broken Records nach drei EPs endlich ihr Debut “Until The Earth Begins To Part“ auf dem Londoner Label 4AD veröffentlichten. Die sechs Schotten bewiesen schon damals mit ihrem Erstlingswerk ihre Liebe zu dramatischen Songstrukturen. Mit Pauken und Trompeten und opulent besetzten Streicherarrangements schlossen sie Freunde von traditionellem europäischen Folk und kernigem schottischen Alternativerock in ihre Herzen. Beim britischen NME wurden sie als die schottischen Arcade Fire tituliert – aber auch The Verve oder die The Levellers sollen in ihrem Zusammenhang genannt worden sein. Auch mit ihrem neuen Wurf ELet Me Come Home“ knĂĽpfen sie in puncto dramatische Verdichtung an ihren Vorgänger an. Nur von allem etwas weniger. Weniger Instrumente, weniger Lautstärke, weniger Pathos dafĂĽr sanftes Anschwellen, Emotionalität at its best und Jamie Sutherlands umschmeichelnde Stimme. Schöne Platte.

Darkstar – „North“
VĂ–: 15.10.2010

Label: Hyperdub
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Hinter dem futuristisch angehauchten Namen „Darkstar“ verbergen sich die beiden Briten James Young und Aiden Whalley, die in der Tat das Genre Dubstep in eine neue Dimension fĂĽhren. Allerdings nicht, ohne auf altbekanntes zurĂĽckzugreifen: Zum einen sind da die sehr 8ziger Synthies, die an Bands wie Kraftwerk oder Human Leagues gemahnen. Letztere finden sich auf „North“ wieder, Darkstar covern nämlich Human Leagues „You remind me of Gold“ auf wunderbare Art und Weise. Pianopassagen, sanfte, melancholische Elektronik und der Gesang von James Buttery, der erst vor einiger Zeit zum eigentlichen Duo gestoĂźen ist, machen das DebĂĽt von Darkstar zu einem weniger basslastigen, dafĂĽr eher smoothen, und, wenn man denn so will, eingängigem Dubstep-Album.

Tusq – „Patience Camp“
VĂ–: 22.10.2010
Web: Homepage
Label: Strange Ways
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Die letzte große Antarktisexpedition des “Heldenzeitalters“ trägt den Namen Endurance Expedition. Sie hatte das Ziel, als erste den antarktischen Kontinent auf dem Landweg zu durchqueren. Die Expedition scheiterte katastrophal – wie durch ein Wunder entkamen alle Expeditionsmitglieder dem Tod. Um zu überleben stellten die Männer ihre Zelte auf und richteten sich im sogenannten “Patience Camp“ ein, das für über drei Monate ihr Heim bleiben sollte. Grund genug für Tusq, ihr Debut nach diesem Zufluchtsort zu benennen. Die Köpfe der Band sind keine Unbekannte, zumindest nicht in dieser Formation. Mit von der Partie sind: Paul Konopacka, Timo Sauer, Holger Lüken und Uli Breitbach. Wenn diese vier Herren gemeinsam Musik machen, kann man getrost die Wörter Pop, Psychedelic und Shoegaze in den Mund nehmen. Geschult an Vorbilder wie Soundtrack Of Our Lives oder Motorpsycho in ihren poppigen Phasen servieren Tusq sachte, ins hymnenhafte greifende Tracks voller Melancholie. Das Ergebnis kann überzeugen!

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  1. [...] nur wir widmeten uns in der Rubrik Neuerscheinungen der neuen Platte “North” von Darkstar. Auch Matthias Schönebäumer von der Zeit hat [...]