Altbekanntes von Film School

08.09.2010 von  


Liegt es am eigenen Alter, dieses GefĂŒhl, dass es in der Musik nicht wirklich etwas grundlegend Neues mehr gibt? Schließlich ist die Berechtigung zur Teilnahme an Kaffeefahrten fĂŒr „Senioren ab FĂŒnfzig“ schon in wenigen Jahren erreicht. Die Querverweise und Referenzen hĂ€ufen sich, statt Erneuerung heißt das Zauberwort jetzt Konsolidierung.
Da passt die Musik von Film School wunderbar in die Zeit, denn die Band um Greg Bertens aus San Francisco versteht etwas von Referenzen. Schlichen sich beim Hören ihres selbstbetitelten Albums aus dem Jahr 2006 unweigerlich The Cure in den Sinn, so ließ sich beim Nachfolger „Hideout“ eine musikalische NĂ€he zum Shoegaze und/oder My Bloody Valentine nicht leugnen.

Zwar ist in der Pressemitteilung zu dem dieser Tage erschienenen vierten Album „Fission“ zu lesen, dass Film School sich nunmehr auf neue Territorien begeben (Pressemitteilung eben…), tatsĂ€chlich bewegt die Band sich im Raum-Zeit-Kontinuum des Shoegaze jedoch nur ein kleines StĂŒckchen voran, ca. „the scene that celebrates itself“ (Lush et al.), falls das noch irgendjemandem etwas sagt. Bei aller Anlehnung an schon bekannte Sounds können Film School dennoch fĂŒr sich in Anspruch nehmen, dass ihre eigenen vier Alben sich nicht allzu Ă€hnlich sind. Dies mag in den ersten Jahren Folge einer gewissen Fluktuation im Line-Up der 1998 gegrĂŒndeten Band gewesen sein, deren einzige Konstante SĂ€nger und Gitarrist Greg Bertens war. Aber auch insoweit scheint sich ein Konsolidierungsprozess vollzogen zu haben, denn auf „Fission“ geht nun dasselbe Quintett zu Werke wie auf „Hideout“ – neben Bertens also Lorelei Plotczyk (Bass/Gesang), Dave Dupuis (Gitarre), Jason Ruck (Keyboards) und James Smith (Drums).

Diese StabilitĂ€t mag Film School die Gelegenheit gegeben haben, die Leichtigkeit des Seins zu entdecken. Denn auch wenn sich hier und da vereinzelt AnklĂ€nge an Joy Division oder The Jesus And Mary Chain finden mögen, wirkt „Fission“ im Ton spĂŒrbar zurĂŒckhaltender und freundlicher als sein VorgĂ€nger. In jedem der zwölf Songs gibt es schöne, eingĂ€ngige Melodien, und zudem entpuppt es sich als Vorteil, dass Lorelei Plotczyk nun deutlich stĂ€rker am (harmonischen) Gesang beteiligt ist. So gesehen ist der Titel des Albums, „Fission“ – also Spaltung, fast ein Witz, denn so homogen wie hier haben Film School auf keinem der vorherigen Alben geklungen.

Sehr Hörer-freundlich ist das angenehm gleichbleibende Niveau der Songs (es gibt also keine Veranlassung zum „Skippen“), aber falls Anspiel-Tipps vonnöten sind, sollen „When I‘m Yours“, „Time To Listen“, „Waited“, „Meet Around 10″ und „Nothing’s Mine“ hier ruhig ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt werden. In Letzterem singt Lorelei Plotczyk zwar „Everything’s fine cause nothing’s mine“, aber ganz so arg ist es nun auch nicht. Zwar revolutionieren Film School die Musikwelt auch dieses Mal wieder nicht, dafĂŒr erweisen sie sich auf „Fission“ erneut als sympathische Bewahrer des Guten, und das ist wertvoller als mancher ach so innovative Act, den man dann doch ganz schnell wieder vergisst.

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