Die Einfachheit des Produzierens und die Überforderung der Verfügbarkeit

28.07.2010 von  

Mit 4 Jahren die ersten Klavierstunden, mit 13 die ersten eigenen Heimaufnahmen mit dem Midi Keyboard (Eurodance!!!), kurz darauf die erste Band, Konzerte, Aufmerksamkeit und einen Plattenvertrag beim äußerst wichtigen Label Anticon durch Empfehlung der beiden Produzenten Daedelus und Flying Lotus erhascht. Da ist es wohl auch zu verkraften wenn man aus dem tristen amerikanischen Vorort Chatsworth bei Los Angeles kommt. Mittelstandsprobleme halt. Genug Bio für heute.

Will Wiesenfeld ist mittlerweile junge 21 Jahre alt, hat sein altes Projekt Post-foetus an den Nagel gehangen und Anfang diesen Monats sein erstes Album unter dem Namen Baths veröffentlicht.
Und es ist das wahrscheinlich interessanteste diesen Jahres bisher (zumindest für mich).

Wiesenfeld gelingt auf Cerulean ähnliches wie Bibio im letzten Jahr oder aktuell dem Projekt Mount Kimbie. Diese Einfachheit, diese Offenheit, das nicht Ausformulieren von Fragmenten. Ein, ich nenn es mal, Einfachdrauflosproduzieren. Mit dieser Leichtigkeit am Laptop kleine Skizzen und große Gesten schreiben, romantisch und verspielt. Ein Piano liegt über den meist schlottrigen Beats. Manchmal akustisches Instrumentarium und öfter als das, der Gesang von Will Wiesenfeld. Mal übertrieben hoch im Stakkato, dann wieder als Chor aufgeblasen.

Baths spiegelt einen Zeitgeist der sich selbst erschlagenden Internetgeneration wieder. Ähnelt sich doch die Vielfalt der Musik von Baths mit der beinahe endlosen Verfügbarkeit an neuer Musik im Netz. Das kann am Anfang verwirrend sein und eher abschrecken, aber durch mehrmaliges Hören von Cerulean entpuppt sich das Unfertige als Diamant und lässt einen nicht mehr los. Man fragt sich ob die Songs, oder Chiffren, ausformuliert wohlmöglich anders wären. Besser oder schlechter. Zu verkopft oder zu normal. Erwartet man Anfangs noch wenigstens ab und zu ein normales KLF Schema, gibt sie dir spätestens beim zweiten Durchhören Halt und Du wirst süchtig.

Genug geschwafelt. Cerulean von Baths ist vor ein paar Wochen bei Anticon erschienen.
Und hiermit wärmstens empfohlen.

STUPOR from BATHS on Vimeo.

Hier kann man sich einige Lieder anhören und/oder runterladen.

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Baths – Maximalist (Download)

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Baths – Hall (Download)

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Baths – Lovely Bloodflow (Download)

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Baths – Hall (The One AM Radio Remix feat. The Los Feliz Ladies Choir) (Download)

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2 Antworten zu “Die Einfachheit des Produzierens und die Überforderung der Verfügbarkeit”

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Das sagen andere zu dem Beitrag...
  1. [...] Ein neues, viel versprechendes Album hat auch der erst 21-jährige Will Wiesenfeld alias Baths veröffentlicht. In Drowned in Sound erfahrt ihr mehr über das Album „Cerulean“ und dessen verspielte, natürliche Produktion. Einen Artikel, Video und Gratis Downloads findet ihr auch auf unserer Magazinseite. [...]

  2. [...] Immer mehr Ruhm erlangt auch Will Wiesenfeld mit seinem neuen Projekt Baths. Der 21 Jahre junge Produzent und Musiker hat Pitchfork einen Fragebogen beantwortet und verrät, was er gerade so hört. Mehr zu Baths erfahrt ihr auch auf unserer Magazinseite. [...]