30.04.: Yesterday’s News

30.04.2010 von  

Alle Welt ist im verlĂ€ngerten Maiwochenende. Alle Feuilletonisten, zumindest. Denn, das darf man getrost sagen, die Ausbeute tagesaktueller Popartikel in den Musikspalten ist am heutigen Freitag eher mau. Doch das soll nicht abschrecken – und gibt uns die Möglichkeit, noch ein paar Lesetipps von gestern einzubauen.

Der englische Quietus etwa hat mit Hot Chip gesprochen. WĂ€hrend alle Welt (also, die schreibende, urlaubende) der aktuellen Platte Tanzunlust diagnostizierte, sieht die Band das ganz anders. Klar, ein bisschen zurĂŒckhaltender sei die Platte schon, aber es gĂ€be nur eine wirkliche Ballade.

Angesichts der bevorstehenden Wahl in Großbritannien hat der Guardian sich auf die Suche nach den besten Rockmanifesten gemacht, denn diese sind im Gegensatz zu den Wahlversprechen der Parteien zumindest sexy (gewesen, frĂŒher).

Das Wochenende mag kommen.

29.04.: „I like his whole shit, man“

29.04.2010 von  


Hallo Freunde der Nachtgeschichte. „Techno sitzt heute im Stadtrat“, schon gewusst?
Auf taz.de berichtet Laura Ewert ĂŒber ein Treffen einiger Techno-Vertreter in Berlin. Viel Platz bietet so ein in der Print-Ausgabe erschienener Artikel nicht, dennoch ganz interessant. Zumindest Dixon findet mehrmals ErwĂ€hnung. Ein schlaues Kerlchen, vermuten wir.

In wenigen Tagen (03. Mai) erscheint die fĂŒnfte Ausgabe des wunderbaren OPAK Magazins. Der Titel: „Bewunderung“. Es geht um „eigentĂŒmliche Worte“ wie Idole, Prominente, Medienpersönlichkeiten und Ikonisierung. An der Ausgabe mitgearbeitet hat u.a. ByteFM Moderator und Text-Virtuose Klaus Walter. Der Autor dieses Textes hat die Zeitschrift abonniert, ein klares QualitĂ€tsmerkmal.

Weniger virtuos, dafĂŒr kurios ist das aktuelle Video von M.I.A. mit dem kontrapunktierenden Titel „Born Free“.
„Does MIA’s Born Free video overstep the mark?“ fragt der Guardian und jetzt.de schreibt einen Artikel mit dem einfallslosen Titel „Immer auf die Rothaarigen!“.

Wie Pitchfork und NME berichten, wurde Steven Drozd, Mitglied der Flaming Lips, ins Krankenhaus eingeliefert. Die Band muss deshalb zwei Festivalauftritte absagen. Über die genauen UmstĂ€nde und die Verfassung von Drozd sind bisher keine Details bekannt.

Gonjasufi ist grandios. Auf Pitchfork erzĂ€hlt der AnwĂ€rter des Titels „man of the year“ aus dem NĂ€hkĂ€stchen ĂŒber alle möglichen Dinge – Lieblingsmusik, -Film, -Buch, usw. Wie in einem Freundschaftsbuch, man kennt das ja. Auffallend oft wird das Wort „man“ verwendet. „Nothing too crazy, man“, „I like Jack White, man“, „I like his whole shit, man“.
PrÀdikat: cool!

Weitere aktuelle Meldungen des Tages in KĂŒrze: FĂŒr Schock-Prog-Rocker HEALTH ist eine Kollaboration mit Miley Cirus nicht abwĂ€gig, schreibt das Paste Magazine, die Gorillaz ĂŒbertragen am 30. April ihr Live-Konzert im Londoner Roundhouse per Stream um 5 PM ET, schreibt Spinner, mĂŒsste dann also um 22 Uhr in Deutschland sein und die FAZ schreibt ĂŒber Kristof Schreufs Album „Bourgeois with Guitar“.

Achja, neue Songs von Interpol und Kele Okereke im Stream bzw. Download. Auf den Interpol-Downloadlink warten wir allerdings schon geschlagene fĂŒnf Minuten.

Ist das Kunst oder kann das weg?

28.04.2010 von  

Hier alle Links zu den Liedern der April Ausgabe der „Initiative Herz Statt Kommerz“.

Wir wĂŒnschen viel Spaß damit.

Und wie immer gilt:
Falls die Links nicht funktionieren, weil die KĂŒnstler/Labels die MP3s von ihrer Seite genommen haben, bitte nicht böse sein. Wir selektieren und verlinken lediglich, weisen also nur auf die Downloads hin.

Baths – Hall
Dream Cop – Marooned
BRAHMS – Brought It Out
Blondes – You Mean So Much To Me (ACID REDUX CUT)
Nite Jewel – Want You Back (Phaseone Remix)
The National – Bloodbuzz Ohio
Choir Of Young Believers – Claustrophobia (The Antlers Remix)
Gauntlet Hair – I Was Thinking
Dream Cop – Beach City-Carol I Know
Signals – Angst In My Pants [Sparks cover]
Passion Pit – Sleepyhead (Cassette Club Remix)
Speculator – Cruiser
Mon Insomnie – Missing Lust
Pantha Du Prince – Stick To My Side (Four Tet Remix) (Feat Panda Bear)

RestgerÀusche Sessions mit First Aid Kit

28.04.2010 von  

Die RestgerĂ€usche-Sessions erfreuen sich immer grĂ¶ĂŸerer Beliebheit. In unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden laden unsere Partner von Rote Raupe KĂŒnstler in die RestgerĂ€usche Studios ins beschauliche Reichertshofen bei Ingolstadt ein.
Diese KĂŒnstler kamen bisher alle aus deutschsprachigen LĂ€ndern. Mit First Aid Kit expandiert man erstmals ins europĂ€ische Ausland. Das schwedische Geschwisterduo beeindruckt hier mit einer (auch klanglich) eindrucksvollen kurzen Performance.

Intro

Heavy Storm

Hard Believer

I Met Up With The King

Tourabbruch von Archie Bronson Outfit

28.04.2010 von  


Aus persönlichen GrĂŒnden wird die Tour von Archie Bronson Outfit mit sofortiger Wirkung abgebrochen. Alle Termine einschließlich dem 28.04. fallen aus. Dies sind die Ersatztermine fĂŒr die ausfallenden Konzerte:

02.11.10, Hamburg – Molotow
03.11.10, Berlin – Magnet
04.11.10, Dresden – Beatpol
05.11.10, MĂŒnchen – Atomic CafĂ©

Die Karten behalten selbstverstĂ€ndlich ihre GĂŒltigkeit.

15000 Jahre Musik Fetischisten Ohren Charakter

28.04.2010 von  


MFOC, Akronym fĂŒr „Musik Fetischisten Ohren Charakter“, gerne auch „Mind Fuck Of California“, o.Ă€., je nach Interpretation des Betrachters, richtig aber „Musik Fetischisten Ohren Charakter“, entflieht der PubertĂ€t und feiert 15-jĂ€hrigen Geburtstag.

Seit nunmehr anderthalb Dekaden sind Ralf Köster alias RĂŒftata110 und Tim Lorenz alias Superdekfekt als Musik-Importeure im Hamburger Hafen tĂ€tig und genießen ĂŒber die Stadtmauern hinaus einen guten Ruf. Mit sicherer Hand verbinden sie die verschiedensten Facetten elektronischer Musik und kreieren in der „Elbphilharmonie der Herzen“, auch bekannt als Golden Pudel Club, einen Schmelztigel verrĂŒckt-verquirrlter Sounds fĂŒr Jedermann.

Am 07. Mai zelebriert MFOC den 15. Jahrestag im Uebel & GefĂ€hrlich in Hamburg. Zu den auftretenden KĂŒnstlern zĂ€hlen u.a. die Warp-Granden Clark und Jimmy Edgar, Dubstep-Spezialist Untold, als lokale Vertreter Move D & Benjamin Brunn und natĂŒrlich das MFOC-Chef-Duo.

Neben der musikalischen Sause im Bunker-Club können auch Arbeiten vom hauseigenen KĂŒnstler Cialex, sowie von blkdt bestaunt werden.
Schon am 29. April wird außerdem die Ausstellung „15 years of MFOC“ von Katja Ruge im Golden Pudel eröffnet.

Wir legen Euch diese wunderbare Veranstaltung ans Herzen.
MFOC Radio lÀuft alle vier Wochen freitags von 0-2 Uhr auf ByteFM.

28.04.: Nerds in AnzĂŒgen

28.04.2010 von  


„In mir steckt irgendwo ein schlanker Mann, ein Brian Ferry, aber er will nicht hinaus“ – Frank Black ist halt ein Bauchmensch, und der trĂ€gt lieber gemĂŒtliche Hemden und Hosen. Max Dax traf den ehemaligen Frontmann der Pixies fĂŒr Welt Online zu einem sehr kurzweiligen GesprĂ€ch, in dem er sich neben seinen Kleidungsgewohnheiten auch indirekt bei seiner Therapeutin bedankt, mit der er regelmĂ€ĂŸig seine Songtexte analysiere. Ob auch die anderen ehemaligen Mitglieder der Pixies in Therapie seien? „Keine Ahnung. Mit Sicherheit wĂ€re es fĂŒr jeden von denen eine gute Entscheidung.“

In einen schicken Anzug klemmt sich auch schon mal Trent Reznor, auch wenn er in den letzten Jahren ebenfalls sichtbar an LeibesfĂŒlle zugenommen hat. Aber NebensĂ€chlichkeiten beiseite: Der amerikanische Rolling Stone spekuliert, ob der Nine Inch Nails Frontmann gemeinsam mit seiner Frau Mariqueen Maandig an einem neuen Projekt namens „How To Destroy Angels“ arbeite. Einiges spreche dafĂŒr, offiziell bestĂ€tigt sei dies aber noch nicht. Aber geheimnisvoll macht es Reznor ja gerne.

In eine Welt der AnzĂŒge enfĂŒhrt uns auch der Artikel zum Bau der Hamburger Elbphilharmonie, gelesen in der Frankfurter Rundschau. Der Bau von „Oles Mausoleum“ sei ein hoffnungslos missfinanzierten Projekt, das eigentlich einmal „der beste Konzertsaal der Welt“ werden soll. Mehr zu diesem Thema gibt es heute im ByteFM Magazin.

Weiter geht es mit Nerds in AnzĂŒgen: FĂŒr die Zeit bespricht Jan KĂŒhnemund das neue Album von Matthew Herbert, „One One“. Der erste Teil von einer Trilogie – zwei weitere Alben sollen in diesem Jahr noch folgen – kommt aber leider nicht so gut weg. „Zu ambitioniert“ sei das Werk geraten, und somit nichts fĂŒr den Tanzboden. Anders sehe es da schon mit dem neuen Werk vom Toulouse Low Trax aka Detlef Weinrich aus, sonst tĂ€tig bei der DĂŒsseldorfer Band Kreidler. „Wo Herbert schlurft, da stapft Weinrich. Wo Herbert wabert, da schwingt Weinrich. Und wo Herbert singt, da hĂ€lt Weinrich gescheit die Klappe.“

Gutes Schlusswort. Das machen wir jetzt auch.

Ken

27.04.2010 von  

Den Titel „Yes We Ken“ kann man platt finden. Neben einem fragwĂŒrdigen Albumtitel gibt es auf Kens neuestem Album aber auch Krautrock, Wavepop, Indierock und jede Menge Synthies. Manchmal alles in einem Song.

Dass das alles aber auch minimalistisch funktionert, bewies die Band um SĂ€nger Aydo Abay bei ihrem Besuch in unserem Studio ByteFM // Ruhr.

Hier gibt es die Songs, die sie live gespielt haben, zum Nachhören.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Ken – Feelia

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Ken – Get A Life

M.I.A. Video „Born Free“: Rote Haare, kurzer Versand


Skandal ist, was Skandal macht. Ein neues Video ist unterwegs und hat schon die ersten HĂŒrden (Verbot auf You Tube) genommen, um den Sprung in die News Charts zu schaffen, wo sich ansonsten mit Popularkultur wenig beschĂ€ftigte Menschen dann reflexartig in ihre Kommentar-GebetsmĂŒhlen erbrechen können.
VorschlĂ€ge fĂŒr die Artikel-Tendenzen: – Jugendliche werden in Popvideo erschossen und zersprengt. – Neue Stufe des Gewaltsexzesses in Videoclip. – KĂŒnstlerische Hemmschwelle bzgl. visueller BrutalitĂ€t weiter gesunken. – Tamilisch-britische KĂŒnstlerin mit Wohnsitz New York heizt Anti-Polizei Stimmung vor dem 1. Mai auf. Usw..

TatsĂ€chlich zeigt das M.I.A.-Video zu „Born Free“ die grafischste Menschensprengung im Clip-Biz, seit Jonathan Glazer fĂŒr UNKLEs „Rabbit In Your Headlight“ den Schauspieler Denis Lavant zerfahren ließ. Aber abgesehen davon, dass man so etwas nicht unbedingt den ganz jungen Mediennutzern unter uns zumuten mag, kann das 2010 wirklich noch schockieren? Ist eine eher einfach gestrickte ErzĂ€hlung von totalitĂ€ren Schergen, die in Brutalo-SEK Manier Rothaarige einkassieren und deportieren, um sie dann in irgendeiner WĂŒstenlandschaft durch ein Minenfeld zu jagen, nicht eigentlich nur ein verdammt gut budgetierter Kurzfilm-Job, mit dem man zwei Fliegen mit einer viral verbreitbaren Klappe schlĂ€gt: Album-Promo und Bewerbungsdemo fĂŒr Spielfilmprojekt?

Immerhin dauert es etliche Minuten und eine inszenatorische Abfolge diverser Szenen, bis dann Kopfschuss und Slo-Mo Menschen-Explosion jenen HĂ€rtegrad der Darstellung markieren (nach unzĂ€hligen Uniformierte-schlagen-willkĂŒrlich-auf-Wehrlose-ein Szenen allerdings), der „Born Free“ zum Objekt einer unausweichlichen Gewaltvideo-Diskussion machen wird.
Dabei hat man die klare Aussage des Films schnell begriffen: Rassismus, Ausgrenzung, Apartheid in Kombination mit paramilitĂ€rischer Exekutive sind eine ganz fiese Nummer. Das ist erstmal so schon ganz richtig und in vielen Gesellschaften der Welt sicherlich auch ein Problem. Als Sujet fĂŒr us-amerikanische oder europĂ€ische Medienprodukte ist das allerdings auch ein irgendwie abgehangenes Klischee, eine banale Projektion von Schweinebullen und Opfern, ohne in weiterfĂŒhrender Form zugrunde liegende Mechanismen aufzuzeigen. Aber uniformierte, sadistische BefehlsempfĂ€nger sind natĂŒrlich ein universell brauchbares Feindbild und die Geste des Widerstands immer ein ĂŒbergreifend einsetzbares Motiv, egal ob man ĂŒber die USA, Sri Lanka oder die Banlieues redet.
So gesehen ist „Born Free“ ein ziemlich plattes Fanal gegen „Unfreiheit“, was auch immer man damit genau sagen will. Ausgegeben hat dieses Fanal ein Team, das fĂŒr diese Art der AusfĂŒhrung bereits bekannt ist und nun erstmals gemeinsame Sache macht.

Und da haben sich zwei gefunden: Die SĂ€ngerin / Produzentin / Labelbetreiberin / Designerin (im folgenden KĂŒnstlerin genannt) M.I.A. und der Regisseur Romain Gavras. WĂ€hrend sich M.I.A., die letztes Jahr Mutter wurde, diesen Sommer mit einem neuen Album zurĂŒckmeldet, fĂŒr das „Born Free“ der erste Vorbote ist, hat Romain Gravas zuletzt 2008 die GemĂŒter erhitzt, als er im Clip zu Justice’ „Stress“ eine Horde dunkelhĂ€utiger Vandalen durch die Pariser Strassen schickte. M.I.A. familiĂ€rer Hintergrund als Tochter eines prominenten FĂŒhrers der tamilischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung (der allerdings lĂ€ngst eine Institut fĂŒr Nachhaltigkeitsforschung in Großbritannien leitet) war von Anfang an der Backdrop, vor dem die multimedial Begabte ihre ghetto-technoiden EntwĂŒrfe zeigte: Dritte Welt Flair, Revolutionspose, Gewalt-Metaphern, Raver-Neon und viel Bass, Beats und AttitĂŒde haben aus der 35jĂ€hrigen lĂ€ngst eine Gegenkultur-Gaga gemacht, die genauso unangepasst agiert wie sie genau deswegen Erfolg hat, Goldene Schallplatten, Oscar und Grammy Nominierungen inklusive.

Auf ihrem Label N.E.E.T. bringt sie inzwischen selber andere KĂŒnstler heraus (Rye Rye, Sleigh Bells u.a.) und mit dem dritten Album dĂŒrfte sie noch grĂ¶ĂŸere Bekanntheit erlangen als mit den ersten beiden Platten, „Arular“ (2005) und „Kala“ (2007). Ob ihre eigene Familie mit dem Spross des milliardenschweren Bronfman-Klans, Ben Brewer, allerdings wirklich noch vom ganz großen Revolutionspotential spricht, darf gefragt werden. Genauso wie man das Erbe, das Romain Gavras weitertrĂ€gt, einer gewissen OberflĂ€chlichkeit bezichtigen kann, wenn man seine sensationalistischen Filme ĂŒber Randgruppen vergleicht mit den Politfilm Klassikern, die sein Vater Constantinos „Costa“ Gavras gedreht hat (am bekanntesten wohl das FrĂŒhwerk „Z“ mit Jean-Louis Trintignant und Yves Montand und „Missing“ mit Jack Lemmon), der sich seinerzeit mit real existierenden Regimes in beispielsweise Griechenland oder SĂŒdamerika anlegte und mit seinen Film Bewusstsein fĂŒr Unrecht schaffte, dessen Opfer sonst keine Stimme gehabt hĂ€tten.

Heutzutage verleiht eben manchmal der Tonfall des irgendwie empfundenen Unrechts etwas seine Stimme, das eigentlich nur auf sich selbst verweist. Aber die Welt ist eben auch nicht mehr dieselbe wie vor 30, 40 oder 50 Jahren, als noch große ideologische Schlachten in der Kunst zu schlagen waren. Heute ist man „Meme Warrior“ und versucht mit seinem Output Einfluss zu nehmen auf die Art, wie die kollektive Wahrnehmung in Medien und anderen KommunikationskanĂ€len funktioniert. Und in die eskapistische Welt von Pop, Mode und Kultur dann immer wieder Ă€sthetische Pfeile zu schießen, in denen es unschön ist, wo Gewalt zu sehen ist, wie sie jederzeit an einem geopolitischen oder sozialen Brennpunkt eurer Wahl passiert, ist dann eben auch wieder legitim, wenn auch nicht wirklich von tieferer Bedeutung. Wie sagte ein offensichtlich derzeit stark verunsicherter Werber neulich auf dem Kongress der Leadawards: Man wirft mittlerweile seine Botschaften ins Internet wie Steine in einen See und hofft, dass sie die richtigen Wellen machen. So gesehen ist es sinnig, dass das MusikstĂŒck „Born Free“ den Titel „Ghost Rider“ von Suicide samplet. Als Geisterfahrt ist „Born Free“ aber allemal ein 9minĂŒtger Ritt, den man machen kann. Es wird ja niemand gezwungen, sich das anzusehen.


Ken zu Gast im Studio ByteFM / Ruhr

27.04.2010 von  


Dirk Schneider begrĂŒĂŸt heute die Kölner Band Ken im ByteFM Magazin live aus dem Studio ByteFM / Ruhr. Die Tour der Postpunker wird prĂ€sentiert von ByteFM.

Nach seinem Ausstieg bei Blackmail konzentriert sich Aydo Abay nun ganz auf sein frĂŒheres Sideprojekt Ken. Das vierte Album mit dem humorvollen Titel „Yes we“ bewegt sich zwischen Elektronik, IndielĂ€rm, Wavepop und Krautrock. „Yes we“ zeichnet sich im Vergleich zu seinen VorgĂ€ngern durch mehr Dynamik und Experimentierfreude aus.

Wer Ken live erleben möchte, hat dazu heute in Dortmund, morgen in Berlin, am 29.04. in Hamburg und am 30.04. Hannover Gelegenheit.

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