Zum Tod von Jerome D. Salinger
29.01.2010 von Redaktion
Geboren am 01. Januar 1919 in New York, feiert J. D. Salinger 1951 mit seinem Roman „Der FĂ€nger im Roggen“ einen fulminanten Erfolg. Heute hat der Roman lĂ€ngst Kultstatus erlangt und steht weltweit in Millionen von BĂŒcherregalen. Doch so groĂ Salingers Erfolg ist – er selber lebt ein einsames und zurĂŒckgezogenes Leben.
Erste Schreibversuche unternimmt Salinger als junger Kadett in einer MilitĂ€rschule, wĂ€hrend seines Studiums veröffentlicht er erste Kurzgeschichten. Im Zweiten Weltkrieg kĂ€mpft er gemeinsam mit dem Kriegsberichterstatter Ernest Hemingway, der ihm spĂ€ter ein „verdammtes Talent“ bescheinigt. In seinen wenigen Veröffentlichungen schreibt Salinger ĂŒber junge Helden, denen meistens nach heulen zumute ist und deren Nerven gefĂ€hrlich dĂŒnn sind. Auf Spiegel online ist heute zu lesen: „Ihre Welt ist bevölkert mit heuchlerischen Erwachsenen, oft abstoĂenden Gleichaltrigen und mit Geschwistern, die entweder tot sind oder weit weg oder voller Liebe und genauso hilflos wie sie. Aber die jugendlichen VerbĂŒndeten, die hier zusammenfinden, sind auch beseelt von einem anrĂŒhrenden Glauben an die Möglichkeit einer freundlicheren, klĂŒgeren, helleren Welt.“
Als 1951 „Der FĂ€nger im Roggen“ erscheint, gilt der Roman als Sensation. Vor allem die lakonische, vom Slang der frĂŒhen Nachkriegsjahre bestimmte Sprache des Romans gilt als authentischer Ausdruck einer desillusionierten Jugend. Und gerade die Mischung aus Verzweiflung und Hoffnung beschert Jerome D. Salinger zahlreiche AnhĂ€nger, deren Verehrung fĂŒr den Autor schier ins unermessliche reicht. Seine bekanntesten Fans sind wohl Charles Manson und Mark David Chapman. In einem Interview antwortet Manson auf die Frage: „Wen oder was stellt ihre Maskerade eigentlich dar?“ mit: „I am … the Catcher in the Rye“, Chapman ist von Salingers Roman seit seiner Kindheit besessen. Im spĂ€teren Gerichtsprozess zum Mord an John Lennon gibt er an, in diesem Buch die Aufforderung gelesen zu haben, eine BerĂŒhmtheit töten zu mĂŒssen.
Trotz all dem Ruhm jedoch lebt der Autor die letzten Jahrzehnte völlig zurĂŒckgezogen – sein letztes Interview liegt ĂŒber 30 Jahre zurĂŒck. Zuletzt in Erscheinung trat Salinger vor einem halben Jahr, als er gegen einen Autoren klagt, der mit „60 Years Later: Coming Through the Rye“ eine Fortsetzung des „FĂ€ngers im Roggen“ verkaufen will.
Am Schluss des „FĂ€ngers im Roggen“ heiĂt es: „ErzĂ€hl nie irgendwem irgendwas. Wenn du’s doch tust, fĂ€ngst du an, sie alle zu vermissen.“ In der Welt der Literatur wird Jerome D. Salinger seit Mittwoch vermisst.
Mehr ĂŒber J.D.Salinger hört Ihr heute ab 16 Uhr TourKalender mit Siri Keil.







