Abenteuer im Spagat

Jule Verne hat es uns vorgemacht: Allein durch Vorstellungskraft und Phantasie ist ihm die Reise zum Mond schon hundert Jahre vor der tatsächlichen Raumfahrt mit seinen fiktionalen Texten gelungen. Das Abenteuer Reise. Eine Mondfahrt noch bevor zwei Drähte einen Funken von sich gegeben haben. Doch Funken werfen in unserem Leben auch immer schon die (zwischen-)menschlichen Abenteuer: Sei es im mit Bier beschwerten Kopf am Tresen (Elbow ‚An Imagined Affair‘), in der wummernden Porno-Bass-Disco (Zombie Nation ‚Mystery Meat Affair‘), oder in der Engelsgesangs-Beichte von romantischen Liebeleien (Wild Beasts ‚We Still Got The Taste Dancing On Our Tongues‘).

Das Abenteuer ist ein risikoreiches – oftmals auch von Zweifeln und Hoffnungen begleitetes – Erleben. Schuldzuweisungen inklusive. Doch sind wir nicht alle Krieger im Herzen? Die Träumer unter uns ziehen gerne mal mit bunter Phantasie in das Schlachtfeld der Abenteuer unseres Alltags (CocoRosie ‚Rainbowarriors‘), und lassen den Zufall den Feldherr im Kampf mit der verlangend brennenden Sehnsucht sein (Raz Ohara & The Odd Orchestra ‚The Burning‘). Da fehlen nur noch die FlĂĽgel, die wir uns in guten Momenten auch mal gegenseitig verleihen können (Das Pop ‚Wings‘), oder wir ziehen ganz einfach los, mit erlebnisreicher aufregender Musik, die das Thema Abenteuer im Pop abbildet…

Der Spagat zum Thema Abenteuer läuft heute ab 19:00 Uhr.

Mit StĂĽcken von Das Pop, Giorgio Moroder, Hercules & Love Affair, Julian Plenti, Lou Reed, Raz Ohara & The Odd Orchestra, Wild Beasts, Zombie Nation, u.v.m.

Wiederholung: Donnerstag, 03.11.09, ab 15:00 Uhr und Freitag, 04.11.09, ab 10:00 Uhr

Die Radiokolumne Spagat Im Quadrat zur dieser Sendung gibt es hier.

20 Jahre MTV Unplugged

Heute vor zwanzig Jahren wurde die erste Episode der Show MTV Unplugged aufgezeichnet. Aufgetreten sind damals Squeeze, Syd Straw und Elliot Easton. Die MTV-Show, bei der Künstler ihr eigentlich elektrisch verstärktes Repertoire auf unverstärkten Instrumenten darbieten, erfreute sich in den folgenden Jahren größter Beliebtheit und machte das Wort „unplugged“ zu einem feststehenden Begriff.

Ein Grund für den großen Erfolg des Formats ist vermutlich die vergleichsweise intime Atmosphäre, die bei solchen Auftritten geschaffen wird. Das Publikum ist begrenzt, die Hallen sind oft klein und die Künstler präsentieren ihre Lieder so, wie sie scheinbar einmal entstanden sind. Andächtig und still, als würden sie an einem Lagerfeuer sitzen und dem einzigen Troubadur am Platz lauschen, verhalten sich die Zuschauer meist. Das Publikum scheint sich sicher zu sein, dass es an etwas Außergewöhnlichem teil hat.

Von ungefähr kommt dieses Gefühl nicht. Denn tatsächlich handelte es sich bei den meisten der MTV Unplugged-Shows – wenn nicht noch ein zweiter Aufguss in Form einer Tour oder ähnlichem folgte – um einmalige Veranstaltungen. Und unabhängig davon, ob ein ganzes Orchester aufgefahren wurde oder die Künstler sich solo mit der obligatorischen Akustikgitarre präsentierten: Der Lagerfeuer-Effekt schien immer zu funktionieren. Die Lieder, zumindest oberflächlich, bis aufs Gerüst nackt, ungeschminkt und so wie der Schreiber sie einst erschaffen hat.

Auch die Künstler gingen ganz in dem ungewohnten Rahmen auf und zeigten sich mitunter ungewohnt emotional. Ob Eric Clapton, der seinen MTV Unplugged-Auftritt 1992 dazu nutzte, zum ersten mal „Tears In Heaven“, das Lied, das er zur Verarbeitung des Todes seines verunglückten Sohnes schrieb, live aufzuführen oder Lauryn Hill, die 2002 während ihrer Unplugged-Performance so gerührt war, dass sie mehrere Male weinte – die Musiker und das Publikum schienen oft wie von einem Zauber belegt zu sein.

Gemein ist allen Konzerten, dass sie etwas Besonderes sein sollten. Und wenn die Konzerte schon nicht besonders emotional wurden, wurde auf andere Weise versucht, einen besonders reizvollen Abend zu gestalten. Auffällig ist das vor allem bei den deutschen KĂĽnstlern, denen die „Ehre“ zuteil wurde, sich im Rahmen eines MTV Unplugged-Konzerts zu präsentieren: Den Anfang machte 1994 Herbert Grönemeyer, der ein noch recht puristisches Konzert ablieferte. Im Jahr 2000 folgten aber die Fantastischen Vier, die einen amtlichen Auftritt mit allem Pipapo ablieferten. Besonderes Gimmick: der Spielort. Nämlich die Balver Höhle mit ihrem ganz eigenen Klang und einer eher speziellen Atmosphäre. Damit lag die Latte fĂĽr die Nachkommenden recht hoch. Die Ă„rzte zogen 2002 nach und machten mit viel KostĂĽmierung sowie SchĂĽlerchor und -orchester die Rock‘n'Roll Highschool zur „Rock‘N'Roll Realschule“. Dann zogen Die Toten Hosen mit einem Sitzkonzert im Wiener Burgtheater statt Stadion und Fankurve. Und dann noch die Sportfreunde Stiller in groĂźer New York-Kulisse.

International hat man auf solch obskure Dreingaben verzichtet. Stattdessen holten sich die jeweiligen Gäste der Show lieber Prominente Mitstreiter ins Boot. So waren unter anderem Korn mit Robert Smith, Alicia Keys mit Mos Def oder The Roots mit Jay-Z auf einer Bühne zu sehen.

Seine Hochphase hatte das MTV Unplugged eindeutig in den Neunzigern. In dieser Zeit konnte MTV Größen wie Bob Dylan, REM, Elvis Costello, The Cure, Eric Clapton, Björk, Bruce Springsteen – der aber nicht auf elektrische Verstärkung verzichten wollte – Sting, Nirvana, Kiss, Oasis und Pearl Jam für die Show gewinnen. 1998 fing man an, nur noch unregelmäßig MTV Unplugged-Konzerte aufzuzeichnen. Seitdem waren zum Beispiel. Alanis Morrisette, Shakira, Ricky Martin, Jay-Z oder Alicia Keys zu sehen.

Einen offiziellen Neustart erfuhr MTV Unplugged in diesem Jahr. Die Konzerte der neuen Staffel werden aber nicht mehr in voller Länge ausgestrahlt, sondern online verfĂĽgbar gemacht oder in die Rotation eingefĂĽgt. Das ist einerseits keine groĂźe Ăśberraschung, weil MTV – und das ist eine Banalität – seit geraumer Zeit kaum noch echtes Musikprogramm sendet und andererseits auch gar nicht so schlimm, wenn man sich die Liste derjenigen ansieht, die seit dem Neustart zu sehen waren: Paramore, All Time Low, Adele oder Katy Perry.

Viele der Konzerte wurden auch als Alben veröffentlicht und haben zum Teil riesige Erfolge eingefahren. Aber auch Bands, die nicht bei MTV auftraten, erreichten mit dem Konzept, unverstärkt zu spielen, hohe Verkaufszahlen. Tesla, die Band, die im Zuge des Hairmetal-Booms zu Größe kam, hatte so zum Beispiel 1989 bereits vor der ersten Ausstrahlung von MTV Unplugged einen Überraschungserfolg mit „Five Man Acoustical Jam“.

Das Interesse des Publikums, noch näher an den Künstlern dran zu sein, ebbte auch in den späten Neunzigern nicht ab. Von der VH1-Show „Storytellers“, bei der Musiker zusätzlich zur Akustik-Performance ihre Lieder kommentierten, über öffentlich ausgestrahlte Proben bis hin zu Musikern, die im Fernsehen erklärten, wie sie ihre populärsten Lieder spielen, war bald nichts mehr undenkbar. Ob die heute sehr präsenten Reality-Shows mit Prominenten aus dem Musikgeschäft nur eine logische Konsequenz aus dieser Entwicklung sind? Möglich ist es.

Nur einer hatte auf den ganzen Quatsch am Ende anscheinend doch keine Lust: Liam Gallagher lieĂź seinen Bruder im Stich, guckte von oben zu und nippte an seiner Bierflasche.

Jumoke Olusanmi erinnert heute im TourKalender ab 16 Uhr an 20 Jahre MTV Unplugged.

Grund zum Gruseln: Halloween

31.10.2009 von  

Die Supermärkte kĂĽndigen es schon seit einem Monat an: Halloween hat die deutschen Lande erreicht – der Globalisierung sei’s gedankt. Endlich ein weiterer Aufhänger um aus Alltag Feiertag zu machen.

Der 31. Oktober war vor ein paar Jahren noch ein unspektakulärer Monatsabgang. In einigen Bundesländern freute man sich am nächsten Tag ausschlafen zu dĂĽrfen und das war’s. Heute ist der 01. November nebensächlich geworden; Allerheiligen interessiert kaum jemanden. Wer heute Abend ausgehen will ohne Halloween – Einfluss, der wird es schwer haben. Und wer sich wundert, warum Erwachsene als ’sexy Ghostbuster‘ oder ‚Cain the Vampire Tyrant‘ auf die Piste gehen oder Kinder an der TĂĽre schellen und SĂĽĂźigkeiten verlangen (und das ohne Laterne und Gesang), dem sei hiermit die Erklärung erteilt.

Mit Halloween ist es wie mit Weihnachten: Alle feiern wie die Wilden, keiner weiß (mehr) warum. Anlass genug um kurz zu eruieren, was es mit Halloween eigentlich auf sich hat – abgesehen von Konsum und Kommerz.

All Hallows Eve wurde früher vor allem in Irland gefeiert. Aus liturgischer Sicht beginnt der Feiertag am Abend vorher, so wurde am 31. Oktober schon der Beginn von Allerheiligen am 01. November gewürdigt. An Allerheiligen wird, wie der Name schon sagt, aller Heiligen gedacht. Halloween ist also ein katholischer Feiertag? Oder auch nicht. Die Herkunft der Halloween Brauchtümer ist historisch nicht bewiesen. Naheliegend ist eine Verbindung zum keltisch-angelsächsischen Fest des Totengottes Samhain, daher auch der Bezug zu Totenreich und Geistern.

Im 19. Jahrhundert brachten irische Immigranten das Fest mit in die USA, wo es sich schnell unter der allgemeinen Bevölkerung ausbreitete. Aus All Hallows Eve wurde Halloween und alle feierten mit. Heute gilt Halloween neben Weihnachten und Thanksgiving als wichtigster Festtag in Nordamerika. Seit den 1990er Jahren verbreitet sich das Feiern von Halloween auch in Deutschland.

Nun scheiden sich merklich die Geister, wenn’s um Halloween in Deutschland geht. Die Einen freuen sich sich zu gruseln, die Anderen gruselt’s beim bloĂźen Gedanken daran. Wie auch immer Eure Abendgestaltung aussehen mag – genug musikalisches Futter ist vorhanden. Wir haben eine Auswahl an Songs zusammengestellt, passend zum Thema Geister, Grusel, Totenreich:

Boy Omega – I Spawn Monsters
Crystal Castles – Magic Spells
Dead Man’s Bones – My Body Is A Zombie For You
Dusty Sprinfield – Spooky
Flaming Lips – Your Bats
Iron Maiden – Fear Of The Dark
Jon Allen – Dead Man’s Suit
No Kids – For Halloween
Screamin‘ Jay Hawkins – I Put A Spell On You
Talking Heads – Psycho Killer
The Alexandria Quartet – A Monster’s Lullaby
The Automatic – Monster
The Black Ghosts – Full Moon
The Killers – White Demon Love Song
The Misfits – Halloween
The Specials – Ghost Town
TV On The Radio – Wolf Like Me
Whodini – The Haunted House Of Rock
Wolfmother – Witchcraft

Samstag

31.10.2009 von  

All Samples Cleared!?: Marcus Maack legt den Schwerpunkt heute auf zwei Songs, die unzählige Male gesamplet wurden – so oft, dass man nicht alle Beispiele spielen kann. Er begnĂĽgt sich mal mit 5 (von 28 ihm bekannten) bzw. 4 (von ĂĽber 90 ihm bekannten). Nein, die Rede ist nicht von James Brown, dessen ‚Funky Drummer‘ noch wesentlich häufiger gesamplet wurde (Marcus sind 182 bekannt), sondern von der Steve Miller Band und Melvin Bliss. Aber keine Angst: Es gibt noch mehr Soul und wird keine reine HipHop-Sendung – ab 12 Uhr
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Me Myself & Why: Moi moi-même et pourquoi Teil 1. Passend zum Herbstanfang veröffentlicht der bekannteste Vertreter des Nouvelle Chanson, Benjamin Biolay, sein neues Album. Ein Anlass für Me Myself and Why, neue und alte Chansoniers aus Frankreich zu spielen, um zu sehen, ob es wirklich etwas Neues im Land der dargesellten Melancholie gibt. Mit Benjamin Biolay, Serge Gainsbourg, Francoise Hardy, Alain Bashung, Cat Power und Charlelie Couture - ab 17 Uhr
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Spagat: Komm mit ins Abenteuerland – amouröse, aufgeregte und aufregende Musik zum risikoreichen Erleben. Andi Hörmann spielt StĂĽcke von CocoRosie, Elbow, Hercules And Love Affair, Julian Plenti, Lou Reed, Raz Ohara & The Odd Orchestra, u.v.m. – ab 19 Uhr
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Electro Royale: Und noch einmal: Der tiefe, tiefe Blick in das neue Album von Jay Haze alias Fuckpony. Und noch nie Gehörtes vom in der Schweiz lebenden Techno-Produzenten Marc De Bell – ab 20 Uhr
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60minutes: Markus Schaper spielt viele liebliche Melodien, leibhaftige Sänger und Sängerinnen, von Folk-Folklore-Achterbahn bis Electric-Schubidu. Mit Irrsinn & Irrwitz geht es quer durch den Garten und am Ende steht eine Stunde verrĂĽckte neue Lieblingsmusik, von der Ihr das Ohr nicht wieder werdet abwenden können. Dabei sind Marbert Rocel, Zeep, Forro In The Dark, Riccardo Marrero & The Group, Cerys Matthews, Sam Paglia und weitere Spielgefährten. Wie immer gilt, es wird voll – ab 22 Uhr
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The Good Nightz: Der heutige Ausflug beginnt mit geheimnisvollen HipHop-Beats und Geschichten über Katzer und Kätzinnen, biegt dann kurz ab und stoppt beim Jazzcafé Planet Rock und endet mit zuckenden Dubstep-Bassschleifen. Heute mit alten Deutschrap-Helden und neuer Musik von Robot Koch, Fuckpony, Moderat u.a. - ab 23 Uhr
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Electric Nightflight: Nach 2-jähriger, kreativer Schaffenspause veröffentlicht Miss Yetti diese Woche ihr Album ‚Zuckerbrot und Peitsche‘. Zur Einstimmung auf ihr neues Werk fertigte sie gleich noch einen wunderbaren Mix an, den ihr heute ab Mitternacht hören könnt. Im Anschluss folgen 2 Mixe von Haito. Farbenfroh und spannend erzählt er darin Geschichten aus den Clubs. DJ-Sets von Hans Nieswandt inspirierten Haito aka Haito Göpfrich zum auflegen Ende der 1980er. Ab 2000 produzierte er auch eigene Tracks und brachte im Sommer sein Debutalbum ‚Fiat Lux‘ heraus – ab Mitternacht
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Zum Wochenprogramm…

Grace Slick wird 70

Am 30. Oktober 1939 wurde Grace Slick als Grace Barnett Wing in Evanston, Illinois, geboren. Sie war Lead-Sängerin in mehreren Bands: The Great Society, Jefferson Airplane und Jefferson Starship, die sich später in Starship umbenannten.

Anfang der 60er arbeitete sie als Fotomodell, aber sie interessierte sich auch für Musik und rief die Gruppe The Great Society ins Leben, die bald in San Franciscos Psychedelic-Szene durch ihre Liveauftritte einen guten Namen erlangte. Die Musiker waren phantasiereich, ihre Stücke oft experimentell, und sie nahmen verschiedene Einflüsse in ihre Musik auf. Gitarrist war der Schwager von Grace, Darby Slick. Mit ihm zusammen schrieb sie den Song “Somebody To love”, den The Great Society auch als Single aufnahmen – übrigens ihre einzige Studioproduktion.

Nach dem Ende von The Great Society wechselte Grace zu Jefferson Airplane, wo sie
die Sängerin Signe Anderson ersetzte. Die Band befand sich gerade mitten in den Aufnahmen ihres zweiten Albums “Surrealistic Pillow” und Grace brachte “Somebody To love” in die Aufnahmesessions mit ein. In der neuen Version von Jefferson Airplane wurde der Song 1966 ein großer Hit und half dabei, auch die LP in die oberen Chart-Positionen zu hieven.

Ein weiteres geniales Stück von Jefferson Airplane stammte ebenfalls aus der Feder von Grace: “White Rabbit”. Und diese Single war ebenfalls ein Top 10 Hit in den USA. Jetzt war ihre Rolle bei Jefferson Airplane gefestigt und sie entwickelte sich zu einer der ersten sogenannten “Frontfrauen” im Rock, wenngleich sie auch viele Songs zusammen im Duett mit Marty Balin sang. Für sieben Alben blieb Grace bei der Band und steuerte auch immer wieder Songs bei. In ihren oft drastischen Songtexten kämpfte sie gegen den Vietnamkrieg, die bürgerliche Verlogenheit im Umgang mit bewusstseinserweiternden Drogen und jede Form von konservativen oder inhumanen Einstellungen.

1971 bekam sie mit Paul Kantner, dem Gitarristen von Jefferson Airplane, eine Tochter. Mit ihrem Mann nahm sie auch Solo-Alben auf, etwa “Sunfighter” 1971.

Als 1972 Jorma Kaukonen and Jack Casady Jefferson Airplane verlieĂźen, war es mit der Band vorbei. Kantner and Slick riefen eine neue Gruppe ins Leben: Jefferson Starship. Die Zeiten des Psychedelic Rocks waren allerdings passĂ©, was ihnen harte Kritik vieler Fans einbrachte. Jefferson Starship wurde eine am Mainstream orientierte Stadion-Rockgruppe, allerdings mit enormen Erfolgen („Sara”, „We Built This City” „Nothing’s Gonna Stop Us Now”. Nebenher nahm Grace Slick auch immer wieder Soloalben auf: “Manhole” (1974). “Software” (1984), “Dreams“(1980) und “Welcome To The Wrecking Ball” (1981), die jedoch weder bei Kritikern noch beim kaufenden Publikum einen nennenswerten Eindruck hinterlieĂźen.

Als schließlich auch Paul Kantner Jefferson Starship verließ, strichen sie den “Jefferson” im Namen und machten als Starship weiter. Auch Grace verließ Starship im Jahre 1988 und nach ihrer Mitwirkung an einem Reunion-Album von Jefferson Airplane 1989 zog sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Sie geht seitdem der Malerei nach und engagiert sich für den Tierschutz. Auch in diesem Bereich benutzt sie wieder durchaus drastische Mittel des Protestes.

ByteFM gratuliert Grace Slick heute im TourKalender ab 16 Uhr zum Siebzigsten.

Phantogram bei uns zu Gast

30.10.2009 von  

Im heutigen TourKalender begrĂĽĂźt Siri Keil Phantogram. Das aus Saratoga Springs stammende Duo ging schon zusammen zur Schule und macht seit 2007 gemeinsam Musik. Sarah und Joshua mischen 70er Pop galant mit Elektro. Ganz frisch im Oktober 2009 erschien ihr DebĂĽt ‚Eyelid Movies‘.

Bis Anfang November sind die beiden noch auf Tour – vor dem heutigen Auftritt in Hamburg sind sie fĂĽr ein kurzes Interview bei uns zu Gast.

30.10.: Oft genug in der Sackgasse

30.10.2009 von  

20 Jahre nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs: Michael Pilz untersucht für die Welt Online das westeuropäische Interesse an der „wild-exotischen Musik des Ostens“.

Für eine ziemlich schwere Geburt hält taz-Autor Ulrich Rüdenhauer das aktuelle Album der Flaming Lips: „Abwege führen bisweilen auch zum Ziel, aber in diesem Fall doch oft genug in die Sackgasse.“

Ebenfalls für die taz weist Elias Kreuzmair auf die Tourverschiebung von Jamie T. hin. „Seine Psyche scheint sich über den Körper gegen die Strapazen des Popstars zu wehren“, schreibt der Autor und hofft, „dass nicht irgendwann hinter der gesamten Karriere des jungen Musikers ‚postponed’ steht.“

Nochmal taz: Christian Rath ĂĽber das Recht auf die musikalische Privatkopie. Eine Klage der Musikindustrie scheiterte aufgrund der abgelaufenen Einreichungsfrist, steht u. a. bei Zeit Online. Damit bleibt die Privatkopie von CDs weiterhin erlaubt.

Google erklärt sein neuestes Tool: das Google Music Search Feature.

Zu guter Letzt: Jackson’s Abschiedsfilm läuft in den Kinos und Sony reibt sich die Hände. Aber soll es das schon gewesen sein?

Arbeitsteilung im Akkord: Eddie Holland wird 70

Vor 70 Jahren wurde Edward Holland Jr. – auch kurz Eddie Holland genannt – in Detroit, Michigan, geboren. Soul-Fans dĂĽrfte sein Name ein Begriff sein und andere haben sicher schon Songs von ihm gehört – zumindest wenn sie gelegentlich Popmusik hören.

Eddie Holland erlangte Ruhm und Anerkennung als Bestandteil eines der erfolgreichsten Komponisten-Teams der 1960er Jahre: Holland / Dozier / Holland. Neben Eddie zählten noch sein Bruder Brian Holland und Lamont Dozier zum Trio. Ihre große Zeit hatten sie beim Soul-Label Motown Records in Detroit.

Eddie Holland begann aber 1958 seine Karriere nicht als Songwriter, sondern als Interpret bei Motown. Seine eigenen Platten hatten jedoch nur mäßigen Erfolg, nur die Single „Jamie“ aus dem Oktober 1961 schaffte es bis in die amerikanischen R&B Top 10. Der nur bescheidene Erfolg seiner Platten lag zum einen daran, dass das Motown-Label seinen spezifischen Sound noch nicht gefunden hatte und auch Eddie selbst nur auf den vorgefertigten Pfaden eines Jackie Wilson wandelte, und wahrscheinlich auch daran, dass Eddie kein Entertainer war und seine Bühnenangst nicht überwinden konnte.

Aber schon bei den Songs seiner ersten und einzigen LP für Motown („Eddie Holland“, 1962) betätigte er sich als Komponist und auch sein Bruder Brian und Lamont Dozier steuerten Ideen bei. Zumindest eine ihrer ganz frühen gemeinsamen Kompositionen „Leaving here“ – zwar für Eddie ein Flop – wurde aber später von Rockbands gerne gecovert. So gibt es u. a. Versionen von The Birds, Motörhead, The Who und Pearl Jam.

Arbeitgeber des Komponistenteams Holland-Dozier-Holland wurde der Musikverlag Jobete Music Publishing, der wie das Plattenlabel Motown Records Berry Gordy gehörte. Nach einigen weniger erfolgreichen Jahren kam es dann zu ersten kleineren Erfolgen, etwa für Martha & the Vandellas („Come And Get These Memories“ , „Heatwave, Quicksand“), für Smokey Robinson & The Miracles („I Gotta Dance To Keep from Crying“, „Mickey’s Monkey“) Oder für Marvin Gaye („Can I Get A Witness, Baby Don’t You Do It“).

Durch diese kleineren Erfolge empfahlen sich Holland-Dozier-Holland aber für den neuen aufsteigenden Stern am Motown-Himmel: die Supremes. Für das Gesangs-Trio schrieben sie eine Vielzahl von Hits und sie entwickelten den typischen Motown-Sound: ein harter Beat, verstärkt durch die „Rimshot-Technik“ am Schlagzeug, leichte Orchestrierung und der Call-And-Response-Gesangsstil.

Bei den Dreien hatte sich inzwischen eine Arbeitsteilung eingestellt: Eddie Holland schrieb meist die Texte und arrangierte die Stimmen, Lamont Dozier und Brian Holland komponierten die Musik und produzierten den Song. Natürlich betätigte sich auch Eddie als Produzent und stand häufig mit den anderen in den Credits. Aber auch seine Zusammenarbeit mit anderen Komponisten außerhalb der Trio-Struktur war von Erfolg gekrönt: So schrieb er beispielsweise mit Norman Whitfield für die Temptations „Ain’t Too Proud To Beg“ oder „I Know I’m Losing You“. Und natürlich war er auch bei vielen Produktionen alleine für Melodie, Text und Arrangement zuständig.

Nach einem Rechtsstreit des Trios mit Jobete Music –, natürlich ging es dabei um Geld und Tantiemen – der sich von 1968 bis 1972 hinzog und mit einem Vergleich endete, war
das Vertrauen zwischen Holland-Dozier-Holland und dem Motown-Konzern zerstört und die Drei gründeten noch im Mai 1969 das eigene Plattenlabel Invictus / Hot Wax Records. Sie blieben aber vertraglich bezüglich neuer Kompositionen noch eine Zeitlang an Jobete Music gebunden. Wenn sie auch an die Erfolge bei Motown nicht anknüpfen konnten, hatten sie doch einige erfolgreiche Produktionen am Start und Stars wie Chairmen Of The Board, Laura Lee, Freda Payne oder The Honey Cone unter Vertrag.

Aber auch für Künstler anderer Labels, etwa Aretha Franklin oder Dionne Warwick, betätigten sie sich als Produzenten und Komponisten. So ging etwa die 73er LP „Just Being Myself“ von Dionne Warwick komplett auf ihr Konto. 1975 kam es noch einmal zu einer Annäherung an Motown, als sie für Platten von Michael Jackson Songs beisteuerten und auch für den Sound der Jackson Five LP „Moving Violation“ verantwortlich zeichneten. 1976 produzierten sie für die Supremes gleich zwei Alben: „Merry, Scherrie And Susaye“ (Februar 1976) und „High Energy“ (Juni 1976).

Neben zahlreichen Awards wurden sie 1988 in die New Yorker Songwriters Hall of Fame aufgenommen und im Januar 1990 wurde dem Team für seine Verdienste in der Rock and Roll Hall Of Fame ein Denkmal gesetzt.. Auch im neuen Jahrtausend ist Eddie Holland noch als Produzent aktiv, zum Beispiel produzierte er 2003 die LP „Dream A little“ von Ronnie Laws.

ByteFM gratuliert Eddie Holland herzlich zum 70sten.

Unser Autor Heinz-Jürgen Maaßen präsentiert an jedem Dienstag ab 18 Uhr die Sendung Rock-Ola. Anlässlich des runden Geburtstags hat er einen Beitrag über Eddie Holland zusammengestellt, der im heutigen TourKalender ab 16 Uhr zu hören ist.

Freitag

30.10.2009 von  

Neuland: Götz Adler hat ausgepackt: Neue Scheiben von Mumford & Sons, Hidden Cameras, Matias Aguayo, Emily Jane White, Max Richter, Sufjan Stevens, Ooioo, Get Back Guinozzi, Mapstation, Expatriate, Mulatu Astatke u.v.a. - ab 14 Uhr
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ByteFM Mixtape: Unsere heutige Ausgabe des ByteFM Mixtapes wird präsentiert von dem kleinen und feinen Erlanger Plattenladen Der Schallplattenmann. Ein in mehrerer Hinsicht prädestinierter Gast fĂĽr diese Sendung. Zum einen hat Inhaber Bernie Sauer sein Tonträgerfachhändlerhandwerk sozusagen von der Pike auf gelernt, und vor zwei Jahren schlieĂźlich seine eigenen Vorstellungen eines Ladens in Form des „Schallplattenmanns“ umgesetzt. Zum anderen ist er Chefredakteur eines Internetnewsletters der ersten Stunde: Seit 1996 erscheint mit Der Schallplattenmann sagt einmal die Woche ein unabhängiger Newsletter mit Rezensionen ĂĽber von der Redaktion ausgewählte Tonträgern. Und schlieĂźlich beginnt am heutigen Freitag den 30.10. die erste deutschlandweite Plattenladenwoche in ĂĽber 70 Städten, die wir mit dieser Mixtapesendung sozusagen einläuten möchten - ab 17 Uhr
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Guilty Pleasures: Gut und schlecht zugleich, das ist das Motto der heutigen Guilty Pleasures-Sendung: Martin Böttcher offenbart, was er an der Schlagersängerin Michelle gut findet, warum ihm Schnulzensänger aus den 50ern und 60ern eine Gänsehaut herbeizaubern können und wie sehr Happy Hardcore sein Leben bestimmt hat - ab 18 Uhr
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Almost Famous: Bis(s) zum Erbrechen wird man als Kino-Gänger gerade mit Trailern fĂĽr den zweiten Teil der Teenie-Vampir-Saga ‚Twilight‘ bombardiert. Wem die Nachtflatterer schnuppe sind, der sollte trotzdem mal ein Ohr in den Soundtrack zu ‚New Moon‘ werfen. Der glänzt nämlich mit exklusiven Neu-Tracks von den Editors, Thom Yorke, The Killers, Lykke Li und Black Rebel Motorcycle Club. Bei Almost Famous darf diese Woche quer gelauscht werden. AuĂźerdem gibt’s mit Hurts eine der vielleicht schönsten Neuentdeckungen aus Manchester zu bestaunen. Und das ist längst noch nicht alles… - ab 22 Uhr
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ByteFM zur Nacht – Just Banks: Kunterbunt geht es zu in den Mixen von Just Banks aus Linz. Mit Electro als Richtungsweiser geht es straight Richtung Dancefloor. Dabei nimmt Just Banks gern mal ein Umweg ĂĽber funky Breaks, Breakbeat und Minimal - ab Mitternacht
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Zum Wochenprogramm…

Not In Our Name, Marke Hamburg!

29.10.2009 von  

Anfang des Monats schilderte Kollegin Hanna Wangemann unter dem Titel „Hamburg kommt in die Gänge“ die Wohnraumsituation in Hamburg, die derzeit eine weitreichende Debatte in Politik und Gesellschaft ausgelöst hat.

Ein Monat vergeht schnell. Hanzevast, der niederländische Käufer des von KĂĽnstlern besetzten historischen Hamburger Gängeviertels, hat eine weitere fällige Rate des Kaufpreises bezahlt. Zwei Gebäude wurden daraufhin verlassen. Die Zukunft des Viertels ist ungewiss, dennoch hofft man auf einen positiven Ausgang der Diskussion (weitere News und Infos finden sich auf der Homepage der Aktion „Komm in die Gänge“).

Aus der Debatte zwischen einigen Hamburger Kulturschaffenden ist nun das Manifest „Not in our name, Marke Hamburg“ entstanden. Dieses Manifest fasst die grundsätzlichen Probleme und Forderungen der Kulturschaffenden und BĂĽrger Hamburgs zusammen und kritisiert stark die Finanz- und Imagepolitik der Stadt.

Morgen, 30. Oktober, findet im Uebel & Gefährlich die „Recht auf Stadt“-Benefiz-Gala statt. U.a live zu erleben sind Die Sterne, 1000 Robota, Kettcar, Gisbert zu Knyphausen, Juri Gagarin, Schwabinggrad Ballett und der Kiss Kiss Club.
Der Aufruf der Veranstaltung: ein anderes Hamburg ist möglich. Uns reicht’s!

Mehr Informationen erhaltet Ihr heute bei Klaus Walter im TourKalender ab 16 Uhr.

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